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10.9.1940
 
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Dienstag, 10. September 1940

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheßen)

Ur. 214 Zweites Blatt

Oie Heimat im Schutze der Luftwaffe

läuft, nicht etwa um

gen versuchen, sein eigentliches Ziel erneut anzu-

TrauerseiersörSanMs-ObersührerDr.SchMdt

wurde von der SA.-Standarte 116

BRÄUNT-SCHUTZT-PFLEGT-

es wieder

den rötlichen Licht, daß sich der Gegner mit drosselten Motoren herangepirscht hat und in Ueberrnschung seinen Erfolg sucht. Aber schon ihm der Feuerriegel vor der Nase, er muß drehen, ein neues Ziel suchen oder in weitem

von von oder wie­der

ge­bet sitzt ab- Bo-

serve-Lazaretts um die im Kumpfe verwundeten Kameraden verdient. Als treuer Gefolgsmann des Führers kämpfte er seit 1930 in der Partei als SA.- Kamerad mit, wobei er seine Kraft insbesondere dem Sanitätsdienst der SA. widmete. Seinem Wir­ken ist der Aufbau des getarnten Sanitätsdienstes der SA.-Brigade 147 Gießen zu verdanken, den er dis zu seinem Tode als erster Arzt führte. Als einer der ältesten Sanitätsführer stellte er immer unermüdlich feine Kraft und sein ärztliches Wissen in den Dienst seiner großen Ausgabe.

Dem verewigten Kameraden wurden dann in

der Musik. Ja, es war wirklich ein Freudentag für das gütige einsame Geschöpfchen, und sie hatte wohl recht, als sie abends sagte:Das war der schönste Tag meines Ledens!"

Das war Tantchens silberne Hochzeit und ich denke, die Geschichte paßt so gut zu Weihnachten wie für jeden anderen Tag im Jahre. Es sind ihrer 365, und wer ein Echtschenker ist, der findet ganz gewiß 365 Schenktage darunter, Tage, um einem Mitmenschen eine Freude zu machen. Freilich im Warenhause kann man diese nicht kaufen, sondern

einmal eine seiner Rollen, die ihm auf den Leib geschrieben zu sein scheinen, ein Tunichtgut aus großem Hause, Schürzenjäger und Schuldenmacher. Olly H o l z m a n n ist sehr nett und frisch ein klei­nes Mädel aus der Provinz, Hedwig Bleib treu eine würdige alte Baronin, Oskar Sima macht aus einem in vielen Geschäften engagierten Stamm­gast eine prachtvolle Studie. Die sehr gefällige Mu­sik schrieb Bruno Uf) er. (Wien-Film und Terra.) Dr. Fr. W. Lange.

Britische Flugzeuge flogen in der Nacht in Westdeutschland, Mitteldeutschland und Belgien ein... (Aus einem OKW.-Bericht.) Fast täglich meldet der OKW.-Bericht nächtliche Einflüge britischer Flieger in das deutsche Hoheits­gebiet.' Sie suchen die Zivilbevölkerung zu beun­ruhigen, werfen Flugblätter törichten Inhalts, aber auch Brand- und Sprengbomben ab, angeblich na­türlich auf militärische Ziele. Daß sie bewußt das Gegenteil tun, also offene Städte, friedliche Dörfer, ja Stätten wie das Goethe-Gartenhaus, das Bis­marck-Mausoleum zu treffen suchen, ist so oft be­wiesen, daß daran nicht zu rütteln ist. Es ist den Beauftragten Churchills völlig gleichgültig, daß sie fortgesetzt gegen die einfachsten Gesetze einer mensch­lichen Kriegführung verstoßen im Gegensatz zu den deutschen Angriffsflügen auf England, bei de­nen nur militärische Ziele mit Bomben beworfen werden. Daß es der Gegner nicht wagt, am hel­len Tage einzufliegen, sondern es vorzieht, sich im Dunkel der Nacht in großer Höhe einzuschleichen, hat allerdings einen sehr triftigen Grund: er scheut die deutsche Luftwaffe, die ihn überall da hart zu packen versteht, wo er als offener Gegner es wagt, sich zu stellen. Daß der Brite im übrigen glaubt, durch häufige nächtliche Beunruhigung mancher Teile des Reichsgebiets denNervenkrieg" zu ge­winnen, gehört auch zu den falschen Voraussetzun­gen, unter denen der Brite diesen Krieg führt. Er rechnet nicht mit der Disziplin der deutschen Be­völkerung, die diese immer wieder zeigt und zeigen wird in vollem Vertrauen auf ihre Führung und auf die von ihr geschaffene Rüstung. Hand in Hand mit dem Ausbau einer glanzenden Luftwaffe ging der Auf- und Ausbau einer weitreichenden Luftver­teidigung zum Schutze der Heimat vor Luftpiraten englischer Prägung.

