Programm zu Gehör, das u. a. viele bekannte Schlager aus der Welt des Films und der Rundfunk- mufif enthielt, deren schmissige und fein abgewogene Wiedergabe die mit Begeisterung lauschenden Hörer zu gewaltigen Beifallsstürmen veranlaßte. Das freudige Echo nach allen Darbietungen war auch durchaus berechtigt, denn man konnte sich an dem Rhythmus, dem packenden Schwung oder auch an der spritzigen und melodiösen Art alles Gebotenen erfreuen. Ob man wollte oder nicht: diese Musik nahm ganz in Anspruch, sie weckte ungetrübte Freude und ließ am Schluffe nur ein Bedauern zurück, daß nämlich die Musiker am Ende, ihrer Bortragsfolge angekommen waren und schließlich alle Zugaben auch einmal ein Ende sinden!
Neben den Musikern machte sich der Gesangskomiker Erwin B o o tz vom Kabarett der Komiker in Berlin durch seine prächtigen Darbietungen um den schönen Abend sehr verdient. Der Künstler verstand es schon mit seiner ersten Darbietung, die Hörer in eine von kösllicher Heiterkeit beschwingte Stimmung zu versetzen. Und je mehr er von seinen originellen Einfällen zum Besten gab und dabei in sympathischer Art alle Register seines Humors zog, desto stärker zündeten die Funken feines Witzes in den Herzen der Hörer. Seine Schnurren von den Erlebnissen des „Schüchternen", des „Kümmerers", aber vor allem seine Schilderung des „Magazin" und seine „Aktuelle Zeitungsschau" waren Perlen aus dem Reiche des geistvollen Humors, die man sich gern gefallen ließ imb mit besonders freudigem Sinn quittierte. So war es denn verständlich, daß auch dieser Künsller starke Beifallsstürme als Zeichen der dankbaren Gesinnung Der Hörer für seine frohen Gaben entgegennnehmen konnte.
Nach Mei freudevollen Stunden, die eine willkommene Entspannung vom Alltagswerk brachten, verließen die Hörer mit herzlichem Dank für die gute Betreuung durch die NSG. ,Kraft durch Freude" die gasttiche Stätte. Blumschein.
Das Goldene Treudienst-Ehrenzeichen.
In Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste hat der Führer das Treudienst-Ehrenzeichen erster Stufe für vierzigjährige treue Dienstleistung dem Stadtarchivar Professor Ferdinand Dreher in Friedberg, dem Revierförster Ernst Karl H e l - ler in Schotten und dem Badewärter und Masseur Ernst Ruckelshauß in Gießen verliehen.
Kaninchen- und Wildfelle sammeln und abliefern.
Wie der Reichskommiffar für Altmaterialoerwertung nntteitt, mußte in der letzten Zeit häufiger beobachtet werden, daß Felle von Kaninchen aus Hausschlachtungen nicht über den Spezialhandel oder den Altstoffhandel der Weiterverwertung zugeleitet wurden, sondern in den Mülleimer wanderten oder verbrannt wurden. Damit gehen wichtige Rohstoffe für die Pelzherstellung, für die Filz- und Gelatineindustrie usw. verloren. Es wird daraus aufmerksam gemacht, daß der Spezial- und der Altstoffhandel diese Felle gern gegen Bezahlung übernimmt, soweit sie pfleglich behandelt werden, d. h. gewendet und dann aufgespannt oder mindestens ausgestopst wurden. Für die WUddecken (Hasen, Wildkaninchen, Füchse Rot-, Reh- und Damwild, Sauen und Dachse) sei auf eine entsprechende Anordung des Reichsjägermeisters vom 29. November 1940 verwiesen, die die Ablieferung der Decken zur Pflicht macht und die Vernichtung unter Strafe stellt.
Gießener Dochenmarktpreise.
Nachstehende Preise sind Händlerpreise und verstehen sich für A-2Bare. Für B-Ware oder abfallende Ware sowie für Selbsterzeuger liegen die Preise niedriger.
