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ttr. 84 Zweites Blatt

Mittwoch, ltt. April WO

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Aus der Stadt Gießen

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Führen von Flohertgewehren (Tesching) mit gezoge­nem Lauf und mit einem Kaliber von 6 mm und darunter keines Waffenscheines. Der Reichsminister des Innern hat nun verordnet, daß diese Teschings

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Dunst, kaum, daß man die Kirche von sieht. t

Hochkirch! Dort stand der Alte Fritz, al Schlacht gegen die Oesterreicher schlug. Hier Hutberg kämpfte der tapfere Plessen jji habsburgischen Daun, kämpfte, bis dMM der klaffenden Stirnwunde sprang Gras der Heimaterde sank.

Im Park von Plessen-Roda ist s^W un Tempelchen, viel zu heiter für 1 Todes. Es steht umfriedet von eineHW 'chnittenen Buchenhecke und sieht herMH Teich, der im Grünkleid vieler Millione

dicke, runde Türme flankieren den griechischen Mittelteil.

Mit seinen schönen, großen Fenstern schaut das Schlößchen voll ernsthafter Heiterkeit auf das Rasen­rondell herab, das keinen anderen Schmuck hat als die tiefästige, mehrfach gestützte mächtige Esche. Rur dieser gewaltige Baum und der Rasen trennen das Schlößchen von den Wirtschaftsgebäuden im großen Viereck des Hofes.

Ein Lachen springt vom großen Balkon herab in die Welt der Landwirtschaft. Die beiden Schweizer in ihren rotweißen Jacken horchen auf. Der blut­junge Volontär hebt die Rase, und der Inspektor kann ein Schmunzeln nicht verbergen. Der Chef lacht! Und dieses Lachen hat etwas Ansteckendes!

Der Chef ist nun nicht etwa ein Mann in be­häbigem Alter, mit hohen Stiefeln, einer Joppe und einem leutseligen Wesen. Rein, der Chef ist die schmale, lange Jutta Plessen, von allen anerkannt, von allen alsChef" geachtet.

Sehen kann man sie nicht auf dem Balkon. Sie hilft drinnen im festlichen Saal, der die hohen Fen­ster hat, Fräulein Schmidtchen beim Tischdecken für die Verlobungsfeier. Fräulein Schmidtchen war Juttas Erzieherin, jetzt, da der Zögling ihr ent­wachsen ist, leistet sie dem alten Fräulein von Plessen, Juttas Tante, Gesellschaft und betätigt sich manch- knal im Haushalt.

:Sollte man nicht viel weniger Zeit auf leibliche iGenüsse verwenden?" meint sie, zu Jutta gewendet. Drei Stunden kochen, eine Stunde Tischdecken und die vielen sonstigen Vorbereitungen ... Ist das nicht Raub an der Zeit, die man für wertvolle, innere Dinge verwenden könnte?"

Fräulein Schmidtchen wiegt sich in den Hüften, als sie wieder zur Anrichte geht. Sie ist nicht jung und nicht alt, nur dick.

Nun gut", sagt Jutta,bann also in die rechte Hand eine rohe Möhre und in die linke eine Gurke!"

So meinte es Fräulein Schmidtchen natürlich nicht Man dürfe ja auch Gottesgaben wie Hühn­chen und Hähnchen nicht verachten! Vor allem nicht, wenn der Anlaß des Festmahles eine Derlobungs- feier sei

Ihr Bräutigam, Jutta, ist ein Idol!" fügt sie schwärmerisch hinzu

Jutta bricht in em schallendes Lachen aus. Em

Die Bereinigten Staaten haben die Wahrung der britischen Interessen in Dänemark übernommen. Ein diesbezügliches Ersuchen war durch den briti­schen Gesandten in Kopenhagen an seinen nord- amerikanischen Kollegen gerichtet worden. Der nord- amerikanische Gesandte hat das Staatsdepartement davon verständigt, daß in 2)änemarLejjjUge Ruhe herrsche.

