Donnerstag, 12. September 1940
Oie Zugenddienstpflicht.
Die Jugenddienstverordnung, nach der alle Jugendlichen von 10 bis 18 Jahren verpflichtet sind, in der HI. Ehrendienst am deutschen Volke zu leisten, ist durch einige Anordnungen des Jugendführers des Deutschen Reiches zum erstenmal praktisch wirksam geworden. Die Anordnungen betreffen die pflichtmäßige Erfassung und Heranziehung des Jahrgangs 1929/30 der HI., die Anwendung der Vorschriften der Jugenddienswerordnung auf die der HI. zur Zeit angehorenden Jungen und Mädel im Alter von 10 bis 18 Jahren sowie auf die sich freiwillig zur Ableistung der Jugenddienstpflicht mel- dcnden Jugendlichen und endlich die vollständige Erfassung der 17jährigen, also des Jahrgangs 1923. Der Jugendliche kann durch die Ortspolizeibehorde angehalten werden, seinen Pflichten aus der Verordnung nachzukommen. Es entspricht jedoch den Führungsgrundsätzen der HI-, von dieser Möglichkeit Abstand zu nehmen, solange die eigenen Mittel ausreichen. Keinesfalls darf hieraus aber die Auf-
Nr. 21b Zweites Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Die kdF.-kindergymnastik
16 bis 17 Uhr in der Schillerschule, Schillerstraße.
Und so preiswert
Starkwirksom, gegen Zahnsteinansatz, zahnfleischkräftigend, mikrofeirx, mild aromatisch.
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und den
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die große Tube die kleine Tube
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Starenabschied! Die Wolken scheinen mir tiefer qualmiger; die Büsche tropfen, und der Dunst, man atmet, schmeckt rauchig und feucht.
älteren Geschwister die Aufsicht übernehmen können, finden sich immer Nachbarinnen oder es ist ein Kindergarten der NSV. in der Nähe. Auch die Nachbarschaftshilfe der NS.-Fr-auenfchaft kennt solche Nöte und springt gern helfend ein, damit Kinder sich nicht stundenlang selbst überlassen sind. Vielleicht wäre es auch eine lohnende Aufgabe für HI. und BDM., die Jugend durch Vorbild und Aufklärung zu einer manierlichen Haltung dort, wo ihr Spieltrieb sie manchmal Über das Ziel schießen heißt, anzuhalten. Große Werte könnten auf die Weise dem Volksganzen bewahrt und dadurch erspart bleiben. Dr. Buresch-Riebe.
Dornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Wiener Geschichten". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liebe durnme Mama".
Ortszeit für den 13. September.
Sonnenaufgang 6.56 Uhr, Sonnenuntergang 19.44 Uhr. — Monduntergang 3.23 Uhr, Mondaufgang 18.16 Uhr.
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Crholungssürsorge und Arbeitseinsatz
Eine Tagung in Bad-Nauheim.
knarren sie wie die Besenbinder hinter mir her;, kehre ich mich wieder zu ihnen, lasten sie mich dafür die zärtlichsten und freundlichsten Westen Horen.
Die Wolken ziehen dunstig und tief, vorm Wald steht Nebel. „Schön singt ihr! Aber ich., habe es eilig, liebe Freunde, muß auch packen. Mochte, wir hätten es mit dem Herbstumzug so leicht wie ihr!
,Ob ihr wieder zu Gast kommen dürft? Wie gerne, Freunde! Ich hab nämlich eine alte Siebe: oft meine ich, einer von euch müßte der fröhliche Starmatz sein, den in meiner Kinderzeit ein Vetter hielt und um dessentwillen man als Junge so gern zu ihm auf Urlaub fuhr. Was wußte bas Tier nicht alles auswendig! Die Frage nach dem Wetter und Was fangen wir heute an', den Gassenhauer vom „Purpurnen Mund', wie auch das fröhliche Lieu vom ,Mai, der gekommen ist'."