Oer unbekannte Wächter der Heimat.

Auf dem Neuen Friedhof in Gießen fand am gestrigen Montagnachmittag die Trauerfeier für den im Alter von 56 Jahren als Opfer seiner Arbeit verstorbenen Sanitäts-Obersührer der SA., Dr. med. Wilhelm Schmidt in Hungen, statt. Zum Ab­schied von dem langjährigen SA.-Kameraden und auch in weiten Bevölkerungskreisen hochgeschätzten Arzt hatten sich zahlreiche führende Persönlichkeiten der Partei und ihrer Gliederungen, insbesondere viele SA.-Kameraden, ferner Vertreter der Aerzte- schaft und des Roten Kreuzes sowie der Alt-Herren- schast des Verewigten und viele weitere Volksge­nossen eingefunden. Die Totenwache am Sarge, auf dem die SA.-Mütze und der SA.-Dolch des

Jahr in die Leichenpredigt gepaßt! Aber die silberne Hochzeit, die denke ich mir gar zu nett!"

Nun war aber die Gutsfrau, die ihr gegenüber auf der anderen Seite des großen Korbes voll Flickwäsche saß, eine Echtschenkerin, und so schwieg sie zu diesen lustigen Worten nur bedächtig still. Aber in ihrem Herzen hatte ein Gedänklein sein Nest gebaut, das wuchs sich zu einem tüchtigen Ge­danken aus, und aus dem Gedanken kroch ein Plan heraus...

Die Gutsfrau erkundigte sich bei dem geistlichen Bruder desTantchens" nach den Namen und den Anschriften aller ihrer Verwandten und schrieb eine große Menge sehr dringlicher und heimlicher Briefe. Und bann ging sie wochenlang im Dorfe und in der Nachbarschaft von Haus zu Haus unb trug ihren Plan wie einen Spinnrocken mit sich herum: Ueberall spann sie den unsichtbaren Faben an, hier an den Arm eines schmunzelnben Alten, bort um bie Finger einer lustigen Schar junger Menschenkinber. Schließlich war das ganze Dorf un­sichtbar in den heimlichen Plan versponnen, und wo sich zwei auf der Straße trafen, da lachten sie listig unb glücklich unb flüsterten sich zu:Tant­chens silberne Hochzeit!"

Und eines schönen Herbsttages wurde die alte Dame geweckt von dem Bläserverein des Dorfes der vor ihrem Fenster mitBis hierher hat mich Gott gebracht" ein feierliches Ständchen eröffnete. Sie fuhr zitternd in ihre Kleider und rieb sich im­mer wieder die Augen: Aber diese Ehre kann doch nicht mir gelten! Derweilen trappelten auf der Treppe der Pfarre schon viele Füße, unb eine Ab­ordnung trat ein, vor der ihr Bruder, der Pastor, und die Gu'tsftau standen unb ihr mitteilten, daß man beschlossen habe, heute ihre silberne Hochzeit zu feiern. Ein Dank sollte bas sein für so vieles Gute, das sie getan, hauptsächlich aber sollte sie einmal einen rechten Freuben- unb Ehrentag erle­ben. Unb bann hefteten sie ihr ein silbernes Sträuß­chen in bie grauen Haare, und bie Bläser brausten bliesenNun danket alle Gott", unb ber ganze Pfarrhos stand voller Leute, bie ein Hoch auf bas

muß schon in die bunklen Speicher bes eigenen warmen Herzens hinuntersteigen. Gott segne alle

