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Strümpfe waren alle nach den angedeuteten Ge­sichtspunkten ausgewählt und zufammengeftellt.

Es wurden zuerst sog. Handarbeitskleider gezeigt, z. T. aus zwei Stoffen, auch aus Resten zu arbei­ten; dannPullover in der Tüte", in vielen Formen und Farben, auch Modelle, die für den Herrn wie für die Dame passen, etliche ganz aus Resten, einen in zehn verschiedenen Tönen, alles nach bequemen Vorlagen und bunten Schnitten leicht selbst anzu­fertigen. Ferner gehäkelte Kostüme, dann mancher­lei Neuheiten in Kleidern, mehrteilig, praktisch für verschiedenste Zwecke, verschiedenste Größen und Figuren. Auch neue Strumpf-Modelle nicht zu Der» geilen.

Allgemeine Aufmerksamkeit und großen Anklang fanden einige hübsche, zeitgemäße Winter-Jndan- thren-Dirndlklerder, auswechselbar, in geschmack­vollen Farbzusammenstellungen, aus wasch-, licht- und wetterfestem Trachtenstoff. Man sah weiter eine ganze Reihe hübscher und praktischer Kleider und Mäntel nach bunten Schnitten, wieder aus ver­schiedensten Stoffen, für allerlei Zwecke und jede Figur. Auch die neuen Pointen der Wintermode wurden gezeigt. Ein praktischer Regenschutz wurde m seiner Wirkung am Modell vorgeführt und empfohlen.

Lebhaften Beifall fand einDerwandlungskleid", oder das Kunststück, wie man aus einem Kleid fünf Kleider machen kann. (Hexeneinmaleins für Da­men, Modell 1940.) Und immer wieder Kleider, Kostüme, Komplets und Mäntel alles unter dem Motto: wenig Stoff, wenig Punkte, sparsam, prak­tisch und trotzdem schick! Den Schluß blldeten eine Anzahl Festkleider: lange Aermel, kurze Aermel; schwarzweiß, die große Mode; kornblumenblau; be­druckte Seide; kleines Hüftschößchen; Deuteltasche; Straß-Agraffe. Und als freundlicher.Ausklang: ein Brautkleid und ein Brautmutterkleid. Großer Beifall. Auf Wiedersehn nächstes Jahr.

Zuteilung auf die Gäuglingskarte.

Nach einer mit Zustimmung des Sonderbeauf­tragten für die Spinnstoffwirtschaft ergangenen An­ordnung der Reichsstelle für Kleidung und ver­wandte Gebiete dürfen auf die Sonderabschnitte VI und VII aller für Kinder bis zum vollendeten ersten Lebensjahre ausgegebenen Reichskleiderkarten soweit die Karten bis zum 31. Dezember 1940 aus­gestellt find vom 15. November 1940 bis zum 15. Februar 1941 wahlweise entweder je drei Win­deln, bestehend aus drei Lagen Windelmull oder je 7,5 Meter Windelmull an Verbraucher abgegeben und von ihnen bezogen werden.

Gießener Wochenmarktpreise.

Gießen, 12. Nov. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, auslän­dische Eier 11, Kartoffeln, % kg 4, 5 kg 40, Wir­sing, % kg 7, Weißkraut 5, Rotkraut 8, gelbe Rüben 7/rote Rüben 6, Spinat 15, Römischkohl 10, Unter- kohlrabi 5, Grünkohl 6, Rosenkohl 15 bis 18, To­maten 16, Zwiebeln 12, Meerrettich 30, Schwarz­wurzeln 15, Kürbis 7, Feldsalat (Vio) 8, Aepfel, Vi kg 15 bis 30, Birnen 15 bis 30, Salat, das Stück 8 bis 10, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 3 bis 5, Sellerie 5 bis 30, Rettich 5 bis 20, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Rpf.

