schutzraum zu belassen. Doch darf dadurch die eigentliche Verwendung als Luftschutzraum nicht beeinträchtigt werden.
Volle Anschrift
auf Eisenbahnstückgütern.
Um die Bewältigung des Eisenbahnstückgutver- kehrs zu erleichtern und zu beschleunigen, hat der Neichsoerkehrsminister angeordnet, daß oom 20. Januar 1940 an der Absender die Stückgüter mit seiner Anschrift und mit der Anschrift des Empfängers zu versehen hat. Die bisher fast ausschließlich übliche Bezeichnung der Dersandstücke mit Zeichen und Nummern kann außerdem beibehalten werden. Ist die Sendung mit Nachnahme belastet, so ist über der Anschrift des Empfängers der Nachnahmebetrag (volle Reichsmark in Bucbstaben) zu vermerken und daneben in rot ein gleichschenkliges Dreieck mit der Spitze nach oben anzubrinaen. Alle Bezeichnungen müssen deutlich und haltbar sein und mit den Angaben im Frachtbrief Überernstimmen.
Keine weiteren Löschungen in der Handelsrolle.
Der Verordnung über die Durchführung des Vier- jahresplanes auf dem Gebiet der Handwerkswirtschaft zufolge war in bestimmten Fällen die Löschung von Betrieben in der Handwerksrolle vorgesehen. Im Verlauf des vergangenen Sommers ist auf Grund der Einsatzverordnung eine größere Zahl von Handwerksbetrieben gelöscht worden. Ein neuer Runderlaß des Reichswirtschaftsministers weist nunmehr darauf hin, daß die Zahl der selbständigen Handwerker auch durch die Einberufungen zum Heeresdienst und durch Dienstverpflichtungen weiterhin stark zurückgegangen ist. Während der Kriegszeit müsse eine weitere Verminderung der Handwerksbetriebe unterbleiben, da sonst die anfallenden Handwerksarbeiten nicht termingemäß erledigt werden könnten und anderseits vermieden werden muß, daß Volksgenossen jetzt die wirtschaftliche Grundlage entzogen wird. Weitere Löschungsverfahren werden also nicht mehr eingeleitet.
Sammelt Schweinshaare!
Die Kriegszeit macht es erforderlich, diesen wichtigen Rohstoff, der für verschiedene Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens, vor allem für Borsten und Pinsel, nötia ist, zu erfassen. Kein Gramm darf verloren gehen. Auch minderwertiges Haar, das zur Zurichtung nicht geeignet ist, kann für Polsterzwecke, z. B. von den Roßhaarspinnereien, verwandt werden.
Jeder kann mit Leichtigkeit einen Abnehmer für das gesammelte Schweinehaar finden. Bei gewerblichen Schlachtungen kann die Sammlung schon wegen der häufigen Wiederkehr und der Menge des Abfalls nicht in Vergessenheit geraten, bei Hausschlachtungen wird der Hausschlächter gern die Sammlung gewohnheitsmäßig vornehmen. Sonst gibt auch der Ortsbauernführer Auskunft.
So wichtig wie das Sammeln ist die richtige Behandlung des gesammelten Haares, sonst verdirbt das Haar und wird wertlos. Es muß folgendes beachtet werden: 1. Pechen beim Brühen des Schweines unterlassen. 2. Nach der Schlachtung das Haar im Trog durch Ausschweifen im Wasser von dem gröbsten Schmutz befreien. Schweineklauen gehören zur Knochensammlung, also nicht in das Schweinehaar. 3. Das Haar in einen luftigen Raum (Boden oder Schuppen) bringen, es vor Verunreinigung schützen, vor allen Dingen von Heu und Stroh freihalten. 4. Helles Haar niemals mit solchem von gescheckten Schweinen vermischen, sondern beide Arten getrennt halten. 5. Das gesammelte Haar in feuchtem Zustande niemals auf einen Haufen werfen oder in einen Sack stecken, sondern sofort zum Trocknen ausbreiten, dabei nicht höher als etwa 10 cm schichten und mehrfach mit einer Gabel (nicht rechen) umwenden. 6. Auch nach Trocknung des Haares zunächst nur lose sacken oder in einem größeren Haufen auf- bewahren.