beide ein verlängertes Wochenende entfernt von L Washington verbrachten, telephoniert. Beide kehrten | nach Washington zurück. Im übrigen herrscht Ein- ' * ' diese Entwick-

und dann vier Jahrzehnte hindurch in NordhauseN als Mittelschullehrer ausübte. Viele Jahre hat et die kleine Zeitschrift für DichtungDas Hausbuchs herausgegeben, späterMiniaturen deutscher Dich­tung", mit denen er einen kleinen Ireis von jungen Dichtern um sich scharte, und er ist mit diesen Blät­tern ein verdienstvoller Vorkämpfer für dichterische Kultur gewesen. Nach seiner Zurruhesetzung siedelte er nach Gießen über. Mit seiner anmutigen lyri­schen Begabung gelangte er in den ihm gezogenen Grenzen zu entsprechender Bedeutung. Mehrere Bändchen mit eigenen Gedichten hat er erscheinen lassen, und er zeigte sich in ihnen zumeist als freundlicher Schild er er der Natur, dem nichts zu klein, nichts zu unbedeutend war, um es in einem Gedicht zu fangen. Gern band er die Blumen von den Wegrändern auf feinen Harzwanderungen zu bunten Garben zusammen, schuf aber auch ein paar Bändchen vaterländischer Gedichte, von denen ex

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Erinnerungen.

Wir wissen nicht, wieviel Menschen sich noch Zeit gelassen haben mit der Ablieferung von Erinne­rungsstücken aus Metall, das für die Geburtstags­spende des Führers erwünscht ist. Aber wer vor einer dieser Metall-Sammlungsstellen steht, hat un­willkürlich das Gefühl: und alle, alle kamen. Das ist ein sehr persönliches Gefühl, das für eine stati­stische Erhebung gänzlich unzulänglich ist. Und trotz­dem ist es ein überzeugendes Gefühl.

Was am meisten packt, ist die Bereitwilligkeit zur Ablieferung alter Erinnerungsstücke. Wir mögen uns tausendmal mit dem Verstände sagen, daß das oder jenesalter Plunder" ist. Wir hängen doch daran, und wenn es nur ein Spieldöschen wäre, das unsere Mutter aufgezogen hat, wenn in der ersten Jugend ein peinliches Erlebnis uns die Tränen in die Augen trieb, um uns über solches Mißgeschick hinwegzutäuschen. Wir erinnern uns wohl auch, wie stolz wir waren, als wir selbst das erste Mal unter mütterlicher Anleitung dieses Spieldöschen aufziehen durften, und wie ängstlich wir waren, als wir unberufenerweise dieses Spieldöschen ohne müt­terliche Aufsicht zu unserem höchst privaten Ver­gnügen in Betrieb setzten. Aber die gute Mutter hörte nichts und war auf einmal taub. Nun wan­dert die Spieluhr auch zur Sammelstelle, und da­neben steht ein kerzengerader, birkenschlanker alter Herr, der, wie er uns auf dem Heimweg anvertraut, seine Reiterpreise beigesteuert hat ... darunter auch einen Reiterpreis, den er sich noch mit angeschosse­nem Schenkel geholt hatte. Das ist noch sehr viel mehr als ein Spieldöschen ...

Und wenn es auch einen Stich im Herzen gibt, so ist es doch so wie beim Zahnarzt: das Leben ist freundlicher, wenn der Zangengriff vorbei ist. Als wir nach Hause gingen, schmunzelten wir beide: ich, der ich das Spieldöschen gebracht, und jener man darf es ihm nicht sagen!alte Herr", der seinen Reiterpreis geopfert hatte.

Zu der alten Erinnerung war die neue Erin­nerung hiinzugekommen.Wir schmunzelten", sagten wir nicht eben so? Es war eigentlich kein Schmun­zeln. Es war auch kein Lächeln im üblichen Sinne. Es war jenes seltsame Anrühren unseres Empfin­dens, wie wir es fühlen, wenn wir uns im ersten warmen Sonnenschein nach einem Frühlingsveilchen oder Schneeglöckchen bücken und es mit einer ga­lanten Gebärde weiterreichen.

Lornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Stadttheater: 19.30 UhrLeichte Kavallerie". Gloria-Palast (Seltersweg):Der Feuerteufel". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: 14 UhrDer Choral von Leuthen";12 Minuten nach 12".

Sladttheaier Gießen.

Am heutigen Mittwoch wird zum erstenmal die OperetteLeichte Kavallerie" von Franz von Suppe aufgeführt. Musikalische Leitung Richard Boeck, Spielleitung Harry Grüneke. Es wirken mit: Eva Eckert, Friedel Fornallaz, Anneliese Garbe; Gustav Bley, Harry Braunwarth, Walter Erler, Harry Grüneke, Siegfried Lowitz, Christoph Neuland, Bern­hard Schmitz, Max Schneider-Oest, Karl Volck, Hans Voß. Chöre: Richard Boeck. Tänze: Thea Maaß. Bühnenbild: Karl Löffler. 27. Vorstellung der Mitt­woch-Miete.

BOM.-Llniergau 116 Gießen.

BDM..Derk-Grnppe la/116 Sport und Gymnastik.

Der nächste Dienst der Gruppe findet am Don­nerstag, 11.4., 20.15 Uhr, in der Goetheschule statt. Turnzeug sowie Beitrag für Monat April ist mit- zubringen. Der Dienst findet jetzt wieder regel­

mäßig jeden Donnerstag um 20.15 Uhr in Goetheschule statt.

Wann sind Flobert-Gewehre waffenscheinpflichiig?

Nach den bisherigen Vorschriften bedurfte es

Verständnis in Moskau.

Moskau, 10. April. (DNB.) Die Aktion der deutschen Wehrmacht zum Schutze der Neutralität Dänemarks und Norwegens wird in Moskau mit gespanntem Interesse und offensichtlichem Verständ­nis für die deutschen Beweggründe verfolgt. Die Prawda" erinnert daran, daß sich «England und Frankreich schon während des finnischen Konfliktes monatelang bemüht hätten, gerade die skandinavi­schen Staaten in den Krieg hineinzuziehen und daß die neuerlichen Drohungen der englisch-französischen Politiker nichts anderes bezwecken alsdas skandi­navische Kriegstheater, das durch den finnisch-sow­jetischen Friedensschluß den Kriegsbrandstiftern ent­glitten war, wieder zurückzugewinnen." Die sowjet- russische Oeffentlichkeit ist von der entschlossenen Maßnahme Deutschlands stark beeindruckt. Ge­sprächsweise wird darauf hingewiesen, daß eine energische Aktion Deutschlands auf das brutale Vor­gehen der Westmächte in den norwegischen Terri­torialgewässern zu erwarten stand.

wenig jungenhaft, gewiß, aber es ist keiner da, der ihr das etwa übelnähme. Gerade diese Urwüchsig- keit steht ihr so gut.

Vielen Dank!" lacht sie Hermine Schmidtchen ins gekränkte Gesicht.Nur, daß es auf Dolf Gräfe paßt wie die Faust aufs Auae!"

Es ist mein trauriges Geschick, meistens miß­verstanden zu werden!" Stolz verläßt Fräulein Schmidtchen mit dieser Klage den Saal.

Jutta horcht zur offenen Balkontür hin. Stim­men in der Ferne? Schritte auf dem Kies? In schwingenden Sätzen läuft sie durch den Saal, ruft drüben noch schnell ins Empfangszimmer hinein: Tante, sie kommen!" und flitzt nun die kühle, weite Treppe hinab. Ein dicker Putto bekommt schnell noch einen Klapps auf die pralle Wade.

Was kümmert es sie, wenn Fräulein Schmidt­chen mit sehr erregter Stimme von oben ruft:

Fräulein Jutta, das gnädige Fräulein Tante wünscht ..."

