Samstag, IZ. /Sonntag, 14- April 1940
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Gießener Anzeiger
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Norwegen im Schuh der deutschen Waffen
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Beweis
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Die Enttäuschung in London.
Scharfe Kritik an den falschen Berichten der Admiralität.
Bei strahlendem Sonnenschein uniD dichtbevöbker- teil Straßen brachte eine deutsche Militärkapelle am Donnerstagnachrnittag der hauptstädtischen Bevölkerung ein Ständchen, das etwa zwei Stunden dauerte. Die große Anzahl der Zuschauer und Zuhörer war kennzeichnend für die Ausnahme, die die disziplinierte deutsche Truppe hier gefunden hat. Bei dem Anmarsch der Kapelle auf den Storthing- Platz wurden die Feldgrauen gefolgt von einer Abteilung des norwegischen Garde-Bataillons.
September in den Hintergrund getreten waren. Dieses Mal beiginnt der Krieg."
Ministerpräsident Reynaud setzte seine diplo« matischen Besprechungen trotz der militärischen Be* ratungen, die durch die Ereignisse notwendig geworden sind, fort. So hatte er am Donnerstag nach einer Besprechung mit General Weygand, dem französischen Oberbefehlshaber im Nahen Osten, eine Konferenz mit dem französischen Botschafter m Ankara, Massigli. General Weygand hatte vorher an einer Konferenz mit Kriegsminister Da la* di er, den Generalen Gamelin, Georges, V u i l l e m i n und dem Lustfahrtminister L a u * rent-Eynac teilgenommen. Die Presse diskutiert nur noch die militärische Lage. Der Marineschriftsteller La Bruyere verteidigt die Flotten der Westmächte gegen die Vorwürfe, daß sie die beut* sch en Manöver längs der norwegischen Hoheitsgewässer nicht verhindert hätten, mit dem Hinweis darauf, daß eine Zone von zweitausend Kilometer Ausdehnung nur durch eine dünne Ueberwachungs- linie beherrscht werden könnte.
Der Pariser Korrespondent des „Giornale d'Ita- lia" berichtet, man sei in Frankreich enttäuscht darüber, daß es den englisch-französischen Streitkräften nicht gelungen sei, Truppen zu landen und die wichtigen Punkte den Deutschen wieder zu entreißen. Einige französische Blätter gäben der Hoffnung Ausdruck, daß in wenigen Stunden die Nachricht von derartigen „entscheidenden Aktionen" eintreffen werde: andere dagegen warnten vor Reynauds „Optimismus um jeden Preis" und vor einer Unterschätzung der Deutschen. Die „Liberte" wendet sich gegen das System der „schottischen Dusche", das der englisch-französische Nachrichtendienst anwende. ES sei ja möglich, daß das Publikum e.rn kurzes Gedächtnis habe, aber es merke schließlich doch immer, daß man mit seiner Leichtgläubigkeit spiele. Im übrigen richte die englisch-französische Presse immer* wieder an einige Neutrale, besonders an Schweden, die Aufforderung, an der Seite der Westmächte gegen Deutschland in den Krieg einzutreten, denn sie würden sich auf die Dauer doch nicht heraushalten können. Im offiziösen „Ordre" weist aber Pertinax darauf hin, daß die Haltung der schwedischen Regierung in hohem Maße durch die Haltung Rußlands bedingt sei, die stärker denn je für Deutschland günstig sei. Immerhin hätten die Gesandten Englands und Frankreichs in Stockholm bereits am io. April den schwedischen Außenminister Günther unterrichtet, daß Schweden im Notfalls auf die Hllfe der Westmächte zähle» könne.
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gebracht, während die Ladung in Hongkong liegender dänischer Dampfer schon am Donnerstag beschlagnahmt wurde. So entlarvt England wieder selbst sein heuchlerisches Spiel, ein brutales Doppelspiel: Auf der einen Seite „Hilfsversprechen" für Norwegen und auf der anderen Beschlagnahme norwegischen Eigentums.
