Ausgabe 
9.7.1940
 
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Nr. 160 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeigrr für Gberheffen)

Dienstag, 9. Zull

bert Hübner, Walter Werner und Alfred Maack eindringlich und charakteristisch vertreten. Der Film, der um das Jahr 1900 spielt, erscheint uns in seinem Zeitkolorit ausgezeichnet getroffen. In der Photographie überraschen hervorragende Bilder von der Herrlichkeit eines viermastigen Segelschiffes und dem Leben an Bord.

Heinrich Ludwig Neuner.

Büchertisch.

Ernst Moritz Arndt: Erinnerun«" gen aus dem äußeren Leb en. Preis in Lei­nen geb. RM. 5,80. Verlag Wilh. Gottl. Korn in Breslau. (33) Arndt gehört zu den Männern der deutschen Geschichte, die zwar viel genannt werden, aber wenig gekannt sind. Als der große Patriot und Dichter viel gesungener Freiheitslieder lebt er im Gedächtnis seines Volkes und wird als solcher gern und oft zitiert, aber seine weit über den Gesichtskreis seiner Zeit hinausgreifenden po­litischen 'Erkenntnisse, die uns heute soaktuell" anmuten, gehen uns erst bei näherer Beschäftigung mit Persönlichkeit und Werk dieses Mannes auf, dessen Lebensgang es schon lohnt, ihm nahe zu form men. Schlicht und bescheiden, mit einer bestrickenden Aufrichtigkeit erzählt Arndt selbst über seine mensch­liche und politische Entwicklung, und sein Bericht wird zugleich ein ungemein fesselndes Bild der gro­ßen Zeit, in der er als Freund und Vertrauter so vieler führender Männer des deutschen Be­freiungskampfes eine bedeutende Rolle zu spielen berufen war. Die schöne, mit interessanten Bildern ausgestattete Ausgabe, die der Verlag I. G. Korn für seineKornkammer" veranstaltet hat, verlockt wieder zum wirklichen Lesen dieser Erinnerungen, man wird sehen, daß dieser Mann in seiner leben­digen Vielseitigkeit wenig dem billigen Klischee ent­spricht, wie es in unserer Vorstellung steht.

Dr. Fr. W. Lange.

Karussell des Lebens. Heitere und nachdenkliche Geschichtchen von Horst Schöttler. Ver­lag Philipp Reclam jr., Leipzig. Preis: Kart. 50 Rpf. Das Büchlein enthält mehr als 100 Plaudereien, die den Leser ergötzen und zum Nachdenken anregem

Meldet zum Blumenschmuck-Wettbewerb!

Aus der Stadt Gietzen.

Erntemonat Zuli.

Auf den Kornfeldern vor der Stadt reifen die Aehre. Wenn der Wind über sie hinstreicht, zittern sie leise, als ahnten sie schon die kommende Mahd. Dieses Bild der reifenden Felder ist unvergleichlich schön. Es zeigt die segenspendende Fülle des Som­mers, die schöpferische Kraft seines wohltätigen Wirkens.

Juli bedeutet für den Bauern die Zeit rastloser Tätigkeit. Das ländliche Jahr hat seinen Höhepunkt erreicht, wo es gilt, den Erfolg zu bergen, dem die Dtühe des ganzen Jahres gegolten hat. Lang ist deshalb der Arbeitstag des Bauern, fast so lang wie der Tag selber, der nur von einer kleinen nächtlichen Zeitspanne unterbrochen wird, die aber so kurz ist, daß nach astronomischer Rechnung von einer eigentlichen Nacht keine Rede mehr feilt kann. Dieser ausgedehnte Tag hat indessen den Vorzug, daß recht viel unter Dach und Fach gebracht wer­den kann, was für den Bauern und für die ganze Nation von größter Wichtigkeit ist.

Seinem Namen hat der Juli von Julius Cäsar. Jener Römer war es ja auch, der eine Kalender­reform schuf, die Julianische, aus der wiederum auch unser Kalender entstanden ist. Im Juli erreicht die Soune das Tierkreiszeichen des Löwen, was er- sahrUngsgemäß für Europa die Zeit der größten Hitze bedeutet.Wenn die Sonne in den Löwen geht (23.), die größte Hitz' alsdann entsteht." Zeit­lich fällt damit auch zusammen der Beginn der Hundstage, die ja im Grunde nichts anderes sind als jene heißen Wochen, während der sich die Sonne im Zeichen des Löwen aufhält.

