land" in einem deutschen Hafen hat daher i n B o- goty starkes Aussehen erreat. Die Zei- tungen weisen darauf yin, daß dem Schiff nicht nur der Ausbruch aus der Karibischen See, sondern auch der Durchbruch durch die sogenannte britische Blockade gelungen ist, die also nicht als effektiv anzusehen ist. Sachverständige Kreise betonen, daß wegen der langen Liegezeit im Hafen der Schiffs» rümpf unter der Wasserlinie stark bewachsen war, so daß die „Helgoland" kaum mehr als 7 Knoten laufen konnte. Trotz dieser geringen Geschwindig» keit ist das Schiff allen Nachstellungen des Feindes entgangen.
Schwere Kämpfe in Aegypten.
Der italienische Wehrmachtsbcricht.
Rom. 10. Dez. (DRV.) Der italienische Vehr- Machtbericht vom Mittwoch hat folgenden Wortlaut:
3m Morgengrauen des 9. Dezember griffen englische Panzerdivisionen unsere von verbänden lybi- scher Truppen besetzten Stellungen südöstlich. von Sidi Varani an. Diese Truppen haben zunächst heldenhaften widerstand geleistet, wurden aber nach einigen Stunden überwältigt und zogen
Reorganisation der slowakischen Armee.
Preßbura, 12. Dez. (Europapreß.) 3m Wehr- ausschuß des slowakischen Parlaments machte Der- teidlgungsminister General C a t l o s davon Mitteilung, daß an die Stelle der heutigen drei Divisionen zwei Divisionen — die eine in Presov, vie andere in Trentschin — und ein Kommando der Landtruppen in Neusohl treten würde. Der Verteidigungsminister werde, zugleich Armeekommandant sein. Das Kontingent der slowakischen Armee werde bei zweijähriger Dienstzeit 30 000 Mann betragen, so daß jährlich 15 000 Mann eingestellt werden würden, und zwar 12000 Soldaten und 3000 Arbeitsmänner. Dem Derteidigungsministerium sei auch der zivile'Luftschutz, das slowakische Flie- 'gerkorps und das zivile Flugwesen unterstellt. Die ! Hlinka-Garde, die Hlinka-Jugend, die Freiwillige ! Schutzstaffel und die Deutsche Jugend würden als | selbständige Organisationen abgetrennt. Bei der ! Reorganisation der slowakischen Armee werde die Marschform und die körperliche Erziehurtg nach dem Vorbild der deutschen Armee gestaltet werden.
Wieder ein demsches Kinderheim
sich auf Sidi Darani zurück, während des 9. Dezember und am gestrigen Tage fanden zwischen den
bombardiert.
feindlichen und unseren Truppen Kämpfe von außergewöhnlichc< Heftigkeit statt. Die Schwarzhemden-Division „3. Januar" und die 1. Itj- bische Division haben den Angriffen standgehalten und brachten dem Feind überaus schwere Verluste bei. In dem Gebiet dauern erbitterte- Kämpfe an. 3n einem dieser Kämpfe fiel an der Spitze feiner lydischen Bataillone General Ma- letfL Unsere Luftwaffe überflog während aller dieser Kampfe das Schlachtfeld und warf dabei Bomben auf die feindlichen patperformafionen ab. die außerdem mit Vlaschinengewehrfeuer bestrichen wurden. e
An der griechischen Front ist der Tag ohne bemerkenswerte Aktionen verlaufen.
Berlin, 11. Dez. (DNB.) In der Nacht zum , Mittwoch warfen englische Flieger über einer südwe st deutsch en Stadt mehrere Spreng- ; und Brandbomben ab, die jedoch auf Sportplätze . und sonstiges freies Gelände fielen. Lediglich eine Sprengbombe traf ein dreistöckiges Kinder- । h e i m, dessen beide oberen Stockwerke schwer be- । schädigt wurden. Doch glücklicherweise gab es keinen | Personenschaden,' da die 84 dort untergebrachten Kinder beim Fliegeralarm sofort in den Luftschutz- ■ raum gebracht worden waren. Dieses vorbildliche Verhalten kann jedoch keineswegs die gerechte Em- I pörung der Eltern der gefährdeten Kinder, auf deren Leben es. abgesehen war, und darüber hinaus die Erbitterung des ganzen deutschen Volkes über diesen neuen britischen Schurkenstreich ab» schwächen..
