Aus der engeren Heimat
ö.J.-fpori
Auf Schiern im Biebertal
qejchrieben werden. Dem Revisionsbericht, den der Aufsichtsratsvorsitzende bekannt gab, war zu entnehmen, bah die Führung der Genossenschaft in guten Händen liegt. Zum Direktor der Dreschgenossenschaft wurde Ferdinand Weisel, zu feinem Stellvertreter Heinrich Müller III. einstimmig gewählt. Der Aufsichtsrat wurde durch das Mitglied Ferdinand L ö b r i ch ergänzt. Die Nebenbetriebe der Genossenschaft, die Schroterei, sowie die Holz- und Häckselschneidmaschine, sowie die Saat- gutreinigungsanlage wurden viel in Anspruch genommen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats dankte zum Schluß dem seitherigen Direktor Eich für seine langjährige Arbeit im Dienste der Genossenschaft.
Oer Begründer
des hessischen Schulturnens.
LPD. Darmstadt, 5. Febr. In diesen Tagen jährt sich zum 130. Mal der Geburtstag des aus Lauterbach in Oberhessen stammenden Turn- lehrers Adolf Spieß, des ersten hessischen Turninspektors und Begründers des hefsilchen Schulturnens. Adolf Spieß war von der Schweiz aus, wo er zunächst in Basel Turnlehrer an den dortigen höheren Schulen gewesen war, 1848 nach Darmstadt berufen worden. Er führte den Turnunterricht zunächst nur in den höheren Schulen ein. In den Volksschulen wurde nur in den Gemeinden Turnunterricht gegeben, die es wünschten. 1849 wurde in Darmstadt der erste Turnlehrerkurs ab- gehalten. Adolf Spieß war mit Friedrich Ludwig Jahn eng befreundet.
Kreislehrgang für Frauenturnen.
Schulung für die Äereinsmannschastskämpfe der Turnerinnen.
Die Umstände der Zett verbieten weite Reisen in die Schigebiete. Auch der Hoherodskopf liegt für die gegenwärtigen Derkehrsverhältnisse schon etwas weit ab. Da entschlossen sich die Schiläufer des Gießener Schiklubs wieder einmal zu einer Fahrt in die näheren Schigefilde und entdeckten aufs neue das Biebertal, genau genommen, die Dorberge des Westerwalds, dessen Züge sich ja bei Bieber klar erheben und zu beträchtlicher Höhe ansteigen.
So fuhr man denn am dergangenen Sonntagfrüh mit dem „Bieberlieschen". Allerdings: vor dem Start in das weiße Element gab es erst ein kleines Intermezzo: Die Beamten der Biebertalbahn nahmen es nämlich mit der Ausgabe der Bretter sehr genau. Jeder Schiläufer hatte bei der Abreise von Gießen für die abgegebenen Bretter eine Nummer erhalten und in Bieber wurden die Schier erst gegen Rückgabe des Nummernzettels ausgehändigt. Das Intermezzo dauert also länger als nötig und es gab kalte Beine. So fiel man denn, um sich erst wieder etwas aufzuwärmen, in die „Rehmühle" und hielt damit die Tradition vom Hoherodskopf und dem Klubhaus aufrecht. Eine Taffe Kaffee oder gar ein „Frucht" ermunterte die Lebensgeister.
Dann gings auf zu den Hängen! Schon dicht hinter Bieber, vorbei an der Obermühle (wer denkt nicht daran, daß dort der berühmte Kupferstecher Wille geboren ist?) gibt es die schönsten Schimöglichkeiten. Es gibt Schußfahrten von Hang zu Hang, es gibt den schönen und idyllischen Aufstieg
Landkreis Gießen.
-t- Grün berg, 5. Februar. Das goldene Treudien st- Ehrenzeichen wurde dem Lehrer i. R. Karl Wenzel verliehen. Mit dem silbernen Treudienst-Ehrenzeichen wurden Berufsschullehrer Friedrich Gengnagel und Lehrerin i.R. Lina Eifert ausgezeichnet.
