Nr. 238 Zweiter Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Dienstags. Oktober 194V
Ein Aeunziaiähriaer.
„Groß
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Pfalz".
Sladklheaker Gießen.
406»
Die reichhaltige neue Wochenschau bringt
u. o<
Der den
sere und
nahmen stammen von Bruno Mondi. — Film, seit gestern im Gloria-Palast, ist mit höchsten Prädikaten ausgezeichnet worden.
Der e47ir Haut-Creme Haut - Kunktionsöl
Die Hausfrau und ihre Gehilfin
Ein Appell an die Verständnis- und Hilfsbereitschaft beider.
erinnern, daß er beispielsweise den Wallenstein und den Gneisenau gespielt hat, um zwei seiner berühmtesten Rollen zu nennen. Welch ein Abstand zu diesem Loew, und welch eine unheimliche Kraft dec Einfühlung und Verwandlung in einen kleinen, häßlichen, eifernden Rabbi, der, ein kaftanumwallter^ bärtiger Mephisto aus dem Getto, mit heiserem Ge- mauschel den „Gojirn" aus dem Talmud ihr Urteil zu sprechen wagt.
Die Spielleitung hatte Veit Harlan, der selbst auch mit dem Dramatiker und Lyriker Eberhard Wolfgang Möller und Ludwig Metzger Zu-
Der Eindrucks welcher von diesem Film ausgeht, beruht ferner sehr wesentlich auf der Darstellung. Es ist hier eine Besetzung zusammengebracht worden, die außerordentlich genannt werden darf. Ferdinand Marian spielt den Süß. Man kennt ihn aus manchen früheren Filmen, aber man wird sich keiner so großartigen Leistung entsinnen, wie sie Marian hier gelingt. Er gibt den Juden in einer bestechenden Maske, die in der nicht einmal sehr einschneidenden Verwandlung des Gesichtsbildes von einer Szene zur andern schon den Weg aus der Frankfurter Judengasse in die Stuttgarter Residenz andeutet. Marians Oppenheimer ist in seiner Gerissenheit, Verschlagenheit und berechnenden Geschmeidigkeit, seiner Geld- und Machtgier, den entfesselten Instinkten des sadistischen Lüstlings und des erbarmungslosen Dolksverderbers, der seine Herkunft weder verleugnen noch vergessen kann, ein Repräsentant seiner Rasse. Uebrigens war der Darsteller klug und geschickt genug, in einem aus Sprache, Mienenspiel und Haltung vollendet zusammengesetzten Charakterbilde alle übertreibenden oder bloß karikierenden Züge zu streichen, die den Eindruck nur abgeschwächt hätten. — Hinter ihm, neben ihm, erst geduckt, dann gefährlich hochgereckt erscheint wie ein huschender Schatten die Gestalt des Rabbi Loew, späteren Stuttgarter Sekretärs Levy — gespielt von Werner Krauß. Man sieht ihn selten im Film, aber immer, wenn er auftaucht, sind seine Menschen von suggestiver Wirklichkeit, Mn muß sich daran
aktuelle Bilder vom Abschluß des Dreimächtepaktes, vom Wiederaufbau in Elfaß-Lothringen und Norwegen, von den Leistungen unserer U-Boot-Waffe, von der Arbeit unserer Flak und von den rollenden Angriffen unserer Bomber gegen England.
