„Ein kleines Ausblitzen von Licht".
Ein englischer Geschwaderführer über den Angriff auf Sylt.
Amsterdam, 6. April. (DNB.) Nachdem in der ganzen Welt trotz aller Bemühungen Churchills bekannt geworden ist, daß der zur innenpolitischen Stützung des Kabinetts Chamberlain inßem-erte Luftangriff auf Sylt" vom 19. März eine peinliche Blamage darstellt, unternimmt jetzt der LustfahrtsachverstäMge der „Times" noch einen letzten Versuch, um in einem „Rückzugs- gefecht" zu retten, was noch zu retten ist. Der Korrespondent hat sich die Genehmigung eingeholt, einen der am Angriff beteiligten Geschwaderführer zu interviewen. Durch diese Unterredung sollten, wie ausdrücklich in der Einleitung erklärt wird, „alle die zweifelhaften Punkte aufgeklärt werden, die in den letzten Wochen so viel diskutiert worden sind".
Diese Aufklärung wird allerdings restlos geliefert. Hören wir, was der Geschwaderführer zu berichten weiß: „Unsere Flugzeug durchbrach das deutsche Abwehrfeuer. Unser Bombenschütze war jedoch unzufrieden mit dem ersten Angriff, und es wurde ein zweiter Angriff unternommen, in dessen Verlauf schwere Bomben abgeworfen wurden. Ähre Erschütterungen konnten im Flugzeug verspürt werden. Der Pilot sagte aber, daß sie als Schauspiel enttäuschend waren (!). Alles, was man beobachten konnte, war ein kleines Aufblitzen von Licht (!)."
Dies ist wörtlich di« gesamte Schilderung des An- griffes in dem Interview. Hindenburg-Damm beschädigt? Mehrere Flugzeughallen vernichtet?
Schwere Zerstörungen auf dem ganzen Gelände des Flugstützpunktes? Nein, einer der dabei war, erklärt: „Ein kleines Aufblitzen von Licht." Das war die ganze beobachtete Wirkung!
Das schönste an dem Interview ist jedoch der Abgesang. Da er übst den Angriff auf Sylt beim besten Willen nichts Erschütterndes außer der Flugzeugerschütterung zu berichten wußte, schilderte der Offizier außerdem noch seine Abenteuer bei seinem Flug nach — Berlin. Der Luftsachverständige der „Times" sah hier eine willkommene Gelegenheit zur Erhöhung des feilen Honorars und notierte gewissenhaft die Tatsache, daß der Flug über Deutschland in einer Höhe erfolgt sei, daß die ganze Besatzung höhenkrank wurde. Diese Höhenkrankheit scheint bei dem Offizier noch anzuhalten, denn er erzählte dem Luftfahrtsachverständigen zum Abschluß eine Geschichte, die wir uns nicht versagen können, ohne di« geringste Aenderung, wörtlich zu übersetzen: „Bei einer Gelegenheit haben sich die englischen Flugblätter scheinbar wirksamer erwiesen, als manche Leute glauben. Als die britische Maschine von einer Messerschmitt verfolgt wurde, warf man Flugzettel heraus, und die Messerschmitt, wahrscheinlich mit ihnen „bepflastert", drehte daraufhin sofort ab!"
Daß ein Blatt wie die „Times", die ernst genommen werden will, ihrem Leserkreis eine solche Geschichte vorzusetzen wagen kann, läßt wahrlich tief blicken!
„Wir fliegen unseren Schatten nach."
...(PK.) Wenn am frühen Morgen der Fernsprecher klingelt, um ans Aufstehen zu erinnern, und fast gleichzeitig der Wecker rasselt, — sicherheitshalber — wenn man sich dann hinter den verdunkelten Fensterscheiben anzieht, dann merkt man noch nichts vom Wetter und spritzt optimistisch hinüber ins Kasino.
Wir hatten uns ein Säuwetter ausgesucht, verdammt noch mall Wäre ich ein wackrer ziviler Staatsbürger wie vor Jahresfrist, dann würde ich ins Bett zurückkrabbeln. Ein Wetter, in dem selbst die Krähen nur ein paar verrostete Töne von sich geben, in dem des Hausmeisters Katze mit eingekniffenem Schwanz durch die Gänge schleicht, ein Wetter mit tiefer Wolkendecke und strömendem Regen, — Pfui Teufel!