Ein solch heißer Tag im Juli kann auch eine ge­wisse Romantik offenbaren. Wenn zur Mittagszeit die Sonne ihr Feuer über den Feldern lodern läßt, und wenn die Luft flirrend über dem Boden liegt, dann steigen bei einer Rast am Wegrgnd sehr leicht Gedankenbilder auf, die geradewegs aus den mit bunten Blumen geschmückten Kornfeldern zu kom­men scheinen. Die Wärme und die atmende Stille der Felder bewirken ein lebhaftes Spiel der Phan­tasie und es ist deshalb kein Wunder, wenn alte Geschichten davon-berichten, daß es eine Roggen­muhme gibt, die während der Mittagsstunde um­geht, und daß Kobolde und Kornmännlein zwischen >den Halmen ein zauberisches Wesen treiben.

H. W Sch.

Tageskalender für Dienstag.

Gloria-Palast (Seltersweg): ,Kennwort Machin".

Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Fahrt ins Le­ben".

(Hastspiel Rostta Gerrano.

Die NS. -GemeinschaftKraft durch Freude" hatte für den gestrigen Abend zu einer nicht alltäglichen unterhaltsamen Veranstaltung ein- gelad4n. Rosita S e r r a n o , vom Rundfunk und von zahlreichen Schallplatten her längst bekannt, gab gestern abend im Gloria-Palast ein Gastspiel und damit die Gelegenheit zu persönlicher Bekannt­schaft. Diese Gelegenheit nahmen viele Volksgenos­sen wahr. Der Gloria-Palast war dis aus den letzten Platz besetzt, und zahlreiche Besucher gaben sich mit einem Stehplatz zufrieden. Die Künstlerin, schlank, elegant, gekleidet in leuchtendes Rot und glänzende schwarze Seide, wurde von den vielen Verehrern ihrer Kunst auf das herzlichste begrüßt.

Zunächst und unter der andächtigen Auftnerksam- feit der vielen Zuhörer und Zuhörerinnen, hörte man Volkslieder aus Argentinien und Uruguay, aus Chile, Cuba und Mexiko, vorgetragen mit un­pathetischem Ernst, der glauben ließ, daß diese und viele andere solcher Lieder zu abendlichen Stunden auf mancher einsamen Hazienda gesungen werden. Wenn auch nicht zu wissen, so war doch zu erfüh­len, daß diese Lieder (die die Künstlerin sehr sorg­fältig und sichtlich mit innerer Anteilnahme vortrug), tief in völkischer Eigenart verankert sind, in ihrer letzten Sinnausdeutung von uns aber wohl kaum erschlossen werden können, ebenso wenig, wie viel­leicht ein inniges deutsches Volkslied in Mexiko, in Chile oder Argentinien verstanden und gefühls­mäßig voll erfaßt werden könnte. Die Künstlerin gab die Lieder, die ihr selbst wohl am nächsten sind, mit allem Ausdruck ihrer modulationsfähigen und souverän beherrschten Stimme. Die fremden Spra­chen taten ein übriges, um den Charakter des Fremdländischen zu betonen.___________ ,________

Auch in diesem Jahr ruft der Verkehrs- und Verschönerungsverein die Bürgerschaff zum Blumtzn- schmuck-Wettbewerb auf. Man könnte vielleicht mei­nen, daß diese herkömmliche, von Vielen begrüßte Einrichtung als Fremdenwerbung gedacht, ihren Zweck verfehle, denn wer heutigentags nicht unbe­dingt reisen muß, bleibt am besten daheim. Wer aber aufmerksamer beobachtet, 'wird zugeben müssen, daß gerade während der Kriegszeit mehr Menschen aus allen Teilen des Reiches auf dem Zuge nach Westen 'und in umgekehrter Richtung unsere schön gelegene Stadt berühren oder einen mehr oder weniger langen Aufenthalt bei uns nehmen, als das jemals zuvor in gleicher Weise der Fall war. Gießen bleibt für viele, die kommen und gehen, mehr als ein geographi­scher Begriff. In richtiger Würdigung dieses Um­standes versäumt die Stadtverwaltung diese Gelegen­heit zur Werbung in die Ferne in keiner Weise. Wir sehen Erweiterungs- und Verschönerungspläne Wirk­lichkeit werden, wie sie großzügiger von einem Ge­meinwesen von der Größe Gießens kaum denkbar

In der Wirtschaft von Fritz Weller fand am Samstagabend die Jahreshauptversammlung der Spar- und Darlehnskasse Klein-Linden statt.

