Ausgabe 
10.10.1940
 
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dcu altbewährte Erdal

Viele bereuen es, Schuhcreme ohne Vorbedacht auf Vorrat gekauft zu haben. Es hätte gar nicht so geeiltl Auch jetzt nicht! Dadurch,daß Erdal SSBnunmehrauchinNachfüllpackungeo AWzu haben ist, braucht man es nicht zo Wenn die Erdal-Blech* BPy'dose leer ist, setzt man einfach die

Nachfüllpackung ein, hat

Schweinemarkl in Schotten.

* Schotten, 9. Oktober. Auf dem Heutigen Schweinemarkt waren rund 100 Ferkel auf­getrieben. Die Preise bewegten sich in normalen Grenzen. Umsätze fanden nur in geringem Ausmaß statt, so daß erheblicher Ueberstand verblieb.

E n Eeneneindrecher gefaßt.

LPD. Wetzlar, 9. Okt. In den letzten Wochen wurde hier eine Reihe von Einbrüchen verübt, bei denen der Einbrecher Ladengeschäfte, Kaffee- Häuser, Gaststätten, Kassenstellen öffentlicher Be­triebe uifin. heimge-sucht hatte. Das Interesse des unerwünschten nächtlichen Besuchers richtete sich stets auf Bargeld, das ihm bei seinen Raubzügen auch in ansehnlichem Umfange in die Hände fiel. Nunmehr gelang es der Polizei, als Einbrecher am laufenden Bande den 20 Jahre alten Werner Bernhardt aus Wetzlar fe st zunehmen, der

Kührerinnentagung des!lniergauesil6

Am Sonntag fand für alle Führerinnen des Un­tergaues 116 die diesjährige Wintertagung statt, an der 360 Führerinnen teilnahmen. Rach einer kurzen Morgenfeier sprach die Untergauführerin Käthe Tüpelmann die einleitenden Worte. Dann hielt die Untergauführerin Inge Dietrich em Referat über:Die Veränderungen der Landkarte Europas seit 1933, insbesondere des Süd-Ost-Raumes." Dar­auf sprach die Leiterin der Hauptabteilung I im Obergau Hessen - Nassau (13), Untorgauführerin Hanna Fuhrbach-Ohl über:Die Durchführung der Jugenddienstpflicht." Alle Mädel und Jungen im Alter von 10 bis einschließlich 18 Jahren wer­den lt. Reichsgesetz zum Dienst in der Hitler-Jugend erfaßt. Damit ist jedoch das Freiwilligkeitsprinzip nicht gebrochen, denn alle Jungen und Mädel, die bisher schon in der HI. waren, werden zum wei­teren freiwilligen Dienst in der Stamm-Hitler- Jugend zusammengefaßt, alle anderen kommen in die allgemeine HI. Mit dem Gesetz des Führers ist der Führerinnenschaft wieder eine größere Aufgabe und Verantwortung gegeben.

Mit dem Besuch der Morgenfeier des Stadt­theaters, in der Bauernschwänke von Hans Sachs zur Aufführung kamen, wurde der erste Teil der Führerinnentagung beschlossen. Dieser Besuch soll den Mädeln Anregung geben, selbst in ihren Ein­heiten Laienspiele durchzuführen.

Das LiedKameraden hebt die Fahnen" leitete den Nachmittag ein. Danach fanden die Sonder­tagungen statt, in denen die Untergaureferentinnen (Sportwartinnen, Sozial- und Pressewartinnen) den Führerinnen ihres Gebietes nähere Anweisungen und Richtlinien für die kommende Winterarbeit gaben. Gegen 17 Uhr wurde die Tagung mit dem Lied der Jugend beschlossen, um den auswärtigen Führerinnen Gelegenheit zu geben, noch den Film: Achtung! Feind hört mit" zu besuchen.

So wie diesmal die Führerinnen in großem Rahmen geschult wurden, werden in den kommen­den Monaten die Ringschulungen in 13 verschie­denen Standorten dazu dienen, das Erlebte noch zu vertiefen und zu erweitern.

Gietzen-Klem-Linden.

