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iÄin etwa zehn Deutiche standrechllich erjchossen worden. Das ist ein dreister Schwindel. Die Deutschen in Dromberg hatten keine Was- I e n, sie sind auch nicht standrechtlich erschossen worden. Zumeist waren sie totgeschlagen oder erstochen worden, dann mit den Füßen zusammengebunden in rasch aufgeworfenen Grab­löchern beerdigt. Daß es sich in Bromberg nicht um nur 10" deutsche Blutopfer handelt, das beweisen die deutschen Friedhöfe, davon zeugen die seiten­langen Todesanzeigen deutscher Familien. Der Ver­such der englischen Presse, die polnischen Brüder rein zu waschen, ist von vornherein jämmerlich miß- lunaen. Dafür aber möchte man jetzt den Spieß umrehren und den Deutschen Greuel m Polen zum Vorwurf machen. Der Londoner Rundfunk beklagt sich darüber, daß das polnische Mordgesindel jetzt vor die Sondergerichte gestellt wird, was in Wirk­lichkeit ein Zeichen dafür ist, daß die Deutschen trotz aller berechtigten Erbitterung streng nach Gesetz und Recht verfahren. In Indien, in Palästina oder im Burenkriege haben es die Eng­länder allerdings anders gemacht ...

Was ist ein navycert?

In den Drahtungen aus dem Auslande findet sich häufig der Ausdrucknavycert",besonders wenn es sich um Wirtschaftsnachrichten handelt. Was versteht man darunter? Rach der Blockadeerklärung gegen Deutschland versicherten die englischen Behörden den neutralen Kaufleuten, daß ihr Handel nicht gestört werden soll, wenn die Schiffsladungen gedeckt seien durch ein navycert.Navy heißt Flotte, wozu noch der englische Ausdruck für Zertifikat kommt. Beide Ausdrücke zusammengezogen und zugleich abgekürzt lauten nun:navycert. In den neutralen Landern hat man sich mit dieser Methode leider abgefunden. Dieses nicht besonders mutige Verhalten wurde von England damit gedankt, daß die Schikanen um die Ausstellung eines solchen navycerts ständig zuneh­men. Wenn ein Kaufmann in Brasilien Kaffee nach Holland verschicken will, so muß er erst seinem hol- lärckischen Geschäftsfreund kabeln, er möge den eng­lischen Konsul in Amsterdam oder Rotterdam um eine wiederum durch Kabeldepesche zu übemtittelnde Unbedenklichkeits-Bescheinigung er. suchen.

Run beginnt erst der eigentliche Trick. Der bri­tische Konsul in Holland verlangt Unterla­gen dafür, daß die Ware nur in Holland verkauft und keinesfalls nach Deutschland wei­te r g e l e i t e t werde. Das bietet eine vortreffliche Gelegenheit zur Durchsicht der Bücher und damit zu einer ausgewachsenen Witrschaftsspio- nage. Der brasilianische Geschäftsmann erhält das navycert erst bann, wenn der englische Konsul in Holland seinem Kollegen in Brasilien kabelt, daß alles nach Englands Wünschen geht.

Aber das navycert ist keine absolute Sicherung gegen Beschlagnahme ober zusätzliche Kontrollen, bie erhebliche Zeitverluste bringen. So durfte von einem dänischen Dampfer im Hafen von Kopenhagens!) eine Ladung getrockneter Fruchte nicht gelöscht wer­den, weil die Engländer inzwischen den Einwand erhoben, daß Dänemark 1939 mehr getrocknete Früchte bezogen habe als 1938. Und die dänischen Kaufleute haben sich das ebenso gefallen lassen, wie das Festhalten einer Schiffsfracht mit ostasiatischen Lebensmitteln unter Lagerhausverschluß durch zehn Wochen. Ja, es ist sogar eine Fracht von 2000 Kisten türkischer Rosinen in Malta von einem neu­tralen Schiffe heruntergeholt und beschlagnahmt worden, obwohl ein navycert vorlag und die Türkei lieb Kind in London ist. Die kribbelnde Angst vor England ist so groß, daß die neutrale Presie gegen diese offenkundigen Gewalttaten nicht protestiert, sondern höchstens einmal eine sentimentale Augen­verdrehung riskiert.

