Ausgabe 
10.1.1940
 
Einzelbild herunterladen

bäube am Leihgesterner Weg, sondern in dem Hause des Gesellschaftsvereins (Club), Sonnenstrahe 19. In diesem neuen Heim wird vom nächsten Freitag ab der studentische Speisungsbetrieb durchgefuhrt werden. $

Dornotizen.

Tageskalender für AUttwoch.

Stadttheater: 19.30 bis 22.30 UhrMaria Stuart". Goethe-Bund, Kaufmännischer Verein, Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde in Arbeitsgemeinschaft mit der Dolksbildungsstätte Gießen der NS.-Gemein- schäftKraft durch Freude": 20 Uhr in der Neuen Aula der Universität Lichtbildervortrag Robert H e n s e l i n gVorstoß ins Unendliche" (Das Welt­bild der heutigen Sternforschung). Gloria-Palast, Seltersweg:Der singende Tor". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Das Gewehr über!".

Stadlthealer Gießen.

Am heutigen Mittwoch wird zum letzten Male Schillers TrauerspielMaria Stuart" aufgefichrt. Spielleitung Dr. Hannes Ra.zum. Bühnenbild Karl Löffler. 15. Vorstellung der Mittwoch-Miete.

Annahme-Untersuchungen für die Waffen ff und Deutschepolizei.

Die nächsten Annahme-Untersuchungen im Bereiche der 83. ---Standarte finden statt in:

Alsfeld: Gesundheitsamt am 17. 1. 1940 um 9 Uhr.

Gießen: Dienststelle der 83. ---Standarte, Gar- tenstraße 1, am 19.1.1940 um 15 Uhr.

Angenommen werden Freiwillige für:

1. --.Derfügungstruppen (einschließlich Leibstandarte Adolf Hitler), Jahrgänge 1918 1922. Mindestgröße 170 cm.

2. --.Totenkopf st andarten:

a) mit Dienstzeitverpflichtung (12 Jahre, Lebens­beruf: Polizei oder Wehrbauer). Jahrgange 19211922. Mindestgröße 168 cm, mit 17 Jahren;

b) ohne Dienstzeitverpflichtung (aber dabei Ab­leistung der Militärdienstpflicht) Jahrgänge Jahrgänge 19011912 (bevorzugt SA.-Man- ner und Parteigen.).

Zur Schnakenbekämpfung unterwegs.

Aufgaben im Dienste der Hygiene. - Gießen fast ohne Hatten.

werden können.

In dem Jahresbericht für das Jahr 1939 ist in interessantem Zahlenmaterial festgehalten, welche Arbeitsleistung in Gießen für die Schnakenbekämp­fung notwendig ist. Im Januar und Februar 1939

Im Rahmen eines Gemeinwesens, wie es unsere Stadt ist, gibt es im öffentlichen Interesse viele Auf­gaben zu erfüllen, von denen wenig gesprochen wird, die aber wichtig sind und dem Wohle jedes einzelnen dienen.

Zu diesen Arbeiten, die alljährlich und systematisch durchgeführt werden, gehört auch die Schnaken- bekämpfung. Gegenwärtig sind die Männer, die zu anderen Jahreszeiten mit der Betreuung des Gieße­ner Kanalsystems beschäftigt sind, wieder dabei. Sie starten vomLager Lahn" aus zu ihrer Arbeit, nehmen sich Straßenzug um Straßenzug, Keller um Keller vor und vernichten dabei, was sich an Schna. ken und Schnakenbrut zeigt. Die Männer, deren jetzt acht in Gruppen zu je zwei Mann unterwegs sind, kennen ihren Arbeitsbereich sehr gut, wissen genau, wo sie die Schnaken und ihre Brut zu suchen haben und wo die beliebtesten Schlupfwinkel dieses Un­geziefers sind. Die Bekämpfung vollzieht sich auf einfache Weise mit einem Spiritus-Flämmchen, mit dessen Hilfe die Schnaken versengt und die Brut ver­brannt wird. Der Zeitpunkt der Bekämpfung liegt in den Monaten Dezember, Januar und Februar, und zwar jeweils nach dem Eintritt von Kälte­graden. Der Zeitpunkt ist bestimmt von der Lebens­weise der Insekten, die sich nach dem Eintritt der Kälte in Winkeln festsetzen, also nicht umherfliegen, und so am sichersten von der Abstammung erfaßt