Diese Behandlung macht keine Mühe und fordert kleine Kosten, darum darf das Sammeln von Schweinehaaren heute nirgends mehr unterbleiben oder vernachlässigt werden.
DerraMann fürBtobof
Roman Don$maIkfW
CARL DUNCKER VERLAG • BERLIN W 35
20 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Sie steht vor ihm, sie hält ihm die rote Frucht hin, er aber sieht nur Anne. Wie sich das gelbe Haar unter der Feuchtigkeit in kleinen Löckchen um die Mütze kräuselt! Er zieht sie an sich, küßt Regentropfen von ihren Lippen und sie sagt: „Jetzt bin ich wie die dreigeteilten Blätter des roten Klees, feucht vom Tau. Nur die Sonne müßte scheinen, dann würde ich leuchten wie sie."
„Geliebtes Kind, du geliebtes Kind, Anne." Der Regen rieselt fein und stetig auf ihre geschlossenen Lider.
Das Wetter wird schlimmer, als sie gedacht Haden, ein tolles Wetter. Es regnet in Strömen, sie müssen eine Unterkunft suchen. Eine Weile stehen sie unter dem Steinbogen eines Hauses. Es sind Mit- reisende da, die ihnen sagen, daß nicht weit von hier eine kleine Wirtschaft ist, eine Teestube oder dergleichen. Da strolchen sie weiter. Hand in Hand laufen sie und lachen sich an. In Annes langen Wimpern hängen silbergraue Tropfen. Das ist ein neues Wunder. Was ist die ganze Welt, gemessen an dieser Entdeckung. Bleib stehen, Anne, warte und lauf nicht davon. Der Mann Christian kann zwar kein Hufeisen mit zwei Händen verbiegen, aber er kann die zarten Wunder sehen und nichts entgeht ihm.
Es dauert eine Weile, eine ganze Weile dauert es, bis sie die Teestube erreichen. Ihre Mäntel sind klatschnaß vom Regen, aber ihre Augen sind so blank, wie es das Wasser des Fjords unter der Sonne war.
Das Holzhaus ist voller Gäste. Man sieht bekannte Gesichter vom Schiff, aber auch Fremde sind da. Engländer und Amerikaner, die in den großen Hotels wohnen. Auf der Veranda ist kein Platz, und auch drinnen findet Christian keinen leeren Tisch, inan muß sich also zu Fremden setzen. Hier vielleicht? Es scheinen Engländer zu sein, ob sie chn verstehen, wenn er sie deutsch anspricht? „Verzeihung, sind an Ihrem Tisch zwei Plätze frei?"
Eine Frau und ein Mann sehen auf, ältere Leute. „Ja", sagt der Mann kurz. Also doch Deutsche, vielleicht sogar auf dem Schift und man hat sie nur nicht gesehen? Christian winkt Anne herbei, er nimmt ihr den nassen Mantel ab, aber sie läuft
zunächst an einen großen Vevkaufst-sch, wo die Andenken ausliegen, sie ist nicht zu bewegen, erst einen warmen Schluck Tee zu trinken. „Ich komme gleich, sieh mal, hier kann ich für alle eine Kleinigkeit kaufen, nette Sachen."
Christian geht zurück an den Tisch, er setzt sich, bestellt Tee und lächelt. Die Fremden unterhalten sich englisch. „Wo sind die Kinder, laufen sie schon wieder draußen im Regen umher, ich will es nicht."
Der Mann sagte kurz: „Dann sieh nach." Die Frau steht auf, eine hagere, große Frau. Ihr Gesicht ist schmal. Ein hochmütiges Gesicht. Sie ist gut gekleidet; soviel Christian davon versteht, ist sie sehr gut gekleidet. Merkwürdig, wie ihm in diesen letzten Tagen fremde Menschen zu denken geben. Wenn er diese älteren Leute sieht, denkt er: Werden Anne und ich auch einmal so gleichgültig sein? Das ist ihm unvorstellbar.
Der Tee kommt, er ist heiß und gut. Da holt er Anne, und sie lehnt sich wie ein Kind an seine Schulter und ist glücklich über ihre Einkäufe. Er schiebt ihr den Stuhl zurecht: „So, aber nun trink erst, willst du Sahne und Zucker?"