Weiß schon, oben bleiben, wünscht sie. Offizieller Empfang im blauen Salon. Verbeugung, Reverenz, förmliche Gespräche kennen wir! Blödsinn! Hin­unter und kräftig die Hand schütteln: dem Vater Gräfe, Erni, dem Kronprinzen sie kann diesen etwas steifen Hermann nicht anders als Kronprinz nenNen, und dann einen raschen, blitzenden Blick mit Dolf austauschen, so und nicht anders!

Der große Rosenstrauß paßt eigentlich nicht in Juttas Hände. Bräutlich sieht sie gar nicht aus in ihrem strengen Sportkleid.

Mein Gott, was macht der alte Gräfe für ein Gesicht! Das soll nun also der Schwiegervater wer­den? Gezwungenheit, umwölkte «Stirn? Auch so einer, der in der Joppe und der kurzen Wichs besser aussieht als im steifen Schwarz. Nun ja, es ist ja Tante Ottilies wegen, sie selbst würde gern auf den Zauber dieses ersten Besuchs verzichten.

Da sitzen sie nun, und alle reden anders als sonst, die Erni, der Bräutigam Rudolf, der alte Gräfe. Hermann, der Kronprinz, sagt überhaupt nichts. Nur Tante Ottilie ist sich immer gleich, immer freundlich und ruhig, sehr zart und sehr abgewogen in allem, was sie sagt. Und dann Hermine Schmidt­chen! Wenn sie schon den Mund auftut und an­fängt vomSommer in seiner Pracht" oder vom Segen der Felder"! In Büchern mag das ja schon und gut sein, aber hier im Gespräch? Vielleicht ist

I lung nicht in den l den wird.Wir müssen wer die Nachrichten aus

I erklärte Senator McN j keinen Grund, warum etwas unternehmen sollt per.Uns geht's nicht deshalb auch nicht einnrif den Senator N o r r i s vertMWWWMir Thomas sagte, er sehe nicht ein, daß bfrzsörgänge in Däne­mark und Norwegen in irgendeiner Weise die ame­rikanische Neutralitätspolitik berühren.

Brauchitsch antworteiFronside

Kraft, Erfahrung und Entschlußkraft Grundlagen der deutschen Waffenerfolge!

Berlin, 9. April. (DNB.) Die amerikanische Hearst-Presse hat sich durch ihren Chefkorresponden­ten Karl von Wiegand an den Oberbefehlshaber des Heeres Generaloberst von Brauchitsch mit der Bitte gewendet, eine Aeußerung zu der Bemerkung des britischen Generalstabschefs I r o n s i d e abzu­geben. Jronside hatte in einem Interview gesagt, die deutschen Generale seien zu jung, es fehle ihnen die Erfahrung, und Deutschland habe die Gelegen­heit zum Siege über die Westmächte verpaßt. Gene­raloberst von Brauchitsch hat der Hearstpresse auf ihre Anftage folgende Antwort gedrahtet:

Bewundere feit jeher Jugendkraft des Volkes der Vereinigten Staaten von Amerika, schreibe ihr die gewaltigen Erfolge des neuen Kontinents zu. Nehme auch für Deutschland in Anspruch, daß seine neuen, jungen, starken Kräfte den Auf st i eg bewirkten. Damit siegten wir überall. Ich bin glücklich, an der Spitze des neuen deutschen Volksheeres zu stehen und mit den besten jungen Generalen und den vor­trefflichsten Truppe« der Welt kämpfen zu können.

