Nr. ,05 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Dienstag, 7. MaiW0
Das Kriegshilsswerk im Gau Heffen-Aaffau
Die Jagd im Mai
rauen.
(Nachdruck verboten!)
^.-Fortsetzung.
Beim Mittagessen wird lang und breit von der
CHLORO
im Rahmen des Kriegshilfswerkes für das Deutsche Rote Kreuz werden nicht erhoben.
Die Durchführung des Kriegshilfswerkes im Gau Hessen-Nassau ist dem Gaubeauftragten für das Kriegswinterhilfswerk übertragen worden. Es find insgesamt fünf Haus- und zwei Straßensammlungen vorgesehen. Bei den Straßensammlungen werden reichseinheitliche Abzeichen verkauft. f)ort, wo das Deutsche Rote Kreuz Geldspenden erhält, werden diese den Dienststellen des Kriegs-Winterhilfswerkes (NSV.-Ortsgruppen) zugeführt. Dagegen ist das Deutsche Rote Kreuz berechtigt, Materialspenden, die unmittelbar seinen Zwecken dienen, anzunehmen und für sich zu verwenden. Erhalten hingegen die Dienststellen des Kriegswinterhilfswerkes' Sachspenden für die Wehrmacht, so werden diese der Sammelstelle für freiwillige Liebesgaben zugeführt.
Unsere Soldaten stehen seit acht Monaten an den Fronten im Kampf und in Bereitschaft. Dom deutschen Volke und der Heimat wird deshalb erwartet, daß jeder die Maßnahmen des Kriegshilfswerkes nach besten Kräften unterstützt.
Der erste, den Lena am nächsten Morgen trifft, ist Gottfried. Er steht in der geöffneten Haustür, indes sie die Treppe herunter kommt.
„Wie siehst du aus, Lena!" Er betrachtet kopfschüttelnd ihr übernächtiges Gesicht. „Dieses Gräfehaus, es bringt einen um alle Ruhe."
„Aber, Gottfried, ihr wart gestern doch alle so vergnügt!"
„Ihr! Das ist es ja eben: wir anderen! Und du, du stehst immer abseits, um dich ist eine Mauer. Und dabei wollen wir zwei einander doch näherkommen. Können wir das, wenn dauernd andere Menschen zwischen uns stehen?"
Lena senkt betroffen den Kopf.
„Bei meiner Mutter sind wir allein. Da stört uns nichts und niemand. Warum kommst du nicht mit? Es ist nicht gut, wenn wir noch länger hier bleiben."
„Wenn ich könnte, Gottfried, ich führe auf der Stelle mit. Aber das Schreckliche ist, daß ich mich mit verantwortlich fühle, weil das Geld verschwun-
Deutsche Wanderer tagen in Marburg
Für den ausfallenden 49. Deutschen Wandertag in Passau ist eine Dertreterversammlung des Reichsverbandes der deutschen Wandervereine für den Monat September in M a r b u r g (Lahn) in Aussicht genommen.
Kaufaulheit führt zur Zahnfäule.
Gründliches Kauen stärkt die Widerstandskraft der Zähnt! gegen diese Dolksseuche.
Kirmes geredet. Erni und Jupp führen das Wort. Zuerst sprechen sie vom Adlerschießen, dann vom Tanz im Gasthof.
„Am meisten hat ja der Schneider aufgetrumpft, der von der Autobahn!" Jupp sieht Erni herausfordernd an. „Hast dich wohl verkracht mit ihm, Erni? Um dich hat er sich fast gar nicht gekümmert!"
„Was geht das dich an?" sagt Erni zornig. „Was weißt du überhaupt davon? Du darfst doch noch gar nicht in den Saal."
Vater Gräfe hebt den Kopf. Verweisend fällt fein Blick auf Jupp. „He, du, was ist da los?"
„Hach — in den Saal — in den Nudeltopf! Kein Mensch brächte mich da hinein! Hübe ich ja gar nicht nötig. Wir haben alles großartig gesehen von oben, vom Fenster des Versammlungszimmers aus!"
„Solche Grünschnäbel wie ihr!" Ernis Augen blitzen vor Aerger.