Hans lUxriot,
als den Regisseur großer und erfolgreicher Filme — wir erinnern nur an den „Herrscher" und das
Abermals rief der Führer das deutsche Volk zum Winterhilfswerk auf. Dem zweiten Kriegswinterhilfswerk sind neben den bekannten Aufgaben zur Betreuung von Hilfsbedürftigen weitere und größere Leistungen zugedacht. Es gilt, alle diejenigen Volksgenossen besonders zu betreuen, die durch irgendwelche Kriegsauswirkungen in Not geraten sind. Erinnern wir uns dabei der Not, die wir bei den Volksdeutschen in den nunmehr befreiten Ostgebieten vorfanden und die auch heute noch nicht überall und restlos beseitigt ist. Denken wir an die Rückkehr der Balten- und Wolhynien- deutschen, an die Heimkehr der Volksgenossen in die westlichen Gaue, die teilweise ihre Ortschaften von französischen Granaten zerstört oorfanden. Vergessen wir auch nicht das Elend, das unsere Volksgenossen im Elsaß und in Lothringen erleiden mußten. Ihnen allen soll unser Opfer im Kriegswinterhilfswerk gelten!
Darüber hinaus wird das Kriegs-Winterhilfswerk aber auch, wie bisher schon, volkspflegerische Arbeiten finanzieren, wie die Errichtung und Unterhaltung von Hilfs- und Beratungsstellen des Hilfswerkes „Mutter und Kind", von NSV.-
Krieaswinterhilfswerk 1940/41: „Groß diese Zeit muß unser Opfer fein!'
Kindertage st ätten und Hilfskindergärten, von N S.° S ch w e st e r st a t i o n en und NSV.- Bahnhofsdienststellen. In diesen Einrichtungen der NSV. werden Arbeiten geleistet, die in die Zukunft weisen und von höchstem Einfluß auf die feelische und geistige Haltung der Familie sind. Jeder Volksgenosse weiß, daß er heute in einem Staate lebt, der nicht nur fordert, sondern sich auch um das Wohl der Familien sorgt, und daß es Aufgabe der Partei und ihrer Einrichtungen ist. Über dieses Wohl zu wachen. Unsere Kinder, aus der Stadt kommen aus ihrer Umgebung, aus ihrer gewohnten Lebensform heraus in engste Berührung mit der Natur, deren ewige und gesetzmäßige Ordnung sie so kennenlernen. So werden durch die Kinderlandverschickung der NS.- Volkswohlfahrt Stadt und Land näher gebracht und wesentlich zur gegenseitigen Verständigung beigetragen. Mütter, die die Sorgen um zahlreiche Kinder müde zu machen drohen, werden von der NSV. in Müttererholungsheime geschickt, wo sie unter liebevoller Betreuung die Sorgen des Alltages vergessen können, während eine Haushaltshilfe der NSV. daheim ihr Hauswesen getreulich versorgt. Landfrauen, um die sich früher kein Mensch gekümmert hatte, können während der Wintermonate ebenfalls in NSV.-Müttererholungs- heimen Aufnahme finden, und schon in vielen Gemeinden unseres Gaues sorgen und betreuen un- NS.-Schwestern Gesunde und Kranke, Alte Junge, dje ihrer Hilfe bedürfen. Kaum eine
Gemeinschast der Tat.
Aufgaben des zweiten Kriegswinterhilfswerkes im Gau Hessen-Nassau.
schadhafte Stelle unseres Volkskörpers bleibt den Mitarbeitern der NS.-Volkswohlfahrt unbekannt. Sie wissen um die Verhältnisse der einzelnen Familien in den Stadtteilen der Großstädte, der Notstandsgebiete der Industriezentren, in den Kleinstädten, wie auch in den kleinsten Dörfern. Die Hilfe des Winterhilfswerkes und damit auch der NSV. fetzt überall ein, wo sie erforderlich ist. Man erkennt heute die biologischen Notwendigkeiten der Volksgemeinschaft, man weiß heute, daß jedem Menschen geholfen werden muß, der deutschen Blutes ist und sich der sozialen Ordnung der Volksgemeinschaft unterordnet. Wir wollen die Bereitschaft zum Opfer, zum wirklichen Opfer als nationale Pflicht.
So ist das Winterhilfswerk im tiefsten <5inpe Aufbau einer im deutschen Sozialismus solidarischen Nation, die infolge ihrer inneren Gesundheit, ihrer Kraft und Hingabefähigkeit nicht niedergebeugt werden kann.
