Ausgabe 
11.3.1940
 
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England gibt die aufgebrachten italienischen Kohlendampfer heraus.

Rom. 10. März. (DRV.) Agenzia Sfefani mel­det: Außenminister Graf Llano hat. wie amt­lich verlautet, den englischen Botschafter Sir Percy Lorraine empfangen. Dieser hat ihm mitgeteilt, daß die englische Regierung beschlossen habe, die 13 aufgebrachten italienischen koh­le n d a m p f e r einschließlich ihrer Ladungen frei- zugeben.

Weiterhin wird bekanntgegeben, daß die noch im Hafen von Amsterdam befindlichen italienischen Dampfer keine kohle mehr einfchiffen und die Rückfahrt leer antreten werden, und daß in Zukunft keine italienischen kohleuschiffe mehr nach Amsterdam gesandt werden. Drei der italienischen Kohlen­schiffe haben bereits mit ihrer Ladung die Rückreise nach Italien angetreten. Man rechnet damit, daß die übrigen zehn Dampfer Montag die Rückreise antreten werden.

Ribbentrops Besuch in Rom.

Rom, 10. März. (Europgpreß.) Die Ankunft des Reichsauhenministers vori Ribbentrop ist pro» grammäßig Sonntag vormittag um 9.15 Uhr er­folgt. Zur Begrüßung hatten sich im Hauptbahn­hof Außenminister Graf Ciano mit dem Ge­neraldirektor des italienischen Außenministeriums, Minister Amfufo, der Generaldirektor für die ausländische Presse, Minister Rocco, der Präfekt, der Gouverneur von Rom, zahlreiche Generale und der deutsche Botschafter von Mackensen eingefunden. An eine zwanglose Aussvrache der beiden Außen­minister in der Billa Madama schloß sich die Fahrt in den Palazzo Venezia, wo Ribbentrop in An­wesenheit des Grafen Ciano und des Botschafters v. Mackensen vom Duce empfangen wurde. Die Aussprache nahm, wie in einer amtlichen Mit­teilung betont wird, einen überaus herzlichen Ver­lauf und währte über eineinoiertel Stunden. Eine weitere Aussprache wird Montag stattfinden. Aus dem Palazzo Venezia kehrte Außenminister von Ribbentrop in die Villa Madama zurück, wo in intimem Kreise das Frühstück eingenommen wurde. Am Sonntagnachmittag unternahm der Minister

in Begleitung des deutschen Botschafters eine kurze Rundfahrt durch die Albaner Berge. Bei herrlichem Frühjahrswetter führte die Fahrt längs des Al­baner Sees durch die malerischen Weinstädtchen Albano Castel Gandolfo und Grottaferrata an der Kinostadt vorbei nach Rom zurück. Dann besich­tigte der Reichsauhenminister das im Umbau be­findliche Botschaftsgebäude. Den ersten Tag seines römischen Aufenthaltes beschloß ein Abendessen im kleinsten Kreis, das Gras Ciano dem Reichsautzen­minister gab.