Da komme ich noch einmal ins Schwatzen, he? Und der Herbst ist doch kalt und naß! Wahrend ich drunten im Gras stehe und rede und die Nase zu den acht Unermüdlichen aufhebe, zieht es mir von der Hacke das Rückgrat hinauf und über den Nacken in die Nasenwurzel zu einem kräftigen — wie bitte — „Hapischah!"
Einen Augenblick haben die Stare oben auf dem Draht mitten im Singen und Schwatzen mnegehal- ten. Dann klingt es ganz deutlich von einem Künstler da oben zurück: „Hapischah!" Und im nächsten Augenblick wollen sich alle zusammen ausschutten vor Zwitschern und Lachen und versuchen es ihrem Vorredner nachzutun. Ich komme überhaupt nicht mehr zu Wort und wende mich verlegen zum Wei- tergehen. Da schwirren sie aber schon über mich weg- „Bitte, nichts für ungut!" Und beginnen noch einmal zu singen und zu pfeifen und einer fallt und zieht gerade vor mir, zum Zeichen von Nützlichkeit und guter Gesinnung aus dem eben aufgewühlten Kartoffelland einen grauen Engerling hervor.
Nun ja, ich weiß, wir sind gute Verbündete. Macht's' im nächsten Jahre ebenso! Und wegen der Kirschen bleibt's bei unserem Vertrag: Ihr beim Nachbarn und ich in meinem Garten. Also meinetwegen zum Frühling auf Wiedersehen! - Wiedersehen", sage ich noch einmal laut und höflich. Uno der Besuch hat es verstanden. Das stchirrt und redet schier zwanzigfältig durcheinander, wünscht nur wm Winter gute Gesundheit — man soll solche Wünsche nicht unterschätzen — und ist auf einmal, । heidi, brausend von- dannen gezogen.
Und so ist es auch im menschlichen Leben in der Austastung des Altbayern. Im aufschneiderischen Biertischgespräch, beim unehrlichen Handel und bei sonstigen Gelegenheiten des Alltags wird ein lug- nerischer oder betrügerischer Mensch mit den treffenden Redensarten gründlich „zugedeckt" oder abge- ferttgt: „Mach doch koan so an Krampf!" — „Du bist an richtige Krampfhenna!" — „A soichane Krampfhenna, höha geht's do nimma!" und „Wos gackerst denn, du oite Krampfhenna!" Verwandt sind die ebenfalls bodenständigen Bezeichnungen „Krampf- huaba", „Krampfmeier" und ,Krampfader". Die ,Krampfhenne", die sowohl für männliche als auch weibliche Individuen gilt, ist aber der in seiner verhöhnenden und verächtlichen Art kräftigste Ausdruck des altbayerischen Sprachschatzes für solche Leute, die skrupellos, faustdick, dumm und dreist ihren Volksgenossen etwas vorzulügen versuchen, damit aber keinen Glauben finden und so auf den Pranger gestellt werden.
Paul Fechter.
Am 14. September begeht Paul Fechter, der als Dichter und zugleich als einer der hervorragendsten Vertreter der deutschen Kunst- und Literaturkritik seit Jahrzehnten für die Notwendigkeit dessen, was wahrhaft deutsche Kunst und Dichtung heißt, eingetreten ist, seinen 6 0. Geburtstag. Als Erzähler ist er vor allem durch seine drei großen humoristischen Zeitromane „Die Kletterstange", „Der Ruck im Fahrstuhl und ,Die Rückkehr zur Natur" hervorgetreten, und der unter dem Titel „Das wartende Land" erschienene große Ostpreußenroman ist em Bekenntnis des Elbinger Dichters zu seiner Heimat und darf als ein deutsches Schicksalsbuch das aus dem Wissen um die großen Mächte des Blutes und des menschlichen Reifens und Wachsens geboren ist, wohl aus Hauptwerk des Dichters gelten. Auch die Erzählung „Die Fahrtnach derAhnfrau", in der sich Gegenwart und Vergangenheit m der Besinnung auf Ursprung und Heimat in humorvoller Weise verknüpfen, führt in den Osten des Reiches. Sie hat bei ihrem Abdruck im „Gießener Anzeiger" großen Anklang gefunden. In fernem neuen spannenden Entwicklungs- und Liebesroman „Die Gärten des Lebens" hat Fechter im reizvollen Zusammenklang deutscher Landschaften und deutscher Frauengestalten ein Stück deutscher Seelengeschichte einprägsam gestaltet
