Ausgabe 
12.7.1940
 
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Mchtlingsstrom mitten in der fliehenden Armee

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Heimkehr -er befreundeten Außenminister

ochsende Nervosität in England

den des Mittwoch vor die peinliche

Daily aJtirror*

aus Front und daher

manstelle Schwierigkeiten gerieten, tägttch eine besondere Spalte

Stockholm, 11. Juli. (Europapreß.) Das eng­lische Lügenministerium sah sich in den Abendstun- den des Mittwoch vor dre peinliche Aufgabe ge­stellt, einen großen Irrtum des englischen Königs aufzuklären. König Georg hatte am Dienstag einer in Nordengland lebenden Frau Evelyn Cardwell den Orden vom britischen Weltteich verliehen, weil

Das Blatt schreibt wörtlich:Obwohl jeder im Lande weiß, daß bei der Verwendung von Stahl äußer st e Sparsamkeit geübt werden muß, gibt es noch militäriscbe Ressorts, die diese Not­wendigkeit ignorieren/ DerDaily Telegraph" geißelt noch andere Seiten der amtlichen Unfähig­keit. Das Zahlmeisterkorps des Heeres habe es fertiggebracht, daß Tausende von Offizieren, als sie * zurückkehrten, ohne Gehalt blieben

fünfhunderttausend.

Ufber uns kreiste ein deutscher Flieger. Die Pa­nik war ungeheuer. Die Soldaten liefen ins Feld. Zivilisten hißten weiße Taschentücher, hysterische Schreie zerrissen die Luft. Manche Autler benutzten die Gelegenheit, um sich in den Militärzug hinein­zuschmuggeln. Sie kamen nicht weit. Die Aufregung der Flüchttinge war so groß, daß sich trotz der Flie- i gergefahr Männer und Frauen auf den Eindring­ling stürzten und seinen Wagen, samt Kind und Ke­gel, in den Straßengraben warfen.

Ich legte mich mit meiner Frau mitten in ein Kornfeld. Totenstille. Der Flieger sauste über uns hinweg. Keine Bombe. Kein Schutz. Ich sah die Maschine wieder höher klettern, dem Bogen der Loire zusteuern, dann ein Sturzflug der Brücke zu. Eine furchtbare Explosion. Wie ich nachher erfuhr, streifte die Bombe den Mittelpfeiler der Hänge­brücke. Kern Zivilist war verletzt worden. Der Flie­ger überkreiste noch einmal die Sttaße, dann ver­schwand er in nördlicher Richtung.

Die Warnung war unzweideutig. Seit vier Ta­gen dauert nun das Theater. Ein Hohn! Man hält uns als Deckung hier zurück! Welch herrlicher Ar­tikel in englischen und amerikanischen Zeitungen! Welch prächtige Propagandabilder: die barbarischen Deutschen haben unschuldige Fküchttingskolonnen er­mordet! ..

Alle Soldaten teilen die unbändige Empörung der Flüchtlinge. Wir müssen rasch eine in Geburtswehen

Unser Bild zeigt im Vordergrund die Geschüktürme des italienischen SchlachtschiffesCesare' und I dahinter das SchlachtschiffConte di Cavour .1 Beide Einheiten griffen in die Seeschlacht am 8. Juli nahe der Insel Kreta ein, in der britische und ita­lienische Flotteneinheiten zusammenstießen.

(Associated-Preß-M.)

Italien einen Monat im Krieg.

Rom, 11. Juli. (Europapreß.) Heute, Donners­tag, 0.00 Uhr, steht nun auch Italien einen vollen Monat im Krieg.,

In diese Zeit ist der Durchbruch durch die See- Alpen-Front erzwungen und damit die Ueberlegen- heit der italienischen Waffen in Frankreich gegen­über bewiesen worden. Die Verteidigung der Gren­zen Libyens und Ostafrikas war erfolgreich. Die! letzten Tage des ersten Kriegsmonats haben Italien sogar einen sehr bedeutenden strategischen Erfolg an der Ostgrenze des englisch-ägyptischen Sudans gebracht. Ebenso hat dieBeherrscherin der Meere , die englische Seemacht, auch im Mittelmeer den ersten vernichtenden Schlag erhalten.

