Ausgabe 
10.12.1940
 
Einzelbild herunterladen

Itr.202 Zweites Bläh

Dienstag, 10. Dezember 1940

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

Aus der Stadt Gießen.

Oie Schere.

Ein Mann, der recht 311 wirken denkt, muß aus das beste Werkzeug halten!" heißt es in Goethes .Faust". Eine tüchtige Hausfrau weiß aus eigener Erfahrung, wie wahr dieses Wort ist. Die ganze Wirtschaft läuft nochmal so gut am Schnürchen wenn alle die vielen Geräte, die zu werktäglicher Handreichung benötigt werden, in gutem Zustande - und überhaupt vorhanden find. Denken wir einmal an die Schere!

Bevor dieses vielseitig verwendbare Gerät, das ein rechter Kulturschaffer geworden ist, erfunden wurde, haben sich unsere Altvorderen sehr viel um­ständlicher behelfen müssen. Nämlich mit dem ein­fachen Messer! Die Schere ist aber ein gegenein- ander wirkendes Doppelmesser; und was diese Er­findung wert ist, weiß jeder Handwerker und jede Hausfrau. Die früheren Menschengeschlechter stutz, ten sich die Haare mit dem Messer, wobei zu be­merken bleibt, daß es ein Steinmesser war, ehe <8 Bronzemesser und später Eisenmesser gab. Die lehr schönen Gewandungen unserer ältesten Bor- fahren wurden mit Messern zugeschnitten, was hohe Kunst, Achtsamkeit, Geduld und Zeit erforderte.

Die ältere germanische Schere ist eine Bügel- fchere. An einem federnden Bügel sitzen zwei mes­serartige Klingen, die man mit den Schneiden an- einander vorbeidrückt, so daß sie den Gegenstand Lbknappen, scheren. Die Schafschere und die Gras- fchere sind heute noch zumeist Bügelscheren; wer sie nicht kennt, kann sie bei jedem Bauern und Gärtner finden. Sie hielt sich auch für andere Der- mertungszwecke im deutschen Mittelalter bis ins 15. Jahrhundert und darüber hinaus. Wer Meister Jost AmmansStändebuch" aufmerksam betrachtet, findet die federnde Bügelschere in den Darstellun­gen der Werkstätten des Kürschners, Bürstenbinders und Tuchscherers abgebildet. Die älteste solche Schere entstammt dem frühen Eisenzeitalter, an­nähernd um's Jahr 300 v. u. ZrchNg.

Eine römische Erfindung nachweisbar erst für die Römische Kaiserzeit ums Jahr 100 sind Scharnierscheren, Gelenkscheren. Fingerösen waren wohl meist daran; manche haben auch nur ein­fache Haltstiele wie eine Zange. Eine solche fand sich in der Saalburg; sie wird als Nagelschere ge­deutet. Dort fand man aber auch eine Bügelschere, so daß sich ganz zwanglos verständlich er­gibt, daß im römischen Besatzungsgebiet Geräte germanischer und romanischer Kultur aufeinander trafen. Immerhin herrschte die germanische Bügel- fchere bis ins späte Mittelalter vor, nur allmählich Wich sie der Gelenkschere, die heute noch dominiert.

Heute wissen wir, was früher oft nicht erkannt war oder nicht beachtet wurde, daß die germanische Haar- uni) Barttracht durchaus gepflegt war, ja daß die Bärte je nach den Zeiten, aber auch nach den einzelnen Volksstämmen verschieden gestutzt waren. Vor der Erfindung der Schere mußte man ßch mit Messern und sehr künstlichen Haarzangen! behelfen; wir finden solche als Grabbeigaben häu- fig genug; später war die Schere Grabgabe für den Reiseweg ins Jenseits, und zwar findet sie sich nicht nur in Männergräbern, woraus zu schließen ist, daß im Altertum Deutschlands da es damals Laum gewerbliche Bartsckerer gegeben hat sich die Männer die Bärte selbst beschnitten. Da aber die Frau Mutter oder Gattin den Haar» schnitt (allerdings nicht Kurzschnitt, der Knechts- Zeichen war!) besorgte, erklärt sich auch der Sche­renfund im Frauengrabe schon aus dieser haus­fraulichen Tätigkeit. Und als Spinnerin, Weberin, Kleiderschneiderin hatte die Frau ebenfalls außer- ordentlich vielseitige Verwendung für dieses Ar­beitsgerät, so daß die Mitgabe ins jenseitige Leben häufig erfolgte. Zumal die Merowingerzeit be­wahrte Scheren als ständig wiederkehrende Grab­beigabe auf.