fassung entstehen, daß nicht alle Möglichkeiten erschöpft werden, wenn dies geboten ist. Zu beachten ist ferner, daß es zu den Pflichten der Jugendlichen in der HI. gehört, nicht nur den Anforderungen des planmäßigen Dienstes, sondern auch denjenigen nachzukommen, die sich aus den besonderen.Einsatzbefehlen ergeben, also Ernteeinsatz, Hilfseinsatz bei Behörden, Reichsbahn, Reichspost, Wehrmacht, Sammelaktionen usw. Jugendliche können deshalb notfalls durch polizeiliche Maßnahmen zu allen Einsatzaufträge angehalten werden, soweit nicht besondere Einschränkungen ausdrücklich angeordnet sind. Mit Geldstrafen bis zu 150 RM. oder mit Haft wird der gesetzliche Vertreter bedroht, wenn er den Bestimmungen über die Anmeldefrist vorsätzlich zuwiderhandelt, mit Gefängnis und Geldstrafe derjenige, der böswillig einen Jugendlichen vom Dienst in der HI. abhielt oder abzuhalten versucht. Auch hier sollen die Strafbestimmungen nur dann angewandt werden, wenn die eigenen Mittel der HI. erschöpft sind, dann aber ohne Zögern und mit allem Nachdruck.
Wer wird zum weiblichen Arbeitsdienst eingezogen?
Gtarenabschied.
Von Hans Friedrich Blunck.
Auf einmal — drei Sommermonate lang haben ( . sie unser Dach gemieden — auf einmal sind die ;
Stare zu uns zurückaekommett. Das bedeutet Herbstzeit, letzten Abschied vorm großen Flug.
Es ist schön, daß^die Eltern, die im Frühling unter unserm Dach genistet und uns im Mai burd) die auf gefangenen Liedfetzen aller Weisen des Waldes erfreut haben, uns nun noch einmal eine Schlußmufik pfeifen. Kaum waren nämlich im Sommer die bräunlichen Jungen flügge — sie lernten es in zwei, drei Morgenfrühen, man war es kaum gewahr geworden —, da waren Eltern und Kinder eines Tages, husch, und ohne allen Dank von dannen. Die Dachpfannen blieben leer, und was die Gäste an Spuren hinterlassen hatten, wusch ein einziger Sturzregen hinweg.
Nun, man hatte im Sommer viel zu tun, man konnte die fröhliche Laune der Nachbarn entbehren. Alle Wälder waren voll hundertfälttgen Schalles, mochten die undankbaren Gäste nur ausbleiben. Mitunter sah man die Stare, alle und junge, zu Tausenden im fernen Röhricht niedergehen ober sie wehten wie dunkle Wolken im Abend vor der Sonne entlang. Sonntagswanderer rissen dann die Augen auf und meinten, die Vöael sammelten sich zum Herbst. Sie reisen aber erst dicht vorm ersten Schnee^ sind wohlerzogene und höfliche Tiere — fröhlich winke ich ihnen zu - und fahren mcht von dannen, ahne einige Abfchiedstage bei ihren alten Nest- wirten zu verbringen und ihnen ihren Dank vor- ^Da^ zwitschern meine alten Gäste nun oben von ihrem Spanndraht, vier Paar hoch. Die Herren sind etzt weißlich gefleckt, nicht schillernd grün und schwarz wie zur Brautzeit. Aber, lustig sind sie geblieben, einerlei, welchen Rock sie anhaben, und erzählen mir geschwätzig, was alles sie inzwischen gehört haben; etwa, wie das Blaukehlchen schluchzt, wie der Pirol singt, wie die Enten schnattern und sogar wie lie Hohltaub- ruckt. All--, was ft- l°rn- ten und äfften, wiederholen ft- nnr töte einen herrlichen Spaß und wollen sich noch einmal so recht beliebt machen - vielleicht, damit ,ch ihnen m lolaenden Frühling wieder Wohnung geben soll. Is? verlangen ab» auch Ausmerksamk-tt fturt^ten Dortrag. Sobald ich mich umw-nde, Welten und
Oie „Krampfhenne".