Der Führer dankt der deutschen Rüstungsindustrie. Oie deutsche Rüstung allen ihr gestellten Aufgaben im höchsten Ausmaß gerecht geworden.
Berlin, 11.Dez. (DNB.) Der Führer empfing am Mittwochmittag im großen Empfangssaal der Neuen Reichskanzlei in Gegenwart des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Keitel, den Reichsminister für Bewaffnung und Munition, Dr. Todt, mit feinen Mitarbeitern aus Wehrmacht, Wirtschaft und Partei, die sich um die Leistungssteigerung der deutschen Rüstungsindustrie besondere Verdienste erworben haben.
Reichsminister Dr. Todt stellte dem Führer d i e Rüstungsinspekteure der einzelnen Wehrkreise unter Führung des Chefs des Wehrwirtschafts- und Rüstungsamtes im OKW., General der Infanterie Thomas, die in den Rüstungsbeitat berufenen Wirtschaftsführer mit dem Vorsitzenden des Rüstungsbeirates, Generaldirektor Keßler, sowie die Wehrkreisbeauftragten des Reichsministers für Bewaffnung und Mu- nition vor.
Der Führer begrüßte die erschienenen Sachwalter der deutschen Rüstung und ließ sich von ihnen ihre Aufgabe und das Werk, dem sie angehören, melden. In einem ausführlichen Referat erstattete Reichsminister Dr. Todt dem Führer Bericht über die bisherigen Leistungen der von ihm auf Befehl des Führers geschaffenen Organisation zur Leistungssteigerung der deutschen Rüstungsin- ouftrie. Er hob dabei die Gemeinschasts» l e i st u n g von Wehrmacht, Wirtschaft, Wissenschaft und Partei hervor und erklärte, die deutsche Rüstungsindustrie habe unter Zurückstellung jeglicher Eigeninteressen freudig und mit großem Erfolg die ihr zugeteilte Gemeinschaftsarbeit übernommen und dadurch eine echt nationalsozialistische Grundeinstellung bewiesen. Durch den Zusammenschluß der fähigsten und energischsten Fachleute aus Wehrmacht, Wirtschaft und Partei sei, ohne daß deswegen ein großes Ministerium gebildet wurde, ein Instrument geschaffen worden, das mit anderer Einstellung
arbeite als die materiell und eigennützig eingestellten Industriellen auf der Feindseite.
In seiner Ansprache an chre versammelten berufenen Vertreter sprach der Führer der gesamten deutschen Rüstungsindustrie seinen Dank für ihre hervorragenden Leistungen aus. Die deutsche Rüstung, so erklärte der Führer, sei allen ihr gestellten Aufgaben in h ö chstem Ausmaß gerecht geworden. Wie er gestern dem deutschen Rüstungsarbeiter seinen Dank ausgesprochen habe in der Erkenntnis, daß ohne das Wirken und den Fleiß, das Können und die Fähigkeit des Arbeiters die großen Erfolge nicht denkbar gewesen wären, so möchte er heute der deutschen Rüstungsindustrie dafür danken, daß es durch die F.ä h i a k e i t ihrer Er- sinder, Techniker und Chemiker, aber auch ihrer industriellen Leiter und der Wirtschaftsführung möglich wurde, in stärkstem Ausmaß den Anforderungen der Wehrmacht zu genügen. In seinen Dank an die deutsche Rü-' stung bezog der Führer auch die Vertreter der Wehrmacht und der Partei ein, die auf diesem Gebiete so erfolgreich tätig seien.
Für besondere Verdienste um die deutsche Rüstung.
Berlin. 11. Dez. (DRV.) Der Führer hat in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um die deutsche Rüstung auf Vorschlag des Reichsminisfers Dr. Todt den Vetriebsführern Generaldirektor Dr. Vorbei, Dr. Kehler und Dr. Wirt das Kiegsverdlenstkreuz 1. Klaffe verliehen. Am Tage des Empfanges der Mitarbeiter des Reichsministers für Bewaffnung und Munition durch den Führer überreichte Reichsminister Dr. Todt den anwesenden Herren diese Auszeichnung. (Er würdigte in einer kurzen Ansprache ihre Leistungen.
