Ausgabe 
11.6.1940
 
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Nr. 156 Zweites Blatt

Gietzener Anzeiger (Seneral-Anzetgrr für Oberheften)

Dienstag. U. Zum 1940

Vier Blickpunkte im Miitetmeer.

Geschichte, Geographie und Wirtschaft.

Das Mittelmeerproblem, das lange latent schwebte, ist jetzt blitzartig in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Vor allem kehren die vier Be­griffe Gibraltar Korsika Tunis unb Suez immer wieder, wobei die drei letztge­nannten allein italienische Forderung sind (hier kommen Nizza, Malta u. a. hinzu), während der Felsen Gibraltar für Rom und Madrid ein gemeinsames Interessengebiet bedeutet. An dieser Stelle sei nicht die politische Seite der Angelegen­heit einer Prüfung unterzogen, sondern nur die geographische und wirtschaftliche, sowie die geschicht­liche Entwicklung, soweit sie zwangsläufig dazu­gehört.

Gibraltar.

Gibraltar ist eine 4,9 qkm große felsige Halbinsel cn der Südspitze der Pyrenäen, deren Ausläufer sich bis zu 425 Meter über bim Meeresspiegel em- vorreckt. Die eigentliche Stabt Gibraltar liegt auf [er Westseite ber Halbinsel, in Terrassen bis zu ktwa 80 Meter Höhe ansteigend, mit runb 21000 Bewohnern, vorwiegend Militär. Im Narben schroff lndigenb unb auch im Osten steil, fast senkrecht zum Meere abstürzenb, ziehen sich von ber Sübspitze ies Berges sehr starke Befestigungen am West- aum entlang unb enbigen in Den Felsengalerien m Norben. Der Hafen, ebenfalls auf ber geschütz- en Westseite gelegen, besteht aus bem knapp qkm großen, von künstlichen Molen eingesäumten triegshafen unb bem anschließenben Hanbelshafen. >ier ist im Frieben ein außerorbentlich starker )urchgangsverkehr; nicht selten laufen 4000 bis 000 Schiffe im Jahr mit einer Tonnage von über

Millionen Bruttoregistertonnen ben Hafen an. )er Kriegshafen, in bem wir Dockanlagen, Kohlen- nb Oellager finben, ist allein ber britischen Flotte orbehalten. Mit dem eigentlichen spanischen Fest­md ist Gibraltar durch eine 1 Kilometer breite, mdige Landzunge verbunden, auf der ein 500 Reter breiter, neutraler Streifen die Grenze be= eichnet. Nördlich davon liegt die kleine spanische >tabt Linea be la Conception.

Im Jahre 711 gründete auf der Halbinsel der rrabrsche Feldherr Tarik eine Festung, die er tbenfo wie ben Berg Dschebel el Tarik nannte. Im Jahre 1462 wurde diese ben Mauren von den Spaniern entrissen, welche den Platz bis 1704 zu alten vermochten. Damals eroberten eine englische ^lotteneinheit und ein Landungskorps, zu dem auch Hannoveraner gehörten, die Festung, die seither im ritischen Besitz war. Später ist sie wiederholt, aber ergeblich, von Spaniern und Franzosen angegrif- n worden, zuletzt in den Napoleonischen Kriegen, öirtschaftlich hat Gibraltar keinerlei Deutung, außer ben als Handelshafen und Umschlagsplatz. Das eiße Klima läßt eine subtropische Vegetation ge- eihen. Politisch geht es üm die leicht erkennbare Tatsache, daß, wer Gibraltar beherrscht, den einen kchlüssel zum Mittelmeer in Händen hält.

Korsika.

Die Insel Korsika, die 8720 Quadratkilometer roß ist und etwa 300 000 Einwohner zählt, gehört olitisch noch zu Frankreich, aber geographisch und hnographisch unzweifelhaft zum römischen Jm- erium, von dem es durch ein 100 Kilometer breites, chr flaches Meer und den Toskanischen Archipel ?trennt ist, während Frankreich etwa 200 Kilo- leter weit von Korsika liegt und dieser Meeresteil s zu 2500 Meter Tiefe ab fällt. Die benachbarte lalienische Insel Sardinien im Süden liegt cgar auf 15 Kilometer an Korsika heran. Die um- trittene Insel ist etwa 185 Kilometer lang und an rer breitesten Stelle 85 Kilometer breit, das Land ' durchweg schwer zugängliches, teilweise bewal- ftes Hochgebirgsmassiv mit Erhebungen bis zu 2700 Meter. Während die Berge zum Westufer ab- fcllen, ist die Ostküste flach und sumpfig. In diesen bferen Lagen Korsikas findet sich eine üppige sub­tropische Vegetation, vor allem Früchte, Kastanien UiD Oelbäume. Auf den Hochflächen ist gutes Weide- lonb, so daß Viehzucht der wichtigste Erwerbszweig d-s Landes ist. Während Industrie fast völlig fehlt, blüht die Küsten- und Hochseefischerei; die Haupt- hifen und Kustenplätze sind der Golf von St. Flo- kknt, Calvi, Galeria, Porto, Sagone, Ajaccio (Geburtsort Napoleon Bonapartes) und Dalinco. tie Bewohner des Landes sind Korsen; während Ire Sprache ein italienischer Dialekt ist, blieb die Amtssprache bis heute französisch.