Ein scherenartiges Doppelmesser für zweifellos medizinisch-chirurgische Zwecke konnte in der frühen Eisenzeit festgestellt'werden; in der römischen Antike ist dieses, vermutlich durch die Berührung mit den Germanen vermittelte Instrument in Italien bo­denständig geworden. Scheren für ärztliche, kosmeti­sche Zwecke, Taschenscheren für vielfache Verwen­dung, Lampenscheren, Papierscheren, Gartenscheren, Blech- und Drahtscheren sie alle sind Helfer in der menschlichen Wirtschaftskultur, sowohl für den gewerblichen Fachmann als auch für die vielseitige Hausfrau, sie sind zugleich Zeugnisse eines jahrtau- isendalten, voranstrebenden Kulturwillens unseres Germanentums. W. L.

Zwei Tage herrscht Kasperl.

Millionen Kaiperlefiguren für die kommende Reichsstraßensammlung.

Reizvolle Figuren mit beweglichen Gliedern.

Manche Volksgenossen haben sich die Mühe' ge­macht, alle Abzeichen zu den Straßensammlungen der Winterhilfswerke zu sammeln. Wenn man eine solche Sammlung anschaut, ist man überrascht, welche Vielfalt an sinnvollen und schönen Abzeichen in dielen Jahren ausgedacht und mit viel Liebe und Kunstfertigkeit hergestellt worden ist.

Es ist zu einer schönen Sitte geworden, für die Abzeichen zur Reichsstraßensammlung des Weih­nachtsmonats besonders reizende Motive zu wählen, die irgendwie der Gefühls- und Stim­mungswelt dieser Zeit angepaßt sind. In diesem Monat wird kein Geringerer als Kasperl, die bekannte und beliebteste Figur des deutschen Volks- Humors, millionenfach aufmarschieren und von der HI. am 14. und 15. Dezember ins Treffen geführt.

Wie in den Vorjahren, werden auch diesmal die Holzabzeichen in denjenigen Landschaften angefer­tigt, die als Werstätte des Weihnachtsmannes von jeher bekannt sind: im Böhmerwald und im Erzgebirge haben Tausende fleißige Hände die Kasperlfamilie aus dem Holz der tiefen Wälder ae- zaubert. Schon in den Sommermonaten hat dieser Arbeitseinsatz begonnen und vielen Volksgenossen Arbeit und Brot gebracht.

Um Kasperl, den Anführer und Beherrscher, grup­pieren sich in bunter Folge König, Schutzmann, Koch, Mohr, Page, Räuber, Ritter, Waldschratt, Prinzessin, Buschliesel, Hausfrau, Zofe, Hexe, Kro­kodil ja, liebe Leser, nun bleibt es ganz eurer Phantasie überlassen, diese Figuren zumischen", gegeneinander auszuspielen und in einerHand­lung" auftreten zu lassen. Aber diesmal bei der Reichsstraßensammlung ist jedenfalls das Spiel" klar: sie alle werden unter Kasperls Kom­mando einen Sfurm auf unsere Herzen unter­nehmen.

Wie sind diese 15 Holzabzeichen entstanden? Da standen vor Wochen noch draußen in den Wäldern bie Buchen, Ahorn- und Fichtenstämme, und jetzt sind daraus viele Millionen kleiner bunter Figuren geworden, farbenfroh bemalt, zum ersten Male m i t beweglichen Gliedern ausgestattet. Mit bunten Schnürchen versehen, stehen sie in Reih und

und Glied bereit, ihren Marsch für das Kriegs- WHW. anzutreten. Viele Arbellsgänge aber liegen dazwischen: da mußten erst aus den Stämmen Bretter, Leisten und dann keine Holzklötzchen ge­schnitten werden. Dann setzte die Klein- und Fein- arbeit ein. An der Drehbank arbeiteten flinke Hände die einzelnen Figuren heraus, da wurden Arme gestanzt, es wurde gelocht und geleimt; das alles will gelernt sein. Man sah es den Herstellern an, daß sie mit Lust und Liebe bei der Sache waren. Eine Arbeitsgruppe einer Holzschnitzerei in Wallern stellte allein eine Million Abzeichen her.