Wie in den vergangenen Wintern erfolgt die Erfassung der Lohn-, Gehalts-und Firmenopfer. Jeweils am zweiten Sonntag der Monate September 1940 bis März 1941 finden Haus- fammlungen zum Opfersonntag statt. In sieben Reichs st raßensammlungen wird Gelegenheit gegeben, dem Soldaten an der Front zu beweisen, daß auch die Heimat zum größten Opfer bereit ist. Im Januar 1941 wird eine Gau- st raßen sammlung durchgeführt. Der „T a g der nationalen Solidarität", der „T a g der Wehrmacht" und der „T a g der Polizei" werden noch bekanntgegeben. W HW.-Lose und WH W.-Briefmarken werden wieder vertrieben und Opferbücher können ausgelegt werden. Für die Betreuten können wie im Vorjahre natürlich keine Sachwerte, sondern lediglich WHW.° Wertscheine ausgegeben werden.
Wie immer, wenn der Führer ruft, sind wir zur Stelle! Wir haben erfahren, wie in den Zeiten des Einsatzes die Toten unserer Wehrmacht Blut und Leben opferten, wie jeder zum äußersten Einsatz bereit war; und weil sie alle zu diesem größten Opfer bereit waren, durften wir leben. Das Geschenk dieses Lebens aber verpflichtet.
Unserer Opferbereitschaft ist die Zukunft unseres Volkes anvertraut. Legen wir auch im kommenden Winter Zeugnis davon ab, daß wir nicht eine Gemeinschaft des Wortes, sondern der Tat bilden, daß wir bereit sind, Sorgen und Siege gemeinsam zu tragen und zu erleben! Deshalb steht als Leitgedanke über dem
George ist der Herzog, ein Koloß unter der! Rokokoperücke, dennoch nur schwächliches Miniatur« bild eines absolutistischen Sonnenkönigs, ausruhend auf den vergilbten Lorbeeren von Peterwardein und der Vlgraber Statthalterschaft; bequem und genußsüchtig geworden, verstrickt er sich unmerklich immec tiefer in die Abhängigkeit von seinem höfisch eie- ganten und beflissenen Ratgeber; den Ausbrüchen seines Zornes fehlt die elementare Kraft, und man spürt in Georges Darstellung sehr wohl, wie diesec Karl Alexander (der in manchen Zügen an den späteren Karl Eugen Schillers erinnert) zusehends das willenlose Werkzeug dessen wird, der, aus namenlosem Dunkel auffauchend, seip getreuer Dienefl zu werden schmeichlerisch versprochen hatte.
Von gleicher Leibesmächtigkeit, aber in Gerad« heit, patrizischer Ruhe und ungebrochener Kraft, mit sonorem schwäbischem Sprachklang, erhebt sich gegenüber die bäurisch schwere, väterlich gütige Gestalt des Landschaftskonsulenten Sturm, wie Eugen Klöpfer ihn darstellt. Einen rührenden Kontrast zu ihm wie zum Herzog, vor allem zum Süß ist die Dorotha der Kristina Söderbaum, die, zart und blond, aus jungem Liebesglück in Todesangst und Verzweiflung getrieben, dem Volksverderbec zum Opfer fällt und mit ihrem Tode die Volkserhebung entflammt. — Von den vielen anderen seien Malte Wagner, der fanatische Aktuar Faber, die derbe Soldatenfigur des Herrn von Roedec (Albert F l o r a t h), Theodor Loos und Hilde von Stolz genannt. — Die sehr prägnanten Auf
„Unsterbliche Herz" — und man wird sich der künstlerischen Vitalität erinnern, mit der er diese grundverschiedenen Stoffe anariff; die merkt man auch diesmal, aber vor allem Drängt sich die Wahrnehmung auf, wie der Spielleiter hier das Anschauliche aus dem Weltanschaulichen entwickelt, wie er von der politischen Bedeutung des geschichtlichen Stoffes ergriffen wurde und dies mit allen ihm zu Gebote stehenden optischen und akustischen Mitteln auf den Zuschauer zu übertragen bemüht war. Man spürt aus seinen großen Szenen das Temperament und die kühle Leidenschaft, mit der sie konzipiert und gedreht wurden. Harlan läßt das Grundsätzliche uns das untergründig Weiterwirkende der an sich lange abgeschlossenen, Dielfad) unbekannten oder vergessenen Episode aus dem schwäbischen Rokoko deutlich werden und schreckt dabei nicht vor Wirkungen zurück, die schon fast die Grenze des Darstellbaren streifen.
