Ausgabe 
10.6.1940
 
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Nr. 55 Zweites Blatt

(Siebener Anzeiger iGeneral-Anzeiger für Gberheffen)

Montag. 10. Juni 1940

ai

Kamiliengeschichtlicher Gang über den Alten Friedhof.

Am gestrigen Sonntagvormittag fand auf dem Schiffenberg in Anwesenheit des Kreisleiters Back­haus eine gut besuchte Feierstunde der Werk­frauengruppen des Kreises Wetterau statt. Nach dem Einmarsch der einheitlich gekleideten Werk­frauengruppen, die zu beiden Seiten des Redner­pultes Aufstellung nahmen, wurde die Feierstunde in dem großen Schiff der altehrwürdigen Kapelle mit dem Führerkanon und einem Spruch eröffnet. Sodann wechselten in gut gewählter Folge Lieder des Werkchors und Sinnfprüche ab. Hierauf brachte Pgn. Frl. Schaper Gedanken ausStimme der Ahnen".

Im Mittelpunkt der Feierstunde stand die An­sprache des Gauhauptstellenleiters der DAF. Pg. Wagner. Einleitend führte er aus, daß neben den fachlichen und fachlichen Belangen, die die Werkfrauengruppen zu vertreten hätten, das große Ziel stehen müsse, daß die Arbeit so durchgeführt werde, wie es der Wunsch des Führers sei. Man müsse sich immer fragen, ob die Arbeit, die in den Werkfrauengruppen geleistet werde, dem Volke nütze, oder ob noch mehr zu tun sei. Es sei die Aufgabe der Werkfrauengruppen, dafür zu sorgen,

rtjliliteniann meldet:

In der Kriegshilfslotterie wurde am Samstag am Bahnhof Gießen wiederum ein Gewinn von 100, RM. gezogen. Am Sonntag fiel in einer Gaststätte in Wißmar bei Gießen, verkauft von Losverkäufer 595, abermals ein Gewinn von 500, RM. Beide Gewinner find Soldaten. Unsere Soldaten im Dienst für Führer und Volk bekunden immer wieder durch den Kauf der Kriegshilfslos­briefe, daß sie die großen Aufgaben des Kriegshilfs­werkes voll verstehen.

Eine frohe oberhessische Stunde.

Am gestrigen Sonntag fand eine frohe Volks­tumsveranstaltung mit dem oberhessischen Heimat­dichter Georg Heß, der Volkstumsgruppe Leih­gestern und einer Bauernkapelle in einem Reserve­lazarett in Gießen statt. Die Veranstaltung wurde von der NS.-Kriegsopferversorgung, in Verbindung

Tageskalender für Montag.

Volkstümliche Vorträge der Ludwigs-Universität: 20.15 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut, Lud- wigstraße 34, Professor Dr. Vollrath überKrieg und Frieden unter besonderer Rücksicht auf inner- britische Zustände"; 20.15 Uhr im Tierseuchen-Jnsti- tut, Frankfurter Straße 87, Professor Dr. Beller überAuf den Menschen übertragbare Tierkrankhei­ten und ihre Bekämpfung". Gloria-Palast, Sel­tersweg:Meine Tochter tut das nicht"; 14>45 Uhr: Wochenschau-SondervorstellungDie gewaltigste Schlacht aller Zeiten". Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:Die goldene Peitsche".

Und in die stolze Ruh' versetzt in seinem Haus, Indem er durch den Tod mich hieß zum Leben gehen."

Die Teilnehmer des Rundganges folgten den Dar­legungen mit dankbarer Aufmerksamkeit.

Feierstunde der Werksrauengruppen des Kreises Wetterau

Warum man errötet?

Das Errörten ist eine der merkwürdigsten Aus­drucksformen menschlicher Empfindungen. Es kann nicht, wie manche anderen Erregungserscheinungen durch irgendeine Tätigkeit oder durch äußere Ein­wirkung auf den Körper hervorgerufen werden, sondern es wird vom Gehirn aus erzeugt. Manche Personen erröten leicht, andere wieder

schnelle Befolgung des Fliegeralarms erleichtern. Die Verdunkelungsvorfchristen find natürlich unter allen Umständen zu befolgen.

