den totalen Krieg äußerlich und innerlich vorzubereiten. Selbst ein Hindenbura und ein Ludendorff scheiterten bei dem Versuch, im Weltkriege eine Ausrichtung des gesamten Volkes für den totalen Krieg zu erreichen. Die mußten schon deswegen scheitern, weil die erste Voraussetzung dafür fehlte, nämlich die geistige und seelische Geschlossenheit des Volkes, die auf Grund einer einheitlichen Weltanschauung zu einer einheitlichen Willensbildung führt. Diese Bereitstellung des Volkes für einen totalen Krieg wird einem Churchill um so weniger gelingen können, weil das englische Volk wie kein zweites auf der Erde durch den Liberalismus verseucht ist. Außerdem besitzt England keinen einzigen Mann, der unter dem Volk das Ansehen genießt, um Fragen und Aufgaben von solcher nationaler B^euttmg schlagartig zu lösen. Churchill hatte vor dem Kr^ge den Spitznamen „Clown", er galt nach feinen verschiedenen Weltkriegsunternehmungen als der dilettantischste Politiker des Empire. Heute ist dieser Mann in England nur deshalb am Ruder, weil sich niemand getraut, die verfahrene Politik Englands ins richtige Gleis zu bringen. Es kann auch fein, daß unter dem Nachwuchs niemand dazu fähig ist, denn das übersättigte England hat sich kaum träumen lassen, daß einmal die Stunde kommen würde, in der es seine Kriegsrechnung selbst bezahlen und einem überlegenen Gegner Gleichwertiges entgegenstellen müßte.
England kennt gar nicht die Doraussetzunaen für einen totalen Krieg. Es kennt nicht die Einheitlichkeit des nationalen Willens und Geistes, zumal England keinen natürlichen Grund hatte, diesen Krieg zu beginnen. Da dieser Geist fehlt — künstlich genährter Haß hat nichts mit nationaler Kraft zu tun — lassen alle Zweige der britischen Kriegswirtschaft die notwendige Schwungkraft vermissen. In der militärischen Führung und Rüstung sowie in der wirtschaftlichen Untermauerung des Krieges fehlt die Einheitlichkeit der Organisation und Meinung. Der Begriff des rücksichtslosen Arbeitseinsatzes für jedermann ist in EnglaO unbekannt. Die landwirtschaftliche Erzeugung ist jahrzehntelang vernachlässigt worden, der englische Bauer ist heute nicht fähig, auf einmal die Selbstversorgung des ganzen Volkes au garantieren, nachdem bisher zwei Drittel eingeführt wurden. Handel und Verkehr unterliegen zahlreichen privatwirtschaftlichen Inter- essenspähren. Die sozialpolittsche Lage der englischen Vvlksmassen ist seit langer Zeit so schlecht, daß es unmöglich ist, dieses Volk heute zu einer nationalen Begeisterung zu entfachen. Englands totaler Krieg wird im Augenblick der Feuerprobe kläglich zusammenbrechen. Daran kann auch die künstliche Auf- putschung der Volksseele, wie sie ja auch Frankreich versucht hatte, nichts ändern.
MehrdesFrankenvomSterling.
Stockholm, 8. Juli. (Europapreß.) Ebenso wie die politischen Bindungen zwischen England und Frankreich nun vollkommen gelöst sind, ist auch die letzt? wirtschaftliche Verknüpfung zwischen den beiden Ländern in Fortfall gekommen, nachdem von Frankreich die Bindung der französischen Währung an das Pfund Sterling auf- gehoben worden ist und beschlossen wurde, ihn an den nordamerikanischen Dollar anzuhängen. Vor kurzem ist ein Kurs von 43,80 Franken für den Dollar festgesetzt worden. Mit diesem Ausscheiden Frankreichs aus dem Sterling-Block beschränkt sich dieser im wesentlichen auf England selbst und die Dominien, die über die Pfunowährung verfügen, ^nachdem während des Krieges zunächst die skandinavischen Länder und später ein Land nach dem anderen dem Pfund Sterling die Mitgliedschaft im Sterling-Block aufgekündigt hatte.