Nun ist man schon einmal draußen und ärgert sich, daß der Start verzögert wird. Besonders ärgert sich der jung« Leutnant, mit dem ich heute fliege und den seine Besatzung freundschaftlich und mit einem anerkennenden Unterton „pimpft".
Wir saßen schon in der Maschine, deren, gelbe Propellernasen selbst an diesem grauen Tag noch hell leuchten, als ein Unteroffizier in Trab angewetzt kommt und bei erhobenen Armen die Hände kreuzt: Für den Flugzeugführer das Zeichen, die Feuer auszumachen und die Motors abzustellen.
Eine halbe. Stunde später rollen wir dann doch über den Platz. Maschinen vor uns, Maschinen hinter uns. Die ersten sind weg, grell pfeifen die Motore — nun rechts und links zu unseren Kettenhunden, dann Gashebel vorgeschoben — Start!
. Fliegen wir in der Luft oder schwimmen wir durchs Wasser? Man müßte im Zweifel sein. Wo sind die Häuserspitzen der Stadt, unter uns, neben uns? Wo die anderen Städte? Eegal, wir fliegen. Wir haben einen Befehl, der gibt uns den Auftrag und den Kurs. Er führt die Besatzung Über die deutschen Nordseeinseln auf das Meer hinaus, das sie nun schon so oft gesehen haben. An der Küste schon empfängt uns besseres Wetter.
lieber der Nordsee ist der Himmel blau, wir haben Wind und Sonne im Rücken. Vor uns eilt über die Wellen der Schatten des Flugzeuges, der sich scharf von der grauen See abzeichnet.
Es sind viele Stunden vergangen, als bei dem Blick, der voraus über die Wellen schweift, uns wieder das gleiche Bild auffällt. Wieder schwebt der Schatten unserer Maschine über See, wieder haben wir die Sonne im Rücken; nun ist es Nach
mittag geworden und unser Heimatkurs geht ostwärts.
Viel liegt dazwischen. Die ganze Uebersicht ergibt erst am Abend die Sammlung aller Gefechtsmeldungen beim Geschwader; denn es ist eine große Anzahl von Angriffen geflogen worden nach dort oben, wo sich die brifische Schiffahrt zurückgezogen hat, dort, wo noch Geleitzüge verkehren, oder bewaffnete Handelsschiffe, von Kreuzern und Zerstörern umgeben, neuerdings auch noch von Flugbooten zusätzlich geschützt werden.
Die englischen Vorpostenboote hat- ten einen schweren Tag. Eine ganze Reihe von ihnen wurde erfolgreich angegriffen. Hier wurde eins In Brand geworfen. Im Norden sank ein anderes innerhalb einer Minute, — wir zählen diese kleinen Fahrzeuge kaum mehr.
Kameraden in einem anderen Flugzeug erzielten einen Bombentreffer auf einen vor einem Geleitzug fahrenden Zerstörer, und ein bewaffnetes Handelsschiff bekam einen Volltreffer mittschiffs gerade neben dem Schornstein. Ein anderes Handelsschiff blieb mit Schlagseite beschädigt liegen, und ein weiteres unserer Kampfflugzeuge setzte einem 6000-Brt.-Darnpfer einen Treffer auf das breite Deck. Das Ergebnis dieses Angriffs sind sechs bis sieben zum Teil vernichtete, zum Teil schwer beschädigte Schiffe, unter denen sich ein Zerstörer befindet, während die übrigen bewaffneten Handelsschiffe und Dor- postenboote sind.
Eine großzügige Aufklärung hat am 3. April den Raum zwischen der skandinavischen Halbinsel und den Shetlands und Orkneys erfaßt und dort die Karawanen der britischen Versorgungswirschaft gestört. M. Joachim Tidick.
Versengt, verbrannt, gestrandet.
