Ausgabe 
6.4.1940
 
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Samstag, 6. /Sonntag, r. April XW>

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Gietzener Anzeiger

den man erwarten zu können glaubt, sich von Tag zu Tag erhöhe.. Das Blatt stützt seine Aeußerungen As diefortgesetzten Neutralitätsver-

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Stoßtrupp.

Otto Buss.

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Der Wehrmachtsbericht vom Freitag.

Berlin, 5.April. (DBB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Im Westen hob ein Stotztrupp einen feind­lichen Stützpunkt im Grenzgebiet südwestlich

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paganda der Westmächte und könnten auch die mo­ralistischen Reden der demokratischen Regierungs­häupter nicht Hinwegtäuschen. In diesem Fehlen jeder idealen Triebfeder, die die Massen hinzureißen vermöchte, sieht der dem Außenministerium nahe­stehende Direktor derGazzetta del Popolo" den Hauptgrund des eigenartigen Verlaufes dieses Krie- des. An der eigentlichen Kampffront ruhten fast die Waffen. Richt mit der ehrlichen blanken Waffe wollten die Westmächte den Krieg führen, sondern mit der heimtückischen Hinterlist des Würgers, durch einen kolossalen Wirt­schaftsblock, durch Hunger, durch Lähmung; durch eine soziale Revolution, die eine mit riesigen Mit­teln arbeitende Propaganda Hervorrufen solle, solle das Kriegsziel, die Unterjochung des Gegners, aber auch der sich nicht gutwillig unter das Joch der Westmächte beugenden Neutralen errungen werden.

Ein weiterer Zug in der entscheidenden Partie mit den kleinen Nichtkriegführenden in Südost­europa sei, die von der englischen Regierung so­eben geschaffene English Commercial Corporation. Dieser Körperschaft falle im Südosten die Aufgabe zu, alle Rohstoffe aufS u Taufen, die den Weg nach Deutschland nehmen könnten, besonders Erdölprodukte und Fette. Unabhängigkeii/Rechtund Gerechtigkeit

stehen auf dem Spiel.

Budapest, 6. April. (DNB.) In bemerkens­werter Weise befaßt sich das RegierungsblattEsti Ujsag" mit der in England gegründeten Ak­tiengesellschaft zur Intensivierung, wie es heißt, der englischen Handelsbeziehungen zu Südost- europch demnach also auch zu Ungarn. Daß die englische Regierung das A k t i^ n k a p i - t a l gezeichnet hat, beweise, wie ernst die ganze An­gelegenheit beurteilt werden müsse. Heute fei jeder Produktionsüberschuß verkäuflich. Was aber mit keinem Geld und mit keiner Devise erkauft werden könne, sei, so schließt das Regierungsorgan mit Nachdruck, Ungarns Unabhängigkeit und Selbständigkeit, sowie sein hartnäckiges Fest­halten an Recht und internationaler Gerechtigkeit.

England

schiebt japanischen Protest beiseite.

Amsterdam, 6. April. (DNB.) Wie von zu­verlässiger Seite aus London verlautet, hat Japan bei der britischen Regierung gegen die Untersuchung japanischer Postsendungen und gegen die britische Konterbandekontrolle des japanischen Handels Schritte unternommen.

Wie der diplomatische Korrespondent derNews Chronicle" feststellt, wird die britische Flotte sich durch keinerlei Drohungen Japans davon abhalten lassen, von ihrenKriegsrechten" Gebrauch zu machen.

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Zwei Bomben ins Wasser.

Wieder ein erfundener Luftsieg Englands.

Berlin, 6. April. (DNB. Funkspruch.) Das britische Luftfahrtministerium hat behauptet, daß am 4. April, nachmittags in der Nähe von Wil-, helmshaven ein deutsches Kriegsschiff mit Bomben angegriffen und dann etwas südlich vier deutsche Zerstörer ebenfalls durch Flugzeuge ange­griffen wurden. Hierzu kann festgestellt werden, daß die gesamte Meldung frei erfunden ist. Am 4. April nachmittags ist lediglich ein britisches Flugzeug in der Gegend der Elbemündung ein­geflogen. Dort hat es infolge der heftigen Flakab­wehr zwei Bomben ins freie Wasser ge­worfen, ohne daß irgendein Ziel in b e< Nähe roajCfc

Saarlautern aus. Die feindlichen Verluste trugen etwa 15 Tote.