** Kriegsauszeichnung. Der Leutnant zur See Ernst Günther Krenzien, Sahn des verstorbenen Gießener Bürgermeisters Krenzien, zur Zeit bet einem Seeflieger-Kcxmmando, wurde für besondere Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet, nachdem er sich schon im September durch kühnen Einsatz das Eiserne Kreuz II. Klasse erworben hatte. Für hervorrragende Tapferkeit vor dem Feinde erhielt der Obergefreite Ludwig Keil, Wetzsteingasse 7 wahnhaft, das Eiserne Kreuz I. Klasse. In den Kämpfen um Amiens erwarb er sich bereits das Eiserne Kreuz II. Klasse und das Jnfanterie-Sturm- abzeichen. *

** Anerkennung für hervorragende Mitarbeit. Die Reichsarbeitsgemeinschaft für Heilpflanzenkunde und Heilpflanzenbeschaffung (RfH.) hat dem Lehrer Hans Jmmel in Gießen eine Urkundeals Anerkennung für hervorragenden Einsatz bei der Einbringung der diesjährigen Heil- kräuter-Ernte" übermittelt, die mit Worten des Dankes und der Anerkennung der Gauleitung und der Kreisleitung zugestellt wurde. Lehrer Jmmel hat sich mit besonderer Tatkraft bei der Durchfüh­rung der Heilkräutersammlung der hiesigen Goethe- Schule für das volle Gelingen dieses gemeinnützigen Dienstes eingesetzt.

Die Vorteile -er Kaninchenzucht.

Ausstellung des Kaninchenzuchtvereins Gießen.

Die diesjährige örtliche Schau des Kaninchenzucht­vereins Gießen zeigte Angora-Kaninchen und Tiere der Wirtschastsrassen, als Gegenstück Luxuskanin- chen und vor allem Jungtiere. Die Ausstellung er­freute sich regen Besuches. Zur Eröffnung waren auch Schlachthofdirektor Dr. Keller und Tierzucht- inspektor Haas erschienen.

Der Vorsitzende L. Kreiling, der zugleich Kreissachgruppenleiter ift, übernahm die Führung. Dabei wies er darauf hm, daß die Stallverhällnifse jetzt gegenüber früher bereits bedeutend verbessert simö. Während man noch während des Weltkrieges die Kaninchen im Keller oder auf dem Balkon hielt, müssen es jetzt Außenställe sein. Leider läßt deren Beschaffenheit noch zu wünschen übrig, vielfach sind sie auch zu klein. Tiere aus ungesunden Stallungen können sich nicht entwickeln und sind nur Futterver­schwender, weil aus ihnen nichts Vernünftiges wird. Als Fleischlieferant kommt das Kaninchen gerade in der jetzigen Zeit zu neuer Geltung. Während des Weltkrieges ist die Zahl der Kaninchen von 2,5 auf 18 Millionen im Jahre 1918 angestiegen, später ging sie zurück und betrug vor dem jetzigen Kriege mehr als 8 Millionen, während jetzt schon mehr als 10 Millionen Kaninchen vorhanden sein dürften. Bei richtiger Rassewahl und Haltung liefern zwei Häsinnen und ihre Nachzucht 50 Kilo­gramm Fleisch, das eingeweckt werden kann, so daß man eine wöchentliche Zugabe von 1000 Gramm markenfreien Fleisches besitzt. Besonderer Wert wird auch auf das Fell gelegt, das jetzt ab­geliefert werden muß, aber gut bezahlt wird. Deutschland war früher Exportland und ist zur Zeit sehr aufnahmefähig für Kaninselle, die früher zu allerlei schönen Bekleidungsstücken verarbeitet wur­den und jetzt für andere Sachen gebraucht werden^ L. Kreiling wies besonders auf die Zucht der An­gorakaninchen hin, die 4 Jahre hindurch wertvolle Wolle liefern, von der 1 Kilo 1. Qualität 40 RM. kostet. Alle 90 Tage liefert das Tier 350 bis 400 Gramm, je nach Rasse und Pflege. Wer die Kanin­chenzucht nur wegen des Verdienstes betreiben will, beschränke sich auf die Haltung, die großen Nutzen

abwirft. Zu bevorzugen sind frohwüchsige Tiere, die guten Nachwuchs liefern. An sich ist das Kanin­chen ein dankbarer Futterverwerter, denn es frißt die Dinge, die anders nicht mehr zu verwerten sind, wie. Unkräuter und Abfälle. Es liefert außer dem Fleisch auch Fett, ein begehrtes Fell und Dünger. Das Kaninchenfleisch kann von anderen Arten nicht übertrieben werden. Welchen Wert die Kaninchen­zucht für unser Volk besitzt, geht daraus hervor, daß etwa 8 Millionen Tiere rund 122 Millionen RM. der deutschen Wirtschaft im Jahre 1938 zuge­führt haben.

