Ausgabe 
13.7.1940
 
Einzelbild herunterladen

für ein solches wildes Heckenschützentum beteiligen. Man kann nicht früh genug auf den Ursprung einer Legende hindeuten, die einmal leichtgläubigen Amerikanern als Heldenlied britischer Frauen in den Ohren tönen soll, in Wahrheit aber nichts an­deres wäre als krasser Völkerrechtsbruch.

Während die panische Angst vor einem deutschen Angriff Regierung und Volk Englands zu den verzweifeltsten, von Unsicherheit und Furcht diktier­ten Maßnahmen treibt, spürt man auch auf wirt­schaftlichem Gebiet von Tag zu Tag mehr, daß England tatsächlich eine belagerte Insel ist. Nicht nur, daß durch den Ausfall fast des gesamten euro­päischen Kontinents für die Lebensmittelversorgung diese bei den völlig unzureichenden Produktions­leistungen der den Jagdlaunen und der Profitgier der großen Latifundiendesitzer geopferten eigenen Landwirtschaft ganz auf die Zufuhren auf Uebersee angewiesen ist, auch die britische Eisenerzeugung, die Seele der aus höchsten Türen laufenden Rüstungs­industrie, ist in katastrophalem Abstieg begriffen, so daß der britische Versorgungsminister Morrison schon einen lauten Hilferuf an die Vereinigten Staaten gerichtet hat, den folgenschweren Ausfall zu decken. Nachdem seit dem 10. April die Zufuhr schwedischer Erze aufgehört hat, hat England nun auch auf die Zufuhr aus Frankreich und Nord- afrika verzichten müssen, der eiaene Bergbau leidet an Mangel an Grubenholz, das früher in der Hauptsache aus Norwegen unb Finnland herein- kam, so ist schon eine Reihe von Hochöfen ausge­blasen worden, und flehentlich lenkt man die Blicke nach den Vereinigten Staaten, ohne freilick viel Hoffnung auf rechtzeitige Hllfe, denn Roosevelts riesiges Aufrüstungsprogramm, das nicht minder der Wi rtscha ft^a nkurb elung wie außenpolitischen Zwecken dienen soll, erfordert natürlich höchste An- spannung der amerikanischen Eisenerzeugung für die eigene Rüstungsindustrie.

Aber noch einen Haken hat die Sache, und das ist die Tonnage, sie ist heute bereits für Eng­lands Versorgung mit Lebensmitteln und Rohstoffen die Kardinalfrage geworden. Vor dem Weltkriege marschierte Englands Handelsflotte mit 19,3 Mil­lionen BRT. an der Spitze, erst in weitem Abstand folgten Deutschland mit 5,5 Millionen BRT. seiner Handelsflotte. Der Weltkrieg hatte nun zwar den deutschen Wettbewerb wenigstens vorübergehend beseitigt, dafür aber die Handelsflotten anderer Länder, vor allem die der Vereinigten Staaten, Japans und Norwegens, erheblich anwachsen lassen, während Englands Anteil an der Welthandelsflotte von 39,2 v. H. im Jahre 1914 auf 25,9 v. H. im Jahre 1938 sank. Die britische Handelsflotte verfügte nach Lloyds Register 1939 über 17,9 Millionen BRT. Schiffsraum, ihr folgten die Vereinigten Staaten mit 9,3 Millionen, Japan tpt 5,6 Millio­nen, Norwegen mit 4,8 und Deutschland mit 4,5 Millionen BRT. Wenn England also in den Welt­krieg gegangen war, um aus dem Weltmeer alle unangenehmen Konkurrenten zu beseitigen, so zeigt diese Bilanz, daß Englands Rechnuna in diesem wie in so vielen anderen Punkten falsch war, denn statt eines ihm wett unterlegenen Konkurrenten hatte es nach dem Weltkriege deren eine ganze Reihe, von denen die Vereinigten Staaten bereits über mehr als die Hälfte des britischen Schiffs- raums verfügten, während 1914 Deutschland als nächstgrüßte Handelsflotte nicht viel mehr als ein Viertel der brittfchen besaß.