ändia auf Deck hin- und her-

.... bie Landschaft von allen Seiten

zu genießen, sondern bestenfalls um durchs Fern­glas zu sehen oder zu photographieren. Meist ist es aber gar nicht die Landschaft, die der Herr im Auge hat, sondern der Fahrplan zum Beispiel, der irgend­wo angeschlagen ist im Schiff, das der Herr durch­steigt unb durchquert nach allen Richtungen; er läßt sich einen Schnaps geben, er läßt sich einen Liege-

WM 4711 HÄUT-CREME "*"**& -HAUT-FUNKTIONS-

fliegen. Eine vorherige Warnung der Bevölkerung in solchen Fällen ist verständlicherweise oft nicht möglich, vielleicht auch nicht nötig, wenn der Geg­ner es vorzieht, die ungastliche Gegend so schnell wie möglich zu verlassen. Trotzdem hat ber Grund­satz Geltung: Auch bann müssen bie Luftschutzräume aufgesucht werben. Denn Schutz vor Bomben, Blindgängern und Granatsplittern der Flak bietet nur ber Luftschutzkeller, unb mancher, der bies nicht wahrhaben wollte, hat bafür schon mit seinem Le­ben bezahlt!

Während der Dolkgenosie wieder der Ruhe pflegt. . .

Während nach ber Entwarnung der Volksgenosse wieder seiner Ruhe pflegt, der Arbeiter in ber Fa­brik wieder seiner Arbeit nachgeht, herrscht bei ber Flak-Kommanbodienststelle, die ben Schutz unserer Heimat gegen Fliegerangriffe überwacht, unvermin­derte Geschäftigkeit. Noch werden bie Melbungen über ben Ab klug ber Gegner verfolgt, als auch schon bie taktische Auswertung ber nächtlichen Gefechts­tätigkeit einsetzt. Melbung auf Meldung läuft ein, nur jetzt anderer Art, bis sich bas Bild der nächt­lichen Angriffe, ihrer Abwehr, ihrer etwaigen Wir- kung bis in die letzten Einzelheiten vervollständigt hat. Jeder Einflug vermittelt neue Erkenntnisse, die zum Schutze der Heimat verwertet werden können, vermehrt die Erfahrungen der Männer, regt neue Verbesserungen an. Daneben werden bis ins ein­zelne die Feststellungen herangeholt, ob unb welche Schäden durch Feindbomben entstanden sind,' wer­den Maßnähmen überprüft, die von örtlichen Stel­len bei Blindgängern oder Bomben mit Zeitzün­dern unverzüglich getroffen worden sind, wird ber Einsatz von ©onberformationen veranlaßt, soweit sich die Notwendigkeit dazu ergibt bie Arbeit reißt nicht ab, unb erst in den Morgenstunden kehrt langsam Ruhe ein, eine kurz bemessene Ruhezeit für bie Männer, benen der Schutz der Heimat übertragen ist. Sie tun ihre Pflicht: vom General bis zum unbekannten Meldeposten, vom Luftschutz- sachbearbeiter bis zum ehrenamtlichen Helfer

im Dienste der Volksgemeinschaft, im Dienste für Führer unb Vaterland!

Kein feindlicher Flieger kann in das unter deut­schem Schutz stehende Gebiet einfliegen, ohne sofort bemerkt und verfolgt zu werden. Ein weitreichen­des, lückenloses Netz von Beobachtungsstellen nimmt die eindringenden Feindflugzeuge auf, gibt sie Standort zu Standort weiter über Hunberte Kilometern, bis sie in den Fängen der Flak Nachtjäger enden, oder im Schutze des Dunkels der über die Küste entweichen konnten. In höheren Kommanbodienststelle der Flakartillerie herrscht in diesen Nachtstunden, während sich die Zivilbevölkerung schon längst der wohlverdienten Nachtruhe hingibt, ein stilles, emsiges Arbeiten. Die Fernsprecher summen fast ohne Pause, Meldung auf Meldung fliegt auf den großen Kartentisch, um den von Sekunde zu Sekunde sich ändernden Standort der feindlichen Flieger zu registrieren, die Flugwege zu verfolgen und Stadt und Land rechtzeitig zu warnen, wenn die Richtung der feind­lichen Flugzeuge Angriffe auf ein bestimmtes Gebiet erwarten läßt. Obwohl die Zähl der nächtlich ein­fliegenden Feindflugzeuge gering ist im Verhältnis zur Zahl der deutschen Flugzeuge, die jenseits des Kanals militärische Ziele bekämpfen, drängen sich in den wenigen Nachtstunden, die der Gegner aus­nützt, die Meldungen über feine Flugwege zu gro­ßer Zahl zusammen, aus der nur ein geübtes Auge, eine rasche Kombinationsgabe und eine sicher und schnell arbeitende Hand das Bild heraus­schälen kann, das zum Ingangsetzen der erforder­lichen Abwehr- und Schutzmaßnahmen Voraus-

Aus der Stadt Gießen.