Auch auf politischem Gebiet war dieser erste ita- lienische Kriegsmonat sehr inhaltsreich. Aufmerksam und genau ist von Italien die politische Lage im Südosten Europas und dem Mittelmeer überwacht worden. Es galt die Verhältnisse in Rumänien und in Jugoslawien sorgsam zu verfolgen. Denn die Er­haltung des Friedens im Donau- und Balkanraum bleibt nach wie vor ein Hauptziel der beiden Achsen­mächte.

Stockholm, 11.Juli, (DNB.) Die in England herrschende Nervosität und Spionenfurcht hat dazu geführt, daß Ausländer grundsätzlich als Verbreche^ angesehen werden, die schon für die geringfügigsten Vergehen erhebliche Strafen zu gewärtigen haben.

So ist eine schwedische Staatsangehörige in Lon­don zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil sie ihre Adressenänderung nicht rechtzeittg der Polizei angemeldet hat.

Gleichzeittg meldet der Berichterstatter von Soenska Dagbladet", daß die englischen Gerichte immer strengere Strafen gegen Personen verhän­gen, die illegaler Tättgkeit verdächtigt werden. Eine Krankenschwester in Bristol ist zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt worden, weil sie angeblich auf einer Briefkarte das Abhören des deutschen Rundfunks empfohlen hat. Ein Gepäckträger hat die gleiche Sttafe für das gleiche Vergehen erhalten und ein Ingenieur wurde zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Eine Hausgehilfin ist zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden, weil sie eine Landkarte befaß, die dem Gegner hätte nütz­lich sein können. Ein Mann an der englischen Süd- I Püffe wurde zu hoher Strafe verurteilt, weil er während eines Flugzeuaangriffes eine Zigarette an« 1 gezündet hat. Ein Geschäftsmann in Notttngham

hör stiebenden französischen Armee strömte die Zivilbevölkerung in Hellen Scharen ins Innere Frankreichs^und wurde infolge der verbrecherischen Politik ihrer Kriegshetzer -wem ungew.ssen und Franireuhs "aurigen Schickfal preisgegeben. - (PK.-Kohnen - Atlantik-M.»

wurde zu 14 Tagen Zuchthaus und 50 Pfund Strafe verurteilt, weil erfaschistenfreundliche Aeu- ßerungen" gemacht hat.

Amtliche Llnfahigkeit."

Madrid, 11. Juli. (Europapreß.) Während England fortfährt, die deutsche Offensive angstvoll zu erwarten, mehren sich die Klagen über die U n - fähigkeit der englischen Bürokratie. Selbst der der Regierung nahestehende konservative Daily Telegraph" beteiligt sich an diesen Angriffen. Das Blatt berichtet, daß bei der Industrie zahlreiche Beispiele für die Unfähigkeit der Behörden vor­lägen. Bei der Stahlbewirtschaftung zum Beispiel sei die Verschwendung an der Tagesordnung.

zu. Das sollte heißen, startbereit am Wagen zu bleiben. Er und einige andere kräftige Männer, darunter auch Bauern mit Knüppeln, stellten sich NUN vor den diensttuenden Offizier am Brücken­kopf und brüllten und schrien lauter als das Ras­seln der Räder und Motoren. Es entstand eine Der« wirrung. In dem Augenblick steuerte ich links zwi­schen zwei Kanonen, gab Gas und war auf der Brücke. Diele hundert folgten meinem Beispiel. Antoine lief zu Fuß nach. Zwei Minuten, nac^em wir über den Fluß waren, erfolgte ein neuer Flie­gerangriff. Wir flüchteten in eine Kapelle in der Nähe des Schlosses. Wir waren jedenfalls die letzten gewesen, die die Brücke passiert hatten. Im Städt­chen Sully, das bereits seit gestern abend geräumt war, plünderte die Armee. Wir mußten rasch gehen. Das gestohlene Benzin reichte bis hierher.

den Klagen über die amtliche Unfähigkeit widmet, erklärt, daß der amttiche Apparat die Kriegswirt­schaft geradezu zum Stillstand bringe.