Direktor Dr. Keller sprach sich anerkennend über die Ausstellung aus und regte an, sie vor allem den Schülern zu erläutern, um von Jugend auf die Liebe zum Kaninchen in das Volk zu tra­gen.

Die Aussteller wurden mit Preisen ausgezeichnet. Es erhielten: Ehrenpreis der Reichsfachgruppe und der Kreisfachgruppe: K. Hoffmann (weiße Wiener); Ehrenpreis des Landesbauernführers: Emil Kern (blaue Wiener). Angora: Ehrenpreise O. Steih (und 1. Preis), Just. Volz, Heuchelheim; 3. Pr. Fr. Schneider (u. 1. Pr.), L. Kreiling und Kurt Schwarz, Reiskirchen. 4 Deutsche Widder, grau: E., 1. und 2. Preis: Ehr. Hüttenberger. Deutsche Widder, weiß: 2. Pr. gerb. Schellhaas. Große Chinchilla: 1. und zwei 3. Pr. Adolf ©lieber. Kleine Chin­chilla: zwei 1. und vier 3. L. Krelling. Wiener, weiße: Ehrenpreise Karl Hoffmann (zwei E., zwei 1. und zwei 3 ), Georg Schellhaas (zwei E., zwei 2. und drei 3.) Albert Wihner; Emil Kern, zwei 1., drei 2. und sechs 3.; 2. Pr. O. Steih (und ein 3.) Walter Schmitt (und drei 3.) 3. Pr. Joh. Nico­lai, L. Krausmüller, Urstadt (2), Jos. Minnig (und ein 1.); Karl Melius (zwei Und ein 1.) Ferd. Schell­haas (7), Just. Volz, Heuchelheim (und ein 2.). Wiener, blau: Emil Kern E.-Pr.; 1. Pr. Alb. Wih- ner (zwei und ein 3.); Gg. Schellhaas (zwei und drei 3.), Otto Dörr (zwei und drei 3.), Gg. Stumpf, Gießen-Wieseck (zwei und zwei 3.). Luxuskanin- chen: Urstadt: 1. Preis.

SJi.-tfport

Schwerathletik beim Hallensportfest des VfB.-Veichsbahn.

Im Rahmen eines Hallensportfestes am Sonntag fand ein Mannschaftskampf im Ringen statt, den die Schwerathletikabteilung des VfB.-Reichsbahn nach spannendem Kampf für sich entscheiden konnte. Hanau erschien mit stark verjüngter Mannschaft, die aber durchweg gutes ringerisches Können zeigte und auch teils sehr schöne Kämpfe lieferte.

Die Resultate:

Bantamgewicht: Sern, Gießen besiegt Rieß, Hanau nach kurzer Zeit durch Aufgabe.

Federgewicht: Ein ungemein spannendes Treffen lieferten sich Alois Funk, Gießen und Roth, Hanau. Beide Ringer kamen oft in Gefahr, bis Funk in fünf Minuten durch Schleudergriff siegte.

Leichtgewicht: Unteroffizier Eder brachte seinen Gegner sofort in Gefahr, aber der Matten­rand rettete. In der 4. Minute siegte dann Kübler, Hanau, überraschend durch Ueberstürzer.

Weltergewicht: Gefreiter Becker griff seinen Gegner beherzt an und hatte auch Vorteile, aber der Hanauer Thiele war auf der Hut und besiegte Becker durch einen blitzschnellen Hüftschwung, Becker ist durch Mangel an Training nicht in der gewohn­ten Form.

Mittelgewichtr Klotz, Gießen, setzte seinem Gegner Weigand, Hanau, hart zu. Der Hanauer rettete sich oft durch Mattenflucht. Klotz ging durch Ueberstürzer in Führung und siegte in der 3. Min. durch Hüftschwung.