Amsterdam, 5. April. (DNB.) London sieht sich genötigt, die Zerstörung des englischen Vor- p o st e n s ch l f f e s „Gorspen" durch deutsche Flugzeuge zuzugeben. Es sei so schwer beschädigt worden, daß die Besatzung das Schiff verlassen mußte.
lieber weitere britische Schiffsverlust« berichtet das holländische Blatt „Maasbode". So sei das 4236 BRT. groß« Schiff „Farndale" auf der Fahrt von Westafrika nach England in Brand geraten und habe bei Takoradi auf Grund gesetzt werden müssen. Der Dampfer sei verloren. Weiter
i am;> enbgültig vom Reiche getrennt. Somit waren K3t öie Mündungen aller deutschen Flüsse, des Ryeins, der Weier der Elbe, der Oder und der Weichsel in den Händen fremder Mächte: eine fernere Schädigung des deutschen Handels.
Auch die Ordnung der Innenverhältnisse des Deutschen Reiches wurde ganz nach dem Wunsch des Auslandes, besonders der Franzosen, durch- aeführt. Alle Reichsstände erhielten die volle Souveränität, waren also der Zentralgewalt nicht mehr unterstellt Sie durften sogar mit auswärtigen- Mächten Bündnisse abschließen, nur nicht gegen Kaiser und Reich: eine Bestimmung, die oft übertreten wurde. Damit war das Reich in seine Bestandteile aufgelöst. Es gab kein wirkliches Reichsoberhaupt mehr, kein Reichsheer, keine Reichsminister, keine Reichsdiplomatie und fast kein« Reichseinkünfte. Nicht weniger als 2 4 0 Einzel- floaten standen lose nebeneinander ohne organische Verbindung miteinander. Der Reichstag zerfiel in drei Kurien, die Kurfürsten (8 Stimmen), den Fürstenrat (69 Geistliche,- 96 weltliche Fürsten, dann 6 Stimmen der Prälaten, Grafen und Herren) und die Reichsstädte (61). Ein Reichstagsbeschluß konnte nur zustande kommen, wenn der Kaiser und die drei Kurien zustimmten. Das ehemals so mächtige Deutsche Reich war ein ohnmächtiges Gebilde geworden, mit dem die Feinde machen konnten, was sie wollten.
Kaum ein Menschenalter nach dem Frieden, im Jahre 1681, konnte Ludwig XIV. Straßburg be- setzen, ohne daß sich auch nur eine Hand erhob, um die alte deutsche freie Reichsstadt zu schützen. Und 40 Jahre nach dem Frieden ließ der „allerchristlichste König" Ludwig XIV. die blühende Pfalz in eine Wüste und das wundervolle Heidelberger Schloß in eine Ruine verwandeln. Das Deutsche Reich hatte nicht die Kraft, sich dagegen zu wehren. Aber diese völlige politische Ohnmacht des Reiches war gerade das, was die Feinde, in erster Linie die Franzosen, wünschten und noch heute wünschen.
Der französische. Historiker Bainville hat in seinem Buch „Geschichte zweier Völker", das 1915 erschien, die letzten Ziele der französischen Politik mit voller Klarheit enthüllt. Er bezeichnet dort als Absicht der Franzosen die „Vermehrung der Zwietracht und Anarchie in Deutschland durch ein« ständige Intervention". Und zu dieser Intervention war ja Frankreich als einer der Garanten des Westfälischen Friedens berechtigt. Dom Westfälischen Frieden sagt Bainville: „Man trieb die Zerstückelung Deutschlands, die Ausnutzung des deutschen Parttkularismus bis zum äußersten. Die Urheber des Westfälischen Friedens hatten auf den deutschen Parttkularismus, auf persönliche Interessen, die Eifersucht und Eigenliebe der Fürsten und der deutschen Stämme ein unentwirrbares System gegründet. Deutschland als Nation schien darin auf immer crWckt." Leider hatte Bainville recht, denn bei den Friedensverhandlungen hatten die deutschen Fürsten zum Teil mit Hilfe des Auslandes ohste Rücksicht auf die Interessen des Reiches ihre eigenen Wünsche durchaesetzt. Es war eben damals jedes Hattonalgefühl erloschen, und jeder Reichsstand dachte nur an feine eigenen politischen Ziele. „Sie gefielen sich in ihr«r Anarchie" sagt Bainville mit Recht; auch der deutsche Reichstag war kein Träger des nationalen Gedankens. Von ihm sagt Bainville: „Nach der Berechnung seiner französischen Inspiratoren war der deutsche Reichstag des Westfälischen Friedens ein Konservator der deutschen Anarchie."