Für Frankreich hat das Ausscheiden aus dem Währungskreis des Pfundes einen wesentlichen Vorteil. An einer Reihe von noch verhältnismäßig freien Devisenmärkten, wie etwa Stockholm, erfolgte bisher die Festsetzung des Frankenkurses nicht auf der Basis des offtziell von London abgestimmten Pfund-Kurses, sondern im Anschluß an den we- sentit ch von Neuyork bestimmten freien Pfund- Kurs, was häufig bettächtlichen Schaden auch für die internationale Beurteilung des französischen Franken zur Folge hatte. Nun gehört auch die französische Währung in den wachsenden Währungsblock, der sich um den nordamerikanischen Dollar gebildet hat, was für die kommende Neugestaltung der internationalen Währungsbeziehungen von großer Bedeutung sein kann, da seit 1933 der nord- amerikanische Dollar stabil geblieben ist.
Das Verbrechen von Oran
3« französischer Gefangenschaft
(Südamerika) offen für die Regierung des Marschalls Pstain erklärt und sich dem Protest gegen den heimtückischen Ueberfall der englischen Flotte auf Dran angeschlossen hätten. Von diesen französischen Gebieten seien alle Beziehun-1 richt nicht
Not, sondern liegt friedlich im Hafen vor Anker. Er hat auch kern Notsignal gegeben und es ist bezeichnend, daß die erste aufgefangene Meldung nicht die Erkennungszeichen des „Barry" trug, offenbar well sie den englischen Urhebern dieser Alarmnach- I richt nicht bekannt waren.
gen zu den angrenzenden englischen Besitzungen abgebrochen worden. Martinique und Guadeloupe, befänden sich in der amerikanische n S i ch e r <= heitszone und hofften, daß die im Karibischen Meer kreuzenden nordamerikanischen Kriegsschiffe die Neutralität der französischen Besitzungen schütze'n würden. Französisch-Guayana (auf dem südamerikanischen Kontinent) hingegen, wo sich auch ein Teil des französischen Goldschatzes befinde, werde durch die brasilianische Flotte geschützt, die durch einige von Panama entsandte nordamerikanische Kriegsschiffe verstärkt morgen sei.
1 ♦ •
Washington hat bekanntlich erklärt, daß sie innerhalb der 5 0 0 - M e i l e n - S i ch e r - heitszone rund um den amerikanischen Doppelkontinent keine Kampfhandlungen der kriegftihrenden Mächte dulden könne und daß sie in Anwendung der M onroe-Doktrin auch nicht damtt einverstanden sei, wenn eine in der westlichen Hemisphäre liegende Besitzung eines europäischen Staates an einen anderen europäischen Staat übertragen werden solle. Als die 118^..-Regierung diese Richtlinien bekanntgab, konnte sie noch nicht ahnen, daß es einmal zu Feindseligkeiten zwischen England und Frankreich kommen würde. Nun ist dieser Fall hoch eingetreten, und es muß sich zeigen, ob die O8A.-Regierung es mit ihrer Monroe-Politik e h r I i ch meint und ob sie gegen den englischen Raubüberfall genau so einschreiten wird, wie sie es gegen niemals beabsich- tigte Einmischungsversuche der totalitären Mächte gerne getan hätte. Einstweilen sind einige USA.« Zerstörer nach Martinique zur Beobachtung der Lage geschickt worden. Irgendwelche Schritte seien keineswegs beabsichtigt, wird in amtlichen Kreisen Washingtons erklärt. Läßt diese Stimme schon auf eine stillschweigende Duldung englischer Gewaltaktionen in der sog. amerikanischen Sicherheitszone schließen, so müssen mir doch die Entwicklung der Dinge abwarten. Uebrigens ist es wohl kein Zufall, daß gerade in diesen Tagen ein neuer Churchill-Schwindel gestartet wurde, dazu bestimmt, die amerikanische Oeffentlichkeit von dem geplanten englischen Ueberfall auf Martinique abzulenken. Es tauchte plötzlich die Meldung auf, daß der amerikanische Zerstörer „Barry" ein Notsignal abgegeben habe. Der englische Rundfunk sprach sogar von einem Attentat gegen den „Barry", der sich gerade auf dem Wege nach Bilbao befunden habe, um dort den früheren USA.«®efanbten in Polen, Biddle, abzuholen. An der ganzen Geschichte ist aber, wie das amerikanische Marine- minifterium inzwischen festgestellt hat, kein wahres Wort. Der „Barry" befindet sich nicht in
Bern, 8.Juli. (DNB.) In einer Meldung aus Vichy, dem Sitz der französischen Regierung, nimmt Havas Stellung zur letzten Rede Churchills, der sich ebenso wie die britische Propaganda überhaupt bemühe, mit allen Mitteln den Ueberfall von Dran und die weiteren Attentate gegen die französische Flotte zu rechtfertigen.