In manchen Fällen geht es nicht nur um Minu­ten, sondern um Sekunden. Jede gewonnene Se-, künde kann ein Vorteil fein, dem man unter Um­ständen das Leben verdankt. Für Säuglinge und Kleinkinder halte man Decken zum Einschlagen. be­reit. Man kann sie im Keller noch anziehen und hat auch dort noch Zeit genug, die eigenen Schuhe zuzu­schnüren. Je ordentlicher man seine Siebensachen zusammengelegt hat, desto schneller kann man den Alarm befolgen. Je ruhiger man bleibt, desto zweck­mäßiger kann man sich gegenseitig unterstützen. Es ist besser, hundertmal zu früh im 'Luftschutzraum zu sein, als einmal zu spät sich dahin aufzumachen.

Janker an den Nagel hängte, verspürte er im un­teren Saume etwas Schweres, griff nochmals in die Tasche hinein und fand ein Loch im Futter, durch das er die vermißte Dose in ihrer ganzen, silbernen Pracht herausangeln konnte. Vor Freude tat er erst einen Hellen Juchzer und eilte dann dem Wirts­haus zu, um die Situation zu klären.

Seine Schritte wurden aber immer zögernder, je näher er dem Toben kam, und er befürchtete nicht zu Unrecht, daß ihn die Burschen in ihrer Wut leicht erschlagen könnten, wenn er die harmlose Aufklärung des Diebstahls brächte. Er wandte sich also klugerweise wieder heimwärts und schwieg sich auch in Zukunft über den Verbleib der Dose aus. Nur auf seinen stillen, nächtlichen Gängen durch die Wälder begleitete ihn fortan das Prachtstück, und immer, wenn er eine Prise daraus nahm, benieste er einen guten Schuß.

Einmal war er wieder die ganze Nacht draußen gewesen, und schon dämmerte der Morgen herauf, als er endlich über einem Reh stand und bedächtig in die Dose griff. Da hörte er über sich ein Lachen und sah auffahrend den Förster mit seinem Ge­hilfen in der Wand stehen. Der Anblick allein hätte ihn vielleicht nicht so erschreckt, aber die auf ihn gerichteten, schußfertigen Gewehre ließen ihn ganz das Hoffnungslose seiner Lage erkennen, so daß er die Dose fallen ließ und vor Schreck erstarrte.

gackele", hörte er den Förster rufen, ,chu bist trotz deinem geschwärzten Gesicht gar nicht ver­kennen! Wir müssen jetzt aufs Amt gehen. Am besten machen wir gleich den Weg zusammen, wenn's gefällig ist?" Das WortAmt" war das Stichwort für den Jackele, aber es stach ihn nicht tot, sondern es machte ihn im Gegenteil höchst lebendig. Mit einem Satze war er bei feinem Ge­wehr und mit einem zweiten auch schon im Ge­büsch verschwunden. Der Förster drückte das Gewehr seines Gehilfen zur Seite und rief dem Flüchtenden höhnisch hinterher:Laß dir doch Zeit, Jackele, es eilt doch nicht so mit dem Amt! Und erkannt bist du ja sowieso ..

Aber der Jackelei gab keine Antwort, und er wartete auch nicht auf die freundlichen Begleiter. Er sauste atemlos durch den Wald, wusch sich in einem Bach, versteckte das Gewehr unter dem alten Baum und rannte dann weiter. Daheim legte er sich sofort ins Bett und erwartete mit Zittern und Zagen die Ankunft des Försters. Es dauerte eine ganze Weile, und der schwitzende Jäckel hatte reich­lich Zeit, sein Gewissen zu erforschen und Reu und

Vorsicht ist die beste Bereitschaft

Kleine Winke zur Befolgung bei Fliegeralarm.

Wenn etwas schnell zu geschehen hat, so ist das erste Erfordernis, daß es ohne Haft geschieht. Jede Hast stört, hindert und hält auf; sie erzielt lediglich eine Verzögerung. Man bewahre also in erfter Linie die Ruhe und Ueberlegung, die zu einem zweckmäßigen Verhalten erforderlich sind.

