Kriegswirtschaftliche Aufgabe des CH"
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Weiterhin Mitwirkung der Gemeinden.
„Das jugoflawische Antlitz."
Ausstellung des Oberhessischen Kunstvereins im Stadttheater.
Emährungshilfswerkes auf alle Gemeinden mit über 2000 Einwohnern, atfo die restlose Erfassung der Speisereste und Küchenabfälle, darf man aber nur bei einer überzeugten und freudigen Mitarbeit der Hausfrauen erwarten. In dieser Beziehung war bisher nichts zu wünschen übrig geblieben. Unsere Hausfrauen zeigten von Anfang an, seit Einrichtung des Ernährungshilsswerkes, vollstes Verständnis und freudige Einsatzbereitschaft. Sie wissen alle, daß Deutschland im Kampf um seine Ernährungs- freiheit diesen wichtigen Beitrag benötigt, dessen Erträgnisse wieder in die eigenen Kochtöpfe zurück- wandern.
Allein im Gau Hessen-Nassau sind im Augenblick 10 000 Schweine auf Mast gelegt, die mit einem Durchschnittsgewicht von drei Zentnern zur Schlachtung kommen und immer wieder durch frischen Nachwuchs ersetzt werden.
Die im Altreich aufgebrachten Futtermengen aus Küchenabfallen entsprechen etwa der landwirtschaftlichen Futtererzeugung auf 65 000 ha Land. Diese Fläche entspricht einem kilometerbreiten Landsttei- fen von Berlin bis München. Wir haben diese Provinz im Mülleimer zu vielen anderen Erfolgen hinzugewonnen, und wir wollen alles daran setzen, diesen Gewinn richtig zu verwerten zum Wohle unserer Familien.
wurden durch den Weltkrieg unterbrochen. Von 1920 bis 1925 besuchte Jordan die Kunstakademie in Dresden, war damals viel auf Reisen, die ihn nach Wien, Italien, Paris, Südfrankreich, Spanien, Korsika, Holland, Belgien und Schweden führten, bis er sich schließlich in seiner Geburtsheimat, im Sudetenland niederließ. In seiner künstlerischen Tätigkett blieb ihm immer der Mensch der lebhafteste Anziehungspunkt. Das stille Leben in der Heimat bot ihm aber nicht genug Möglichkeit zur Betätigung. Er folgte deshalb seiner Sehnsucht, zog 1935 nach Dalmatien, lebte und arbeitete dort und fand dabei auch seine künstlerffche Erfüllung. Das jugoslawische Volk in seinen vielen Spielarten bot viele Möglichkeiten zu künstlerischer Betättgung. Mtt großer Freude folgte er einer Anregung von Professor Gesemann (Prager deutsche Universität), ein großes Sammelwerk jugoslawischer Por- ttäts aus dem ganzen' Lande zusammenzutragen. Die Ausstellung, die nun im Vorraum unseres Stadttheaters gezeigt wird, zeigt erste Ergebnisse einer Studienreise durch Montenegro, Bosnien, Dalmatien und Herzegowina.
60 bis 70 Soldaten die Möglichkeit, in Bettstellen auf guten Strohsäcken die Nacht zu verbringen und sich pir die Weiterreise durch eine gute Nachtruhe zu stärken. Die Schlafräume sind heizbar.
Auch für die Helferinnen des Deutschen Roten Kreuzes bietet das Haus, das ihnen nun für ihre Betreuungsarbeit an den Soldaten zur Verfügung steht, günstigere Bedingungen für die Arbeit. Der Weg zum Bahnhof mit den Kannen heißen Tees ist nun nur ein paar Schritte, der Dienst über Tag und Nacht kann sich reibungslos vollziehen.
Die Angehörigen des Bahnhofsdienstes im Deutschen Roten Kreuz unserer Stadt sind glücklich darüber, daß ihnen jetzt noch mehr Möglichkeiten gegeben sind, den Soldaten förderlich zu sein, als bisher bei aller Aufopferung im Hotel „Zum toten Mann" möglich war. N.
Dornotizen.
Tageskalender für Samstag.
NS.-Gerneinschaft ,Kraft durch Freude: Stadttheater 20 Uhr geschlossene Vorstellung „Maria Stuart". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Wir tanzen um die Welt". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Anton der Letzte".