Der Besuch des Reichsaußenministers findet m der Presse den stärksten Widerhall. Uebereinstim- mend wird betont, dieser Besuch bilde einen neuen Beweis der engen Beziehungen zwischen den bei­den befreundeten und verbündeten Staaten und ihrer periodischen Fühlungnahme. DieSiarnpa" schreibt, der Besuch gehöre zu dem regelmäßigen Meinungsaustausch zwischen den beiden Regierun. gen. Fünf Monate seien seit dem letzten Besuch des Grafen Ciano in Berlin verflossen, und neue Unterredungen zur Prüfung der Tagesfragen seien erforderlich. Die Haltung Italiens sei unverändert geblieben, wie sie in der Tagesordnung der Gro­ßen Rats des Faschismus und der Rede des Außenministers Graf Ciano im Dezember zum Ausdruck gekommen fei.Popolo d'Jtalta" schreibt, das Bündnis bestehe voll und ganz in der Form und im Geiste des Paktes und nach dem Meinungs­austausch, der vor- und nachher stattgefunden habe. Seitdem habe die allgemeine Laae Europas keine Aenderung oder Verschiebung erfahren, mit Aus- nähme des Konflikts zwischen Finnland und Ruß­land. Italien fahre fort, von seiner Stellung als nichtkriegführende Großmacht aus mit gespannter Aufmerksamkeit den Verlauf des Krieges zu ver­folgen. Es habe den festen Entschluß, in jedem Falle seine Rechte und Interessen zu wahren. Der Corriere della Sera" schreibt, der europäische Krieg biete keinen entscheidenden neuen Anblick, der eine besondere Stellungnahme erfordern würde, Italien habe durch Mussolini von Anfang an ge­geigt, daß es die Notwendigkeit dieses Konfliktes, der zweifellos Leben und Reichtümer zerstöre, nicht einsehe. Es bleibe daher ebenso entschlossen, für die Wiederherstellung des Friedens zu wirken, wie seine Rechte mit den Waffen zu verteidigen, wenn sie verletzt oder auch nur bedroht würden.

Vorführungssaal gelegt war, explodierte während einer Filmvorführung. Die Stichflamme schlug bis in die Höhe des ersten Stockwerkes. Starker Rauch und erstickender Schwefelgeruch erfüllten das ganze Haus. Die Zwischentür zum Hausflur wurde zer­schlagen. Gänge unö Flur sind mit Splittern über­sät. Die Täter konnten noch nicht festgestellt wer­den. Die getarnte Presse Uruguays bringt ihre Em­pörung üve-ö das feige Attentat zum Ausdruck. So sagt El Diario:Das feige Attentat muß schnell­stens geklärt werden, damit der Täter die verdiente Züchtigung erfährt."

Finnische Front verlängert die Westfront." Pariser Kriegsausweitungspläne.

Brüssel, 11. März. (DNB. Funkspruch.) Nach­dem vier Abgeordnete Interpellationen über die finnische Frage angemeldet haben, rechnet man mit der Möglichkeit einer neuen Geheimsitzung der französischen Kammer. Der geheime Cl)arakter der Sitzung wird damit begründet, daß Probleme militärischer und diplomatischer Natur besprochen werden müßten, die nicht für die Oeftent- lichkeit beftimmt seien. Die Jnte^ellationen spre­chen die Forderung aus, daß die Westmächte sofort eine Hilfe für Finnland beschließen müßten/ Der Jour" verttitt den Standpunkt, daß die West­mächte gar nicht auf einen Appell Finnlands war­ten sollten, um in den Krieg gegen Sowjetrußland einzugreifen. Die finnische Front sei eine Ver­längerung der W e st front. Die ganze Blockade der Westmächte würde nur einen Zweck haben, wenn sie die beiden wichtigste» Erzeugnisse für Deutschland, nämlich Eisen und Del, er­fasse. Das Eisen werde aber i n S chw eben und das Del in Rumänien erzeugt. Wenn die Eng­länder und Franzosen in Skandinavien intervenie­ren würden, dann würden sie dadurch Deutschland des Eisens berauben. In dasselbe Horn stößt das Ocuore", das erklärt, daß England und Frank- reich auch dann handeln müßten, wenn Schweden und Norwegen den Durchmarsch durch ihr Land verweigern und möglicherweise Deutschland zu Hilfe rufen würden. Es handele sich jetzt darum, sol­datische Entschließungen zu fassen und die Risiken der Aktion einzusehen. DieAction Fran- gaije" meint, daß feine Sekunde mehr zu ver­lieren sei, wenn die Alliierten verhindern wollten, daß Finnland, verraten und niedergeschlagen, die Früchte eines erhabenen Kamvfes verliere, denn dann werde die deutsch-russische Zusammenarbeit endgültig ihre Hand auf ganz Skandinavien legen, und Deutschland werde die skandinavischen Eisen- und Seestützpunkte im Atlantik zum Geschenk er­halten.Orb re" erinnert England und Frankreich daran, daß sie im Norden nicht nur eins, sondern drei Ziele vor sich hätten: die Unterstützung Finn­land, die Fernhaltung Deutschlands und Rußlands von den Eisenerzen und die Schließung der Fjorde Norwegens für die See- und Luftflotte des Reiches.