Den Grünschnabel läßt Jupp nicht auf sich sitzen. Seine Stimme schnappt über vor beleidigtem Stolz. „So, dann bin aber kein Grünschnabel, wenn ich die Klappe halten soll. Du weißt schon, was ich meine!"
Erni sieht ihn sprachlos an.
„Kinder, so zankt euch doch nicht!" will Lena schlichten. Aber Jupp ist in voller Fahrt.
„Damals war ich wohl kein Grünschnabel, als ich dicht hielt, als du den Schneider heimlich, still und leise zum Grasgarten hinausgelasfen hast, he?"
Gräfe, der die kindischen Streitigkeiten der beiden sonst immer mit einer Handbewegung beschwichtigt, wird jetzt aufmerksam. „Wie? Wer war hier, der Schneider?"
Seine Augen blitzen Erni wetterleuchtend an.
Erni schweigt, und Jupp ist auf einmal stumm. Schuldbewußt rutscht er auf seinem Stuhl hin und her.
„Was ist los?" donnert jetzt der Vater Gräfe. „Heimlich zum Grasgarten hinausgelasfen? Den Schneider? Hast du das gesehen. Junge?"
„Ja", sagt Jupp kleinlaut, „von der Bodenluke aus." Er sichelt zu Erni hinüber. Eigentlich wider seinen Willen ist ihm alles über die Zunge ge- rU(E?ni hat sich nun aufgerafft. „Es ist gar nichts weiter gewesen. Mein Singebuch hat er mir gebracht und mir gesagt, daß am Abend Probe im Gasthof ist." , _
„Und deshalb mußtest bi* ihn heimlich zum Gras
„Und dieses Mal" schmollte die junge Frau, , bleiben wir wohl zu Hause?" Ihr Mann schmunzelte dazu. „Du wirst dich wundern", meinte er dann bedeutungsvoll, „zu Hause bleiben wir nicht." Die junge Frau musterte ihn erstaunt. „Hast du die Absicht, zu verreisen? Wie willst du das denn machen? Das Auto ist aufgebockt und mit der Eisenbahn besteht keine Möglichkeit."
„Abwarten, nur abwarten", antwortete der vergnügte Ehegatte, „ich sage nur: du wirst dich wundern". Dann war er nicht zu bewegen, mehr zu verraten. Abends kam Besuch. Es war ein Kollege mit seiner Frau. Die Männer zwinkerten sich bald zu, was die Frauen mißtrauisch stimmte. „Können wir nicht auch erfahren, was ihr miteinander habt?" fragte die Frau des Kollegen etwas spitz, während die andere halb ärgerlich, halb lachend binzufügte: „Ein schönes Komplott scheint da zustande gekommen zu fein. Es handelt sich wohl um die Pfingstreife?"
In der Tat: es war das Programm der Pfingstreife, das die Männer ausgearbeitet hatten. In aller Frühe am ersten Feiertag sollte der Start beginnen, zu Fuß, wie ausdrücklich hervoraehoben wurde. „Zu Fuß?" wunderten sich die Frauen. „Zu Fuß!" nickte der triumphierend und entwarf den weiteren Plan. Durch die heimatliche Landschaft sollte es gehen, einige hübsche Punkte wurden berührt, und abends war man wieder zu Hause. Und am zweiten Tag? „Dann geht es abermals fort. Diesmal nach der anderen Seite. Ihr sollt sehen, wie werden allerlei Neues kennenler-
Aus der Stadt Gießen.
Die pfingstreife.
Sonst hatten sie zu Pfingsten eine Autoreise gewacht: eine „Fahrt ins Blaue" hatten sie sie genannt. Nachmittags ging es los, zuerst in südlicher Richtung, dann wurde eine Schwenkung nach Osten vorgenommen, abends faßen sie in einem hübschen Gartenlokal am Waldrand.
MkffüuK Waffen,Lmo?
