litionskrrege, die auf alle Beteiligten krästedezimie- rend wirkten; vom Ausgang des 18. bis ins 19. Jahrhundert operierten die Briten mit der bedroh- len „europäischen Unabhängigkeit", was dem Festlande in sieben weiteren Koalitionskriegen wieder aewaltige Ströme an Blut kostete, England aber seine wichtigsten Kolonien einbrachte; der in das 20. Jahrhundert fallende zwölfte Koalitionskrieg wurde von 1914—1918 unter der englischen Devise für ^»Freiheit und Gerechtigkeit" geführt, um dann später in Verfailles alles mit Füßen zu treten, was mit jenen beiden Begriffen in Berührung stand.
Bei dieser Entwicklung fällt besonders auf, daß sich Das politische Denken Britanniens schon beim Ausbruch des Weltkrieges offenkundig so weit von Europa entfernt hatte, daß man sich in London gar nicht mehr der Mühe unterzog, in der 1914 ausgegebenen Kriegsparole den Kontinent überhaupt noch zu erwähnen. Man vertrat als Weltreich eben „Weltinteressen", und der Schlachtruf mußte daher auch „allgemeingültigen" Charakter tragen. Weit über zehn Millionen starben an diesem gemeinen Völkerbetrug.
Der in Versailles begangene Verrat war jedoch 1939 noch keineswegs vergessen; zudem besaßen die Driten — wie bereits erwähnt — keine neue Kriegsparole mehr, da alle zündenden Sprüche längst verbraucht waren. Die Folge hiervon war das belustigende Bäumchen-wechsel-dich-Spiel bei der Verkündung und Erläuterung immer „neuer* englischer Kriegsziele. Allein an diesem Snmptom ließen sich bereits im September 1939 die Aussichten der britischen Kriegstreiber ablefen.
Und es kam, wie es kommen mußte. Der 13. Koalitionskrieg hat endlich den englischen Bann gebrochen und den befreiten Völkern den Weg zum Verfolg ihrer eigenen nationalen Interessen eröffnet Der Außenseiter Europas, der sich durch feine Zermürbungs- und Ausblutungstaktik zum politischen Diktator des Festlandes aufgeschwungen hatte, muß heute in ohnmächtiger Wut mitansehen, wie das von ihm mit einer verbrecherischen Konsequenz ohnegleichen errichtete europäische Gefängnis von den siegreichen Achsenmächten g e s p r e n gt und statt dessen eine gesunde natürliche Lebens- stätte noch während des letzten Kriegsaktes und unter Mithilfe früherer „Freunde" Englands errichtet wind.
Der zwischen Deutschland, Italien und Japan ge- schlossene D r e i e r p a k t hat sich, trotz der Kürze feines Bestehens, als sicheres Fundament für den Neubau Europas und die Schaffung einer besseren Weltordnung erwiesen. Der Beitritt Ungarns, Rumäniens und der Slowakei sowie die Anteilnahme weiterer europäischer Mächte für die von den Achsenmächten eingeleitete konstruktive Friedensarbeit beweisen, daß hier endlich wieder europäische Politik gemacht wird, d. h. daß die vom Dreierpakt ausgehende neue politische Atmosphäre nicht Trennungen und Feindschaften, sondern di« friedliche und fruchtbare Zusammenarbeit der Völker bewirkt. Die endgültige Ausbootung Englands aus dem europäischen Völkerleben erweist sich also schon in ihren ersten Anfängen — selbst unter günstigsten Begleitumständen — als äußerst segensreich und vielversprechend.
Wie überaus kläglich nehmen sich demgegenüber die politisch-diplomatischen „Taten" der Engländer aus. Da meldet London z. B., daß es nun gelungen fei, die Vertreter der Pseudoregierungen von Polen und der Tschecho-Slowakei miteinander aus- zusohnen. Noch kennzeichnender ist die Sehnsucht nach einer Konferenz der in England lebenden fahnenflüchtigen Exilregierungen vom Negus bis zu de Gaulle. Man möchte an der Themse allem Anschein nach ein neues „Europa in der Westentasche" nach eigenem Geschmack auf bauen. Die einziae aktive Politik Englands wird inzwischen vom Secret Service gemacht.