3m übrigen keine besonderen Ereignisse.

Ein Hatter Schlag

, für die Kranzosen.

graben in das feindliche Waldinnere führt, kämpft Unterfeldwebel. mit einem Trupp. Er rollt mit Handgranaten den Graben auf bis zum zweiten, Stützpunkt: tote Franzosen, die im Graben liegen, ein völlig zusammengestürzter weite­rer Stützpunkt. Der deutsche Ueberfall hat ihn samt Besatzung restlos vernichtet.

Feldwebel H. sieht seine Aufgabe erfüllt. Er be­fiehlt Loslösung vom Feind. Die gelingt ebenso planmäßig wie der tollkühne Angriff. Der fran­zösische Artilleriebeobachter irgendwo auf erhöhtem Punkt findet kein Ziel mehr. Feldwebel H. merkt, daß Um, die Kräfte verlassen. Blut im Stiefel. Seine Kameraden nehmen ihn sofort auf. Heber die deutsche Ausgangsstellung hat der Franzose ein wütendes Sperrfeuer gehagelt. Die Männer von der Truppe, die aus dem ©rauen heraus die Siche­rung übernommen hat, nehmen Deckung. Dennoch es gibt einige Verwundete. Sie find schnell in den Händen des hier vorne im Unterstände bereit­stehenden Stabarztes, der schwere Arbeit leisten muß, der ihre Wunden versorgt, für jeden von ihnen ein gütiges, väterliches Wort hat, der ihren schnellen Abtransport befiehlt.

Feuerpause! H. mit allen seinen Stoßtrupplern ist im Graben bei seinem Hauptmann, der ihnen allen die Hand drückt. Der Stolz auf diesen Sieg steht ihnen auf dem verschrammten Gesicht. Ihre Waffenröcke sind zum Teil Fetzen, fast keine Hose ist ganz. Macht alles nichts. Niemand sieht hieraus.

Als sie in tadelloser Marschordnung durch ein rückwärtiges Dorf ziehen, ist ein Soldatenlied Aus­druck all der Freude dieser prächtigen Männer vom

Englands Bedrohung der Neutralen.

Fortgesetzte englische Neutralitätsverletzungen an der norwegischen Küste

>40. Jahrgang Nr. 8t

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Siebener Familienblätter HeimatiyrBild DieScholle Ronais-Bezugsvreis: Nit4Beilagen.RM.1.95 Ohne Illustrierte ,, 1.80 Zustellgebühr... -.25 auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernivrechanschlutz 2251 Drahtanschrift:Anzeiger" Postscheck 11686 Franks ^M.

Kopenhagen, 6.April. (Europapreß.) Nach einer Meldung des BlattesFaebrelandef" aus Oslo vom Freitag erwartet man auf Grund der Trohungen Chamberlains gegen die Neutralen eine militärische Aktion Englands gegen Norwegen.Faedrelandet" berichtet in diesem Zusammenhang, daß die Angst vor einem eng - li sch-französisch en Landungsversuch,

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Feldwebel beförderten Berndt H., übt all die Dinge gewissenhaft mit ihyen ein.

An einem stürmischen Frühmorgen stehen alle bereit zur Tat, sind sie im zerschossenen Vorfeld ver­sammelt. Kurz vorher hat der Franzmann noch ein paar Häuser dieses Dorfes umgelegt. Die Hand­granaten,. die Maschinenpistolen, die Geräte werden einmal im Kerzenlicht überprüft. Es geht los in Reihe bis zu einem Feldgehöft, dem Ausgangspunkt des ganzen Unternehmens. Noch herrscht tiefe Nacht und Sülle. Lautlos wird die Sicherungs- und Untsr- ftützungspofition bezogen. Im Graben flüstert der HauptmannHals- und Beinbruch H." wünscht er seinen Soldaten den Erfolg, den Sieg. Feldwebel H. führt seine Truppe an. Sie arbeiten sich» ohne jedes Geräusch über eine Wiese, über einen Bach hinweg, bis zum feindlichen Waldrand heran, ohne vom Gegner wahrgenommen zu werden, leg^n sich vor zum Einbruch, bis sie im Morgengrauen einiger­maßen Sicht ins Gehölz, bis sie Büchsenlicht bekom­men. Rervenanspannende Minuten des Wartens, dem Feind fast schon an der Kehle.