Ser 3adel läßt das Jagern sein.

Von Karl Robert Popp

J8or manchem Jahrzehnt ist im Böhmisch-Bay- When viel gewildert worden, und der Jackele kor einer der erfolgreichsten Nachtgänger in den /eiten Wäldern, bis er mit einem Male sein Hand­let aufgab. Wie er zu dem Entschluß kam? Da.s ft eine Geschichte, die man schon erzählen kann.

3n eben dem Jahre, in dem der Jackele das Wil- »n aufgab, hatten sie da unten einen neuen För- jer bekommen, von dem sie vorerst nicht allzuviel Spürten. Um so mehr merkte der Förster Brand- von ihnen, und das hat ihn gewurmt, gar nicht ft beschreiben! Seit dem Frühjahr hatte er sich ttischworen, die frechsten Wilddiebe zu stellen, aber '- schien bis zur Einlösung dieses Eides noch viel Jet vergehen zu müssen, soviel, daß die Kirchweih Zwischen kam, und auf der Kirchweih fehlte «her.

So geschah es, daß der neue Förster mit dem | «feie an einen Tisch zu sitzen kam und ehrlich Wien neue Schnupftabaksdose bewunderte, ein Frachtstück mit silberbeschlagenem Deckel, das sich Jackele aus der Stadt mitgebracht hatte. Als sicher Mann bot der Jäckel alsbald feinem Tifch- 'uhbarn eine Prise an, die der Förster dankend ^Nieste. Sie drehten dann einen Tanz mit den ^önen des Dorfes unb kehrten fröhlich zum Maß- R zurück. Und als der Jackele erneut behaglich Meine Tasche griff, war die Schnupftabaksdose

, lkrchwunden. Erst hat's ihm einen Stich durchs gegeben, dann stieg ihm eine rote Zornwelle *5 Gesicht, und endlich hieb er wütend auf den J'fi), um an die Versammelten eine Ansprache zu Vlien, die an Deutlichkeit und Derbheit aber auch kr nichts zu wünschen übrig ließ.

Obwohl die Burschen daraufhin bereits ebenfalls Köpfe hatten, taten es doch einige dem För- F nach und wendeten zum Zeichen ihrer Unschuld Taschen um. Die anderen rückten murrend näher, A ihr Anführer, der Schmied-Franz, baute sich ^itbeinig vor dem Jackele auf und fragte scharf, J er sie für Diebe und Mausköpfe halte. Dem ^dele entfuhr eine voreilige Bejahung, und so kam 6 daß er als erster zur Tür hinausflog und der beginnenden Rauferei als stiller Zuschauer bei- ^inen mußte. Er warf noch einen Maßkrug durchs ter auf die Kämpfenden und tappte bann, laut sich hinschimpfend, heimwärts. Als er (einen

daß die Idee des Nattonalsozialismus in alle Her­zen hineingetragen werde. Die Frauen-hätten im Kriege schwere Aufgaben zu erfüllen, sei es im Haushalt, an der Werkarbeit, oder an anderer Stelle. Gerade in der heutigen Notzeit müsse sich jeder einzelne zur Verfügung stellen und mehr als feine Pflicht tun. Die Soldaten an der Front müß­ten schwere^ Opfer bringen, was wir tun in der Heimat, sei gegenüber dem Opfer der Soldaten außerordentlich gering. Die Opfer der Heimat müß­ten sich denen der Soldaten im Felde würdig zeigen. Der Krieg habe den Zweck, einen langen Frieden zu sichern. Die erste Aufgabe des Führers nach der Machtübernahme fei die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten gewesen. Nur durch Arbeit seien wir wieder ein Volk geworden. Deshalb müsse auch die Arbeit zur Erhaltung des deutschen Volkes für alle Zukunft immer an der Spitze stehen.

Der musikalische Teil der Feierstunde wurde durch eine Werkscharmusikgruppe in guter Weise durch- geführt.