In seiner Rede zur Eröffnung des zwecken Kriegswinterhilfswerks kam der Führer auch auf die bekannten englischen Schwätzer zu sprechen und führte dabei u. a. aus: „Es gibt in unserer hochdeutschen Sprache für eine Erscheinung wie Duff Cooper kein passendes Wort. Da muß man schon zur Mundart greifen, und hier ist nur im Bayerischen ein Wort geprägt, das jo einen Mann charakterisiert: Krampfhenne." lieber das treffende Wort finden wir in den Münchener Neuesten Nachrichten die folgende aufschlußreiche Plauderei aus der Feder Willy Retts:
Jedem echten Münchener und Altbayer ist der Ausbruck „Krampfhenna" geläufig. Er weiß genau, was er mit diesem kräftigen, kernbajuwarischen Wort, bessen sich schon unsere Väter und Urgroßvater bedienten, frisch von der Leber weg sagen will. Es ist die gründliche Abfuhr für einen unbeliebten ober nicht für ernst genommenen Menschen, der glaubt, durch krampfhafte, schwächliche und fast lächerlich wirkende, großsprecherische lügnerische Behauptungen dem andern etwas vormachen zu können. Es gibt keinen anderen Ausdruck, der im Sinne des Bayern das sagt, was man unter „Krampf- henne" versteht. Das norddeutsche „Verrücktes Huhn" ist von der,,,Krampfhenne" in seiner verächtlichen Wirkung weit entfernt.
Der gute alte Schweller hat an seinem „Bayerischen Wörterbuch" Tausende von landläufigen Ausdrücken aufgeführt und zu erklären versucht. Die ,Krampfhenne" ist aber nicht darunter. In der großen Lexika steht über das Wort ,Krampf" geschrieben: „Kräfttge, anhaltende Zusammenziehung von Muskeln, schmerzhaft, z. B. Wadenkrampf, Magenkrampf." Und was das Wort ,Huhn", das der Münchner in friedlichen Zeit am liebsten als „Brathendl" lieft und sieht, für die deutsche Volksernäh- rung bedeutet, weiß jeder. Bezieht man das Wort „Krampfhenne" direkt auf das Federvieh, so ist damit ein Huhn gemeint, das bei drohender Gefahr, auch nach dem Eierlegen, oder in irgendeiner Aufregung dumm und krampfhaft gackert, ziellos hm und her reimt Es kennt sich einfach nicht mehr aus.
Auf verschiedene Anftagen über die Einberufung der Mädchen zum weiblichen Arbeitsdienst wird im „Reichsarbeitsblatt" mitgeteilt: Während bisher gewisse, dem aufgerufenen Jahrgang angehörende Dienstpflichtige von der Meldung befreit waren, z. B. Vollberufstätige unter bestimmten Voraussetzungen, mithelfeiÄe Familienangehörige usw., werden nach den neuen Bestimmungen alle Angehörigen des aufgerufenen Jahrgangs erfaßt. Sie können aber im Einzelfall für die Dauer des Krieges zurückgestellt werden, und zwar a) Vollberufstätige in der Landwirtschaft, soweit nicht im Einzelfall das Arbeitsamt der Heranziehung zum Reichsarbeitsdienst zustimmt, b) Kinder von Bauern, Landwirten und Landarbeitern, die als mithelfende Familienangehörige in der Landwirtschaft dringend benötigt werden, c) Vollberufstätige, die bei Arbeiten von besonderer kriegswichtiger Bedeutung eingesetzt sind oder eingesetzt werden müssen und d) Hausgehilfinnen, die bei F a- mitten mit vier u nd mehr Kindern tätig sind, werden in jedem Falle zurück gestellt, Hausgehilfinnen in Familien mit drei Kindern, wenn die Haushaltung ohne Hilfe nicht geführt werden kann, und in Familien mit einem noch nicht schulpflichtigen Die kdA.-kindergymnasiik (4037D Kind oder mit zwei schulpflichtigen Kindern, wenn beginnt wieder am Freitag, dem 13. September, von nachweislich eine andere Hilfskraft nicht zu er- 16 bis 17 Uhr in der Schillerschule, Schillerstraße. langen ist. Endlich werden zuruckgestellt diejenigen