3n der britischen Todeszone.

Amsterdam, 11. Febr. (DNB.) WieScheeo- pari* aus London meldet, ist das griechische Schiff K e r a m i a i" (5085 Brt.) in der ersten Hälfte der vorigen Woche gesunken. Das Blatt nimmt an, daß die 28 Mann starke Besatzung von einem anderen Schiff gerettet worden ist. Der norwe­gische TankerGalli a" (9968 Brt.) ist in der Rocht zum Sonntag in der Rühe der Downs den englischen Kontrollhäfen auf eine Mine g e l a u f en. Das Schiff ist am Bug beschädigt. Die

wegs.

~ -laufen sein. Don dem holländischen yuuwwtBurgerbier (6833 Brt.) finb Rot- finnale aufgefangen worden mit der Mitteilung, er drohe infolge eines Zusammenstoßes sechzig Merlen

<?chiffswand weist ein Loch von 3 Meter Durch- öpit gel mef er auf, wodurch einer der Schiffsräume voll Dampfer Wa fer gelaufen ist. Das Schiff treibt noch auf der f;" Wa seroberfläche. Von der Besatzung derGallia", L«.vV<.

bie der Texas Company in Norwegen gehört, soll fübluh ber Westküste von Cornwall zu sinkern Da niemand verletzt worden sein. Der britische schiff war von Neuyork nach Rotterdam unter DampferConsuelo" (4847 Brt.) soll in ber Nähe des Humber auf die Sandbank von Haila

Siegreiches il-Bool kehrt heim

DNB. In einem deutschen Kriegshafen, 10. 2. (PK.) Wieder einmal stehen rdir an einem frost­klaren Wintertag an der Hafenmole und erwarten ein heimkehrendes U-Boot. Acht weiße Wimpel künden von acht vernichteten Gegnern! Daneben wehen noch bunte Signalflaggen, jede von ihnen bedeutet eine Zahl. Und wer bie Zeichen richtig zu lesen versteht, ber weiß, daß es 38 000 heißt. 38 000 Tonnen feindlichen Schiffsraumes hat dieses U-Boot auf feiner Fahrt erledigt und in den Grund geschossen. Durch einen Großlautsprecher wird bas einlaufende Boot mit den Klängen des Engellandliebes begrüßt, unb aus Hunderten von Kehlen schallt der tapferen Besatzung ein donnern­des Hurra entgegen. In ihren grauen Lederpäck- chen, den Schal um den Hals, unrasiert, wie sie feit Wochen find, stehen Offiziere unb Mannschaften am Pier vor ihren Booten angetreten, bann wer­den die Besatzungsmitglieder aufgerufen, die für besondere Tapferkeit vor dem Feind im Namen des Führers bas Eiserne Kreuz verliehen be­kommen Konterabmiral D ö n i tz, ber Befehlshaber der U-Boote, heftet persönlich seinen Männern bie Auszeichnung an die Brust. Er und der Fflotten- ches, Admiral Marschall, beglückwünschen jeden von ihnen durch Handschlag:Einen prima Bart habt Ihr schon, trotz Eurer Jugend!", stellt ber Admiral lachend fest. Mit jedem von ihnen spricht derDdU".Na, rbie waren die Torpedos?"Sind

gut gelaufen, Herr Admiral!" ,Za, pflegt sie nur wie die liebsten Kinder!"

Konteradmiral Dönitz betont, daß die erste Un­ternehmung eines Bootes den Zweck habe, die Be­satzung zum ersten Male in das Kriegs gebiet zu führen, sie zusammenzuschweißen, daß jeder sich zum anderen findet, und daß sich der gesamte Bootsbe­trieb einspielt. Sie soll sich an die See, bas Wetter und den weiten Raum gewöhnen. Der Komman­dant habe bas Richtige getan, indem er sein Boot an den Gegner und in bie Feindwirkung ge­führt habe. So sei auch dieser große Erfolg von 38 000 vernichteten Tonnen erzielt ^worden, zu dem ber BdU. dem Kommandanten und seiner Besatzung Lob unb Anerkennung aussprach.Nicht locker lassen und immer ran an den Feind!"