Ausschließlich Handarbeit ist dann die Bemalung, die von Frauen und Kindern vorgenommen wurde. Es war ein entzückendes Bild, diese Heimarbeits­gruppen in den anheimelnden Waldlerhäusern zu­zusehen. Den Kindern machte es besonderen Spaß, den vertrauten Gestalten des Kasperltheaters durch die Farbe Seele und Leben einzuhauchen.

In wenigen Tagen wird sich das Heer der Kas- perlfiguren in alle Straßen und Gassen in Stadt und Land ergießen. AVer seine WHW.-Abzeichen- Sammlung weiter bereichern will, tut gut daran, sich bald die ganze Serie zu kapern, denn HI., BDM. und Jungvolk fanden in jedem Jahr reißen­den Absatz.Hamsterer" finden hier ausnahmsweise Gehör.

Wenn Kasperl den Vorhang aufzieht, wollen wir nicht vergessen, daß auch hier der Gebefreudig­keit keine Schranken gesetzt sind; so wird es auch niemand schwerfallen, diese hübschen Abzeichen rich­tig au bewerten: auch sie sind wieder Symbole unserer Opfergemeinschaft, die sich in den Kriegsmonaten immer mehr gesteigert hat. Wir schicken sie alle, den frohgemuten Kasperl, den furchtlosen Ritter, die Hexe und den Räuber ins Gefecht: sie werden W. C. etwas vorspielen, was ihm gar nicht in sein dunkles, falsches Spiel paßt.. Und wer nicht so viele Abzeichen am Rock oder Mantel baumeln lassen will, der sei daran erinnert, daß auch den W e i h n a ch t s b a u m die bunten Holzfiguren beleben und auch in jedem F e ld- po st Päckchen große Freude auslösen. A. Sch.

lenderjahres 1939 ober früher ergeben haben. Ein am 2. Januar 1939 erfolgter Grundstücksverkauf hat also die Fortschreibung des Einheitswertes auf den 1 Januar 1940 ebenso zur Folge, wie ein Ge­bäudeabbrand am 30. Dezember 1939.

Der Fortschreibungsbescheid erfolgt auf Antrag, erforderlichenfalls auch von Amts wegen. Der An­trag kann nur bis zum Ablauf des Kalenderjahres gestellt werden, auf dessen Beginn die Fortschrei- bung begehrt wird. Anträge auf Fortschreibung des Einheitswertes auf den 1. Januar 1940 müssen also bis spätestens 31. Dezember 1940 dem zuständigen Finanzamt vorliegen. Die Fortschreibung des Ein­heitswertes wegen Wertminderung auf Den 1. Ja­nuar 1940 hat zur Folge, daß sich ab 1. April 1941 bk Grundsteuer und der Reichsnährstands-Beitrag entsprechend ermäßigen.

Bornoftien.

Tageskalender für Dienstag.

Stadttheater: 19 bis 21.45 UhrDer Tanz ins Glück". Volkstümlicher Vortrag der Universität: 20.30 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut Vor­trag Professor Dr. Vollrath überHouston Ste­wart Chamberlain als Künder deutschen Wesens". Gloria-Palast, Seltersweg:Friedrich Schiller". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Herz modern möbliert". Oberhessischer Kunstverein: 17.30 bis 18.30 Uhr Weihnachtsausstellung im Foyer des Stadttheaters.

Sladlthealer Gießen.

Am heutigen Dienstag wird die erfolgreiche Wiener OperetteDer Tanz ins Glück" von Robert Stolz wiederholt. Musikalische Leitung: Arthur Apelt. Spielleitung: Harry Grüneke. Tanzleitung. Irmgard Trömel. Bühnenbild: Karl Löffler. 13. Dienstag-Miete.