von einem Großangriff geg en d l e S ch na- k e n p l a g e sprechen kann. Man läßt es aber nicht etwa bei der Bekämpfung der Schnaken m den Häusern bewenden. Vielmehr werden solche Angriffe auf diese Plagegeister auch im Freien unternommen. In den Monaten Mai, Juni und Juli 1939 wurde in sechs Arbeitstagen in sämtlichen stehenden Ge­wässern des Stadtgebietes mehrmals eine systema­tische Schnakenbekämpfung mit Hilfe eines besonde­ren flüssigen Mittels durchgeführt. Die 2Irbeit der Scbnakenbekämpfung erfordert besonders geschulte uno zuverlässige Helfer. . s.

Neben der Schnakenbekämpfung m unserer Stadt wird seit etwa 5 Jahren auch eine systematische Be­kämpfung der Ratten betrieben. Es ist interessant, zu erfahren, daß es in Gießen nur o e r h a l t n i s . mäßig wenig Ratten gibt. Wenn natur­gemäß immer wieder einige dieser Schädlinge aust tauchen, dann ist das darauf zurückzufuhren, daß Ratten zuwandern. Es handelt sich fast ausschließ­lich um die braune Wanderratte. Mit einem giftigen Präparat, das die Ratten durch einen aromatischen und ihnen sehr zusagenden Geruch anzieht, wurden sehr gute Erfolge erzielt. Das Präparat wird m den vermuteten Schlupfwinkeln der Tiere ausgelegt. Der Erfoltz zeigt sich meist sehr schnell. Diese Rat­tenbekämpfungsarbeit wird ununterbrochen durch- geführt, schon um zu verhindern, daß Nachkommen­schaft groß wird. Dies ist um so mehr notwendig, als nachgewiesen ist, daß ein einziges Rattenpaar es im Laufe eines Jahres auf nahezu 1000 Nach­kommen bringen kann. Es ist erfreulich, zu wissen, . daß in Gießen nur an wenigen Stellen Ratten aus-

sung NoiMNvlg I X. -um -uuuuui UILV ukuluul iuuu . ... - -

wurden von acht Kanalarbeitern in 204 Arbeits- treten, und eigentlich auch immer nur da, wo die tagen, in 2246 Häusern und Gebäuden insgesamt Ordnung zu wünschen übrig laßt. n.

14 895 Keller bearbeitet, so daß man ohne weiteres | --------

GemeinschastsleiflungendesSchremerhandwerks

5 Lahre Arbeit der Liefergenoffenschast des Schreinerhandwerks im Kreis Gießen.

s. JJ e U l I Ul e -p U I t 0 c I .

Ungediente Männer der Jahrgänge 19051912 und 19181920.

- Geeignete Männer können sich bei der Annahme- Untersuchung melden.

Hell Hitler!

Der Führer der 83. ---Standarte.

A. B.: Ruhl, ---Oberscharführer.

Auszeichnung eines Lebensretters.

Am gestrigen Dienstag überreichte der Leiter der Polizsidirektvn Gießen, Major der Schutzpolizei Hellwege-Emden, auf der Polizeidirettton dem kaufmännischen Angestellten Ludwig W e l l - hausen, Stephanstraße 26 wohnhaft, die ihm vom Führer verliehene Rettungsmedaille am Bande nebst Derleihungsurkünde für die Rettung eines Menschen aus Lebensgefahr. Herr Wellhausen, dessen Ehrung in feierlicher Form erfolgte, hatte am 14. Mai vorigen Jahres ein in die Lahn gefallenes Kind unter eigener Lebensgefahr vorn Tode des Er­trinkens gerettet. Er war, als er das Kind ver­sinken sah, mit Anzug und Stiefeln, also mit Sack und Pack, in die Lahn gesprungen und hatte das Kind herausgeholt.

Pflichtjahr trotz Arbeitsdienst.

Vielfach herrscht in Elternkreisen noch die Mei­nung, daß seit Einführung der Arbeitsdienstpflicht die Pflichtjahrordnung hinfällig geworden sei, oder es wird versucht, die Ableistung des Pflichtjahres im Hinblick auf die spätere Arbeitspflicht unter An­gabe aller möglichen Gründe hinauszuschieben. dem­gegenüber sei klargestellt, daß schulentlassene Mäd­chen die Zustimmung zum Antritt einer handwerk­lichen oder kaufmännischen Lehrstelle oder einer ge­werblichen Arbeitsstelle erst dann erhalten, wenn sie ihr Pflichtjahr in der Land- oder Hauswirtschast abgeleistet haben.