♦ Gießen, 10. Dez. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, ausländische Eier 11 bis 12, Kartoffeln, % kg 4,1, S kg 41, Wirsing, Vi kg 7, Weißkraut 6, Rotkraut 7, gelbe Rüben 5 bis 8, rote Rüben 7, Unterkohlrabi 5, Grünkohl 7, Rosenkohl 15 bis 30, Zwiebeln 12, Meerrettich 30, Schwarzwurzeln 15, Feldsalat f/io) 8, Aepfel, % kg 15 bis 35, Birnen 20 bis 35, Lauch 17, Sellerie 14, Rettich 14, BlumenHtzhl, das Stück 20 bis 50, Endivien 8 bis 10, Oberrohlrabi 8 bis 10 Rpf.
4t
"Ehrungdurchdie NSKOD. Der Reichs- kriegsopferführ^r, SA.-Gruppenführer O b e r l i n d - ober, hat der Kriegsmutter Frau Wilhelmine Kramer in Gießen, Altersheim des Evangelischen Schwesternhauses in der Johannesstraße, anläßlich
Zer MchtUng auf Korsika
Roman von fjefnj üocmMambrccht
14.Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
In der Nacht vom 14. auf 15. April wird also ein spanisches Schiff da unten im Hafen liegen. Von dieser einzigen Nacht wird die Freiheit für sie abhängen.
Sie sollen noch eine große Enttäuschung erleben. Am 14. April, einem milden, klarsichtigen Frühlingstag, stehen sie mit Ausnahme der Essenszeiten oben auf der Bastion und halten nach dem Spanier Ausschau. Aber kein Schiff svanischer Natio- nalität zeigt sich. Es läuft an oieiem Tage überhaupt kein Schiff in den Hafen. Die Stubenkame- raden, die heute erst in den Plan eingewecht wurden, grinsen. Es ist für die beiden Enttäuschten ein teuflisches Grinsen. Vielleicht aber kommt das Schiff am folgenden Tag? Solterbeck weiß, daß manchmal gerade diese kleinen Küstenfahrzeuge, die fast an jedem Hafen anlaufen, gezwungen werden, ihren Fahrplan zu ändern. Man muß die Hoffnung aufrichten, das ist ja die erste Lebensnotwendigkeit jedes Gefangenen.
Aber auch am nächsten Tag erscheint das Schiff nicht, auch nicht am nächsten, und nicht am vierten und fünften Tag.
Da setzt sich Solterbeck hin und schreibt zwischen die Zeilen seines nächsten Briefes folgendes: Seid Ihr wahnsinnig geworden? Treibt Ihr Schindluder mit uns wie die Franzosen? Die bringen es immer wieder fertig, uns Märchen aufzubinden von einem bevorstehenden Austausch, damit wir von einer Hoffnung in die nächste Enttäuschung purzeln sollen. Könnt Ihr Euch gar nicht ein bißchen in uns versetzen? Nichts ist für uns widerwärtiger, als wie wenn man uns eine offene Tür zeigt, die man uns dann plötzlich vor der Nase zuschlägt und ver- riegelt ...
Seine Enttäuschung tobt sich in grimmiger Wut aus. Viktor aber sagt wieder einmal: „Hattest du die Sache ohne mich unternommen, so wäre das Schiff ganz bestimmt angekommen."
„2>u bist auch schon wahnsinnig", knirscht Söller-
der Vollendung ihres 80. Lebensjahre« ein Glückwunschschreiben übersandt und ihr außerdem eine Ehrengabe überreichen lassen. Frau Kramers einziger Sohn war im Weltkrieg 1914/18 auf dem Felde der Ehre gefallen.
** Auszeichnung beim Bahnhof Gießen. Der stellv. Leiter des Bahnhofs Gießen, Reichsbahn-Oberinspektor Karl Luh, wurde mit dem Kriegsverdienstkreuz II. Klasse ausgezeichnet.