Immer größere Knappheit an Schiffsraum.
Amsterdam, 13. April. (DNB. Funkspruch.) Die Black-Diamond-Line, eine amerikanische Schifffahrtsgesellschaft, die regelmäßigen Dienst von Neu- york und anderen Häfen der amerikanischen Ostküste nach Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen unterhielt, hat mitgeteilt, daß sie diesen Dienst e i n- [teilen müsse, da die Schwierigkeiten sich in letzter Zeit immer mehr erhöht hätten. Die Knappheit an Schiffsraum werde immer größer, ferner spiele der Aufenthalt in englischen Kontrollhäfen eine abträgliche Rolle, auch seien die Eharterpreise enorm gestiegen.
Berlin, 12.April. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
In Dänemark verlief der Tag ruhig. Heber- vachungsflüge der Luftwaffe an der dänischen Westküste trafen auf feinen Feind.
In Norwegen wurde das von den deutschen I?) Truppen besetzte Gebiet von Narvik aus erweitert md Evenes beseht. Kämpfe fanden hier nicht statt. 3n Gegend Trondheim wurde ein Angriff britischer Flugzeuge erfolgreich abgewiesen. Am Rachmittag versuchten englische leichte Seeftreit- Käfte vergeblich, in den Trondheim-Fjord ein- yibringen. Ein zu gleicher Zeit stattfindender Angriff britischer Torpedoflugzeuge blieb ohne j eg- li ch e Wirkung. Bei Trondheim wurden weitere norwegische Küstenbatterien übernommen und ab- «ehrbereit gemacht. 3n den besetzten Räumen um Bergen, Stavanger, kristiansand verlief der Tag ruhig. Feindliche Angriffsversuche haben mit Ausnahme eines erfolglosen britischen Luftangriffs auf Stavanger nicht stattgefunden. Bort wurde ein Bickers-Wellington-Flugzeug durch Flakartillerie abgefchossen. Die bei Oslo eingesetzten deutschen Kräfte erweiterten planmäßig den besetzten Raum nach allen Seiten.
Die Kriegsmarine setzte im Laufe des 11.4. ihre Operationen fort Wie bereits gemeldet, mürben vor Narvik zwei englische Zerstörer versenkt.
Einheiten der Luftwaffe unterstützen die beuffchen Truppen in Norwegen durch zahlreiche Er- kvndungs- und Sicherungsflüge. 3n den neuerrich- feten Luft- und Seestühpunkten sind seil dem 10.4. ittags zahlreiche Flakbatterien feuerbereit Auf- cirungsflugzeuge sicherten das Seegebiet vor der
norwegischen Küste und stießen bis weit über die nördliche Nordsee zur Erkundung feindlicher See- slreitkräfte vor. Auf Grund der Aufttärungsergeb- nisse griff ein Kampffliegerverband in den Abendstunden feindliche Kriegsschiffe 200-Kilometer nordwestlich Trondheim an. Lin Flugzeugträger wurde durch Volltreffer einer schweren Bombe schwer beschädigt, ein schwerer Kreuzer burch zwei Bomben getroffen und bewegungs-
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B e r l i n, 12. Aprit (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
heute abend versuchten britische kampf- flugzeuge deutsche Stützpunkte an der nor- vegischen Küsie anzugreifen. Durch rechtzeitt- flen Einsatz deutscher Rlesserschmitt-Flugzeuge wurde dieser Versuch blutig abgeschlagen. 3ns- gesamt wurden acht britischeBombenflug- ze u g e modernster Bauart abgefchossen.
Der Wehrmachtsbericht.
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Acht britische Bombenflugzeuge abgefchossen.
Angriffsversuche auf deutsche Stützpunkte an der norwegischen Küste blutig abgeschlagen
Annabme von Anzeige« für die Mittaasnummec bis8'/?UhrdesGormittags Grundpreise für 1 mm Höhe bei Anzeigen von 22 mm Breite? Pf.,Tertanzeigen von 70 mm Breite 50 Pf. Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse MengenstaffelL Platzvorschrift (vorherige Vereinbarung) 25mehr Ermäßigte Grundpreise Bädcranzeigen
und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Pf.
der Minenauslegung erfahren hatte, gilt als eis für die Richtigkeit des deutschen Vorgehens.