Der Nationalsozialistische Gamdienst der Gaule!- tung Hessen-Nassau schreibt:
Das Problem des Hausgehilfinnen-Mangels ist seit geraumer Zeit zur Genüge bekannt. Die anhaltenden Anforderungen von weiblichen Arbeitskräften zum Einsatz auf dem landwirtschaftlichen, industriellen und wirtschaftlichen Sektor machten die Hausgehilfinnen rar. Was Wunder, daß diese in ben Städten einen ausgesprochenen Seltenheitswert mit all jenen Mängeln bekamen, die eine derartige Situation nun einmal mit sich bringt.
Der erste dieser Mängel bestand darin, daß man — dieses „man" sind jene Kreise, die es sich leisten konnten — die Hausgehilfinnen überbezahlte, um sie überhaupt zu bekommen, (Gesetze vermochten dagegen so gut wie garnichts auszurichten!), der zweite ergab sich aus der Tatsache, daß die Hausgehilfin sich selbst jene Stellung aussuchte, die ihr bei möglichst gutem Lohn auch die größten An-
Aus der Stadt Gießen.
Das Bild in der Wohnung.
Als ich kürzlich bei einer Freundin zu Besuch war, ist mir eines besonders aufgefallen: der Bild- schmuck. Im Wohnzimmer und auch im Schlafzimmer hingen sog. „Elfenreigen". Also Bilder, die bar des echten Lebensgefühls sind. Ich habe meiner Freundin erklärt, daß mir diese Bilder nicht gefallen und habe ihr klargemacht, daß sie doch keine innere Verbindung zu diesen Darstellungen hat, die im letzten unwahr sind, weil sie eine Welt der Schönheit vorspiegeln wollen, es aber mit so unzulänglichen Mitteln und aus einer so unmöglichen Lebenseinstellung heraus tun, daß man sich eines peinlichen Gefühls nicht erwehren kann.
Wir haben uns dann über diese Frage ausgesprochen. Auch meine Freundin, die ihre Kleider selbst schneidert, ihre Kleinen entzückend geschmackvoll anzieht, die nie vergißt, die Zimmer mit Blumen zu schmücken, hat bald eingesehen, daß solche Wandbilder tatsächlich nicht ihrer klaren, schlichten Lebenshaltung entsprechen. Und sie hat es sofort verstanden, daß es stören muß, wenn irgendwo (und hier war es durch die Bilder) die klare Linie des guten, deutschen Geschmacks durchbrochen wird.
Angeregt haben wir uns dann über die Möglichkeit guten Bildschmucks unterhalten. Sie selbst war sogleich auf dem rechten Wege, als sie vorschlug, sie wolle von ihrem schöngelegenen Elternhaus eine schlichte Zeichnung aufhängen, die ihr eine kunst- gewandte Freundin vor einigen Jahren geschenkt hatte. Es war nur ein kleiner Schritt zu dem Gedanken, gute Photos aus der Heimat, Lichtbilder, bei Ferienfahrten durch die deutschen Gaue ausgenommen, aufzukleben und im Zimmer aufzuhängen, eine ständige Erinnerung an schöne Stunden. So war schon der Anfang in bester Weise gemacht, und ich bin überzeugt, daß in einiger Zeit auch Geld vorhanden sein wird für einen wirklich guten Druck.