In französischen Kreisen wird gegenüber der verlogenen englischen Darstellung festgestellt, daß die in Dran befindlichen französischen Flotteneinheiten in der Abrüstung begriffen waren. Die Feuer in den Kesseln feien gelöscht gewesen, und ein Tell der Besatzung habe sich bereits an Land befunden. Die Munition sei gerade aus- geschifft worden. Weiter sei eine Reihe von Geschützverschlüssen bereits entfernt gewesen. Die Marine sei also tatsächlich im Begriff gewesen, diese Schiffe verwendungsunfähig zu machen. Somit war England die Gewähr gegeben, die es wünschte.
Und doch seien die Engländer, so betont die französische Auslassung, gegen eine Flotte in diesem Zustande unter Nichtachtunader militäri- schon Ehre vorgegangen; sie hätten Matrosen, die sich nicht verteidigen konnten, ermordet und — mit diesem erste Morde nicht genug — seien sie über das noch zuckende Opfer noch einmal her- gefallen und hätten die Matrosen, die in den BootenZuflucht suchten, mit Maschinengewehren beschossen. Mit Recht habe also eine amerikanische Zeitung von einem vorsätzlichen Mord gesprochen.
Martinique von den Vrtten blockiert.
Rom, 8. Juli. (Europapreß.) Der italienische Rundfunk berichtet, itafj alle Nachrichten die Lage in den Gewässern von Martinique als fortdauernd sehr beunruhigend schildern. In Vichy sei am Montagvormittag mitgeteilt worden, daß bi'e Führung der französischen Kriegsschiffe in Martinique ein Ultimatum der blockierenden Engländer voraussehe. Die Blockade sei von den englischen Kriegsschiffen bereits vollkommen durchgeführt, so daß jeher Verkehr der Insel mit dem Festland unterbunden fei. Den englischen Ableugnungsoersuchen der Blockade werde in Vichy feine Bedeutung zugesprochen. Nach dem heimtückischen Ueberfall auf Dran könne Frankreich den Beteuerungen Englands keinen Glauben schenken, um so weniger, als sogar London habe zugeben müssen, daß sich das eine oder andere Kriegsschiff in den Gewässern Westindiens aushalte.
Hierzu meldet „Giornale d'Jtalia", daß sich die französischen Inseln Martinique und Guadeloupe in den Kleinen Antillen sowie Französisch^Guayana
zu spucken. Da uns der ganze Inhalt unserer Taschen abgenommen war, hatten wir auch keine Taschentücher, um uns wenigstens das Gesicht ab- zuwischen." „Wir waren acht Tage lang i n e i n e m Viehstall eingeschlossen und jede Nacht spritzten französische Soldaten etwa zehn Zentimeter hoch Wasser in de n Stall, um uns das Liegen unmöglich zu machen."
Leutnant H. geriet m Gefangenschaft, als er eben einen Erkundungsflug erfolgreich beendet und die Anfrage: „Wann landen Sie?" beantworten wollte. Ein Erd-MG. zerschlug seinen Benzintank. Des Brennstoffes beraubt, mußte er n o 11 a n b e n. Eine Stunde lang beschoß ein ganzes französisches Ba- taillon mit MG. die vier Mann starke Besatzung, ohne zu treffen.
„Ich bin der einzige dieser vier Mann, der aus der Gefangenschaft zurückgekehrt ist, und auch ich hatte mit all meinen anderen Kameraden, die Sie hier sehen, nicht mehr zu hoffen, in die Heimat zurückzukehren. Acht Tage lang mit mehreren Ka- meraöen in einem Reservelazarett bei St. Sier ein- gesperrt, indem sich nur geschlechtskranke Neger befanden. Eine Woche lang in einem Zuchthaus in Einzelzelle bei verdunkeltem Zimmer mit der einzigen Unterbrechung des täglichen viertelstündigen Spazierganges unter Bewachung im Zuchthaushof.