Auch Hoare Veiisha hetzt.

Deutschland zwingen, an mehr als einer Front zu kämpfen."

Amsterdam, 11. März. (DNB. Funkspruch.) Der ehemalige britische Kriegsminister, der Jude Hoare Belisha, setzt in denNews of the World" seine skrupellose Agitation, die Schaffung neuer Kriegsschauplätze, fort. Er propagiert wieder seine Lieblingsidee der Ausdehnung des Krieges auf Skandinavien und den Balkan. Um die Blockade vollständig zu machen, und die materiellen Hilfsquel­len der Nazis zu verringern, müsse Deutschland ge­zwungen werden, an mehr als einer Front zu kämpfen. Das Problem fei, ob es besser sei, die Abrechnung mit Rußland" jetzt vorzunehmen, ober den Tag der Abrechnung hinauszuschieben, bis Deutschland möglicherweise geschlagen sei. Es wäre ein Jammer, wenn man das Risiko eines offenen Krieges mit Rußland nicht auf sich nehmen wollte und somit die Alliierten daran gehindert würden, jeden nur möglichen Schritt zu tun, um ein Land zu bekämpfen, das ein erklärter und aktiver Freund des Feindes Englands sei, ein Land, das dieRechte der Nationen in flagranter Form gebrochen" habe. Falls die Westmächte nur eine Front gegen Deutschland hätten, so werde der Feind dadurch nicht gezwungen, seine Vorräte aufzubrauchen, er habe so­gar die Möglichkeit, noch weiter einzuführen. Wenn Rußland seine Ziele in Finnland erreichen könnte,

WISM Wolke überRenate.

Roman von fjorjlBicrnath.

5. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Im ferneren Verlauf dieses ereignisreichen Taaes hatten die Herren Allan in eine geschlossene Droschke gesteckt und waren mit ihm, während er ihre spitzen Knie wie Stacheln an seinen runden Zungenbeinen gespürt hatte, im schnellsten Trabe, den der Drosch- kenaaul bergab, vom östlichen Dsten zum westlichsten Westen Londons gefahren. Dort hatten sie ihn in ein Gebäude geführt, das feinen Vorstellungen von Königsschlössern entsprach. Ein grämlicher Diener nahm ihn in Empfang, steckte ihn zunächst in ein Bad und seifte ihn ab, als hätte er eine Desinfek­tion nötig, und ein Schneider maß ihm zwei An- züae an, Deren er sich jahrelang nur mit geheimem Schauder erinnern konnte, da sie aus gewendeten Kleidungsstücken feiner Dheime bestanden.

So lernte Parker Ernst des Lebens und Sparsam­keit kennen, durch die man es zu etwas bringt. Immerhin wurde seine Ansicht, man könne sich als wohlhabender Mann das Leben auch anders ein­richten als seine beiden Dnkel, nicht so völlia zer­stört, daß er auf ihre nach einigen Tagen der Läute­rung an ihn gerichtete Frage, was für ein Hand­werk er nun eigentlich ergreifen wolle, nicht doch geantwortet hätte:Rechtsanwalt!"

Nach mehrtägigen ernsten Beratungen war ihm als endgültiger Beschluß mitgeteilt worden, daß er Kaufmann zu werden hätte. Wahrscheinlich hegten die Dnkel Befürchtungen, für den Beruf eines Rechts- wahrers seien feine Erbanlagen nicht gediegen genug.

