eigenen Mitbürger, so braucht uns das eigentlich nickt noch ausdrücklich erklärt zu werden: wir haben diese utopisch-englischen Praktiken in den Jahren 1914 bis 1918 erlebt und erleben sie heute wieder. Wir wissen: die Utopie ist Wirklichkeit geworden.
Kämen diese humanen Grundsätze von einem beliebigen Schreiberling, könnte man über sie hinweggehen. Aber sie stammen von einem englischen Politiker, der später Lordkanzler werden sollte, und sie sind offenbar als sehr ernst gemeinte und wohl erwogenen Ratschläge für die Politik Heinrichs VIII. gedacht. Wenn More damals durch sein Buch Ruhm und Ansehen gewann, so doch nur darum, weil man seine Beschreibung der Insel Utopia eben nur als „Utopie" nahm, die sich nicht verwirklichen lasse. Heute aber, da diese gemeine Methode Wahrheit geworden ist, da England sich auf dem Fundament von Hinterlist und Verräterei ein Weltreich aufgebaut hat, sehen wir in der utopischen Außenpolitik einen ersten Ausdruck des englischen Systems, das sich über vier Jahrhunderte gleich geblieben ist: feige, selbstsüchtig, brutal.
Schwedens Stufenprogramm
Stockholm, 6. März. (Europapreß.) Von der schwedischen Regierung ist dem Reichstag das Bauprogramm der schwedischen Flotte unterbreitet worden. Der Bau von zwei Panzerschiffen mit einer Bauzeit von zwei Jahren soll aufgeschoben werden zugunsten kleinerer Einheiten für die Küstenverteidigung, die mit Rücksicht aus die politische Lage in Nordeuropa dringend benötigt werden. Neben den bereits begonnenen Bauten von vier Zerstörern und einer Anzahl U-Booten sollen weitere U-Boote gebaut werden. An Stelle eines U-Boot-Mutterschiffs, dessen Dau zu lange Zeit erfordern würde, wird der Umbau eines Handelsschiffes vorgeschlagen. Schließlich bedarf die Marine einer Anzahl schwerer Tor- pedoboote.
Britische Hanbelsmethoden in Südamerika.
Mailand, 6. März. (Europapreß.) „Sera" meldet, die amerikanischen Finanzkreise seien v e r - stimmt, daß die Engländer den Handel mit Südamerika durch Bezahlung mit eingefrorenen Guthaben vermehren. So habe Großbritannien in Chile für 800 000Pfund Sterling Wolle und in Brasilien für eine Million Pfiind Gefrierfleisch gekauft und mit einge- frorenensGuthaben bezahlt. Frankreich wende das gleiche System für Käufe in Südamerika an und in den USA. befürchte man, daß die dort gekaufte Wolle zu Schleuderpreisen auf die amerikanischen Märkte geworfen werde.
Verschärfter Druck auf die Neutralen.
Rotterdam, 7. Marz. (Europapreß.) Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant" befürchtet eine Verschärfung der britischen Blockade durch eine stärkere Beschränkung der Einfuhr der Neutralen. Im Gegensatz zum Weltkrieg schienen die West- mächte diesmal zu versuchen, die wichtigsten Lieferanten der an Deutschland grenzenden neutralen Länder dazu zu bewegen, ihre Ausfuhr „freiwillig" einzuschränken. Man scheine da- •bei nicht allein die amerikanischen Lieferungen an Europa, sondern auch die an Rußland im Auge zu haben. — Ob diese Bemühungen Erfolg haben würden, sei zu bezweifeln. Fest stehe bereits, daß der Druck der Westmächte auf die Neutralen sich noch weiter von den Normen des Völkerrechts entferne.
Englischer Unterstand ausgehoben.
B e r l i n, 6. März. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Ostwärts der Mosel hob ein Stoßtrupp einen von den Engländern besetzten Unterstand unter starken Verlusten für den Gegner aus und nahm 16 Mann der Besatzung gefangen. Sonst keine besonderen Ereignisse.