Oie Kunst der Erholung.

setzung ist.

Alarm nur wenn dringend notwendig wnd unumgänglich.

Zu diesen Schutzmaßnahmen gehört in erster Linie mit die Sicherung der Bevölkerung. Die Hei­mat hat das begreifliche Verlangen, nur dann alarmiert zu werden, wenn eine Notwendigkeit vor­liegt, denn ein Alarm bedeutet nicht nur eine Un°

Tantchens silberne Hochzeit.

Von Borries Freiherr von Münchhausen.

Bei einem Dorfpastor lebte feit vierzig Jahren seine alte Schwester. Sie war damals gleich nach seiner Hochzeit, auf vier Tage zur Hilfe gekommen, aber aus den vier Tagen waren vierzig Jahre ge­worden. Damals hatten bie Frauen noch nicht bie Auswahl unter so vielen Berufen wie heute, so übten sie weit häufiger ben ältesten Berufs ber Frau, das Helfen, wohin sind bieTanten" je­ner Zeit gekommen, biefe ewig hilfsbereiten Be­wahrerinnen leerstehender Sommerwohnungen, Wochenbettpflegerinnen werdender Menschlein, Haushälterinnen kranker Frauen, Mitarbeiterinnen an jeglicher Arbeit in Haus und Garten! Ich fürchte, sie sind alle längst dahin gegangen, wo auch dieses ,Tantchen" von dem ich erzählen will, gegangen ist, es ist ein stiller Aufenthalt, und weder Liebhaberkünste noch Sport sind dort von sonderlicher Wichtigkeit mehr.

Als das Tantchen noch lebte, war sie im ganzen Dorf beliebt wegen ihres prächtigen Humors, mit dem sie alles das vergoldete, was sie an Liedes- tätiqfeit verteilte. Und so spöttelte sie auch einmal, als' sie mit ber Gutsfrau im Parke beim Kaffee- tisch saß, tapfer über ihre eigene Altjüngserlichkeit. Ja, unb ich bin boch auch einmal jung gewesen, menn es auch heute nur mein Taufschein noch glaubt! Vielleicht hätte ich a u ch einmal heiraten können, wenn irgend jemand es gewollt hätte, vielleicht aber war der Jemand, der nicht wollte, ich selbst! Unb wenn ich nun geheiratet hätte, ba märe ich doch jetzt sachte an meine silberne Hochzeit heran, schade, um die tut es mir noch mehr leib als um bie verpaßte grüne. Ja, eine silberne Hochzeit, bas fit das wahre! Bei ber grünen ist man felbft noch gar zu grün, unb wieviel Hoffnungs- nrün muß nicht dann verwelken! Bei der goldenen wiederum ist man zu alt und denkt bei der Rede

Pastors nur: Das hätte auch besser nächstes

Abends gab es in der Pfarre Aufführungen, gab Blumen und Glückwünsche, gab es wie-

heimgegangenen Kameraden Dr. Schmidt lägen, wurde von ber SA.-Stanbarte 116 gestellt.

Wiener Geschichten".

Ein Film vom Wiener Kaffeehaus.

