Dienstag, 10. September 1940
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190. Jahrgang Nr.214 A wT ® Dienst
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b Eichener Anzeiger
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Oie deutschen Vergeltungsangriffe aus London auch in der Nacht zum Dienstag fortgesetzt.
Zahlreiche neue Brande erleuchten weithin das Themseuser. — Bomben aller Kaliber auf Hafen- und Oockanlagen.
Berlin. 10. Sept. (DNB. Funkspruch.) In der vergangenen Nacht setzten, wie DRV. erfährt, unsere Kampfverbände ihre Berget- tungsangriffe gegen die britische In- iel fort und griffen kriegswichtige Ziele In London und anderen Orten an.
Feindliche Flugzeuge flogen wieder nach Rord- d c u t s ch l a n d ein und warfen an verschiedenen Stellen Bomben ab. so auch in einigen nördlichen Vororten der Relchshauptftadt. Es handelt sich dabei durchweg um willkürliche Angriffe auf nichtmititärische Ziele, denen eine Reihe von Wohnhäusern zum Opfer fiel.
Reber den Verlauf des Montags erfährt das DRB. folgendes: Deutsche Kampf- und Iagdver- bände stießen gegen Abend — sobald die Wetterlage es zulieh — gegen die britische Haupt st a d t vor und griffen die Hafen- und Dockanlagen nördlich und südlich der Themse mit Bomben aller Kaliber an. Reben den alten Brandherden entstanden zahlreiche neue, die das Themseufer weithin erleuchteten. Deutsche Flugzeuge, die heute nachmittag London überflogen, beobachteten immer noch zahlreiche starke Brandherde an der Themse, insbesondere an den Victoria-Docks, dicht bei den Desk-Jndian- Docks, in den Lommercial Docks und südlich davon. 3n dem Gaswerk Proomley wurde ein beginnender Brand festgesiellt. Die Gegend in und um den Themsebogen war immer noch in ein großes Feuermeer eingehültt. Außerdem loderten noch an verschiedenen Stellen die Feuersbrünste, so Im Stadtgebiet südlich der London-Bridge in Wapping und an anderen Stellen in der Rahe der Themse.
Daß England jetzt zum erstenmal seit vielen Jahrhunderten den Krieg in seiner wahren Gestalt am eigenen Leibe und aus eigenem Bo-Üen zu spüren bekommt, geht aus allen Berichten ausländischer Beobachter in ganzer Deutlichkeit hervor, wenn auch die Zensur des britischen Jnfor- mationsministeriums bemüht ist, die Wahrheit über die verheerenden Wirkungen der unablässig über London dahinrollenden deutschen Bombenangriffe zu verschleiern. Auch am Sonntag und Montag wurde die City und das Westeno von London wieder beträchtlich mitgenommen. Noch am Montagnachmittag waren Rettungsmannschaften mit den Bergungsarbeiten beschäftigt, da durch einen Haus- einsturz in der Nähe militärischer Ziele ein großer Schutzraum verschüttet worden war. Die Bewohner des Häuserblocks mußten in Notquartieren untergebracht werden. In der Nähe der Themse sind die angerichteten Schäden besonders umfangreich. Die Zufahrtslinien zu einem Londoner Bahnhof, dessen Name von der Zensur gestrichen worden ist, sind vollständig vernichtet. Der Bahnhof liegt still, Lager- und Geschäftshäuser standen noch am Montagnachmittag in Hellen Flammen.
Alle Berichterstatter neutraler Zeitungen bestätigen, daß besonders der Hafen von London schwer gelitten hat. Ueberall sieht man schwarze Brandmauern und eingestürzte Kaianlagen. Die Riesenseuer wüten noch in den Docks als schon ein neuer Angriff deutscher Bombengeschwader über das Hafenviertel dahinbraust. Feuerwehren und zivile Hilfsoerbände find gegenüber der Ausdehnung dieser Brände machtlos. Auch in Fleetstreet, dem Zeitungsviertel Londons, schlug eine Bombe ein und richtete an einem Verlagsgebäude beträchtlichen Schaden an. Nicht nur in den Außenvierteln, sondern auch in der City selbst ist eine Reihe von Straßen durch zahlreiche Bombenkrater unpassierbar geworden. Selbst der Londoner Rundfunk kann angesichts dieser für die Londoner Bevölkerung allzu offensichtlich vernichtenden Wirkung der deutschen Bombenangriffe feine Lügenpraxis nicht durchhalten und muß zugeben, daß die deutschen Flieger überaus genau auf wichtige Transport- und Verkehrsanlagen gezielt hätten.