Tageskaleuder für Sonntag.
Stadttheater: 20 bis 22.45 Uhr „Cavalleria rusti- cana" und „Der Bajazzo". — Oberhessischer Kunstverein: Ausstellung im Stadttheater 11 bis 13 Uhr „Das jugoslawische Antlitz". — Gloria-Palast, Sel- tersweg: „Wir tanzen um die Welt". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Anton der Letzte". — Ober- hessischer Gebirgsverein: 9.15 Uhr Abmarsch Schift senberger Weg.
Konzert des Gesangvereins Heiterkeit".
Der Gesangverein .^Heiterkeit", dessen alljährliche Konzerte zu einer ständigen Einrichtung im Gießener Musikleben geworden sind, veranstaltet am Sonntag, 21. Januar, nachmittags in der Aula des Gymnasiums unter Leitung von Musiklehrer Wilhelm Schüttler (Gießen) ein Konzert. Es kommen vorwiegend volkstümliche Werke von Brahms, I Schubert, Silcher, Dünner und Heinrichs zum Vor- | trag. Das Mitglied des Vereins Karl F e u ß e r singt Lieder für Tenor von Franz Schubert. Wie । stets üblich, zeigt die Dortragsfolge auch diesmal wieder einen instrumentalen Teil. Das Schättler- Streichquartett wird mit Werken von Beethoven, Tschaikowsky und Haydn aufwarten.
Hausfrauen schützt Eure Vorräte vor Frost.
Alle Hausfrauen werben daraus hingewiesen, daß es bei den gegenwärtig herrschenden Temperaturen notwendig ist, für die eingelagerten Vorräte, wie Wintergemüse, Kartoffeln und sonstige Lebensmittel, besondere Frostschutzmaßnahmen zu treffen. Kartoffeln werden z. B. am zweckmäßigsten zugedeckt. Dor allem muß daraus geachtet werden, daß die Fenster der Kellerräume frostsicher abgedichtet sind. So kann mit wenigen Handgriffen und geringem Materialaufwand verhütet werden, daß wertvolle Lebensrnittel der Verderbnis durch Frost an- heimfallen. Jede Hausfrau muß bedenken: .Kampf dem Verderb", jetzt erst rechtl
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** D i e Dien st stunden des Landratsamtes sind vom kommenden Montag ab neu festgesetzt worden. Näheres Über diese Neuordnung bringt der Landrat heute in einer Bekanntmachung zur öffentlichen Kenntnis.
** Zur Kohlenversorgung hat das Wirtschaftsamt unserer Stadt die Bindung der Bezieher an die Karteikarten der einzelnen Händler vor-1 übergehend aufgehoben. Es kann also hiernach jeder- man-x bis aus weiteres auch bei anderen Kohlenhändlern Brennstoff beziehen.
** Konzert Pitzinger fällt aus. Die für morgen, Sonntag nachmittag, vorgesehene Kanzert- veranstaltung des Gießener Konzertvereins fä'It wegen Erkrankung der Sängerin Gertrude Pitzinger aus.
** Geschäftsjubiläum. Am kommenden Montag, 15. Januar, kann der Tapezierermeister I Theodor Erb, Sonnenstraße 12, auf das 50jährige1 Bestehen seines Geschäfts zurückblicken. Der Jubilar, • der im 70. Lebensjahr steht, hat das Geschäft selbst : gegründet und zu beachtlicher Höhe entwickelt. Herr I
Der Kampf, den wir jetzt zu führen gezwungen sind, erfordert Öen rückhaltlosen Einsatz des ganzen Volkes für die Landesverteidigung. Auf dieses Ziel allein find heute alle Maßnahmen auszurichten. Im Rahmen der Bemühungen einer ausreichenden Ernährungssicherung ist es die Aufgabe des Ernäh- runashilswerkes, durch zusätzliche Schweinerncht nut Küchen- und Nahrungsmittelab fällen die heimische Fett- und Fleischerzeugung zu steigern und damit die deutsche Kriegs-Ernährungswirtschaft zu stärken.