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Amsterdam, 13. April. (Europapreß.) lieber die Aussprache, die im englischen Unterhaus stattgefunden hat, liegen erst jetzt ausführliche Berichte vor. Während an den Ausführungen Churchills von der Opposition keine offene Kritik geübt wurde, machte das Haus dem Jnformationsmimsterium heftige Dorwürfe wegen der Berichter st a t t u n g. Der konservative Abgeordnete Boothby sagte, während der letzten vierundzwanzig Stunden seien der Oessentlichkeit Berichte über die Besetzung verschiedener norwegischer Städte durch die Engländer Zugänglich gemacht worden. Die Regierung müsse Schritte unternehmen, daß derartige zu falschen Ho ssnungen Anlaß gebende Berichte entweder gar nicht oder wenigstens mit einer zur Vorsicht mahnenden Mitteilung der Regierung von der Presse wiedergegeben würden. Die Abgeordnete Lady Astor erklärte, die Tätigkeit des Jnsormationsministeriums sei eine einzige U n= glückskette gewesen. Es sei von einem Verhängnis zum anderen geschritten. Wörtlich sagte Lady Astor: „Was gestern ausgegeben wurde, hatte das ganze Land mit Düsternis erfüllt, die Bevölkerung verlor in dieser Hinsicht ihr Vertrauen in die Regierung. Diele Leute, die dem Ministerpräsidenten nicht mißtraut haben, fühlten, daß er m der Auswahl von Männern kein weiser Mann ist. Ein Ministerpräsident muß die Nulpen (duds) loswerden, gleichgültig, ob sie seine Freunde sind oder nicht." Auch die parteilose Abgeordnete Miß Rat^ bone warf dem Ministerpräsidenten vor, daß er sich bei der Auswahl seiner Mitarbeiter von persönlichen Gefühlen leiten lasse.
Der Berichterstatter des „Telegraaf" begründet die Enttäuschung des Unterhauses wenigstens zum Teil mtt den überspannten Erwartungen die durch die übertriebenen Nachrichten über enalische See siege und Truppenlandungen in Norwegen erweckt worden waren. Diese Nachrichten hätten nach der düsteren Stimmung, die die Besetzung Dänemarks und die Landung deutscher Truppen in Norwegen erzeugt hatten, roieber neuen Mut eingeflößt. Man habe erwartet, daß nun die Deutschen in Norwegen in Kürze, in eine kitzlige Lage kommen würden. — Die Unterhausmitglieder hätten sich auf einen triumph ale n Er s ol g vorbereitet gehabt. Aber je weiter Churchills spannender dramatischer Bericht über das Treffen ur See sich entwickelte und vor allem, nachdem er U Bestimmtheit in Abrede gestellt hatte, daß Truppenlandungen stattgesunden hatten, um so mehr verschwand von den Gesichtern der lachende Hira, und eine Stimmung von grimmigem Ervtz meisterte die Gemüter. Mehr rmd wehr
M Jahrgang Nr. 87
Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Famil«nblätter HeimatimBild DieScholle
Oslo, 12. April. (Europapreß.) Aus einer Reihe von zuverlässigen Einzelmeldungen über die Lage in Norwegen ergibt sich folgendes Bild: Die Konsolidierung des öffentlichen und privaten Lebens schreitet zusehends fort. Die Behörden haben in Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden dafür gesorgt, daß die so plötzlich von ihren Arbeitsstätten fortgerissenen Männer zurückgeschickt wurden; der Aufforderung zur Wiederaufnahme der gewohnten bürgerlichen Tätigkeit ist der weitaus überwiegende Teil dieser Männer gefolgt. Deutsche Truppen und Flugzeuge kontrollieren auch den Teil des Landes, der sich östlich von Oslo bis an die schwedische Grenze erstreckt, ohne daß es in deren Nähe zu kriegerischen Aktionen gekommen ist. In Richtung auf die schwedische Grenzstation Charlottenberg besteht auch weiterhin Eisenbahnverkehr. Die Straßenbilder in diesem Teil Norwegens sind nur durch die deutschen Uniformen und deutschen Militärfahrzeuge gegen früher verändert. Viel hat dazu die Bereitwilligkeit der norwegischen Behörden beigetragen, die zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung ihren Dienst versehen. Die Nachrichten, die über Rundfunk und Zeitungen von den militärischen Vorbereitungen der Engländer zur Landung in Bergen bekannt geworden sind, haben die Empörung gegenüber der englischen Politik noch vertieft. Der Funkspruch, daß alle norwegischen Schiffe im Mittelmeer unverzüglich italienische ober spanische Häsen an lauf em sollen,
unfähig gemacht.