cv> Eberstadt, 5. Febr. Am Sonntag fand hier ein Appell der Blockwarte, Blockwarttnnen und Sachbearbeiterinnen des Reichsluftschutzbmches statt. Untergruppenführer W e h r u m sprach ein- leitenb über die seither geleistete Arbeit. Gemeinde- aruppenführer Meckel (Lich) hob die vorbildliche Arbeit der Untergruppe Eberstadt lobend hervor und gab die Richtlinien für die Arbeit der nächsten Zeit. Sodann gedachte der Gemeindegruppenführer der fünfjährigen unermüdlichen Arbeit des Untergruppenführers W e h r u m und überreichte ihm eine Ehrenurkunde. — Die hiesige Dreschgenos- s e n s ch a s t hielt im „Deutschen Haus" ihre Generalversammlung ab. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats P. G ö r l a ch begrüßte die Mitglieder. Rechner Eifer erstattete zunächst den Kassenbericht, der mit einem Ueberschuß abschloß. Die Rechnung wurde in Ordnung befunden und von der Versammlung autgeheißen. Dorstaick) und Aufsichtsrat wurden entlastet. Der Reingewinn soll der Betriebsrücklage zu-
Den Abschluß der Vorbereitung dieses Kampfes bildete der Korbballwurf.
Die Meisterschaftskämpfe des BDM., die in den Unterbauen vom BDM. in Gemeinschaft mit dem NS.-Reichsbund für Leibesübungen ausgetragen werden, fordern einen Mannschaftsdreikampf, Mannschaftsstärke 6 Mädel im Alter von 14 bis 18 Jahren. Auch die für diesen Kampf vorgeschriebenen Barren-, Pferd- und Bodenübungen, die den Vereinen durch die Untergaue zugehen, wurden geturnt.
Die Wettkämpfe der Turnerinnen sollen am 7. April in Heuchelheim durchgeführt und ein Korbballspiel als Werbespiel gezeigt werden. Untergau- sportwartin A l t h a u s (Wetzlar), vom Untergau 88, klärte tn der Aussprache die die gemeinsame Arbeit berührenden Fragen.
Zum Abschluß des Lehrganges rotes Schneider auf die Pflicht der Vereine zur Unterstützung des WHW. hin, gab seine Hoffnung auf eine gute Beteiligung beim Wettkampf Ausdruck, dankte der Untergausportroartin für ihr Erscheinen und den Turnerinnen für ihren freudigen Einsatz. Beteiligt waren u. a. die Vereine 1846 Gießen, Mtv. Gie- I ßen, Wieseck, Heuchelheim, Steinbach und Alsfeld.
unberührt. .
In den festverzinslichen Papieren zeigbe sich zwar weiterhin Nachfrage, die aber doch merr- lich nachgelassen hat. Andererseits kam aber auch kein Material heraus, so daß die Umsätze gering blieben. Industrie-Obligationen bröckelten vielfach bis 0,65 v.H. ab, ebenso waren Liguidations- Pfandbriefe meist nur knapp gehalten, während Stadtanleihen teilweise 0,25 bis 0,50 v. H. befestigt waren. Reichsaltbesitzanleihe gingen auf 140,65 (141) zurück, andererseits Dekosama I 145,25 (145), Reichsbahn-AV. 127,40 (127,25) und im Freiver- kehr 4 o. H. Rentenbank-Ablösung 91,75 (91,50).
Mit Ausnahme der Elektroaktten, die unter Füh. rung vvn Licht & Kraft (155,50 nach 154,50) fest lagen und bis 1,50 v. H. höher ankamen, war der Akttenmarkt im Verlauf still und vernachlässigt, und teilweise gaben die Kurse nach.
Im Freiverkehr nannte man Dinglerwerke mit 79,50 bis 80,50 (81) und Verein. Fränk. Schuh Mit 68,50 bis 70,50 (70 bis 72). TagesgeN unver. ändert 1,75 v. H.
Twndfunkprogramm
Mittwoch, 7. Februar.
6.10 Uhr: Betriebssport. 6.30: Frühkonzert. Das Orchester des Reichssenders Leipzig. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8.05: Landvolk, merk' auf! 8.15: Gymnastik. 9.15: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 9.30: Schulfunk (Mittelstufe). Sendereihe: „Dom bäuerlichen Leben und Wirken". „Fastnacht — ein alter deutscher Brauch." 10: Frohe Weisen. 11: Konzert. Chormusik. Zum 70. Geburtstag von Franz Dannehl. Lieder- und Klaviermusik. 11.50: Das Mikrophon unterwegs. 12: Mittaaskonzert. Es spielt das kleine Orchester des Reichssenders Frankfurt. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 13: Don Wien: Musik am Mittag. Das kleine Unterhaltungsorchester des Reichssenders Wien. 14: Nachrichten. 14.15: Der fröhliche Lautsprecher. 16: Don Breslau: Nachmittagskonzert. Es spielt das große Orchester des Reichssenders Breslau. 17 bis 17.10: Nachrichten. 18: Was bringen die Theater in unserem Sendegebiet? 18.25: Das Mittwochskonzert des Reichssenders Frankfurt. 19.10: Übertragung nach Köln: Bilder und Klänge aus Moselfranken (12) Bauernschwänke. Hörfolge mit Musik von A. Herb. 20: Nachrichten. 20.15: Übertragung vom Deutschlandsender. Damischen: 22 bis 22.15: Nachrichten. 24 bis 0.15: Nachrichten.