Die Insel hat ein sehr wechselvolles Schicksal hin- ter sich. Sie kam im Jahre 1300 zu Genua. Im 8:hre 1768 verkaufte die genuesische Republik sie in das verbündete Frankreich; während der franzö- st'chen Revolution kam sie vorübergehend in eng« llchen (!) Besitz, doch wurden die Engländer 1796 Den den Franzosen dort wieder vertrieben. Außer Bonaparte ist der Volksheld Paoli in die - Beschichte eingegangen, der sich 1768 dem Verkauf btr Insel widersetzte, 1769 fliehen mußte, aber dmn 1793 mit Hilfe Englands die Besitzer wieder ju vertreiben suchte. Im übrigen haben Korsika urd Italien nie ausgehört, ihre Zusammengehorig- tet zu betonen, was schon aus der Tatsache hervor- zcht, daß die Bewohner in Sprache und Lebens­art zur Apennin-Halbinsel hinneigen,

Tunis.

Tunis ist mit rund 202 500 Einwohnern die Hauptstadt des derzeitigen französischen Schutz- itentes Tunesien; von den 87 000 Einwohnern sind mit über die Hälfte Italiener, der Rest Franzosen, Malteser und Europäer. Der künstlich angelegte Binnenhafen ist durch einen 10 Kilometer langen Lnial mit dem Mittelmeßr verbunden. Das gesamte bczutzgebiet, das im Norden und Osten vom Meere, ui Westen von Algier, im Süden von der Sahara

Tripolitanien begrenzt wird, ist 125130 qkm §rrß und hat etwa 2,5 Millionen Einwohner, auch itir vorwiegend Italiener unter den Europäern. Sin Grundstock der Eingeborenen bilden die Ber- le\ Wirtschaftlich bildet Landwirtschaft die Grund- lije, wobei Ackerbau etwa ein Drittel der Boden- Iloche einnimmt. Weizen, Gerste und Hafer sind h Hautpanbausorten, daneben gibt es riesige Obst« Anlagen und Oelbaumpflanzungen, die etwa lahr- l'd Million Hektoliter Oel liefern. Die Emge- (o- enen im Innern widmen sich daneben der Vreh- icht; schließlich sind Bergbau, Korkgewinnung, Livsphat-, Zink-, Blei- und Eisenerzlager und 'Mben in dem gebirgigen Nord- und Mitteltune- !ei zu nennen. Wie überall an der Mittelmeerkuste

findet man auch hier Fischerei und Verarbeitung von Thunfischen, Sardinen, Anchovis und Lan­gusten; unter der heimischen Industrie sind die Teppichknüpfereien weltbekannt. Schließlich sind Land und Städte viel von Fremden besucht, vor­wiegend Europäern. Neben Tunis sind Sfax (40 000 Einwohner), Sousse (25 000 Einwohner) und der Kriegshafen Bizerta (23 000 Einwohner) zu nen­nen.

Schon in Verbindung mit Karthago wird das Land genannt. Schließlich unterwarfen es die Ara­ber. Seit 1575 stand Tunesien unter türkischer Ho­heit, die es durch Beis regieren ließ. Mit der Be­setzung Algeriens durch die Franzosen (1830) er­hielt das Gebiet höhere Bedeutung. 1881 benutzte Paris einige Grenzkonflikte dazu, das gesamte Land militärisch zu erobern. Seitdem führen die einge­borenen Beis ein Schattendasein neben dem fran­zösischen Generalresidenten. Italiens Anspruch grün­det sich vor allem auf das nicht zu leugnende über­wiegende Element der Söhne des Imperiums, das sich geburtenmäßig, wie auch durch Einwanderung von Jahr zu Jahr vergrößert hat, während sich die Zahl der französischen Europäer verkleinerte.