Halbschwergewicht: Hier brachte Gießen mit Zeller einen neuen Mann auf die Matte, der seinen Gegner, Fleischer, Hanau, in der 1. Minute durch Ueberstürzer besiegte. Zeller stammt aus Frei­burg und kämpfte schon öfter repräsentattv für den Gau Baden.

Endergebnis 4:2 für Gießen.

Ergebnisse der Nachrvuchskämpfe.

Roth, Hanau, besiegte den Gießener Dern in einem harten Kampf nach Punkten.

Unteroffizier Eder, Gieße», besiegte Weigand, Hanau, durch Stützgriff.

Rabow, Gießen, besiegte seine Vereinskameraden Dietrich und Weichsel entscheidend.

Im Gewichtheben gab es ebenfalls schöne Leistun­gen. Gary, Marburg, schaffte im Schwergewicht 645 Pfund im Dreikampf. (Drücken 205, Reißen 190, Stoßen 250 Pfund.) In der gleichen Klasie schaffte Dr. Luh im Reißen 170 Pfund und im Stoßen 220 Pfund. Der 46jährige Mootz, Marburg, hob im Bantamgewicht 440 Pfund. (Drücken 150 Pfund, Reißen 120 und Stoßen 170 Pfund.)

Gary, Marburg, der bereits 41 Jahre alt ist, könnte längst in der Altersklasse starten.

Watzenborn-Steinberg I. »Sportfreunde" Wetzlar I. 8:2 (5:1).

DieSportfreunde" Wetzlar hatten vor ihrem sicheren Torhüter zwei Verteidiger stehen, die ihr Fach verstanden. Der Sturm der Gäste spiette schön zusammen, schoß zwar nicht allzuviel, war aber in Tornähe stets gefährlich. Nur die Läuferreihe war nicht immer im Bilde; sie stellte sich von Spiel­beginn an zu sehr auf das Äbwehifpiel ein und vernachlässigte dabei die Unterstützung des Sturmes. DieTeutonen" hatten eigentlich keinen schwachen Punkt in ihren Reihen.

Bereits den ersten Angriff des einheimischen Stur­mes unterband ein Gästeverteidiger im Strafraum durch Handspiel. Der fällige Elfmeter wurde ver­wandelt. Schon in der 6. Spielminute führte ein Eckball von rechts durch den Halblinken zum zwei­ten Tor. Dieser Spieler verfehlte einige Minuten später in der eigenen Spielhälfte einen ihm zuge- dachten Ball. Der Gegner war zur Stelle und schon hieß es 2:1. Doch schon eine Minute später kam der Ball zum Linksaußen. Er spielte an dem letz­

ten Verteidiger vorbei und setzte kurz vor dem Tor stehend zum Schuß an, da wurde er unfair zu Fall gebracht. Abermals Elfmeter, der zum 4:1 verwandelt wurde. In der 20. Spielminute kam der Ball vor das Tor der Wetzlarer. Der Halblinke der Einheimischen wandte sich durch die gegnerische Verteidigung durch und lenkte den Ball zum 5. Tor ein. In den restlichen 25 Minuten der ersten Halb­zeit fiel kein weiteres Tor.

Die zwette Halbzeit zeigte vorerst die Gäste im Angriff. Eine verunglückte Abwehr führte zum zweiten Erfolg für Wetzlar. Dann aber wurden sie in die Verteidigung gedrängt. Gegen einen schar­fen Weitschuß war der Wetzlarer Torhüter macht, los. Durch weite Abschläge derSportfreunde". Verteidiger wurde ihr Drei-Männer-Sturm ober manchmÄ noch gefährlich. Dennoch konnten die Gastgeber zum 7. Erfolg und kurze Zeit später zum 8. Tor und damit zum Endergebnis einsenden. Schiedrichter Gerhardt (Annerod) leitete umsichtig, Sportgemeinde Steinbach.

Jugendableilung.

Mefeck 3gb. Steinbad) 3gb. 1:0 (0:0).