So ging England in den neuen Krieg in einer gegen 1914 sehr erheblich verschlechterten Grund- stelluna seiner Handelsflotte. Und seit Kriegsbe­ginn ist der von Monat zu Monat wachsende Man­gel an Schiffsraum zu dem wesentlichsten Problem der wirtschaftlichen Kriegführung Englands über­haupt geworden, während seine beiden stärksten Konkurrenten, die Vereinigten Staaten und Japan, neben ihren ungeheuren Rüstungen zur See auch mit dem beschleunigten Ausbau ihrer Handelsflotte durch keine Kriegssorgen gehindert fortfahren. Wie sehr die deutsche Wehrmacht zu Lieser prekären Si­tuation der brttischen Handelsflotte beiaetragen hat, zeigt die Zusammenstellung, die der gestrige Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht über die Er­folge von Kriegsmarine und Luftwaffe im Handels- krieg bringt. Danach sind seit Kriegsbeginn bis zum 8. Juli insgesamt mehr als 4,3 Millionen BRT. feindlichen oder dem Feinde nutzbaren Handels- schiffsraumes vernichtet worden. Das ist ein un­geheurer Erfolg, wenn man bedenkt, daß bis Mitte April die Basis des deutschen Handelskrieges in der Deutschen Bucht lag, erst mit der Besetzung der nor­wegischen Küste Stützpunkte an der offenen Nord­see gewonnen werden konnten und eine Spanne von wenigen Wochen erst den Auftakt, freilich einen sehr verheißungsvollen, gegeben hat für die Füh­rung des Handelskrieges aus dem gewaltigen Ra­dius NarvikBiscaya. Kriegsmarine und Luft­waffe teilen sich in diesen großartigen Erfolg, der England an seiner Achillesferse trifft, denn die Wirtschaftsblockade war die Waffe, mit der die bri­tischen Plutokraten auch diesen Krieg, wie so viele andere der britischen Geschichte zu gewinnen gedach­ten. Die Besetzung der gesamten Kontinentalküste vom Nordkap bis zur Pyrenäengrenze Frankreichs

hat den Briten nicht nur diese Waffe aus der Hand geschlagen, sondern ihre eigene Insel der deutschen Blockade ausgesetzt. Der Luftwaffe und den U-Booten stehen heute nicht nur an der norwegischen Küste und am Kanal, sondern auch am freien Atlantik sichere Stützpunkte für ihre Unternehmungen gegen alles, was noch auf England zustrebt, zur Verfügung und und wie beide diese neue durch den siegreichen Feld­zug in Frankreich geschaffene Situation auszunützen verstehen, das beweisen die Wehrmachtsberichte von Tag zu Tag mit schlagenderen Zahlen. Wenn sich die Briten damit zu trösten suchen, daß sie durch die Beschlagnahme zahlreicher skandinavischer, hol­ländischer, belgischer und französischer Schiffe ihre Tonnage erheblich aufgebessert hätten, so wird das Ergebnis dieses Piratenstreichs mehr als aufge­wogen durch die Verlängerung der Zufahrtsstrecken, die die vom europäischen Kontinent nun fast ganz abgeschnittenen britischen Handelsschiffe zurücklegen müssen, um aus Uebersee Lebensmittel und Roh­stoffe heranzuschaffen. Zudem sind sie zum Löschen ihrer Ladung mehr unb mehr auf die Häfen der englischen Westküste angewiesen, da Süd- und Oft- küste am unmittelbarsten der deutschen Blockade unterworfen sind. Bei der starken Spezialisierung der britischen Häfen für den Umschlag bestimmter Warengattungen, wie Lebensmittel, Erze, Baum­wolle, Erdöl, Kohle und bei der geringen Leistungs­fähigkeit der britischen Eisenbahnen für Gütertrans­porte, werden die Zerstörungen von Hafenanlagen durch deutsche Bomber sehr schnell die Güterver­sorgung Englands auch von dieser Seite her in Schwierigkeiten bringen, wenn nicht schon gebracht haben.