„Einerlei. Sieh mal, diese Decke kriegt Klarissa, hübsch« Arbeit, nicht?"
Ihre Finger sind eilig, sie haben zu tun, ihm alles vorzuzeigen und zu erklären. „Ja, Anne, ja, aber du sollst trinken, solange der Tee noch warm ist." Christian reicht ihr das Getränk, und sie schluckt brav, wie Kinder es machen. Dabei hebt sie den Blick und sieht — in die Augen des fremden Mannes, der ihr gegenüber sitzt. Diese Augen starren sie an, unentwegt, aus einer unergründlichen Tiefe heraus. Und das Gesicht, dieser große hagere Kopf mit den vorstehenden Backenknochen, das ist doch — aber unmöglich, ja, das ist — Klarissas Kopf. Zug um Zug auch ihr Gesicht, dieselben Augen, der gleiche Mund.
Annes Finger zucken über die nordische Decke, die vor ihr auf dem Tisch liegt. Ihre Lippen sind trocken, sie befeuchtet sie mit der Zunge, sieht zur Seite und kehrt dann mit einem Ruck den Kopf wieder diesem Gesicht zu, das ihr fremd ist und doch nicht fremd. Noch immer starrt der Mann sie unter buschigen Brauen hervor an. Jetzt schiebt er die Hände vor, lehnt den Oberkörper über den Tisch, fein Atem geht schwer. Vielleicht will er etwas sagen, vielleicht die Hände ganz ausstrecken, um sie über die zuckenden Finger zu legen, die wie verlaufene Tiere über die bunte Decke hasten.
Da ist eine Stimme hinter ihm, die Frau ruft: „Christian, so komm doch, die Kinder wollen im Motorboot zurückfahren, Fräulein — zahlen."
„Jawohl, Missis Wegner."
Die blonde schöne Norwegerin mit den fraulichen
Bewegungen stellt die Rechnung auf. „Hörst du nicht, Christian, zahlen", sagt die Frau noch einmal und berührt ärgerlich seine Schulter.
Der Mann legt den Kopf in den Nacken, er fährt sich mit der Hand über Stirn und Augen. „Ich zahle morgen, Fräulein." Er stemmt die Hände auf den Tisch, hebt sich an ihnen hoch, als fiele e« ihm schwer, bann kehrt er sich um und stapft hinaus.
Das Fräulein hebt die Schultern und räumt das Geschirr fort. Sie denkt vielleicht: „Ein merkwürdiger Mann!", aber sie sagt es nicht, sie kennt ihn, er wohnt seit Wochen in Balholm, man sagt, daß er Australier sei und sehr reich. Seine Frau und seine Kinder sind auch oft hier, er wird schon zahlen. Sie geht fort, es hat aufgehört zu regnen, andere Gäste rufen nach ihr, ein merkwürdiger Mann kann das Geschäft nicht aufhalten.
Christian hat alles gesehen, ohne auch nur im entferntesten den Sinn zu verstehen. Wer ist der Mann, vielleicht ein Verwandter von Anne? Weshalb um alles in der Welt aber starrte er sie an, und weshalb war sie erregt, warum sprachen sie nicht miteinander? Irgendein Geheimnis steht da um das Kind Anne. Ist es schwer zu tragen, bann will er es mit ihr tragen, aber was mag es jein?
Ganz sachte legt er die Hanb auf ihre Schulter. Da fängt sie an zu zittern, zu beben wie ein Blatt im Winb. Er legt ben Arm um sie unb zieht sie an sich. „Nicht aufregen, Anne, ich bin ja bei bir. Ist bir nicht gut, soll ich sehen, ob ich einen Schluck Kognak für dich bekomme?"
Sie schüttelt ben Kopf. Sie liegt an seiner Schulter unb hebt ihr Gesicht zu ihm auf, ein weißes, ganz blutleeres Gesicht. Wieber hängen graue Tropfen an ben Wimpern, aber sie kommen nicht vom Regen. Sie sieht ihn an. „Es kann doch nicht sein, Christian, nicht wahr, ich habe mich getäuscht, sage mir, baß ich mich getäuscht habe. Dieser Mann — nein, nein."
„Wer ist biefer Mann, glaubtest bu ihn zu kennen, Anne?"