Im übrigen hatten die Herren Watson seinet­wegen Kummer genug auszustehen; vom ersten Augenblick an. Eine Köchin, die jahrelang für ihren Junggesellenhaushalt gesorgt hatte, kündigte bei Allans Eintritt in die Hausgemeinschaft und war durch nichts von ihrer Meinung abzubringen, daß Allan das bis dahin verheimlichte Ergebnis eines Fehltritts eines oder beider Herren fei, und daß in einem solchen Sündenpfuhl ihres Bleibens nicht länger fein könne.

entweder ganz oder teilweise, so könne es sich daraus konzentrieren, notwendige Güter weiter an Deutsch­land zu liefern. Große Erfolge bedingten auch große Risiken. Die Westmächte dürften an ihrer Fähigkeit nicht zweifeln, ob sie den Krieg durch aktiven Einsatz zu einem siegreichen bringen könnten.

Aufnahme

finnisch-russischer Besprechungen.

Stockholm, 9. März. (DNB.) Der finnische Außenminister Tanner erklärte, daß die finnische Regierung durch Mittelsmänner mit der Sow­jetregierung Kontakt ausgenommen habe und daß gegenwärtig Besprechungen im Gange seien. Tanner teilte der Presse mit, daß er sich aus begreiflichen Gründen zu dieser Angelegen-- heit nicht weiter äußern könne.Nya Dagligt Alle- handa" erklärt, daß ein ehrenvoller Friede in Finn­land und Schweden mit größter Befriedigung be­grüßt werden würdet

Kleine politische Nachrichten.

Der Führer hat den Generalleutnant Bock von Wülfingen für fünf Jahre zum ehrenamtlichen Mitglied des Volksgerichtshofes wiederernannt.

Der Führer hat dep Generalmajor der Landes­polizei a. D. Meißner in Dresden zum ehren­amtlichen Mitglied des Besonderen Senats des Volksgerichtshofes ernannt

Am Sonntag wurde die Wiener Früh­jahrsmesse durch Gauleiter Bürckel eröffnet Ministerialdirigent im Reichswirtschaftsministerium Dr. Schlotterer ging nach einigen Bemerkun­gen über die hochwertigen Wiener Spezialerzeug­nisse als Ausdruck der Geschmackskultur derStadt

Um sich der bloßen Möglichkeit solcher niederträch­tigen Verdächtigungen nicht weiter auszusetzen, gab man Allan in die Schule nach Glasgow, und später wurde er als Student der ökonomischen Wissen­schaften nach Deutschland geschickt Diese Entsendung ins Ausland erfolgte jedoch weniger aus erziehe­rischen Gründen als aus Sparsamkeit, denn im Deutschland der Inflation lebte ein junger Eng­länder, auch wenn er noch so knapp gehalten wurde, mit seiner starken Valuta so gut wie umsonst.

Zum Kaufmann bestimmt und als Sohn feines1 Vaters geboren, kam es mit Allan so, wie es kom­men mußte: Die Dnkel hatten viermal die Ehre und das Vergnügen, seine beträchtlichen Schulden aus allen möglichen verkrachten Unternehmungen zu be­zahlen ... Als letzte Aussicht, auf ganzen Sohlen durchs Leben zu wandeln, war ihm nun vor andert­halb Jahren die Stellung in ihrem eigenen Büro frei gemacht worden, und weil in feinen Adern nur die Hälfte väterlichen Blutes rollte, hatte er sie angenommen.

... Spike steckte seinen brennenden Kopf zur Tür herein und brachte die Post. Er schüttete die Briefe aus einer Ledermappe über Allan Parkers Schreib­tisch aus.Ader, daß Sie die Umschläge nicht wieder mit dem Finger auf schlitzen!" sagte er drohend.Mit dem verdammten Aufreißen haben Sie mir gestern drei Stücker hingemordet eine kanadische und zwei Südafrikaner! Und überhaupt ist der Stempel allemal hin. Und manche sind gerade aufnen tadellosen Stempel scharf!"