Angesichts dessen ist es schon ein besonders dumm­dreister Bluff, wenn britische Propagandaredner von derAushungerung Europas" sprechen. Abgesehen davon, daß es der britischen Flotte gänz­lich unmöglich ist, den europäischen Kontinent ir­gendwie zu blockieren, so würde diese Blockade ein

Der Schauplatz der Schlacht im Mlelmeer.

SO V.-RUSS

AND

BULQARIFi

^RIECI

dtsch reich/,gar\ RUMÄNIEN

J ST TOBRUK KYRENAIKA

SIZILIEN

MWWMM

«GIBRALTAR

TANGE!

'PAL.

Irien

ÄG/PTEN SUM

g( IMMER

EN R DAN E LIEN

TÜRKEI

idiiiscHE$;L*NßA^vtl0S

T# KORSIKA

ERZ. NORDAFRIKA \:

ENGE. STÜTZPUNKTE | 0 500 1000 4500

KM.

ys. %

........MMPNüni'MM'iW

'alexandriÄUT^

l CTO*

Lagekarte zu den italienischen Wehrmachtberichten. (Scherl-Bilderdienst-M.)

petains neues Kabinett.

Bern, 13. Juli. (DNB.) Wie die Agentur Havas aus Mchy meldet, hatte sich der französische Mi­nisterrat am Freitag unter dem Vorsitz des Mar­schalls Petain versammelt. Alle Minister erklärten ihren Rücktritt. DasJournal Officiel" vom 13. Juli veröffentlicht ein Dekret, das die von Mar­schall Pstain als Chef des französischen Staates auf Grund des Derfassungsattes vom 11. Juli 1940 ernannten Minister-Staatssekretäre aufzählt: Stellvertretender Ministerpräsident: Pierre Laval, Senator; Justiz: Raphael Alibert, Mitglied des Staatsrates; Inneres: Adrien Mar- quet, Abgeordneter; Auswärtige Angelegenheiten: Paul Baudoin; Finanzen: Poes Bouthil- lief; Landesverteidigung: General W e y g a n d, Oberkommandierender; Unterricht und Kunst: Cmlle Müreaux; Jugend und Familie: Jean Pbarne- garay, Abgeordneter; Landwirtschaft: Pierre G a z i o t, Mitglied der Landwirtschaftsakademie; Verkehr: Pietry, Abgeordneter; Kolonien: Le- mery, Senator. Die Namen der Minister-Staats­sekretäre für Industrieproduktion und Arbeit sowie des Generalsekretärs für Arbeitseinsatz werden spä­ter veröffentlicht. Artikel 2 nennt als Unter- staatssekretär des Heeres: General Col- f o n, der Marine: Admiral D a r l a n, der Luft­fahrt: General der Luftwaffe P u j o. Falls der Staatschef aus irgendeinem Grunde an der Ausübung feiner Funktion verhindert ist, ehe die neue Verfassung vom Volk ratifiziert ist, übernimmt

der stellvertretende Ministerpräsident Laval diese Funktionen. Ist Laval verhindert, |o wird sein ^Stellvertreter vom Ministerrat ernannt.

Wie aus Vichy weiter berichtet wird, sind die französischen Parlamentarier äußerst empört über die Absicht des Marschalls Petain, mit seiner neuen Regierung nach Versailles überzusiedeln. Der Grund für ihre Erbitterung ist vor allem, daß Petain nicht gewillt ist, die Uebersied- lung von Senat und Kammer nach Ver­sailles oder Paris zu gestatten. Eine Abordnung von Parlamentariern hat sich unter Führung des Kammerpräsidenten Edouard Herriot bereits zu dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Pierre Laval begeben, um diesen äu ersuchen, dem Mar­schall den Wunsch beider Häuser zu übermitteln, a m Sitz der Regierung oder in dessen Nähe ihreparlameytarische Tättgkeit" entfalten zu kön­nen. Laval hat dieses Ersuchen rundweg abge- lehnt. Er wies darauf hin, daß es sich bei dem Weiterbestehen von Kammer und Senat bis zum Inkrafttreten der neuen Verfassung nur um eine Formalexistenz handele. Der Marschall habe keineswegs die Absicht, so teilte Laval den Parla­mentariern mit, die beiden Versammlungen in ihrem bisherigen Bestand jemals wieder einzube­rufen. Abgeordnete und Senatoren blieben am be­sten in Clermont-Ferrand oder in Vichy, bis über ihr Schicksal entschieden sei. Eine Uebersiedlung komme nicht in Frage.