„Ja — aber nein, er ist nur ein Frember, er kann doch nicht — kann doch nicht mein — mein Vater sein? Mein Vater — glaubst du, Christian — mein Vater?"
Er hält sie fest. „Komm in die Luft, Anne, es regnet nicht mehr. Vielleicht kriegen wir ein Boot, dann brauchen wir nicht den ganzen Weg zum Schiff zurückgehen."
„3a, Christian, zum Schiff, ich möchte in meine Kabine."
Der Weg zur kleinen Anlegebrücke ist naß und glitschig. Er hält sie fest, er trägt sie fast. „Siehst du, da ist ja ein Ruderboot, nun brauchst du nicht zu gehen, Kleines,"
Die Kraftfahrer der Zukunft.
Ausbildung der Motor-HZ. im NSKK.
fen Posten aus. Sekt seinem 65. Lebensjahr befindet er sich im Ruhestand. Seit drei Jahrzehnten fft er treuer Leser und Mitarbeiter des „Gießener Anzeigers". Wir beglückwünschen den alten Herrn herz«, lich zum Geburtstag.
Es gehört zum großen Aufgabengebiet des Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps (NSKK.), nicht nur die eigenen Angehörigen mit dem Kraftfahrzeug auf das engste vertraut zu machen, sondern alle Aufmerksamkeit auch der Heranwachsenden Jugend, der Motor-Hitler-Jugend, zuzuwenden. Schon mancher Lehrgang wurde zu diesem Zwecke abgehalten, und wir entsinnen uns noch lebhaft der Lehrgänge, die an schönen Sommertagen im Hillersbachtal stattfanden und den Lehrgangsteilnehmern in acht Tagen intensiver, theoretischer und praktischer Schulung eine Fülle von Kenntnissen vermittelten. Damals kehrten die Teilnehmer zurück und vermochten dhne Schwierigkeit das Kleinkraftrad zu bcherrschen, als das äußerlich sichtbare Zeichen einer planmäßigen Ausbildungsarbeit, die durch die Gießener NSKK.-Standarte geleistet und auch wirtschaftlich getragen wurde.
Diese Arbeit wird auch unter den aegenwärtigen Umständen fortgeführt. Das Verständnis für den Motor und feine Funktionen wird vermittelt und es wird ein Derkehrserziehungsdienst gepflegt, der den angehenden Kraftfahrer mit allen Derkehrs- regeln vertraut macht, sodaß dann, wenn die Möglichkeiten zu praktischer Ausbildung günstig sind, dem Nachwuchs Gelegenheit gegeben wird, sich am Steuer des Kraftwagens, oder auf dem mehr oder weniger schweren Kraftrad zu bewähren.
Am Mittwochabend erfolgte nun im NSKK.-Heim am Selterstor die U eb er f ühr ung einer H I- Gefolgfchaft in die Motor-HI. Der Ge- folgschaftssuhrer meldete die angetretenen jungen Kameraden dem derzeitigen Führer der Motorstandarte 147, NSKK.-Oberstaffelführer Metzler, der die jungen Kameraden herzlich begrüßte. In einer kurzen Ansprache wies er auf die Notwendigkeit der Motorisierung hin, sprach von der hohen Bedeutung, die der Motorisierung gerade in.der Gegenwart zukomme und betonte, daß das NSKK. eine systematische Ausbildung und Betreuung des kraftfachrenden Nachwuchses auf motor- und verkehrstechnischem Geb»et anstrebe und die gesteckten Ziele durch planvollen Unterricht erreichen werde. Lehrmaterial in Form von Schnittmobellen, Lehrtafeln, Lehrfilmen usw. stehe ausreichend zur Verfügung unb ermögliche einen grünblichen Unterricht.
Im Verlaufe des Abends wurde mit dieser Ausbildung insofern begonnen, als NSKK.-Oberscharführer Faber einen Mlm zeigte, der Störungen bei Verbrennungsmaschinen veranschaulichte. Der Vortragende gab dazu umfassende Erläuterungen unb wies auf oie Möglichkeiten ber Beseitigung von Störungen hin.
Die Ansprache des Standartenführers, wie auch der Vortrag fand eine lebhaft interessierte Zuhörerschaft. Die Ausbildungsarbeit wird nun wöchentlich durch die Referenten der Standarte bzw. der Stürme fortgeführt werden.