** Das Fest der goldenen Hochzeit können am heutigen Dienstag, 10. Dezember, der Kraftfahrer i. R. Heinrich Launspach und Frau Lui-fe Marie, geb. Gehringer, Frankfurter Straße Nr. 30 wohnhaft, im Atter von 75 bzw. 73 Jahren begehen. Das Jubelpaar kann auf eine Nachkvm- menschaft vvn sechs Söhnen und sechs Enkelkindern blicken. Von den sechs Söhnen nahmen zwei bereits am Kriege 1914/18 teil, während im jetzigen Kriege fünf Söhne in der Wehrmacht stehen. Dem Jubelpaar gilt auch unser herzlicher Glückwunsch zu feinem heutigen Ehrentage.
*♦ Deine Weihnachtsaabe soll rechtzeitig zum Fest eintreffen! Liefere daher Weihnachtspakete, Feldpostpäckchen und die übrige Weihnachtspost für die Soldaten unverzüglich, spätestens bis zum 15.Dezember bei der Post ein. Vermerk auf den Sendungen: „Erst Weihnachten öffnen", wenn sie nicht vor dem Fest geöffnet werden sollen.
** Zur Aufführung des „Vogelhändlers". Im Programmheft zur Neuinszenierung, des „Vogelhändlers" ist, wie um mitgeteilt wird, die Chorleitung versehentlich niD genannt worden. Es kann nachträglich festgestellt werden, daß die mit frischem Einsatz sauber und klangschön singenden Chöre von Nadine Galla einstudiert und geführt wurden.
** ilmor am Tannenzweig." Das wäre ein trauriger Kerl, der zu Weihnachten nicht etwas Besonderes für die Soldaten übrig hätte! So dachte auch der .Kamerad Humor", der schon in vier Wellen bei den Truppen eingesetzt war und nun zum fünftenmal auf der Bildfläche erscheint. Der Kontakts der sich längst zwischen den Soldaten und dem Landesfremdenverkehrsverband Rhein-Main als dem. Herausgeber des „Kamerad Humor" entwickelt hat, äußert sich immer deutlicher darin, daß auch Beiträge aus dem großen Leserkreis in dem Faltblatt erscheinen. So setzte sich nach allen Richtungen der Windrose ..Kamerad Humor" vor den Feiertagen wieder in Marsch, um zur rechten Zett bei seinen Freunden einzutreffen.
Aus der engeren Heimat.
Oer letzte Marburger Jäger-Kommandeur gestorben.
Teutonia" Watzenborn-Steinberg w.-Sleinberg I — vfv.-R. Gießen I 3:2 (3:0). Einen harten und bis zur Schlußminute spannenden Kampf lieferten sich am Sonntag im Meisterschaftsspiel beide Mannschaften auf dem Sportplatz an der Neumühle. Schiedsrichter Kale t sch (Wetzlar) hatte kein leichtes Amt, galt es doch für die Gießener, nach chren Siegen über die beiden Tabellenersten Wetzlar und Naunheim auch den Tabellendritten, die „Teutonen", zu schlagen; und für die Platzmannschaft hieß es, die Niederlage vom Sonntag vorher in Wetzlar wieder auszugleichen. Die Mannschaften traten in folgender Aufstellung an:
VfB. - R.: Benner; Schlitz, Fleischhauer; Leut- Häuser, Godglück, Kraft; Ehmann, Kramer, Heß, Steinmann, Hofmann.
Teutonia: Fritsche; Schmandt, Fett; D.Singer, Hedrich, Stumpf; Brückel, Hell, Schmitt, Häuser, Harnisch.
Gießen hatte Platzwahl und wählle mit dem Wind im Rücken. Die Einheimischen lagen sofort rm Angriff. Hell hiell den Ball etwas zu lang, unb es liefen die wetteren Stürmer abseits. Dann folgten zehn Minuten verteittes Spiel; beide Hintermannschaften sah man auf dem Posten. Der Sturm der Platzbesitzer war bei seinen Vorstößen stets etwas gefährlicher als derjenige der Gießener, bei denen der Halbrechte Kramer zu viel in der eigei^n Läuferreihe zu sehen war und dadurch vorne fehlte. In der 18. Minute entwischte Schmitt seinem Bewacher, und einen von links zugespietten Ball lenkte er zum ersten Treffer ein. Der nun etwas aktiver werdende Sturm der Gäste konnte jedoch zählbare Erfolge nicht buchen. Lediglich zwei Eckbälle waren die Ausbeute, die jedoch der gute Torhüter Fritsche zunichte machte. Im Gegenangriff wurde Harnisch gut eingesetzt, der mit dem Ball am Fuß noch den letzten Verteidiger umging und wohlüberlegt zum zweiten Treffer einschoß. Weiterhin war es Harnisch, der stets gefährlich für die gegnerische Hintermannschaft war. Kurz vor dem Halbzeitpfiff war Schmitt nochmals erfolgreich; einen von rechts kommenden Ball nahm er vor der Strafraumgrenze auf, und unheimlich scharf schoß er stach in die äußerste Ecke ein.