Flottenchef Admiral Marschall sagte, daß es für ihn als altenU-Boots-Hecht" des Weltkrie­ges eine besondere Freude sei, die Besatzung zu ihrer erfolgreichen Heimkehr 3U beglückwünschen. ,Zch selbst weiß, was es heißt, so schloß der Ad- miral,jetzt, in dieser.Iahreszeit, Torpe­dos an den Feind zu bringen und auf einem klei­nen Boot in diesen Sturmgewalten überhaupt zu leben. Ihr habt Euere Sache brav gemacht unb dem Engländer wieder einige Steine aus feinem Dau herausgebrochen. Das wird solange geschehen, bis bas Loch so groß ist, daß dieses Gebäude bricht."

Fritz Brunner.

Gtraßenkampf in Korbach.

Oer deutsche Infanterist

PK. . ..,11. Febr. (DNB.) Aus einer beherrschen­den Höhe von Forbach stehen die deutschen Beobachter, die hier eine gute Möglichkeit haben, bas Niemands­land und die feindliche Stellung im Auge zu behal­ten.Die Aufgabe des Vorfeld-Bataillons ist es auch, sie durch stehende Spähtrupps und Posten zu sichern.

Gleich nach Beendigung des Polenfeldzuges wurde dieses Bataillon auf diesem Abschnitt eingesetzt. Es hielt chn mit Unterbrechungen, bie es in Ruhe­stellung führten, besetzt. Es stellte den ersten beut= schen Spähtrupp, der nach Forbach einbrang und den Schloßbergturm bestieg. Der Kommandeur selbst kennt den Abschnitt schon aus feiner Jagend er ging in Forbach zur Schule. Es war ein eigenes Gefühl für chn, täglich feine alte Heimat vor sich liegen zu sehen, und von Tag zu Tag hoffte er, wieder einmal durch die vertrauten Sttaßen gehen zu können. Bald mußte der Franzmann Forbach räumen, und die Hoffnung wurde Wirklichkeit. Oft kommt er nun in das Städtchen hinein. Seine Ge­ländekenntnis unb die feiner Offiziere und Männer, die durch häufige Spähtrupptätigkeit bald jedes Haus genau kennen, sichern ihnen die Derherrschung des Niemandslandes.

Gerade ist ber Kommandeur auf einem Kontroll­gang begriffen, um die einzelnen Posten unb Siche­rungen zu revidieren, um feftzustellen, ob bie Ver­bindung nach rückwärts klappt da kracht es in Forbach. Schmetternd bersten Handgranaten, kurz« Feuerstöße der MG.s, Gewehrschüsse pfeifend und surrend spritzen Geschosse und Splitter an bie Haus­mauer. Er greift sich alle in ber Nähe erreichbaren Männer und eilt vorwärts an die Sttaßengabelung, wo kurz vor der großen Sttaße nach Metz eine MG.-Sicherung anscheinend ins Gefecht gekommen ist. Da liegt schon der Gefreite neben seinem MG., hält ständig die Hauptsttaße unter Feuer, damit ber Feind nicht vorwärts kommt. Ruhig wie beim Ge­fechtsschießen, nur Feuer gebend, wenn sich etwas zeigt, dabei aber schon verwundet, gibt er Auskunft. Er hatte in der Hauptstraße, berRue Nationale", einen Schützen als Sicherer noch 100 Meter vor­geschoben, bem plötzlich aus einem Haus etwa sechs

beherrscht das Vorfeld.

bis acht Handgranaten fast vor die Füße flogen, ihm Ober glücklicherweise keinen Schaden zufügten. Irn gleichen Augenblick sprangen sechs Franzosen aus bem Haus heraus, brachten ein MG. in der Hauptsttaße in Stellung unb nahmen bie beutsche MG.-Sicherung unter Feuer. Der vorne liegende Schütze hatte sich durch einen kurzen Sprung mitten durch den Feuerbereich der Maschinengewehre in ein Haus in Deckung begeben. Ein Feldwebel war fchon kurz vor dem Kommandeur eingetroffen und sofort links ausbiegend vorgegangen, in ein Haus einge» drungen und hatte von dort aus die Franzosen aus guter Deckung unter Gewehrfeuer genommen.