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......(PK.) Dor fast genau einem halben Jahr erklärten uns die Engländer den Krieg. Die deutschen Soldaten, die weit vor den Bunkern des Westwalles teilweise auf französischem Boden täglich Wacht halten, brannten darauf, in Kampfführung mit den Tommys zu kommen. Bei ihren unzähligen Spähtrupp- und Erkundungsvorstößen hielten sie vergeblich Ausschau, denn nirgends ließen sich die englischen Soldaten in der vordersten Linie blicken. Dies war bisher ausschließlich ihren französischen Waffenbrüdern und ihren fremdrassigen Trabanten, den Marokkanern, Senegalnegern und anderen Kolonialtruppen vorbehalten. Plötzlich tauchten dann vor einigen Wochen auch Engländer an der Front auf, der erste, der damals gefangen wurde, ein Offizier, starb zwei Tage später an seiner schweren Verwundung. Am Dienstag nun sind weitere Engländer gefangen genommen worden, gleich 16 Mann auf einen Schlag!
Im Oktober schon wurden sie nach Frankreich verschifft. Sie hielten sich seitdem weit hinter der Front bzw. im Landesinnern auf, erst vor zwei Tagen wurden sie zum ersten Male eingesetzt. 48 Stunden später waren sie in deutscher Gefangenschaft! In einem kühnen Unternehmen brachen
unsere Männer in die feindliche Stellung ein und überrumpelten die Tommys.
Es war frühmorgens. Die Engländer lagen in tiefem Schlaf in ihren mit Sandsäcken ausgebauten Unterständen. Da prasselten auch schon deutsche Granaten auf ihren Unterstand. In Sekundenschnelle stürmten unsere Männer vor, sprangen in die feindliche Stellung, nachdem die Pioniere im Handumdrehen noch das letzte Drahthindernis beseitigt hatten. In einer kreisförmig angelegten, mit mehreren Eingängen versehenen Verschanzung hatte sich der Feind verborgen. Es entwickelte sich ein heftiger Feuerkampf. Schon flogen die ersten deutschen Handgranaten hinüber. Verwundete Engländer schrien auf. Ein Engländer streckte zögernd die linke Hand, in der er ein entfaltetes weißes Taschentuch hielt, aus dem Unterstand heraus. Aber das ist eine heimtückische Finte! Er hielt in der Rechten die Pistole und knallte weiter auf die vorstürmenden Deutschen. Diese antworteten mit Pistolen, Maschinenpistolen und Handgranaten. Jetzt kommen die Engländer unaufgefordert einzeln heraus, zwei werfen zögernd noch Eierhandgranaten, die anderen aber legen sich platt auf den Boden, der Reihe nach ausgerichtet. Erst nach mehrmaligem Auffordern stehen sie aus und hatten die Hände hoch.
Schnell faßten unsere Männer zu und brachten die Gefangenen im Laufschritt zurück hinter die deutsche Linie. Flankierendes Feuer der feindlichen Maschinengewehre und feindliche Artillerie vermochten den gesicherten Rückzug nicht zu vereiteln. Die gefangenen Engländer gehörten dem „Duke of Cornvall’s light Infantery Regiment“ an.
Dr. Ludwig Zahn.
Beurlaubung werktätiger Frauen während des Fronturlaubs
j der Ehemänner.
Der Reichsarbeitsminister hat es für eine Ehrenpflicht der Betriedsführer erklärt, dem Wunsche roerftätiger Frauen auf Beurlaubung während des nach längerer Abwesenheit erfolgten Fronturlaubs des Ehemanns weitgehend entgegenzukommen. Dabei wird bei Bestehen eines Urlaubsanspruches der Ehefrau bezahlter Urlaub zu gewähren fein. Auch bann im beiderseitigen Einvernehmen bezahlter Urlaub unter Anrechnung auf einen erst später fällig werdenden Urlaubsanspruch bewilligt werden. In sonstigen Fällen ist die Ehefrau wenigstens von der Arbeit fteizustellen. Ihr bleibt es dann überlassen, wegen des Lohnausfalles eine vorübergehende Erhöhung der Familienunterstützung zu beantragen. Die Ehefrau ist verpflichtet, rechtzeitig beim Betriebssichrer die Beurlaubung bzw. Freistellung von der Arbeit zu beantragen. Bleibt eine Frau ohne Genehmigung des Betriebsführers dem Betrieb fern, so setzt sie sich den Folgen einer Vertragsverletzung aus. Es ist ferner Pflicht der Frau, dem Betriebsführer gegenüber glaubhaft darzutun, für welche Zeit der Ehemann beurlaubt ist durch Vorlage des Urlaubscheines.