Bürgermeister Heinrich Fischer als Vorsitzender des Aufsichtsrats eröffnete die gut besuchte General­versammlung. Sodann trug Direktor Wilhelm Feh als stellvertretender Kassenrechner die Jahresrechnung und Bilanz des verflossenen Geschäftsjahres vor. Dem Bericht ist folgendes entnommen: Der Umsatz betrug auf einer Hauptbuchsgjte 1358316 Mk. Der Stand der Spareinlagen belief sich auf 316508 Mk. und hat sich damit gegenüber dem Vorjahr um 30000 Mk. vermehrt. Die Kleinspareinlagen, be­stehend aus Sparkartenverkauf und dem Betrieb der Schulsparkasse, erbrachten im Berichtsjahr den Be­trag von 9576 Mk. Der Stand der festbefristeten Darlehen betrug am Bilanztag 171063 Mk., das ist gegenüber dem Vorjahr ein Mehr von 18357 Mk. In laufender Rechnung waren am Bilanztag vor­handen: Forderungen: 74624 Mk., gegenüber dem vorhergehenden Jahr 10832 Mk. weniger, Einlagen: 27148 Mk. Bei der Volksbank und der Landesbauern­kasse hatte bie Genossenschaft am Bilanztag ein Gut­haben von 92340 Mk., das sind 20235 Mk. mehr als im vorhergehenden Jahr. Die Kasse, war mit einem Betrag von 1000 Mk. bei der Landesbauernkasse beteiligt. Bei den Erträgen hat sich der Zinsenüber­schuß gegenüber dem Vorjahr um 374 Mk. erhöht. Der Gewinn des Geschäftsjahres beläuft sich auf 1057,19 Mk. Die Mitgliedcrzahl, die sich am Ende des vorhergehenden Jahres auf 250 belief, .hat sich um 11 neue Mitglieder auf 261 Mitglieder mit ins­gesamt 27 t Geschäftsanteilen erhöht. Sämtliche Zahlen geben ein deutliches Bild von der weiteren Aufwärtsentwicklung der Kasse.

Dem Geschäftsbericht, wiedergegeben von Direktor Fey, ist folgendes zu entnehmen: Das verflossene

Im zweiten Teil des Programms fang sie zum größten Teil Tn deutscher Sprache, die sie in Klang und Aussprache erstaunlich gut beherrscht. So war es verständlich, daß Rofita Serrano nun ihrer Zu­hörerschaft sehr viel näher rückte, als es anfänglich möglich war. Die ChansonsIch bin glücklich, aber traurig",Der kleine Liebesvogel",Charly" usw. waren auf einen teils elegischen, teils heiteren Ton gestimmt. Sie gaben ihr Gelegenheit, mit ihrer Stimme zu brillieren, wie e>i>M Taube zu gurren, wie ein Vogel zu zwitschern, zu pfeifen, zu sprechen, mit dem Publikum kurze Zwiesprachen zu halten, mit den Musikern, die sie begleiteten, zu plaudern, singend zu telephonieren, Randbemerkungen zu machen und ihre Darbietungen mit einer eigen­willigen Mimik zu untermalen. Immer wieder be­wunderte man ihre Gabe der Improvisation, ihren persönlichen Charme, ihre silberne Stimme, ihre eminente Musikalität, und so war es nicht weiter erstaunlich, daß die Zuhörerschaft lebhaft und auf­merksam mitging und sich einige Zugaben erzwang.

sind, sehen, wie Straßen und Plätze sich erweitern und in der geschmackvollen Verwendung von frischem Grün und Blumenschmuck Vorbildliches geleistet ist. Alles das verpflichtet zur Nacheiferung der Haus- und Gartenbesitzer, damit durch gemeinsames Zu­sammenwirken die Bausünden einer früheren Zeit unter Blumenschmuck mehr und mehr verschwinden und jeder Fremde, der hier weilte, den Eindruck mit fortnimmt, daß Gießen eine freundliche, im Auf­streben begriffene Stadt sei.