Noman von Hlarttna eckart-helm
Der einheitliche Einsatz aller Kräfte ist heute notwendiger denn je. Insbesondere gilt dies in der sozialen Arbeit, die sich heute mehr denn je auf Die Zusammenarbeit der NS.-Volkswohlfahrt mit dem Deutschen Roten Kreuz beschränkt. Das Deutsche Rote Kreuz hat durch Reichsgesetz die Aufgabe der Mitwirkung im staatlichen Sanitätsdienst der Wehrmacht und der unterstützenden Mitwirkung im Dienst an der Gesundheitspflege des deutschen Volkes. Die in das Gebiet der NS.-Volkswohlfahrt fallenden wohlfahrtspflegerischen Aufgaben sind inzwischen vom Deutschen Roten Kreuz an die NS.- Volkswohlfahrt abgetreten worden.
Das kürzlich vom Führer eröffnete Kriegshilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz wird in Verbindung mit der NS.-Volkswohlfahrt durchgeführt. Es hat Len Zweck, die Mittel für die im Kriege wesentlich erweiterten Aufgaben des Roten Kreuzes zu beschaffen. Die Aufbringung dieser Mittel erfolgt durch Haus- und Straßensammlungen ähnlich derjenigen des Winterhilfswerkes. Opfer von Lohn und Gehalt, Spenden von Firmen und Organisationen
Hefefranz, daß er zum Hutberg gegangen sei. Allein fortgegangen, weil es ihm hier nicht gefällt .♦< Kann man es ihm verdenken?
Auf dem Hof trifft Lena Hermann, den heute' noch niemand gesehen hat. Er hat immer noch das Flackern in den Augen. Sie will mit einem schnellen Wort an ihm vorbeikommen. „Nun, Hermann, soll man dir guten Morgen oder guten Tag wünschen?"
Das Scherzen gelingt ihr schlecht. Hermann sieht von feiner Arbeit an dem kleinen Tafelwagen kaum auf. „Wer wohlgeborgen ist, kann gut spotten!" wirft er ihr mit schwerer Stimme zu.
Nun bleibt Lena denn doch stehen. „Aber, 5jer« mann!"
„Ja, ja, manchmal möchte man mit Knüppeln in dieses wohlgeordnete Leben hineinschlagen — Bräutigam und Braut — in einem halb Jahr Mann und Frau — bann Kindtaufe! Immer alles wie am Schnürchen. Schließlich Silberhochzeit, alles in Ehren! Ein herrliches Leben! Ja, sieh mich nur an, als wäre ich betrunken! Mache ich nicht ganz den Eindruck, als wäre ich's wirklich? Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, scheint mir zu wanken. Vierzig Jahre lang bin ich der brave Sohn des Hauses gewesen — jetzt habe ich es satt!"
„Mir scheint, hier geht wirklich alles aus beit Fugen!" ruft Lena außer sich. Sie läßt Hermann stehen, benn sie weiß, baß sie ihre Haltung nur noch kurze Zeit bewahren kann. Hermanns Worte bringen sie um alle Fassung.
Lena Oetteking geht mit gesenktem Kopf. Sie möchte jetzt niemanbem begegnen, auch Gottfried nicht. Sie steigt einen ber vielen schmalen Wegs hinauf zur Kuppe bes Hutberges. Und oben läuft sie Jutta Pleffen in bie Arme.
„Du, Lena? Allein? Machst bu einen Katerbummel?" Dann aber merkt sie, baß Lena einen Kummer mit sich herumträgt. „Hast bu bich mit ©otb» frieb gezankt?"
Lena schüttelt ben Kopf, unb auch Jutta schweigj baraufhin. Dann aber sagt sie plötzlich geradezu, wie es ihre Art ist:
„Weißt bu, Lena: ihr solltet abreisen, bu und Gottfried. Der Gräfehof stellt zu viele und zu große Anforderungen an dich. Das ist nichts für ein Brautpaar!"
„Das sagst bu, Jutta — und weißt noch nicht einmal alles!"