Nach dem Seitenwechsel spielte die Platzmannschaft noch schneller uno zielstrebiger als vorher. Diele Torgelegenheiten wurden herausgespielt, doch keiner verwertet. Schmitt traf nur den Pfosten, der Halblinke Häuser verschoß zweimal aus kurzer Entfernung, und Heil schoß freistehend kurz vor dem Tore dem Torhüter in die Arme. Nach gut zehn
Minuten war es bei den Einheimischen jedoch wtt abgeschnitten. Die Gäste kamen mehr und mehr auf, und ihr Sturm wurde immer gefährlicher. Leider nahm das Spiel auch an Härte zu, doch dem auf« merksamen Schiri entging nichts. Dann tarnen bi< Gäste überraschend zu ihrem ersten Gegentreffer. Ein weiter Schuß aus dem Hinterhalt kam vor das Tor der Watzenborn-Steinberger, Fritsche und Fett behinderten sich gegenseitig in der Abwehr, Eh« mann sprang dazwischen, und aus kurzer Entfernung setzte er den Bald zwischen die Pfosten. Die- [er Erfolg gab der Mannschaft der DfB.-Reichsbah« ner neuen Ansporn. 20 Minuten vor Schuß mußte Schmitt infolge eines Zusammenpralls für den Rest der Spielzeit ausscheiden. Don diesem Momeirt ab verlor der einheimische Sturm merklich an Gefährlichkeit. Die Gäste kamen mehr Und mehr auf, und tatsächlich konnte Kramer, der nun hinten nichi mehr auszuhelfen brauchte, fünf Minuten vor Spielende auf 3:2 verkürzen. Zum Ausgleich reichte es jedoch nicht mehr.
Aleln-Linden 3gb. — Garbenteich 3gb. 2:6 (1:1), Da der Schiedsrichter ausblieb, einigte man sich auf einen Klein-Linoener Akttven als Schiedsrich. ter. Das Spiel begann mit schnellen Angriffen bei Gäste, die aber alle an der guten Abwehr von Klein-Linden zerschellten. Ein Durchbruch von Klein. Linden wurde vom Linksaußen zum ersten Tor verwandelt. Kurze Zett später glich Garbenteich au& In der zweiten Halbzett leitete ein Schiedsrichter aus Garbenteich das Spiel. Mtt drei Abseitstore» und zwei weiteren Toren sicherte sich Garbenteich einen hohen Sieg, dem Klein-Linden nur noch ei« Tor gegenuberstellen konnte.
Oer Handballsonntag.
Diesmal war nur wenig los auf den Handball' fettem. Von den vorgesehenen vier Spielen kam nur < eine Begegnung zustande, der Rest wurde abgesagt
Gespielt haben Lützellinden und Kirch-Göns mit einem Ergebnis von 7:6 (2:5). Wenn es den Platzbesitzern gelang, sich für die Niederlage aus benn Vorspiel zu entschädigen, so nicht zuletzt deswegen, weil die Mannschaft diesmal spielte und ihrer ganzen Ehrgeiz darin sah, das Auftreten der letzten Zeit auszuwischen. So ist es verständlich, daß ein spannendes Spiel zustandekam, das jederzeitig atv- ständig war.
Dugenbfpiele.
Tv. Lang-Göns — Tv. Hochelheim 4:10 (5:3) Tv. Lich — Tv. Gießen-Wieseck 7:0 (2:0) To. Hausen — Tv. W.-Steinberg 10:2 (5:1).