3m Westen keine besonderen Ereignisse. Die Luftaufklärung über Nord- und Wittelfrankreich wurde am 11.4. bis Paris ausgedehnt. Zwei eigene Flugzeuge find nicht zurückgekehrt.
Deutsche Truppen schon 70 km nordöstlich von Oslo.
Berlin. 12. April. (DNB.) 3m Zuge der Er- Weiterung des besetzten Gebietes um Oslo haben Rutsche Truppen Drammen (40 Kilometer west- ivärts Oslo) und Eidsvold (70 Kilometer nord- sflwärts Oslo) erreicht. Bei der Besetzung von 1 Evenes durch in dem Raum von Narvik ein- gksehle deutsche Truppen wurden die dort befindlichen norwegischen Truppen entwaffnet.
»Müfflet enMcherLiistammff Lentschland warnt vor weiteren Angriffen auf Berkehrsanlagen.
Berlin. 12. April. (DNB.) Englische Flugzeuge ; heben einen kleineren Bahnhof in Zchleswig-Hol- slkin mit Bomben angegriffen. Die tatsächliche RUr- !tng dieses Angriffes war zwar gering; es fmd nur ein Sportplatz beschädigt worden und durch die Detonation einer Bombe neben einem Eisenbahngleis die Fenster eines Warteraumes zersprungen. Der Vorgang ist jedoch von anderen Gesichtspunkten besonders bedeutungsvoll. Es ist hier der erste Zoll im jetzigen Krieg zu verzeichnen, daß von ieindlichen Fliegern eine deutsche V erkehrs- aalage angegriffen wurde. Sollte sich durch Wiederholung eines derartigen Versuches heraus- stillen, daß es sich um ein p l a n m ä ß i 9 e s V o t - zehen gehandelt hat. so ist für Deutschland eine zönzlich neue Sachlage in der Führung des Luftkrieges gegen England gegeben. Es werden sann hieraus sofort die notwendigen Folge- riingen gezogen.
Selbständigkeit Islands.
Kopenhagen, 12.April. (Europapreß) Die R^ierung von Island hatte folgende Beichlu « ge- lcht: Da die entstandene Lage es unmoglichüch z-macht hat, daß der König von Island ferne königliche Funktion auf Grund der Verfassung ’ litt, erklärt das Thing von Island, daß fu Trgenwart die Regierung Ist a n d s o 1 if-inktion ausüben wird. Mit Rücksicht daraus,. ß
Dänemark in der gegenwärtigen Lage fe stMschen Aufgaben gegenüber Island nicht ge-
nahm das Gefühl die Oberhand, daß ein schwieriger Kamp s bevorstehe.