Wie lächerlich zu meinen, daß Deutschland keine erfahrenen Soldaten besäße! Wir haben in Polen bewiesen, daß wir aus dem Weltkrieg gelernt haben. Wir haben uns sogar die Fehler unserer englischen und französischen Gegner zunutze gemacht und sind heute technisch weit besser als diese. Wo blieben die englischen Generale, als noch die Masse unserer Truppen im Osten kämpfte? Sie verpaßten die beste, sich ihnen bietende Gelegenheit. Sie waren zu müde, zu marschieren und zuzuschlagen. I ch warte noch immer a u f den ersten Eng­länder. Wir haben inzwischen Zeit gehabt, die größten Teile unserer Wehrmacht nach dem Westen zu überführen. Wir haben den Winter für die Ver­vollkommnung der Ausbildung und der Ausrüstung aller unserer Truppen benutzt. Ich bedanke mich bei den englischen Generalen, daß sie mir dies ermög­licht haben. Damit ift d i e Lücke von Versail­les in unseren ausgebildeten Reserven g e s ch l o s - s e n und der einzige Vorsprung, den unsere Geg­ner hatten, endgültig wettgemacht worden. Das ganze deutsche Volk blickt heute mit vollstem Ver­trauen auf den starken Willen und die geniale Staatskunst seines Führers, des großen Meisters in der Benutzung des richtigen Augenblicks. Es wird sich zeigen, wer die Gelegenheit zum Siege ver­paßt hat. (gez.) Generaloberst v. Brauchitsch.

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es auch nicht glücklich gewesen, den alten Blitz- Johann in die Livree zu stecken. Die paar Toasts und den Portwein hätte gut und gern die Emma herumgeben können, wenn es nun mal sein mußte, daß man vor dem Diner noch dieses steife Sper­lingsfrühstück einschob. Wie der alte Gräfe diese dünnen Brotscheiben schief und verächtlich ansieht!

Wetter, Segen der Felder, Sommer in seiner Pracht sind nun also abgetan. Vollkommen abge­grast, so daß kein vernünftiger Gedanke mehr laut werden kann. Ein Engel würde jetzt durchs Zimmer fliegen, wenn Tante Ottilie nicht mit ihrer hohen feinen Stimme den alten Gräfe nach dem dies­jährigen Absatz der Brauerei gefragt hätte. Sie schneidet damit ein Thema an, das ergiebig ist. Fräulein vvn Plessen hat Geschick, auch über Dinge zu reden, von denen sie nichts versteht.

Jutta versteht wenigstens ein klein wenig davon, sie war als Kind manchmal in der Brauerei auf dem Gräfehof drüben. Drüben bedeutet jenseits des Hutberges, der mit seiner keck bewaldeten Spitze und den abgleitenden Hängen die schonen Besitzun­gen der Plessens und der Gräfes voneinander schei­det. Aber es führen ja kleine Steige herum, und Jutta hat sie einstmals oft und gern benutzt, auch die Gräfekinder, vor allem Erni, die zeitweise am französischen Unterricht Fräulein Schmidtchens teil­nahm. Heute geht Rudolf Gräfe diese Wege. Und über Maische und Hopfen hinweg lächeln sie sich vergnügt an Dolf und Jutta! Ein Glück, daß Dolf kein Brauer ist, denkt Jutta, auf die Dauer könnte ich den Mälzgeruch schwer ertragen.

Und dann sieht sie zu Jupp hinüber und muß lachen. Hubert, genannt Jupp, ist der Jüngste aus der Gräfefamilie. Zur Feier des Tages trägt er feinen Konfirmandenanzug, aus dem Arme und Bett^ beängstigend lang herausgewachsen sind. DaWDidert ihn aber nicht, sich wie ein vollendeter HerWsti benehmen und mit wichtigem Gesicht fach­männische Ausdrücke zu erklären. Es sei höchste Zett gewesen, daß man endlich einen neuen Hopfen- extraktionsapparat angeschafft habe. Dieser Grün­schnabel! Der Kronprinz räuspert sich. Tut dieser Bengel, als habe er Verdienste um diesen neuen Apparat. Dabei weiß ein jeder, wie der Große um diese Neuerung zu kämpfen hatte. Jede Neuerung schiebt der Alte von sich. Der Kronprinz hat bei ihm in dieser Hinsicht fein Honiglecken. (Forts, folgt.)

außerhalb des Wohn-, Dienst- oder Geschäfts­raumes oder des befriedeten Besitztums nur dann ge­führt werden dürfen, wenn der Träger der Waffe einen ordnungsmäßigen Waffenschein bei sich führt. NS'SMinWsl M Stuft öntH) Sreoöe

Achtung! KdF.-Sport.