Man mähe das Gras in den Vorgärten öfter, dulde an der Straße keine Unkrautbeete, dünge vor allem jetzt die Balkon- und Fensterkästen in flüssiger Form. Auch die Topfgewächse am Fensterbrett haben überall Hunger und verdoppeln ihre Blühwilligkeit nach jedem gereichten Dungguß. Den Lohn für die Arbeit und Mühe spenden die Pflanzen ihren Pflegern selbst, darüber hinaus aber auch der veranstaltende, gemein­nützige Verein durch Zuerkennung eines Preises. Nur darf man nicht versäumen, sich rechtzeitig, d. h. bis zum 15. Juli, anzumelden.

Jahr war ein denkwürdiges Jahr in der Geschichte der hiesigen Genossenschaft. Infolge der Einberufung des seitherigen Kassenrechners zum Heeresdienst er­klärte sich Direktor Fey bereit', die Kassengeschäfte selbst zu führen. An Sitzungen wurden gehalten: 8 gemeinsame von Vorstand und Aufsichtsrat, ferner noch eine und fünf getrennte Sitzungen. 19 Gesuche mit einem Gesamtleihbetrag von 34200 Mk. fanden ihre Genehmigung. Die Kasse arbeitet nur mit eige­nem Geld. . . \

Den Revisionsbericht erstattete Aufsichtsrats­vorsitzender Fischer. Aus dem Bericht ging hervor, daß Beanstandungen nicht festgestellt wurden und die Kassenführung in Ordnung befunden wurde.

Der Reingewinn soll auf folgende Weise verteilt werden: Auf die eingezahlten Mitgliederbeiträge werden, wie in den Vorjahren, 5 v. H. Dividende ausbezahlt. Ferner werden 50 Mk. dem Kriegshilfs­werk des Deutschen Roten Kreuzes, 20 Mk. der hiesigen Kleinkinderschule und 10 Mk. der Gemeinde- Volks- und Schülerbücherei überwiesen. Der Rest 'soll je zur Hälfte dem Reservefonds und der Betriebs­rücklage zugeführt werden. Dem Vorstand und der Kassenführung wurde Entlastung erteilt.

Die-satzungsgemäß ausscheidenden Aufsichtsrats- bzw-. Vorstandsmitglieder Heinrich Bechtold, Hein­rich Weigel, Heinrich Ufer und Wilhelm Volk­mann würden wieder in ihre Aemter berufen.

Die in. der Versammlung anwesenden Genossen­schaftsmitglieder stifteten auf einstimmig angenom­menen Vorschlag des Aufsichtsratsvorsitzenden je 1 Mk., insgesamt 86 Mk., zum Besten der Arbeit des Kriegshilfswerks des Deutschen Roten Kreuzes. Zum Schluß dankte Bürgermeister Fischer allen Mit­arbeitern der Genossenschaft für ihre uneigennützige Gemeinschaftsarbeit.

Kurt Hohenb >erger unfo feine Solisten beglei­teten die Sängerin mit aller Sorgfalt und trugen auch ihrerseits mit mofrerner Musik zur Abwechslung im Programm bei. N.

Gießener Wochenmarktpreise.

Gießen, 9. Juli. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, Eier, aus­ländische 8%, Kartoffeln, alte, Vi kg 05 Rpf., 50 kg 4,15 RM., neue, kg 12 Rpf., Wirsing, grün 18 bis 20, Weißkraut 20, Gelberüben 30, Roterüben, das Bund 15, Spinat, kg 20, Römischkohl 10 bis 15, Bohnen, grün 40 bis 55, gelb 40, Erbsen 25, Mischgemüse 15, Zwiebeln, das Bund 15, Rhabar­ber, kg 20, Pilze 45 bis 50, Himbeeren 45 bis 60, Kirschen 50, Heidelbeeren 42, Stachelbeeren 25 bis 35, Johannisbeeren 25, Erdbeeren 50, Blumen­kohl, das Stück 10 bis 60, Salat 8 bis 10, Salat- gurken 30 bis 60, Oberkohlrabi 10 bis 15, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bund, 10 Rpf.___________

Wreshaupiveksammlung der Spar- und Darlehenskaffe Klein-Linden.