Tagelange Fahrt in einem Eisenbahnwaggon (Viehwagen), dessen Türen nicht geöffnet werden durften, so daß ein Gummistiefel Den Dienst des WC. erfüllen mußte. Von zwei Seiten her stachen Soldaten und Flüchtlinge, FrauenundKinder nicht ausgenommen, durch die Fensteröffnungen auf die wehrlosen Gefangenen, spien sie an, warfen Steine auf sie. Bei Tage konnte man sich noch durch Ausweichen wehren, aber in der Nacht traf die entmenschte Meute ihr Ziel."
„Und haben Sie nie eine Regung der Menschlichkeit erlebt?", fragte ich. Der junge Offizier schaut in Femen. „Nur einmal", sagt er, ein einziges Mal. Die Meute der Flüchtlinge und Soldaten stürzte sich wieder einmal auf uns Gefangene. Da stand ein junges, blondes, etwa 20jähriges Mädchen mit Tranen in den Augen und wandte sich von diesem Anblick weg." — „Und das französische Note Kreuz?" „Bei Bourges hatten wir 48 Stunden Bahnfahrt hinter uns ohne Essen und Trinken. Der Leiter des dortigen Roten Kreuzes weigerte sich, uns zu verpflegen. Nur die Wachmannschaft erhiett Verpflegung."
Unsagbar niedrig war auch die Behandlung der Verwundeten. Männer mit Steckschuß im Bauch kamen mit auf Transport, ohne andere Behandlung als einem Pflaster über der Wunde. Am deren waren durch Negersoldaten die Ohren ab* gebissen worden.
Wenn jetzt diese friegsge-fangenen deutschen Offiziere zum Appell antreten, dann fehlen in ihren Rechen viele, die mit ihnen in Gefangenschaft gerieten. Wer weiß, welches Schicksal ihnen bereitet wurde! Auf der Terrasse des Flugrestaurants blühen Heckenrosen, friedlich wölbt sich der blaue südliche Himmel über dem weiten Feld, in der Ferne flutet wie im Frieden der Verkehr einer lebensfrohen französischen Großstadt. Die Blicke der Soldaten gehen in die Ferne. „Es ist gut, daß man all das Schlimme wieder vergißt, man kann es ja gar nicht sagen." Aber wir werden nicht vergessen. A. Haas.
DNB........ 8. Juli. (PK.) Deuffche Offi
ziere berichten:
Wir fahren zum Flugplatz Bordeaux, vorüber an Weinpflanzungen, die hierzulande wachsen wie bei uns die Kartoffelfelder, an (aftaniiengroßen blühenden Magnolienbäumen, an Palmen und Pinien. Ein seltsames Bild bietet der Flughafen mit feinen riesigen Hallen und dem Rollfeld, auf dem einträchtig deutsche und französische Kampfflugzeuge aller Typen beisammen liegen.
Auf der Terrasse des Restaurants treffen wir etwa 120deutsche Offiziere der Luftwaffe und des Heeres. Sie schauen nach einer Ju.52 aus, die hier landet. Eine innere Bewegtheit ist in chnen, und nach wenigen Worten des Gespräches erfahren wir:
Hier warten deutsche Offiziere, die seit zwei Tagen aus der Kriegsgefangenschaft befreit sind, daraus, in die Heimat zu fliegen, um zu neuem Kampfe antreten zu können.
Wir haben so viele tausende ftanzösische Kriegsgefangener auf unserem Vormarsch schon gesehen, die zu Fuß, auf Rädern, ja sogar in zahlreichen Omnibussen und selbstgesteuerten Kraftwagen dem Gefangenensammelplatz zustrebten, wir haben so
viele Worte ehrlicher Anerkennung der famerab- sch östlichen Haltung deutscher Soldaten aus dem Munde französischer Gefangener selbst gehört, daß wir nun voll Erwartung sind, zu erfahren, ob die Fälle schlechter Behandlung deutscher Gefangener, die wir von befreiten Kameraden während des Vormarsches erfuhren, vereinzelt oder durch besondere Umstände bedingt waren oder ob sie die Regel bildeten.
hier sind 120 deutsche Offiziere, die meisten feit dem 10. 2Uai an verschiedenen Stellen der Front in ftanzösische kriegsgesangeschaft geraten, hier sind 120 verschiedene Erlebnisse und doch nur ein einziges: B odenlose an Grausamkeit sich sättigende Gemeinheit französischer Soldaten und Zivilisten gegenüber wehrlosen deutschen Gefangenen.