Schon feit einigen Jahren bestcht innerhalb des heimlichen Schreiner-Handwerks eine Gemeinschaft, dieLiefergenossenschaft des Schreiner-Handwerks im Kreis Gießen", die es sich zum Ziel gefetzt hat, chren Mitgliedern Aufträge und Arbeit zu verschaffen, die nur auf der Basis der Gemeinschaft bewältigt werden kann. Die Liefergenossenschaft wurde im Januar 1935 gegründet, sie kann nach jetzt fünf­jährigem Bestehen auf ein außerordentlich günsti­ges Wirken zurückblicken. Die Genossenschaft umfaßt Angehörige des Handwerks aus der Stadt und dem Kreis Gießen, die einen Geschäftsanteil von ge­ringer Höhe einbezahlten. Sie ist derLandes- liefergenossenfchaft des Schreiner-Handwerks im Treuhänderb'ezirk Hessen" angefchlossen und arbei­tet mit dieser Dachorganisation eng zusammen. Die Gießener Liefergenossenschaft zählt 56 Handwerks­meister als Mitglieder, in deren Betrieben 220 Ar­beitskräfte tätig find. In den angeschlossenen Be­trieben stehen zur Bewältigung der Arbeit insge­samt 263 Holzbearbeitungsmaschinen zur SJerfügung, sodaß die Gemeinschaft der Handwerker, wenn sie einmal an einem besonders großen Auftrag beteiligt werden kann, eine erhebliche Leistungsfähigkeit in die Waagschale zu werfen vermag.

Es ist tntereffant, zu hören, wie sich die ganze Arbett abspielt. Bisher wurde die Genossenschaft schon in vielen Fällen für Aufträge des Staates, des Heeres, der Luftwaffe tffro. in Anspruch genom­men, wenn es sich um die Herstellung von Gerä­ten, Möbelstücken üsw. handelte, die in großen Mengen notwendig wurden. Da galt es z. B., in kurzer Zeit 400 Spinde, 800 Bettstellen oder 300 Tische herzustellen. Manchmal tief ein Auftrag neben dem anderen her, sodaß es in den Werkstätten oft hoch her ging. Selbstverständlich mußte dabei sorg­fältig nach gegebenen Zeichnungen gearbeitet wer­den, sodaß das Ergebnis einheitlich war, daß ein Schrank wie der andere ausfah, nicht nur im

Material und in der Verwendung der Beschläge, sondern auch in den Abmessungen und in der Qualität. Die Vergebung der meist von der ßan- desliefergenosseNschast überwiesenen Aufträge geschah auf die venkbar einfachste Weise. Wenn ein solcher Auftrag eingegangen war, wurde er der Leistungs­fähigkeit der Betriebe der Handwerksmeister ent­sprechend aufgeteilt. Dabei konnten stets selbst die kleinsten Betriebe mit ein und zwei Gehilfen mit einem Teil des Auftrages bedacht werben. Man­cher Teilauftrag ging auch zu den Schreinermeiftern im Öanblreis Gießen.

Eine große Erleichterung bedeutet es dabei für die Handwerksmeister, daß sie bei diesem Modus der Auftragserteilung und Auftragserledigung nur wenig Schriftverkehr zu erledigen haben, denn die Genossen­schaft sorgt in Sammelbestellungen für die Material­beschaffung, die Beantragung der Holzzuteilungs­scheine, die einheitliche Beschaffung can Beschlägen, Oelfarben oder Lacken usw., die eben zur Fertig­stellung des Aufttags notwendig sind. Auch die ge­samte Verrechnung erfolgt über die Genossenschaft, die die Beträge je nach dem Umfang des Teilauf­trags auf den einzelnen Meister überweist. Bei dieser Form der Auftragsbewälttgung war es schon möglich, z B. an einem Auftrag einmal allein 31 Betriebe zu beteiligen. Diese Taffache läßt erkennen, welche Be­deutung die Liefergenossenschaft für die angeschlosse- nen Mitglieder hat. Dabei wird mit einem denkbar niedrigen Verwaltungs-Unkostensatz gearbeitet, der nur 1 v. H. der Rechnungssumme beträgt. Neuerdings ist den Handwerksmeistern auch noch der Transport ihrer fertigen Stücke insofern abgenommen worden, als ein Spediteur die Bahnverladung gegen einen tragbaren Satz besorgt.