Erbprinz Hermann Otto zu Solms-Hohensolms Lich f.

Der Oberleutnant in einem Jagdgeschwader Dr. Hermann Otto Erbprinz zu Solms-Hohen- solms-Lich ist am 3. Juli im 38. Lebensjahr im Felde tödlich verunglückt. Dr. Hermann Otto zu Solms-Hohensolms-Lich wurde in Potsdam geboren Er studierte in Göttingen und Gießen, promovierte zum Dr. phil. und wandte sich dann vorwiegend der Landwirtschaft zu. Als landwirtschaftlicher Sach­verständiger arbeitete er einige Zeit in der Ent* schuldungskommission in Königsberg in Ostpreußen mit, übernahm aber im Jahre 1932 dann die Be­wirtschaftung des eigenen Hofgutes in Lich. Neben seiner Tätigkeit in der Landwirtschaft galt sein leb­haftes Interesse der Fliegerei. Bereits im Jahre 1930 bestand er das Pilotenexamen und beteiligte sich in der Folge an zahlreichen Wettbewerben nationaler, wie auch internationaler Art. Fünfmal nahm er am Deutschlandflug mit gutem Erfolg teil.- Bei einem bayerischen Flugwettbewerb im Höhen­flug wurde er Sieger. Seit 1933 gehörte er der SA. an. Er war tätig im Deutschen Luftsport-Der- band und hielt in den Jahren 1933 und 1934 zahl­reiche Vorträge in unserer engeren und weiteren- Heimat zur Förderung der Fliegerei. Nach der Ab­lösung des Deutschen Luftsport-Verbandes durch das NS.-Fliegerkorps widmete er sich auch dieser Or­ganisation, war vom Dezember 1934 bis zum Früh­jahr 1937 Sturmführer im Gießener NSFK.« Sturm 6/75 und erwies sich dabei als ein ausge­zeichneter Kamerad.

Als Oberleutnant d. R. der Luftwaffe nahm er sowohl am Feldzug in Polen, wie auch im Westen teil. Erbprinz Dr. Hermann Otto war in Lich wie auch in Gießen eine gern gesehene und beliebte Persönlichkeit. Sein Heimatstädtchen Lich hat er in vielfacher Weise gefördert. Die deutsche Fliegerei verliert in ihm einen Mann, der nicht nur im Frie­den, sondern auch im Kriege begeistert zur Fliegerei stand. Das Andenken an seine Persönlichkeit wird in vielen Herzen bewahrt bleiben.

*

** M i t dem Eisernen Kreuz ausge-. zeichnet. Der Assessor Ludwig Heymann, Gefreiter in einem Infanterie-Regiment, wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.

Aus der engeren Heimat.

Mitgliederversammlung der Bezirkssparkaffe Alsfeld.

Alsfeld, 8. Juli. Am vergangenen Samstag fand die Mitgliederversammlung der Kasse unter dem Vorsitz des stellvertretenden Leiters der Kasse, Bürgermeister Dr. D ö l s i n g , statt. Der Vorsitzende legte die Gründe dar, welche die Abhaltung einer Mitgliederversammlung im Jahre 1939 unmöglich machten. Infolgedessen gelangten nunmehr die Rech­nungen und die Geschäftsberichte für die Jahre

Schon wieder zu spät zum Dienst! L

ELASTOCORN

Eine unangenehme Geschichte, b» sonders dann, wenn immernur* das Hühnerauge schuld war. Was wacht man da? Elastocorn mif den» Filzring drauflegen! Gleich kant» man wieder laufen, und in einpaae Tqgen ist das Hühnerauge weg.