LPD. Marburg, 9. Dez. Im Alter von 73 Jahren starb auf dem Gut Oberhof Oberstleutnant a. D. Eduard Freiherr Schenk zu Schweinsberg. Er war ein alter Marburger Jäger, denn er gehörte von 1896 bis zum Eicke des Weltkrieges dem Offtzierkorps des Jäger- b ataillons Nr. 11 an und war dessen letzter Kommandeur.
Don einem Auto totgefahren.
• Wetzlar, 9. Dez. Auf der Landstraße Albs- hausen—Steindorf wurde am Samstag gegen Abend der 70 Jahre alte Invalide Georg Mignon aus Wetzlar von einem Kraftwagen überfahren und fo schwer verletzt, daß der Tod auf her Stelle eintrat. Der Kraftfahrer fuhr mit feinem Wagen weiter, ohne sich um den Verunglückten zu kümmern. Die polizeilichen Ermittlungen find im Gange.
tanbtreif Gießen.
s Lang-Göns, 10. Dez. Zu den 14 Einwohnern, die das 8 0. Lebensjahr überschritten haben, trift nun Johann Georg Jäger, Amthausstraße. Er kann am 12. Dezember feinen 8 0. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische feiern. Dem alten Herrn wünschen wir alles Gute für feinen Lebensabend!
Kreis Wetzlar.
* Fellingshausen, 10. Dez. Dem Obergefreiten Hugo Wagner von hier wurde für Tapferkeit vor dem Feinde im Westen das Eiserne Kreuz 2.Klasse verliehen.
deck erb oft. „Du ewig pechbeträufettes Schicksalshuhn."
Viktor lächett wild und bitter zugleich. Er denkt an die große Materialschlacht, die im Westen entbrannt ist, und er denkt an Thea. Alles ist wieder in weite und unsichere Ferne gerückt, alles wieder unerreichbar. Nach dem Krieg wird er wohl wieder nach Amerika gehen müssen.
Nock ehe Solterbecks geharnischter Brief in Hamburg sein kann, trifft von dort die verspätete Nachricht ein — der Brief blieb irgendwo hängen —, daß der „Pellargos" nicht kommen könne, er sei bet einer Fahrt nach England auf eine Mine aufgelaufen und gesunken. Dagegen würde ein ärmeres Schiff kommen. Genaue Angaben würden folgen, sowie man Mitteilung von dem Vertreter in Barcelona habe.
Die Hoffnung ist wieder aufgerichtet.
Um diese Zett taucht das Gerücht auf, Vertreter der deutschen und französischen Regierung seien in Genf zusammengetreten, um ernsthaft über ein Abkommen zu beraten, nach dem diejenigen gefangenen Offiziere und Mannschaften, die am längsten in Gefangenschaft seien, Zug um Zug ausgetauscht und in der Schweiz interniert werden sollten.
Die Gefangenen Bastias spotten darüber. Natürlich wieder eine Latrine, um sie mürbe zu machen! Ernsthaft zu beraten! Da muß man ja wirklich ernsthaft lachen. Die Botschaft hört man wohl, allein es fehlt der Glaube. Und dennoch — dennoch hoffen sie insgeheim.
Trotz ihrer ersten Enttäuschung verlassen sich Viktor und Solterbeck immer noch' lieber auf ihren spanischen Dampfer. Endlich, nach weiteren zwei Monaten, erhält Solterbeck von feiner Schwester die Nachricht, daß der Dampfer „Guardian" auf seiner Fahrt von Marseille nach Tunis in Bastia anlaufe, wo er in der Nacht vom 26. auf 27. Juni im Hasen liege. Kapitän fei Fernando Arana. Posten wie bestimmt vor dem Crynos-Hotel. Sie fügt dieses Mal noch hinzu: Der Bruder solle mtt feinem Karne- raden auf der Rückfahrt in Genua aussteigen, wo sie durch Maria und Andreas Ansaldi Unterstützung fänden. Beide würden auf geheimem Wege unterrichtet.