(Sortierung folgt,)
angegeben fein. Das gefallene Wild war meist schwaches Zeug, so baß ber Winter bie Auslese bes Jagers unterstützte. Auch jetzt hanbelt es sich barum, von ben Böcken bie mit ben schlechtesten Anlagen vorweg abzuschießen, damit sie nicht anfangs Juni im hohen Getreide verschwinden und in ber Brunft als unerwünschte Vererber roieber auftauchen. So gilt ber Abschuß zunächst lebiglich benjenigen Böcken, bie im Abschußplan als Ilb bezeichnet werden. Bei ben Id-Böcken wirb man sich gut überlegen müssen, ob ber Abschußgrunb so wichtig ist, baß ein solcher Bock nicht mehr in bie Brunft kommen soll. Entscheiden läßt sich bie Frage lebiglich, wenn man ben Gesamtbestand, seine Gehörnbildung unb fein Körpergewicht als Vergleichs- maßstab nimmt. Daß für bfefe Frage viel mehr Verständnis als früher besteht unb bie Jägerschaft in ber Praxis viel gelernt hat, bewiesen auch wie- ber bie diesjährigen, im kleinsten Rahmen durchge- führten Trophäenschauen, bei benen im Kreise Gießen in ben einzelnen Hegeringen z. B. roieber im Durchschnitt 94 v. H. als richtig abgeschossen bezeichnet werben konnten.
Jebenfalls bars kein Zweifel barüber bestehen, baß auch in ber Kriegszeit ber Auslesege - d a nke ben Abschuß beherrschen muß. Der Reichsjägermeister hat darauf in einer in ben Jagbzei- tungen veröffentlichten Verfügung ausbrücklich hingewiesen. Die Aufgabe ber Jagd, an ber Fleisch- oerforgung mitzuhelfen, kann Dabei burch Erfüllung des Abschusses ttotzbem vollkommen gewahrt bleiben.
Wenn bas Weibwerk auf ben Rehbock anhebt, beginnt bie Schonzeit auf unsere Walbhühner, ben Auer- unb ben Birkhahn. Unb bann ist fast ber ganze Jagbkalenber ,schwarz". Schonzeit! Denn gleich bem Rehwild, von dem vorher bie Rede war, setzen Rot- und Damwild, fetzt die Häsin, während das Federwild brütet. Die Gelege ber Stockente fallen vielfach schon aus, Huhn unb Fasan brüten noch. Finbet man zufällig jetzt schon Gelege, bie später bei ber Mahd von Gras ober Klee gefähr- bet wären, so kennzeichnet man sie unb trifft mit bem Grundbesitzer bie nötigen Abreben. Sonst aber ist es gut, möglichst balb roieber wie in Vorjahren Belohnungen öffentlich auszuloben für benjenigen, ber ein Gelege vor bem Vermähen schützt. Die Erfahrungen bamit sind so gut, daß man diesen Weg unbedingt gehen sollte. Es scheint so, daß die Bestände an Feldhühnern leider im Winter ziemlich gelitten haben, auch da, wo meist etwas für sie geschieht.
Hubertus.
den ist, als ich schon im Hause war."
„Geld, Geld, immer dieses elende Geld! Was hast du damit zu schaffen? Keiner kommt auf den Gedanken, dich verantwortlich zu machen. Wir vergeuden hier nur kostbare Zeit."
„Ich wäre nicht frei und unbeschwert, ginge ich jetzt mit dir."
Gottfried wird immer dringlicher. „Ich mag aber nicht mehr bleiben. Dieses Haus hat es in sich, es kann einen merklich in Unordnung bringen!"
„Jetzt verstehe ich dich nicht, Gottfried. Für dich ift doch alles in Ordnung!"
Gottfried Bonhoff weicht Lenas Augen aus. Auffallend schnell bricht er das Gespräch ab. „Lassen wir das unnütze Reden! Ich kann nichts anderes tun, als dich zu bitten, mit mir abzureifen. Du tätest gut, meine Bitte zu erfüllen."
Ohne eine Antwort abzuwarten, geht er über den Hof.