Pferdekarte für jeden pferdeverkanf
Der Reichsbauernführer hat den Umsatz von Arbeitspferden in die Marktordnung einbezogen. Die Anordnung sieht vor: Höchstpreise für Arbeitspferde, eine Pferdekarte für jeden Pferdeverkauf und eine Dringlichkeitsbescheinigung zum Ankauf eines Pferdes. Die Festsetzung der Höchstpreise erfolgt durch
Schätzer der Landesbauernschaft. Es sind Richtlinien über die Festsetzung von Preisen für Arbeitspferde erlassen. Damit ist die Preisbildung reichs- einheittich geordnet und jeder Preissteigerung Einhalt geboten.
Kleine politische Nachrichten.
Der britische Tankdampfer „San Florentina" (12 841 BRT.) wurde aus einem G e- leitzug heraus torpediert. Das Schiff soll in 808-Rufen die Torpedierung mitgeteilt haben.
Generalfeldmarschall Göring empfing den jugoslawischen Handelsminister Andres und den schwedischen Forscher S o*e n H e d i n.
In Vertretung des erkrankten Reichswirtschafts- ministers und Reichsbankpräsidenten Funk empfing Staatssekretär Dr. L a n d f r i e d den auf Einladung des Reichswirtschaftsminister in Berlin weilenden jugoslawischen Handelsminister A n - dres. Die Aussprache ergab befriedigende lieber« einftimmung in der Beurteilung aller schwebenden Fragen. *
Reichsorganisationsleiter Dr. Ley hält sich wiederum bei den Westwallarbettern auf. Mit den zuständigen Abschnittskommandeuren der Wehrmacht hat er in den Gauen Saarpfalz und Koblenz-Trier die vorderste Linie besucht und dabei Gelegenheit genommen, mit zahlreichen Arbeitern und Soldaten persönlich zu sprechen. Ueberall ist sein Erscheinen freudig begrüßt worden. *
Der Reichskommissar für die Preisbildung hat die Verordnungen über ine Preisbildung im Waren
verkehr mit der Ostmark und dem Reichsgau Sudetenland aufgehoben. In Zukunft dürfen bei Lieferungen aus der Ostmark und dem Sudetengau in das Altreichgebiet ebenfalls nur die Preise berechnet werden, die bei Lieferungen innerhalb der eingegliederten Gebiete zulässig sind. Beim Weiterverkauf im Altreich dürfen höchstens die Preise gefordert werden, die nach den im alten Reichsgebiet geltenden Preisvorschriften zulässig sind.
In Italien ist die Pslichtimpfuno gegen Diphterie bei den Schulkindern in allen Lehranstalten behördlich angeordnet worden.
Ans aller Wett.
holländisches U-Boot gesunken.
Das holländische U-Boot „0 11" wurde im Hafen von Nieuwediep von einem Schleppdampfer gerammt. Es sank innerhalb zweier Minuten. Zehn Mitglieder der Besatzung, die sich an Deck befanden, konnten sich sofort retten. Von den übrigen 19 Mann konnten 17 aus dem unter Wasser ge-
Gesunde, blendend weiße Zähne durch sfarkwirk- $ome Zahnpflege mit
die große Tube die kleine Tube
25pf
Gesunde Zähne
öffneten Kommandoturm geborgen werden. Das Schicksal von zwei Mann ist noch ungewiß. Die „O 11" gehörte zu den ältesten U-Booten der holländischen Marine. Das Boot hatte eine Wasserverdrängung von 477 bzw. 645 Tonnen. Er war mit einem 8,8-cm-Geschütz und fünf Torpedorohren bewaffnet.
Christian Heinrich kleukens 60 Jahre alt.
Der Leiter der Mainzer Presse (Gutenberg-Presse), Professor Christian Heinrich Kleukens, feiert am 7. März seinen 60. Geburtstag. Im Jahre 1927 war der gebürtige Bremer an die Mainzer Kunst- und Gewerbeschule berufen und gründete mit dem damaligen Leiter die „Mainzer Presse", deren typographisch hervorragenden Druckwerke Weltruf erlangt haben. Auf der Weltausstellung 1936 in Paris erhielt Professor Kleukens als einziger die Goldene Medaille für Typographie. Vorher wirkte Professor Kleukens an der Ernst-Lud- wig-Presse in Darmstadt. Don den vielen Werken, die in der Mainzer Presse entstanden, erwähnen wir nur die große Welt-Goethe-Ausgabe. Kleukens hat sich auch als Lehrer, Schöpfer neuer Schriften und Schriftsteller einen Namen gemacht.