Der Zeitpunkt des vorbereiteten Feuerschlages ist da. Die SMG.s rattern hinüber zum Feind. Eine Hölle tut sich um ihn auf, nimmt ihm den Atem. Ein Krachen und Heulen, ein Bersten und Wuchten drüben im Gehölz. Jede Detonation vom anderen Schlag. Ein unheimliches Schauspiel. Feldwebel H. gibt weithin sichtbar das Signal zum Einbruch in die französische Stellung. Die Draht­scheren arbeiten gründlich. Ehe sich die vom Schock betroffenen Franzosen überhaupt erholen können, ehe sie daran denken, .das Feuer aufzunehmen, ist eine breite Gasse bis zu ihrem vordersten Stützpunkt geschnitten. Halt! Der Maschendraht! Das kennen sie schon, die wackeren Stoßtruppler. Er soll vor den deutschen Handgranaten schützen. Falsche Rechnung damit. Volle Deckung! Ein heller Schlag. Maschen­draht und übrige Drahtsperren sind weggefegt an dieser Stelle. Die Franzosen nehmen plötzlich das Feuer auf. Schießen mit MG.s. Einer bläst wild ein Signal auf dem Horn. Ihre Fernsprechleitung ist zerschossen. Sie wissen sich keine andere Rettung, sie fordern Verstärkung. Aber das hatten wir vor­ausgesehen und schieben einen Riegel vor. Feld­webel H. wird am Bein verwundet; er erhält einj>n Steckschuß. Das kümmert ihn nicht. Er gibt weiter seine Befehle. Die feindliche Schießscharte wird be­arbeitet. Dann augenblickliche Stille drinnen, gar nichts regt sich mehr. Unteroffizier Sch., der nun weiter in den Stützpunkt eindringt, findet nur noch eine tote Besatzung vor bis auf einen verwundeten Franzosen. Ein Pionier nimmt ihn auf, bringt ihn sofort zurück. Wo der feindliche Lauf-

.......,5. April. (PK.) Ein deutscher trupp bricht im Morgengrauen in eine stark be­festigte' Stellung ein, vernichtet in vorbildlich kame­radschaftlichem Zusammenwirken feindliche Stütz­punkte, erledigt die bis zuletzt heftige Gegenwehr leistenden Besatzungen, kehrt wieder vollständig in die deutsche Ausgangsstellung zurück und bringt den einzigen Ueberlebenden dieses harten Kampfes, einen verwundeten Franzosen, als Gefangenen mit. Wenn bisher die unzähligen Stoßtruppunternehmen dem Feind den Schneid und die Ueberlegenheit des deutschen Soldaten zeigten, so bekam der Fran­zose nun einmal die Wucht deutschen An­griffsgeistes zu spüren. So mußte er sehen, daß die gebaute Kraft deutschen Siegeswillens auch den zähesten Widerstand und die stärksten Sperren seiner Stellungen zu durchbrechen vermag.

An einem Brennpunkt der Front wirft seit Tagen die französische Artillerie ihre Feuerwelle ins deutsche Vorfchld, verwandelt die Felder und Wiesen des Saarberglandes zu einem Stück platter, narbiger Erde, splittert den Wald des Vorfrühlings zu einem verzerrten Dickicht auf. Wo sich ein ein­zelner Mann bei klarer Sicht nur am Waldrande zeigt, schießt sie unversehens los. Dicke Luft! Das Gesetz des Handelns aber haben wir in der Hand, wir, der Stoßtrupp H., mitten unter ihm Soldaten der StandarteFeldherrnhalle".