Oer soziale Wohnungsbau.
Reichsorganisationsleiter Dr. Ley sprach ab Reichskommissar für den sozialen WohnungLbu bei einem Richtfest für eine Siedlung über den zialen Wohnungsvau, wobei er nacy einem Bench des „Angriff" unter anderem folgendes mitteill« Man werde nach dem Kriege zunächst 300 000 Wob nungen bauen. Da die für die einzelnen Wohnur. gen vorgesehene Raumgröße doppelt so groß sei ab die der Kleinstwohnungen von heule, wurde oas bei deuten, daß, nach dem heutigen Maß der Wohnur. gen gerechnet, eigentlich 600000 Wohnungen gebotf würden. Man werde versuchen, innerhalb von Zeh, Jahren die Wohnunasnot zu beheben. Das helß^ daß in zehn Jahren fünf bis sechs Millionen Wob nungen gebaut würden. Zur Frage bet Durch fchnittsmiete von dreißig Mark sagte Dr. Ley, m® werde die Miete abhängig machen von dem Kir. derreichtum, denn wer dem Volke Kinder schenke, werde von der Gemeinschaft besser bedacht als ber, ber keine Kinder haben wolle oder habe. Die 2ln schassung von Möbeln und Inventar werde in Zukunft durch die Einrichtung der Altersversorgua; erleichtert werden. Der Arbeiter könne dann, an« statt jeden Notgroschen zurückzulegen, sein erfpai, tes Geld dazu verwenden, seine Wohnullg fd)ö, und wohnlich zu gestalten. Die Größenordnung ber neuen Wohnung mit einer großen Wohnküche, dr« Schlafzimmern, einer Speisekammer, einer Vor. ratskammer, einer Dusche und einem Balkon, |4 vom Führer persönlich bestimmt worden. Es tonnt nicht jeder ein eigenes Siedlungshaus haben, au^ nicht jeder einen eigenen Garten. Es gebe Arbeiten, bei denen man Den Arbeitern direkt untersage, müsse, einen Garten selbst zu bebauen, nämliq bann, wenn ber Arbeiter Präzisionsarbeit zu leiste, habe, sonst gehe ihm das Wertvollste für feine, Beruf verloren. Der Bergmann könne ein Sieb lerhäuschen haben und solle nicht in einer Miet-, faferne wohnen. Da er einen großen Test feines Lebens unter Tage verbringen müsse, brauche er zum Ausgleich einen Garten,
Das größte Problem für den vorgesehenen sozialen Wohnungsbau sei der Mangel an Arbeitskräften. Man werde alle Dorschrisie-, vereinfachen und die Bauweise rationalisieren. Baustoffe werde man das ganze Jahr über in Forv von Bauteilen Herstellen, die bann in ber gutn Zeit nur montiert zu werben brauchten. Die Fi- nanzierung ber Bauten sei eine Ausgabe des Reiches. Nach der Meinung des Führers fei es eint Gemeinschaftsaufgabe aller Deutschen und nicht di! Aufgabe irgendeines Kapitalisten. Der Zins muff» verbilligt werden, lieber die Werkscharen, die Di- ganifation Todt und Generatbauinspektor Speer werde man Stoßtrupps zufammenstellen,' die bit Planung, den Aufschluß des Geländes, die Aus- fchachtung und die Fundamentierung übernehme, würden. Weitere Stoßtrupps würden den Robbcr Herstellen, wobei die fabrikmäßig hergestellten Teilt nur montiert würden. Ebenso würden Stoßtrupp-; gebildet werden, um die ganze Innenarbeit in bei Häusern zu übernehmen.
Ausbau der sausenden Kinderbel- hlfen im aesamten Reichsgebiet.
Der Relchsminlster der Finanzen und der Reichs- rnlnisker des 3nnern haben soeben eine besonbert Kinderbeihilfen-Verordnung erlassen. Danach wird der Kreis der belhilfeberechttgleu fiim- der ab 1. 3anuat 1941 erheblich erweikeril. Die Zahl der beihilfeberechliglen Linder wird ua etwa 50 v. H. vergrößert.