Nach dem gemeinsam eingenommenen Eintopf­essen vergingen die Nachmittagsstunden bei Dar­bietungen der Werkscharmusikgruppe allzu rasch.

der Frau von Totenwardt. Mit ihrem Todestag ist nämlich eine Stiftung verbunden, mit der alljähr­lich am 10. Juni (dem Todestag der Frau von Todenwardt), also am heutigen Tage, der (Ertrag des Stiftungskapitals in Höhe von 50 Gulden (135 RM.) an Bedürftige unserer Stadt zur Aus­zahlung gelangen. Diese Auszahlung geschah heute morgen um 5 Uhr in der Stadtkirche.

In einem zusammenfassenden kurzen Vortrag in der Kapelle umriß Stadtbaudirektor Gravert die Bedeutung der in so vieler Hinsicht, vor allem in kultureller und kulturhistorischer, wichtigen Grab­denkmäler. Welch Reichtum und welche feine Er­kenntnis auf manchem der Grabsteine Ausdruck ge- unden hat, geht aus einer Inschrift auf dem Grab- tein des Gasthalters Kaspar Thom hervor. Auf einem Grabstein ist zu lesen:

Ich, der ich so manchen Gast

Nahm in die Herberg ein und ließ

Nach Stands Gebühr denselben wohl traktieren Auch wenn es ihm beliebt, zu seiner Ruhe führen Könnt selbsten nur Gast in meiner Herberg fein, Diel Ungemach und Müh allhier ausstehen Nun aber hat mich Gott davon gespannet aus

Seinb- sieben dem psychologischen Moment kann uns die k^auf Städte und Ortschaftenl Westdeutschlands O r d n u ng eine gute Helferin bei Fliegeralarm st., gezeigt welche Bedeutung dem fein. Man treffe vorher alle Maßnahmen, die die

111chutzke11er als Schutz zukommt und . ffhtio 9^oFnfrtiiMrt Xnc OifiAAAVAfr- avGixx«»» i-

midjtig es ist, daß sich jedermann sofort in den Schutzraum begibt. Es ist schon mancher Fall be- Q orden, daß Häuser durch Bomben stark beschädigt oder gar zerstört wurden, den Einwoh­nern aber nichts geschah, weil sie sich im Luftschutz­raum befanden. Es liegt also im Interesse jedes einzelnen, sich rechtzeitig und mit möglichster Be­schleunigung in den Keller zu begeben. Dazu einige kleine Winke:

schwer, noch andere gar nicht, und die Neigung zum Rotwerden ist vielfach eine Familieneigentümlich­keit, hängt also mit irgendwelchen Vererbungser­scheinungen zusammen. Das Erröten ist nicht nur em unwillkürlicher Vorgang, sondern der Wunsch, es zurückzuhalten, verstärkt geradezu fein Auf­treten. Vielfach hält man das Erröten für eine besondere Eigentümlichkeit des weiblichen Geschlechts, und es ist dadurch in einen eigenartigen Zusam­menhang gekommen mit den Begriffen von Frauen­unschuld und Frauenschönheit. Diese Annahme hat sogar dazu geführt, daß früher in der Türkei An­wärterinnen für den Harem des Sultans oder an» derer Großer höher bewertet wurden, wenn sie die Fähigkeit befaßen, zu erröten, und daß auf Skla» Denmärften für eine Frau, die rot werden konnte, ein höherer Preis bezahlt wurde. Die Sinnlosig­keit dieser Vorstellung wird schon erwiesen, wenn man sich einmal den physiologischen Vorgang beim Rotwerden klarmacht. Die Ursache für diese Erschei­nung liegt in dem engen Zusammenhang zwischen den sensorischen Nerven des Gesichtes und den win­zigen Blutgefäßen, deren Blutzuiahr durch diese Nerven geregelt wird. Dadurch bringt irgend etwas, was, vielleicht auch nur indirekt, die Aufmerksamkeit auf das Gesicht lenkt, diese sehr empfindlichen Ner­ven in Erregung, so daß sie die Blutgefäße des Gesichts in verstärktem Maße mit Blut füllen. Diese ursprüngliche Ursache des Errötens hat dann im Laufe von Jahren die Folg< daß, schon die bloße Annahme einer Beachtung das Rotwerden hervor- ruft. Auf diese Weise ist es verständlich, daß auch die Blinden rot werden, daß junge Menschen leich­ter erröten als ältere und Frauen mehr zum Rot­werden neigen als Männer. Junge Leute und Frauen sind ja meistens schüchterner als ältere Leute unb Männer, und da Schüchternheit in einer über» triebenen Rücksichtnahme auf die Anwesenheit und Meinung anderer besteht, so ist sie der hauptsäch­lichste Grund für das Rotwerden. Der Versuch, beim Erröten fein Gesicht zu verbergen, es zu bedecken ober wegzuwenben, ist nur eine burch Assoziation entstandene Gewohnheit. Die Vererbung spiett bei dieser Eigenschaft zweifellos eine große Rolle, und vielleicht ist es manchem, der sich über sein leichtes Rotwerden ärgert, ein Trost, wenn er erfährt, daß auch die Menschen im Naturzustand, wenn sie nackt gehen, erröten, unb zwar nicht nur im Gesicht, son- bern am ganzen Körper! c.K.