Alikrokopie — Erfindung eines Mainzers.
Ein Mainzer, Dr. Josef Goebel, fand, daß es mit Hilfe der Photographie möglich würde, Bilder und Schriften unabhängig von Maschinen und Auf- lageziffem zu vervielfältigen. Er konstruierte ein Aufnahmegerät, mit dem in 15 Minuten 100 Seiten eines Buches von normalem Format festgehalten werden können. Die Aufnahmen erfolgen reihenweise auf einem Planfilm 9:12, für die Verkleinerung wurde 1:20 beftimmt. Mehr als 100 Buch- selten können auf einem Filmblatt in der Größe von 9 :12 wieder gegeben werden. Ein befonberes Tifchlefegerät ermöglicht es, Druckseiten, Notenblätter, Handschriften, Bilder form- und farbgetreu wiederzugeben. Wertvolle Originale werden damit jedermann zugänglich. Die Mikrokopie will das Buch nicht verdrängen, sondern die Büchereien durch das getreue Abbill) unerreichbaren kostbaren Schrifttums ergänzen.
(BolöcneWoltcOticrREnotL
Roman von fiorflBitnM
2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Der Doktor löste den Bohrer aus dem Handstück und legte ihn in das Reinigungsbad. Sein Profil spannte sich für einen Augenblick in den Fensterrahmen. Alles war kräftig an ihm: das blonde Haar fiel dicht in den Scheitel und trotzte am Wirbel Kamm und Bürste. Stirn und Kinn schienen ein Erbteil bäuerlicher Vorfahren zu sein. Die Nase wuchs stark und knockig zwischen den hellen Brauen heraus und verlief später, dank dem allzu tüchtig geführten Faustschlag eines Schulkameraden, in einem lustigen Knick nach links, der seinem Gesicht einen kühnen und fast etwas leichffinnigen Ausdruck verlieh.
Diese gebrochene Nase war ein heimlicher Kummer des Doktors. Er hatte viel an ihr herumge- bastell uni> geradegeknetet, ohne ein Ergebnis zu erzielen, und lebte jetzt in der stillen Hoffnung, daß das Pech sich die Nase noch einmal zu brechen, möglicherweise sein Glück werden könne. Er schrieb dieser Nase nämlich seine Mißerfolge bei Frauen zu. Tatsächlich hatte er für einen Mann von achtundzwanzig Jahren erstaunlich wenig sogenannte Erlebnisse hinter sich. Und merkwürdigerweise lag das wirklich an der Nase, wenn auch anders gelagert, als er meinte. Denn jedesmal, wenn er sich einer Frau zu nähern wünschte, in Stunden, in denen Budenangst und Einsamkeit ihn wie Gespenster überfielen, schreckte ihn der Gedanke zurück, der — roh, aber wortgetreu ausgedrückt — etwa lautet: Um Gottes willen, das kannst du doch nicht, mit dieser Nase —!
Der Doktor rührte auf einem Porzellanplättchen über der blauen Flamme eines kleinen Spiritus« lämpchens mit einer winzigen Spachtel die Füllungsmasse für die erste Einlage.
Seine Patienttn lag regungslos mit empor gezogener Oberlippe in den harten grünen Polstern und schaute ihm aus den Augenwinkeln stumm zu.
„Ist es sehr anstrengend?" fragte er, ohne aufzublicken.
Sie schüttelte verneinend den Kopf, wollte etwas
sagen und besann sich noch rechtzeitig, daß er ihr das Sprechen verbalen hatte.
„Wir sind sofort fertig", tröstete er, „und dann hat die Quälerei für heute ein Ende. Die Schmerzen werden im Verlauf der nächsten halben Stunde nachlassen. Für alle Fälle gebe ich Ihnen, damit Sie heut gut schlafen können, ein paar Tabletten mit."
Sie lächelte dankbar, aber der Doktor war mit seinem Gipsanrühren zu sehr beschäftigt, um es zu bemerken.