Wie anders soll man es bezeichnen, wenn deutsche Offiziere zu zweien aneinander gebunden, ihrer Kleider beraubt, nackt im Freien übernachten müssen. „Wir fuhren stundenlang im Eisenbahnzug und während der ganzen Zeit lösten sich auf den Trittbrettern Soldaten ab, um uns ins Gesicht
Der Einsatz der Technischen Tiothilfe.
Wie in den Ostgebieten, so fft die Technische Nothilfe auch in den Kriegsgebieten des Westens zur Mithilfe bei der Schaffung normaler Zustände eingesetzt worden. Die dem Oberkommando des Heeres zugeteilten motorisierten T.N.-Abteilun- gen wurden in drei Einsatzgruppen zusammengefaßt. Noch während der Kriegshandlungen leisteten sie für die Versorgung der Truppen, zur Beseitigung von Gefahrenzuständen und zur Sicherung des Nachschubes Hilfsdienste. So hat die Einsatzgruppe Nord Anteil an der Freimachung wichtiger belgischer Schiffswege. Die Einsatzgruppe Süd konnte ttotz schwerer Zerstörungen von Werken binnen kürzester Frist für die Städte Mülhausen, Colmar und Straßburg wieder Licht und Wasser schaffen.
Weitere Kräfte sind inzwischen angefordert in das Innere Frankreichs zur Gefahren- und Schäden- beseitigyng. Andere T.N.-Abteilungen sind in der ehemals, fr ei gern ad)t en Zone der Saar-Pfalz tätig, um hier die geräumten Städte und Ortschaften für die zurückkehrende deutsche Bevölkerung wieder bewohnbar zu machen.
Höllenkessel gelenkt hatte und einen verrückten fielt«
wie so ein Feuer rennen kann ...
Herr, nicht eine Muskel zuckte in ihrem Gesicht ...
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... vor uns waren drei Hügel — und zwischen den Hügeln mußte die Herde sein. Dort gab es Wasser und ausgezeichnetes Futter. Zuerst wollten wir direkt auf den Weideplatz zureiten, aber das Feuer kam uns zuvor. Der Wind war stärker geworden ... ganz links hatte das Feuer den Weideplatz bereits überflügelt — und rechts fraß sich das Feuer mit rasender Schnelligkeit vor ... war die Herde noch zwischen den Hügeln, gab es für sie nur einen Ausweg — nach Norden. Aber es war höchste Zeit ..."
Der alte Heyde hielt sein Pferd an. „Haben Sie schon jemals eine Herde in Panikstimmung gesehen?" fragte er und schob seinen breiten Hut ins Gesicht. „Eine scheußliche Sache. So eine Herde rennt doch grundsätzlich nur dem Leitstier nach ... und wenn er in einen Abgrund rennt, so wird sie ihm folgen. Dagegen ist'nichts zu machen ..."
Wir ritten jetzt, was das Zeug hielt und kamen etwas vorwärts — aber das Feuer schob sich zwischen uns und den Weideplatz und als wir endlich keuchend einen Aussichtspunkt erreichten, sahen wir die Bescherung. Einen Teil der Herde hatten die Schwarzen abgetrieben ... der Rest aber — gegen achthundert Stück — war noch in der Tiefe ... und diese achthundert Rinder rasten wie verrückt — im Kreise herum. Immer im Kreis — während sich der Feuerring immer mehr schloß ... Die Schwarzen hatten nämlich das Feuer kommen sehen und auf die Tiere eingehauen ... aber diese wollten nicht fort — oder sie konnten nicht fort ... weiß Gott — kurzum, eine Panik überfiel die Tiere und als der fieitftier im Kreis herumzurennen begann, rannten die anderen ihm nach ... und das Feuer kam immer näher.