Bisher wurden laufende Kinderbeihilfen nur für das dritte und jedes weitere Kind und bei bn Haushaltsvorständen, die nicht Lohn- oder Gehaltsempfänger find, für das fünfte und jedes roeilect Kind unter sechzehn 3ahren gewahrt. Voraussetzung war, daß das Einkommen des Haushalts- Vorstandes im letzten Kalenderjahr nicht mehr old 8000 RM. betrug und das Vermögen bestimmt Grenzen nicht überstieg.
Ab 1. 3anuar 1941 werben alle deutschen hanshallsvorstände laufende Kiv- derbeihilfeu von 10 Reichsmark monatlich für das drille und jedes weitere minderjährige Kind erhalten. (Es tritt! demnach an die Stelle des sechzehnten Lebensjahrs das einundzwanzigste Lebensjahr, auch diejenigen, die bisher die laufende Kinderbeihilfe erst ab dm
Volk, sondern ein eng begrenzter Kreis von Menschen, die das genaue Gegenteil der Demokratie unb erst recht eines sozialistischen Staatswesens bilden, nämlich eine Interessengemeinschaft. Diese Interesjengemrinichaften der Wenigen aber in den Demokratien üben ihre Herrschaft aus durch bas in ihren Händen befindliche Kapital, bas nicht sie selbst er« arbeitet haben, sondern bas ihnen von großen Be- standteilen ihres Volkes zusammengearbeitet worben ist. So wird also — unb damit schließt sich der Ring — das in den Demokratien herrschende Kapital gleichzeitig zum bald direkten, bald indirekten Kampfmittel der herrschenden Kaste gegenüber natürlichen Lebensansprüchen der von ihnen beherrschten Volksmassen.
Wenn man sich diesen Tatbestand tlargemacht hat, dann versteht man, warum es sich gegenwärtig nicht nur um einen deutsch-englischen Krieg, auch nicht nur um einen Kampf gegen den Völkerfeind England, sondern buchstäblich um einen Kampf zwischen zwei Welten handelt: drüben die Welt der nicht erarbeiteten, nicht verdienten Privilegien und Vorrechte, die Welt des brutalen Kapitalismus, der zum Selbstzweck geworden ist — hüben die Welt der V o l k s g e m e i n s ch a f t, die von dem Grundsatz ausgeht, das beispielsweise der Arbeiter, ber Unbemittelte, der „kleine Mann" aenau die gleichen Lebensrechte unb Lebensansprüche hat wie der Wohlhabende oder der Angehörige ber „belferen Stände" von ehedem.
Aus dieser Erkenntnis, daß es sich um unendlich viel mehr als um einen Krieg handelt, entsteht drüben bei den plutokratischen, kapitalistischen Vertretern der „Demokratie" fortgesetzt dieses Gemisch aus geifernder Wut und schlotternder Angst, daß die äoeen des Nationalsozialismus immer weiter in der Welt um sich greifen und die absolute Grundlosigkeit des Herrschaftsanspruches der über große Weltteile gebietenden Demotratendiquen den Völkern immer deutlicher vor Augen führen. So weit sind wir jetzt! Aber es ist nun einmal nationalsozialistische Art, eine Aufgabe nickst nur anzupacken, sondern auch bis zur letzten Konsequenz durch zu führen. Erst recht also wird dieser große Entscheidungskampf, den das Deutschland Adolf Hitlers wegen (einer Beanspruchung Durch unzählige aewaltige Friedensaufgaben nie und nimmer gewollt hat, wirklich bis zum Letzten, bis zur endgültigen Entscheidung durchgekämpft werden.