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Mit Suez, der ägyptischen Hafenstadt am Roten Meer und dem südlichen Ausgang des Suezkanals,

hat man den Schlüssel zum östlichen Mittelmeer, wie auch zum Roten Meer in Händen. Die Stadt zählt rund 40 000 Einwohner. Die eigentliche Alt­stadt und der Hasen sind durch einen langen Stein­damm miteinander verbunden. Der 171 Kilometer lange, 1869 gebaute und schleusenlose Suezkanal, der die gleichnamige Landenge durchschneidet, führt von Port Said am Mittelmeer teils durch künst­lichen Weg, teil durch natürliche Seen bis zur Stadt Suez. Der Tiefgang des Kanals beträgt rund 13 Meter, die Breite 120 Meter. Auf die wirtschaftliche und politische Bedeutung dieses Seeweges, Der die Reise um Afrika teilweise auf die Hälfte und mehr verringert, ist in den letzten Monaten mehrfach hin­gewiesen worden. Weit über 5000 Schiffe jährlich passieren den Kanal in beiden Richtungen; die Ein­nahmen der französisch-britischen Kanalgesellschaft sind derart, daß schon im Jahre 1927 über 440 v. H. Dividende ausgezahlt wurden. Vor allem gegen diese echt plutokratische Einrichtung haben die Ita­liener wiederholt, bisher erfolglos, Sturm gelaufen, da sie ebenso wie Deutschland und andere Na­tionen den Wasserweg als eine Einrichtung zum Wohle aller Nationen ansehen, und nicht als Hilfs­mittel dazu, daß sich einige wenige Kapitalisten und die plutokratischen Regierungen Englands und Frankreichs auf Kosten aller ihre Taschen füllen.

Das Meer mit den englischen Toren.

Bukarest

Madrid

SPANIEN

Ankara

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PALÄSTINA

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Italiens Kriegsflotte.

Den englisch-französischen Einheiten im Mittelmeer überlegen.

Schlachtschiffe.

Italien hat heute 6 hochwMige und gefechts­starke Schlachtschiffe im Dienst, 2 weitere im Bau. Die Schlachtflotte besteht aus den vier je 23 622 Tonnen großen SchlachtschiffenAndrea Doria", Caio Duilio",Giulio Cesare",(tonte di Cavour" und den beiden vor kurzem in Dienst gestellten 35 OOO-Tonnen-Schlachtschiffenßittorio" undVit- torio Veneto". Die vier erstgenannten Schiffe liefen 1911 bzw. 1913 vom Stapel, wurden aber in den letzten Jahren völlig umgebaut und modernisiert. Sie haben neben einer starken Mittel- und Flak­artillerie als Hauptbewaffnung je zehn 32-cm-Ge- schütze und erreichen eine Geschwindigkeit von 27 Seemeilen. Sie stellen sehr kampfkräftige Einheiten dar und sind beispielsweise den drei gleichaltrigen Schlachtschiffen Des französischen Mittelmeerge- schwaDers, Deren Eintreffen in AlexanDria kürzlich gemelDet wurDe, an Kampfkraft beDeutend über­legen. Die französischen SchiffeProvence", Bretagne" undLorraine" laufen nur 21 bis 22 Seemeilen in der Stunde und wurden auch nur oberflächlich modernisiert. Dagegen stellen die eben­falls ins Mittelmeer gezogenen- fianzöfischen SchlachtschiffeDunkerque" undStrasbourg" mo­derne Einheiten da; sie sind um 3 Seemeilen schnel­ler als die modernisierten italienischen Schlacht­schiffe. Ebenso schnell, aber bedeutend größer und stärker armiert, sind dagegen die beiden neuen italienischen 35 OOO-Tonnen-Schlachtschiffeßittorio" undViktoria Veneto". Diese stellen überhaupt die zur Zeit wohl stärksten und modernsten Schlacht­schiffe der Welt dar; sie führen als Hauptartillerie neun 38,1-cm-Geschütze und besitzen außerdem neoen einer starken Mittelartillerie eine außerordentlich starke Flakbewaffnung.

Diese aus sechs großen Schlachtschiffen zu denen sich später noch Die beiden in Der Ausrüstung befindlichen 35 OOO-Tonnen-SchlachtschiffeJmpero" undRoma" gesellen werden brauchen keinen französisch-englischen Schlachtschiffverband im Mit­

telmeer zu fürchten. Die sechs im Dienst befindlichen italienischen Schlachtschiffe verfügen an schwerer Artillerie über insgesamt achtzehn 38,1-cm- und vierzig 32-cm-Geschütze. Sie sind Den Schiffen Des englisch-französischen SchlachtschiffoerbanDes im Mit­telmeer in jeder Beziehung zumindesten ebenbürtig bzw. sogar überlegen.