Man kann verstehen, daß die Feind« mit dem Westfalischen Frieden zufrieden waren und jetzt den Wunsch haben, einen neuen Westfälischen Frieden zu erreichen. Aber das darf nicht geschehen. Der Zustand, in den Deutschland durch den Westfälischen Frieden versetzt wurde, war so furchtbar, so schmachvoll, so unerträglich, daß all« Kräfte angespannt werden müssen, um ein solches Schicksal von Deutschland fernzuhalten.
„An der Grenze des Unglaublichen/'
Stockholm, 6. April. (DNB.) Unter der lieber schrift „An der Grenze des Unglaublichen" beschäftigt sich „Nya Dagligt Allehanda" mit der berüchtigten Europakarte im Arbeitszimmer des französischen Ministerpräsidenten R e y n a u d. Dabei wird rin großer Aufmachung unter Wiedergabe des bekannten Bildes der Plan eines „neuen Europa", wie «r sich in den Hirnen der Vlutokratenclique spiegelt, veröffentlicht und die deutsche Reaktion gegen diese Ausgeburten eines krankhaften Hasses verzeichnet.
Die beste Kraft kommt aus den Wurzeln.
Von Karl Heinrich Waggerl.
Der Dichter, von dem mir schon eine Reihe größerer und kleinerer Werke in unseren Spalten veröffentlicht haben, wird auf dem „Festlichen Abend" der Gießener Woche für Kunst und Literatur lesen.
Ich stehe in meiner Kammer vor dem offenen Fenster. Es ist Nacht, ein schwerer Regen rauscht vom Himmel nieder. Das Wetter kam von Süden her. Vordem war das Land weithin vom Schein der Gestirne mild erleuchtet, aber dann schleppte di« Wolke Finsternis in das Tal herein. Ich sah, wie sie den fliehenden Mond fing und verschlang, die ängstlichen Sterne alle, sie fraß und fraß den Himmel leer, und zuletzt legte sie sich satt über den Berg, und aller Licht war ausgelöscht.
Ich wende den Kopf und schau umher, ob ich nirgends einen Schatten der vertrauten Dinge wie- derfände, aber es ist nicht das geringste zu erkennen, kein Baum, kein Haus, auch kein Lichtschein in der Nachbarschaft, nichts. Und es währt so, bis endlich die bleiche Helle eines Blitzes den Himmel wieder pon der Erde tr«nnt. Dann, während der grobe Donner um das Haus poltert und stampfend wiederke-hrt und gurrend verstummt, dann schwebt für eine Weile em tröstliches Bild vor mir in der schwarzen Leere. Es ist bas geliebte Land, wie ich es immer sehe, jeden Morgen, wenn ich an das Fenster trete und mir den Schlaf aus den Augen reibe, und noch des Abends, wenn die friedvolle Dämmerung auch meine Unraft zur Ruhe bringt. Die Berge im Umkreise, die Felder, von weißem Dampf uberwallt, lichte Baumkronen, die der Wind beugt, das alles tritt für einen Augenblick aus der Nacht, verklärt von einem zauberischen Licht. Das Dach des Nachbarn auch, die Zäune und Wege im Wafferglanz, und einmal sehe ich «inen Hund, der eilig durch den spritzenden Regen nach Hause läuft.