Wie es nun aber im nationalsozialistischen Staat — im Gegensatz zum Plutokratenstaat — keine Almosen, gleichviel in welcher Form, gibt, weil sie den Empfänger in seiner Menschenwürde herab- setzen, so war es natürlich auch nicht möglich, das neue, wieder machtvoll gewordene Deutschland mit irgendwelchen Almofenfetzen nach der Art eines „Have-nots“ eines Habenichtses abzuspeisen, um es bei der Anmeldung und Vertretung seiner berech- tigten Lebens- uno Geltungsanspruche wie einen lästigen Bettler zum Schweigen zu bringen. Nicht Deutschland hat durch die Aufteilung der Erde unter einige Wenige das große Unrecht unb die vielen Konfliktstoffe in die Welt gebracht. Aber dieses Deutschland, lange genug betrogen, macht jetzt nicht nur endgültig reinen Tisch, sondern bereitet damit auch jenes zukünftige freie, schone Reich vor, von dem der Führer am Schluß seiner Rede sprach.
Le. R.
Dampfer „Helgoland" ans Ltebersee zurück.
Die britische Blockade durchbrochen.
Lissabon, 12. Dez.-(DNB.) Der dem Nord- deutschen Lloyd gehörige Dampfer „Helgoland" hat Hn Atlantischen Ozean überquert und ist sicher in einem deutschen Hafen e in- gelaufen. Der Dampfer hatte in Puerto Columbia gelegen und war aus diesem am Karibischen Meer gelegenen Hafen ber Republik Kolumbien Ende Oktober ausgelaufen.
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Die Zeitungen der kvlumbischen Hauptstadt Bogota hatten auf bie Schwierigkeiten hinqewiesen. die das deutsche Schiff beim Durchbruch durch Zwei britische Sperrlinien zu übermin« Den haben würde, ba bie Engländer die durch die Bahama-Inseln und Kleinen Antillen gebildete natürliche Inselsperre st a r k b e w a ch t e n und auch an der europäischen Seite des Atlantischen Ozeans einen Sperrgürtel errichtet hatten. Die Meldung von der glücklichen Ankunft des Dampfers .Helgo-
Das Taufstemgiiier.
MecklendmgischeSage, ei zählt von £ ans Franck
Das Gitter um den Taufstein der Marienkirche zu Wismar ist so kunstvoll geschmiedet, daß man auf den Gedanken kommen kann, es fei nicht aus Eisenstäben zusammengenietet, sondern aus Stricken, die in flüssiges Metall getaucht wurden, zufammen- aeflochten. Es ist aber trotzdem keineswegs die Arbeit eines Meisters der Schmiebezunft. Sondern dieses Wunderwerk ber Geschicklichkeit wurde von einem Gesellen angefertigt. Allerdings unter den seltsamsten Umständen.
In dem Jahre 1344 arbeitete zu Wismar ein Feinschmiedgeselle. Der verliebte sich in die einzige Tochter seines Brotherrn und begehrte sie zu seiner Frau. Indessen der reiche Meister wies den armen Schlucker schnöde ab. Weil jedoch der Geselle von seiner Werbung nicht abließ, sagte er schließlich: „Wenn du mir hundert Goldgulden zum Brautschatz bringen kannst, bann sollst bu meine Tochter haben." Er wußte aber sehr wohl, baß ber Geselle dazu nicht imstande fei. Und der Geselle wußte es auch.