Kreuzer.

Italien besitzt 7 Schwere, 14 ßeichte und 12 Tor- pedokreuzer. Es kann sich rühmen, überhaupt die schnellsten Kreuzer Der Welt zu besitzen. Einige er« reichen eine Geschwindigkeit von 4042 Seemeilen. Es sind fast alle moderne, gefechtskräftige Schiffe mit hervorragend ausgebildeten Besatzungen. Die Schweren Kreuzer verdrängen je 10 000 Tonnen und führen eine Hauptbewaffnung von je acht 20,3-cm- Geschützen. Die ßeichten Kreuzer sind meistens 5000, 7000 und mehr Tonnen groß und tragen als Haupt­bewaffnung acht bis zehn 15,2-cm-Geschütze. Die Torpeookreuzer sind neuesten Datums, haben eine Wasserverdrängung von je 3362 Tonnen, erreichen eine Geschwindigkeit von 41 Seemeilen und führen neben der artilleristischen Hauptbewaffnung von je acht 13,5-cm-Geschützen 8 Torpedorohre in Vier- lingsaufftellung. Alle Schiffe tragen eine sehr starke Flakbewaffnung.

Die italienischen Kreuzer sind den englischen und französischen Kreuzerverbänden an Schnelligkeit überlegen, an artilleristischer Gefechtskraft eben­bürtig. Die neuen Torpedokreuzer sind größer als die französischen Schiffe dieser Art.

Zerstörer und Torpedoboote.

Mit weit über 100 Zerstörern und Torpedobooten hat Italien eine Flotte von Torpedoträgern, Die als sehr groß und gefechtsstark bezeichnet werden muß. Diese Schiffe sind zum größten Teil moderne Ein­heiten, gut bewaffnet und sehr schnell. Sie sind für Das Mittelmeer ausgezeichnet geeignet.

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Die Oberbefehlshaber der beiden italienischen Heeresgruppen Kronprinz Umberty (links,) und Marschall G r a z i a n i (rechts), (Scherl-Bilderdiensts ----'

Die Erbschaft Talleyraabs.

Bon Professor Or. Hans Meyersahni-Kiel.

Das Bündnis Der plutokratischen Westmächte, gegen Das Deutschland jetzt kämpfen muß, geht zu­rück auf Die Spannungen zwischen Den Mächten währenD Der DerhanDlungen a u f Dem Wiener Kongreß. Nachdem Paris am 30. März 1814 kapituliert und Napoleon am 6. April 1814 abge« Dankt hatte, versammelten sich Die Mächte Europas im Herbst 1814 in Wien, um Europa neu zu orDnen unD Deutschland) eine neue Verfassung zu geben. Die Aufgabe war ungeheuer schwer. Da unter Den furchtbaren Erschütterungen Der letzten Jahre alte politische GebilDe zerschlagen waren, unD anderer« feits Die oerbünDeten Siegermächte unter s i ch nickt einig waren. Schon bei Der Regelung Der Verhältnisse Deutschlands platzten Die Gegensätze scharf aufeinanDer. Die deutschen Patrioten wünsch­ten ein einiges, starkes Deutschland mit einem Kaiser an der Spitze. England und Frankreich wünschten ein schwaches Deutschland, und Met­ternich, der ßeiter Des Kongresses, war gegen ein einiges DeutschlanD und gegen ein starkes Preu­ßen. Er wünschte ein von Oesterreich beherrschtes Europa. Dann war besonders schwierig die säch­sisch-polnische Frage. Der König von Sachsen war bis zuletzt bei Napoleon geblieben und hatte dadurch seine Krone verwirkt. Darum ver­langte Preußen als Ersatz für feine verlorenen Ge­biete ganz Sachsen für sich. Damit war Metternich

Die tägliche, richtige Zahnpflege mutz für jeden genau fo selbstverständlich werden wie das regelmätzige Händewaschen?

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nicht einverstanden, da hierdurch Preußen zu mäch­tig geworden wäre. Auch England war gegen Den preußischen Plan. Nur Rußland ftanD auf Preußens Seite.