Bei der großen Bedeutung, die dem EHW. beigemessen werden muß, ist es selbstverständlich, daß in der Entwicklung des Ernährungshilfswerkes, also in der Erfassung und Verwertung der Küchenabfälle, fein Stillstand eintreten darf. Im Gegenteil, es ist alles daran zu setzen, daß dem durch die NS.-Dolkswohlfahrt geleiteten Ernährungshilsswerk weiterhin von allen Stellen größte Beachtung geschenkt wird. Die auf Grund der allgemeinen Maßnahmen zur Vereinfachung der kommunalen Betätigung tm Kriege bedingten Einschränkungen berühren deshalb auch keineswegs den weiteren Aufbau des Ernährungshilfswerkes. Der Reichsminister des Innern hat im Gegenteil durch feinen Runderlaß vom 9. Oktober 1939 eine bevorzugte Beachtung des Ernährungshilfswerkes seiner ernäh- rungspoli. chen Bedeutung wegen ungeordnet.
Den Erfolg, d. h. die weitere Ausbreitung des
Mit einer weiteren Ausstellung setzt der Oberhessische Kunstverein seine Kulturarbeit auch während des Kriegswinters fort. Vom morgigen Sonntag ab wird unter dem Titel „Das jugoslawische Antlitz" eine Sammlung von Bildern, gezeigt, die nach zielbewußter Arbeit unter der Harro des Malers Olaf Jordan-Birkigt entstanden ist und in reicher Fülle die verschiedenartigsten Typen des jugoslawischen Menschen zeigt. Die Ausstellung findet diesmal nicht im Turmhaus am Brandplatz, son-- dern im Foyer des Stadttheaters ftatt
Der Maler Olaf Jordan-Birkigt, von dem uns einige biographische Notizen vorliegen, ist Sudetendeutscher und steht im 38. Lebensjahr. Schon als Sechsjähriger kam er nach Jugoslawien, nach Dubrovnik, wo sich der Vater ein Haus gekauft hatte und der Sohn immer wieder in den Sommer-- fetien weilte. Schon damals, so sagte der Künstler selbst, habe ihn die Eigenart oes Landes, die ausdrucksvolle Buntheit der Menschen in Stadt und Land lebhaft angesprochen und trugen dazu bei, daß er dem Lande stets seine Aufmerksamkeit bewahrte. Die fast alljährlichen Ferienfahrten nach Dalmatien
Erb ist seit fünf Jahrzehnten treuer Leser des Gießener Anzeigers.
** Einen Vorbereitungslehrgang für die Aufnahme in die Gewerbe- und Mäschinenbau- schule Gießen führt die Deutsche Arbeitsftont demnächst durch. Interessenten sollen sich sofort bei der Dienststelle der DAF. melden.
** T o t aufgefunden. Am geflogen Freitag wurde der 77jährige Wilhelm Schneider in seiner Wohnung, Löwengasse 13, tot aufgefunden. Die Untersuchung über die Todesursache ist noch im Gange.
Strafkammer Gießen.
Der Wilhelm Schmidt aus Gießen, zur Zett in Strafhaft, hatte sich wegen Unterschlagung, die er in den Jahren 1938 und 1939 zum Nachteil eines Gießener Geschäftsmannes begangen hatte, zu verantworten. Der Angeklagte war in vollem Umfange geständig. Der Anklagevertreter beantragte eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten, diese aber in eine Zuchthausstrafe von 6 Monaten umzuwandeln und mit der Zuchthausstrafe, die der Angeklagte zur Zeit verbüßt, eine Gesamtzuchthaus st rafe von 2 Jahren und 10 Monaten zu bilden.
Diesem Anttag entsprach das Gericht; es rechnete aber noch 4 Monate Untersuchungshaft auf die Strafe an.
Der B. H. aus Delmenhorst, zur Zeit in Untersuchungshaft, war des Diebstahls beschuldiat. Er war geständig. Der Angeklagte, erst 18 Jahre alt, war in -einer Erziehungsanstalt untergebracht, aus der er ausrückte und dann Diebstähle am laufenden Band verübte. Er wurde deshalb zu einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten verurteilt. Nach Verbüßung dieser Strafe bekam er bei einem Bauer in Obbornhofen Arbeit. Diesem Manne entwendete er 1000 RM. und Kleidungsstücke. Das Geld hat er in Frankfurt a. M. und Dortmund in zweifelhafter Gesellschaft in wenigen Tagen verjubelt und sich dann der Polizei gestellt. Der Anklagevertreter beantragte eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren. Der Angeklagte wurde zu einer Gefängnis st rase von 2 Jahren, abzüglich 2 Monaten und 2 Wochen Untersuchungshaft, verurteilt. Das Gericht stellte bei der Urteilsbegründung fest, daß der Angeklagte ein intelligenter, aber haltloser und arbeitsscheuer Mensch sei. Es wurde ihm eröffnet, daß er im Wiederholungsfalle mit Zuchthaus zu rechnen habe.