Spike selber sammelte keine Briefmarken; wep ihm das zutraute, den hätte er für verrückt erklärt. Er verkaufte sie an die Jungen aus der Nachbar­schaft ... Beim Drbnert der Briefe hielt er bei einem großen gelben Umschlag an:Auf den geben Sie besonders acht, Herr Parker das is 'n deutscher! Die Deutschen hauen immer ganze Romane in 'n Stempel! ... Na, was steht denn da schon wieder oben?Bisatsch das sch---sch." Verflucht: Was

ist das bloß fürne Sprache! Nu, lesen Sie mir doch mal vor, ja?"

Allan Parker nahm ihm den Brief aus der Hand. .Besucht das schöne Deutschland!^ So, und jetzt mach, daß du rauskommst! Und, was ich dir noch sagen wollte, mein rothaariger Adonis: Wenn icy noch ein einziges Mal in meinem Papierkorb Kau­

der deutschen Mode" auf das wirtschaftliche Ver­hältnis des Reiches zu den Südoststaaten näher ein.

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Unter der Schirmherrschaft des Reichswirtschafts - minifter Funk und dem Präsidium des Gauleiters und Reichskommissars Bürckel ist in Wien die Südost-Europa-Gesellfch-aft e. D. ge­gründet worden. Ihr Zweck ist die Pflege der wirt­schaftlichen und kulturellen Beziehunger. zwischen Deutschland und den südofteuropärsche n Staaten unter besonderer Berückstchttgung der Ostmark und der Stadt Wien.

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Die deutsche Jugend hört am heutigen Montag um 20.30 Uhr Reichsleiter Alfred Rosenberg, soweit laut Kriegsdienstplan der HI.-Dienst ange­setzt ist, in ihren Heimen und Unterkünften, sonst im Kreise der eigenen Familie.

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Das Präsidium des Dberften Sowjets hat dem Präsidenten des Rates der Volkskommissare, Molotow, an feinem 50. Geburtstage für seine außerordentlichen Verdienste um den Sowjetstaat den Leninorden verliehen. Stadt und Bezirk Perm erhalten den Namen Molotow. Ferner er­halten Stadt und Bezirk Nolinsk im Gebiet von Kirow den Namen M o 1 o t o w s k.

In einer gemeinsamen Entschließung fordern alle Parteien des japanischen Reichstages die entschloß sene Niederwerfung des Tschiangkaischek-Regimes und die Auftichtung der Neuordnung im Fernen Dsten als Ziel desHeiligen Krieges" gegen alle Widerstände. Der Ministerpräsident erklärte, die Regierung sei entschlossen, das Tschiangkaischek- Regime zu beseitigen und auf den vereinigten Drei Ländern Japan, Mandschukuo und l-hina Die Neu­ordnung Dftafiens aufzurichten. Japan werde die

gummt finde, dann zieh ich dir die Dhren so lartg, daß du die Enden überm Kopf zusammenbinden mußt! Hast bu verstanden?"

Jawohl, Herr Parker ... Aber nehmen Sie um Gottes willen das Briefmesser!"

Parker blieb allein. Den gelben Umschlag noch in der Hand, der auf der linken unteren Ecke in einem Wappenschild den gekrönten Kopf eines Adlers trug, blickte er flüchtig über die anderen Briefe hinweg und legte mit der freien Hand ein paar zur Seite, die ihm wichtig erschienen. Dann griff er, Spikes Warnung eingedenk, zum Brieföffner und schlitzte zunächst den gelben Umschlag auf.

Auf dem amtlichen Bogen stand als Briefkopf wieder der gekrönte Adler. Parker überflog die An­schrift und folgte dem deutschen Text mit einem Rotstift, um die bedeutsamen Stellen nötigenfalls anzustreichen.

Auf Ihre Anfrage teilen wir Ihnen mit, daß der praktische Arzt Dr. Artur Naumann am 16. Ja­nuar d. I. Hierselbst verstorben ist. Der Verstorbene hat eine Tochter hinterlassen, die ihm, wie wir den Einwohnerlisten entnehmen, bis vor drei Jahren den Haushalt geführt hat und dann zur Ausübung eines Berufes nach München verzogen ist. Sie wer­den ihre derzeitige Anschrift am besten durch eine Anfrage an das Einwohnermeldeamt der Stadt München erfahren. Die Tochter des verstorbenen Dr. Artur Naumann heißt Renats Naumann und wurde als einziges Kind aus der Ehe des Genannten mit feiner im Jahre 1931 verstorbenen Gattin Hen­riette Naumann, geborenen Beckherm, am 18. Juni 1914 geboren."