ßeiDer war Der klügste und gewandteste Diplomat auf dem Wiener Kongresse der Vertreter Des be­siegten Frankreichs, Talleyrand. Dieser Mann, ber früher Den Bourbonen gebient hatte, Dann Der Revolution, dann Napoleon und jetzt wieder Den Bourbonen, fühlte sich als Angehöriger eines ur­alten adeligen Hauses hingezogen zu Den alten Mächten Oesterreich unD England. Preußen und Rußland waren ihm unsympathisch. In einer In­struktion vom September 1814 sagt Talleyrand über Preußen:Die größte Gefahr droht der deutschen Freiheit von der Herrschsucht Preußens. Jeder Vor­wand ist Dem Ehrgeiz dieses Staates recht, keine Gewissensbedenken halten ihn auf. Geben wir ihm erst die versprochenen zehn Millionen Seelen, so wird er bald ihrer 20 haben und ganz Deutschland ihm unterworfen sein. Darum muß sein Besitzstand in Deutschland beschränkt, sein Einfluß auf die deut­schen Staaten im Zaume gehalten werden." Mit dem scharfen Blick des Erbfeindes hat Talleyrand Preu­ßens Mission erkannt und sucht daher Preußens Pläne zu bekämpfen.

Für Deutschlands nationale Entwicklung konnte ein solcher Mann auf dem Kongreß gefährlich wer­den. Und infolge seiner großen diplomatischen Fähigkeiten gewann Talleyrand, obwohl er Ver­treter Des besiegten Frankreichs war, auf die Ver- , Handlung Des Kongresses maßgebenden Einfluß. Er erkannte fofort^nit Scharfblick, daß Die sächsische Frage ein Mittel bot, um Die Koalition Der Sie­germächte zu sprengen. Sachsen mußte in seinem alten Umfang erhalten bleiben, damit Preußen nicht zu mächtig wurde. Es gelang Talleyrand, Die Span­nung zwischen den Mächten in Der sächsischen Frage soweit zu seinen Zwecken auszunutzen, Daß am 3. Januar 1815 ein geheimes Bündnis zwischen Oesterreich, England und Frankreich ab­geschlossen wurde gegen Preußen und Rußland. Die drei Mächte wollten sich gegenseitig mit 150 000 Mann unterstützen, falls eine von ihnen angegriffen oder bedroht würde. Das Ziel Des Bündnisses war angeblich, die Besttmmungen des Pariser Friedens durchzuführen. Nach Talleyrands Absicht sollte der Bund dazu dienen, um Preußen von feiner neu errungenen Großmachtstellung herabzustürzen. Aber im Grunde wollten weder England noch Oester­reich Krieg führen. Unb auch Preußen sah ein, daß es wegen Der sächsischen Frage keinen neuen Krieg führen könne.

So kam es zu einer Verständigung; Sachsen wurde geteilt, Der nördliche Teil kam zu Preußen, Den Rest behielt der König von Sachsen. Und von Polen erhielt Preußen, außer Danzig und Westpreußen, Das Gebiet bis zur Prosna. Aber der Vertrag vom 3. Januar 1815 hat weitgehende Fol­gen gehabt: Durch ihn wurde damals Frank­reich wieder eingeführt in die europäische Staa­tengemeinschaft und der unheilvolle Bund Der West möchte begründet, der seitdem mit geringen Unterbrechungen fortbesteht unD Das Schicksal Europas, besonders Das Schicksal, Deutschlands, in Der schlimmsten Weise beeinflußt hat. Dieser Bund hat im Weltkriege Deutschland niebergerungen, durch Das Diktat von Versailles Deutschland auf Die Dauer knebeln wollen und jetzt wieder Deutschland in einen furchtbaren Krieg hineingezogen. Bei einer künftigen Neuordnung Europas, die dauernd Be­stand haben soll und den Forderungen der Gerech­tigkeit entspricht, muß daher Der Einfluß Der West- machte völlig ausgeschaltet werden. Das ist das Ziel, um Das in diesem Kriege gekämpft wird.

U=23oofe.

Mit 129 fertigen und zum größten Teil modern­sten U-Booten stellt Italien eine U-Bootsmucht von gewaltiger Stärke dar, Die für jede Seemacht einen äußerst gefährlichen Gegner bildet. Diese U-Boots- flotte ist auch Den englisch-französischen U-Bootsi flotten im Mittelmeer überlegen.

Weitere Einheiten.

An Minensuchern und Minenlegern, sowie weite­ren kleinen Kriegsschiffen, besonders aber an Tor­pedomotorbooten besitzt Italien eine große Anzahl. Alle diese Schiffe sind gut ausgerüstet und stellen in ihrer Art gesechtskräftige Fahrzeuge Dar.