Duff LoopersKampagne des Schweigens".

Von unserer Berliner Schrifileiiung.

Der alte Kriegshetzer der Plutokratie, Duff Cooper, hatte als politischer Geschäftsreisender in der nord amerikanischen Presse am 25. Oktober 1939 verkündet, Deutschland müsse zerschlagen und Süddeutschland mit den Donaugebieten unter der Herrschaft Otto von Habsburgs vereinigt werden, desselben Otto, der jetzt in Neuyork angelangt ist und behauptet hat, in Paris und sonstwo nur mit knapper Not der Gefangennahme durch die Deut­schen entwischt zu fein. Und noch am 23. April 1940 meinte besagter Duff Cooper, die Deutschen, diesekleinen Trupps von blutbefleckten, geld­machenden Mördern , müßten unbarmherzig getötet werden. Jetzt ist Duff Cooper als informierender Lügenminister insofern minder heroisch, als er im Rundfunk dem britischen Volk erzählte, es solle vor allem gegen die defaitistische Stim­mung a n k ä m p f e n, die sich auf der belagerten Insel wohl in schlimmster Weise bemerkbar machen muß. Er gab recht kleinlaut eine Unzahl von ab­surden Rezepten, die Briten sollten sich i m Schweigen üben, sie sollten den falschen Ge­rüchten nicht glauben, die Augen vor den Wirkun­gen der deutschen Bombardements verschließen und dafür von den britischenSiegen" sprechen, also wohl von der feigen Flucht bei Andalsnes, aus Holland und Belgien, aus Dünkirchen oder dem Ueberfall von Oran? Nun, wir werden dafür sor­gen, daß Duff Cooper selbst mit seinem Grundsatz: Die Wahrheit zu lagen, könnte schädlich sein", die harte Wahrheit fühlen wird, wenn er sie nicht hören will.

Die presse furchtet Verschärfung der Zensur.

Stockholm, 12. Juli. (Europapr.) Im Anschluß an die Rundfunkrede des brittfchen Jnformattons- ministers Duff Cooper ist in London eine so­genannteKampagne des Schweigens" in die Wege geleitet worden. Es soll damit bezweckt werden, alle Meldungen über deutsche Luftangriffe in der Oeffentlichkeit zu unter­binden. Eine Schweigekolonne soll gebildet roer­ben, die das ganze Volk zum Schweigen ermahnen soll. Lautsprecherwagen durchfahren Lon­

don und andere große Städte Englands, um Auf­rufe an die Bevölkerung zu richten. An den öffent­lichen Gebäuden sind buntumrandete große Pla­kate angeschlagen, auf denen die gleiche Mahnung zu lesen ist, wie auf Emailknöpfen, die zum Verkauf gelangen, die für den Haushalt bestimmt find, und jeder, der sich selbst im Kreise der Fa- milie überflüssiger Erzählungen oder der Verbrei­tung falscher Gerüchte schuldig macht, soll ein Strafgeld dafür in die Büchse stecken.

Die Londoner Zeitungen setzen sich auf Anwei­sung der Regierung für die Durchführung der Kam­pagne ein, nehmen aber gleichzeitig in schärfster Weise gegen einen in Vorbereitung befindlichen Plan zu einer weiteren Verschärfung der Pressezensur Stellung. Die Hauptangriffe richten sich in Artikeln und Karikaturen gegen den Jnformattonsminister Duff Cooper selbst, der mit Maulkörben die britische Presse empfangend dar- gestellt wird. Verhandlungen zwischen dem JnfOr- mattonsministerium und der Presse sollen nicht zu einem befriedigenden Ergebnis geführt haben. Daily Expreß" bezeichnet Duff Cooper alsMi­nister zur Unterdrückung der Informationen" und schreibt:Endlich sehen wir, was dieser Minister gegen uns im Schilde führt." AuchDaily Herold" richtet scharfe Angriffe gegen den Jnformattons­minister.