Gerade aber diese krampfhaften oder verbrecherischen Bemühungen der britischen Politik unterstreichen immer nur aufs neue, daß England nicht zu Europa gehört und nie zu der Völkergemeinschaft des Festlandes gehört hat. Der geschlagene Eindringling jeißt selber durch die ganze Torheit und Skrupellosigkeit seiner ständigen Kriegsausweitungsversuche, wie wenig ihm an der Zukunft Europas gelegen ist.
Dieser Zustand mußte eintreten, um den Volkern des Fefllandes ein für allemal die Augen zu öffnen. Die britische These vom notwendigen Gleichgewicht der Kräfte auf dem europäischen Kontinent ist endlich allgemein als das erkannt, was sie m Wahrheit immer war und blieb, nämlich: eine
Aufforderung zum ständigen gegenseitigen Völkermord zu höheren Ehren Britanniens. Das neue Europa hat aber nicht den Tod, sondern das Leben auf feine Fahnen geschrieben. Daher sind die Völker des Festlandes auch bereit, sick gegen jeden äußeren Eindringling zusammenzuschlietzen und ihr Schicksal unter Führung der Stärksten g e - meinsam zu meistern. Der Kontinent will nicht für die britische Plutokratie sterben. Im Gegenteil, Europa will künftig ohne England leben.
Bremm.
Die USA unter Dem Eindruck der deutschen Erfolge zur See.
Neuyork, 5. Dez. (Europapreß.) Die rapide steigenden britischen Tonnagverluste werden von der gesamten Presse in größter Aufmachung gemeldet. Ferner steht die Abreise Roosevelts zu zehntägiger Kreuzfahrt in den westindischen Gewäs-
2Mobe3aneiro,5. Dez. (D)lB.) United Preß meldet einen Uebersall. dem der brasilianische Dampfer „3 t a p e" durch einen britischen Kreuzer im Bereich der panamerikanischen Sicherheitszone ausgesetzt war. Der britische Hilfskreuzer „Carnavon Castle" hatvorderbra- sitia n i sch en Küste die „3tape“ ungehalten und feine Last sowie feine Schiffspapiere durchsucht. An Bord der „3tape“ befanden sich 22 deutsche Passagiere. die von dem englischen Kreuzer an Bord genommen wurden. Der Kapitän der „3fapeM protestierte energisch gegen die Aufbringung innerhalb der panamerikanifchen Sicherheitszone. Der Hilfskreuzer „Carnavon Castle", der 10 Kanonen und zwei Luftabwehr- mafchlnengewehre an Bord hat, hatte ein Boot mit 20 Mann an Bord der „3tape“ geschickt, die dort sofort die Kommandobrücke, die Radiostation und die wichtigsten Positionen des brasilianischen Schiffes beseht hatten.
Große Empörung in Brasilien.
Rio de Janeiro, 5. Dez. (Europapreß.) Die Empörung der brasilianischen Oeffentlichkeit über die Enterung des Passagierdampfers „Itape" durch den englischen Hilfskreuzer „Carnavon Castle" ist groß. Die Forderungen nach Sanktionen in Form eines Anlaufverbots für englische Kriegsund Handelsschiffe in allen amerikanischen Häfen wird von den Blättern erhoben. Der nordamerikanische Vertreter der in Rio tagenden Panamerikanischen Neutralitätskommission, Professor P e n - wick, sagte zu brasilianischen Pressevertretern, daß der panamerikanische Sicherheitsgürtel dem einstimmigen Beschluß der Panamerikanischen Konferenz entspreche und sich über 300 Meilen parallel Der amerikanischen Küste erstrecke. Dieser Sicherheitsgürtel habe für alle amerikanischen Länder Gültigkeit und könne nicht ungestraft verletzt werden. Wörtlich erklärte Professor Pen- wick: „Die amerikanischen Länder brauchen nicht Gewalt anzuwenden, denn sie haben andere Mittel, um den Sicherheitsgürtel und den nötigen Respekt davor durchzusetzen."