Aus der engeren Heimat.
Sitzung der Natsherren in Grünverg.
Einführung des neuen 1. Beigeordneten Karl Hermann Pfeffer.
+ Grünberg, 11. Januar. Zu der Rats» herrn-Sitzung war neben den Ratsherren auch das städtische Personal erschienen. Bürgermeister König wies darauf hin, daß mit der ersten Sitzung im neuen Jahre die Ein f ührung eines neuen 1. Beigeordneten verbunden sei. Dies sei eine Kriegsmaßnahme, die beim,Bürgermeister und den beiden Beigeordneten einen Mann vorsehe, der in Nicht mehr wehrfähigem Aller stehe. Da dies bei den jetzigen Inhabern dieser Stellen nicht der Fall sei, habe der Ortsgruppenleiter S ch ütz mit Zustimmung der Kreisleitung den settherigen Ratsherrn Karl Hermann Pfeffer für den Posten des 1. Beigeordneten bestimmt. Die gegenwärtige Zeit erfordere besondere Maßnahmen und verlange den Einsatz der ganzen Person. Es heiße zuerst die durch den Krieg bedingten Aufgaben zu erfüllen, wenn dabei auch manche Pläne, die man sich gesteckt habe, zurückgestellt werden müßten. Er hoffe, der neue Beigeordnete werde sich der Schwere seines Amtes bewußt sein und mtt Pflichtgefühl und Derantwortungsbewußtsein das Amt übernehmen. Das Amt des Bürgermeisters oder seines Vertreters fei sowohl Betreuer der Gemeinde, als auch Wahrer des Volksgutes zu sein. Der Bürgermeister verlas hierauf die Ernennungs- urfunbe, die den Ratsherrn Karl Hermann Pfeffer für die Zett von 6 Jahren, beginnend am 11. Januar 1940, zum 1. Beigeordneten der Stadt Grünberg bestimmt. Er verpflichtete ihn durch Handschlag und vereidigte chn. Mit dem Glückwunsch zu einer erfolgreichen Amtszeit schloß er seine Ansprache.
Der neue Beigeordnete Pfeffer führte aus, daß er sich wegen der Schwere der Zeit für dieses Amt zur Verfügung gestellt habe. Er dankte der Kreisleitung, dem Ortsgruppenletter und dem Bürgermeister für das in ihn gesetzte Vertrauen, und versprach, seine ganze Kraft ht den Dienst der Stadt zu stellen. Er hoffe, sofern er einmal die Dürgermeis tergeschäste führen müsse, mtt dem Personal der Verwaltung ein gutes Zusammenarbeiten möglich zu machen.
ÖrtsgruppeNleiter S ch ütz mies daraus hin, daß der Rücktritt des seitherigen 1. Beigeordneten Al» bad) eine Kriegsmaßnahme sei, weil er noch im wehrfähigen Aller stehe. Bei der Wahl des Nachfolgers habe man sich auf Pfeffer geeinigt, der Nicht mehr wehrfähig, aber auch schon längere Zeit als Ratsherr tätig fei. Pfeffer habe trotz seines Atters zugestimmt, und er hoffe, daß seine Arbett zum Wohle der <5taöt sei. Pfeffer dankte nochmals kurz dem Ortsgruppenleiter.
Bürgermeister König erklärte, daß der seitherige 1. Beigeordnete Albach am Kommen verhindert und es ihm daher nicht möglich sei, ihm für die Arbeit, die er seither und ganz besonders in der bürgermeisterlosen Zeit geleistet habe, zu danken; er werde dies persönlich nachholen.
Hierauf überreichte Bürgermeister König dem Stadtrechner Rudolf Gehringer das silberne Treudienstehrenzeichen, wobei er auf dessen vorbildliche Pflichterfüllung hinwies. Stadtrechner Geh» ringer sprach seinen Dank aus.