Auch diesen Hund kenn« Ich, er hat noch einen weiten Weg vor sich. Ich sah ihn schon am Abend vor dem Haus des Krämers sitzen, und da redete ich ihm zu. Treff, sagte ich, geh heim, das hat gar keinen Sinn. Das Krämerhündchen ist zu fein für dich, es trägt ein seidenes Halsband und nährt sich von Zuckerbrot, und du bist bloß fo ein Köter und piol zu groß obendrein, du hast überhaupt kein
Halsband und lebst vom Schafhirten mit deinem Herrn. Nur ist dein Herr klüger als du, der heult nicht unter dem Fenster der Krämertochter, sondern er geht zu seinesgleichen auf die Almev-
Ich lehne ja selber hier am Fenster und habe das Herno naß auf dem Leib« kleben, statt daß ich ins Warme kröche und schliefe. Und dabei ist das noch gar nicht mein bestes Narrenftück, es gab eine Zeit, da rannte ich auch des Nachts im Regen umher, ein seidenes Halsband war nicht der Grund, aber ein samtenes, mit einem roten Herzchen daran. Und der Hals, um den es hing, der war schwanenweiß und oiel zu zart für meinesgleichen; ich war nichtst weniger als ein Schafhüter, ich weiß gar nicht mehr, wovon ich mich damals nährte. Aber das ist lang vorbei. Jetzt ist es nicht mehr die Torheit der Jugend, die mich nachts zuweilen an das Fenster treibt und nach einem Stern am verhängten Himmel suchen läßt. Mit den Jahren bin ich seßhafter geworden, das muß man mir zugute halten, bedächtiger in meinem Wesen, klüger wohl nicht, aber ruhiger. Ich war ja auch unterwegs, war Soldat im Kriege, war auf Reisen in vielen Ländern und Städten, aber es wurde mir nie wirklich wohl in der Ferne; ich begreife jetzt, warum das Wort Elend vor alters soviel wie Fremde bedeutete. Seither bin ich daheim geblieben, da tue ich meine geringe Arbeit unter den anderen, und oft stehe ich eben eine Weile so da und schaue mich um, und dann wird mir leicht und fröhlich zumut, weil ich alle die bekannten, die getreuen Dinge um mich versammelt finde.
Denn die Heimat ist das Bleibende, das Sichere, sie ist die Erbgnade für unser unseliges Geschlecht. Ich höre sagen, das sei Schwärmerei, es liege nichts daran, ob einer an dem ober jenem Ort der Welt werke und sich ums Dasein plage. Menfchen hätten doch die Grenzen gesteckt, sie seien vom Zufall oder vom Wechselspiel der Geschichte bestimmt worden, da sei kein Zauber im Spiel, nichts Innerliches und Unwägbares, die Heimat schaffe sich der Mann, wo ihn sein Schicksal hinttüge — nein, ich glaube das nicht. Ein Mensch kann nicht überall daheim fein, zu Hause wohl, aber nicht daheim.
Ich muß daran denken, wie mir geschah, wenn mir in der Fremde ein Landsmann begegnete, der von der Heimat reden konnte. Wie ich nach jedem Hügel hätte fragen mögen, nach den Bäumen ums alte Haus, nach dem Brunnen und dem Turm, ob er noch stünde. Als ob es nicht auch anderwärts Hügel und Bäume und TürMe gäbe! Aber das meinte ich ja gar nicht, sondern der Baum, nach dem ich fragen wollte, der war mir auf geheimnis
volle Weise ins Gemüt gewachsen. Es war der Baum aus meinen Kindertagen. Denn das Heimatland ist ja in Wahrheit das Land der Kindheit, voll rätselhafter Klänge und magischer Bilder, die der Verstand nicht faßt, aber das Gemüt, weil sie uns aus einer Zeit her bewahrt wurden, in der unsere Seele selbst voll von Geheimnissen war.
Ein junger Vogel muß seine Flügel gebrauchen, versteht sich, aber ich bin schon ein älterer Vogel. Als ich jung war, meinte ich auch, ich müsse meine prüfte in der Ferne versuchen, dort müsse das große Geheimnis verborgen, die Wahrheit zu gewinnen fein. Der Sinn der Welt, dachte ich, liege in ihrer Vielfalt, also komme es darauf an, hinterher zu sein und sich umzutun, versäumt sei quch schon verloren. Das meine ich nicht mehr. So viel habe ich doch erfahren, daß alles hintergründig ist und daß man vergeblich das Ganze zu gewinnen sucht, wenn man es nicht schon in seinem geringsten Teil begreift. Die beste Kraft kommt aus den Wurzeln. Und die Wahrheit ist im Nächsten wie im Fernsten zu finden, aber überall gleich mühevoll.
Schwert am Himmel.
Der Flieger-Grotzfilm „Feuertaufe".