Der Direktor des Abendblattes „Diario da Noite", der bisher unentwegter Parteianhänger Englands war, svricht die Hoffnung aus, Brasilien werde mit aller Energie die Auslieferung der deutschen Passagiere von der „Itape" fordern, die sich unter dem Schutz der brasilianischen Gesetze befanden. Brasilien weroe auch diesmal auf seinem Recht bestehen mit dem traditionellen Bewußtsein seiner nationalen Würde. Auch das englandfreundliche „Journal" in Rio de Janeiro schreibt, das bra- filianische Volk stehe einmütig hinter dem energischen Vorgehen der Regierung zur Verteidigung der Freiheit der brasilianischen Handelsschiffahrt und hoffe auf eine Genugtuung für die Handlungen, die die Rechte Brasiliens verletzten, und nicht nur Brasilien selbst, sondern alle amerikanischen Nationen treffen.
Die Blätter weisen darauf hin, daß' die „Itape"
fern im Vordergrund des Interesses. In den völlig unter dem Eindruck der deutschen See-Erfolge stehenden Kommentaren der nordamerikanischen Blätter kommt überwiegend zum Ausdruck, Roosevelt suche die Einsamkeit der Westindienfahrt, um neue Pläne gründlich durchdenken xu können. Die Lage Großbritanniens wird von Den nordamerikanischen Zeitungen so gekennzeichnet, daß einerseits ein englischer Hafen nach dem anderen unter der Wucht der deutschen Angriffe zerschmettert und Rüstungswerke ernstlich beschädigt würden, während auf der anderen Seite für die USA. nicht die Möglichkeit bestehe, die Lieferungen für England in entsprechendem Maße zu steigern. Die USA -Marine sei nicht bereit, weitere Zerstörer ab zu gebe n, weil sie immer noch an eine baldige Auseinandersetzung mit Japan glaube. In diesem Zusammenhang ist de Ablehnung britischer Kreditwün^che gegenüber der Gewährung eines 100-Millionenkredites für China bemerkenswert.
vor Cap San Thome gar nicht' naher an der Küste als 18 Meilen fahren konnte wegen der Gefahr, auf ein Riff zu laufen. Außerdem genüge allein Die Tatsache, daß es sich um einen Küsten- dampf er handelte, um den reinen Jnlandcharak- ter feiner Reife zu beweisen, auf Der alle Passaaiere unter Dem Schutz Der brasilianischen Flagge standen. Das Schiff habe nur Dem Transport inländischer Waren gedient und nur der Beförderung von Passagieren, Die sich in Den Häfen Südbrasiliens unter Der brasilianischen Flagge einschifften und deshalb alles Recht hatten anzunehmen, daß sie weiter auf brasilianischem Gebiet blieben bis zur Ausschiffung in einem Hafen Nordbrasiliens. Die brasilianische Presse findet es besonders auffallend, daß der Leiter des Enterkommandos des britischen Hilfskreuzers „Carnavon Castle", als er an Bord Des brasilianischen Dampfers „Itape" kam, b e - reite eine Liste Der Namen aller 22 deutschen Passagiere, Die Dann auch mitgenommen morDen sind, mit sich führte. Die Zeitungen sprechen von einem Skandal und sehen hierin einen A kt der eng li scheu Spionage, Die englischen Piratenschi, fe Listen unerwünschter Passa-' giere an Bord eines brasilianischen Dampfers übermittelt. IeDermann kenne in Rio De Janeiro die hauptsächlichen Mitglieder Des britischen Intelligence Service. In einer Erklärung Des Kapitäns Des brasilianischen Frachters „Taquy" einem Journalisten gegenüber wird der Verdacht geäußert, daß Die EnglänDer in Rio De Janeiro einen Geheimsender besitzen. Der erspähte MelDungen an britische Schiffe auf See funke. Es ist eine häufige Erscheinung, Daß brasilianische Küstendampfer von britischen Kriegsschiffen unter Scheinwerfer 'genommen werben. Die britischen „Aufpasser" halten es nicht für nötig. Die üblichen Funkrückfragen Der brasiilianischen Schiffe zu beantworten. Im Abendblatt „Tarde" heißt es, England habe die Neue Welt herausgefordert. Der Fall „Itape" liege ähnlich wie der Fall des deutschen Dampfers „A l t m a r k", der in norwegischen Hoheitsgewässern durch einen englischen Zerstörer geentert wurde.
Gefährliche Freunde.