Die Rechnung für das Rechnungsjahr 19 3 8 liegt vor. Sie weist folgende Abfchlußzahlen auf: Einnahmen 414 512,26 RM., Ausgaben 410 361,28 RM. Für das Wasserwerk lauten die entsprechenden Zahlen: Einnahmen 31427 RM., Ausgaben 31341 RM. Einwendungen zu beiden Rechnungen wurden nicht erhoben. — Die Ent- lastungserklärun g des Landrates für die Rechnung vom Rechnungsjahr 1937 wurde bekanntgegeben.
Dem Pächter der Fischerei im Brunnental wurde die Pacht für den oberen Teich von 25 RM. auf 10 RM. für ein Jahr ermäßigt und für weitere
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
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CARL DUNCKER VERLAG • BERLIN W 35
21 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Lieber Gott, welchen Problemen sieht Cbristtan sich da geaenübergestellt! Er möchte ihr helfen, möchte seine Arme um ihre Schultern legen, daß sie alles leichter überwindet, aber sie will allein jein. Er ahnt nicht, noch weiß er, daß Anne eine so urgesunde Frau ist, daß sie ganz instinktiv das einzige getan hat, daß sie eine Brücke über den Abgrund dieser Gefühle finden läßt; sie floh in den Schlaf. Sie hat Tabletten eingenommen, einfache Kopsschmerztabletten, die sie auf Anraten ihrer Schwester Kläre kaufte, um der Seekrankheit vorzubeugen, falls sie sich nicht frei fühlt. Und ihr junger, unverbrauchter Körper, allen Giften fremd, reagiert stark -auf dieses Mittel. Anne schläft fest. Sie wird kaum wach, als Frau Rhoder chr die Blumen bringt, sie lächelt, sie lallt ein paar Worte und legt sich mit dem Gesicht gegen die Wand.
Das weiß Christian aber nicht, und seine Unruhe ist groß. Immer heftiger rasen die Böen um das Schiff, doch noch ist es im Fjord, es ist ein mächtiges Schiff, ein schwimmender Palast, man spürt weder Rollen noch Schwanken. Christian steht auf, da sieht er Margot Wenzien und Willem Schönemann vorübergehen. Ihre Gesichter sind weiß, sie scheinen im höchsten Grade gereizt zu sein. Ist solch ^eine Unvernunft verständlich? Lächerlich! Sie sehen ihn gar nicht, denn sie machen sich gerade Vorwürfe. Menschen gehen über das Promenadendeck und kehren sich nach ihnen um, so laut schrillt die Stimme des Mädchens Margot. Ein merkwürdiges Paar, denkt Christian, und er nimmt sich vor, treppauf und -ab über das Schiff zu laufen.
Im Promenadendeck beginnt er, wieviel Schritte mögen es wohl an jeder Seite fein? Er zählt, zwanzig, dreißig, vierzig, er ist ganz hingegeden an fein Zählen. Bei der Sonnenschein-Bar rennt ihn ein Mann beinahe über den Haufen. „Entschuldigen Sie." Das ist Willem, weiß wie ein Tuch. Er erkennt ihn nicht, er erkennt keinen Menschen, stolpert über die hohe Eingangsstufe wie ein Betrunkener in die Bar. Drinnen scheint er sich aufzuführen, als sei er nicht ganz klar im Kopf. Seine Stimme schallt bis hier heraus. „Einen Whisky ohne Soda."
Was ist in den soliden Jungen gefahren? Lieber Himmel, die Menschen machen sich gegenseitig ver
rückt. Er hat einen starren Kopf, der Willem und ist doch nicht Manns genug, mal gehörig aufzutrumpfen. Vielleicht hat er jetzt aufgetrumpft? Es würde dem Mädchen Margot nichts schaden.
Christian stellt sich an die Reeling. Dunkle Wolken fliegen wie mächtige Vögel über den Himmel, der Abend ist finster, obgleich es nicht Nacht wird. Dämmerung ist, und die Wolken verdunkeln die Dämmerung, ohne sie auszulöschen. Eine merkwürdige Stimmung liegt über den hohen Bergen, die weiter und weiter an beiden Setten zurücktreten. Das offene Meer kann nicht fern sein. Er denkt daran, daß Anne gesagt hat: „Wir fahren durch Knut Hamsuns Land. Sieh, überall konnte hier die Bucht sein und die Stadt Segelfoß. Ich liebe Hamsuns klar gezeichnete Menschen und darum ist mir dieses Land nicht fremd."