1938/1939 zusammen in Vorlage. Aus den einlei­tenden Ausführungen des stellvertretenden Direk­tors zu den Geschäftsberichten war zu entnehmen, daß der wirtschaftliche Aufschwung in den Jahren 1938/1939 auch bei der Kasse sich in einer Konten- Vermehrung und in einer starken Zunahme der Gut­habenbestände bemerkbar machte. Es konnte festge­stellt werden, daß die Sparer bei Kriegsausbruch vollkommene Disziplin bewahrten. Jnnenrevisor M a d e s gab einen Ueberblick über die hauptsäch- liehst en und wichtigsten Angaben der vorliegenden Geschäftsberichte. Daraus war zu entnehmen, daß der Bestand an Spareinlagen am Ende des Jahres 1938 RM. 8 653 711,, Ende des Jahres 1939 RM. 9 398 931, betrug und am 30. Juni 1940 RM. 10 350 199, beträgt. Den gesetzlichen Bestim­mungen über die Bar- und Gesamt-Liquidität konnte

Kennwort Machin."

Ein Ufa-Film Erich Waschnecks.

Wer kennt schon seinen Nebenmenschen wirk­lich?" So ungefähr sagt der Prokurist Borb einer großen Hamburger Versicherungsfirma auf einem Betriebsausflug, als ihm für eine Minute der Al­kohol die Zunge gelöst.hat. Er ist ein pflichtgetreuer, genauer Angestellter, wegen seiner Unliebenswür­digkeit von seinen Mitarbeitern nicht sehr geschätzt, ober im Besitz des vollen Vertrauens feiner Vor­gesetzten, die ihm zwar menschlich nicht näher zu kommen vermögen, aber seine Leistungen anerken­nen müssen, und ihm großzügig Blankovollmacht erteilen. Allzu großzügig, wie sich eines Tages Herausstellen soll. Denn Herr Bord ist nicht das, was er scheint. Der in seinem Aeuheren und Ge­haben durchaus kleinbürgerliche, in seiner Lebens­haltung bescheidene kleine Buchhalter ist in^ Wahr­heit eine Verbrechernatur, die mit der peinlichen Akribie, die ihr in seinem bürgerlichen Beruf so viel Anerkennung und Vertrauen eingetragen hat, einen großen Schlag vorbereitet, der ihr die Mit­tel verschaffen soll, ihren Traum von einem mon­dänen Leben in der verlockenden Atmosphäre der Tropen zu verwirklichen. Er ist in den Ganoven­kreisen des Hamburger Gängeviertels, das inzwischen von der Spitzhacke nationalsozialistischer Altstadt­sanierung beseitigt worden ist, kein Unbekannter. Gerade das wird ihm zum Verhängnis, denn die Zünftigen ü er pfeifen ihn, als er in den Verdacht gerät, einen ihrer Kumpane, der allzu neugierig war,umgelegt" zu haben. Die Unterschlagung glückt zwar noch, auch noch der Sprung nach Ame­rika, denn seine Firma sucht in falsch angebrachter Scheu vor der Oeffentlichkeit die peinliche Sache zu vertuschen und gibt damit dem Defraudanten einen beträchtlichen Vorsprung. Doch dann ist die Kriminalpolizei ihm schnell auf der Spur. Mit der feinen Witterung für mulmige Charaktere hat ein internationales Hochstaplerpaar sich an ihn heran­gemacht. In dem raffinierten Kampf um die Beute sieht er sich unmittelbar vor dem Ziel, als die Kriminalpolizei ihn stellt.