So ist es verständlich, wenn in der neutralen Presse der Eindruck vorherrscht, daß der Krieg durch die Luftangriffe auf London in eine neue Phase getreten ist und diese eine gewaltige Steigerung darstellt. Das Stockholmer Astonbladet z. B. sagt: „Die nächtlichen Angriffe gegen Berlin sind mit Aktionen beantwortet worden, die nicht nur Gegenmaßnahmen in der Art von Repressalien sind, sondern auch eine gewaltige Steigerung im europäischen Krieg darstellen. Alle Versuche zu Verhandlungen sind abgewiesen worden, und die äußersten Befürchtungen, die man beim Fortgang des modernen Krieges hegt, bewahrheiten sich nun. Man kann schon jetzt ooraussehen, daß die Brände in der Weltstadt durch immer wieder vorgenommene Angriffe angefacht bleiben, und dies wird die Einleitung für den fortgesetzten und immer dramatischeren und -entscheidenden Einsatz im Kriege werden. Doch es wäre eine menschlich verständliche Forderung gewesen, daß das England des Krieges sich weniger angestrengt hätte, ein Abkommen mit den Vereinigten Staaten zu erreichen, sondern in höherem Grade und im Interesse Europas seine Aufmerksamkeit der unausweichbaren Klärung in Europa gewidmet hätte." So ist man auch im neutralen Ausland überzeugt davon, daß die Lage sich
für England immer mehr zufpitzt. London hat den Krieg, den es leichtfertig heraufbeschworen hat, nun im eigenen Hause, und dieses Haus brennt bereits lichterloh.
Unerschöpfliche Reserven der deutschen Luftwaffe.
Stockholm, 10. September. (Europapreß.) „Dek Schlußkampf um England ist in vollem Gange" — sagt der Berliner Korrespondent von „Nya Dagligt Allehanda" in einer Schilderung der deutschen Luftüberlegenheit und erklärt, schon heute fei London der Gnade der deutschen Luftwaffe ausgeliefert. „Die deutschen Reserven an Flugzeugen und Piloten scheinen nun, da Reichsmarschall
Der Wehrmachlsbericht vom Iffonlag.
Berlin, 9. Sept (DRB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Kampffliegerverbände setzten trotz schlechter Wetterlage auch am 8. September und in der Rächt zum 9. September die Vergeltungsangriffe gegen London fort Luftbildaufnahmen bestätigen die starke Wirkung der bisherigen Angriffe. Bei den nächtlichen Anflügen konnten die angreifenden Verbände ihre Ziele infolge der immer noch andauernden Brände schon auf weile Entfernung erkennen. Wieder wurden Dock- und Hafenanlagen, Oellager, Gas-, Llek-
N e u y o r f, 9. September. (DNB.) „Neue Bombenangriffe gewaltiger deutscher Luftflotten — Docks und Fabriken getroffen — Brände wüten — 400 Tote", so lauten die riesigen Schlagzeilen der Neuyorker Presse. Auch erscheinen in den Zeitungen die ersten Funkbilder von den nächtlichen Feuersbrünsten. Die englandfreundliche New Port Times schreibt, die schreckliche Vision, welche die Engländer längst mit Furcht erfüllt habe, sei wahr geworden. Die deutschen Angriffe hätten d i e Schwäche der britischen Verteidigung aufgedeckt. Man frage sich jetzt, wo eigentlich die englische „L u f t r e s e r v e" sei, die angeblich seit dem Frühjahr so rasch ausgebaut werde. Möglicherweise liege die Schwierigkeit in der Knappheit an Fliegern sowie in der Tatsache, daß die Deutschen die südöstlichen Flugfelder systematisch unbrauchbar gemacht hätten, von wo aus die Engländer London geschützt hätten. Zweifellos feien die Angriffe am Wochenende ein schwerer Schlag für die industrielle Produktion und für die Hafenanlagen Großlondons.