Einmaliges Berliner Ensemble-Gastspiel Im Sladllhealer.

Der Intendanz des Gießener Stadttheaters ist es gelungen, bie Berliner Bühnen- und Filmschauspie­lerin Geraldine Katt, die aus vielen Filmen als Darstellerin ernst-drolliger Jungmädchenrollen be­kannt ist, für ein einmaliges Gastspiel am Donners­tag, 12. Dezember, zu gewinnen. Sie spielt mit einem Ensemble namhafter Berliner Künstler bie dreiaktige italienische KomödieScampolo" von Da­rio Niccodemi, die zum unvergänglichen Repertoire des heiteren Welttheaters gehört.

Reufeststellung de

Wichtiger Termin für di

Am 31. Dezember 1940 läuft eine wichtige Frist für die Land- und Forstwirte ab, die wegen Wert­minderung ihren Einheitswert auf den 1. Januar 1940 neu festgestellt ober fvrtge schrieb en haben möchten. Der Antrag auf Wertfortschreibung am 1. Januar 1940 muß nämlich bis spätestens zum 31. Dezember 1940 beim zuständigen Finanzamt gestellt fein. Erfolgt bie Antragstellung später, so kann erst auf ben 1. Januar 1941 fortgeschrieben werden. Die verspätete Antragstellung hat zur Folge, daß höhere Stenern und Abgaben solcher Art noch ein weiteres Jahr gezahlt werden müs- sen, bie auf der Grundlage bes Einheitswerts er­hoben werden. In erster Linie sind dies die Grund­steuer und der Reichsnährstands-Beitrag.

Wann kann fortgeschrieben werden? Die allge­meine Feststellung der Einheitswerte erfolgt-in sechs­jährigen ober noch längeren Zeiträumen. Obwohl die letzte Einheitswertfeststellung auf den 1. Januar 1935 stattgefunden hat, steht der Termin für die nächste allgemeine Feststellung zur Zeit noch nicht fest. Innerhalb des sechsjährigen oder längeren Hauptfeststellungszeittaumes kann jedoch der Cin- heitswert neu festgestellt oder fortgeschrieben wer­den, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Eine Neufeststellung ober Wertfortschreibung fin­det statt, wenn Aenderungen im Wert, in der Art ober in ber Zurechnung des Vermögens eingetreten finb. Bei Wertänberungen erfolgt die Wertfort- schreibung nur, wenn der Einheitswert des land- unb forstwirtschaftlchen Betriebs sich entweder um mehr als ein Zwanzigstel, mindestens aber um 100 RM., oder um mehr als 100 000 RM. geändert hat.

Wertminderungen können u. a. eintreten durch G r u nd stü cksverkäufe, durch Berluft von Gebäuden infolge Brandschadens, durch Insekten-, Brand-, Schneebruch- ober Frostschäden in Wald- und Obst-

; Einheitswertes.

e Land- und Forstwirte.

baumbeständen. Aenderungen in ber Art bes Ver­mögens liegen z. B. vor, wenn das Wohnhaus eines Landwirtes Zwecken der Vermietung zuge­führt wird ober landwirtschaftlich ober forstwirt­schaftlich genutztes Land bebaut werden soll, ober umgekehrt Bauland dauernd der land- ober forst­wirtschaftlichen Nutzung zu geführt wird. Auch aus solchen Gründen falsch festgestellte Einheitswerte können im Fortschreibungswege berichtigt werden. Unrichtige Einheitswertfeststellungen sind 1935 be­sonders dadurch erfolgt, daß zu einem landwirt­schaftlichen Betrieb gehörige land- ober forstwirt­schaftlich genutzte Grundstücks fläch en nicht als Er- tragsland, sondern als Bauland mit einem oft sehr hohen Einheitswerte bewertet worden finb. Nach­dem inzwischen in einem Urteil des Reichsfinanz­hofes festgestellt worden ist, daß nur solche land­wirtschaftlich genutzten Grundstücksflächen mit dem Baulandwert bewertet werden dürfen, von denen mit Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann, daß sie in spätestens sechs Jahren der Bebauung zugeführt werden, wird sich in ben meisten ber Fälle, in denen 1935 mit bem Baulandwert bewer­tetes Land heute noch landwirtschaftlich genutzt wird, die Notwendigkeit der Wertberechtigung er­geben. In solchen Fällen hätte nämlich ber Bau- fanbroert nur noch Berechtigung, wenn bestimmte Anhaltspunkte dafür vorliegen, daß das Grundstück in Kürze wirklich Baulandzwecken dienen wird. Aenderungen in der Zurechnung des Vermögens liegen vor, wenn ein Betrieb oder Teilgrundstücke den Besitzer gewechselt haben, ober wenn ein be­stimmtes Grundstück im Einheitswertbescheid einem Landwirt zugerechnet worden ist, dem es gar nicht gehört.