Wenn es wahr ist, baß die Belagerung Wiens durch die Türken vor 250 Jahren den Grundstein zum ersten Wiener Kaffeehaus gelegt hat, weil da­mals ein anschlägiger Wiener mit ben im Türken­lager erbeuteten reichen Kaffeevorräten sein Ge­schäft eröffnet haben soll, so müssen bie Wiener dem Großwesir Kara Mustafa für seinen Zug bonauaufwäris heute noch bankbar sein. Denn es gibt so leicht nichts, was, vom Wanbel ber Zeiten unberührt, bas Milieu der Wiener Stadt schneller und treffenber charakterisiert, als bas Wiener Kaffeehaus. Unb es ist deshalb nicht mehr als recht unb billig, wenn ber Film, ber so oft schon bas Wiener Kaffeehaus als höchst brauchbares Reqmsit in seine Dienste genommen hat, nun einmal diesen Umschlagplatz" Alt-Wiener Lebens als ben eigent­lichen Helden berWiener Geschichten" ganz groß herausstellt. Geza von B o l v a r y hat sich mit so viel sichtlicher Freude an ber Sache, mit so viel feinem Verständnis für die Psyche des Wieners unb mit so leicht und schmissig hmgewonenen Szenenbilbern bieser Ausgabe unterzogen, baß die Wiener an bieser Plakatierung ihrer selbst unb ihres Kaffeehauses ihre Helle Lust haben müssen unb wir Nicht-Wiener nur mit blassem Neid auf soviel ursprüngliche Behaglichkeit blicken. Freilich, bas soll nicht heißen, baß es hier nicht auch zu Zei­ten recht temperamentvoll zugehen könnte, zumal wenn zwei Zählkellner, jeher ein Original unb in seiner Art tüchtig in seinem Fach, sich um bie Gunst ihrer jungen feschen Chefin bemühen unb biefe wieder, zwischen Eifersucht unb Neigung hm- unb herqerissen, es auf einen großen Krach ankommen läßt, ber ihr um ein Haar die ganze Stammkunb- schaft kostet. Wenn schließlich boch alles so zusam- menfinbet, wie es zusammengehort, so ist es halt nicht zuletzt bie linde Luft des Wiener Kaffeehauses, in ber Haber unb Streit nicht lange gebeiljen. Sie repräsentiert so recht eigentlich Paul 5) o r b t g e r als ber Zählkellner Ferdinand, ber mit der Hand ber schönen Chefin ein glücklich-zufriedener Kaffee­hausbesitzer wird. Wie seine heitere Natur etwas für Herz und Gemüt sucht, so sieht sein Kollege Moser mehr auf bie realen Dinge, aber auch er ist trotz aller eifersüchtigen Knotterei em anstän­diger Kerl, der zwar ein rechter Tolpatsch, aber eine treue Seele ist und mit köstlicher Geschäftigkeit alles aufs rechte Gleis bringt. Sehr apart, mi reizenden Schalk in ben Augen, eigenwillig unb selbstbewußt, spielt Marte H a r e l l bie viel um- worbene Ehesin. Siegfried Breuer sprell wieder

schuhe! O, ein Nachtschränkchen! Ja, ihr dürft nicht lächeln, benn biefe Geschenke finb nicht bazu ba, baß sie euch gefallen, fonbern sie sollten bem Tantchen ge­fallen. Und das taten sie! Das Tantchen war wie im Traum unb sagte nur immer wieder:Ein Ehrentag! Ein Freudentag!" Und die dicken Trä­nen tropften ihr über die welken Backen auf das gute Graue.

Mittags gab es ein Festmahl im Gutshaus, bet dem sie obenan saß und zwei schöne Reben auf sich anhören mußte. Die eine war eigentlich eine kleine Predigt, unb wer sie hielt, brauche ich nicht zu sa­gen, Ihr wißt es schon. Dafür war die anbere, die bes Gutsherrn, um so lustiger. Aber Schaum­wein würbe zu beiden getrunken, und die Gläser klangen und die Gäste riefen ein Hoch, unb als die Gesellschaft auf den Altan trat, ba stauben bie Schulkinder im Park zwischen den Astembeeten und sangen ihr die schönsten Volkslieder vor.

Der Nachmittag war (natürlich nach einem ge­deihlichen Schläfchen) einer Spazierfahrt im Auto gewidmet. Das Tantchen hatte zwar schon biswei­len in einem gesessen, aber natürlich immer nur als mitgenommener Gast, der doch eigentlich Ne­bensache war. Sie hatte einmal im Scherz gesagt: Wenn ich doch einmal in einem Auto sitzen unb selber sagen könnte, wohin es gehen soll! O, bas benke ich mir boch zu fein gerade, als ob es mein eigenes wäre!"