Blitzschnell hat nun der Bataillonskommandeur bie Lage erfaßt. Im gleichen Augenblick schon gibt er feine Befehle. Offenbar hatten sich bie Franzosen schon vor einigen Stunden in der Hauptstraße ein- genistet. Jetzt sollen sie aber selbst in eine Zange genommen werden Ein Feldwebel mit einigen Männern und einem weiteren MG. gehen an der Bahnlinie nach Metz vor, die rechts der Straße verläuft, unb nimmt von ber rechten Flanke her bie Häuser ber Hauptsttaße unter Feuer. Da schießen die Franzosen Leuchtkugeln ab, sie fordern Verstär­kung an. Der Feldwebel erkennt sofort bie Lage, stößt noch etwas weiter vor, so daß er bie aus For­bach herausführende Straße selbst unter Feuer nehmen und bas Herankommen von Verstärkung verhüten kann.

Inzwischen hat ber zuerst gekommene Feldwebel und bas in der Hauptstraße stehende MG. bei der ersten Gruppe bes Feindes erhebliche Wirkung ge­zeigt. Zwei Leutnants sind nun auch herangekom- men und arbeiten sich von links herum in den Rücken des Feindes. In einer Seitenstraße, an einem Siedlungsblock vorbei, stoßen sie, ständig bie Fenster unb Häuser beobachtend, parallel zur Hauptstraße vor bis an die große Kaserne, bie am Ortseingang steht. Da geht's hinein und wieder nach rechts herüber auf die Hauptstraße.

Sie haben richtig gerechnet. Hier treffen sie auf die Franzmänner. Gerade kommen drei über die Mauer geklettert:A bas les armes!" und das

Wo die Väter kämpften -

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Auf bem »oben bes Schlachtfelbes von Spichern aus bem Kriege 1870/71, bas auch jetzt in ber Zone zwi- schen ben Fronten liegt, erfüllen heute wieder deutsche Soldaten ihre Mannespflicht.

(PK.-Bauer-Preffe-Bild-Zentrale-M.)

Gewehr liegt im Anschlag. Ein lautesNon" klingt herüber unb zwischen dem Leutnant unb seinem Unteroffizier geht der Schuß des Franzosen durch. Fast gleichzeitig krachen die Schüsse der beiden deut­schen Gewehre. Der Franzose fällt aufs Gesicht. Tapferer Feind. Ader die beiden anderen ergeben sich noch immer nicht. Wieder die Gewehre hoch. Ein zweiter bricht verwundet zusammen, der dritte versucht Deckung zu nehmen. Der Unteroffizier flitzt um das Gebäude herum und findet ihn vollkommen erschöpft an ber Hauswand lehnend. Er kann nicht mehr, er gibt es auf. Der Unteroffizier nimmt ihm das Gewehr ab. Dann faßt der Unteroffizier feinen Prisonnier de guerre am Wickel und bringt chn zurück zu feinem Leutnant, ber inzwischen gesichert hat.

Auch ber anbere Leutnant hat unterdesien mit bem Rest ber Franzmänner, bie sich in der Haupt­straße festgesetzt hatten, einen tüchtigen Strauß ge­habt. Don einem Dachgarten aus hat er ein paar erwischt, bie an einer Mauer in Deckung standen. Dann hat er sich weiter vor bis an die Kaserne berangearbeitet Dann heißt es aber abhauen. Die französische Abteilung ist aufgerieben und einige Ge­fangene sind gemacht ohne eigene Verluste. Jetzt ist bald mit dem Eintreffen erheblicher französischer Verstärkungen zu rechnen. Schnell geht's mm hin­aus auf bte Hauptstraße. Ein dort tiegenber ver­wundeter Franzose soll noch mitgenommen werden. Im Augenblick, wo sie ihn verbinden wollen, bekom­men sie wieder Feuer. Da hilft nun nichts. Wieder gehen sie in Deckung, ziehen ben verwundeten Feind noch nach, damit er nicht hilflos dem eigenen Feuer ausgesetzt ist, und bringen den Gegner zum Schweigen.

Wieder geht's auf. Dem Unteroffizier fällt auf, daß bei einem der drei gefallenen Franzosen, bie etwas weiter zurückliegen, ein^r keine Schußver­letzung zeigt. Er faßt ihn an, dreht ihn herum und merkt sofort, berspielt nur tot". Ein sanfter Rip­penstoß und ein paar kräftige Worte veranlassen ihn zum Augenblinzeln, unb nun dauert's nur eine Sekunde, bann marschiert er mit zurück.