Fortschreibungszeitpunkt ist stets der 1. Januar. Auf ben 1. Januar 1940 fortgeschrieben werden können alle Aenderungen, bie sich im Lause des Ka-

Ortszeit für ben 11. Dezember.

Sonnenaufgang 9.27 Uhr, Sonnenuntergang 17.10 Uhr. Monduntergang 5.21 Uhr, Mondaufgang 15.43 Uhr.

Ein froher UnterhaltungSabend durch KdF.

Der große Saal des Gloria-Palastes war am gestrigen Montagabend wieder einmal bis zum letz­ten Platze ausverkauft. Der Magnet, ber so viele Menschen erwartungsfroh angezogen hatte, mar Will Glatze mit seinem Orchester, bie von der NS.-Gemeinschaft ,Kraft durch Freude" zu einem Meister-Abend froher Unterhaltung gewonnen waren. Dazu kam noch Erwin B 0 o tz vom Ka­barett ber Komiker in Berlin.

Der Abend stand unter dem MottoIn Musik gesetzte stohe Laune". Für die vollkommene Ver­wirklichung dieser Zusage sorgten Will Glatze und seine Künstler in vorttestlicher Weise. Es war eint Freude, diesem wunderbaren Klangkörper von aus­gesprochen eigener Prägung zuhören zu können. Glatze selbst, ein Akkordeonspieler von großem For­mat, erwies sich als ein Musiker, der bem Orchester ben Stempel seiner reifen Kunst aufdrückte. Ihm würdig zur Seite standen seine Kameraden, die als Orchester mit Horst Getzrz (1. Violine), Felix Heller (2. Violine), Eduard Lorkowsky (Tenor- Saxophon und Vivlin-Cello), Walter Thiedke (Trompete und Violine), Walter Wilke (Klavier), Arthur K r üg e r (Gitarre), Josef Wick (Schlag­zeug) und Josef D o l e s ch a l (Baß) eine ausge­zeichnete musikalische Gemeinschaft bilden. Die Künst­ler brachten ein außerordentlich abwechslungsreiches

..auch ihm

hilft Nivea die Häuf wirksam zu schütten. Mit Z Nivea gepflegte [i Haut bleibt glatt M und geschmeidig. '

Winckelmannsfeier

des Archäologischen Instituts.

Die Direktion bes Archäologischen Institutes ber Ludpügs-Universität hatte zur W i n ck e l rn a n n s - r e i e r im Kunstwissenschaftlichen Hörsaal einge- aben. Professor Dr. Rauch als Dekan hieß zu Beginn im Namen der Philosophischen Fakultät bie Gäste, vornehmlich die Vertreter von Partei und Wehrmacht, willkommen. Hiernach hielt Prof. Dr. W. Zschietzschmann den von schönen Lichtbildern begleiteten Festvortrag über das ThemaAlexander der Große und die griechische Kunst". Der Redner erinnerte zu Beginn daran, daß sich an unserer Universität die Tradition herausgebildet habe, am 9. Dezember Mnckelmanns als bes Begründers der Archäologie W gedenken; seit er die Ehre habe, die archäolo­gische Disziplin in Gießen zu vertreten, seit fünf fahren also, haben bestimmte Themen im Mittel- Zunkt der Vorträge gestanden, die in wesentlichen Anien einen Ueberblirf über die griechische Kunst leben wollen.