Don langer Hand ist alles vorbereitet, angefan­gen vom Zusammenwirken mit anderen Truppen­teilen, dem Anbringen gestreckter Ladungen bis zum Zerschneiden der Drahtsperren. Hauptmann R., ein bewährter Stoßtruppführer aus hem Weltkrieg, kennt all die vielen Einzelheiten, auf die es an­kommt. Er wird das Unternehmen leiten, er be­spricht alles mit den Männern seines Stoßtrupps, feinem Stoßtruppführer, dem erst vor wenigen Wochen wegen Tapferkeit vor dem Feinde zum

fdjen Krieges erwähnt hätten, nicht aufgegeben fei. jtan denke aber nun daran, an mehreren Stellen in Norwegen Truppen zu lan­den, um dann nach Süden vorzustoßen.

Die norwegischeHandels- und Schiffahrtszeitung" in Oslo schreibt am Freitag in einem Leitartikel: Die englische Presse beschäftigt sich weiterhin mit dem Problem, wie man den Krieg'gegen die Neutralen am. besten führe. Das offizielle Blatt Har weekly* weist darauf hin, daß Dänen, Schwe­den und Norweger aus dem Ausland Zufuhren er­halten, ohne die sie überhaupt nicht bestehen kön­nen. Wenn sie die Absicht, ihren Handel mit Deutsch­land weiter zu betreiben, nicht aufgeben wollten, so wüßte man ihnen die wichtigen Zufuhren aus dem Ausland einfach abschneiden", schreibt das englische Blatt. Mr. Einzig in derFi­nancial Times" schlägt seinerseits eine Revision der

Kriegshandelsabkommen mft demselben Ziel vor, «ährend Mr. Chamberlain gleichzeitig versichert, daß man den Neutralen keinen Schaden zufügen Dill. Die englische Blockade und die ständige Erör- I: Irrung der Frage, wie man sie verschärfen könnte, hat von feiten der anderen Kriegführenden bereits Angriffe hervorgerufen. Eine Abschnürungder neutralen Länder von lebenswichti­gen Waren, ohne die sie nicht bestehen können, wäre eine Verletzung des anerkannten Völkerrechts. Sie stünde im Widerspruch zu den Theorien, die Ne Westmächte selbst aufbauen, und wäre ein Aus­druck schwärze st er Unba'nfbarteit gegen Ne seefahrenden Nationen.

Bewußt gegen unsere Frauen und Kinder.

zranzösischer Minister über die Blockade.

Brüssel, 6. April. (DNB. Funkspruch.) Der sranzösische Blockademinister M 0 n n e t erinnerte in einer Rede an seinen letzten Besuch in London und erklärte, den Gegenstand der Besprechungen mit dem englischen Blockademinister Croß habe die Ver - stärkung der Blockade gegen Deutsch­land gebildet, die so wirksam gestattet werden müsse, daß Deutschland von jeder Zufuhr ab­geschnürt werde. Es spiele dabei nicht die geringste Rolle, so erklärte Monnet mit zynischer Brutalität, wenn auch die deutschen Frauen und Kinder davon betroffen würden.

Die Blockade im Mittelmeer.

Brüssel, 6. April. (Europapreß.) Jrn Anschluß m die letzten Reden der Staatsmänner der West- Nächte werden die Probleme der Blockadever- Ilhärfung und der Kriegsziele erneut von vielen Blättern, behandelt. DerM a t i n" schreibt u. a., es komme den Westmächten teuer zu stehen, daß sie nicht erkennen würden, daß das russi­sche Petroleum ihrem Zugriff entzogen fei, solange sie nicht Rußland als ihren Feind be­trachteten. DerExcelsior" sieht ein schärferes Vor­gehen der Westmächte bei der Durchführung der vlockade im Mittelmeer voraus. Er werde ßch dabei um -eine Ueberwachung der neutralen, für Deutschland bestimmten Transporte handeln, bie ihren Weg über das MittelmeerDardanel­lenSchwarzes Meer, sowie über die Donau näh- Nsn, wobei sie die Häfen Constantza und Warna benutzten.