So ging der Abgewiesene in großer Betrübnis zu der Marienkirche, um die Mutter Gottes zu bitten, daß sie ihm zeige, wie er zu den hundert Goldgulden und damit zu der Tochter feines Meisters käme. Unterwegs begegnet ihm ein feiner Herr, den er noch nicht gesehen hatte. Der fragte ihn nach dem Grund seiner offenbaren Betrübnis. Vielleicht könne er ihm helfen. Nur Mut! Der Ge- feile faßte sich ein Herz und gestand, was ihn be- drücke. „Nichts leichter, als dir zu dem Ziel deiner Sehnsucht zu verhelfen", sagte der seine Herr unb fügte feinen Worten hinzu: Er werde am nächsten Morgen in die Werkstatt seines Meisters eintreten, um ein Rundgitter zu bestellen. Das müsse aus Schmiedestäben zufammengenietet werden. Aber so aussehen, wie wenn es aus einem einzigen Stück geflochten märe. Sein Meiner werde diesen Auftrag als zu schwer ablehnen. Dann solle er sich erbieten, ihn gegen 100 Goldgulden auszuführen. Der Geselle, ein Mann von großer Geschicklichkeit, war es zufrieden. Also fuhr der feine Herr fort: Er dürfe aber mit der Arbeit nicht vor dem ersten Hahnenschrei beginnen und müsse sie tepnoch bis
nachts um 1 Uhr fertig haben. „Wie soll ich das schäften?" zauderte Der Geselle. „Wozu bin ich denn ba? lachte ber feine Herr. Da nickte ber Geselle, dem immerfort klarer wurde, wem er gegenüber» stand. Der feine Herr gab also bas Dersteckspiel auf unb erklärte: „Wenn bas Gitter vorn ersten Hahnenschrei bis zum Einuhrschlagen in der Nacht fertig ist, kriegst du hundert Goldgulden. Wenn es aber nicht fertig wird, unb ob auch nur ein einziger Nagel fehlt, bann krieg ich deine Seele." Es hätte der Tatsache nicht bedurft, daß der feine Herr jetzt ein Blatt yervorholte, um den Gesellen erkennen zu lassen: Der Teufel war ihm in den Weg getreten. Weil er aber die Tochter des Meisters um jeden Preis fein eigen nennen wollte, unterschrieb er die Abmachungen mit Blut. Am andern Morgen kam der seine Herr in die Werkstatt des Wismarer Meisters und bestellte ein rundes eisernes Gitter, das ausfehen sollte wie aus einem Stück geflochten. Der Meister lehnte trotz der 100 Goldgulben ab. Der Geselle aber nahm das Gebot an.
Des dritten Morgens bei dem ersten Hahnen- krähen begann ber Feinschmiedgeselle mit der Arbeit. Und er schaffte mehr, als er jemals während ber gleichen Zeit in seinem Leben vollbracht hatte. Der Meister, welcher kam, um nach dem Rechten zu sehen, meinte: „Es sieht beinah aus, als ob du nicht zwei Hände hast, sondern zweihundert!" Der Geselle nahm sich nicht einmal zum Lachen Zeit. Geschweige denn zum Antworten. Er arbeitete. Der Geselle aß und trank nicht. Er arbeitete. Don der Mitternacht an aber war es ihm, als ob feine Hände aus Blei wären. So schwer, so ungeschickt wurden sie, nachdem bie Uhr zwölf geschlagen hatte. Der Geselle riß alle Kraft zusammen. Er mußte, er wollte, er wurde es schäften. Schweiß rann ihm über die Stirn, rann ihm den Rücken hinunter. Der Geselle kümmerte sich nicht darum. „Arbeiten!" befahl er sich selber. „Arbeiten — arbeiten —!*
Plötzlich hört der Fiebernde, daß die Uhr (Eins anfagt Nur noch ein einziger Stift ist einzunieten. Aber bas wird er bis zum Uhrschlagen nicht schaf- fen. Seine Hände brennen wie Feuer. Dor feinen Augen hängen Schleier. In feiner Angst ruft er die Mutter Gottes um Hllfe an. Sie hat (Erbarmen unb kommt vom Himmel herunter. Denn der Ge- frile war ja, um die Tochter des Meisters zu ge
winnen, auf dem rechten Wege gewesen und durch den Bösen nur von ihm heruntergelockt worden.
„Eins!" schlägt die Uhr. Ein furchtbares Geheul braust heran. Der Geselle fällt bewußtlos zu Boten. Aber der Teufel vermag chm nichts anzuhaben. Denn Mutter Maria steht schützend vor ihm. Als der Bedrohte wieder aufwacht, liegt zu feiner Linken zerrissen ter blutunterschriebene Vertrag. Zu seiner Rechten aber liegen hundert Goldgulden.
Der Feinschmiedgeselle beichtete reumütig fein Vergehen. So erhielt er von dem Geistlichen Vergebung unb von dem Meister das begehrte einzige Töchterchen.
Das kunstvolle Gitter wurde, zum Dank für die HUse der Mutter Maria, um den Taufttein der Marienkirche zu Wismar ausgestellt. Aber ein Löchlein ist bis auf den heutigen Tag ohne das vorgesehene Niet geblieben. Laß dich des sorgsamen Suchens nur nicht verdrießen! So wirst du es finden. *
Die Kerze.