Es ist nicht wahr, daß das in erster Linie Geldfragen sind. Es sind Fragen des Geschmacks. Ich habe in einer Familie eine ausgezeichnete Wiedergabe der Dürerschen „Mutter" gesehen, sie war sauber auf Karton ausgezogen und schlicht gerahmt. Es war der wirkungsvolle Plakataushang, den die N<vV. vor einigen Wintern herausgab, und der es verdiente, als Bildschmuck einen Platz zu erhalten.
Es kommt nur daraus an, daß der Blick für das Echte und Schöne bei allen Frauen geschult wird. Und wenn darüber hinaus auch einmal beim freundschaftlichen Gespräch so nebenbei, durchaus nicht feierlich und lehrhaft, aber ernsthaft und überzeugend die Rede darauf kommt, dann nyrb der Kitsch schon in Bälde für immer aus den Wohnungen verschwinden. -
Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Stadttheater: 19.30 Uhr, 4. Dienstag-Miete, „Pa- qanini". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Jud Süß". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liselotte von der
Am 10. Oktober feiert in Trais-Horloff (Kreis Gießen) in geistiger und körperlicher Gesundheit der Altveteran von 1870 Johannes Friedrich Koch seinen 90. Geburtstag. Bis in feilt 75. Lebensjahr hinein hat er die Landwirtschaft betrieben. Nun verlebt er seinen Lebensabend mit seiner Ehefrau, die im 84. Lebensjahr steht. 1935 konnten sie die goldene Hochzeit feiern. Leider sind sie ohne Kinder und Enkel, da ihre einzige Tochtec bereits 1919, am Todestage ihres Mannes, der am 29. 9.1914 in einem französischen Lazarett an einem Kopfschuß verstorben ist, einem Herzschlag erlag und keine Kinder hinterließ. 1936 hatte der Jubilar einen Schlaganfall erlitten, er hat sich aber wieder vollständig davon erholt, sodaß er heute noch sogar allerlei in der Landwirtschaft mithilft. Er ist zuv Zeit der Aelteste des ganzen Kirchspiels und er« freut sich allgemeiner Wertschätzung. Am Ernte« dankfest konnte das alte Paar noch an der Feiei? des hl. Abendmahls im Gotteshaus teilnehmend Dem Jubilar gilt auch unser herzlicher Glückwunsch zu seinem Geburtstage. (Bild: Aufnahme Privat.)
Hilfskraft zu bekommen. Gewiß ist ihr am Tags die Nachbarschaftshilfe der NS.-Frauenschaft behilf« lich, es helfen selbstverständlich auch die Nachbarn, wenn es nachts in den Luftschutzkeller geht, aber bei aller Erleichterung durch diesen Einsatz bleibt er eben doch nur ein Notbehelf. Gewiß haben die Dienststellen der Partei und der Behörden nicht nur einmal, sondern mehrmals versucht, für diesen und viele andere Fälle entsprechende Hilfskräfte zu beschaffen, doch stets blieb jede Bemühung erfolglos. (Die Gründe für diese Erfolglosigkeit siehs oben!)
Nun wäre in Zeiten des Krieges auch eine der« artige Situation, wenn sie als unabänderlich an« gesehen werden muß, noch zu ertragen, zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch, wo ihre Aenderung mit einigermaßen gutem Willen und einem Mindestmaß von Verantwortungsgefühl gegenüber dem Gemeinschaftsleben zu erreichen ist, ist sie keineswegs er« träglich.