So war bas nun. Schwerer Verlust bes Feindes, ber sich zäh unb tapfer wehrte der Straßenkampf bauerte fast zwei Stunben mehrere unverwunbete unb ein verwunbeter Gefangener, auf unserer Seite aber nur ein Leichtverwunbeter. So beherrscht ber deutsche Infanterist bank seiner hervorragenben Aus- bilbung, Bewaffnung unb durch seine Tapferkeit unb Ruhe bas Vorselb unb bas Niemanbslanb. Die Spange zum Eisernen Kreuz würbe bem Bataillons-

Barbara.

Aon Karl Heinrich Waggerl.

Ja, Schickungen, bie bleiben auch ber kleinen Bar­bara nicht erspart. Vom Zahnweh ganz abgesehen, obwohl bas gewiß eine arge Plage ist, gibt es schlimmere Nöte, bte mehr bas Herz angehen.

Barbara hat nämlich einen Feinb. Dieser Feinb ist stark unb sehr mächtig unb obendrein ein Aus­bund von Widerwärtigkeit unb Hinterlist, auf Schritt unb Tritt verfolgt er sie mit feinen An­schlägen. Geht sie morgens auf bem Wege zur Schule an ber Pfarrscheune vorbei, bann finbet sie sich bort mit Kreibe aufgemalt, bis ins kleinste ge­treu, mit ihrem Nagelzipf unb bem Tropfen unter der Nase. Greift sie später in ihren Schulsack, um die Jause hervorzuholen, so trifft ihre Hanb nicht auf ein Butterbrot, fonbem auf einen eiskalten Frosch ober sonst eine Abscheulichkeit, unb bas hat ihr wieber ber Tobfeinb angetan. Sogar einen Vers hat er gebichtet, ben jetzt bas ganze Bubengezücht hinter ihr herschreit, unb in bem sich ihr angewachse­ner Speck auf etwas Nieberträchtiges reimt, als ob sie sich nicht wasche, so oft es nötig ist!

Nein, Barbara hat keine Ruhe mehr. Aber eines Tages wirb sie Rache nehmen. Sie wirb alles auf ein Blatt Papier schreiben unb am Sonntag auf die Amtstafel nageln, damit jeder lesen kann, wie es zuging, als sie ihren Feind besiegte. So ging es zu:

An schönen Nachmittagen pflegt Barbara mit bem Handwagen auszufahren. Zu biefem Zweck wirb bas Gefährt sichtlich herausgeputzt unb mit Decken unb geblümten Kissen vollgestopft, unb ba hinein pflanzt Barbara auf Biegen unb Brechen bie beiben Schwe­stern. Sie können zwar selbst laufen, aber jemand muß ja im Wagen sitzen, sonst verlöre der ganze Aufzug seinen Glanz.

Was den Wagen vor allem schmückt, das ist der große rote Regenschirm, der zur Zier und zum Schutz geaen alles Ungemach aus Himmelshöhen hinten fest- geounben wirb. Unb jedes von ben Kindern bekommt sein Amt zugewiesen. Therese muß bie Blumen halten unb alles in ihrem Schoße sammeln, was sich unterwegs Bemerkenswertes finbet, währenb bie stimmgewaltige Antonia, unter bem Balbachin sitzenb, bie Aufgabe hat, von Zeit zu Zeit einen paffenben Gesang anzustimmen.

Die Deichsel führt Barbara selbst. Oft hat sie ver­sucht, den Hunb bes Nachbarn für diesen Zweck abzu- richten. Er läßt sich auch geduldig mit Stticken um­

schnüren und eine Blume an den Schweif binden, aber bann setzt er sich einfach barauf unb blinzelt unb meint, bas fei nun alles, was man von seines­gleichen verlangen könne. Nero ist über die Maßen bumm, er kann sich burchaus nicht benfen, wie sich ein Kutschenpserb zu benehmen hat, wenn es ihm Barbara bis ins einzelne Vormacht.

Den Wagen muß Barbara also selber ziehen. Ihr zu Rechten schreitet Paul, zur Linken Peter, so ge­trennt, baß wenigstens fürs erste ber Friede gewahrt bleibt.