Wieder stehen Solterbeck und Viktor auf der Bastion und spähen nach dem Spanier aus. Der 26. Juni paßt chnen nicht ganz. Es ist eine kurze
Oie preisauszeichnungspflicht
Die neue Verordnung über die Preisauszeichnungspflicht bringt eine Zusammenfassung aller bisherigen Bestimmungen. Während bisher nur einzelne Gegenstände auszeichnungspflichtig waren, werden jetzt ganze Warenkreise erfaßt, besonders alle Warengruppen, die zur menschlichen Ernährung, für Genußzwecke, für die Bekleidung und die Wohnung (Möbel und Haushaltungsgegenstände) dienen. Dazu kommen Blumen, Papierwaren für den Schul- bebarf, Schreibpapier, Waren, die der Körperpflege oder die der Land- und Gartenbearbeitung dienen. Bei Spinnstoffen bestand bisher nur eine Auszeichnungspflicht für das Schaufenster, sie wird jetzt auf alle Waren ausgedehnt. Die Preisauszeichnung mutz durch gut lesbare Preisschilder erfolgen, soweit die Waren sichtbar ausgestellt werden. Bei den übrigen zum alsbaldigen Verkauf bereitachattenen Waren müssen die Waren ober ihre Umhüllungen beschriftet ober mit Preisschildern verbunden werden oder es müssen Preisverzeichnisse an leicht sichtbarer Stelle angebracht ober aufgelegt werden. Fleischer, Bäcker unb Konditoren haben Preisverzeichnisse im Schaufenster unb im Verkaufsraum anzubringen. Die Pflicht zur Aushängung von Preisverzeichnissen wirb auch für Friseure, Schuhmacher, Wäschereien und Plättereien sowie chemische Reinigungsanstalten vorgeschrieben. Gaststätten und Speisewirtschaften haben Preisverzeichnisse für Speisen unb Getränke ausreichend auf den Tischen auszulegen. Speisewirtschaften müssen auch neben der Eingangstür ein Preisverzeichnis mit den Gedecken und Gerichten anbringen. Je ein Preisverzeichnis der Gaststätten und Speisewirtschaften vom 1. unb 15. jeden Mo-
und helle Nacht. Aber wenn alles so klappt, wie sie es erwarten, so können sie den Weg von der Zitadelle zum Hafen in einer halben Stunde zurücklegen.
Schweigend lehnen sie nebeneinander an der Mauer und sehen über das Meer hin. Unten liegt weiß die Place St. Nicolas unter der Sonne. An der Ecke der Schmalsette erhebt sich das Crynos- Hotel in modernisierter Renaissance. Dort soll der Mann von der „Guardian" sie erwarten. Im neuen Hafen liegen zwei französische und ein italienischer Frachttampfer, kleine Schiffe, dahinter zwei Torpedoboote und einige Fischkutter.
Nach Norden sehen sie, vom Nordkap her muß der Dampfer kommen. Sie erscheinen nach außen sehr ruhig, sie sind auch tatsächlich ruhiger als beim erstenmal — ruhiger, weil sie skeptischer sind. Bis zum Mittagessen bleiben sie auf der Bastion, dann gehen sie ins Kasino. Sie schweigen, als sie neben« etnanber den kurzen Weg in den Hof hinabgehen.
An ihrem Tisch fliegen wieder die ersten zarten Witzworte auf. Der große Erlöser noch immer nicht ba? NatürWch sind die Stubenkameraben erneut eingeweiht. Viktor und Solterbeck sitzen mit geduckten Köpfen und finster. Pedbinghusen, der Stubenälteste, kommandiert: Rand halten!
Nach dem Essen sind sie wieder am Auslug. Die Bastion, auf der grell die heiße Sonne liegt, ist leer.
Solterbeck ist es, der sofort den buntlen Punkt mtt dem Rauchschleier dahinter erspäht.
„Er kommt!!"
Auch Viktor sichtet jetzt den verschwommenen Punkt, der ihr Schiff fein kann. „Meinst du ...?" setzt er ungläubig zu einer Frage an.
„Abwarten ... nur abwarten ..." murmelt Solterbeck erregt „In einer halben Stunde wissen wir es."