Montevideo, 5. Dez. (Europapreß.) Dor der „Propaganda des UZA.-Jmperialismus und dek einer anderen Großmacht, die das politische Spiel der Wallstreet mitmacht", warnt „Tribuna Populär". Angesichts Des Zusammentreffens Des argentinischen unD des uruguayischen Außenministers erklärt das Blatt, daß die Verteidigung der La - Plata • Mündung ausschließlich eine Sache von Uruguay und Argentinien ist. Beispiele in Mittelamerika zeigten, daß Nordamerika Dort Das Gastrecht mißbrauche. Wo einmal Gastfreiheit gewährt worden fei, verwandele sich Der USA.-Gast schnell zum Dauermieter und schließlich zum h a u s b e - I i 8 e r.
Auch der als Militärfchviftfteller bekannte chilenische General Saez geht auf Die PropaganDa für eine militärische Zusammenarbeit aller ameritanb
Britischer Piratenakt vor der brasilianischen Küste.
Von brasilianischem Dampfer im Bereich der panamerikanischen Sicherheitszone 22 Deutsche von Bord geholt. '
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terhausrnitgliedern bat sich erhoben, um Dem Mini« « fter einen stechen Lügner zu nennen. Das genügt ' Und dabei will Churchill doch 1942 die große Oft | fenfioe gegen Deutschland starten und „ungeheure '> Truppenmassen auf dem Festlande landen, wenn * erst die deutsche Luftüberlegenheit gebrochen ist!"
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scheu Staaten ein. Er warnt eindringlich vor Derartigen Belastungen und betont, Daß wirtschaftliche Arbeit viel nötiger sei. Südamerika brauche Absatzmärkte und Wirtschaft». Hilfe, aber nicht Rüstungen. Die angebliche .Hnvasionsgefahr" sei eine Utopie. Tatsächlich würde Die größte Gefahr für Südamerika ein Ein.- ■] gehen auf die „Verteidigungspläne" der Vereinig.' " ten Staaten und Die Damit verbundenen untragbaren Belastungen fein.
Berlin, 5. Dez. (DNB.) Zum Tode des ®?n<- M(jl ralmajors Wolff vou Stutterheim erließ p ftL h Reichsmarschall Goring foIgenDen Nachruf:
„An Den Folgen seiner im Feldzug gegen Frank . 5 reich erlittenen schweren Verwundungen starb am } 2.12.1940 für Führer und Volk der Generalmajor i Wolff von Stutterheim, Inhaber des Ritterkreuzes 5 zum Eisernen Kreuz und Ritter Des Ordens Pouir ö le mSrite. Mit ihm verliert die Luftwaffe einem h Offizier, Der im Weltkrieg für feine hervorragend« I Tapferkeit mit dem höchsten preußischen Orden uni p in diesem Krieg mit Dem Ritterkreuz ausgezeichnet |l wurde und der im gegenwärtigen Kampf um bi* p Freiheit und die Ehre Großdeutschlands als Conk i mobore eines Kampfgeschwaders ein einziger- i tiges Beispiel besten deutschen Sol- i| datentums gegeben hat. An EinsatzfreuDiqkeil ; |
. „Die tödliche Gefahr, die für England durch das U-Boot, Das Schnellboot unD Den Bomber entsteht, braucht man gar nicht erst hervorzuheben." Dieser inhaltsschwere Satz Der Londoner „Daily Mail" wurde in einer Situation geschrieben. Die gekennzeichnet ist durch die immer rascher anwachsenden Versenkungszahlen. Noch immer nicht hat sich Die Regierung Churchill entschließen können, auch nur eine Zeile über Die Vernichtung Des Ge. leitzuges vom 3..bzw. 4. Dezember-bekanntzugeben, diese 160 000 Tonnen versenkten Schiffsraumes — an einem einzigen Tage! — stellen immerhin über 4 Millionen Zentner wertvollster Landung an Lebensmitteln, Rohmaterialien usw. bar. Im Kon, klave Des Unterhauses aber. Das wieder einmal in Geheimsitzung tagte, hat Minister Anderson eine allgemeine Rede Darüber gehalten, Daß eine Der