Neben den kinderreichen Haushalten ohne jedg
Auf dem kurzen und schnellen Wege dahin hat der Süß Unheil über Unheil anaerichtet; ehe er selber sein Ende fand, das so verdient wie unabwendbar war, hat er den Herzog in den Tod getrieben und das ganze württembergische Volk und Land an den Rand Des Abgrundes gebracht. Seine skrupellose Schlauheit und geschmeidige Anpassungsfähigkeit lassen ihn Verbrechen über Verbrechen begehen, bevor man ihn unschädlich macht; alles was er, wahrhaft der böse Geist eines kleinen Fürsten und eines kleinen Landes, denkt, spricht und tut, ist genährt von untergründigem Haß und von der Rachsucht des Fremdrassigen, der sich vom gesunden Instinkt selbst da zurückgestoßen, ge- Demütigt und an seine Herkunft erinnert sieht, wo man ihn braucht oder sich seiner als eines stets geschäftigen Werkzeugs bedienen zu müssen glaubt: er schafft dem Herzog Das Geld für eine ßeibgarDe, eine Oper, ein Ballett unD rauschende Feste; er befriedigt seine kostspieligen Potentatenwünsche. Er schafft feiner Paschalaune auch kupplerisch aus den Reihen Der Landeskinder seine Maitressen. JuD Süß hat immer Geld oder weiß es zu beschaffen: das Land, Die Bauern unD Bürger müssen bezahlen; er macht sich zum Herrn über Steuern, Zölle, Weg- unD BrückengelDer; er bringt Den Herzog gegen Die LanDstänDe auf, er hetzt zum Staatsstreich, zum Umsturz, — und denkt immer Dabei an sich unD Die Seinen, erzwingt Die Aufhebung Des JuDen- bannes, er mehrt seinen Einfluß auf Den fast willenlosen Fürsten; ihm ist, Da er sich erst einmal fest im Sattel glaubt, jeDes Mittel zur Erreichung seiner schuftigen Ziele recht: sein Aufstteg ist erkämpft mit Erpressung, mit GolD und Perlen, sein Weg gezeichnet mit MorD unD Folter und Vergewaltigung ... er wird Der mächtigste Mann im Lande, der die Macht grausam, rachsüchtig und ohne Scham mißbraucht ... Immer höher hinauf, immer höher, bis zum eisernen Käfig am Galgen, als endlich, hart am Rande des Abgrundes, das gequälte und empörte Volk ein Ende macht. —
nehmlichkeiten versprach, (kinderreiche Familien schieden bei dieser Auswahl folglich von vornherein aus!), der dritte bestand endlich darin, daß eine behördliche Regelung des Einsatzes nach der entsprechenden Dringlichkeit auf Dem Wege zwingender Gesetz ausscheiden mußte, da Das zwischen Familie unD Hausgehilfin für jeDe ersprießliche Zusammenarbeit notwendige Vertrauensverhältnis durch jede Zwangsanwendung von vornherein gestört warben wäre.
Die Konsequenzen, die man daraus zog, find bekannt. Die Einführung des weiblichen Pflichtjahres entsprang dieser Notlage. Viele Lücken konnten dadurch geschlossen werden, jedoch bei weitem nicht alle. Noch immer gibt es mehr als genug Fälle, die des dringenden Einsatzes einer Hausgehilfin bedürfen. In Frankfurt a. M. ist z. B. ein Fall, daß eine Mutter von acht Kindern im Alter von 1 bis 10 Jahren seit Monaten vergeblich versucht, eine
Eine Stelle im Film deutet an, daß Süß ein jammen das Drehbuch schrieb. Man kennt Harlan solches Ende wenn nicht geahnt, so doch mit ihm ~f' n c“**' '**'** "" '
gerechnet habe: sein Aufstieg aus ben-trüben Niede- rungen bes Gettos zur höchsten Machtstellung an einem deutschen Hofe hat etwas Unheimliches und Schwindelerregendes — von Stufe zu Stufe, immer höher hinauf, immer höher, bis zur letzten und yöchsten, dem Galgen.