Ja, nicht anders geschah das alles an jenem Tage. Barbara zog über den Platz unb bie Gasse hinunter, bann am Teich entlang zum Mühlenbamm, jenseits dachte sie auf ber schattigen Wiese zu rasten. Es war weit unb breit nichts Bedrohliches zu sehen, Peter trug friedlich sein Schwert an der Seite, bie Kinder fangen aus vollem Halse.

Plötzlich verstummte Paul. Er starrte förmlich auf ben Fleck unb bas mit Grunb, benn an Stelle ber Nase hatte er auf einmal einen blauschwarzen Klecks im Gesicht.

Um Gotteswillen, bachte Barbara unb sah zum Himmel, was für ein Vogel läßt solche Geschosie fallen?

Aber es kam gar nicht von einem Vogel, fonbem von einem gewissen Kaspar, Sohn bes Müllers. Der saß mit seiner Schleuber hinter ben Stauben auf bem Damm. Hockte bort ohne Arg unb suchte nach Zielen für bie Dorrkirschen, bie er im Munb hatte, schoß ins Ungefähre unb traf, sich selber zum Er­staunen. Barbara hingegen hielt es für eine vor­sätzliche Büberei. Nie zuvor hatte jemanb gewagt, ihren Wagen anzugreifen. Unb nun sah sie ben Bruder heulend im Staube sitzen, mit plattgequetsch­ter Nase unb vielleicht für sein Leben entstellt. Bar­bara sammelte bie Ihren rings um den Wagen wie um eine feste Burg, auch Nero wurde mit bem Be­fehl auf bem »oben festgenagelt, im Notfall eher feine Hundeseele auszuhauchen als die Festung preis» zugeben. Und bann schritt sie ans Rachewert.

Es war ein unvergleichlicher Kampf. Wäre er von einem Sänger besungen worben, so hätte ber sagen können, baß bie Vögel verstummten, baß bie Kühe in ber Nachbarschaft zu fressen aufhorten unb an ben Zaun kamen, um zuzuschauen. Als Kaspar bie streitige Jungfrau anrücken sah, buchte er, sie mürbe sich Luft machen wie alle Mäbchen, mit Schimpfen unb Spucken. Unb barum, weil er sitzen blieb, traf ihn gleich die erste Maulschelle ins volle. Ehe er sich aber besann, nahm Barbara wieder ihren Borteil

wahr, sie fing seinen Hals unter ber Achsel ein unb klemmte ihn aus Leibeskräften fest.

Nun, so viel weiß feber, baß einem in biefer Lage kaum noch Luft zum Fluchen bleibt. Kaspar schnob unb stöhnte unb arbeitete sich vergeblich in Schweiß. Bittest bu ab? fragte Barbara. Willst bu abbitten?

Kaspar konnte überhaupt nur bumpf gurgeln, bei­nahe wäre ber Kampf im ersten Ansturm entschieben worben.

Allein, wie es benn zuweilen geschieht, daß der Mensch gerade durch sein besseres Teil zuschanden wttb, so kam auch Barbara plötzlich in Bedrängnis, aus Gründen der Ehrbarkeit. Es ist nämlich die Regel, daß ein wie Kaspar Gefolterter in der letzten Not nach den Beinen des Gegners greift, um ihn auszuheben. Und das tat denn Kaspar auch, aber was er hob, waren nur Barbaras Röcke. Plötzlich fühlte sie eine bedenkliche Kühle unten herum, mit andern Worten, sie ward inne, daß ihr zum Fechten zwar nicht das Herz, aber die Hose fehlte.

Um ihre Blöße zu schützen, mußte sie den Kragen des Gegners preisgeben, und alles wäre verloren gewesen, hätte nicht Peter in diesem Augenblick ein­gegriffen. Was es der Schwester ausmachte, nackt oder bekleidet zu raufen, verstand Peter nicht, aber er sah, daß sie unten lag und fürchterliche Prügel bekam. Kunstlos im Handeln, wie alle Helden, tat er, was auch fein Namenspatton im Delgarten getan hatte, er zog das Schwert und schlug bem Gegner hinters Ohr.