das Unglück bald geschehen. Auch die Klingel und der Minutenlichtschalter sind unwiderstehliche Anziehungspunkte für junges Draufgängertum. Ebenso muß die Teppichstange oft genug für die waghalsigen Turnübungen einer ganzen Riege künftiger Olympiaathleten herhalten; kein Wunder, wenn sie beim nächsten Hausputz nicht in Ordnung ist. Besonders verwegene Buben zieht es beim Spiel sogar auf die Dächer von Waschhäusern ober Nebenschuppen. Durchgetretene Dachpappe, daraus folgende Wasserschäden, Schadensersatzansprüche klären die Eltern leider oft zu spät darüber auf? welche Erziehungslücken bei ihren Sprößlingen klaffen. Das Herumklettern auf Gartenzäunen und Pforten gehört übrigens auch hierher. Mancher Junge und manches Mädel meinen, es fei so etwas wie Ehrensache, niemals den richtigen Ausgang aus dem Grundstück zu benutzen. Sie mus- jen über den Zaun „gehen". Das mag allenfalls eine gesunde Leibesübung sein, keinesfalls verlängert es das Leben der Umzäunung.
Die Mütter haben jetzt im Krieg den Kopf und die Hände voll von der täglichen Arbeit und können mit den Augen nicht überall fein. Berufliche Arbeit hält sie oft viele Stunden von der Wohnung fern. Das verführt unsere kleinen Rangen leicht zur Selbstherrlichkeit. Sie glauben, ihren Uebermut an allem erproben zu können. Für den Schaden muß dann zu allem Aerger die Mutter aufkommen. Da ist es besser, gleich Vorsorge zu treffen und die Kleinen frühzeitig in der Achtung vor allem fremden Eigentum zu erziehen. Wo kerne
Im Hörsaal des Balneologischen Jnstttuts Bad- Nauheim der Landesuniversität Gießen hielten die Landesgeschäftsstellen Hessen und Hessen-Nassau des Reichsverbandes der Betriebs-, Land- und Jnnungskrankenkafsen eine Arbeitstagung ab, die angesichts der Wichtigkeit der Referate sehr zahlreich besucht war.
Den ersten Vortrag hielt der Leiter der Landes- versicherungsanftalt Hessen,
präfiöent Or. Neyl, Darmstadt,
der über Erholungsfürsorge in der Jnvalidenver- icherung bei Mitgliedern der Krankenversicherung und ihre Bedeutung für den Arbeitseinsatz sprach. In seinen richtungweisenden Ausführungen betonte er die im Interesse des Volksganzen liegende Notwendigkeit der Erholungsfürsorge des deutschen Arbeiters. Die Weimarer Verfassung habe zwar ein Recht auf Arbeit proklamiert, allein dem nationalsozialistischen Staat war es vorbehalten, dieses Recht erstmalig zu verwirklichen. Dem Recht auf Arbeit sei aber infolge des zvm Austrag gekommenen Lebenskampfes des deufchen Volkes gegen das Weltjudentum schon seit geraumer-Zeit eine Pflicht ur Arbeit gegenübergetreten. Deshalb seien im Interesse der Landesverteidigung alle verfügbaren Arbeitskräfte in den Arbeitsprozeß des Volkes eingeschaltet. In diesem Zusammenhang betonte der Redner, daß nur gesunde Völker sich im Behauptungskampf um ihren Lebensraum durchsetzen könnten. Aus diesem Grunde müsse mit der alten libe- ralistischen Auffassung aufgeräumt werden, wonach die Gesundheit des einzelnen dessen Privatangelegenheit sei. Die Gesundheit des einzelnen sei vielmehr eine unabdingbare Verpflichtung jedes Volksgenossen gegenüber der Volksgemeinschaft. Um einen Beitrag zur Hebung der Volksgesundheit zu leisten, insbesondere zur Förderung der Arbeitseinsatzfähigkeit des deutschen Arbeiters zum Wohle des Volksganzen, habe sich der Redner als Leiter der Landesversicherungsanstalt Hessen dazu entschlossen, Gesundungskurzkuren einzuführen, die gerade den geschwächten Arbeitern zur Wiedererlangung ihrer vollen Spannkraft und Arbeitskraft zugute kommen sollen. Bisher seien zahlreiche Kuren dieser Art bewilligt worden, und der Erfolg sei ein erstaunlicher. Der Redner schloß seine Ausführungen mit einem Appell an die Teilnehmer der Ar- beitstagnng, als Leiter reichsgesetzlicher Kranken-
noch die geringsten liebel sind.