DasJournal de Genaue" schreibt:Um ihre Aktion im europäischen SÜd 0 sten mög­lichst wirksam zu gestalten, hat die britische Regierung die sogenannte Balkangruppe geschaffen, welche, mit ungeheuren Krediten aus» gestattet und der Unterstützung des Schatzamtes sicher, den Wirtschaftsaustausch mit den Weltmäch­ten. mehren und die diplomatische Aktion der Weft- nichte ergänzen soll:".

England drückt auf die Balkanstaaten.

2Imfterbam, 6.April. <DNB. Funkspruch.) Wie Ward P r i c e in derDaily Ma i l" aus An - Ina berichtet, bient die Berufung aller englischen 8ilkangesandten nach London dem Zweck, die Gleichschaltung auf wirtschaftlichem politischem Gebiet zu erörtern. Drei-

Oer Westfälische Friede

Von Professor Or. Hans Meyersahm, Kiel.

Unsere Feinde haben in der letzten Zeit wieder­holt erklärt, daß ihr Ziel sei, Deutschland zu ver­nichten. Ein starkes Deutschland paßt den plutokra- tischen Westmächten nicht. Die Franzosen besonders verlangen, daß Deutschland zerstückelt und zurück- geführt werde auf den Zustand nach dem West­fälischen Frieden. Die Landkarte, die Rey- naud dem Sondergesandten Roosevelts zeigte, be­weist diese Absicht, Es erscheint deshalb durchaus nötig, daß alle Deutschen sich klarmachen, welches Schicksal uns drohen würde durch eine Wieder­herstellung des Westfälischen Friedens.

Der erste Teil des Dreißigjährigen Krieges war ein religiöser Krieg: Der Protestantismus wurde durch den Kaiser niedergeworfen. Dann wurde durch das Eingreifen Gustav Adolfs der Protestantismus gerettet. Aber nach dem Tode des Schwedenkönigs, 1632, nahm der Krieg einöü rein politischen Cha­rakter an. Schweden und Franzosen suchten Erobe­rungen zu machen auf Kosten des Reiches. Und die Erfolge der französischen und schwedischen Generäle zwangen schließlich den Kaiser, in einen Frieden zu willigen.

Im Jahre 1645 kam es zu ersten Friedensver­handlungen, und zwar in Münster zwischen dem Kaiser, den katholischen Ständen und Frankreich, in Osnabrück zwischen dem Kaiser, den evangelischen Ständen und Schweden. Erschwert wurden die Ver­handlungen einmal durch das entscheidende Mitwir­ken des Auslandes, dann durch den religiösen Ge­gensatz der deutschen Fürsten, und endlich durch das Fehlen einer energischen Vertretung der Interessen des Reiches. So konnten Schweden und Franzosen, die in politischen Fragen gemeinsam vorgingen, sich auf Kosten des Reiches vergrößern. Das alte ^Üel der französischen Politik: Schwächung des ReickHS, Zerstörung seiner politischen und militärischen Ein­heit, Schaffung eines extremen Partikularismus wurde vollkommen erreicht. Frankreich erhielt die Souveränität über die Bistümer Toul, Metz, Ver­dun, Gebiete, die zum Teil innerhalb der deutschen Reichsgrenzen lagen. Dann bekam Frankreich die Landgrafschaft Elsaß (den Sundgau), ferner die Landvogtei über die 10 elsässischen Reichsstädte, dazu die Stadt Breisach, sowie das Besatzuogsrecht der Stadt Philippsburg. Damit hatte Frankreich am Rhein festen Fuß gefaßt, und zwar auch am rechten Rheinufer, durch die Brückenköpfe Breisach und Philippsburg.

Frankreich konnte also im Süden jeden Augen­blick den Rhein überschreiten und ungehindert in Deutschland einmarschieren. Die Rheingrenze war hier im Süden völlig ungeschützt. Dann wurde der Friede unter die Garantie Frankreichs und Schwe­dens gestellt und gab dadurch den fremden Mächten Gelegenheit, nach Gutdünken in bie Jnneren Ver­hältnisse Deutschlands einzugreifen.