Am heutigen Dienstag wird die Operette „Pa- 6anini" von Franz Lehar wiederholt. Musikalische Leitung: Arthur Apelt. Spielleitung: Harry Gru- ; neke. Bühnenbild: Karl Löffer. Tanzleitung: Irmgard Trömel. Chöre: Artur Apelt. 4. Dienstag- Miete. Es wird gleichzeitig darauf hingewiefen, daß die Mittwoch-Vorstellung von „Die Macht des Schicksals" bereits um 19 Uhr beginnen muß.
Schokolade erst wieder zu Weihnachten.
Mit sofortiger Wirkung ist bis zum 17. November im Einzelhandel der Verkauf von allen Schokolabenerzeugnissen, wie Blockschokolade, gefüllte Schokolade, sowie Pralinen usw. untersagt. Diese Matz- nahme ist getroffen worden, um den Weihnachtsbedarf der Bevölkerung sicherzustellen. Vom genannten Tage an — für den Großhandel schon ab 1. November — ist der Verkauf wieder zulässig. Der Absatz von Herstellerbetrieben fällt nicht unter dieses Verbot.________ , _______________
„ZuvSütz?
Ein Beit-Harlan-Film der Terra.
Die neue Schöpfung Der Terra stellt die aus der «sbene des Künstlerischen vollzogene Synthese von historischem und politischem F'lm dar: indem sie die unselige Geschichte des Juden Suh-Oppenheimer in ihren wichtigsten Stationen auf die Leinwand bringt, zeigt sie eine der zahlreichen historischen Voraussetzungen einer seit dem Jahre 1933 oon aller Welt miterlebten Entwicklung aus. Darstellungen dieses Lebenslaufes hat es schon lange vor dem Erscheinen des Films gegeben, die bekannteste unter ihnen ist Die gleichnamige Novelle Des schwäbischen Dichters Wilhelm Hauff, von Der indessen das Drehbuch ganz unabhängia ist. Es ist dennoch lehrreich, die Erzählung und den Film miteinander zu vergleichen: man braucht nur etwa Die knappe Beschreibung, mit welcher Süß bei Hauff in ber Schilderung Des Stuttgarter Karnevals von 1737 em- qeführt roirD — „Ein Mann von etwa 40 Jahren, mit auffallenden markierten Zügen, mit glanzenDen, funkelnden Augen, Die lebhaft unD lauernd durch die Reihen liefen ..." — mit Der Leistung Des Darstellers im Film zu konfrontieren, um d/e ungemeine Plastik unD suggestive Schärfe Des belebten Bildes zu begreifen, Das sich viel unmittelbarer empragt als Das geschriebene unD gelesene Wort. Man wird Darüber hinaus auch Die leiDenschastlich Jmngebenbe Betrachtung Der späteren Gestalter eines Der trübsten Kapitel in Der Chronik Des württembergischen Landes gewahr werden, womit die zuvor bloß oder überwiegend geschichtlichen und also in der Vergangenheit abgeschlossenen Vorgänge mben folgerichtigen Fluß lebendiger und unaufhaltsamer Entwicklung einbezogen werden.
Joseph Süß-Oppenheimer, 1692 in Heidelberg ge- boren, war ursprünglich Handelsmann, Dann Gew- aaent seit 1732 Vertrauter des Prinzen und nachmaligen Herzogs Karl Alexander von Württemberg, wurde 1733 Dessen Resident in Frankfurt, Dann Münzpächter, 1735 Geh. Fmanzrat m Stuttgart, 1736 Kabinettsfiskal und allmächtiger Ratgeber Des Herzogs; er förDerte dessen Politik gegen Die LanDstänDe, finanzierte seine kostspieligen Pas innen, preßte unerbittlich Das Volk aus und wurde schließlich selbst seinem Herrn verdächtig nach dessen Tode verhaftet und, mit seinem Staatskleide angetan in einem Käfig gehenkt: „ihme zu wohlverDlenter Straff, iedermänniglich aber zum abscheulichen Cxempel."