Parker zog mit dem Rotstift über den ganzen Rand des Schreibens eine dicke, wichtige Schlangen­linie. Auf einem kleinen Zettel vermerkte er:Renate Naumann, Erkundigung Einwohnermeldeamt Mün­chen!", und diesen Zettel heftete er mit den Stich­worten für das Diktat mit einer Büroklammer an den Brief.

DieSache Naumann" stand in ihren wesentlichen Zügen klar in seinem Gedächtnis. Mr. Robert Nau­mann, ein Klient seiner Dnkel, batte sein beträcht­liches Vermögen von mehr als achtzigtauseäd Pfund testamentarisch feinem in Deutschland lebenden Bru­der vermacht, bevor er sich zu einer Operation der Gallenblase unter das Messer eines Londoner Chir-

10 v. H der englischen Tankerflotte vernichtet.

.Berltn/10.März. (DRV.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Zwischen Mosel und Pfälzer Wald an verschiedenen Stellen lebhaftere Artillerie- und Spähtrupptätigkeit.

Seit Kriegsbeginn find durch deutsche Seestreli- kräfte insgesamt 46 feindliche und nach England fahrende neutrale Tankschiffe mit 331 543 Bet versenkt worden. Auf England entfallen davon 32 Tanker mit 230 125 Brt. Damit wurden 10 v. h. der englischen Tankerftotte vernichtet.

Die Luftwaffe klärte über Ostfrankreich aus. Am Rachmittag kam es an der deutsch-französischen Grenze zu einem Luftkampf zwischen sieben Messer­schmitt-Flugzeugen und zehn französischen Jägern vom Muster Moräne und Lurtiß. hierbei wurde ein Moräne-Flugzeug abgeschossen.

neue chinesische Regierung sofort anerkennen und mit allen Mitteln unterstützen.

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Der Sprecher des japanischen Außenamtes er­klärte, daß vorläufig keine weiteren Besprechungen mit dem amerikanischen Botschafter G r e w vorge­sehen seien. Japan habe seine Bemühungen, zu einer Verständigung zu kommen, erschöpft. Der nächste Schritt müsse nunmehr von Washington er­folgen.

Ein Freundscha ftsvertrag wurde zwischen Sa u d t- Arabien und dem brittfchen Protektorat K o - weit abgeschlossen. Die Verhandlungen wurden in London zwischen den englischen Stellen und dem arabischen Gesandten Hafis Wahba geführt.

In der nordirischen Stadt Londonderry wurde das Opernhaus durch ein Großfeuer vernich­tet. Wahrscheinlich ist das Feuer auf einen Anschlag der IRA. zurückzuführen. Das Opernhaus, welches feit Jahren als Kino Dient, ist mehrfach von Der IRA. gewarnt roorDen, weil es englische Wochen­schauen gezeigt hat.

Drei bewaffnete Männer verübten einen Hand­streich auf ein englisches Motor-Torpedoboot in Dublin. Sie warfen einen Mann Der Besatzung ins Wasser unD feuerten mehrere Schüsse ab.

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In London explodierte außerhalb des Gros- venor-House, des bekannten führenden Londoner Hotels, eine Bombe. Man nimmt an, daß sie von Anhängern der IRA. gelegt worden ist.

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An Bord des von Neapel nach Neuyork in See gegangenen MotorschiffesRex" befindet sich eine Ladung von 7 7 7 4 Kilogramm Gold, Die von Den Regierungen Der Schweiz unD Holland zur Bezahlung amerikanischer Warenlieferungen nach USA. gesandt werden.