Allehanda" meldet, daß in England die Psychose, die durch die Ankündigung der Regierung über die Wirksamkeit derFünften Kolonne" ausgebrochen sei, weiter um sich greife. Nachdem Minister Benin kürzlich erklärt hatte, daß die Fünfte Kolonne b i s in die höchsten Kreise der englischen Gesell­schaft reiche, soll eine Anzahl Lords sich in Haus­arrest befinden, da man bei ihnen Sympathien für Deutschland beobachtet haben will. Ueber einen weiten Teil der englischen O st k ü ft e ist der Aus - nahmezustand verhängt worden. Die Bewohn ner dürfen ihre Häuser von einer Stunde nach Sonnenuntergang bis eine Stunde vor Sonnenauf- gana nicht verlassen. Verstöße werden durch Militärgerichte geahndet. Gleichzeittg ist an- geordnet worden, daß alle an dem Küstenstreifen liegenden Küstendampfer, Fischerboote und sonstigen Fahrzeuge unbrauchbar gemacht werden, um zu verhindern, daß sie dem Feind bei militärischen Operationen dienlich sind.

Schlag ins Wasser sein, denn der europäische Kon- tinent braucht weder an Lebensrnitteln noch an wich­tigen Rohstoffen die überseeischen Zufuhren, um existieren zu können. Es sei nur daran erinnert, daß an Weizen und Roggen nur 3,3 v. H. des konti­nentaleuropäischen Bedarfs aus Uebersee kamen, nur 5,9 v. H. an Futtermitteln. Zudem steht über das Mittelmeer der Weg noch Afrika und Vorder- afien hin und über Rußland der Weg nach dem Fernen Osten hin offen. Der doppelte Seesieg der italienischen Kriegsmarine und Luftwaffe im Mittel­meer am 9. Juli hat aller Welt gezeigt, daß England nicht einmal mehr imstande ist, den wichtigsten Ver­bindungsweg feines Empire offen zu halten. Nach dem mißglückten Norwegenunternehmen war ein starker britisch-französischer Verband in das östliche Mittelmeer entsandt worden, er hatte sich auf der Reede von Alexandria versammelt, um zu einer Landungsaktion der Syrienarmee auf dem Balkan bereitzustehen oder die berüchttgten Pläne gegen die russischen Oelfelder am Kaukasus durch Opera­tionen im Schwarzen Meer zu unterstützen. Durch den Eintritt Italiens in den Krieg sah sich nun dieser Flottenverband van dem im westlichen Mit­telmeer bei Gibraltar versammelten Geschwader getrennt, denn die Enge zwischen Sizilien und

Tunis sperrt die italienische Jnselfestung Pantelleria mit Hilfe einer höchst aktiven Luftwaffe für alle feindlichen Schiffe. Die Wiedervereinigung beider Flvttenteile war anscheinend das Ziel eines gleich­zeitig von Osten unb Westen geführten Angriffs der Engländer. Ein brittscher Verband, der aus Alexan­drien ausgelaufen war, stieß von Krettr her mit drei Schlachtschiffen der Barham-Klasse, einem Flugzeug­träger, mehreren Kreuzern und einer Reihe von Zerstörern nach Westen in das Jonische Meer vor, während gleichzeittg ein Teil derSieger" von Dran, der nach dieser Heldentat nach Gibraltar ge­fahrene Flottenverband mit dem Schlachtkreuzer Hood", dem SchlachtschiffResolution" und dem FlugzeugttägerArc Royal" einen Vorstoß nach Osten unternahm.