Ja, unb nun faß sie drin unb neben ihr faßen ihre Geschwister, die ebenfalls überraschend zu der Feier gekommen waren. Und der Chauffeur drehte den Kopf zum Wagen, legte ben Handschuh an die goldbelitzte Livreemütze unb fragte:Wohin befeh­len gnädiges Fräulein?" Ach, sie hatte im halben Spott geträumt, unb nun kam doch bie Wehmut, unb sie wußte gar nichts zubefehlen". Schließlich wurde ein Kaffeeausflug in die Nachbarschaft dar­aus.

Sind Sie schon einmal zur See gefahren? Es kann auch nur der Wolfgangfee gewesen sein so für ein paar Stunden. Dann kennen Sie sicherlich ben Herrn, der beständi

terbrechung der lebensnotwendigen Nachtruhe, son­dern auch Unterbrechungen des Arbeitsfortganges in lebens- und kriegswichtigen Wirtschaftszweigen. Alarm wird daher erst gegeben, wenn Flugmeldun­gen und bie daraus gezogenen Schlußfolgerungen erkennen lassen, daß mit größter Wahrscdeinlichkeit das engere Heimatgebiet Ziel der Anflüge sein wird. Aber auch beim forgfamften Ab wägen ber Möglichkeiten ist dann und wann nicht zu vermei- ben, daß die Bevölkerung umsonst alarmiert er­scheint. Der Volksgenosse mag dann leicht geneigt sein, zu glauben, er sei vergeblich aus dem Schlum­mer geweckt worden. Er weiß oder überlegt wahr­scheinlich nicht, baß ber Gegner noch in letzter Mi­nute adbrehen kann, z. B. um einen als flakgeschütz- ten Bereich soweit zu umfliegen, daß bie Flakab­wehr gar nicht in Tätigkeit treten kann. Wenn bann trotzdem' noch keine Entwarnung erfolgt, so bleibt zu bedenken, daß der Gegner auch auf dem Rückflug unser Gebiet berühren und zum Abwurf von Bomben ausersehen haben kann. Erst wenn bie einlaufenden Meldungen klar erkennen lassen, baß die Feinbflugzeuge sich im Abflug weit genug entfernt haben unb eine neue Welle von Einflü­gen nicht zu erwarten ist, dann erfolgt unverzüglich die Entwarnung. Die vorzügliche Organisation unb ber Ausbildungsstand ber Männer, denen der Schutz der Heimat vor feindlichen Fliegern an Der traut ist, verdienen alles Vertrauen, daß sie im Interesse der Heimat so handeln, wie die Lage es vorschreibt.

Flakfeuer ohne A'arm

Unermüdlich folgt in den Flakdienststellen der Zeichenstift dem Wege der feindlichen Flieger... Einzelne Meldungen lassen erkennen, daß einzelne Flieger eigene Wege suchen. Seltsam sind manch­mal die Bahnen, die der Brite in großer Höhe zieht, unb manchmal scheint er plötzlich oerschwun- ben unb von der Dunkelheit aufgeschluckt zu sein. Dann aber, plötzlich donnern die Geschütze: eine Leuchtbombe zeigt mit ihrem ruhig schweben-

2) er Musik zu g der SA.-Standarte 116. unter Lei­tung von Musikzugführer Herrmann spielte xu Beginn der eindrucksvollen Feier den Feiermarsch der SA. zum 9. November. Dann verlas Sanitäts- Hauptsturmführer Dr. W i e ß m a n n die wichtig­sten Daten aus dem Lebensgang des Verewigten, der in Herborn geboren war und in Gießen und Berlin Medizin studiert hatte. Auf seinem weiteren Lebenswege wirkte Dr. Schmidt u. a. an der hie­sigen Chirurgischen Klinik und an der Frauen- Klinik in Greifswald, bis er sich im Jahre 1912 in Hungen als praktischer Arzt niederließ. Im Welt­krieg 1914/18 machte er sich als Leiter eines Re-

Tantchen ausbrachten.