Langsam, schneckengleich langsam zieht der Dampfer näher. Aber er kommt doch näher. Er kommt vom Norden und hält unverkennbar Kurs auf Ba- ftia. Es ist ein Frachtdampfer. Er hat eine weiße, ziemlich hohe Brücke, und er hat Kranenmasten, er hat gewiß auch eine Flagge. Aber die können sie nicht sehen, denn das Schiff hält genau senkrecht auf sie zu, und die Flagge ist ja am Heck.
Endlich schlägt es den Bogen nach der Hafeneinfahrt hin. Wieviel Zett ist vergangen? Die bei
nats muß drei Jahre aufbewahrt werden. Fremdenbeherbergungsbetriebe müssen am Eingang ober bei der Anmeldung ein Verzeichnis der vorhandenen Zimmer anbringen, auf dem für jedes Zimmer die Preise angegeben sind. Auch im Zimmer selbst muß ein Preisaushang vorhanden fein. Aehnliches gib für die Vermietung von Garagen. Die Verordnung tritt am 1. Januar in Kraft.
Jod wieder ohne Rezept.
Die zu Beginn des Krieges ergangene AnwessimL wonach Jvd, Jod Verbindungen unb deren Zubereitungen nur auf jedesmalige ärztliche Verschreibung bezogen werden konnten, ist durch Polizeiverordnung des Reichsinnenministers mit Wirkung vom 7. Dezember wieder aufgehoben worden
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstagnach- mittags geschlossen.
Das Zahneputzen am Abend vor dem SKlasengehen Ist noch wichtiger als am Morgen!
CHLOR 0 D 0 NT
den haben Ort und Zeit fast vergessen, sie sind behext von dem Dampfer. -
„Gelbrote Streifen!" stößt Viktor heiser hervon, „Der Spanier ...! Mensch, der Spanier ...!“ murmelt Solterbeck.
„Die .Guardian'", sagt Viktor leise.
Ja, sie sehen schon die großen Buchstaben am Bug, ohne sie indes auf die große Entfernung hi» entziffern zu können. Aber sie können sie zahle». Und der Anzahl nach kann es Guardian heiße», muß es Guardian heißenj Muß!
Solterbeck unb Viktor sehen sich an unb atme» tief auf. In chren Augen liegt etwas, was bei denn Gefangenen nur in dem Augenblick wahrnehmbet wird, zu dem man ihm verkündet, daß er frei ift
Sn ihrer Versunkenheit haben sie es mcht bemerkt, daß inzwischen einige Kameraden auf bij Bastion gekommen sind, die gleich ihnen beobadtf ten, wie das Schiff in den Hafen einläuft uÄ neben den drei andern Frachtdampfern als äußerstes vor Anker geht.
Peddinghusen trttt zu chnen: „Gratuliere!" fagt er schmunzelnd.
Solterbeck strahlt zuftieden: „Tja, Pedding, b»a werden wir ja wohl morgen das gesegnete Gestade verlassen."
„Nichts berufen, Solterbeck", sagt Peddinghuse». „Am Ende kommen wir sonst doch noch eher nach Deutschland als ihr."
„Quand meme!“ sagt Solterbeck.
Der Tag geht wetter in üblicher Weise. Für ©iß» tor und Solterbeck aber ist es auf einmal ein gom anderer Tag. Es ist ein anderer' Himmel ubt-r ihnen, und die Mauern um sie haben ihre grauem Schrecken verloren, der Stacheldraht ist gefaöem Der Spanier ist da, er hat Wort gehalten, jetzt liegt es nur noch an chnen.
Beim Abendessen läuft noch einmal die letzri Parole um den Tisch, am dem Solterbeck und Gis nant mit ihren Stubenkameraden sitzen. Letzten haben eine kleine Ausgabe zugeteilt bekommen: sollen sich, wenn nachher der Appell zu Ende ist!, als lebendiger Wall, als Deckung gegen Sicht oitf die beiden schieben, um jede Möglichkeit auszuschall' ten, daß man das Hineinhuschen der beiden Flüchtlinge ins Kasino bemerkt.
(Fortsetzung folgt.)