Seit sechs Jahren wird an der hiesigen Volks­schule planmäßig Schwimmunterricht erteilt und die Leistung in Schwimmzeugnissen niedergelegt. In welch starkem Maße die Jugend von der Erlernung des Schwimmens Gebrauch macht, beweist der Um­stand, daß während der letzten sechs Sommer 81 Kreisschwimmerzeugnisse an Schüler und Schülerin­nen ausgestellt wurden. Ein Freischwimmerzeugnis erhält, wer nach vorgeschriebenem Sprung vom 1-Meter-Brett sich 15 Minuten schwimmend im tiefen Wasser aufhalten kann. Während der beiden letzten Sommer wurden auch 11 Fahrtenschwimmer­zeugnisse an Schüler und.Schülerinnen ausgegeben. In den Besitz dieses Zeugnisses gelangen Kinder, die nach dem vorgeschriebenen Sprung vom 3-Meter° Brett 45 Minuten schwimmend in tiefem Wasser verweilen. Von den an Ostern 1941 aus der hiesi­gen Volksschule zu entlassenden 14 Knaben sind 10 im Besitz des Freischwimmerzeugnifses, 2 im Be­

sitz des Fahrtenschwimmerzeugnisses. Von den zur Entlassung kommenden 21 Mädchen besitzen 5 das Freischwimmerzeugnis und 1 das Fahrtenschwim­merzeugnis.

Gießener Dochenmarktpreije.

* Gießen, 10. Okt. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, ausländische Eier 12, Kartoffeln, kg 4, 5 kg 40, Wirsing, Vz kg 7, Weißkraut 5, Rotkraut 8, gelbe Rüben 7, rote Rüben 8, Spinat 16, Römischkohl 10, Bohnen (grün) 20, Unterkohlrabi 7, Rosenkohl 35, Tomaten 16, Zwiebeln 12, Meerrettich 35, Schwarzwurzeln 35, Kürbis 7, Feldsalat C/io) 10, Aepfel, kg 15 bis 28, Birnen 15 bis 25, Zwetschen 13 bis 14, Blumenkohl, das Stück 10 bis 40, Salat 8 bis 10, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 5 bis 30, Rettich 5 bis 20, Ra­dieschen, das Bund 10 Rpf.

seine Straftaten bereits ein gestand en hat. Der junge Mann hatte zur Ausführung feiner Einbrüche sich sogar einen sog. Universalschlüssel^ selbst angefertigt

Ein vorjähriger im Odenwaid.

LPD. Fränkisch-Crumbach, 9. Okt Hier feierte am 9. Oktober Schneidermeister Jakob Zör - g i e b e I, im Ort als derSeeschneider" bekannt, seinen 10 2. Geburtstag. Der Altersjubilar ist geistig noch außerordentlich rüstig und weiß aus seinem langen Leben viel Interessantes zu erzählen. Mit großer Spannung verfolgt er die Geschehnisse unserer großen Zeit und hofft noch den Sieg über die Engländer erleben zu dürfen.

Hundert Jahre alt.

LPD. Darmstadt, 8. Okt. Am 12. Oktober kann in einem Darmstädter Altersheim der Rektor i. R. Heinrich Busse seinen 100. Geburtstag be­gehen. Rektor Busse ist geborener Westfale und war lange Jahre als Hauslehrer und im Prioatschuldienst tätig. Der Hundertjährige hat die Kriege 1864, 1866 und 1870/71 mitgemacht und war in der Schlacht bei Königgrätz verwundet worden.

** Bann und Untergau 116. Am Sonn­tag, 13. Oktober, findet in Gießen eine Jugendfilm­stunde statt, an der sämtliche Einheiten der Hitler- Jugend, Jungvolk, BDM., BDM.-Werk und Jung­mädel von Gießen, Heuchelheim, Klein-Linden und Wieseck teilnehmen. Die Einheiten treten um 10.15 Uhr in der Schaifzenstraße an. Die dafür ver­antwortlichen Führer holen die Karten bei der Verwaltungsstelle ab.

** Kriegsauszeichnung. Der Gefreite Heinrich Belz aus Gießen, Roonftraße, der als Maschinengewehrschütze im Felde steht und sich zur Zeit hier auf Urlaub aufhält, wurde für Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

** Polizei gegen Verkehrssünder. Die Polizei schritt in Der Zeit vom 29. September bis 3. Oktober im Bereich der Polizeidirektion Gie­ßen, einschließlich des Polizeiamtes Bad-Nauheim- Friedberg, gegen Kraftfahrzeugführer mit 3 An­zeigen, 4 gebührenpflichtigen und 7 gebührenfreien Verwarnungen, gegen sonstige Fahrzeugführer mit 1 Anzeige, 8 gebührenpflichtigen und 6 gebühren­freien Verwarnungen, gegen Radfahrer mit 3 An­zeigen, 19 gebührenpflichtigen und 9 gebührenfreien Verwarnungen, gegen Fußgänger mit 7 gebühren­pflichtigen und 15 gebührenfreien Verwarnungen ein.