Die deutschen Bomben haben in den heimgesuchten Vierteln Londons außerordentlich großen Schaden an-gerichtet, so heißt es in einem Bericht der United Preß aus London. Das Leben in London sei nach den deutschen Angriffen vom Samstag noch stiller geworden als an gewöhnlichen Sonntagen. Das Zerstörungswerk fei besonders groß in den Stadtvierteln an der Themse, wo während der Angriffe der letzten Tage über 1000 Bomben niedergegangen seien. „Ich begann", so berichtet der amerikanische Korrespondent dann weiter, „meine Rundreise von einer Eisenbahnstation aus, die im allgemeinen von den Londonern als Ausgangs-
Göring die persönliche Leitung der Operationen übernommen hat, unerschöpflich geworden zu fein", heißt es in dem Bericht weiter. Göring könne tausend Flugzeuge an einem Tage nach London schicken und gleichzeitig ein Dutzend andere englische Städte bombardieren lassen, die zu allem Unglück einen großen Teil ihrer Jäger zur Verteidigung der Hauptstadt hätten abgeben müssen. Tag und Nacht werde London nun bombardiert werden, bis das Leben in der englischen Hauptstadt lahmgelegt sei. „Der Vorhang zum Schlußakt der Tragödie ist nun aufgezogen worden und wird vielleicht Ereignisse von weltgeschichtlicher Tragweite mit sich bringen", heißt es am Schluß dieses Berichtes.
lrizitäts - und Wasserwerke sowie Speicheranlagen zu beiden Seilen der Themse m i l Bomben aller Kaliber belegt Auch mehrere Flugplätze in der Umgebung von Lincoln wurden angegriffen. Im F i r t h o f Forth gelang es, ein Handelsschiff von 8000 BRT. durch Bombentreffer schwer zu beschädigen.
Britische Flieger richteten in der letzten Rächt Angriffe gegen Hamburger Wohnviertet Mehrere Wohnhäuser wurden beschädigt, einige Zivilpersonen verletzt. Der angerichtete Gesamtschaden ist jedoch auch hier nur gering.
Die Gesamtverluste des Gegners betrugen gestern 22 Flugzeuge, davon wurden 2 durch Flakartillerie, die übrigen im Lustkamps abgeschossen. Vier eigene Flugzeuge werden vermißt
punkt für die Sonntagsausflüge benutzt wird. Der ganze Bahnhof war fast menschenleer, aber bereits nach wenigen Kilometer tonnte ich große Schäden auf der Eisenbahnlinie konstatieren. Man darf nicht vergessen, daß hier nahe der Eisenbahnlinie auch die großen Docks und Hafenanlagen liegen. Noch immer stiegen die Rauchschwaden in die Höhe von angezündeten Lagerhäusern und Speichern. Einige Gebäude waren bis auf die Grundmauern abgebrannt, während Feuer und Rauch aus anderen immer noch herausschlug. Anscheinend hatte man die Hoffnung aufgegeben, sie noch retten zu können. Eine ganze Reihe von Kais und Verladeplätzen scheine v ollst ä n d i g zerstört zu fein. Man sah überall schwarze Brandmauern. Lösch- und Feuerwehr- Mannschaften waren immer noch eifrig dabei, um aufzuräumen und zu löschen.
Die Neuyorker Abendpresse vom Montag bringt ebenfalls spaltenlange Einzelheiten von den Zerstörungen in London. Die über neunstündige Bombardierung in der Nacht zum Montag habe Englands Hauptstadt mit rauchenden Ruinen umringt. In jeder Richtung hätten vom Londoner Zentrum aus Brände beobachtet werden können. Der Verkehr sei teilweise völlig unterbrochen. Die meisten Leute müßten zu Fuß zu ihren Arbeitsstätten gehen. Die gewöhnlich nur Gummiknüppel tragende Londoner Polizei patrouilliere mit Gewehren durch die Straßen und kontrolliere die Ausweise. Eine Bombe habe eine Gashauptleitung getroffen. Aus London veröffentlichte Photos zeigen eine total zerstörte Dockanlage mit einem im Hintergrund versinkenden Schiff. Auf einem zweiten Photo sieht
Deutsche Antwort.