Neuyork, 11.Juli. (DNB.) Die Amerikanerin Vivien K e l l e m s , die als Leiterin einer bekannten Neuyorker Jndustriefirma kürzlich aus Einladung des britischen Kriegsministeriums in London weilte, berichtete nach ihrer Rückkehr in einem auf der ersten Seit vonNew York World Telegram' ver- öffenttichten Interview über eine immer stärker werdende Revolte der breiten englischen Volksmassen gegen England herrschende Clique.

Englands Kastensystem, so erklärte Frau Kellerns, sei zwar ebenso hartleibig wie dasjenige Indiens, es weise aber bereits Zersetzungserscheinungen auf. Englische Zivilisten vor Militärgerichten

Bern, 11. Juli. (DNB.) Die englischen Arbeiter verspüren wenig Lust, sich für die plutokrattschen Kriegsmacher auspressen zu lassen. Da die Zahl der Arbeitsverweigerer ständig wächst, hat Diktator Churchill jetzt eine Regierungsvorlage ein« gebracht, nach der Zivilpersonen, die sichgegen die Interessen des Staates vergehen und die Kriegfüh­rung behindern", von Militärgerichten ab­geurteilt werden. Die Androhung strenger Stra­fen soll die Arbeiter den Geldsackinteressen ihrer Fronvögte gefügig machen.

Ein Irrtum des englischen Königs.

sie angeblichmit wütenden Blicken und stahlharter Entschlossenheit einen deutschen Fallschirmjäger in die Gefangenschaft gebracht hatte", und zwar ganz allein. Es hn^in den englischen Zeitungsmeloun- gen, aus di< Ge, Ordensverleihung zurückgeht, daß die mutige ^Metern deutschen Fallschirmjäger zu­nächst seine Pistole fortnahm und chn später einem englischen Soldnken übergab, der ihn abführte.

Diese Nachricht hat osfensichttich in der englischen Bevölkerung beträchtliche Unruhe ausgelöst, zumal die Furcht vor den deutschen Fallschirmjägern ohnehin von Tag zu Tag zunimmt. Das Infor­mation smiNisterium sah sich daher am Mittwoch­abend zu der amtlichen und wohl auch peinlichen Erklärung gezwungen, daß bis Mittwochabend noch nicht ein einziger deutscher Fall­schirmjäger in Großbritannien gelan­det sei. Die Zivilbevölkerung möge daher Ruhe bewahren, Verttauen in seine Regierung setzen, im übrigen ihre Pflicht tun und ihrer Arbeit nach« gehen.

Budapest, 11.Juli. (DNB.) In maßgebenden ungarischen Kreisen vertritt man die Ansicht, daß die Münchener Besprechungen für den Frieden in Südosteuropa von entscheidend^'' Bedeu­tung gewesen seien. In allen erörterten Fra­gen fei zwischen den Achsenmächten und Ungarn die größte UebereiNstimmung festgestellt worden. Mit besonderer Genugtuung bezeichnet man hier den Umstand, daß der Führer zu den Beratungen ne­ben demx Reichsaußenminister auch den Außen­minister des befreundeten Italiens zutzezogen hatte.

Außenminister Graf Ciano wieder in CRom.

Rom, 11. Juli. (DNB.) Der italienische Außen­minister Graf Ciano ist Donnerstag mittag zu­sammen mit dem deutschen Botschafter von Mak- kensen von seiner Deutschlandreise nach der ita­lienischen Hauptstadt zurückgekehrt. Zum (Empfang hatten sich höhere Beamte des Außenministeriums sowie Gesandter Fürst Bismarck am Bahnhof eingefunden.