Die italienische See- und Luftaufklärung meldete die feindlichen Flottenbewegungen so rechtzeittg, daß die italienische Seekriegsleitung, die in Händen des Admirals Cavagnari liegt, beizeiten Gegenmaß­nahmen treffen konnte. Sie überließ starken Ge­schwadern der Luftwaffe die Vertreibung des von Wetten her anrückenden Flottenverbandes. Bei den Balearen wurde er durch in Wellen herangeführte Bombenangriffe zum Rückzug gezwungen, nachdem der SchlachtkreuzerHood", mit 42100 Tonnen

MdemRttterkreuzausgezeichnet

Berlin, 12. April. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat auf Vor­schlag des Oberbefehlshabers des Heeres das Ritter­kreuz zum Eisernen Kreuz verliehen: Generalmajor Kriebel, Generalmajor Kühn, Kommandeur einer Panzer-Brigade; Oberst Hans-Karl Freiherr v. Esebeck, Kommandeur einer Schützen-Brigade; Oberst Karl-Hans v. Scheele, Kommandeur eines Infanterie-Regiments; Oberstleutnant (Sb erb ad), Major Chrobek, Oberleutnant Klotz, Leutnant Stötten, Feldwebel Brachat, Feldwebel Lang.

Generalmajor K riebet erreichte es durch feinen persönlichen Einsatz, daß an sämtlichen stark ver­teidigten Abschnitten an der Maas, am Thourhout- Kanal, am Albert-Kanal, am Dyle-Abschnitt, an der Schelde, Pser, Lys und am Kanal von Furnes der Feindwiderstand rasch gebrochen und die starke Ver­teidigung dieser Abschnitte zerschlagen werden konnte. Der rasche Fall von Antwerpen wurde durch dieses ungestüme Vorgehen wesentlich beschleunigt. Dabei war von ausschlaggebender Bedeutung, daß Generalmajor Kriebel ohne jede Bedeckung weit vor seiner Infanterie persönlich am 18. Mai die Brücke bei Mecheln in die Hand bekam und die schon ein­geleitete Sprengung der Brücke verhindert werden konnte. Die Panzerbrigade des Generalmajors Kühn griff beim Durchbruch der Dyle-Stellung feuernde französische Artillerie bei St. Gery an und vernichtete bei Tilly in weiterem Vorstoß noch zehn französische Panzer. Am 5. Juni durchstieß die Bri­gade südwestlich Peronne die zäh verteidigte Wey- gand-Stellung in 15 Kilometer Tiefe und vernichtete fünf französische Batterien, darunter drei schwere. Die Kühnheit und selbständige Entschlußkraft des Oberst Freiherr von Esebeck und einer von ihm gesuhrten kleinen Abteilung erzwangen die Er­oberung der Festung Epinal. Der Durchbruch durch die Frontlinie war um so kühner, als der Feind im Zwischengelände und in den Forts noch Wider­stand leistete. Oberst von Scheele erzwang durch kühnen Durchstoß der von ihm geführten Ab­teilung vom Rhein-Marne-Kanal bis Nancy und

Z\ Gallenleiden

\\ TIZO Ich feile Ihnen mit, dafj sich mein Gal­li ||% // lensfeinleiden seit dem regelmäßigen

'\JL iXltJrH Gebrauch des Wassers ganz beson- ders gebessert hat; seit Wochen sind keine Schmerzen mehr aufgetreten. Frau M. Kemp, Bad Godesberg, Bahnhofstr.16.23.1.35. 20 grofje Flaschen RM 12.60, SO gro/je Flaschen RM 25.-. Fracht hin und zurück trägt der Brunnen. Heilquelle Karlssprudel, Biskirchen A.