Kaaden war außer sich. Er wollte zur Herde und sie retten — aber er mußte ausbiegen. Dazu hatte er keine Zeit... So hielten wir auf der Höhe und warteten verzweifelt auf ein Wunder oder — auf den Untergang der Tiere... Plötzlich schrie Kaaden auf und zeigte nach Norden... Dort erschien jetzt ein einzelner Reiter — und als ich näher hinsah, da war es die kleine Trude. Sie ritt wie wahnsinnig und ihr großer, knochiger Gaul gab alles her was in ihm steckte... Sie sah uns nicht, obwohl Kaaden wie verrückt schrie ... sie ritt in vollem Galopp auf die Herde zu ... Eine kleine, zarte Frau ... Ich hatte einen Feldstecher mit und sah sie mir an —
kleine Frau nicht. Sie hatte ihren Gaul fest in der Hand und ritt dem fieitftier nach ... dann erwischte sie ihn, warf ihm ein Seil um die Hörner und — zog ihn mit sich. Das heißt, der Gaul zog und zerrte ihn solange, bis er folgte und dem Ausgang zulief... Der kleinen Deffnung, die das Feuer noch gelassen hatte... Und die ganze Herde folgte ...
„Wissen Sie", der alte Heyde faßte mich beim Rockknopf und beugte sich vor, „daß sie den Stier herausgeholt hatte, das war nichts besonderes ... das geht manchmal ganz leicht, wenn man ein gutes Pferd hat ... die größte Gefahr kommt aber erst, wenn man trachten muß, der rennenden Herde zu entgehen... Eine Kleingkeit kann einen grauenhaften Tod bringen... Und Trude ritt jetzt um ihr fieben. Sie sprach dem Gaul zu, sie gab ihm die Schenkel und er lief ... und hinter ihm donnerten die achthundert wahnsinnigen Rinder... Kaaden war jetzt nicht zu halten. Er jagte feinen armen Gaul durchs Feuer — er trieb ihn zu Schanden — aber er kam eben an, als Trude im Sattel wankte und er fing sie in seinen Armen auf. Im letzten Augenblick. Er riß sie zur Seite und die Herde donnerte vorbei . sie war gerettet.
Später kam ich auch hin — da saßen die beiden jungen Leute beisammen und sprachen angelegentlich. Beide waren rot und sahen glücklich aus...
„Trude", sagte ich und würgte die Worte heraus, „Sie haben eine verdammt gute Tat begangen ..." Aber sie wehrte lachend ab.
„Heyde", sagte sie, „ich habe gar nichts getan. Daß der Gaul gut rannte, war seine Angelegenheit — er war auch in Gefahr ... und bas andere? Bitte sprechen Sie nicht mehr darüber ..."
Der alte Heyde schlug sich mit der flachen Hand auf den Schenkel.
„So war die kleine Frau", sagte er und seine Augen schimmerten verdächtig. „So war sie... Sie hat dann den jungen Kaaden geheiratet und die beiden sind glücklich ... aber wenn Sie ihr wieder begegnen, sagen Sie nichts, daß ich nicht dicht gehalten habe ..."
Eine Woche später traf ich wieder Frau Trude — die kleine zarte Frau. Sie reichte mir lächelnd die Hand und ich führte diese kleine Hand eherbietig an die Lippen. Diese Hand, die einen Gaul in einen
Ein Mädchen reitet...
Don Alexander Keller.
Ich lernte Frau Trude Kaaden in Daressalam kennen. Sie war eine zarte, kleine Frau — gar nicht „afrikanisch" — wie einige die Farmerfrauen bezeichneten. Ihr Mann hatte, wie sie sagte, eine Farm ganz im Westen des Gebietes hart an der Grenze von Kongo und sie war nach Daressalam gekommen um eine Freundin zu begrüßen und einige Dinge zu ordnen.
Einen Monat später besuchte ich Frau Kaaden auf der Farm und sie empfing mich mit echt afrikanischer Herzlichkeit. Dort lernte ich einige der anderen Farmer kennen — darunter den alten Heyde.