Anne. Er denkt in Annes Worten, er lebt in ihrer Welt. Welch eine saubere Welt ist das. Sauber und natürlich, ohne Ziererei und Albernheit. Sie hat ihm gefugt, daß Konifere noch kein Füllen gehabt hat, nein, weil sie, Anne, es nicht wollte. Koni soll sich ihren Liebsten selbst suchen. Sie hat ihn angesehen, hat gelacht: „So, wie ich es gemacht habe, Christian." Er hat das als Landwirt nicht für richtig gehalten. „Wenn es aber ein edles Tier ist, Anne, und es sucht sich, wie du sagst, irgendeinen Ackergaul als Freund? Dann ist es veidor- den." Darauf hat sie in die Weite gesehen. „Du kennst Koni nicht, Christtan, sie ist ein königliches Tier und wenn sie ein Ackerpferd nimmt, muß es schon ein König an Kraft sein."
Anne, Anne, Anne ... Ihr Name klingt mit den Böen, die um das Schiff brausen. Welch ein Kind, welch eine Frau — Anne!
Und Christian geht über das Bootsdeck. Hui, hier pfeift es schon, daß es nur so um ihn knattert. Noch höher, da ist er auf dem Sonnendeck. Die Stühle sind aufeinandergetürmt, hier und da sind Haltetaue gezogen. Hallo, da geht ein rechter Tanz los! Er zicht die Mütze tief in die Stirn, er muß sich gegen den Wind lehnen. Fein ist das, in seinen Ohren singt, rast und braust es.
Christian überlegt, ob er noch höher steigen, ob er auf die Laufbrücke klettern soll. Er sieht hoch, da steht ja, im Dämmerdunkel sicht er es genau, ein Mensch, eine Frau. Sie steht am äußersten Ende. Nanu? Was macht sie denn da, die will doch nicht ...?-— Aber wahrhaftig — verrücktes Frauen- zimmer! Sie klettert eine und noch eine Sprosse hoch, der Wind biegt sie wie eine Weidenrute. Mit ein paar Schritten steht Christian unterhalb ber Brücke. Er legt die Hände um den Mund. „Hallo!" brüllt er, daß ihm vor Anstrengung die Schlagader
anschwillt, „wollen Sie machen, daß Sie da runter* kommen?"
fiat sie einen Schrei ausgestoßen, oder war es der Sturm? Er weiß es nicht. Er lehnt sich mit aller Gewalt gegen den Wind, gewinnt die Treppe und zieht sich mit beiden Armen hoch, es gehört tatsächlich. Kraft dazu. Nun ist er oben. Die Frau kauert zusammengeduckt in der äußersten Ecke. Sie versucht, sich seinem Griff zu entwinden, versucht die Füße durch die Sprossen zu stecken, aber er hält sie an den Schultern fest, sein Griff ist wie Eisen. Sie kann sich ihm nicht entziehen. „Machen Sie kein Theater, los, kommen Sie runter."
Im Halbdämmern hebt sich ein Gesicht ihm zu, von wirren, windzerzausten Haaren umflattert — Margot Wenziens Gesicht. „Ich will nicht, lassen Sie mich los!" brüllt sie auf.
Er hält sie nur noch fester. „Sind Sie verrückt geworden, Margot?"
Plötzlich fängt sie an zu betteln, sie schreit und bettelt: „Ich will doch nichts weiter als sterben, hier unbemerkt runter und aus."
„Unbemerkt?" Da muß er lachen. „Sehen Sie mal da unten hin, die ganze Kommandobrücke haben Sie in Aufruhr gebracht, denn Sie hätten unter Umständen das Schiff in Gefahr bringen können. Bei solchem Sturm ist es an und für sich schwer, so ein Riesending hier herauszukriegen und dann plötzlich — Mann über Bord —. Wissen Sie, was Sie verdienen, Margot? Ein paar Ohrfeigen, daß Ihnen Hören und Sehen vergeht!"