So auch heute, wo es gelte, Alexander den @ro« Sen in seinen Beziehungen zur griechischen Kunst u begreifen. Der Redner kennzeichnete den König ls eine jedes menschliche Maß überragende Er- cheinunq, herabgestiegen zu den Menschen gleich­em aus ber Sphäre ber Götter, als Feldherrn, lIs Staatsmann und Führer gegen den persischen Erbfeind, als ben Einiger von Hellas und Vollen­der bes Griechentums schlechthin. Mit dieser Voll­endung war zugleich eine neue Epoche des Gne- Hentumes angebrochen.

Die Einwirkungen Alexanders nun auf bie rem griechische Kunst unb bie Künstler zu seinen Leb- 'Citeg würben in großen Umrissen an einer steche 3on besonbers kennzeichnenden Werken aus diesem Imfreife entwickelt. Ein Goldmedaillon-Bildnis es Königs stand am Anfang. Für Alexanders un­mittelbare Einwirkung auf die Baukunst ferner Zeit Mietet das PhMppeion im heiligen Berelche von

Olympia ein charakteristisches Beispiel; dieser jonisch geordnete Rundbau ist nach Professor Zschietzsch- manns Ansicht kein Schatzhaus, wie andere ver­mutet haben, sondern eine die Gold-Elfenbein- Statuen der königlichen Familie beherbergende Kultstätte des mit Alexander selbst begründeten hel­lenistischen Königskultes.

Die Kunst erreicht im Zeitalter Alexanders, so wurde bes weiteren bargelegt, eine neue, vielleicht letzte Blütezeit vor bem Hellenismus. Die Erneue­rung der Inhalte wie der Formen ist Alexanders großartiger Persönlichkeit zu verdanken. Ein ande­res Beispiel für solche Wandlung und Neuordnung bietet die Behandlung des Löwen-Motivs. (Löwen- kampf-Fries am Alexander-Sarkophag.)

Die Betrachtung des berühmten Apoll von Bel­vedere wurde eingeleitet mit einer Probe aus Winckelmanns klastischer Beschreibung dieses Wer­kes. Der Vortragende zeigte danach an einer Folge von anderen Skulpturen (so des wundervollen ju­gendlichen Apollon als Eidechsentöters, des Hermes von Praxiteles, des Jägers Meleagar), wie sich Auffassung und Sttl der griechischen Plastik vom Kindlichen bis zum Heroischen, vom Idyllischen bis zum Pathetischen gewandelt haben: an diesen Wand­lungen erweist sich das Besondere des Apoll von Belvedere, ber eine einmalige Leistung der Kunst bes 4. Jahrhunderts barstellt; hier zeigt sich, daß mit Alexander eine religiöse Erneuerung, eine Re- formatton bes apollinischen Glaubens stattgefunden hat; auch hierin prägt sich die durch Alexander her- aufgeführte Erfüllung des Griechentums aus. Die Nachwirkung des Königs ist ferner im Werke des Lysipp, des Vollenders ber griechischen Plastik, sehr erkennbar; vor allem in der Gewinnung eines neuen Raumgefühls. Ein Porträt des Königs aus der Alexande'rschlacht beschloß die Bilderreihe und ließ bie feinsinnigen Betrachtungen Professor Zschietzschmanns ausklingen.

Professor Rauch schloß bie Feier mit Dantes» worten an ben Vortragenden, dessen Ausführungen für die Arbeit ber Geisteswisi-mschaften an der in­neren Front b*»s d-ritschen Volkes Zeugnis ableoten, und mit dem Gruß an ben Führer. hth.