Die Enttäuschung, die das Fehlen konkreter Siegesnachrichten in der Rede Churchills im Unterhaus und in der Oeffentlichkeit ausgelöst hat, kommt auch in den Zeitungen zum Ausdruck. In der konservativen „Daily Mail" wird erklärt, daß noch manche Aspekte der Kämpfe dieser Woche auch nach der Rede des Marineministers im Dunkeln geblieben seien. Der arbeiterparteiliche „Daily Herold" kritisiert den mißglückten Zerstörerangriff auf Narvik und stellt die Frage, weshalb die Admiralität Bemannung und Schiffe in einem ungleichen Kampf aufs Spiel gesetzt und dem Flottillenchef die Verantwortung zugeschoben habe, anstatt selber einen klaren.Befehl zu geben. Noch sd)ärfer greift das Blatt die Art und Weise an, wie die Admiralität die englische Oeffentlichkeit durch falsche Berichte über die Einnahme von Bergen und Trondheim irregeführt habe. Der Bericht sei von der Zenspr durchgelassen und von der Admiralität geprüft worden. Die Zeitungen hätten also annehmen können, daß die Nachricht einwandfrei sei. „Der Marineminifter kann die Verantwortung nicht ableugnen, wenn solche Berichte im Einvernehmen mit seinem Ministerium in Umlauf gesetzt werden", schließt das Blatt.
Frankreich
vor einer neuen Wirklichkeit.
Zürich, 13. April. (Europapreß.) Zu der neuen Phase des Krieges schreibt am Freitagabend der Pariser Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung": „Die Atmosphäre in Frankreich hat sich durch die Ereigmsse dieser Woche von Grund auf gewandelt. Der hartnäckige Glaube vieler Leute, daß es nicht zu einem Losschlagen zwischen den Heeren Deuffchlands und der Westmächte kommen werde, die Unzufriedenheit weiter Volkskreffe über die aussichtslose Stagnation des Krieges, die dem Lande täglich ffnanzielle Opfer und Entbehrungen auferlegte und die Moral der Armee auf die Länge schädigte, das nationale Bewußtsein, das Toten vermißte und dem zunehmenden Prestige der deutschen Militärmacht bei den Neutralen mißmutig zusah, sind mit einem Schlag vor eine neue Wirklichkeit gestellt. Der erste Eindruck in allen Volksschichten war der des Ernstes und der Nachdenklichkeit, die auf Handel und Wandel zurückwirkte und ein ungewohntes Schw eigen an Stelle der bisherigen gewohnten Gesprächigkeit. Jeder schien mit sich selbst beschäftigt und setzte sich mit den Perfektiven cmse.Vander» die seit dem
ist noch hiesiger Ansicht ein wesentliches Anzeichen dafür, daß sich alle Kreise des Landes der G e - fahr en bewußt sind, die auch der großen norwegischen Handelsflotte von englisch-französischer Seite drohen. Als weiteren Unruhefaktor wertet man jeden englischen Versuch, auf norwegischem Gebiet gegen die deutschen Streitkräfte vorzugehen, die die gesamte norwegische Küste in der Hand haben. Die ^Bevölkerung des Landes — dafür sprechen zahlreiche Anzeichen — hat aus diesem Grunde auch regen Anteil genommen an dem Zurückschlagen der bisher in dieser Richtung vorgetragenen englisch-französischen Unternehmungen und die norwegische Flak wird in Zukunft gegen englische Flugzeuge feuern, falls sich diese zeigen sollten. Der Ümftanb, daß ein englischer Vorstoß gegen die norwegische Küste schon in Vorbereitung war, als die norwegische Oeffentlichkeit noch nicht einmal
wachsen ist, erklärt Island, daß es diese z u n ä ch st selbst übernehmen wird. Die dänische Regierung hat sich bereit erklärt, Island für Die Dauer des augenblicklichen Zustande s völlige Unabhängigkeit zu gewähren. Man glaubt in dem dänischen Schritt einen Beweis dafür erblicken zu können, daß in amtlichen Kreisen ein Z ugri ff der West möchte auf Island befürchtet wird und die Regierung diesem Gebiet nunmehr alle Freiheit geben will, um derartigen englisch-französischen Aktionen entgegenzuarbeiten.
Dänische und norwegische Schiffe in Hongkong beschlagnahmt.