Mandelentzündung

Ich hatte eine erhebliche Bronchitis u. Angina, die ich mit Karlssprudel in heiß. Milch bekämpfte. Die Wirkg. trat in kurzer Zeit ein. Die schnelle Heilung verdanke ich Ihr. Karlssprudel. J.Wild,

Oberstfeldmstr., Zehdenick H.,Liebenw.Str. 10.8.37.

20 gro/je Flaschen RM 12 60, 50 gro/je Flaschen RM 25.-. Fracht hm und zurück trägt der Brunnen. Heilquelle Karlssprudel, Biskirchen *

mit der NS.-GemeinschastKraft durch Freude" getragen. Zahlreiche Gäste, darunter auch der für die Volkstumsarbeit zuständige Gauwanderwart Schwab aus Frankfurt, waren erschienen. Die Darbietungen spielten sich auf dem Rasen ab und erhielten dadurch eine Zwanglosigkeit, die sich sehr gut auswirkte. Georg Heß zog zunächst mit seiner Volkstumsgruppe, den Mädeln unb Buben aus Leihgestern, mit der in Bauernkitteln steckenden Kapelle und einer aus BDM.-Mädchen und Hitler- jungen bestehenden Singschar ein. Die Singschar trug dann Soldatenlieder vor, während Georg Heß in seiner bekannten humorvollen Art die Soldaten mit der oberhessischen Mundart und Eigenart be­kanntmachte. Nach einer Pause schilderte Georg Heß die Schönheiten Oberhessens und trug vor allem seinen bekanntenGruß aus Owerhesse", so­wie einige seiner drastisch-belehrenden Gedichte vor. Die Volkstanzgruppe in ihrer bunten Kleidung führte mehrere Tänze vor, die großen Gefallen fanden. Dazwischen sang die Singschar zwei ober- hessische Spinnstubenlieder. Auch ein Solo für Ak- kordion auf zwei Instrumenten wurde vorgetragen. Die Bauernkapelle unterstützte die einzelnen Dar­bietungen und lockerte die Vortragsfolge mit volks­tümlicher Tanzmusik auf. Die Stunde fand (ehr guten Anklang.

Kunterbunter Abend

beiKraft durch Freude".

Die NSG.Kraft durch Freude" hatte für Sams­tag zu einem bunten Abend in das Caf6 Leib ein­geladen, der eine Fülle schöner unb interessanter Darbietungen brafyte. Da gab es (Eitra, den

Leib zu erwecken. Einmal hatte er schon wegen Wilddieberei gesessen, unb er ahnte, baß er biesmal auf ein Jahr ober noch länger hinter die Gitter ge­schickt werden würde. Die Tränen standen ihm schon von dem bloßen Gedanken in den Augen, unb er schwur einen heiligen Eid, das Wildern zu lassen, wenn er diesmal noch gnädig davonkäme.