Hauptsorgen Der Regierung Durch die „Drohungen gegen Die SeeverbiuDungswege Englands" verursacht werde, und hat zugegeben, daß es sich Dabei für England um eine lebenswichtige Frage handele. Aber Mister Anderson hatte auf. tragsgemäß auch gleich einen Trost für die Mitglieder des Unterhauses, Deren eigene Sorge sich vorher in zahlreichen Anfragen an die Regierung geäußert hatte. Er teilte nämlich mit, daß Chur, chill seine „unvergleichliche Erfahrung in Fragen Der U-Boote, Der Luftangriffe und Der Geleitzüge" jetzt persönlich in Den Dienst bet Aufgabe stellen werde, den Engländern die zur Versorgung nötigen Seewege wieder freizumachen! , Wir wissen nützt, ob Diese Eröffnung nach dem bisherigen völligen Versagen der Churchillpolitck auf allen Kriegsgebieten noch irgendeinen Eindruck : auf die Unterhausmitglieder gemacht hat. Wir ge. stehen aber Dafür gern, Daß wir mit der Praxi» der „unvergleichlichen Erfahrungen" des Herrn Churchill gerade hinsichtlich Der U-Boote, Der Luftangriffe und Der Geleitzüge sehr zufrieden sind. Es zeugt von Der Dürftigkeit Der Ansprüche, Die das Unterhaus heute noch an Die Katastrophenregierung . Churchill stellen kann, wenn in der gleichen Sitzung f . Der englische Ernährungsminister Dalton dem il r * Haufe versichern Durfte, Daß Die „britische Blockade ft-ft gegen DeutschlanD vorzüglich funftio-• n i e r t" — niemand unter Den ehrenwerten Un=*
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und Heldenmut wird dieser hochbewährte Offizien iliiijf allen Fliegern immerdar ein leuchtendes Vorbild hip. z bleiben. Die Luftwaffe senkt in stolzer Trauer bi* Fahnen vor diesem Toten, Der Der Tapferste« ! ftih
Ursula geht wieder ins Büro.
Don ff. 3R. Tleuberi.
Ein Vierteljahr vor dem Krieg hatten sie geheiratet und eine hübsche Wohnung bezogen. Jetzt war Ursula allein in ihrer Wohnung. Seit sechs Monaten war Werner Soldat. Da sie nicht gewohnt war, untätig zu sein, war sie unaufhörlich beschäftigt: mit dem Aufräumen Der Zimmer, mit Einkäufen, mit Strickarbeiten/ Briefeschreiben und Telephongesprächen. Die Korrespondenz wurde bald «hre Hauptbeschästibung. Sie schrieb nicht nur an Werner, der natürlich die meisten Briefe bekam, sie schrieb auch an Tanten, Nichten, Neffen und halo- vergessene Freundinnen. Briefeschreiben und Telephonieren lag ryr ja sozusagen im Blut, von ihrer früheren Tätigkeit als Sekretärin her.
Mit Der Zeit aber merkte sie, Daß sie dies alles nicht befriedigte, daß viel ßeerlauf in ihrer Geschäftigkeit war. In dieser Zeit traf sie in einem Kaufhaus zufällig eine Bekannte aus ihrem früheren Wirkungskreis. Jene Dame fragte nach Ursulas Ehe, nach ihrem Mann, und ob schon „etwas Kleines" angekommen wäre. Als Ursula etwas verlegen verneinte: „Noch nicht!", kam man auf das Büro zu sprechen. Ursula hörte, was beim alten geblieben war und was sich inzwischen verändert hatte. Sie sah plötzlich ihr Bürozimmer mit Der Schreibmaschine und Dem Telephon vor sich. Eine Vase mit Blumen stand wie immer auf dem Tisch, und die Sonne lugte ins Zimmer.
„Der hat Denn ietzt meinen Platz?" fragte sie unvermittelt. Sie horte einen fremden Namen. „Uebrigens", lächelte die Bekannte, „Dr. Brauns hat Sie neulich noch gelabt"
Ursula errötete ein wenig. Sie hätte gerne noch weiter geplaudert, aber die Dame blickte auf ihre Uhr und verabschiedete sich plötzlich. „Sie werden verstehen, ich habe wenig Zeit. Büro und Haushalt! Sie haben es ja besser!"