Auf Einladung und in Anwesenheit des Schöpfers und Oberbefehlshabers der deutschen Luftwaffe, Generalfeldmarschall Hermann Göring, des Oberbefehlshaber des Heeres, zahlreicher Reichs- Minister, fast des gesamten Diplomatischen Korps, der Generalität und der Admiralität und vieler führender Männer aus Staat und Partei fand am gestrigen Freitag eine festliche Ausführung des Großfilms „Feuertaufe" vom Einsatz der deutschen Luftwaffe in Polen, im Berliner Ufa- Palast statt.
Das Musikkorps des Regiments „General Göring" eröffnete den festlichen Akt mit der Flie- gerfanfare. Staatsschauspieler Otto Wernicke sprach den Tagesbefehl des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Generalfeldmarschall Goring, vom 1. September 1939, in dem festgestellt wurde, daß das Maß voll ist und der Einsatz der Luftwaffe befohlen wird, und darauf den Tagesbefehl, den der Schöpfer her deutschen Luftwaffe am Tage des Falles von Warschau an seine Luftwaffe erließ.
Unter atemloser Spannung rollte sodann das Filmwerk ab, das mit den Prädikaten „staats- politisch und künstlerisch wertvoll" ausgezeichnet,
sei der Dampfer „Gseneden" (4272 BRT.) bereits am 29. Januar während eines Sturmeb bei Angeles na gestrandet. Die 60 Mann Besatzung hätten sich retten können. Auch der englische Dampfer „Eldenpark" (5183 BRT.) fei in der Irischen See gestrandet. Die Besatzung habe sich ebenfalls retten können.
Ein amerikanisches Küstenwachschiff hat nach Meldung aus Neuyork 8 0 8 - Ruse des britischen Dampfers „Kintz Edward" (5244 BRT.) aufgefangen. Das englische Schiff befindet sich etwa 550 Seemeilen nordwestlich der Azoren. Deutsch-Ungarische Gesellschaft
in Berlin gegründet.
Berlin, 5. April. (DNB.) Im Rahmen der engen und ersprießlichen Zusammenarbeit Deutschlands mit den Staaten des europäischen Südostens, durch die die verzweifelten Trennungsversuche der Westmächte längst zunichte gemacht worden sind, sind auch die traditionellen Freund- schaftsbeziehungen zwischen dem Reich unb Ungarn in der letzten Zeit weiter aus- gebaut worden.
Wie schon kürzlich in den Besprechungen der Landwirtschaftsminister der entschlossene Wille zur Vertiefung der beiderseitigen Handelsbeziehungen zum Ausdruck kommt, so sind nunmehr auch dem kulturellen Austausch zwischen beiden Ländern neue Wege und Möglichkeiten eröffnet worden. Zur Pflege der deutsch-ungarischen Beziehungen auf dem Gebiet *ber Kultur und der Volkswirtschaft erfolgte in Berlin di« Gründung einer unter der Schirm, Herrschaft des GeneralfeDmarschalls von Mackensen stehenden Deutsch-Ungarischen Gesellschaft.
Es war ein festlicher Rahmen, in dem am Freitag- nachmittag im Haus der Flieger der feierliche Gründungsakt vollzogen wurde. Brachte das Erscheinen zahlreicher führender Persönlichkeiten des deutschen staatlichen und kulturellen Lebens die Anteilnahme zum Ausdruck, die der Neugründung und ihren Zielen von deutscher Seite entgegengebracht wird, so zeigte anderseits die Anwesenheit einer eigens zu biefer Feier nach Berlin entsandten ungarischen Abordnung, mit welcher Freude die Erweiterung der
Dort gibt es die notürlidieit Mittel gegen Erkältung.
dient-deiner ^MMuUied-!
kulturellen Bindungen auch in Ungarn ausgenommen worden ist.