Es mag vielleicht auf den ersten Blick etwas übertrieben klingen, wenn ein Hausbesitzer in einem Brief darüber klagt, daß die Schäden, die alljährlich durch spielende Kinder am Hausbesitz entstehen, in die Millionen gehen. Aber überlegen wir nur einmal, was so eine unbändige Kinderschar, die ihren Spielplatz einen Nachmittag in oder vor das Haus verlegt, alles anrichten kann, wenn sie nicht durch Aufsicht oder richtige Erziehung in Schach gehalten wird. Da kommen die Freunde nach Tisch mit dem Fahrrad an, um auch dabei zu sein. Was erscheint den Kindem selbstverständlicher, als das Rad in den Hausflur zu stellen? Also 'rein damit, an die Wand gelehnt, oft zwei, drei Räder übereinander. Der Nächste, der die Haustür aufmacht, muß sich an den Rädern vorb eigne tschen oder er reißt sie um, Schrammen und Löcher in der Wand, Kratzer auf dem Fußboden, sind nicht selten die Folge. Die Kinder, die abends ihre Räder wieder holen, sehen in ihrer Arglosigkeit natürlich nichts davon, im Ernstfall „sind sie es nicht gewesen", sie haben doch „bloß eben mal" das Rad an die Wand gelehnt.
Und wie gern klirren die Fensterscheiben, wenn zwei Knirpse ihr Äraftmeiertum aneinander messen! Einer versucht zuerst, den Stein so hoch zu werfen, wie Mutter wohnt, der andere macht's nach, krach, schon splittert es. Manche Jungen haben auch die „zackige" Angewohnheit, ihren Spielkameraden ihre Ankunft durch einen Steinchenvnirf ans Küchenfenster anzuzeigen. Aus dem Steinchen wird nur leider allzu leicht ein Stein, und dann ist
Aus der Stadt Gießen.
Spieltrieb an unangebrachter Stelle.
Als wir klein waren, Vertreter jenes Kindesalters, das die Erwachsenen nicht ganz mit Unrecht die Flegeljahre nennen, begab sich eines Tages folgendes: Meine Schwester grub im Garten mutwillig einige Steine aus einem mit Kleinpflaster belegten Weg, um „Maurer zu spielen". Der Einfall begeisterte uns Geschwister, und bald entstand ein ansehnliches Loch in dem Pflasterweg, das wir zwar eifrig wieder „zumauerten", das aber natürlich uneben und unansehnlich blieb. Mein Vater entdeckte einige Tage später die Missetat und wurde furchtbar böse. Aber nicht genug, daß er meine Schwester strafte und uns alle für den Wiederholungsfall mit Strafen bedrohte, er kam immer wieder auf dieses, für uns Kinder geringfügig erscheinende „Verbrechen" zurück. Wenn wir mit ihm jpazieren- gingen, wies er oft auf eine schadhafte Stelle im Straßenpflaster und versäumte nie, zu meiner Schwester zu sagen: „Siehst du, Anna, das hat auch damit angefangen, daß einer mutwillig einen Stein herausgegraben hat, nun ist es schon so groß und wird immer großer werden!"