Jeden Mittwoch, Donnerstag und Freitag finden folgende Kurse statt: 1678D

Mittwoch, 20.30 bis 21.30 Uhr: Sport und Spiele für Männer und Frauen, Goetheschule, Horst- Wessel-Wall.

Donnerstag, 20.30 bis 21.30 Uhr: Gymnastik und Spiele für Frauen, Schillerschule, Schillerstraße.

Freitag, 16 bis 17 Uhr: Kindergymnastik (für Kin­der unter 10 Jahren), Goetheschule. Hierfür Anmel­dungen vorher an Sportamt, Schanzenstraße 18, ober KdF., Laden Seltersweg, erbeten.

Freitaa, 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.30 Uhr: Schwimmen für Männer und Frauen, auch Anfänger, Volksbad.

Neuanmeldungen werden in den Kursen ange­nommen. j

Unser neuer Roman.

Nachdem wir in der gestrigen Ausgabe des Gießener Anzeigers den Abdruck des Romans Goldene Wolke über Renate" von Horst Biernath beendigt haben, beginnen wir in der heute erscheinen­den Nummer unseres Blattes mit der Veröffent­lichung eines neuen großen Romanwerkes. Wir brin­gen diesmal d.ie Arbeit einer Autorin, die bisher in unseren Spalten noch nicht zu Worte gekommen ist, wir sind jedoch überzeugt, daß sie unter der Leser­schaft des Gießener Anzeigers bald zahlreiche be­geisterte Freunde zählen wird. Unser neuer Nomoy heißt:

Wirst du es schassen, Lena? von Martina Eckart-Helm.

Es ist ein Roman ganz aus unserer Zeit, frisch und unterhaltsam, überaus spannend, mit echtem Gefühl und nicht ohne Humor geschrieben. Wenn man ihn seiner Gattung nach bezeichnen ober einorbnen wollte, würbe man in Verlegenheit geraten, benn er ift ebensogut eine Liebesgeschichte wie ein Kri­minalroman, ein Werk, ungemein reich an Hand­lung und an dramatischen Konflikten, mit dessen Veröffentlichung wir gewiß sein dürfen, allen Lesern und Leserinnen in Stadt und Land eine besonders genußreiche, von Tag zu Tag erwartungsvoll be* grüßte Lektüre zu bieten.

Gedenken an Hermann Kiehne.

Ein liebenswerter Lyriker, Hermann Kiehnsz kam vor 85 Jahren, am 10. April 1855, in Weitz nigerade als Sohn eines Kunstdrechslermeisters zur Welt, sollte nach des Vaters Wunsch Holzbildhauer werden, widmete sich jedoch dem Lehrerberuf, dei^ er zuerst in Harzgerode, Altenrode und Wernigerods

Linier dem Eindruck des deutschen Gegenschlags.

Romstelltfest:Deutschland ist den Anschlägen derWestmächte zuvorgekommen."