„llebrigens glaube ich, daß wir den Zahn gut durchbringen werden. Die Entfernung des Nervs in den Schneidezähnen ist immer eine heikle Sache. Der Zahn verfärbt sich mit der Zeit; man kann ihn bleichen, natürlich, aber er bleibt ein geschminkter Leichnam ..." Er stieß die Lust durch die Nase. „Mit den Dergleichen ist das immer so eine Sache!" fügte er etwas düster hinzu.
Seine Patientin hatte die Augen geschlossen. Auf dem schmalen, geraden Rücken ihrer Nase hatten sich kleine blanke Schweißperlen gebildet, und ihre Wangenmuskeln zitterten.
„Wacker durchgehalten!" sagte der Doktor anerkennend und verschloß die Einlage mit der rasch erhärtenden weißen Füllmasse. „Und dann sind wir also für heute--"
--„fertig!" wollte er sagen. Aber das Wort blieb ungesprochen.
Die Arme feiner Patienttn sanken von den Lehnen herab; ihre rechte Hand streifte sein Knie. Der Mund blieb in beharrlicher .Tapferkeit' gehorsam geöffnet, aber die Lippen waren weiß geworden, und aus den Wangen war der letzte Blutstropfen gewichen. Ohnmächtig ...
Die Spachtel flirrte mit der Porzellanpalette in irgendeine Ecke des so peinlich ordentlichen Jn- strumentenschranks zusammen. Der Doktor riß gleichzeitig das Wasserglas und eine Serviette an sich und lief zum Waschbecken, drehte den Hahn auf, befeuchtete das Tuch und ließ das Glas vollaufen.
Umschläge über die Stirn und die Schläfen ... Großer Gott, was sind das für Geschichten? Einem Mann macht man, wenn so was einem Mann überhaupt zustößt, den Kragen und die oberen Westenknöpfe auf — aber das waren in diesem Fall unnütze Weisheiten. Vielleicht konnte man den Stuhl ein wenig bequemer stellen, die Rückenlehne
weiter herablassen, ja ... Der Doktor hob vorsichtig den Kopf seiner Patientin und bettete ihn in seiner flachen Hand. Mit der Rechten erneuerte er die Umschläge, und er ging dabei mit d-er Feuchtigkeit nicht gerade sparsam um: Seiner Patientin flössen kleine Bäche in den Halsausschnitt des Kleides hinein.
Aber diese Verschwendungssucht schien von Erfolg gekrönt zu sein. Der Atem setzte kräftiger ein, das Blut strömte zu den Wangen zurück, und während der Doktor nach dem Wasserglas griff, schlug Renate Naumann die Lider auf.
Ihr Blick begegnete voll den Augen des Doktors. Sie sah ihn eine Weile lang fast aufmerksam an, als müsse sie sich erinnern, wer er sei; und der Doktor nickte ein freundliches und erlöstes jawohl!"
„Verzeihen Sie!" bat sie mit schmerzlich verzogenem Munde kaum hörbar. ,Hch mache Ihnen sehr viel Mühe ..."
Der Doktor hob zart ihren Kopf; seine Fingerspitzen waren unter ihren Nackenlocken verschwunden. „Trinken Sie — es wird Ihnen gut tun! sagte er und setzte das Glas an ihre Lippen.
Und während sie in kleinen Schlucken trank und sich belebte, bettete er ihren Hals sanft in das Polster und löste feine Hand aus ihrem Haar. „$abe ich Sie überanstrengt?" fragte er in einem Tonfall, in dem sich Selbstvorwürfe verbargen.
Sie schüttelte rasch und fast heftig den Kopf: „Nein, nein, wirklich nicht! Sie haben wunderbar schnell und schmerzlos gearbeitet! Ich habe den Bohrer kaum gespürt ..."
Der Doktor kniff ein Auge zu und legte den Kopf etwas schief über die Schulter; es sah aus, als wolle er ,Na, na' sagen.
„Wahrhaftig: Kaum gespürt! Mein Versagen hing nicht damit zusammen. Es ist mir schon in den letzten Monaten ein paarmal widerfahren — daheim bei der Arbeit und einmal sogar in der Straßenbahn. Es war mir schrecklich unangenehm ..."
Der Doktor sah ihr prüfend ins Gesicht. „Gestatten Sie mal!" sagte er im Ordinattonston und zog ihr mit dem Zeigefinger rasch das untere Lid des linken Auges herab. „So viel verstehe ich schließlich auch als Zahnklempner ..." fügte er hinzu. „Rauchen Sie stark?"
„Ueberhaupt nicht."