Das Marinedepartement Der USA. hat Die Kiel­legung von zwei weiteren Panzerkreuzern zu 10 000 Tonnen angeorDnet. Der Bau erforDert 25 Millionen Dollar. Insgesamt haben Die Ver­einigten Staaten jetzt 130 Kriegs- unD Hilfsschiffe im Bau.

Aus aller Wett.

Schweizerisches Militärflugzeug abgestürzt.

Ein Militärflugzeug, Das auf Dem gewohnten Landungsplatz auf Der Allmend landen sollte, ist infolge eines plötzlich eingetretenen Schneesturms unD Geschwindigkeitsverlust aus geringer Höhe auf Dem Exerzierplatz Der motorisieren Artillerie-Re- kruten-Schule in Thun ab gestürzt, wo Die Mann­schaften am Geschütz übten. Durch Den Absturz sind vier Mann getötet unD zwei verletzt wor­den, davon einer schwer.

Byrd entdeckt Felseninseln in der Antarktts.

Die ExpeDition Byrds hat an Der Küste von Alexanderland, 800 Meilen südlich von Kap Horn, sechs kleine, von Schnee bedeckte Felseninseln ent­deckt, als das Schiff mühsam Durch das Packeis oorftiefj, um Die Marguerita-Bucht zu erreichen. llnterDes ist Das VerpflegungsschiffNorthstar" aus Valparaiso zurückgekehrt.

urgen begab. Die Operation selber war geglückt, aber eine Embolie hatte wenige Tage später sein Leben beendet.

Soweit Parker Darüber unterrichtet war, hatte Mr. Robert Naumann sich schon in Den neunziger Jahren naturalisieren lassen unD fein Vermögen um Die JahrhunDertwenDe bei Den wilDen BoDenspeku- lationen in SüDafrika erworben.

In einem kurzen Absatz vor Dem eigentlichen Testament standen ein paar dunkle Andeutungen, denen man entnehmen konnte, daß Der Verstorbene offenbar nicht ganz freiwillig in feiner JugenD sich EnglanD als neue Heimat gewählt unD Daß er trotz Der langen Jahre, Die nun Dazwischenlagen, Die Trennung nie ganz überrounDen unD Das alte Vater- lanD nicht vergessen hatte... Wußte Gott, was Das für Geschichten waren! Allan Parker war nicht neu­gierig, Den Staub von fünfzig Jahren aufzurühren. Mochten Die Brüder Naumann, jetzt beide im Jen­seits, sich über diese alten Geheimnisse aussprechen! Wichtig und Tatsache war nur eines: Daß über eine ahnungslose junge Dame in Deutschland in wenigen Wochen ein wunderbarer Goldregen herniederströ­men würde. Achtzigtausend Pfund auf deutsche Währung umgerechnet eine runde Million ...

Der erregende Klang dieses Wortes blieb in feinem Ohr hängen, während der Berg der erledigten Briefe anwuchs. Er war nicht untätig, und fein Arbeitstempo war nicht langsamer als an anderen Tagen, aber zwischen den raschen Stichworten für seine Antwortschreiben und dem Rascheln der Pa­piere stieß ihn immer wieder Der Finger eines Un­sichtbaren an: Eine Million...

Eigentlich eine tolle Vorstellung: Da saß nun also ein Mädel, Tochter eines Arztes ja, war konnte sie schon sein? Laborantin vielleicht in irgenDeinem Chemischen Institut, Sekretärin eines JnDustriellen ober Musiklehrerin wußte Der Himmel, was es alles für Frauenberufe gab! Saß Da jetienfaHs hinter irgenDeiner Arbeit unD träumte vielleicht öeraDe in Dieser StunDe einen Wunsch, Der nie in oer End­rechnung Des Monats aufging von einem kleinen Zweisitzerkabrio ober von Den bunten ©erbe- Plakaten eines Reisebüros unD ahnte nichts Da­von, daß Die golDene Wolke schon über ihr schwebte.

(Fortsetzung folgt)