Iw zweiten Spiel um die Dannimerfterschaft traf Steinbach in Wieseck auf eine körperlich stark über» leaene Mannschaft. Dis zur Halbzeit blieben Tor- erfolge aus. In der zweiten Hälfte konnten die Gaib geb er ein Mißverständnis ausnutzen und zum sieg­bringenden Tor einschießen

Die Schüler traten auf eigenem Platz gegen die Schüler von DfB.-R. an. In der ersten Halbzeit waren die Gastgeber überlegen. Mit 3:1 wurden die Seiten gewechselt. In der zweiten Hälfte konn­ten die Gäste gleichziehen. Dadurch fiel Steinbach etwas ab und konnten die Schüler von DfB.-R. durch ein roeiteres Tor einen knappen Sieg er­ringen.

Fußball im Turnverein Großen-Linden

Iugendfuhbalt

Am Sonntag traten sich diese Mannschaften zum fälligen Verbandsspiel gegenüber. Gr -Linden trat wieder mit 3 Mann Ersatz an, konnte aber trotz, dem gegen die körperlich stark überlegenen Gäste einen 2:0-Sieg erringen. In der 17. Minute, als ein Spieler Großen-Lindens von dem rechten Ver­teidiger der Gäste im Strafraum unfair angegrif­fen wurde, ging Gr.-Linden durch Elfmeter in Füh. rung. Kurz vor dem Wechsel wurde der linke 23er. leidiger der Gastgeber verletzt, sodaß er sich in der Folgezeit nicht mehr ganz einsetzen konnte und Gr.-Linden die ganze 2. Halbzeeit, bis zum Ab­bruch des Spieles, mit 10 Mann überstehen mußte. Trotzdem schoß der Halbrechte noch ein Tor für Großen-Linden, dem die Gäste nichts entgegenzu­setzen hatten. Kurze Zeil nach diesem Tor verließ der Gästetormann ohne Grund den Platz. Als sich ihm noch einige Spieler anschlossen, sah sich der Schiedsrichter gezwungen, das Spiel abzubrechen.

Schwelneniarkt in Alsfeld.

A Alsfeld, 11. November. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 139 Ferkel und Läufer- schweine aufgei rieben. Es kosteten 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 20 bis 25 RM., 8 bis 10 Wochen alte 25 bis 30 RM., Läuferschweine 45 bis 60 RM. pro Stück. Der Handel war flott, kein Ueberstand.

Briefkasten Oer Nedaktion

Eine dankbare Leserin. Im vorliegenden Falle dürfte sich die Zuführung Ihres Sohnes zu einem praktischen Lebensberuf empfehlen und be­sonders an die Wahl eines handwerklichen Berufes zu denken sein. Um den richtigen Weg zu diesem Ziel zu finden, raten wir Ihnen eine Rücksprache mit der Berufsberatung beim Arbeitsamt Gießen an, die an jedem Mittwoch von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr Sprechstunde hat.

Das wichtigste Gebot der richtigen Zahnpflege ist und bleibt- keinen Abend mit ungeputzten Zähnen zu Bett'.

CHL0R0D0 NT

3000Kilometer Siebe

Roman von Olly Boeheim

25. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Anita Silesen", sagte Dera Verries tonlos. Sie war zutiefst erschrocken. Der Direktor sprach in kühlen freundlichen Worten etwas aus, worüber sie sich selbst gar nicht klar gewesen. Er hatte recht, tausendmal recht! Nicht die mütterliche Freundschaft für Anita war der Grund, nicht nur das unbezähm­bare Bedürfnis, den Mann wiederzusehen und sich Gewißheit zu verschaffen, ob er wirklich der Fabri­kant Ohlsen war, sondern Angst, ganz törichte Angst, nur einen Achtungserfolg zu erringen, nachdem Anita das Publikum in Göteborg begeistert hatte. Angst vor der Jüngeren. Sie senkte den Kopf. Sie wußte, jetzt war der Augenblick gekommen, der bit­terste im Leben einer Künstlerin, der Augenblick, abzugehen. Er war diesmal nicht nur mit einer großen Geste verbunden, sondern er öffnete einem jungen Mädchen, das sie gern hatte, das Tor zu einer Laufbahn.

Vielleicht haben Sie recht, Direktor Ryddohrn", sagte sie leise.Ich will nicht mehr tanzen."

Ist es nicht zu früh, abzugehen?" fragte der Mann mit einem freundschaftlichen Lächeln.