Aber erst der Kaffeetisch! Nein, eine richtige Torte mit einer 25 in lauter silbernen Zuckerkü- gelch-n! Nein, was ist denn das: Ein ganzer. Tisch voll Briefe, Brieie von Vettern und Basen, Briefe von Neffen und Nichten, Briefe von Freunden und Freundinnen! Und gar Telegramme! Und Pakete, das ist ja wie ein Laden: Lauter freundliche Ge­schenke! Alles, was sie in ihrem Leben an aller- kübnsten Wünschen gehegt hatte, ging ihr in Er­füllung (denn das Herz ber Echtschenkerin hatte schon feit langem gar gute Ohren gehabt!). O, eine .......

goldene Brosche für Alltags! O, ein Paar ©umnu-lfrie, welche dort Schätze bergerU

stuhl bringen, er legt zuerst den Mantel ab und setzt die Mütze auf, dann macht er es umgekehrt, 1 dann sucht er etwas in seiner Brieftasche, dann springt er wieder auf---Und so weiter. Sie :

kennen ihn bestimmt, diesen Herrn. Es gibt ihn zu ; Wasser unb zu Lande, jüngeren unb älteren Da­tums, manchmal ist der Herr auch eine Dame. Und was tut dieser ruhelose Herr? Er erholt sich. Er macht Ferien. Man hat ihm gesagt, er müsse ein­mal völlig ausspannen. Das tut er nun. Man hat ihm vielleicht sogar gesagt: Tun Sie einmal vier Wochen lang das Gegenteil von bem, was Sie ge­wöhnt finb. Keine Post! Keine Zeitungen! Ruhe! Natur!

Man hätte ihm keinen schlechteren Rat geben können. Denn das sogenannte Nichtstun ist für tätigkeitsgewöhnte Menschen eine Dual, keine Er­holung. Man kann nicht in vier Wochen einbrin- gen, was man in achtundvierzig Wochen versäumte. Erholen muß man sich ständig. Wie Arbeit, An­spannung der Kräfte, so will auch Entspannung mit Fleiß erlernt sein. In ihrer höchsten Form ist Ent­spannung etwas Geistiges, die Fähigkeit nämlich, daß wir uns selber genug fein können. Wie das Land am glücklichsten ist, das weniger oder keiner Einfuhr bedarf, so auch der Mensch, d?r an seinem inneren Reichtum genug hat unb roenrg ober nichts von außen bedarf, sagt Schopenhauer. Und an an­derer Stelle: Die freie Muße eines jeden ist so viel wert, wie er selbst wert ist.

Um dahin zu gelangen, baß wir uns mit uns selber stets in angeregter Gesellschaft befinden, tnuß man sich darin üben, in ber Freizeit seine Gedanken von ber Berufsarbeit abzulenken, vor allem keine Geschäfte mit in die Häuslichkeit hineinzutragen. Mancher Beruf ist so geartet, baß er ben Menschen, ber ihn übt, innerlich kaum in Anfpruch nimmt, sondern geradezu auf sich selbst zurückweist. Seit alters her gelten daher bie Hirten als Weife; auch könnte man sich nicht vorftellen, baß sie nötig hätten, je auszuspannen. Ihr ganzes Dasein von morgens bis abends scheint entspannt. Andere Berufe find anspruchsvoller; doch bleibt, so schwer es immer fein mag, die Forderung bestehen, daß jedes Zu-fich- selbst-kommen bie Ablösung vom Beruflichen vor­aussetzt.

Zur Arbeit kann man jedermann zwingen. Zur Entspannung zwingt nur eins: Krankheit. Die schwierigsten Patienten sind dabei jene, die sich immer nur um Arbeit gekümmert haben. Jetzt lie­gen sie ba unb wollen nicht. Denn sie hätten Wich­tigeres zu tun in ihrem Beruf. Nun müssen sie nachlernen, Mensch zu fein.

Denn der natürlichste aller Berufe ist ber zum Menschen, unb eben bar um, als konnte man ihn schon, wirb er am meisten vernachlässigt. A. H.

Bon ber ilmversiiäi Gieren

'Von ber Pressestelle ber Universität wirb uns mitgeteilt: Die Abenboorlesung überAesthetik der bilbenben Künste" mit einer Vortrag-sreihePlastik unb Architektur" setzt Prof. Glöckner in diesem Trimester fort und beginnt am Mittwoch, 11. Sep­tember, 20.15 Uhr. Die Vorträge finden alle vier­zehn Tage im Höriaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts, Lubwigstr. 34, statt. Der Eintritt ist frei.