Sett dieser Begegnung ging Ursula ein Gedanke nicht mehr aus dem Sinn. Konnte sie ihre Zeit nicht viel nutzbringender verwenden? Vielleicht konnte sie wieder bei ihrer alten Firma anfangen, wo man so zufrieden mit ihr gewesen war. Am liebsten hätte sie Werner von ihrer Absicht geschrieben, aber sie fürchtete, daß er damit nicht einver
standen sein würde. Seit sie im letzten Jahr einmal ernstlich krank gewesen war, war er immer etwas übertrieben besorgt um sie. Aber sie war ja längst gesund. Sie würde es schon schaffen. Essen konnte sie ja in Der Kantine Der Fabrik, und was es rouft noch zu besorgen gab, nahm ihr vielleicht manchmal jemand im Hause, ab.
So ging sie eines Tages au Dr. Brauns. „Fräulein Solf!" rief er überrascht aus, „Verzeihung, Frau Mertens!" Sie brachte ihr Anliegen vor. Dr. Brauns lachte. „Das trifft sich ausgezeichnet. Sie können sogar ihren alten Platz einnehmen. Frau ÜBeinert aeht zum Ersten." Und Da er ihre lieber« raschung sah, setzte er lächelnd hinzu: „Sie erwartet nämlich ein Kind!"
Etwas aufgeregt war Ursula in den Tagen vor ihrem Dienstantritt. Nun war es entschieden. Was würde Werner sagen? Wie würde sie mit allem fertig werden? Denn so einfach wie früher war es Doch nicht mehr. Sie hatte nun Die Wohnung, Die Verhältnisse waren schwieriger geworden. Aber sie wollte es schaffen. Sie vertraute sich ihrer Nachbarin an, einer älteren Dame, Die sofort bereit war, ihr manche Besorgung abzunehmen, wenn es nötig sein sollte.
Der Monatserste kam, und Ursula trat ihren Dienst an. Auf ihrem Tisch fand sie einen Blumenstrauß, Den ihr Die alten Mitarbeiterinnen hingestellt hatten. Sie fühlte sich rasch wieder heimisch in diesen Räumen, fand auch bald den rechten Ton zu Den Kolleginnen und Kollegen. Einige neue Ge sichter waren Da, manche fehlten. Sie fragte nach. Pahlk, einem jungen Menschen aus Der Registratur, der sie in seiner schüchternen Art immer em bißchm verehrt hatte, ohne Das sie es ernst genommen hätte. Sie hörte, daß er in Polen gefallen sei. Es ging ihr nahe, und sie saß etwas versunken vor ihrer Schreibmaschine, aber Dann flutete Die Arbeit zu ihr und ließ ihr keine Zeit mehr zu Grübeleien ...
Nun ging sie schon einige Wochen wieder ms Büro, hatte sich eingelebt und war mit allem fertig geworden, auch wenn es manchmal nicht leicht fiel. Werner hatte sie noch nichts Davon geschrieben. Sie wollte ihn überraschen, wenn er Weihnachten auf Urlaub kommen würde. „Gut siehst du aus!" würde er sicher sagen. Dann konnte sie es ihm ja gestehen und — ihr Sparkassenbuch holen, denn was sie durch ihre Tätigkeit mehr verdiente, wollte sie für
Anschaffungen sparen, die für das Kind nötig sein würden.
Eines Tages aber kam Werner unerwartet nach Haufe. Er hatte unverhofft Urlaub bekommen. Zwar hatte er ihr noch geschrieben, doch der Brief kam am gleichen Morgen an, an Dem auch Werner eintraf, und Ursula war schon ins Büro gegangen. Werner rief vom Bahnhof aus zu Hause an. Niemand meldete sich. Sie wird auf den Markt gegangen fein, dachte er. Als er eine halbe Stunde später vor seiner Wohnung stand, lärmte er vergnügt mit Der Briefklappe an der Tür, um sich anzumelden, aber auch dieses Zeichen blieb unbeantwortet. Er schloß Die Tür auf und trat in Die Wohnung. Im Flur lag fein Brief auf dem Fußboden. Ursula mußte fortgegangen sein, bevor der Postbote gekommen war.