Seit 3 Tagen waren wir von aller Welt abge« schlossen. Die Soldaten kamen von Annens, Arras, Reims Paris, von der Somme, der Seme und der Marne: drei, vier Armeen durchemandergewur- felt. Sie hatten seit drei Tagen keine Feldküche, keinen Offizier mehr gesehen. Eine Schlacht südlich der Loire? Die Soldaten lachten mich aus. Jetzt erst begriff ich das Unermeßliche der Niederlage. Gegen Abend mischten sich die Soldaten unter uns. Radler und Fußgänger erkletterten die Geschütze und Munitionswagen. Wer fein Benzm mehr hatte, band sein Auto an eine Kanone, an einen Sani­tätswagen. Hie und da ging es um eine Wagen- (änqe vorwärts. Diese kostbaren 5 bis 6 Meter wur­den dadurch erobert, daß irgendein Autler wegen ' physischer Erschöpfung aufgab und seinen Wagen in den Straßengraben umkippte. Ununterbrochen schick­ten Militär und FlüchtlingeAufklärer" in die vor der Loire gelegenen Bauernhöfe, um Wasser und Brot zu holen. Immer wieder kamen sie mit leeren Händen zurück. Trotzdem eilten wieder hundert mit der gleichen Hoffnung voraus. Die Nacht kam. Eine schreckliche Nacht. Der gorgonische Knäuel des Flücht- lingssttomes und der aufgelösten Divisionen ballte sich immer wüster zusammen. Ein homerisches Rin­gen. Eine Hölle. Laokoons Kampf mit den Schlan­gen ist dagegen ein Kinderspiel.

*

Sonntag, den 16. Juni. Es ist vier Uhr nach­mittags. Ich erwachte vor einer halben Stunde aus einem todesähnlichen Schlaf. Der Himmel ist blau wie ein Vergißmeinnicht. Ein Sonntagshimmel! Ich liege an einem Waldrand unter einer großen Eiche, etwa 40 Kilometer südlich der Loire, einige Kilome­ter nördlich des Ortes La Motte-Beuvron.

Im Städtchen Sully, diesseits der Loirebrücke, das ich vor drei oder vier Stunden durchfahren habe, warfen uns Soldaten der plündernden Armee Scho­kolade, Sardinen und einige Paar Pantoffeln zu. Ein großes Büschel Haare meiner Frau ist über Nacht schneeweiß geworden. Sie weiß es noch nicht. Mein Puls hämmert. Mein Blut kocht wie Hoch­ofenglut. Ich will versuchen, sachlich zu notieren. Ich schätze, daß im Laufe dieser Höllennacht drei- I bis vierhunderttausend Mann der fliehenden Ar­meen an uns vorbeifluteten. Die Zahl der Flücht­linge, die sich gestern abend vor der Hängebrücke Iber Loire angeftaut hatten, betrug sicher vier- bis

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5. Bau weiterer 15 000 Flugzeuge für die Ar­mee, 4000 für die Flotte.

Gleichzeitig hat Roosevelt ein Gesetz zur Ein­führung einer beschränkten Dienst-^ pflicht eingebracht.

Washington, 11.Juli. (DNB.) Der Bundes­senat nahm die bereits vom Abgeordnetenhaus ver­abschiedete Gesetzesvorlage an, die den Bau einer ,Zwei - Ozean - Flotte" bis 1946 vorsieht und dafür vier Milliarden Dollar bereitftellt.