Die Liefergenossenschaft hat schon im Jahre der Gründung (1935) ihren Mitgliedern für 37 500 RM. Aufträge vermittelt, im Jahre 1936 wurden für 87 000 RM. Arbeit vergeben, 1937 belief sich der Be­

trag auf 48 600 RM. und im Jahre 1938 wurden 44 400 RM. erbracht. Die Liefergenossenschaft, die keinerlei Gewinnabsicht mit ihrer Arbeit verbindet, hat sich also für das Schreinerhandwerk sehr günstig ausgewirkt, dies um so mehr, als die Aufträge der Genossenschaft für den Handwerker meist zusätzliche Aufträge waren, um die er sich immer dann bemühen konnte, wenn er an eigenen Aufträgen die Lei­stungsfähigkeit seines Betriebes nicht ausgenützt sah.

Erleichterungen bei der llmsatzsteuer.

Vom 1. Januar 1940 ab brauchen die Unterneh­mer, die im Vorjahr fteuerpflichnge Umsätze bis zu 50 000 RM. gehabt haben, ihre Umsatzsteuervoran- Meldung nur noch vierteljährlich abzugeben. Dem­entsprechend sind die Umsatzsteuervorauszahlungen ebenfalls nur vierteljährlich zu entrichten. Alle Un­ternehmer, die im Jahre 1939 einen steuerpflich­tigen Umsatz zwischen 20 000 bis 50 000 RM. hatten, haben also ihre Umsätze für die Monate Januar und Februar 1940 nicht mehr am 10. 2. bzw. 10. 3. 1940, sondern zusammen mit den Märzumsätzen erst am 10.4. 1940 anzumelden und zu versteuern. Diele

Gedenket der hungernden Vögel!

kleinere und mittlere Einzelhandelsunternehmen entrichten also künftig an Stelle von 12 Umsatz­raten im Jahr nur 4 Raten (10. 1., 10. 4., 10. 7. und 10. 10).

In dem Erlaß vom 16. 11. 1939, der diese Aende* rung vorsieht, wird außerdem bestimmt, daß Unter­nehmer, deren Jahressteuerbetrag im Vorjahr nicht mehr als 1000 RM. betragen hat, ihre Umsatzsteuer- Voranmeldungen und --Vorauszahlungen ebenfalls vierteljährlich ab geb en und leisten können, und zwar auch dann, wenn ihr steuerpflichtiger Umsatz über 50 000 °RM. liegt. Das hat für alle Unternehmer Bedeutung, die von den ermäßigten Steuersätzen von 0,5 bzw. 1 v. H. Gebrauch machen können.

*

♦♦ Siebzig Jahre alt. Am heutigen Mitt- woch, 10. Januar, kann Oberbahnhofsvorsteher a. D. Carl Steitz, Liebigstraße 70, in körperlicher und geistiger Frische feinen 70. Geburtstag feiern. Der Jubilar ist schon lange Jahre treuer Bezieher des Gießener Anzeigers". Auch wir gratulieren dem Jubilar herzlich.

Strafkammer Gießen.

Am gestrigen Dienstag stand vor der Strafkam­mer Gießen eine Anklage gegen eine Frau und einen Mann aus Kirtorf (Kreis Alsfeld) zur Ber- hcmdlung. Die Frau war angeklagt, am 18. Juni 1938 vor einer Behörde eine Versicherung an Eides­statt wissentlich falsch abgegeben zu haben, wozu sie im Frühjahr von dem Manne verleitet worden war. Die Angeklagte war zu der Verhandlung nicht erschienen, so daß gegen sie Haftbefehl erlaßen wurde. Die Verhandlung wurde auf den 19. Januar vertagt.

Rundfunkprogramm

Donnerstag, 11. Januar.