Möglich", antwortete Vera Verries,aber besser zu früh als zu spät!" Und mit Gewalt ihre Wehmut niederkämpfend:Also, ich schicke Ihnen Anita Si- lesen. Nach ihrem Erfolg in Göteborg gehen Sie nicht das geringste Risiko ein. Einverstanden?"

Einverstanden, Frau Verries. Sie sind ebenso klug wie selbstlos!"

Nicht ganz so selbstlos, wie Sie denken, mein Lieber!" sagte Vera, und ein verschmitztes Lächeln verjüngte ihr Gesicht.Wiedersehen, Direktor!"

*

Am gleichen Tage raste Dera Verries, nachdem sie einen kurzen Brief an Anita Silesen hinterlassen hatte, mit allen verfügbaren Pferdekräften nach Leksand. Die Sonne hatte sich versteckt, aber es fang in ihrem Herzen. Sie war frei! Das einzige, was ihr Lebensbedürfnis war, die Kunst, hatte sie ihrer

Liebe zum Opfer gebracht. Mit diesem Trumpf in der Hand wollte sie vor Arne Ohlsen hintreten. Je näher sie Leksand kam, desto überzeugter war sie, daß sie ihre Kunst tatsächlich für Arne geopfert hatte. Das Blut schoß ihr in die Wangen, als sie den Siljansee erblickte. Leksand-, Rättvik flogen vor- be-i. Ihr Herz hämmerte. Nur noch ein paar Kilo­meter und sie war da.

Wenn sie Arne nicht antraf? Es war nicht aus- zudenken. Der Atem blieb ihr stehen. Da lag das geliebte kleine Haus. Was sollte sie Ame sagen? Ach, sie würde ihm um den Hals fliegen und den Geruch seiner Haut spüren, und seine festen Arme würden sich um sie legen, um sie nie wieder los­zulassen.

Die Bremsen knirschten. Deras Knie zitterten, als sie ausstieg. Warum kam er ihr nicht entgegen? Er mußte den Wagen doch gehört haben. Ihre Hände wurden eiskalt. Sie fühlte, sie ertrüge es nicht, vor einem verschlossenen Haus zu stehen. Gottlob, die Tür war offen. Ein Blutstrom schoß chr zum Herzen. Er war da, nun mußte alles gut werden. Ein heimliches Lachen stieg in ihr auf.

Arne", rief sie leise, dann laut und jubelnd, Arne, Liebster?"

Ein fremder Mann kam aus der Hütte, und ein zynisches Lächeln spielte um seine Mundwinkel, während er Dera betrachtete.

Wo ist Herr Ohlsen?" fragte sie atemlos.

,^)hlsen?" wiederholte der Fremde, und machte mit der Hand eine Bewegung, als wollte er sagen: geplatzt.

Dera Benies war vollkommen verwirrt. Der Mann sah ausgezeichnet aus. Heber der Oberlippe stand strichfein ein kohlrabenschwarzes Bärtchen, die Wangen waren tadellos rasiert, der Anzug vom letzten Schnitt und auserlesener Eleganz.

Sprechen Sie deutsch?" fragte Vera. Der Fremde schüttelte den Kopf.

Englisch?"

Der Fremde nickte.Ein wenig", sagte er, und mit einem dreisten Lächeln:Für uns dürfte es genügen."

Ein Frösteln des Unbehagens kroch an Dera hoch. Sie wollte in die Hütte treten, da versperrte der Mann ihr den Weg.

Go on, sagte er rauh und zog einen Revolver cnus der Tasche.

Die Frau stand wie gelähmt.Was wollen Sie?" stammelte sie hilflos.

Daß Sie mich zur Grenze fahren", erklärte er in seinem brüchigen Englisch, und das dreiste Lächeln verstärkte sich.

Zur deutschen Grenze?" fragte Dera verzweifelt.

No, Miß, es kann auch die norwegische fein, die ist am nächsten."

Fliehen, dachte Vera, rasch in den Waaen und fort Aber da sah sie unter seinem lächelnden Ge­sicht den Lauf der Pistole auf sich gerichtet Ohne sie aus den Augen zu lassen, packte er einige Ge­genstände zusammen und folgte chr in den Wagen. Bebend zog sie den Anlasser, und sah im Rücken­spiegel, wie der Fremde sich seelenruhig eine Ziga­rette ansteckte, die Sachen, vermutlich Diebesgut, im Fond verstaute und dann behaglich neben ihr die Beine ausstreckte. Der Revolver lag auf seinem Schoß, und bei jeder Bewegung, die sie machte, griff seine Hand lässig danach. Es blieb ihr nichts übrig; sie schaltete und fuhr an.