„Hm ...", machte er; es kam wie ein Warnsignal heraus. Er sah dabei ziemlich ernst aus.
,Hch — lebe wohl ein wenig — unregelmäßig —", gestand sie stockend.
,Kaffee, Würfelsuppen und am Sonntag als Festbraten Büchsenwürstchen, wie?"
„So ungefähr ..."
Der Doktor schob das Kinn vor und schwieg.
„Aber das ist ja alles nicht so wichtig!" Sie versuchte, sich aufzurichten. Es mißlang ihr, weil die Rückenlehne des Operattonsstuhls in einem Winkel von fast hundertachtzig Grad zur Sitzfläche zurück- gestellt war. Der Doktor reichte ihr die Hand. Sie nahm sie, aber mehr aus Höflichkeit als aus Unterstützungsbedürftigkeit.
„Natürlich nicht!" sagte er. „Solange man es eben aushält, geht es ja." Seine Miene war so düster, als prophezeie er Krücken und RollftuhL
Renate Naumann erhob sich.
Der Doktor stand in einer Art von Hilfsstellung dabei. „Geht es?" fragte er besorgt.
„Danke — gewiß!" antwortete sie. Eine tiefere Röte zog rasch über ihre Stirn, die dunkle Welle einer flüchtigen Verlegenheit. „Ich bin mit so viel Güte und Freundlichkeit seit langer Zeit nicht mehr verwöhnt worden", setzte sie nach einer kleinen Weile fast tonlos hinzu. „Ich danke Ihnen, Herr Doktor!"
Er drehte sich rasch um und ging zu seiner Kartothek. „Es ist nicht einmal nur Pflicht, es ist einfach eine Selbstverständlichkeit, zu helfen!" knurrte er in einem Ton wie: Reden Sie keinen Unsinn, Frollein! Er setzte einen Vermerk auf ihre Karte und schob das Blatt in das Fach N., es war übrigens das erste ausgefüllte in dieser Sparte des alphabetischen Registers ... „Und dann kommen Sie übermorgen um die gleiche Zeit wieder!"
Er überlegte eine Sekunde lang. In das leere Sprechzimmer? dachte er. In das ewig leere Sprech- zimmer? Daß sie womöglich das Spiel durchschaute und ihn für einen hoffnungslosen Anfänger hielt? „Oder halt, nein, kommen Sie lieber um zwei Uhr, vor Beginn meiner Sprechstunden! Sie brauchen bann nicht lange zu warten ... Das heißt natürlich: Wenn Sie um diese Zeit kommen fön- nen —?"(Fortsetzung folgt.)
Was können urir backenmit 50 g Jett und einem Sc ?
Backpulver
Dr Oetker „Batkin"
etwa 1/8 l entrahmte 250 g IDeijenmehL 9 g (3 geftr. Teet)
Daß dec leig schwer (reißend) oom Löffel fällt Et wird in eine gefettete Springform (Durchmesser etwa 26 cm) gefüllt und mit einem Eßlöffel Öen man häufig in Masset taucht glattgeßrichen.
OanilLe -Gefthma*. frifchmilch,
Belag: 500 -750 g tipfel jum Bestreuen
Pttnni OuftorjiirfcfA
für Öen Belag fchält man öie tipfel fchneiöet fie in Diertel ritzt sie mehrmals dec Länge FF nach ein und legt fie auf den Teig. Badgcit: ktwa 45 Minuten bei guter Mittelhitze **
Dadi öcid ßruhßfl äoao null) öeo fiiubjy mit Puöenudiec bestäuben. 1 £ L* •
dpfelkiuchen in einer Springform: QojJkof Tug: 50 g Margarine ober Sthmeine- Man rührt die Margarine (Schmalz) schaumig und gibt nach und nach Zucker E 9
schmal; ober 3 Eßt Öl. (öl sofort mit dem Zucker oerrührenI), EL Sewürze sowie das mit etwas Milch
g 3u*er. 1 ki. etwas Sol;, ungerührte Soßenpuloer hinzu. Das mit „Backin“ gemischte und gesiebte Mehl wird
/2 släsckmen Dr. Oetker Back-»roma Zürvne. abwechselnd mit der übrigen Milch untergerührt Man oerwendet nur so oiel Milch, 1 Päckchen Dr. Oetker Soßenpuloer. - - - - - -..... - - - - - - -
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