Präsident Glaise von Horstenau betonte, daß das nationalsozialistische Deutschland fest entschlossen sei, das alte kulturelle Erde b e r beutsch-ungarischenBeziehungenwei- ter zu hegen unb zu pflegen. Der vor einigen Jahren abgeschlossene KuUurvertrag, ber schon reichste Früchte gezeitigt habe, sei einer von vielen Beweisen dafür. Das Präsidium ber Gesellschaft hat in Grußtelegrammen dem Führer und Se. Durchlaucht dem Reichsverweser v. Hort Hy ofsi- zielle Mitteilung von ber Gründung ber Berliner Gesellschaft gemacht. Weitere Telegramme würben an die Außenminister beider Länder gerichtet.
Präsident Tasnady-Nagn (Bubapestt führte in feiner Ansprache a. a. aus: „In schicksalsschweren Zeiten hat aufrichtige Freundschaft erhöhten Wert. Es ist für uns ein erhebendes Gefühl, daß wir Ihre ehrliche unb kräftige Männerhand hier auf deutschem Boden drücken dürfen. Wir bitten Sie, davon überzeugt zu sein, daß wir Ihre Hand gefaßt haben, um sie niemals wieder lo szu- lassen."
Staatssekretär Zschintzsch hielt bann ben Fest- oortrag über die Auswirkungen des deutsch-ungarischen Abkommens vom 28. Mai 1936 über die geistige und kulturelle Zusammenarbeit.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lauge. Stellvertreter des Hauptschrtftleltcrs: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und Bilder: Dr. Fr. W. Sange; für Stadt Gießen, Provin, und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner^
Druck und Verlag: Brühlsche UniversitütSdmckerei R. Lange K. G. Berlagsletter: Dr.-Jng. Erich Hamann; Anzeigenleiter: HauS Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Pl.Nr.S.
ein einzigartiges unb unvergängliches Dokument der Großtaten der deutschen Luftwaffe in den weltgeschichtlich beispiellosen Krieg gegen Polen darstellt. Die packenden und njitreißenden Bilder dieses im Auftrage des Relchsluftfahrtrninisteriums hergestellten unb von ber Tobis-Filmkunst betreuten Werkes schlugen bie Besucher sofort in ihren Bann. Vorn ersten Feindflug bis zum abschließenden Drama von Warschau erlebten die Besucher durch Aufnahmen, die durch die Kriegsberichterkompanien der Luftwaffe und dem Sondertrupp Bertram während der Kampfhandlungen gemacht wurden, die unwiderstehliche Wucht, mit der die Deutschen den Luftraum beherrschten und ihre Gegner in allerkürzester Zeit zusammenschlugen.
Die Regie des Films hatte Hans Bertram, der 14 Kameraleute einfetzte. Die Musik schrieb Norbert Schultze, dessen Lied und Marsch „Bomben auf England" den Ausklang des Werkes bildete.
Mit minutenlangem Beifall rourfle dieser Großfilm ausgenommen. Die Besucher dankten dem Schöpfer der deutschen Luftwaffe mit begeisterten Ovationen. DNB.
Größte Bewunderung in Rom.
500 geladenen italienischen Gästen wurde gestern in Rom der unter dem Titel „Die Feuertaufe" zur Uraufführung gelangte Film über ben deutschen Feldzug gegen Poleh vorgeführt. Die Vorführung gestaltete sich zu einem glänzenden (Erfolg und zu einem Ereignis ersten Ranges. Der Einlaoung des deutschen Botschafters von Mackensen hatten neben dem italienischen Außenminister Graf Ciano zahlreiche weitere Minister, ferner von der Wehrmacht die Staatssekretäre General Soddu und General Pricolo usw. Folge geleistet.
Der ungeheuer spannende Film, ber sich durch seinen dokumentarischen Reichtum unb seine technisch- hervorragenden Ausnahmen auszeichnet, hat bei allen Anwesenden größte Bewunderung und Anerkennung für die militärischen und organisatorischen Leistungen der deutschen Wehrmacht und vor allem ber beutschen Luftwaffe hervorgerufen. Wiederholt, so besonders beim Erscheinen des Führers unb des Generalseldmarschalls Goring, kam es zu spontanem anhaltendem Beifall, ber sich — wie bereits roährenb der eingangs gezeigten Wochenschau mit der Begegnung zwischen Dem Führer unb dem Duce am Brenner — auch zum Schluß zu einer begeisterten Kundgebung für die deutsch-italienische Freundschaft steigerte.