** Seinen schweren Verletzungen er­legen. Das zwei Jahre alte Söhnchen einer hie­sigen Familie, das wie wir gestern berichteten den Dienstrevolver seines Vater vom Tische genom­men hatte und durch ein verhängnisvolles Mißge­schick einen schweren Bauchschuß erlitt, ist leider heute früh in der Chirurgischen Klinik an der schwe­ren Verletzung gestorben.

** Verkehrsunfall. Am gestrigen Mittwoch gegen 20 Uhr fuhr auf der Reichsautobahn bei Garbenteich ein Personenauto aus Gießen auf ein wegen Reifenwechsels haltendes Lastauto aus Gie­ßen auf. Bei dem Zusammenprall wurde das Per­sonenauto am Kühler beschädigt und eine Insassin des Kraftwagens leicht verletzt. Im übrigen entstand kein weiterer Personen- oder Sachschaden.

Aus der engeren Heimat.

Landkreis Gießen.

* Heuchelheim, 8. Okt. Am Sonntag fand eine Inspektion der Fr eiwilligen- und der Pflicylseuerwehr Heuchelheim statt. Um 14 Uhr war die Wehr unter dem Kommando von Oberzugführer Schmidt auf dem Sportplatz ange­treten. Zur Besichtigung der Wehr trafen Kreisfeuer­wehrführer Bouffier und sein Stellvertreter Schelm (Lollar) ein. Haupttruppmann Sack führte zuerst mit seiner Mannschaft die Hand-, Saug- und Druck- spritze vor. Sodann folgte eine Uebung an der im vorigen Jahre neu angeschafften Motorspritze. Diese Vorführung, die unter dem Kommando von Trupp- führer Kröck stand, war eine Neuerung, da alle Bewegungen nach Signal ausgesiihrt wurden. An­schließend wurde unter dem Kommando von Ober­truppführer Sack Zugexerzieren in mustergülti­ger Weise gezeigt. Nach den Vorführungen auf dem Sportplatz führte die Wehr einen groß angelegten Brandangriff durch. Die Bezirksmotorspritze Lollar wurde bei dieser Uebung zur Hilfeleistung alar­miert und traf bereits 16 Minuten nach dem Alarm an der markierten Brandstelle ein. Nach Abnahme der einzelnen Gerätestellungen durch den Kreis- feuerwehrführer rückte die Wehr in das Geräte­baus ein. Im Saale des Gasthauseszum Trepp­chen" fand dann die Kritik über den Brandangriff und die anderen Vorführungen statt. Kreis f euer- wehrführer Bouffier sprach Dabei Worte höchster Anerkennung für alle Vorführungen und bekundete Den Wehren, auch der Mannschaft der Lollarer Motorspritze, seine volle Befriedigung. Nachdem Bürgermeister Rinn noch einige Ausführungen über Feuerwehrangelegenheiten gemacht hatte, blie­ben die Kameraden in altbewährter Feuerwehr- Kameradschaft noch eine Stunde gesellig beisammen.

)( Ruppertsburg, 9. Okt. Die Baumpflan­zungen auf Den Höhen in unserer Gemarkung brach­ten ihren Besitzern einen guten Ertrag an Zwetschen und Aepfeln. Letztere sind in Qualität recht schön. Schorf- und Moniliabefall ist in diesem Herbst nur ganz gering zu.bemerken. Bei der Versteigerung des Gemeindeobstes wurden etwa 1000 RM. eingenommen. Wesentlich höher waren die Preise des Obstes an der Kreisstraße Rupperts­burgWetterfeld.

Äreis Alsfeld.