Einkommen und Umsatzsteuer bei Wehrmachtsentschädigungen.
Viele Volksgenossen haben auf Grund des Reichs- leistungsgesetzes bewegliche Gegenstände in den vergangenen Monaten an Reichsstellen abgegeben — insbesondere ist hier an die große Menge der an bie Wehrmacht abgegebenen Gegenstände zu denken — und haben dafür Vergütungen und Entschädigungen auf Grund des Reichsleistungsgesetzes erhalten. Für die in den nächsten Wochen fällige Einkommen- und Umsatzsteuererklärung ist nun bre Frage wichtig, wie diese Dergütungen und Entschädigungen steuerlich behandelt werden. Hierzu hat jetzt der Reicysfinanzminister einen Runderlaß herausgegeben.
In diesem Runderlaß ist die steuerliche Behandlung für alle in Anspruch genommenen Wirtfchafts- güter geregelt, die zum Betriebsvermögen eines land- und forstwirtschaftlichen ober eines gewerblichen Betriebes oder zu einem der selbständigen Arbeit dienenden Vermögen gehören. Wer also z. B. als Privatmann ein Motorrad abgegeben hat, fällt nicht unter diese Regelung, sondern für ihn gilt die übliche einkommensteuerrechtliche Bchand- lung.
Für die vorgenannten Kreise ist folgendes bestimmt: Unerheblich, ob es sich um eine Vergütung oder Entschädigung handelt, die für die Inanspruchnahme „zur Verfügung" oder „zur Benutzung" gewährt wurden, unterließen diese als Teil des Gewinns und damit des Elnkommens grundsätzlich der Einkommensteuer nach der Einkommensteuertabelle. Führt die Inanspruchnahme zur Veräußerung eines Gewerbebetriebes ober zur Aufgabe desselben, z. B. wenn ein Kraftdrvschkenbesitzer das einzige dem Gewerbebetrieb dienende Kraftfahrzeug ber Be« darfsstelle überläßt und den Gewerbebetrieb ab- meloet, so kann auch ein steuerpflichtiger Deräuße- rungsgewinn im Sinne des § 16 des Einkommensteuergesetzes entstehen.
Um Härten zu vermeiden, hat der Reichssinan^- minifter für ben genannten Kreis ber Steuerpflichtigen Billigkeitsmaßnahmen angeorbnet, wo nach buchführende Land- und Forstwirte, Gewerbetreibende und selbständig Tätige eine steuerfreie Rücklage für Ersatzbeschaffung in Höhe des Unterschiedsbetrages bilden können, um den die Vergütung den Buchwert des Gegenstandes übersteigt. Für diese
Rücklage darf aber nur ein gleichartiges Wirtschaftsgut späterhin beschafft werden. Werden keine Bücher von den Betreffenden geführt, so können sie verlangen, daß der Teil des Gewinnes, der sich aus dem Ueberschuß er-aibt, nur mit den niedrigen Steuersätzen des z 34 Absatz I des Einkommensteuergesetzes herangezogen wird, daß also Steuersätze in Höhe von 10 bis 25 v. H. zur Anwendung gelangen, während der übrige Gewinn nach der Einkornmen- steuertabelle veranlagt.wird.
Diese Regelung gilt jedoch nur für Gegenstände, die aus dem Anlagevermögen für Bedarfsstellen- zur Verfügung gestellt wurden, dagegen nicht für Wirtschaftsgüter des Umlaufvermögens. Wer also z. B. aus seinen regulären Warenbeständen an die Wehrmacht verkauft, kann diese Sonderregelung nicht in Anspruch nehmen.
Was die Umsatzsteuer betrifft, so unterliegt auch die Ueberlassung von Gegenständen auf Grund des Reichsleistungsge f e tz e s der Umsatzsteuer, wenn diese Ueberlassung durch einen Unternehmer im Rahmen feines Unternehmens erfolgt und die Gegenstände, um die es sich dabei yandelt, dem Unternehmen gewidmet sind. Für ein Privatauto, das festgestelltermaßen mit dem Unternehmen nichts zu tun hat, kommt also die Umsatzsteuervflichl für die Vergütung nicht in Frage. Sollte oie Umsatzbesteuerung zu unbilligen Härten führen, so kann aus Billig- keitsgründen von der Erhebung der Steuer abgesehen werden.