Don Joseph Baur.
In einem engen Gäßchen einer alten deutschen Stadt bleibt ich nachdenklich vor einem Schaufenster stehen. Es enthüll eine hübsche Komposition um ein einziaes Motiv: die Kerze. Kerzen aller Art und in allen Farben sind da zu sehen und sie inerten gehalten von vielerlei schönen und kunstvollen Gegenständen.
Bei Fest und Feier, wie viel bedeutet uns da noch immer die Kerze! Im Eäglichen Leben frellich ist kein Dlatz mehr für sie. Goethe, der Lichtfreund, hatte sehr zu klagen: Er wüßte keine Erfindung, die nötiger märez als die einer Kerze, die man nicht schneuzen müsse. Heute verfügen wir über eine Fülle besten Lichtes. Doch gerade deshalb hat die im Alltag entthronte Kerze ihre besondere Bedeutung in den Bereichen stiller Beschwingtheit und Entrückung erlangt.
So sinne ick, und dabei taucht eine (Erinnerung in mir auf. In einem Bauernhaus mar ich einmal zu Gast für eine Nacht. Es war im Winter, Aepfel dufteten im Raum. 2lls ich am Morgen erwachte, sah ich in einer Ecke des Zimmers auf timt alten Truhe eins Anzahl Kerzen um bas holz
geschnitzte Bild einer Madonna ausgestellt. Alle Ken- zen trugen in silbernen Strichen ein Maß ausgezeichnet. Sie waren verschieden weit herabgebrannt, und ich sah nun, daß dies em kleiner Hausaltar war, mit dei» Lebensterzen der Familie. An jedem Geburtsto-Z brannte hier eine Kerze und wurde kürzer um biit Spanne eines Jahres. Einer der Leuchter trug mir noch ein Häuflein erstarrter Wachstränen, »einit Kerze war wohl an einem Totenbett nietergebranmt unb erloschen. Die Kerze Daneben hatte nur noch vier Silberstriche bis zu neunzig. Und eine, hüt vorderste, war noch nicht angezüntet worden. Da^ Menschenkind, dem sie galt, hatte noch nicht eün Dcchr gelebt Später sah ich, daß es noch ungeboren war.
Eine Lebenskerze fehlt in dem Schaufenster. Ic- lese den Namen ber Ladeninhaberin: „Christim Fröhlich". Vielleicht ein freundliches altes Fram- chen, mit heiter-rundem Gesicht und silberweißem Haar, — denke ich und trete in Den Laden. Ein melodischer verschwebenter Harfenklang begleitet das Oefjnen und Schließen der Tür. Der Laden rjt -leer, es duftet nach Wachs und Wohlgerüchen. Damit wird ein Vorhang beiseite geschoben, ein schlanke2 junges Mädchen erscheint und fragt nach meinem Begehr. Auf einem Werktisch im Nebenraum sehe ich Farbtöpfe und eine Reihe bunter, kerzenhalten' der Engel. Fräulein- Christine Fröhlich sieht fass! selber wie einer ihrer Engel aus, wenn auch ifo- blondes Haar nicht so himmlisch lockig wallt es i'ft irdisch sttass zu einem Knoten im Nacken zusammen gefaßt.
Während ich einen Lichtengel aussuche, sage iS chr so nebenbei mein Lob über die schone Gestaltung der kleinen Kerzenschau im Fenster. „(Etiuz Kerze fehlt allerdings , füge ich hinzu und blitft auf. Sie lächelt, beugt sich zu einer Schublade unJ legt mir wortlos eine schmale Schachtel vor. Darin liegt eine Lebenskerze.
Nach einer kleinen Pause saae ich: „5a, eigenfr lieh haben Sie reckt. So ein Memento mori pafrt nicht ins Schaufenster!"
„Wollen Sie die Kerze mitnehmen?" fragt sm mit einem heiteren Blick aus hellen Augen.
„Danke!" sage ich, „baju bin ich nicht mehr juntf genug."
Und ich nehme fieber einen bunten Geburtstag*' ring, mit sieben Kerzen, für ein Kind.