Dieser Stoff ist, obwohl er einem Roman C. V. Rocks entnommen ist, für den Film wie geschaffen, denn nur dieser vermag dank seiner technischen Mittel alle Möglichkeiten einer Doppelrolle voll auszuschöpfen. Ein Spielleiter wie Erich Wasch- neck begnügt sich dabei nicht, mit aller Routine einen in allen Phasen ungeheuer spannenden Kri­minalfilm in Szene zu setzen, der in buntem Wechsel die verschiedenartigsten Milieubilder mit großer Sicherheit trifft und liebevoll ausmalt, ohne auch nur einen Augenblick den Faden der Handlung zu verlieren nur die ein gesponnene Liebesge­schichte hätte vielleicht etwas knapper gehalten wer­den können. Waschneck sucht vielmehr in die seelischen Abgründe eines so gefährlichen Charakters vorzu­dringen, der auf der Brücke zwischen Traum und Wirklichkeit zum skrupellosen Verbrecher wird, ohne steilich, nachdem er die Welt bürgerlicher Wohlan­ständigkeit hinter sich gelassen hat, in der Welt der Verbrecher nun die Ueberlebenheit zu haben, um es mit Hochstaplern von Berus aufnehmen zu können. Paul Dahlke sucht diesen Zwiespalt, diese innere Unsicherheit zu überdecken, indem er nut Maske und Anzug gleichsam auch den Menschen wechselt. Der schroffe, unzugängliche kleine Angestellte mit Drille, dunklem Anzug und Hut wird auf feiner Flucht in der Maske des versierten Lebemannes zum liebens­würdigen Causeur und Verehrer schöner Frauen, wobei er freilich sehr schnell einer Circe in die Arme fällt, die ihm an Gerissenheit überlegen ist. Das Doppelspiel an Bord des Schiffes, das der Ver­wischung seiner Spur dient, ist von Dahlke groß­artig angelegt. Im Kampf mit den Hochstaplern, die ihm seinen Raub abjagen möchten, bleibt ihr wahres Verhältnis im erregenden Zwielicht. Dahlkes Charakterstudie ist ungemein sorgfältig ausgeMt und fesselnd durchgeführt.

Hilde Meißner, von lässiger Kühle und jenem Hautgout, das Männer wie Borb-Machin unwider­stehlich anzieht, und Harald Paulsen, der Gang­ster als Gentleman, elegant, geschmeidig, skrupel­los sind das Hochstaplerpaar internationalen For- I mats. Albert Hehn, frisch, offen und natürlich als Kriminalkommissar, erlöst Viktoria von Bal- Hasto, sehr zart und liebreizend, aus einer ver­

zwickten Situation. Eine Reihe scharf gezeichneter Typen der Hamburger Unterwelt, Will D o h m und Ernst D u m ck e als betrogene Direktoren, schließ­lich zwei redelustige Zimmerwirtinnen vervollstän­digen das gut auseinander abgestimmte Ensemble.

Dr. Fr. W. Lange.

Fahrt ins Leben."

Der Film, der seit gestern im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, gezeigt wird, führt im wesentlichen junge Menschen vor Augen, die in einem an Span­nungen reichen Verhältnis zueinanderstehen, die sich auseinanderstreben und doch beisammenbleiben müssen in eiserner Disziplin, weil sie als Kad-stten eines Schulschiffes Kameraden sein müssen. Aber erst nach mancher Wirrsal und nach manchem Zwei­fel finden sie zueinander. Es geht oftmals hart auf hart, es gibt manche Auseinandersetzung nicht nur mit Worten, sondern auch mit Tätlichkeiten, es gibt manchen Disput um Ehre und Ehrbegriff. Beson­ders dramatisch wird das Geschehen dadurch, daß als das belebende Element heiß und ernst aenom- mene Liebe mit hineinspielt und eine leidige Geldge­schichte Komplikationen hervorrüst. Erst allmählich lösen sich nach einer heftigen Gewalttat die Kon­flikte, werden die Fronten klar und als das Schul­schiff auf große Fahrt geht, kristallisiert sich die Ka­meradschaft der vier Kadetten.

Der Bavaria-Film, unter der Regie von Bernd Hofmann entstanden, bemüht sich, die an sich komplizierte Handlung in klaren Szenen zu fassen und das Handeln des einzelnen motiviert erscheinen zu lassen. Die Darsteller Karl Ludwig S ch r e i b e r, Ernst Schröder, Karl John und Joachim S ch a u f u ß sind als Kadetten lebhaft um eine Ver­anschaulichung ihrer seelischen und geistigen Kon­flikte bemüht. In Ruth Hellberg und Ursula Herting bringt der Film zwei liebreizende Frauen­gestalten, die nicht schuldlos am Rande der Ereignisse stehen, in die Entscheidungen zwischen den Kadetten aber nicht eingreifen können. Die ältere Generation steht in wirkungsvollem Gegensatz zu den jungen 1 Menschen und ist durch Hedwig Bleibtreu, Hey-