nach Königsberg und wenn man den Weg hinauf- steigt, freut man sich schon für den Spätnachmittag auf die Abfahrt. Wer in der Gegend genau Bescheid weiß, läßt es sich nicht nehmen, die steilen und gewundenen Straßen durch Königsberg hinauf- zusteiaen, hinter Königsberg auch einmal Rückschau und Ausblick auf den breit hingelagerten und in ganzer Größe zu übersehenden Dünsberg zu halten, um schließlich Hohensolms zuzustreben. An den altersgrauen Mauern der Burg Hohensolms beginnt -das ideale Schigelände, das ein ausgezeichnetes Training ermöglicht und vor allem den Schihaserln Gelegenheit gibt, gefahrlos mit den Brettern vertraut zu werden.
Mit Stemmbogen, Schwüngen und ,Kristels" (so man kann) geht es hinab und im Zickzackkurs, mit Gräten- und Treppenschritt wieder hinaus. Auch hübsche Schußfahrten sind möglich. Andere „machen^ in Langlauftour die nächsten Berge, wandern durch den verschneiten Wald, bis ein Blick auf die Uhr zur Rückkehr mahnt. In schöner Abfahrt geht es dann wieder hinunter nach Bieber. Noch einmal findet man sich in den anheimelnden niedrigen Zimmern der „Rehmühle" und dabei treten immer einige auf, die mit Witzen und Scherzliedern auf» zuroarten wissen. Auch wird noch einmal Brot ausgepackt oder Handkäs bestellt, noch einmal Kaffee oder ein „Frucht" getrunken. Dann pfeift aufgeregt das Bieberlieschen und mahnt dringlich zum Aufbruch. Mühsam ruckelt das Bähnchen wieder nach
Kreisfrauenturnroart Schneider (Wetzlar) ührte am Sonntag in Wetzlar einen Lehrgang für Turnerinnen durch, der hauptsächlich der Vorbereitung des Dereinsmannschaftskampfes der Turnerinnen und der Iugendmeisterschaften des BDM. (Sportdienstgruppen für Leistunasturnen im NS.- Reichsbund für Leibesübungen) diente. Der Besuch war mit 23 Turnerinnen und 5 Uebungsleitem aus 11 Vereinen den Verhältnissen entsprechend gut.
Bei seiner kurzen Begrüßung um 9.30 Uhr gab Lehrgangsleiter Schneider seiner Freude darüber Ausdruck, daß soviele Turnerinnen erschienen waren. Zweck des Lehrgangs war, den Uebungsstoff für den Vereinsmannschaftskampf zu erarbeiten. Geturnt wird ein Sechskampf.
Nach Lauf- und Schrittübungen wurde eine umfassende Körperschule als Beispiel für die erste Hebung hn Mannschaftskampf — eine selbstgewählte Gruppe Gymnastik-Haltungsschuluna — durchgeturnt. Anschließend folgten die vorgeschriebenen Schritt-, Hüpf- und Sprungübungen. Die Geräteübungen am Schwebebalken, Barren und Länaspferd wurden entwickelt und zugleich im gewünschten Rhythmus der Mannschastsarbeit gezeigt.
Aus der Arbeit
unserer Männergesangvereine.