Aus der engeren Heimat.
Landkreis Gießen.
<£ Weickart Hain, 12. Januar. Arn heutigen Freitag, 12. Januar, kann der Stationsmeister i. R. Ferdinand Schäfer in geistiger und körperlicher Frische seinen 7 5. Geburtstag feiern. Der Jubilar wurde im Jahre 1865 in Ernsthausen (Kreis Frankenberg) geboren, diente von 1886 bis 1888 beim Infanterie-Regiment 83 in Kassel und trat am 1. Juli 1890 in den Dienst der Reichsbahn. Am 1. Oktober 1903, bei der Eröffnung der Bahnstrecke Laubach—Mücke, kam er als Stationsaufseher an den hiesigen Bahnhof unb füllte 21 Jahre lang die-
Wechsel in der provinzialsänger« führung Starkenburg.
Lpd. 2) armftabt, 11. Jan. Für den mit Rücksicht auf fein vorgeschrittenes Alter zurückgetretenen Provinzsängerführer von Starkenburg, Peter Alles (Groß-Gerau), hat der stellv. Sängergau- führer Stabtschulrat Born (Darmstadt) die Pro- oinzsängerführung übernommen. Alles wird Kreiskreisführer des Sängerkreifes Ried bleiben.
Wirtschaft.
Rhein-Mainische Börse.
Aktien etwas fester.
Frankfurt a. M., 11. Jan. Die Börse hatte im Großverkehr eine sehr fülle Eröffnung. Sie knüpfte aber an die Erholungen von gestern mittag an und brachte überwiegend Erholungen von 0,50 bis 1,50 v. H. im Durchschnitt. Angebot zeigt« sich kaum mehr, jedoch war auch bie Kaufmeinung ber Kundschaft aus ben bekannten Gründen noch ziemlich zurückhaltend. Immerhin besteht weiterer Anlagebedarf, der aber in der Hauptsache am Rentenmarkt feinen Niederschlag findet.
Am Aktienmarkt eröffneten von Montan- werten Verein. Sbchl mit 103,25 (102), Rheinstahl mit 139 (137,75), Ilse Genuß mit 158,75 (157), Buderus mit 100,50 (99,50) und Salzdetfurth mit 184,25 (182,50). IG -Farben gewannen 0,65 v. H. auf 168,65, Rheinmetall 1 v. H. auf 125,50 und Lcch- meyer 0,50 v. H. auf 116,50, während an den Übrigen Märkten vorerst keine Abschlüsse zustande kamen.
Wenn auch die Nachfrage nach festverzinslichen Papieren im ganzen gesehen etwas nachgelassen hat, so hielt doch insbesondere in Pfandbriefen das Interesse an. Da aber kaum Material zur Verfügung stand, muhten die meisten Notierungen wieder ausfallen. In Kommun al-Ob- ligationen beginnt das Angebot ebenfalls knapper zu werden. Gutes Interesse zeigt sich nach wie vor für verschiedene Industrie-Anleihen. Kursmäßig ergaben sich allgemein kaum Veränderungen. Reichsaltbesitz gut behauptet mit 140,60 (140,50), dagegen Reichsbahn-VA. 125,25 (125,50). Kommun al-Um- schuldung 0,13 v. H. höher mit 95,25.
Auch in der zweiten Börsenstunde machte di« Befestigung weitere Fortschritte, aüerbings tag ihr kein besonderes Geschäft zu Grunde. Schon kleinste Nachfrage führte zu verhältnismäßig starken Erhöhungen. Verein. Stahl erreichten 105 nach 103,25, Lah meyer 117,50 nach 116,50, Westdeutsche Kaufhof 84 nach 83 und IG.-Farben 169 nach 168,50
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 11. Januar. Aus technischen Gründen findet die amtliche Notierung morgen, Freitag, statt.
Rundfunkprogramm
Samstag, 13. Januar.