Der Mai hat mit frischem Grün und Blütenpracht seinen Einzug gehalten und den lange Zeit kargen Tisch unseres Wildes reich gedeckt. Und auch den Jägern zieht das alljährliche Mgiwunder wieder mehr unb mehr in sein Revier, in dem er nach Monatsmitte wieder die Büchse auf den Rehbock führen darf. Noch ist jetzt zu Monatsanfang bas Wilb grau unb zeigt nur bie Anfänge bes Haarwechsels, bie es struppig unb unschön erscheinen lassen. Ader balb wirb das Sommerrot bie Oberhand gewinnen unb das Rehwild dem Jäger so zeigen, wie er es liebt. Alle Reviergänae vor Aufgang der Schußzeit haben zwei Hauptaufgaben: Schutz bes Jungwilbes unb Bestätigen ber zunächst zu fchießenben Böcke.
Im Schutze des neuen Grüns verwcmbelt sich ber Wald in eine große Kinberstube. Für sich allein zieht die alte Ricke ihren Wechsel, um bann, wenn bie Stunbe ba ist, irgenbwo versteckt einem ober zwei Kitzen bas Leben zu schenken. Der gefährlichste Feinb für biefes Jungwilb ist ber jagenbe Hunb, ber ent- roeber bie noch tragenbe Ricke zu Schauben hetzt, ober aber bie hilflosen Kitze abwürgt. Nicht minber gefährlich wirb später bie Mähmaschine, ba leiber viele Ricken mit Vorliebe in ben Wiesen setzen ober mit ihren Kitzen dorthin wechseln, wenn bas Gras einmal so hoch wirb, baß es Deckung bietet. Früher Heuschnitt bebeutet baher leiber immer erhebliche Rehwilbverluste. Eine weitere Gefahrenquelle ist der Mensch selbst, unb nicht nur berjenige, ber zu ber Gilbe ber Wilddiebe gehört, sondern auch ber harmlose unb gutmütige Spaziergänger, ber zufällig auf ein schlafenbes, sich brückenbes Kitz stößt unb nun glaubt, ein gutes Werk zu tun, wenn er es bem wenig erfreuten Förster ober Jäger ins Haus bringt. Jungwilb, bas so viel Menschenwitterung annahm, wirb meist von ber Mutter nicht mehr angenommen, wenn man ben Versuch macht, es ber Mutter roieber zuzuführen, bie braußen ängstlich fiepenb ihr Kinb sucht. Leiber wirb trotz aller Aufklärung immer roieber gegen biefe Erfahrung verstoßen unb bamit ungewollt ber Jagb erheblich geschähet. Auch ber Fuchs kann übrigens in biefer Zeit bem Rehstanb gefährlich werben, wenngleich man nicht immer entscheiben kann, ob bie Fähe ein gesunbes Kitz riß ober ein etwa vermähtes fand, dessen Läufe nun auf bem Mutterbau liegen. Die Fähe, bi$ für ein großes Geheck hungeriger Jungfüchse zu sorgen hat, raubt jetzt mehr als sonst. Da sie selbst vor bem, 16. Juni nicht geschossen werben barf, solange sie führt, ist bas Graben ber Jungfüchse ber beste Weg zum Schutze bes Jungwilbes vor zu großen Einbußen.
Neben biese Hege unb neben ben Schutz bes Wil- bes tritt bie Jagb auf ben Waldfreiherrn. Die Mehrzahl ber Böcke hat gefegt und bietet damit bem Jäger bie Möglichkeit, burch sorgsames Ansprechen eine rechte Auswahl zu treffen. Die Wilbverluste waren außerhalb bes Gebirges in biefem Winter boch nicht so hoch wie man geglaubt hat. Sie bürsten für Oberhessen mit 10 v. H. im Durchschnitt richtig
garten hinauslassen? Warum ist er benn nicht burchs große Tor gegangen?"
„Es hätte so dumm ausgesehen, weil ihr alle fort wart. Ich wollte nicht, baß bie Leute auf bem Hofe reben sollten!"
„Was hat ber Schneiber überhaupt hier bei bir zu suchen? Ich leibe so etwas nicht. Wer weiß, wie oft er schon bagewesen ist." Christoph Gräfes Stimme wirb immer erregter. Er ist aufgeftanben, geht im Zimmer hin unb her.
Erni will sich oerteibigen. „Er ist gar nicht oft bagewesen."
„Aber zuweilen bagewesen ist er boch, bu nichtsnutziges Ding!"