6 Uhr: Morgengruß. 6.10: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Land­volk, merk' auf! 8.10: Gymnastik. 9.15: Was wir Frauen heute wisien müssen. 9.30: Schulfunk (Mit­tel- und Oberstufe). Sang und Klang in der Schule. 10: Frohe Weisen. 11: Konzert. 11.50: Stadt und Land Hand in Hand. 12: Mittagskonzert des klei­nen Rundfunkorchesters. 12.30 bis 12.40: Nachrich­ten. 14: Nachrichten. 14.15: Der fröhliche Lautspre­cher. 15.50: Bücher für unsere Soldaten. 16: Nach­mittagskonzert. 17 bis 17.10: Nachrichten. 18: Ruf ins Land: Berichte des Landesernährungsamtes. 18.25:Herz, aufglühe dein Blut." Eine besinnliche Sendung für unsere Kameraden am Westwall. 19: Unterhaltungskonzert. Dazwifchen: 19.10: Berichte. 19.45: Politische Zeitungsschau. 20: Ngchrichtem 20.15: Übertragung vom Deutschlandsender: Da­zwischen: 22 bis 22.15 und 24 bis 0.15: Nachrichten.

knackt und bricht im Unter- der Reeling. Ein luftiger Platz, der Wind streicht Hals der Tiere klingen. Jen- ihnen die Haare aus der Stirn, und Annes Kopf

bare Vorsprünge. Es knackt und bricht im Unter«

(Nachdruck verboten.)'

18 Fortsetzung.

geworden ...

Traum

tisch gesetzt und kritzelt" frisch drauflos:Liebste Kkwlüal Heute sind wir mir. einen ganzen Tag auf

hat eine halbe Stunde Zeit, ja, eine halbe hat sie nach dem zweiten Frühstück, um

Anne Stunde

ist der Schulter des Mannes nahe. Es kommt vor, daß eine ihrer Haarsträhnen über seine Wange streicht, das ist wie eine zarte und scheue Liebkosung. Sie sprechen fein Wort, weil das Land zu ihnen spricht. Die Studenten fingen, fremder Duft steigt vom Wasser auf, und von fernher klingt ein Dudelsack. Sie brauchen nicht zu sagen:Wie schön ist das".

an Klarissa zu schreiben, Christian und sich gestoh­len. Sie ist nicht erst ins Schreibzimmer ge­gangen, sie hat sich gleich an ihren kleinen Toiletten-

Bet reihte üiann für Mnt)of

UllMMMMMck

CARL DUNCKER VERLAG BERLIN W 35

holz, die Glocken am 1, fette der Straße ist hinter breitem, schmiedeeisernem Gitter ein Schloß zu sehen und langgestreckte Wirt­schaftsgebäude. Ein schottischer Herrensitz. Die Men­schen, die hierher gehören, wandern in Trupps zur Anlegestelle des Bootes, Männer aus den Ställen und Kinder. Auch die schmiedeeiserne Pforte öffnet sich. Eine schlanke Frau und ein schönes, langbei­niges Mädchen kommen heraus. Sie lachen und sprechen miteinander, sie nicken sich zu und wollen auch sehen, wer da angekommen ist. Man lebt in der Einsamkeit, man macht kein Hehl daraus, daß man das und jenes sehen möchte. Fremde Menschen, vielleicht auch mal ein bekanntes Gesicht. Der Pier bringt im Sommer viel Leben. Aber dieses Leben, Gelächter, Geräusch anfahrender und abfahrender Wagen, alles reicht nur bis an das Gitter heran,

nicht weiter.

Die Wagen kommen, sie bringen den anderen Teil der Reisegesellschaft, der Über Trossachs nach Edinburg fährt, hier trifft man sich. Es klappt, alles geht wie am Schnürchen, das Motorboot fährt zu­rück nach Trossachs, die Wagen fahren nach In- versnaid. Man winkt sich Grüße zu, hüben und drüben wird gewinkt. Der Pier bleibt einsam zu­rück, nur wenig Menschen stehen noch da, unter ihnen Frauen, schön wie leuchtende Blumen, wie die vielbesungenen blauen Blumen der schottischen Höhen.

In Jnversnaid ist es nicht einsam. Hier sind auch englische Reisegesellschaften angekommen, und von Einsamkett fft nicht die Spur au merken. Hin­ter dem Hotel steigen Berge an, es sind Stufen hin­eingehauen oder eingebaut, tief unten liegt der Loch Lomond. Ein Wasserfall rauscht durch ein breites Bett, über Felsvorsprünge und mächtige Steine. Anne steht auf einer kleinen Brücke, die in leichten Bogen das Wasser des Falles über« spannt. Sie weiß nicht, was sie mit dieser Gegend anfangen soll. Zuviel Menschen krabbeln überall umher. Gottlob wird bald gegessen. Der schottische Lachs ist wunderbar.