. Homberg, 8. Okt. Auf ein Gesuch des hiesigen Verkehrs-Vereins hat die Deutsche Reichsbahn eine Fahrplanverbefserung auf Der Strecke Burg-Nieder-GemundenKirchhain mit Wirkung vom 6. Oktober ab angeordnet. Danach werden den Güterzügen ab 10.35 Uhr in Burg- Nieder-Gemünden, an 11.53 Uhr in Nieder-Ofleiden, und ab Nieder-Ofleiden um 12.30 Uhr, an Burg- Nieder-Gemünden 13.34 Uhr, zwei Personenwagen zur Beförderung von Reisenden angehängt. Dieses Güterzugpaar verkehrt vorläufig nur versuchsweise und vorbehaltlich jederzeitigen Widerrufs, so daß also die Verkehrsverbesserung von der Feststellung einer genügenden Frequenz abhängig ist.

Roman von Helene Kalisch

Copyright 1939 by Prometheus-Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München

44 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Der war der letzte, Den sie ruiniert hat", sagt Doktor Bock pietätlos, als er mit seiner Frau und einigen Bekannten nach der Bestattung in einem Kaffeehaus sitzt.

Das erscheint mir sehr oberflächlich geurteilt", widerspricht ihm seine Frau.Der alte eitle Geck hat sich meiner Meinung nach selbst zugrundegerich- tet!" ;

Arn nächsten Tage erregt die Nachricht von Der Verhaftung Heidenreichs, von Dem Geständnis, der Mörder Dietrnuthe Röhls zu fein, und von seinem Selbstmord ungeheures Aufsehen. Die Tatsache, daß auch die Springer verhaftet ist, steigert die Sen­sation und gibt Anlaß zu den abenteuerlichsten Ver­mutungen. Nicht wenige sehen in ihr Die Draht­zieherin in einem wahrhaft teuflischen Ränkespiel.

*

Man sieht da noch nicht klar", sagt der Unter­suchungsrichter zu Bergholz, Den er zu sich gebeten hat.Ehe die Akten über Den Fall geschlossen wer­den können, ist noch manches nachzuprüfen. Womit haben Sie sich eigentlich den Haß der beiden Per­sonen zugezogen, Die Sie so schwer verdächtigten und soweit ich bisher Einblick in ihre Wesenheit nehmen konnte auch glatt hätten verurteilen lassen, wenn sie sich nicht in ihren eigenen Schlingen gefangen hätten?"

Ich weiß es nicht, Herr Landgerichtsrat", ent­gegnet Bergholz. Er sitzt dem Untersuchungsrichter in dessen Arbeitszimmer gegenüber, entlockt der Zigarre, Die ihm Herr von Hanke angeboten hat, ein paar Rauchwölkchen und fügt Dann seinem Jch-weiß-es-nW" doch noch etwas # Erklärendes hinzu:Ich war ... einer von vielen unter den Verehrern Frau Röhls", sagt er mit ein wenig ver­deckter Stimme.

Heidenreich hat aber zuletzt zu gegeben, auf Sie eifersüchtig gewesen zu sein. Sie selbst wiesen ja in Ihren eigenen Aussagen einmal darauf hin. Die Springer hat diese Eifersucht geschürt das wissen wir nun. Aber warum? Wps hatten Sie mit der?"

Nichts, Herr Landgerichtsrat. Ich kümmerte mich gar nicht um sie."

Hm ...." Der Untersuchungsrichter betrachtet nachdenklich den Aschenkegel seiner Zigarre, beugt sich dann vor und blättert in den Akten.Hier

zwischen Den Knien.Ganz klar bin ich mir Dar­über selbst nicht, Herr Landgerichtsrat", sagt er halblaut.Wenn man erkannt hat, es täglich und stündlich merkt, daß man sich sein Leben falsch ein­gerichtet hat, es sich gründlich vermanscht hat, da ... kommt einmal der Tag, an Dem man sich fallen läßt. Ich hetzte mich selbst in eine törichte Leiden­schaft hinein, suchte Den Rausch und fühlte dabei doch, daß ich einem Phantom nachjagte! fühlte auch eine gewisse Gefahr. Aber vielleicht reizte ge­rade die mich. Jetzt? ... Ja, es ist so, als ob ich an einem Abgrund vorbei bin mit einem nach­träglichen Schauder davongekommen bin! Aber an jenem Abend, als mich Frau Röhl, nachdem ich sie wochenlang nicht gesehen hatte, unvermutet zu einem Besuch aufforderte, da war ich ... bereits entzaubert."