Italiens größte Schlachtschiffe.

wesentlichen die gleichen Agrarerzeugnisse rm Ueberfluß produzieren. Wenn die USA. Maschinen und sonstige Fertigfabrikate in Jbero-Amerika ab­sehen wollen, müßten sie eigentlich als Bezahlung südamerikanische Lebensrnittel und Rohstoffe (Baum­wolle z. B.) annehmen, die die nord amerikanischen Ueberschüsse noch stärker anschwellen lassen würden. Der nordamerikanische Warenberg würde also riesig , anwachsen, die Subsidien, die die USA. schon jetzt ihren Baumwoll- und Getreidefarmern zahlen muß, würden noch mehr als bisher die nordamerikanische Wirtschaft belasten, und schließlich würde der Waren- ; berg derartige Ausmaße angenommen haben, daß , er nicht mehr zu hatten wäre und ein gewaltiger | Preisverfall eintreten würde. Die Marktmani­pulierung für die Konsumenten, wie sie sich Wa­shington denkt, würde aber ebenfalls zusammen­brechen, denn Europa kann seine Rohstoffe in Frie­den sz eiten anderweitig genugsam decken und die Leidtragenden wären Dann die ibero-amenkanischen Staaten, schließlich Nordamerika selbst. Denn hat sich erst der Rohstoffbezug neuen Lieferanten zuge­wendet, kommen die atten sehr schwer, wenn über5 Haupt, wieder ins Geschäft. Aber in gewissen Krei­sen Amerikas scheint man im Rausch des Augen­blicks und in einem trügerischen Machtbewußtsein den Blick für die Wirklichkeit verloren zu haben. Europa kann das Schicksal dieser merkantilen Mo- polisierungsPläne Washingtons in aller Ruhe ab- warten, doch ist es immerhin bezeichnend, daß heute die südamerikanische Fachpresse genau dieselben Haare in der Washingtoner Suppe findet wie 19a» in Lima.

Nooseveltfordertweitere4,lMi11iarden Dollar für NüstungSzwecke.

Washington, 11. Juki. <DNB.) Ein« Sonder, botschaft, die Roosevelt heute in seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber der Wehrmacht an den Bun­deskongreß richtete, fordert 2,1 Milliarden Dollar in bar an und 2,6 Milliarden als Ermächtigung für später zu vergebende Rüstungsaufträge. Der unmittelbare Zweck der Anforderungen sei:

1. Die Weiterführung des Flottenrustungspro- grarnrns, das eine jeder möglichen Kombination feindlicher Flottenstreitkräfte gewachsene Marine garantieren solle.

2. Vervollständigung der Gesamtaufrustung für die Landstreitmacht in Höhe von 1,2 Millionen Mann. _ r _ e zq

3. Die Herstellung einer Reserve an Tanks, Ge­schützen, Munition usw. für weitere 800 000 Mann oder einer Gesamtzahl von 2 Millionen, falls die Mobilisation solcher Streitmacht notwendig werden ^4^Schaffung der rüstungsindustriellen Voraus- fekungen hierfür und Herstellung der Waffen für das Luftrüstungsprogramm von Armee und Ma­rine, wie Geschütze, Bomben, Panzerplatten, Born-

Budapest, 11. Juli. (DNB.) Ministerpräsident Graf T e l e k i und Außenminister Graf C s a k y sind am Donnerstagfrüh von ihrem Besuch im Reich kommend in Budapest wieder eingetroffen. Auf dem Bahnhof fand ein feierlicher Empfang statt.

Verbundenheit und enge Freundschaft."

Graf Teleki an den Führer.

Berlin, 11. Juli. (DNB.) Der Königlich Un­garische Ministerpräsident Graf Teleki hat aus He- gyeshalom nachstehendes Telegramm an den Führer gerichtet:

Beim Ueberschreiten der Reichsgrenze mochte ich Eurer Exzellenz unseren innigst empfundenen Dank für die so warme und freundliche Aufnahme aus­sprechen. Die Besprechungen, die mir mit Eurer Exzellenz zu führen die Ehre hatten, haben wie­derum bewiesen, wie tief in unseren Nationen die Gefühle der Verbundenheit und der engen Freund­schaft wurzeln. Teleki."