Wie oft muß ich an meinen strengen Vater denken, wenn ich zuweilen Kinder beim Spielen beobachte. In aller Arglosigkeit richten sie geringfügig erscheinende Schäden an, die im einzelnen vielleicht nicht einmal gleich ins Auge fallen, die aber durch die Wiederholung und noch mehr durch ihre Vielzahl schwer auf dem Säckel der Allgemeinheit liegen. Mit dem viel bekämpften Bekritzeln und Bemalen der Wände im Hausflur oder im Hausein- aang fängt es an. Wie alt ist schon der Spruch, Den wir in der Schule auswendig lernen mußten, und der doch immer wieder in den Wind geschlagen wird: „Narrenhände beschmieren Tisch und Wände." Ist es schon schlimm, wenn wir in unseren eigenen vier Wänden den Kindem diese Unsitte nicht energisch ab gewöhnen , so wird es unverantwortlich, wenn Treppenaufgänge und Hausflure oder sonstige, oft auch äußere Hauswände, durch solchen Mutwillen unachtsam erzogener Wildfänge verunreinigt werden. Mancher Hauswirt weiß ein Liedchen davon zu singen, wieviel Kosten und Mühe aufgewendet werden müssen, um den Hausfluren und Treppenaufgängen immer wieder das ansehnliche Aussehen zu verleihen, das die Bewohner verlangen. Das gilt nicht nur für den Wandanftrich, der vielfach vorzeitig wieder erneuert werden muß, auch die Treppen, das Geländer, der Fußboden zeugen oft von den Taten kleiner Draufgänger, wobei Schmutz, Schrammen und Verputzschäden oft
kaffen das ihre auf dem Gebiete der Erholungsfürsorge zu tun, um eine günstige Beeinflussung der Volksgesundheit zum Vorteil der Einsatzfähigkeit zu erzielen. Dabei wurde betont, daß nicht jeder zu Maßnahmen der Erholungsfürsorge berufen sei, denn hierzu gehöre bei den einzelnen Sachbearbeitern eine innere Einstellung, die neben sachlichem Können als weitere Voraussetzung ein sozialistisches Herz erfordere. Er sprach den Wunsch aus, daß jeder Sachbearbeiter der Krankenversicherung ein solches sozialistisches Herz sein eigen nennen möge in voller Verantwortlichkeit für die Gesundheck und das Glück des deutschen Volkes.
Weitere Borträge.
Dann sprach Verwaltungsoberinspektor Weiß- mantel von der Landesversicherungsanstalt Hefen, Darmstadt, über die technische Seite der Durch- ührung der Erholungskuren der Krankenkassen un- er Berücksichtigung der Mitwirkung der Landes- oersicherungsanstalt als Trägerin der Gemeinschaftsaufgaben für den Betrieb von Erholungsheimen, sowie der vertrauensärztlichen Dienststellen der gleichen Behörde!
Ferner sprach der Landesvertrauensarzt der Lan- desverficherungsanstalt Hessen, Dr. Schnabel, Darmstadt, über Gegenwartsfragen des vertrauens- ärztlichen Dienstes, insbesondere über wichtige Aufgaben, die der vertrauensärztliche Dienst hinsichtlich des Arbeitseinsatzes zu erfüllen habe. Er berichtete noch über die in neuester Zeit durchgeführte Neuorganisation des Vorladungsverfahrens und über die Einbeziehung der Ersatzkosten in den vertrauensärztlichen Dienst.
In einem Vortrag gab der Oberarzt Dr. med. Linke von der Kuranstalt Bad-Nauheim inter- .effante Aufschlüsse über die Behandlung Herzkranker mit Bad-Nauheimer Kohlensäurebädern. In anerkennenden Worten sprach er dabei über die von der Landesversicherungsanstalt Hessen in Bad-Nauheim geschaffenen Einrichtungen auf dem Gebiete der Heilfürsorge, bei denen besonders die Röntgeneinrichtung der Kuranstalt die modernste in Bad- Nauheim sei.
Nach Beendigung der Tagung fand eine Besichtigung der der Landesversicherungsanftalt Hessen gehörigen Heilstätten für Kreislaufkranke, nämlich des Kurheims Bad-Nauheim und der Kuranstalt statt.