Hongkong, 13. April. (Europapreß.) Obgleich die Westmächte in amtlichen Verlautbarungen Norwegen zu ihrem Verbündeten. erklärten, gehen die britischen Behörden in Hongkong dazu über, dänische und norwegische Schiffe an der chinesischen Küste aufzuspüren und zu beschlagnahmen. Elf norwegische Schiffe wurden bereits in Hongkong ein-
Die Folgen.
In seinem zusammenfassenden Beridst über die deutsche Aktion zum Schutz der Neutralität Dänemarks und Norwegens stellt das Oberkommando dec Wehrmacht fest, daß diese Aktion dem Versuch Eng* lands zur Besetzung wichtiger norwegischer Stützpunkte knapp um zehn Stunden zuvorgekom* men ist. Der französische Ministerpräsident R e y < naud hat diese Feststellung vollinhaltlich bestätigt, als er im Senat erklärte, Deutschlands Gegenaktion gegen den Angriff der Westmächte auf die norwegische Neutralität sei nicht ausgeblieben, ja sie sei der Aktion der Westmächte sogar zuvorgekommen. Damit ist gegenüber allen moralisierenden Ab- schwächungs- und Irreführungsmanövern, wie sie die britische Propaganda unternimmt, um England namentlich in den Augen der amerikanischen Oeffentlichkeit von aller Schuld reinzuwaschen und Deutschland als den reißenden Wolf anzuprangern, der in die friedlichen Weiden Skandinaviens ruchlos eingebrochen fei, eindeutig klargestellt, daß die britische Minensperre in den norwegischen Territorialgewässern an der engsten Stelle der Nordsee zwischen Bergen und den Shetland-Inseln nicht nur dec Verhinderung der für Deutschland bestimmten schwedischen Erzzufuhren über Narvik dienen, sondern eine großangelegte Landungsaktion britischer und französischer Truppen in Norwegen einleiten sollte, die man durch Minensperre vor Störungen durch deutsche Seestreitkräfte schützen wollte. Wer noch daran zweifeln mochte, wurde schnell eines Besseren belehrt durch die Beschlagnahme umfangreichen britischen Kriegsmaterials in Bergen, das fünf britische Transportschiffe dorthin gebracht hatten, um das hier landende britische Expeditionskorps damit auszurüsten. Weitere Tvansporffchiffe, die die für Norwegen bestimmten Landungstruppen an Bord hatten, wurden durch den Angrfff deutscher Luftstreitkräfte zur Umkehr gezwungen und erlitten samt den zu ihrer Bedeckung eingesetzten britischen Kriegsschiffen überaus schwere Verluste. Chamberlain vermag also niemanden mehr zu täuschen, wenn er sich darauf hinauszureden sucht, daß die Besetzung Dänemarks und Norwegens durch deutsche Truppen gar nicht im Zusammenhänge mit der britischen Neutralitätsoer- letzung stehe, weil die deutsche Aktion ja gezeigt habe, daß sie „von langer Hand vorbereitet gewesen sei". Selbstverständlich war sie das und mußte es fein, nachdem man in London und Paris immer wieder mit aller Deutlichkeit hatte erkennen lassen, daß die westlichen Plutokratien auch nach Beendigung des russisch-sinmschen Konflikts ihren Plan einer Kriegsausweitung im Norden keineswegs hatten fallen gelassen und alles daransetzten, ihn trotz des programmwidrigen Friedensschlusses von Moskau durchzuführen. Die drohende Note an Norwegen und die Minensperre in norwegischen Territorialgewässern waren dazu nur bie! einleitenden Präliminarien, wie heute einwandfrei feststeht und von Herrn Reynaud überdies bestätigt wird.
Wie recht Deutschland daran tat, diesem feind* lichen Aufmarsch zum Flankenangriff über Skandinavien hinweg zuvorzukommen, beweist auch daS zumindest zweideutige Verhalten der norwegiscken Negierung, die keinerlei Anstalten machte, die ori- tischen Einfälle in ihr Territorium mit der Waffa abzuwehren, denn als der britische Zerstörer „Eos* sack" den deutschen Regierungsdampfer „Altmark"
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