Dierzon, Montagabend, den 17. Juni. Wir sitzen am Eingang der Stadt Dierzon. Etwa 100 Kilometer südlich der Loire. Dierzon liegt in einem Talkessel am Ufer des Cher.

Heute morgen, gleich nachdem wir uns durch das Städtchen La Motte-Beuvron durchgearbeitet hatten, stießen wir auf eine endlose Flüchtlingskarawane. Eine gleicht der. andern. Hier war das Bild nur insofern etwas neu, als auf Schritt und Tritt ein verunglücktes Auto, hilflos wie eine Schildkröte, auf dem Rücken im Straßengraben lag. Diele Wagen waren ausgebrannt. Ringsherum in Fel­bern, Wäldern und auf den Wiesen kampieren aber Tausende von Menschen und warteten ... auf den Frieden. Mit stoischer Ruhe führten die Bauern ihren Pferdewagen durch das Chaos. Links und rechts der Straße ein einziger Schrei: Brot, Wasser, Benzin! Niemand gab. Niemand hatte zu geben. Wir verteilten unsere Schokolade und Sardinen. Jetzt ging es verhältnismäßig schnell vorwärts. Rund 200 Meter die Viertelstunde. Dann wieder eine halbe Stunde halt. Auch die Militärtransporte kamen nicht rascher von der Stelle. Es herrschte ein total verrücktes Durcheinander.

(Schluß folgt)

schreiende Frau in einen Sanitätswagen tragen. Dann kam die Nacht. Eine traurige, schwarze, un­heimliche Juninacht. *

Beim Morgengrauen riß mich der Donner der Abwehrgeschütze aus dem Schlaf. Seher rettete sich, wohin er konnte. Die Tatsache, daß die Bomben mit großer Präzision stets einige hundert Meter vor uns in der Nähe der Loirebrücke niedergingen mid mir nie Maschinengewehrfeuer erhielten, brachte einige Beruhigung unter die Flüchtlinge und nicht zuletzt auch unter die Soldaten.

Nach einem neuen heftigen Fliegerangriff auf Truppenansammlungen außerhalb des Städtchens Sully, südlich der Loire, verbreitete sich die Nach­richt, daß drei Fallschirmjäger abgesprungen seien. Im Nu hatte die Panikstimmung wieder den pathe­tischen Höhepunkt des Vorabends erreicht.

Um 8 Uhr hatte ich, wie viele andere, keinen Tropfen Benzin mehr. In diesem Augenblick war ich zwischen einigen Bauerngespannen eingekerkert, die ruhig und unbekümmert um Kanonen, Drohun­gen der Offiziere und Fliegerbomben der Brücke zusteuerten. Ich wurde, an einen Pferdewagen ge­preßt, mitgezogen. Aber 300 Meter vor der Brücke war Schluß. , . _

Auf der verzweifelten Suche nach Benzm kam ich etwa 300 Schritte rückwärts in dem Augenblick vor ein Haus, in dem ein erschossener Fallschirm­jäger bineingefragen wurde. Ich sah mir das Opfer an. Es war ein junger, schöner Mensch. Kohl- schfvarzes Haar, hohe Stirn, dunkle Hautfarbe, scharfgeschnittene Nase. Er hatte einen Kopfschuß in die linke Stirnseite erhalten. Als ich zu unserem Wagen zurück kam, goß mein Kumpan zwei Kan­nen Benzin in meinen Wagep. Ich war starr. Er hatte sie in einem abseits stehenden Munitionsauto gestohlen und sagte:Es ist nicht deinetwegen und meinetwegen, aber der Frauen und des Kindes wegen." . .

Gegen zehn Uhr waren wir einige Kilometer rückwärts gekommen. Um diese Stunde ging die Wut mit Antoine so hieß der Herr aus Or­leans durch. Er eilte von Gruppe zu Gruppe und stiftete Aufruhr. Mir blinzelte er mit den Augen

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