Und gerade da tat sich wenn wir beim Bilde bleiben wollen der Abgrund vor Ihren Füßen auf", ergänzt Der Untersuchungsrichter.Denn Die Kugeln in Der Pistole Heidenreichs ..."

galten mir."

Man kann es annehmen." Der Landgerichtsrat zündet sich eine neue Zigarre an, steht auf und geht ein paarmal hin und her.Aber es kann auch an- bers fein ..."

Welche andere Erklärung bliebe da noch?" ent­gegnet Bergholz.Er kann doch unmöglich die Ab­sicht gehabt haben, Frau Röhl zu erschießen!"

Herr von Hanke raucht ein paar Züge, bleibt stehen und verschränkt die Arme.Er kann sie doch gehabt haben! ... Sie waren bei seiner letzten Vernehmung am Ort der Tat dabei, Doktor Berg, holz! Wir stellen uns den Fall noch einmal vor! Es war eine harte Nervenprobe für Heidenreich, und sie gab ihm ja auch Den Rest. Danach steht fest, daß er, dicht hinter dem breiten Rücken des ehemaligen Boxers stehend, diesen qar nicht ver­fehlen konnte."

Richtig", stimmt Bergholz zu,er schoß an des- fen Kopf vorbei nach mir. Aber Tjadens Bewe­gung, fein Schlag nach mir, rettete mir das Leben, und wir beide er und ich sind nun eigentlich quitt."

Ach so. Sie meinen, weil Ihnen die Rettung der Ellrich gelang? Ja, es erscheint alles so seltsam, daß man es wie eine höhere Fügung zu spüren meint. Aber wir wollen bei dem uns Fassungsge- mäßen bleiben: Nach dem ärtzlichen Befund, dem Urteil der Schießsachverständigen und angesichts des Geschehens am Tatort kann Heidenreich nicht auf Sie gezielt haben. Die Einschüsse entsprechen genau dem geraden Weg von seiner Hand zu Dietrnuthe Röhl.

_________ (Fortsetzung folgt.>

haben wir Heidenreichs erste Aussagen Darüber, wie und wann er von der Ermordung der Künstlerin erfuhr", fährt er halblaut fort; blickt Dann auf und wieder zu Bergholz hin.Er muß sehr schnell nach Hause gefahren sein, Denn ehe Die Polizei am Tat­ort war, erreichte ihn noch Der Anruf Der Springer. Sie sagte: ,Doktor Bergholz fyat Dieta erschossen! Ich habe ihn mit ihr im Zimmer eingeschlossen'." Stimmt, Das hat sie getan", murmelt Bergholz. Herr von Hanke lehnt sich zurück.Ein Biest ist

Das!" sagt er und raucht ein paar Züge.

Nun, sie glaubte es Da wohl auch noch", wendet Bergholz ein.

Der Untersuchungsrichter schüttelt Den Kopf. Falsch, mein Lieber! Sie war ja unten im Haus­flur von Dem flüchtenden Tjaden angerannt worden und hat später zugeben müssen, ihn erkannt zu haben." Als ihn Darauf Bergholz betroffen an sieht, fährt er mit einem kleinen Lachen fort:Das wis­sen Sie also noch nicht? ...Ja, Dann denken Sie vielleicht doch nochmal über die Gefühle nach, Die Ihnen diese Dame entgegenbrachte."

Bergholz macht eine gleichgültig abwehrende Handbewegung.

Der Untersuchungsrichter runzelt Die Stirn.Die kümmern Sie nicht mehr, nicht wahr? Sie sind heraus aus dem Schneider, denken: zerbrecht euch nur Die Köpfe! ... Aber diese Person ist nicht zu fassen! Aalglatt entschlüpft sie jedem Zugriff. Sie kannte Das Drama um Tjaden, wußte, wie die­ser Mensch an ihrer launischen Herrin gescheitert war. Am Vormittag des gleichen Tages hatte sich etwas ereignet, was ihr sofort eine Erklärung für Tjadens Auftauchen geben mußte. Beim Betteten der Wohnung fand sie Frau Röhl erschossen auf, rief Den Bankier Heidenreich an und sagte ihm, Sie hätten Frau Röhl getötet!"