durch die überraschende Wegnahme der Stadt mit ihren unversehrten Brücken den Anschluß an die von Osten herankommenden deutschen Kräfte und öffnete so anderen Einheiten den Weg in den Rücken der feindlichen Verbände im Raume südlich Toul. Oberstleutnant Ederbach hat an der Spitze seines Panzer-Regiments mit vorbildlicher Tapfer­keit die stark verteidigten Seinebrücken genommen. Am 14. Juni machte er mit feinem Regiment, das er ständig in vorderster Linie anführte, 5000 Ge­fangene, erbeutete 39 Flugzeuge, fünf Geschütze, acht Panzerwagen und zahlreiches anderes Kriegsmate­rial. Major Chrobek sah sich am 26. Mai, abends, vor eine schwierige Aufgabe gestellt, traf bei Zillebeke unerwartet auf heftige Gegenwehr des Feindes. Major Chrobek meisterte die Lage, indem er selbst seine Kompanien gegen den Feind führte, die schweren Waffen einsetzte und wirksamste Be­kämpfung einleitete. Er stieß hierbei auf das in Kraftwagen heranbeförderte Royal Scotch Regi­ment, einen sehr tapferen und geschickt kämpfenden Gegner. In zähem Ausharren erkämpfte er mit sei­nem Bataillon die Feuerüberlegenheit, so daß der Jpern-Kanal unter schwersten Verlusten des Fein­des gestürmt werden konnte. -In der Schlacht von

das bislang größte Kriegsschiff der Welt, schwer beschädigt und in Brand gesetzt worden war, und auch der ganz moderne 22 600 Tonnen große Flug­zeugttägerArc Royal" zwei schwere Volltteffer erhalten hatte. Dem von Osten her auf die italie­nische Küste zu haltenden brittfchen Geschwader stellte Admiral Cavagnari mit zahlreichen Ein­heiten der Luftwaffe die beiden Schlachtschiffe Giulio Cesare" und(Tonte di Cavour" als Kern des Geschwaders entgegen. Am Kap Spartivento, der südöstlichen Ecke, der Halbinsel Kalabrien, kam es zum Kampf. Die Engländer waren tonnagemäßig wie artilleristisch in großer Ueberlegenheit. Die drei Schlachtschiffe der Barham-Klasse stammen aus den ersten. Weltkriegsjahren, sie haben je 31 000 Tonnen und sind 'Mit acht 38,1-Zenttmeter-Kanonen bestückt, während die beiden italienischen Schlachtschiffe aus dem Jahre 1911 'stammen, je 23 600 Tonnen ver­drängen und mit zehn 32-Zenttmeter-Kanonen aus­gerüstet sind. Trotzdem war die Seeschlacht für die italienischen Waffen ein voller Erfolg. Unterstützt von Bombengeschwadern zwangen die italienischen Schlachtschiffe die Briten zum Rückzug, nachdem eines ihrer Schlachtschiffe gefecht^unfähig geschossen worden war. So rft auch im Mittelmeer der Nimbus des uttbefieglichen Albion im Verblassen.

Dr. Fr. W. Lange.

Falsche Gerüchte über ein Moskauer Ultimatum an die Türkei.

Moskau, 12. Juli. (DNB.) DieTaß" ver­breitet die folgende amtliche Verlautbarung:In den letzten Tagen sind in der ausländischen Presse in verstärktem Maße Gerüchte verbreitet worden, wonach die Sowjettegierung angeblich der Tür­kei ein Ultimatum g e ft e 111 habe mit F o r - berungen auf (Gebietsabtretungen. Sie Taß" ist zu der Erklärung ermächtigt,baf) alle diese Gerüchte Erfindungen darstellen und in keiner Weise den Tatsachen entsprechen."

Antiitalienische Stimmungen in der Belgrader presse.

Rom. 12. Süll. (DNB.) Eine bittere Polemik gegen die jugoslawische Presse beginnt Gayda im Giornale d'Jtalia". Die Polemik richtet sich sowohl gegen den neuen Direktor des jugoslawischen staat­lichen Rundfunks, Stanislav Krakoo wie auch gegen die italienfeindlichen Stimmen der jugoslawi­schen Presse. Gayda brandmarkt zunächst die Tat­sache, daß verschiedene Blätter Reutermeldungen aus Kairo und London bringen, die von angeblichen italienischen Niederlagen in Libyen sprechen. Gayda bezeichnet diese Nachricht alskindisch, schamlos und lächerlich falsch". Seine Notiz schließt er mit den Worten:Wir nehmen von diesen Dingen Kennt­nis. Es ist nützlich für die Klärung der politischen Orientierungen und für die Festlegung des realen Standes der internattyngsen Beziehungen."