Fahren Sie nicht vor Aufregung gegen einen Baum, Miß", sagte der Mann liebenswürdig.Sie haben gar keinen Grund, aufgeregt zu sein. Ick) bin ein Gentleman, solange man tut, was ich will. Sollten Sie aber den albernen Einfall haben, zu schreien ober anzuhalten, wenn wir einem anderen Wagen begegnen, bann knalle ich los."

Sie sind also"

Ein Abenteurer, Miß. Einer, der feine eigene Moral hat, die darin bestehl, daß er nimmt, was er kriegen kann. Fahren Sie etwas schneller, wenn ich bitten darf. Beschaulichkeit liegt mir nicht und für landschaftliche Reize habe ich zur Zett wenig Interesse. Immer geradeaus. Ich zeige Ihnen den Weg."

Vielleicht hat er Arne ermordet und bringt mich auch noch um, dachte Dera entsetzt. Sie war dem Einbrecher auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Verzweifelt sah sie die endlose Einsamkett der Wäl­der sich zu beiden Seiten der Chaussee ausbreiten. Er schien ihre Gedanken zu erraten.

,^ch werde Ihnen nichts tun. Miß", sagte er, denn ich halte Sie für klug."

Wieso denn klug?" stammelte Dera mit trocke­nen Lippen.

,/Insofern, als Sie mir die Perlenkette und die

dazu passenden Ohrringe freiwillig aushändigen. Auch die Armbanduhr. Stopp!"

Der Wagen hielt. Mechanisch neftelte Vera die Ohrringe ab, die Kette, und was sie sonst an Schmuck bei sich trug.

And money? fragte der Mann, und seine wei­ßen Zähne blitzten in dem dunklen Gesicht. Sie warf ihm wütend ihre Tasche zu. Er kramte, nahm einige Geldscheine heraus und legte eine geringfügige Summe zurück. Dann steckte er die Sachen nach­lässig ein, zog eine Reiseflasche mit Kognak aus der Tasche und reichte Vera einen Becher.

Nein, danke", sagte sie und stteß seine Hand zurück. <Ae fühlte sich einer Ohnmacht nahe.

Sie müssen trinken, Miß", beharrte der Mann. ,<Jch kann mich nicht von einer Frau fahren lassen, die im Begriff ist, in Ohnmacht zu fallen."

Vielleicht wollen Sie mich vergiften", sagte sie, kaum ihrer Sinne mächtig.

Oh no, das könnte ich hier rascher haben. Der Lauf der Pistole war wieder auf sie gerichtet, dies­mal aus beängstigender Nähe. Sie schluckte den Kognak.

Skool, lachte der Mann und trank ebenfalls. Der Alkohol weckte Deras Lebensgeister. Gott im Himmel, dachte sie, irgendwo muß diese Fahrt ein Ende haben. Wenn er mich nur nicht zum guten Schluß niederknallt. Sie fuhr wieder los. Bald würde es dunkel fein. Die Situation, mit diesem Ungeheuer durch die Nacht zu fahren, hilflos wie eine Maus in der Falle, war nicht auszudenken. Da kam ihr ein erlösender Gedanke. Der Bensin- messer zeigte nur noch wenige Liter. Sie mußte tanken, Das war die Rettung. Der Mann hinter ihr schien ihre Gedanken zu lesen.

Wenn mir tanken", sagte er, gilt das gleiche Abkommen. Ein Mucks von Ihnen, und ich schieße Sie glatt über den Hausen, und den Tankwächter dazu. Ich muß über die Grenze, also los!"

Dera trat auf den Gashebel.

Versuchen Sie nicht, eine Panne oorzutäuschen. Ich bin selbst Autofahrer."

ßügner", knirschte Dera,dann würden Sie selbst fahren."

Somit Sie mir die Pistole an die Rippen setzen, was?"

(Fortsetzung folgt)