Don unserer Berliner Schriftleiiung.
Das selbst heraufbeschworene Unheil schwebt über London und ganz England. Die deutsche Vergeltung hat begonnen. Die Lufthäfen und RÜ- stungssabviken, Docks und andere Hafenanlagen, Bahnhöfe und Verkehrswege sinken in Trümmer. Die immer wieder vorbrechenden und die englische Verteidigung beiseite schiebenden deutschen Flugzeuggeschwader haben England in eine Hölle verwandelt und den Briten selbst jenes Schicksal bereitet, das sie uns zugedacht und sadistisch in allen Gazetten ausgemalt hatten, als der deutsche Vergeltungswille noch nicht zum zermalmenden Schlage ausgeholt!
England hat uns in kaltem, plutvkratischem Der- nichtungswillen den Krieg erklärt. Es hat sich ausgerechnet, daß mit den Mitteln des Weltttüeges und seiner Koalition sowie der scheußlichen Hungerblockade gegen Deutschlands Frauen und Kinder wieder einmal ohne großes Risiko seine Rechnung aufgehen könnte. Aber schon Anfang Januar 1940 sagte Chamberlain, diesen Krieg hätte er sich eigentlich anders gedacht, und die folgenden Monate bewiesen die furchtbarste Fehlrechnung, die John Bull jemals aufgestellt. England taumelte von Niederlage zu Niederlage, von einem „fiegrei-
man eine zerstörte Brücke, die der bekannten Towerbrücke ähnlich sieht, in deren Nähe sich zahlreiche Dockanlagen befinden. Von den Außenbezirken schreibt ein Augenzeuge, das Themsegebiet biete einen unvergeßlichen apokalyptischen Anblick. Schwere schwarze Rauchwolken und theatralisch springende Flammen rührten unmißverständlich von O e l her. Als er nach London zurückgekehrt sei, habe er einen Grad der Zerstörung gesehen, wie er ihn nicht erwartet habe. Viele Londoner Zeitungen können nicht erscheinen, denn die Angestellten hätten die Nacht im Keller zugebracht. Deshalb sei die Londoner Bevölkerung über das Ausmaß der Schäden schlechter unterrichtet als die Amerikaner.
Kursstürze an der amerikanischen Börse.
N e u y o r k, 10. September. (DNB.-Funkfpruch.) Die Nachrichten über die verheerende Wirkung der deutschen Luftangriffe auf London führten auf dem Neuyorker Effektenmarkt am Montag zu starken Verkäufen mit Kursstürzen bis zu fünf Punkten. Hauptsächlich betroffen waren Rüstungswerke. Auch an der Chita g o er Getreid eb örs e kam es infolge der Meldungen aus London zu eiligen Verkäufen. Die Weizenpreise fielen.
Beobachtungsstand der Luftwaffe am Kanal.
Vom Ufer des Kanals aus werden die Angriffe unserer Kampfflieger gegen England genau verfolgt. Unser Bild zeigt einen solchen Beobachtungsftmck). Zweiter von rechts: General Ritter v. Schleich. (PK.-Sprotte-Scherl-M.)
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Feuerschein erhellt den Londoner Nachthimmel.
Ein einziges deutsches Flugzeug hat — wie die vom britischen Zensor geprüfte Unterschrift dieser von einer amerikanischen Bildagentur verbreiteten Aufnahme besagt — diesen Riefenbrand am Londoner Nachthimmel verursacht. Doch das war nur* ein bescheidener Auftakt! Inzwischen (die Aufnahme ist mehrere Tage alt) hat London ganz andere Dinge erlebt. Rechts im Bilde die Kuppel der'St.-Pauls-Kathedrale. — (Afsocigted-Preß-M.)
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Starke Wirkung der bisherigenAngriffe bestätigt.
„Wo ist die englische Lustreserve?"
Amerikanische Beobachter erstaunt überdieSchwächeder britischen Verteidigung.