Ebenso schlimm stand es im Norden. Hier erhielt Schweden als Reichslehen Vorpommern mit Rügen, Stettin und die Odermündungen, ferner Wismar, das Erzbistum Bremen und bas Bistum Derben, sowie die Reichsstandschaft. Die Niederlande und die Schweiz wurden für unabhängig erklärt und

leicht würben auch Fragen ber Militärpolitik im Nahen Often erörtert. Man brauche nicht zu erwarten, baß das zu irgendeiner sofortigen Aen- berung ber Lage führe. Der Hauptzweck liege bann, Pläne zu entwerfen, um bie Balkan st aaten in ben Kreis der Westmächte zu ziehen. Eine Schwierigkeit liege allerdings darin, daß die englische Industrie mit Kriegsarbeiten be­schäftigt sei und somit vieles nicht liefern könne, was der Balkan braüche, und was er aus Deutschland importiert. Wenngleich England der Türkei auch einen Kredit von 50 Millionen Pfund gebe, so habe es doch keine englischen Fach­männer geschickt, die die deutschen ersetzen könnten.

Der Baifan und Deutschland. Vorteilhafter mit dem deutschen Handel verbunden."

Rom, 6. April. (DNB.) Wie bie Neutralen über die neuesten englischen Wirtschaftspläne und die Verschärfung ber Blockade denken, beweist in eindeutiger Weise der Belgra­der Korrespondent desGiornale d' Italia". In seinem Bericht wird betont, daß die dorti­gen politischen Kreise durch die beabsichtigten eng­lischen Machenschaften in wachsender Besorg- n i s seien, um so mehr, als die Ausfuhr der Balkan st aaten zu über 50 v. H. von Deutschland ausgenommen werde, wäh­rend England darauf ausgehe, diesen fruchtbaren Handel zu unterbinden. Jugoslawien sei zusammen mit Rumänien und Ungarn einer der am stärksten und vor allem vorteilhaft mit dem deut­schen Handel verbundenen Staaten, denn es erhalte von Deutschland Jnbustrieprobukte und Kriegsmaterial. Selbst wenn Jugoslawien die Absicht hätte, weniger von Deutschland zu beziehen, würde es seine £age nur wesentlich ver­schlechtern, denn es wüßte nicht, wie es seinen Bedarf an diesen wichtigen Lieferungen decken sollte, dies um so mehr, als die Westmächte ent­gegen ihren Behauptungen auf diesem Gebiet zur Zeit wenig zu leisten vermögen.

In Belgrader Regierungskreisen herrsche im üb­rigen die Meinung vor, daß die Haltung Italiens gegenüber diesem Problem die Jugo­slawiens und der Balkanstaaten erleichtern werde.

Nicht mit der ehrlichen blanken Waffe.

Rom, 6. April. (Europapreß.) Die italienische Presse beschäftigt sich mit der Eigenart bes gegen­wärtigen europäischen Krieges. Die treibenbe Kraft bei ben Urhebern dieses Krieges fei ausschließlich das Ringen um die Bewahrung ber Welt­herrschaft und des Vorrechtes ber Nutzung ber Schätze ber Welt. Darüber könnte die gesamte Pro-

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I letzungen bürch bie englischen Kriegs- schiffe, bie ohne weiteres in die norwegischen uni | Hoheitsgewässer einfahren und gegen bie Schiffahrt to I oorgehen".

In einer langen Reihe von Fällen seien die ftüheren englischen Konsuln, wohlver- Waret« diente norwegische Kaufleute und Reeder, durch en g H f cf) e Marineoffiziere ersetzt wor- 1. den, unb schon seit längerer Zeit seien englische und französische Generalstabsoffiziere dabei, bie Mög- " naT-l lichkeiten ber Landung eines E x p e'd i t i 0 n s- mg über. 1 korps zu untersuchen, ebenso wie bie Westmächte burd) b>.» | eine große Anzahl politischer Aaenten in Norwegen - tüna I hatten. In wohlunterrichteten Kreisen sei man ber toten Meinung, baß der Gedanke der ßanbung eines Ex-

t tür veditionsheeres von 100 000 Mann, wie ihn Da-

tnetunfii a lcdier unb Chamberlain währenb bes finnifch-russi-