„Was ist benn babei? Zu uns kommen fo viele Leute. Er hat einmal nach Tante Lena gefragt, bann mal nach mir, unb bann nur noch bas Singbuch gebracht."
„Ach was — fchnickfchnack! Wer solche Heimlichkeiten hat wie bu, bem glaubt keiner ..."
Erni steht nun auch vom Tisch auf. Sie sieht zu Gottfried Bonhoff hinüber, ber in sich gekehrt ba= sitzt. „Das wirb mir ein jeber glauben", sagt sie sehr laut, „baß bei biefen Besuchen Schneibers nichts babei war. Ich kann chn ohnehin nicht leiben, biefen Schneiber."
„Ich muß mit bir sprechen", sagt Gräfe nach Tisch zu Lena, bie mit ben anberen bas Zimmer verlassen will. „Der Verbacht, ben wir neulich aussprachen — mir scheint, er war nicht so ganz abwegig."
„Christoph, ich kann bas nicht glauben."
„Woher hat ber Kerl bas Gelb, er hat es gestern boch mit vollen Hänben ausgegeben!"
„Er ist eben leichtsinnig. Das Gelb rinnt ihm zuweilen schnell burch bie Finger. Aber schlecht ist er nicht. Ich mag bas nicht glauben."
„Ich gehe biefer Spur nach. Morgen früh fahre ich nach Görlitz. Es wäre boch zu bumm, wenn bie mir ben Ker! nicht beschreiben konnten, ber vor ein paar Wochen bie zwanzigtausenb Mark abgehoben hat!"
Damit geht Gräfe aus ber Stube.
Lena steht nun recht verlassen ba. Wieber ist bie Last schwerer geworben. Sie möchte jetzt nicht allein bleiben, sie möchte sich aussprechen. Wo ist Gottfrieb? Wo ift Erni?
Erni arbeitet im Garten. Bon Gottfried berichte^
nen. Dazu gibt es lanbschaftliche Schönheiten zu betrachten, bie reizvoll sind. Unb wenn bie Pfingsttage vorbei finb, bann haben wir uns ein Stückchen Heimat erroanbert, um das uns mancher be- neiben wirb." Die Frauen blickten ihre aufgeräumten Männer an und fanden auf einmal auch Gefallen an dem Plan.
Also wurde bann beschlossen. Die Pfingstreife zu Fuß war bas Gesprächsthema der nächsten Tage, bas unenbliche Reize barg unb bas sicher auch zu einem köstlichen Pfingsterlebnis führen wirb.
H. W. Sch.
Bornofijen.
Tageskalender für Dienstag.
Wehrwiffenfchaftliche Vorträge ber Lubwigs-Uni- cerfität Gießen, 20 Uhr Vortrag Professor Dr. Vollrath über „Mythen um Englanb", im Kunsthistorischen Institut, Lubwigstraße 34. — Stabtthea- ter 20 bis 22.30 Uhr „Junge Spatzen". — Gloria- Palast (Seltersweg): „Der Postmeister". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Der Stammbaum des Dr. Pistorius".
Notizen für den 8. Zitat
Sonnenaufgang: 5.42 Uhr, Mond aufgang: 6.31 Uhr. Sonnenuntergang: 21.02 Uhr, Monountergang: 21.52 Uhr.
Botanischer Garten Pfingsten geöffnet.
Da es in diesem Jahre nicht an der Tagesordnung sein kann, eine Pfingstreife zu unternehmen, wird man sich mehr als je auf die Schönheiten der engeren Heimat besinnen müssen. Eine dieser Schönheiten ist der Botanische Garten unserer Universität inmitten unserer Stadt. Dieser wird an ben Pfingstfeiertagen geöffnet sein. Voraussichtlich findet für Interessenten auch ein kurzer Vortrag im Hörsaal des Botanischen Instituts und anschließend eine Führung durch den Garten unter fachmännischer Leitung statt.
NS. -Frauenschast/Krauenwerk.
Am 9. Mai, 15.30 Uhr, veranstaltet die Kinder- gruppe Gießen-Nord einen Werbenachmittag in der Turnhalle der Schillerschule, zu dem die Mütter der Kinder und alle Mitglieder herzlich eingeladen find. Gäste willkommen.