Als die Reisenden das Schiff besteigen, das sie nach Dalloch bringen soll, scheint die Sonne, und blauer Himmel spannt sich über dem Loch Lomond. Es fahren viele Menschen und nicht mehr Deuffche allein. Es sind zum großen Teil Studenten und Arbeiter mit ihren Familien. Um den Bug des Schiffes steht das Wasser des klaren Sees wie Spitzengeriesel, und von weit her hört man das Klingen eines Dudelsackes. Schottland, das Insel- land, kommt mit seinen ureigensten Geräuschen den Gästen nahe.

Anne und Christian kauern nebeneinander auj

dem Meer. Ich liege ^eich unter der Kapitänsbrücke auf meinem Stuhl und kann weit, weit über die Wogen sehen, du weißt ja, ich habe gute Augen. Wenn ich am Horizont einen Dampfer entdecke, müssen andere das Glas nehmen. Manchmal sieht man den Dampfer nicht, nur die Rauchfahne, lang und wie ein Strich, der Himmel und Meer zu teilen scheint. Es ist nicht sehr warm, aber geregnet hat es gottlob nicht, und wenn die Sonne hinter den Wolken vorkommt, ist es wie ein Wunder. Wir werden bald an Norwegens Küste fein. Alles ist schön, daß ich eigentlich gar nicht verstehe, wie ich noch an Essen und Trinken denken kann. Trotz­dem tu ich es. Ahnst du, was es hier am Tage alles gibt? Ich sammele die Speisekarten für euch, sonst denkt ihr, ich schneide auf. Marie kann aus den Karten lernen, ich werde ihr sagen, wie dies und das geschmeckt hat, dann kann sie es wohl kochen, oder nicht? Gut kochen wird ziemlich schwer sein, ich möchte es lernen, aber davon später. Es gibt hier an Bord viele Spiele; und es wird getanzt, und Konzerte sind auch. Das Schiff ist wie eine kleine Stadt, du kannst Blumen und Bücher und Andenken kaufen und alles, was du willst.

Klarissa, bist du schon einmal glücklich gewesen? Ich bin sehr glücklich, glaube ich, das macht das Meer, die Weite. Du ahnst nicht, wie ich dir für diese Reife danke. Die Geheimrätin mag ich immer noch nicht leiden. Seid ihr wirklich Freundinnen gewesen? Das will mir nicht in den Kopf. Aber da sitzt mit uns am Tisch eine andere Frau, die heißt

Manda Wenzien und ist früher Aepfelfrau in Ham« bürg gewesen, die müßtest du kennenlernen. Doch ich habe dir ja schon von ihr geschrieben. Wir sind gute Freunde geworden. Es heißt, daß Nor­wegen bald in Sicht kommt, wieder ein anderes Ufer, wieder eine andere Welt und deine Anne spaziert drüber hin, als wäre das alles gar nichts. Wenn ich auf meinem Stuhl liege, kann ich be­obachten, wie die Offiziere auf der Brücke hin und her gehen, und manchmal, wenn ich gerade draus achte, höre ich von dort oben das Kling, Kling der Schiffsuhr oder so, sie nennen dasGlasen", hat mir der Schiffsjunge gesagt. Er hat mir auch die Zeitberechnung erklärt, aber die habe ich langst wieder vergessen. Sorfft weiß ich viel zu erzählen, wenn ich zurückkomme, das kannst du mir glauben^ Was macht die Konifere? Gib ihr Zucker und sage, er sei von mir, sage ihr auch, daß ich mich schon wieder aufs Reiten freue. Grüße auch Marie und die Pegels. Geht es Franz besser, kommt er bald nach Hause? Ich liebe euch alle, aber besonders dich, und ich küsse dich vor Glück und Dankbarkeit, Anne."

(Fortsetzung felgt*

weil sie wissen, daß sie beide das gleiche empfinden. Wie Glas ist die Luft, wie Glas ist das Wasser, und wie eine gläserne Glocke spannt sich der Himmel über dem Loch Lomond und dem kleinen weißen Dampfer.