Christian hat sich so in Wut geredet, daß er sie schüttelt und noch einmal schüttelt. So, bis xur Treppe hat er sie gebracht. „Gehen Sie jetzt ohne roeitere5 Theater runter, Margot, genug, daß die Mannschaft sich unten versammelt hat und sich über Sie ärgert. Wenn ich Sie nicht geholt hätte, wäre wohl irgendein anderer noch rechtzeitig zur Stelle gewesen. Wenn man erst so viel Getue macht, wie Sie es gemacht haben, kommt man auf diesem Schiff nicht zum Sterben, mein Fräulein, los, steigen Sie runter."
Margot gebt, Stufe um Stufe. Das wilde, ungebärdige Mädchen ist plötzlich still geworden, es hält sich fest und steigt die Treppe runter. Nun steht es mit zitternden Knien unten, es hat den Kopf gesenkt und die Augen geschlossen. Christtan legt seinen Arm um seine Schultern. Ein Offizier und zwei Mattosen sind da.
„Nur eine kleine Kraftprobe, die Dame freute sich über den Sturm, und die höchste Hohe des Schiffes war ihr noch nicht hoch genug."
Der Offizier lächelt verstehend, legt die Hand an die Mütze und kehrt sich ab. Auch die Matrosen
geben wieder an die Arbett, aber einer von ihnen tteut einen kantigen Seemannsfluch in Öen Wind, !>er von Margot und Christian gehört wird, weil ie in der Windrichtung gehen.
Noch eine Treppe steigen sie runter, dann stehen sie auf dem Bootsdeck. Hier irgendwo ist Margots Kabine, sie weiß nicht wo, sie ist wie zerbrochen. Christtan hält sie fest, sie stehen an einer geschützten Stelle, wo ber Wind sie nicht erwischt. Er sagt: „Sieber Himmel, das ist doch das letzte, was ein junger Mensch machen soll."
Da reißt es sie aus seinen Armen hoch, sie lehnt sich gegen die Schiffswand, ihr Gesicht ist totenbleich und voll Haß. Wie eine Wildkatze sieht sie aus, ihre Augen sprühen. „Was wissen Sie? Spielen Sie sich doch nicht auf, als hätten Sie über mein Sein oder Nichtsein zu befehlen. Bei Gott, Sie wären der letzte."
„Sicherlich", sagt er ruhig, „ich habe mich auch nicht darum gedrängt. Ich bin sozusagen durch Ihr Gehabe dazu getrieben worden."
„Hätten Sie mir lieber meinen Willen gelassen, es wäre besser gewesen."
„Unsinn, Margot, Sie sind hysterisch und rasend aufgeregt."
„Weil Sie mich von jenem Sprung ab gehalten haben, darum. Ich will sterben, denn meine ganze Zukunft habe ich mir verpatzt, meine Laufbahn ist aus — ich — ich kriege ein Kind!" schreit sie auf.
Christtan hebt die Schultern. „Du lieber Gott, Margot, was reden Sie für Unsinn. Sie meinen, Ihre Laufbahn ist aus. Mutter sein ist, soweit ich es an der Liebe ermessen kann, mit ber meine Mut- ter sich ihr Leben lang für mich opferte, die aewal» ttgste Laufbahn der Frau."
„Ich bin Künstlerin, in erster Linie bin ich Kunst- lerin,"
„Wenn schon, Margot. Sie stellen mich in künstlerischen Dingen allerdings scheinbar den Zulu- kaffem gleich, trotzdem lassen Sie sich von mir saaen, daß es stets und auch in der deutschen Kunstgeschichte Mütter gab, die große Malerinnen waren. Wenn Sie bloß eine Durchschnittsbegabung haben, ist es besser. Sie vergrößern den Kreis der Künstler nicht. Sind Sie genial begabt, liebe Margot, bann werden Sie arbeiten können und wenn fünf kleine Kinder in Ihrem Atelier umherrutschen."
„Was Sie nicht sagen! Das ist mir allerdings neu", höhnt sie, aber ihre Augen sind nicht mehr ganz so wild rote vorher, sie haben dunkle Ränder, das Mädchen Margot sieht todmüde aus. Sie wendet sich um, sie taumelt. „Ich will schlafen, nichts als schlafen", stammelt sie.
(Fortsetzung folgt.)