6 Uhr: Morgengruß. 6.10: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Landvolk, merk' auf! 8.10: Gymnastik. 9.15: Deutschland — Kin- derland: „Kinderbriefe". 9.30: Frohe Weisen. 11: Blasmusik. Ausführung: Das Musikkorps eines Flak» Regiments. 11.50: Stadt unb Land — Hanb in Hand. 12: Mittagskonzert. Es spielt bas große Orchester des Reichssenders Frankfurt. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 13: Von Wien: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Der fröhliche Lautsprecher. 16: Klingende Liebesgaben (33). Eine fröhliche Sendung des Reichssenders Frankfurt für die Kameraden am Westwall. In Verbindung mit der NS.-Gerneinfchaft „Kraft durch Freude". 17 bis 17.10: Nachrichten. 18: Bühne unb Film im Runbfunk. 18.25: Zum frohen Wochenenbe. Dazwischen: 18.30: Aus bem Zeitgeschehen. 19.10: Berichte. 19.45: Politische Zeitungsschau. 20: Nachrichten. 20.15: Übertragung vom Deutschlanbsenber: Dazwischen: 22 bis 22.15: Nachrichten. 24 bis 0.15: Nachrichten.
Sie steigen ein, bas Boot fliegt mit ihnen baooru Es fliegt über ben blauen, kristallklaren Fjord, ber anzusehen ist wie ein mächtiger Aquamarin. In gleichmäßigem Takt heben unb senken sich hinter ihnen die Ruber. Sie sprechen kein Wort mehr mitein anb er. Er hält sie nur an sich gepreßt, unb sie fühlt, wie durch biese Nähe seine Ruhe in sie über- geht. Annes Atem wird ruhiger, sie zittert nicht mehr, boch als sie bas Schiff erreichen, unb als er ihr vor der Tür ihrer Kabine zum letztenmal bie Hand küßt, sagt sie mit Augen, bie burch ihn hindurch unb über ihn hinweggehen: „Es war boch mein Vater, ich weiß es jetzt, Christian."
Vor Balholm begegnen sich zwei deutsche Schiffe, bie „Corboba" unb ber „Columbus". Das gibt ein Grüßen, ein Winken, bie beutschen Lieber schallen von hier unb von bort, bie Berge hallen wieder vom Begrüßungsgeheul ber Sirenen. Die „Corboba" menbet unb verläßt Balholm; nach wenigen Stunden folgt ihr ber „Columbus".
Das Wetter verschlechtert sich immer mehr. Böen fahren von ben Bergen nieber, aber im Fjord ist vom Sturm noch nicht viel zu merken.
Christian Schwertfeger weiß an diesem Nachmittag nichts mit sich unb ber Welt anzufangen. Er benkt: »Das ist aber boch im höchsten Grabe kindisch', und er setzt sich auf einen ber freien Stühle bes Prome- nabenbeds unb sieht sich bie Menschen an, Männer unb Frauen, bie vorübergehen. Die meisten haben frohe Gesichter, sie lachen unb tänbeln miteinander und sind fröhlich. Verflixt, es interessiert ihn nicht im geringsten, wenn andere Leute vergnügt sind. Wie geht es Anne, das ist wichtiger, ja, wenn er das aus ben Gesichtern lesen könnte, aber bie sind in dieser Beziehung wie unbeschriebene Blätter unb ihm daher gleichgültig. Anne, wie geht es ihr? Sie ist weber zum zweiten Frühstück noch zur Hauptmahlzeit gekommen. Er hat burch bie Stewarbeß einen Strauß Rosen in ihre Kabine schicken lassen. Die Frau tarn mit ber Meldung zurück, er möchte entschuldigen, aber das Fräulein käme heute nicht nach oben, es habe Kopfschmerzen und würde im Bett bleiben.
Unb nun ist ihm ber Tag verborben. Er geht umher unb benkt nach, was er noch für Änne tun könnte, aber er finbet nichts. Er grübelt, was bas wohl mit bem Vater auf sich haben mag. Wahr- schemlich ist er in jungen Jahren auf und davon gegangen. Aber daß sie ihn erkannte! Doch, er versteht es. Mit dem Instinkt des ganz unb gar natur* oerbunbenen Menschen hat sie bie Zusammengehörigkeit gefühlt. Anne ist ein junger unb sensibler Mensch; wird diese Begegnung ihr seelisch schaden oder mcht?. -
(Fortsetzung folgt)