Herz modern möbliert/

Zwei Eisen im Feuer haben ist gut, drei ist noch besser, denkt das hübsche, aber oberfläch­liche und durchtriebene Lärvchen, bas in ber Re­vue bas Pausenschild kokett vorübertragen darf, aber in schönem Selbstvertrauen sich schon auf ben ersten Sprossen ber stellen Leiter zu höchstem Künstlerruhm wähnt. Damit ist es nun freilich nichts, ein flottes Mundwerk reicht selbst beim Varietö nicht aus, so entsagt es der großen Kar­riere und nimmt von ben brei Eisen das beschei­denste, aber behaglich wärmende, für eine gut bür- aerliche Ehe gerade passend. Das zweite hatte die Heine Diva auf der Bühne lassen müssen, und das dritte war inzwischen kalt geworden. Es ist nicht schwer zu erraten, daß dies Spiel mit ben drei Eisen die Ursache einer heillosen Verwirrung unb damit bas durchaus geeignete Thema für ein Film- Lustspiel ist, bas Theo Lingen zur Abwechslung einmal in dem auf der Leinwand noch nicht oft ge­sehenen Berufsmilieu einer Innenarchitektin ange- siedelt hat. Sie ist die eigentliche ,Heldin" dieses Films, ein sehr resolutes kleines Fräulein, das über ben Beruf fast vergessen hat, daß sie auck eine Frau ist und sogar eine recht charmante und begehrenswerte. Hilde K r a h l ist dies so gar nicht kokette Mädchen, aber da Gustav Fröhlich es übernommen hat, die Frau in ihr zu wecken, brau­chen wir über den Ausgang nicht besorgt zu sein. Durch ein kleines, aber folgenschweres Mißverständ­nis möbliert sie zwar die falsche Wohnung, was sich zwar 3um Schluß auch noch als recht segens­reich Herausstellen soll, findet dabei aber das rechte Herz und den Mann, der sie glücklich macht. Daß auch der kleine verhinderte Variet^star den rechten Partner findet, haben wir schon an gebeutet. Es sind Gustt Huber, ein munterer Quirl, und Theo Lingen, diesmal einmal nicht grotesk, sondern ein rührend bescheidenes Männchen von entwafi- nender Gutmüttgkeit. Sehr hübsch macht Paul Henckels den väterlich fürsorglichen Geschäfts- i sichrer der kleinen Archttekttn. Die Regie Theo L i n-

g e n s hatte dem lustig unbeschwerten Spiel Ton und Tempo gegeben. (Majestic-Film ber Tobis.)

*

In ber neuen Wochenschau sieht man u. a. Film­aufnahmen von ben vernichtenden Wirkungen ber deutschen Luftangriffe auf London. Die Bilder sind über Amerika zu uns gelangt und geben einen un­vergeßlichen Eindruck von den Zerstörungen, bie die deutschen Bomben in der britischen Hauptstadt an- gerichtet haben. Man kann sich nach diesen dokumen­tarischen Zeugnissen eine Vorstellung davon machen, wie es heute, eine Reihe von Wochen fpäter, in Lon­don und den anderen unter den Schlägen der deut­schen 93ergeUungsangriffe liegenden britischen Groß­städten aussehen mag. Fr. W. Lange.

Oie munteren Affen.

Noch keine drei Tage war Herr Brown in einem Bostoner Hotel abgestiegen, als ihm der Direktor des Unternehmens dringend nahelegte, sein Haus zu verlassen. Denn in Begleitung des Forschers, ber eben erst aus Südamerika zurückgekommen war, befanden sich auch ein paar Affen, die immer wie­der ausbrachen und die ausgefallensten Streiche vollführten. Das Tollste war ein Vorfall, ber zur Erheiterung der Einwohner nicht wenig beitrug. Eines frühens Morgens hatten die Tiere nämlich dem Schuhputzraum einen Besuch abgestattet, pack­ten dort die Schuhe und Stiefel und warfen einen nach dem anderen aus dem 12. Stockwerk zum Fen­ster hinaus. Unten sammelte sich schnell eine Men­schenmenge an unb bestaunte bas ungewöhnliche Schauspiel. Bis die Hotelangestellten etwas davon merkten und dagegen einschreiten konnten, hatten die Affen bereits über 200 Paar Schuhe auf die Straße regnen lassen. Das Pflaster war buchstäblich besät mit Schuhwerk aller Art und Größe. Der Forscher mußte natürlich für den Schaden aufkom­men und sich bann schleunigst auf die Socken machen.