. R oim, 9. April. (Europapreß.)Deutschland ist den Anschlägen der Westmächte im Norden zuvor­gekommen", mit diesen Worten kennzeichnet die- imsche Presse bte durch das blitzschnelle Vorgehen Deutschlands zum Schutze der nordischen Staaten geschaffene neue Lage.Mit diesen Ereignissen", schreibtGiornale dItalia",beginne eine neue Phase. In militärischer Hinsicht sei die Besetzung dänischen und norwegischen Gebietes durch Deutsch­land vor allem die sofortige Antwort auf die von England begangene Vergewaltigung der Neutrali­tät Norwegens unter erklärter Zustimmung und mit Hilfe Frankreichs. Durch das Ergreifen der Ini­tiative bei der Vergewaltigung der Neutralität der kleinen Staaten, in deren. Namen sie vorschützten Deutschland zu bekämpfen, hätten sich die imperia­listischen Demokratien einen schweren politischen Fehler zuschulden kommen lassen. Dadurch erhalte die Antwort Deutschlands ihre Rechtfertigung, die ! auch die legitime Form einer Beschützung Norwe­gens und Dänemarks annehmen könne. Zusammen­fassend könne man sagen, daß Deutschland innerhalb 24 Stunden durch eine entschiedene gradlinige Geste die Lage von Grund auf umgekehrt habe, die durch französisch-englische Initiativen in Vorbereitung ge­wesen sei. Zwischen Deutschland und den skandina­vischen Nationen bestehe eine bedeutungsvolle Bluts­verwandtschaft und eine Solidarität der historischen Tradition, der politischen und wirtschaftlichen Inter­essen. Diese Solidarität bleibe nicht ohne Einfluß puf den Verlauf der Ereignisse.

Aus den aus London eingehenden Nachrich­ten, so schreibtTribuna", geht hervor, daß Eng­land die Maske habe fallen lassen, und nicht mehr weder ,/von Menschlichkeit", noch von deminter­nationalen Recht" spreche. Auch eine Tatsache von größter Wichtigkeit gehe aus diesen Nachrichten hervor, daß die blitzschnelle Reaktion Deutschlands alle Pläne der Westmächte über den Hausen ge­worfen habe. Da nun die Würfes gefallen seien, 1 fehlten die Stimmen der Kriegswütigen nicht, die dafür einträten, die maritimen Operationen der Westmächte im Norden Europas durch Fliegeran­griffe auf das deutsche Gebiet zu unterstützen. Da­bei werde im Gegensatz zur Vergangenheit fein Unterschied mehr gemacht zwischen Fliegerangriffen auf militärische und nichtmilitärische Ziele, sondern cs werde nur mehr vomdeutschen Gebiet" ge­sprochen.

Amerikas Neutralität bleibt unberührt.

Washington, 9. April. (DNB.) Die De- | setzung Dänemarks und Norwegens riefen stärkste

Verblüffung in Washington hervor, wo man gestern noch fest geglaubt hatte, daß es zwischen Norwegen I und England zu ernsten Differenzen kommen I würde. Ein Telegramm des amerikanischen Ge- I sandten in Oslo wurde Roosevelt und Hüll, die

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Roman von Martino lkWWW

lieber die Gräfewiesen hinüber zum Hutberg federt der Fuß, heimlich und in vielen Rinnsalen sickert unter ihm das Wasser, quillt unaufhaltsam aus unterirdischen Gründen und findet sich dann in kleinen kristallklaren Tümpeln. Quellwiesen, der große Schatz des Gräfehofes!

Am Fuß des Berges dann, ein wenig schon über der selber- und wiesenreichen Landschaft, führt ein kleiner Steig in sanftem Bogen um den Berg, wo sich bald ein anderes Bild entfaltet Ein Park statt bäuerlicher Anwesen, dichte hohe Bäume, zwei Turmspitzen mit altertümlichen Wetterfahnen. Es ist Mitagszeit, eine handfeste sommerliche Wärme liegt über dem Land. Der Horizont verschwindet im

chimmert.

Wenn man ein Stück unter den mächtigen Eichen lie alte Mauer entlang geht, kann man auch sein schloß sehen. Da ist zuerst die Rückseite des j)ou= >es, die auf das Feldherrntempelchen und aus den Winsenteich schaut. Bescheiden und still liegt das Schloß da, fast wie verwunschen, mit seinem -Balkon - itnb . der kleinen, schüchternen Freitreppe.

; üppig ist es nicht, das Rodaer Schloß, aber gut uno gediegen, fast ein wenig bäuerlich, wenn auch der Schimmer des Höfischen über iHMDiegt. Eine etwas steife Auffahrt führt ans Schloß^^ran; der Säulen­bau vor dem Eingang trägt den schönen, breiten Baifon mit dem Gitter aus Schmiedeeisen. Zwei