Na, sie muß ja bald kommen, sagte er sich, packte ein Paket aus, in Dem er Eßwaren mit geb rächt hatte, und begann zu essen. Dann wurde er müde, legte sich auf Die Couch, um ein bißchen zu ruhen Als er erwachte, war es schon Drei Uhr nachmittags Erschrocken richtete er sich auf. „Ursula", rief er, „warum hast Du mich so lange schlafen lassen?" Er nahm an, sie hätte sich auf Zehenspitzen wieder ans Dem Zimmer geschlichen, als sie ihn schlafend fand. Im Nebenzimmer hatte sie sicher Den Kaffeetisch hergerichtet. „Ursula", rief er noch einmal. Sein Ruf blieb ohne Antwort. Er lief ins Nebenzimmer, Der Tisch war ungeDeckt, er lief ins Nebenzimmer, Wohnung, Ursula war nicht da. „Merkwürdig", murrte er. Auf einmal schlich sich Mißtrauen in seine Gedanken. Vielleicht war sie die Nacht gar nicht heimgekommen? Gleich schalt er sich aus. Dumme Gedanken. Ader er lief Doch ein wen-g wütend durch die Zimmer.
Die Schritte hörte Frau Gürtler, Die ein Stockwerk tiefer wohnte. Die etwas ängsttiche Dame wunderte sich. Wer konnte Denn jetzt Da oben in der Wohnung fein. Die junge Frau war doch im Büro.
Frau Gürtler dachte an Einbrecher und klingelte ihren Flurnachbarn heraus. Dem sie von ihrem Verdacht Mitteilung machte. Herr Kadelberg wechselte erst einmal seine weichen Hausschuhe mit festen Straßenschuhen, verbarg für alle Fälle feinen Gummiknüppel in feinem Rockärmel, Dann stieg er mit Frau Gürtler Die Treppe empor. Vor der Tür lauschten sie angestrengt auf die verdächtigen Schritte. Als sie klingelten, hielten sie es plötzlich
für Leichtsinn, diese Sache ohne Schutz eines Wachb meisters übernommen zu haben. Wenn nun wirklich Einbrecher mit vorgehaltenem Revolver heraussprangen, um sich rücksichtslos einen Weg g» bahnen?
Sie hörten Schritte sich nähern, die Tür ®ur&e mit einem Ruck geöffnet und — nein, es spränge« keine Einbrecher mit Revolver und Gesichtstuch heraus^ Der Besitzer der Wohnung selber, der auf Urlaub gekommene Herr Mertens steckte ein menij ärgerlich den Kopf heraus.
„Sie find's, Herr Mertens, stotterte Frau Gürtler.
„Wer falls Denn sonst fein?" knurrte Der Soldat.
„Weiß Denn Ihre Frau ...?" wagte Frau Gürtler zu fragen.
„Nichts weiß sie, und ich auch nicht", machte er seinem Herzen Luft, „wissen Sie, wo sie steckt? W etwas passiert? Ist sie verreist? Ist sie ..."
„Ach Gott," sagte Frau Gürtler, „passiert ist nichts, es geht ihr gut, nur ..."
„Was nur?" Aber da sie noch im Flur stand, besann er sich und bat sie herein, während Herr Kadeil- berg zu seinen weichen Hausschuhen ellte. Nun ci- zählte Frau Gürtler lang und breit, wo Ursula roit und weshalb sie es ihm noch nicht geschrieben hat!*.
Werner ging auf und ab. „So!" sagte er mm, „so!" Weiter nichts. Was aing in ihm vor? Plötz' aber lachte er. Er sah auf Die Uhr, nahm MuAr und Koppel, schob Frau Gürsier zur Tür hinaus, schloß die Wohnung ab und lief die Treppen hinunter, immer Drei Stufen auf einmal.
Als Ursula nach Büroschluß auf Die Straße tm sah ske an der Stelle, wo früher manchmal SBernef auf sie gewartet hatte, einen Soldaten, der sie M Werner erinnerte. Sie blickte schärfer hinüber, un) Der Soldat eilte jetzt über den Fahrdamm. Da er kannte sie ihn. Die Freude machte sie ganz starr. & trat auf sie zu, überreichte ihr einen kleinen Blumenstrauß und sagte lächelnd: „Wie einst im Maik
Nachher saßen sie in Der kleinen Konditorei, dik in der Nähe lag und früher manchmal von ifjnti besucht wurde, wenn er Ursula abgeholt hattt-
Werner war nicht im mindesten böse. Er verstand Ursula. Und wie gut sah sie aus, die Freute hatte ihre Wangen gerötet. »Kleiner Kamerad? sagte er. Es war ein neuer Klang in seiner Stimm, nicht mehr übertriebene Sorge, sondern Anerkenn nung, Freude und Stolz.
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