Aber der Förster kam doch, und der Jackele fant bei diesem Anblick ächzend in die Kissen zurück. ,Zst dir nit gut. Jackele?" fragte mitleidig der ebenfalls hereintretende Heger, und der Jackele fühlte einen dumpfen Zorn in sich aufsteigen, weil die beiden anscheinend noch den Schimpf zur Schande hinzu- fügen wollte. Er blinzelte aufwärts und murmelte etwas von Leidfchmerzen. Der Förster aber sah selber ganz blaß und ernst aus. ,Hackale", sagte er, komm, gib mir deine Hand! Ich hätt' dir heute leicht ein schweres Unrecht zugefügt. In der Frühe haben wir einen Wilderer gestellt, und ich hätt' dir schwören mögen, daß du es gewesen bist. Noch jetzt, wie ich dich anschau, ist es mir unbegreiflich, aber ich habe freilich den Beweis für deine Unschuld ge­sunden. Da schau her, Jäckel, das hat dich gerettet! Deine silberne Schnupftabaksdose ist's! Wenn ich nicht damals an deinem Tisch gesessen hätte, wo sse dir gestohlen wurde, dann stündest du jetzt schon vor dem Richter. Weißt du, wo die Dose lag?! Neben dem Reh lag sie, und der Wilderer ist dem­nach derselbe Lump, der sie dir gestohlen hat! Da hast du dein Eigentum zurück, Jackele, und verzeih mir den Argwohn."

Der Jackele verzieh, und die beiden Jäger ver­ließen bie Stube, um weiter nach dem Wilderer zu sehen. Der Zurückgebliebene aber hat zuerst seiner Silbernen ein Busserl aufgedrückt, dann hat er draußen die Büchse hervorgekramt und zerschlagen, und zuletzt fah er sich nach einer Gegend um, in der keine Wälder waren. Er wollte nämlich fernen Eid halten, und er kannte sich, der Jackele, 0 er kannte sich nur zu genau!

Gestern nachmittag fanden sich unter den schat­tigen Bäumen des Alten Friedhofs viele Freunde der Heimat-, insbesondere der Gießener Familien­geschichte ein und folgten damit einer Anregung der NSG.Kraft durch Freude". Stadtbaudirektor Gravert führte die Besucher an den alten Mauern des unteren Teils des Friedhofs entlang und sprach an Hand der in die Mauer eingelassenen alten Grabsteine über die Verstorbenen, denen die Grabsteine gewidmet sind, und gab damit einen tiefen Einblick in den Wandel der Zeiten und des Geistes, der aus den Steinen spricht. Stadtbau­direktor Gravert als Leiter des Rundgangs oer- olgte damit Familien- und Stadtgeschichte über drei Jahrhunderte, rief manchen heute noch in der Stadt bekannten und lebendigen Namen herauf und konnte von den interessantesten der Steine auch die Inschriften verlesen, die alle, und soweit sie über­haupt noch leserlich waren, schriftlich und für ferne Zeiten festgehalten sind, wenn die Grabmale aus vergänglichem Sandstein mehr und mehr den Un­bilden der Witterung zum Opfer gefallen find. Mit besonderem Interesse hörte man während der Be­trachtung der Grufthäuschen die Geschichte des Todes

Aus der Stad« Gießen.

Wildes Gemüse in Flur und Wald.

Das Freiland bietet jetzt allerlei Kräuter, die als Salat, Spinat, zur Suppe, sogar als Spargel und Brotbelag ausgezeichnet munden. Es gilt nur Vor­urteile zu überwinden; auch sind die Pflanzen falls sie von Aeckern und Wiesen stammen, die mit Kunstdünger behandelt sind, besonders sorg­fältig abzuwaschen.