Nettoeinkommen und Familienunterhalt
Verschiedene Anfragen an bie Dienststellen bet? Deutschen Arbeitsfront lassen erkennen, baß über die Errechnung des Nettoeinkommens zur Fest« setzung des Tabellensatzes bei bem Familienunterhalt für bie Angehörigen ber zum Wehrbienft Ein« berufenen vielfach Unklarheiten bestehen. Es wird darauf hingewiefey, baß sich bas Nettoeinkommen, bas ber Errechnung bes Tabellensatzes zu Grunde gelegt werden muß, wie folgt zusammensetzt: Von dem Bruttoeinkommen sind abzusetzen die Einkommensteuer, die Bürgersteuer unb bie gesetzlichen Beiträge zur Reichsversicherung (Krankenversiche« rung einschl. Ersatzkassen, Invalidenversicherung, Angestelltenversicherung und knappschaftliche Pensionsversicherung), ferner bie Beiträge zur Arbeitsq lofenversicherung. Nicht abzufetzen bagegen finb ber Kriegszufchlag zur Einkommensteuer unb sonstige auf bem Lohnzettel erscheinenbe Abzüge, wie z. B< ber Beitrag ber DAF.
Gießener Wochenmarkkpreise.
* Gießen, 7. Mai. Auf bem heutigen Wochen« markt kosteten: Markenbutter, XA kg 1,80 RM.^ Matte 30 Rpf., Käse, bas Stück 6 bis 10, beutsche Eier 12, Gelberüben, % kg 12, Roterüben 14, Spargel 55 bis 98, Unterkohlrabi 08, Zwiebeln 14, Meerrettich 30 bis 90, Schwarzwurzeln 35, Rhabarber 20 bis 25, Felbfalat 120 bis 150, Aepfel 15 bis 35, Salat, bas Stück 40, Salatgurken 100 bis 120, Lauch 5 bis 15, Sellerie 10 bis 40, Rabieschen, Bunb 20 bis 25.
Strafkammer Gießen.
Der Robert Otto iti Bad-Nauheim, zur Zeit in Untersuchungshast, war durch Urteil ber Strafkammer Gießen vom 12. Dezember 1939 wegen Sittlichkeitsoerbrechens zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren und Verlust ber bürgerlichen Ehrenrechte auf bie Dauer von fünf Jahren verurteilt worden. Dem Angeklagten war zur Last gelegt, am 26. Juni 1938 in Bad-Nauheim ein geisteskrankes Mädchen mißbraucht zu haben.
Gegen dieses Urteil legte ber Angeklagte Revision ein. Das Reichsgericht hob bas Urteil auf unb verwies bie. Sache zur erneuten Verhanblung an bie Strafkammer Gießen zurück.
In breitägiger Verhanblung vor ber Strafkammer wurden etwa 40 Zeugen vernommen. Im Laufe der Verhandlung wurde dem Angeklagten eröffnet, daß eine Verurteilung wegen Notzucht erfolgen könne.
Der Anklagevertreter beantragte, ben Angeklagten wegen des Verbrechens ber Notzucht zu einer Zuchthausstrafe von vier Jahren zu verurteilen unb ihm bie bürgerlichen Ehrenrechte für bie Dauer von fünf Jahren abzuerkennen. Der Verteibiger beantragte Freisprechung, ba Notzucht nicht vorliegen könne. Das Mädchen wisse auch ganz genau, worum es sich handle, es sei wohl geistig minderwertig, aber nicht geisteskrank..
Der Angeklagte wurde des Verbrechens ber Notzucht schuldig erkannt und zu einer Zuchthaus« ft rate von drei Jahren verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm auf bie Dauer von fünf Jahren aberkannt.
Landkreis Gießen.
fGroßen-Linben, 6. Mai. Am 8. Mal be* geht ber Maler Heinrich Harbt bei verhältnismäßig guter Gesundheit feinen 81. Geburts« tag. Der Jubilar ist vor drei Jahren mit feinem Fahrrad noch nach Italien und in einem Tag von Darmstadt nach Großen-Linden gefahren.