Zu weit ab von diesen Dingen ist Bergholz jetzt bereits, als daß sie ihn noch sehr erregen können. Der Untersuchungsrichter merkt das; aber er selbst ist noch gedanklich fest eingespannt in Die Sache und setzt die Erörterung fort:Einzig und allein mit Der bewiesenen Anstiftung zur Unwahrheit oder viel­mehr zu einem Verschweigen, mit Verdunkelungs­absichten wird ihr etwas anzuhängen sein", sagt er. Aber auch da redet sich Die Person heraus! Sie selbst sei heftig erschrocken gewesen, als ihr das Mädchen spät abends nach dem Ereignis sagte, sie habe Herrn Heidenreichs Mantel und Hut in der Flurgarderobe hängen sehen. Da habe sie an einen Irrtum des Mädchens geglaubt, behauptet die Springer. In einem Gefühl der Verwirrung, an­gegriffen von Dem Vorangegangenen und in Be­sorgnis um Herrn Heidenreich und seine angegrif­fene Gesundheit, habe sie dem Mädchen geraten, vorläufig nichts zu sagen, Den Tatbestand nicht durch unkontrollierbare Angaben zu verwischen.

Sehen Sie, so macht Die es! Es ist alles so schwer durchschaubar. Heidenreich behauptete, er hätte außer einigen gelegentlichen Geschenken keine großen Aufwendungen für Frau Röhl gemacht. Sie bezog ja auch hohe Gagen. Nur ein paarmal Spielschulden will er für sie bezahlt haben. Fräulein Springer aber erhielt laufend beträchtliche Zuwendungen; das ist aus feinen Büchern zu ersehen. Die Nachforschun­gen bei Der Springer aber lassen vermuten, daß sie ein beachtliches Vermögen zusammengescharrt h at und Damit kommt'man vielleicht ihrem Ver­halten auf die Spur. Die ist habsüchtig bis auf die Knochen!"

Der Untersuchungsrichter unterbricht sich auf kurze Augenblicke und tut wieder einige Züge an feiner Zigarre. Dann fährt er in seinen Erörterun­gen fort:Die Springer hat sowohl ihre Herrin wie auch Deren Verehrer und letztlich den schon etwas morschen Bankier Heidenreich weidlich auszu« beuten verstanden. Nur erkannte sie nicht, wie brüchig Die Existenz Des letztere en bereits war. Es mehren sich Die Anzeichen, daß Heidenreich am Ende war. Diesem früher eiskalten Großveroiener war die neue Zeit nicht mehr günstig. Er hatte nicht mehr Die glückliche Hand. Ein Teil seines Vermö­gens ist Den verheirateten Töchtern sichergestellt. Er cheint in Der Tat fremde Vermögenswerte zu Fehl- pekulattonen benutzt zu haben, für Die keine volle Deckung mehr vorhanden ist. Die Springer aber hat sich für alle Fälle gesichert. Es ist auch ein Testament von Frau Röhl Da. Wie aber diese bei­den, Frau Röhl und auch Heidenreich, in eine ge­wisse Hörigkeit Der Springer gegenüber gerieten, ist unverständlich. Das Einvernehmen der beiden Frauen war auch nur nach außen hin so gut. Un­ter sich sollen sie öfters ziemlich heftig aneinander- geraten sein. Da erzählt Das Hausmädchen, Deren Aussagen wir ja die so rasche Aufklärung Der Tat verdanken: einmal habe Fräulein Springer bei einem Streit Frau Röhl zugerufen: ,Jch habe dich ja jn Der Hand! Denke an Die falsche Unterschrift, mit Der Du Den letzten Rest des Geldes deines Man­nes an dich gebracht hast!' Da sei Frau Röhl auf sie zugestürzt und habe ihr ins Gesicht geschrien: ,Und wer war es, die mich dazu getrieben hat?... Wer, du Teufelin ...?"

Sn Bergholz' Augen zuckt ein nachträgliches Er­schrecken. Er streicht sich über die Stirn.Da war man nun hineingeraten", murmelt er.

Sa, mein Lieber", sagt Herr von Hanke mit feinem kleinen gemütlichen Lachen.Und wie das geschehen konnte, müßten Sie mir eigentlich auch noch sagen."

Dem vor ihm sitzenden Mann geht eine leichte Röte über das Gesicht bis unter das blonde Haar hinauf. Er legt den Rest seiner Zigarre in die Aschenschale, beugt sich vor und faltet die Hände

Pudding!

7 Dr. O^h^Puddingpuluergibres auf