Am leichtesten erreichbar ist der Löwenzahn. Diesesgoldige" Unkraut gedeiht in großer Zahl überall. Seine jungen Blättchen (sie sind härtlich was für die Zähne nur von Vorteil ist) liefern allein ober im Verein mit anderen Kräutern einen vitaminreichen Salat, zubereitet mit Zitrone, mit oder ohne Del, dazu die sonstigen üblichen Zutaten, vielleicht sogar unter Hinzufügung einer Zwiebel ober von etwas Zucker. Als Mischwerk eignen sich Blättchen vom Wiesenschaumkraut (auch junge Triebe), vom bescheidenen Gänseblüm­chen und dem am Boden kriechenden, meist violett getönten Gundermann. Mittel- und Süddeutfch- land bieten darüber hinaus zwei stellenweise auch in Kultur gezogene Unkräuter: die Brunnen- kresse und den Rapunzel- oder Feldsalat. Rohsalate sind als Beikost zu Fleischgerichten be­sonders wertvoll, zumal neben dem Vitamingehalt auch ihre Mineralsalze eine Rolle für den Kreis­lauf im Körper bedeuten. Man kann ferner die aus den gesammelten Pflanzen durch Pressung gewon­nenen Rohsäfte ttinken, doch halten sie sich nur kurze Zeit, weshalb der Verbrauch der ganzen Blät­ter einfacher ist.

Kompaktere Mahlzeiten liefert die große Bren - neffeI, deren Jungtriebe und Blätter wie Spi­nat zubereitet werden. Ich habe öfters dieses Gemüse gegeffen, das unsere Hecken und Zäune allerwegen flaumt, sowie an feuchten Waldstellen sich breitmacht. (Es ist im Ueberfluß vorhanden und kostet obendrein nicht einen Pfennig. Zusätzlich kann man ihm vieler­lei bei fügen: z. B. Scharbockskraut, das jetzt len Waldgrund dicht überzieht, und ebenso den im Barten lästigen, leicht herb schmeckenden Giersch rder Ziegenfuß. Er ist auffällig durch seine ge­spaltenen Blätter und seine langen, schwer zu besei­tigenden Wurzelstöcke. Nicht zu vergessen und eben­so wenig zu übersehen sind die silbern behaarten vlätter des Gänse fingerkrautes und die |ur Kost der Stubenvögel oft verwertete Vogel- niere. Sie wächst immer wieder neu nach und lefert aus diesem Grunde im Kulturlande bis in len Herbst hinein ständig frisches Kraut. Aus eige- jer Erfahrung schätze ich vor allem, die verschiede- len Vertreter der Meldengewächse, die Dtammpflanzen unserer Sp^natpslanzen. Die Mel­len, vor allem die weiße Melde, die Gartenmelde inb der gute Heinrich, sind auf Kulturgelände und bchuttstellen allgegenwärtig. Man kann sie richtig erfüllen", b?nn ihre Blätter tragen einen spür­baren Belag von winzigen weißlichen, mehligen Lörnchen. Blätter unb Jungtriebe werden abge- slhnitten. Man bereitet das Gemüse als Spinat oder wie es zu Großmutters Zeiten genossen würbe als dickliche Suppe mit ober ohne Zusatz non Grütze, Graupen, vielleicht gar unter Bei- pbe von gettennt-gekochten Kartoffeln. Daß ber Kiefenfauerampfer eine ausgezeichnete Suppe, ebenso ein Spinatgerkcht ergibt, bedarf wohl 'hum der Erwähnung, doch ist er wegen seiner Oralfäure von Nierensteinkranken zu meiden. Eine Jute Kräutersuppe stellt man zusammen aus Blät­tern von Sauerampfer, wilder Möhre (auf ttocke- nen Flächen häufig), Schafgarbe, Kümmel; selbst Kettentriebe sind zu verwenden. Die gehackten Plättchen von Huflattich, Sauerampfer, Wiesen- sihaumkraut unb Kümmel ergeben einen erfrischen- bjn Brotbelag. Wegericharten, vor allen Dingen Spitzwegerich, können beliebig ben bisher erwähn- tm Gerichten beigefügt werden.

Als Spargelgemüse sind zu verwerten die Jung- liroffe von Hopfen, ber in Anpflanzungen junger Saume oft ftörenb bas Wachstum derselben beein- rächtigt, ferner die spiralig aufgerollten Triebe der : Ib I e r f a r n (Waldlichtungssiebler). Freilich müf- 1 kx die letztgenannten vor Abkochen von ihren 1 bkounen Kälteschuppen befreit werden. Dr. E. S. 1