Am Nachmittag sahen wir im schattigen Garten und sprachen über vergangene Zeiten. Es waren Gespräche, die mit „Erinnern Sie sich ..." ober „Damals, als ..." begannen unb verloren uns bald in haltlosen Erinnerungen. Bis bie Schwarzen bie Rinber vorbeitrieben, bas Geschrei ber Reiter und das Blöken ber Rinber eine weitere Unterhaltung unmöglich machten.
Ein Stier versuchte auszubrechen unb einige von uns ftanben auf — zu meiner Ueberrafchung blieb Frau Kaaben ganz ruhig fitzen, ich warf Heybe einen fragenben Blick zu.
„Ah, bie hat keine Angst", sagte er lachenb, „wenn Sie wüßten ..." Er wollte noch etwas sagen, aber Frau Kaaben warf ihm einen bittenben Blick zu, unb er schwieg.
Am nächsten Morgen, als ich mit bem alten Heybe über bie Felber ritt, kam ich auf biese kleine Episobe zurück.
„Das ist so eine Geschichte", sagte Heybe unb kratzte feinen Kops. „Es weiß zwar jeher Hirte in diesem gesegneten Lande genau, wie es war, aber Frau Trude liebt es nicht, daß vor Fremden darüber gesprochen wird ... unb bas muß man eben respektieren." Er sprach noch eine Weile über belanglose Dinge, bann aber brachte ich ihn hoch dazu, die Geschichte ber kleinen Frau Trübe zu erzählen.
„Ist ja keine, weiß Gott wie große Geschichte", sagte er, „aber immerhin ganz nett. Wissen Sie, bie kleine Frau ist nicht hier geboren. Sie stammt irgendwo aus bem Holsteinischen unb ist erst mit sieb-
erstenmal sahen, ba zuckten wir bie Achseln. Sie war so klein unb so zart ... Herr — ich bachte, ber erste •Regen würbe sie mitnehmen. Aber bann machte sie sich. Nach einem Jahr war etwas kräftiger — so wie heute ... konnte sehr gut reiten unb schießen unb sprach Kisuaheli, als wäre sie in Afrika zur Welt gekommen. Unb um bie Zeit sah sie ber junge Kaaben.
„Heybe", sagte er eines Tages, „ba ist bie Trübe ..." Er sprach eine Weile herum, wie es manche jungen Leute tun, bann aber platzte er heraus. Also er war verliebt. Ganz groß verliebt, aber — er hatte Angst. „Sie ist so schwach unb zart", unb eine Farm verlangt viel Arbeit... Wenn sie mir krank wirb unb bas Klima nicht verträgt und ich sie nach Hause schicken muß — was bann?"
Das war eine kluge Bemerkung unb ich riet ihm, noch zu warten. Er war einverftanben. Unb bann — begann bie Steppe zu brennen.
Zuerst brannte sie ganz unten, im englischen Gebiet, fuhr ber alte Heybe fort, als Kaaden zu mir kam. „Ich gehe hinunter", sagte er, „und will helfen. Engländer hin, Engländer her — hier sind wir alle nur Farmer. Ich habe auch meine Schwarzen hinübergeschickt ..."
Das war nun unklug, denn so waren bie Herben des guten Kaaben ohne Aufficht, aber Kaaben ist einmal so... So bestieg ich auch meinen Gaul unb wir ritten nach Süben. Der Winb kam von Westen unb bas Feuer lief nach Osten. Zwei Tage lang. Unb bann — sprang ber Winb um unb bas Feuer raste nach Norden ...
Ich hielt gerade auf einem Hügel, als Kaaden zu mir kam. Er war blaß und der Schweiß rann ihm in Strömen vom Gesicht. „Heyde", sagte er, „jetzt geht's mir an den Kragen. Heute nacht noch erreicht das Feuer meine Grenze. Ich muß sofort hmaus ... meine Herde — zweitausend Stück — ist noch draußen unb bas Feuer geht geraberoegs auf bie Herbe zu ..."
„Dann los", sagte ich unb roanbte mein Pf erb ...
Wir ritten, was wir konnten, aber wir waren den ganzen Tag im Sattel aemefen unb bie Pferbe waren mühe. Das Feuer hielt mit uns gleichen Schritt. Ununterbrochen sahen wir ben Feuerschein links von uns... Ah — Sie haben keine Ahnung,