Zum Glück für Kaspar war bas Schwert aus Holz unb nur für Distelköpfe scharf genug, aber soviel war boch bamit auszurichten, daß Kaspar laut aufschrie und entsetzt feinen Schädel befühlte. Vorhanden war er noch, sogar erheblich vergrößert, aber nun wollte sich Kaspar auf gar nichts mehr eintaffen, er räumte bas Felb unb wankte wehklggenb bavon.

Ja, so enbete bie Schlacht auf bem Mühlenbamm mit einem glorreichen Sieg. Barbara freilich hatte allerlei an Wunben unb Beulen zu verbeißen, aber sie klagte nicht. Nein, wortlos schüttelte sie bas Moos aus ben Röcken, flocht ihre Zopfe neu ein und ging dann zum Wagen zurjick, um bas Jausenbrot auszu- teilen. S.ie war ben Öfjren roiebergegeben.

Unb feit biefem Tage lebt Barbara also in Feinb- fchaft mit Kaspar.Alles könnte sie ihm verzeihen, ben Schuß aus dem Hinterhalt, und daß er sie am Zopf gerissen hat unb sogar den lockeren Eckzahn, nur eins nicht o sie wird schamrot, so oft fie an dieses eine denkt! Was gäbe Barbara barum, wenn sie wüßte, ob Kaspar wenigstens soviel Ehrgefühl hatte, 1 bU Augen zuzumachen. Sie kann ihn doch nicht

fragen. Den kleinen Peter hat sie schon ausgeforscht, aber ber versteht sie gar nicht. Das sei doch gerade gut, meint er, daß Kaspar nur die Röcke statt der Beine gelüftet habe! Nirgends findet Barbara Ver­ständnis für ihre Seelennot, auch die Mutter schüttelt nur den Kopf unb meinte, eine Sünbe fei es viel­leicht nicht, aber wohl auch kein Verbienst, sich dem Himmel von der gewissen Seite zu zeigen.

Unbesiegbar.

Von Walter v. Molo.

Nacht. Allein sitzt ein Mann in einem Abteil der Zuges, der durchs Land rollt Er liest in einem Buch. Als der Zug wieder an einer Station hält, sieht der Mann auf und zieht hastig sein steifes Bein an sich; hart klappte der Türriegel.

Ein junger Soldat, abmarschbereit, öffnet. Er läßt ein Mädchen einsteigen, es setzt sich entfernt vom Fremden nieder, nachdem es ihn scheu musterte. Der hochgewachsene Soldat setzt sich neben bas Mäbchen, ber Zug zieht an, rollt.

Der Steifbeinige mit bem Buch in ber Hanb denkt: Schöne Menschen! Er ist kraftvoll, schlank, aufrecht, geradeaus, energisch. Sie ist lebenheischenb, hat miloe Linien unb große, glängenbe Augen voll bereiter Mütterlichkeit. Der Solbat nimmt bie Hanb bes Mäb» chens fest in bie seine, umschließt sie liebkosenb. Der Jnvalibe starrt burchs Fenster in bie Nacht. In ber Glasscheibe, bie bie Finsternis von draußen zum Spieael schafft, sieht er das Paar Mund auf Mund, bas Mäbchen hat bie Augen geschlossen.

Rein hingegeben liegt sein Kopf auf der Rücken­polsterung, an ber Schuller bes Mannes, ber ihn zart, liebenb stützt.

Der Zivilist zwingt seinen Blick vom Spiegelbild ab in bie vorübergleitende Finsternis. Schwarz ist ber Wald. Im Nachthimmel funkeln die Sterne.

Wieder hält der Zug. Hastig zieht der Mann sein steifes Bein zurück, ber Türriegel klappt; ber Solbat hat ihn geöffnet. Die Mäbchen streicht sich die Haare glatt, senkt ben Kopf, geht verlegen unb schnell zum Ausgang unb steigt ab. Die Augen ber Männer treffen sich.Danke", sagt ber Solbat mit ruhiger, sicherer Stimme, sie grüßen sich kamerabschaftlich. Iugenbfrifch springt ber Solbat ab, er schlägt bie Tür zu, der Zug zieht wieder an.

Die beiden gehen auf bem zurückbleibenben Bahn­steig Arm in Arm. Der Mann im Wagen starrt ins finstere, unbesiegbare Land,