Ja, die Menschen singen, der Dampfer tuckert über den See, dessen Wellen schimmernd tanzen, Möwen umfiegen das Schiff, es -ist alles so wie es während der ganzen Fahrt war. Und doch ist es zwischen Anne und Christtan anders, es ist durch eine winzige, eine kaum nennenswerte Bewegung anders geworden. Christians Hände haben sich zart um Annes Ellbogen gelegt, und Anne hat ihren Kopf gegen Christians Schulter gelehnt. Da ist das Land versunken, nichts ist geblieben, als zwei Men­schen, die um ihre Liebe wissen. Sie brauchen nicht zu fragen:Liebst du mich", wozu? Sie sind reich, weil sie wissen, ohne zu fragen. Nur seine Finger schließen sich ein wenig fester um ihre Arme, als er sie ganz nahe an sich zieht und sagt:Anne, mein geliebtes Kind."

Da antwortete sie ihm, mit dem Blick in den Himmel:Das hat bisher nur Klarissa gesagt geliebtes Kind, wie gut, daß du es jetzt sagst, Christtan."

Der Dampfer fährt über den Loch Lomond seinem Ziel entgegen. Das ist seine Bahn, vorausbestimmt und festgelegt. Für diese beiden aber, diese Anne Wegner und diesen Christian Schwerffeger, ist jTe die Fahrt ins Glück. Kaum hörbar noch, fern und ferner klingt das Singen des Dudelsacks.

Ein großes deutsches Schiff liegt vor Leith, auf der Reede von South Queens Ferry. Der Morgen dämmerte, als das Land sichtbar wurde, der Abend ist da, indes er wieder versinkt. Ein kmzer Tag ist vorübergerauscht, und schon ist er für viele ein

Eben war noch die Einsamkeit der Hochmoore um die Reisenden, und schon taucht eines der riesi­gen Hotels auf. Trossachs, nahe beim Loch Kcttrin. Das Motorboot liegt schon bereit, bitte einzusteigen. Man kommt vom Wagen auf das Schiff und fährt ab, die Reifeleitung funktioniert wie ein gut ge­ölter Motor, es gibt nichts zu sagen und nichts zu mäkeln. Es sind auch Reisebegleiter auf dem Schiff, die von den Räubern erzählen, die hier einst Her­ren waren. Der See ist dunkel, klar, und das Wasser erwärmt sich nicht einmal im Hochsommer, es ist wie Eis so kalt. Bewaldete Hügel rücken bis an die Ufer. Menschen sind hier nicht zu sehen, aber drüben ein paar Häuser. Die große Einsamkeit hängt auch hier über den Bergen und Tälern, über dem Wald, der endlos scheint und den See säumt.

,Zch habe die Berichte über das Fabelwesen vom Loch Neß immer für sehr lächerlich gehalten", sagt Anne,aber jetzt scheint es mir so, als müßte es in diesem Land noch Dinge geben, die unergründ­lich sind. Sehen Sie die Wälder, die Tiefe der Seen, alles scheint so menschenleer und tot zu sein, jedenfalls für uns, die wir gewöhnt sind, überall freundliche Dörfer und kleine Städte zu finden. Ich habe Sehnsucht nach Deutschland, wollen Sie es glauben?"

Ja, Anne, das glaube ich Ihnen. Und wissen Sie, wir Deuffchen müssen schon mal in ein frem- bes Land reisen, um zu sehen, wie freundlich und hell es bei uns ist."

Der Regen läßt nach, ein Sonnensttalsi zuckt über Wälder und Wasser. In einsamer Höhe steht ein Raubvogel mit ausgebreiteten Schwingen. Wie leblos steht er da, plötzlich sichtbar, als die Nebel auftrechen. Jetzt ist er wre in Rauch gehüllt und dann nicht mehr zu sehen. Das Motorboot legt in Stronachlachar an.

Hier werden die Autobusie erwartet, die den an­deren Teil der Reisegesellschaft bringen. Man hat einen Augenblick Zeit und kann umherwandern. Das blecherne Läuten von Kuhglocken steht in der Lust. Anne läuft dem Schall nach. Zwischen Büschen und kniehohen Rhododendrengestrüpp suchen die Kühe ihre Nahrung. UeberaU gibt es drohende Fels­spalten und gefährliche überwucherte, kaum sicht-