§ Leihgestern, 5. Febr. Am Samstagabend hatte der Gesangverein „Liederkranz" seine Mttglieder zur 77. Jahreshauptversammlung in sein Dereinslokal, Gasthaus ,Lum Löwen", ein- , geladen. Der Dereinsführer Wilhelm Jung gedachte zunächst zweier im verflossenen Vereinsjahr durch Tod aus den Reihen des Vereins geschiedener Mitglieder. Aus dem Jahresbericht war zu entnehmen, daß von Beginn des Jahres 1939 bis zum Kriegsausbruch von den wett über 100 93er» einsmttgliedern rund 80 regelmäßig die Gesang- stunden besuchten. Anläßlich der Teilnahme an verschiedenen Sängerfesten, besonders beim Wertungs- singen des Sängerkreises Gießen in Heuchelheim, hatten die Sänger Gelebenheit, ihr in fleißiger Arbeit erworbenes gesangliches Können unter Beweis zu stellen; auch auf einer Sängerfahrt nach Rheinhessen, der Heimat des Chorleiters, Musiklehrer Heinrich Blaß, bot sich hierzu Gelegenheit. Der Krieg drohte bann die Vereinsarbeit ins Stocken zu bringen, da viele Vereinsmitglieder zu den Fahnen gerufen wurden. Dem vom Kreissängerführer an die Vereine gerichteten Appell, auch in der Krieaszeit das deutsche Lied zu pflegen und die Ge- s-angstunden wieder auszunehmen, wurde Folge ge- leistet. Die daheim befindlichen Sänger nehmen roieber regelmäßig an Den Gesangstunden teil. Die am Samstag vorgettaaenen Lieder, u. a. „Türmerlied" von Geilsdorf, J)ans Beutler" von Lißmann und „Die Vesper" von Beethoven, bezeugten, daß auch von einer kleinen Sängerschar gesangliche Leistungen von beachtlicher Höhe erreicht werden fön» nen. Im wetteren Verlaufe der Jahresversammlung wurden die Mitglieder Karl Ott, Ludwig Langsdorf und Karl Brück für 40jährige treue Mitgliedschaft zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt. AnslWetzend ergriff Chorleiter Blaß, in dessen Händen die Stabführung des Vereins nun bereits sott 21 Jahren liegt, das Wort. Er brachte zum Ausdruck, daß der Ausstieg des Vereins und all seine schönen gesanglichen Erfolge nicht zuletzt auf den unermüdlichen Eifer und die treue Mitarbeit jedes einzelnen Sängers zurückzuführen seien. „Möge der Krieg bald mit einem vollen Sieg für Deutschland enden, bann wollen wir unsere Arbeit an der Pflege des beutschen Männergesanges, der in Deutschland vor aller Welt einzig dasteht, mit unseren heim gekehrten Sangesbrüdern wieder voll und ganz aufnehmen", so schloß der Chorleiter seine mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen. Mit einem Sieg-Heil auf unseren geliebten Führer Mwlf Hitler, den größten Förderer und Pfleger alles Deutschtums, damit auch des deutschen Liedes, schloß der Vereinsführer die 77. Jahreshauptver- sinmnlung.
Gießen zu. Die Bahnfahrt, bas Zusammensein In der traulichen Gaststätte, die Kameradschaft <ni fben Brettern, die auch eine Welt (und nicht die schlechteste) bedeuten —, bas alles fließt immer wieder Sien zu einem schönen Erlebnis. Ein Schi- in Gottes freier Natur ist nie ein verlorener
Tag... Schw-
Wirtschaft.
* Aufgehobenes Konkursverfahren. Nach Abhaltung des Schlußtermins ist das Konkurs- verfahren über bas Vermögen des Kaufmanns Karl Horst, Inhaber der Firma Karl Horn in Gießen, Marktstraße, wohnhaft in Gießen, Wemerroall 33, auf gehoben worden.
Rhein-Mainische Börse.
Tendenz uneinheittich.
Frankfurt a. M., 5. Februar. Die Börse eröffnete die neue Woche in stiller Haltung. Seitens der Kundschaft herrschte nur geringe Unterneh- mungslust, so daß es an den Aktienmark ten nur zu kleinen Umsätzen kam und auch am Rentenmarkt keine besondere Geschäftstätigkeit vorlag. Die ersten Kurse lagen überwiegend etwas fester, doch wurde im Verlaufe unter dem Einfluß der starken Geschäftsstille die Haltung uneinheitlich. Don den führenden Papieren fetzten IG.-Farben mit 174,75 (174,25), Verein. Stahl mit 106,90 (106,50) ein. Fest lagen erneut Licht & Kraft mit 154,50 (152,50), auch Felten gewannen nach Pause 1,75 v.H. auf 151,75. Im übrigen kamen zunächst noch Daimler mit 130 (128,50), BMW. mit 150 (149,50), Heidelberger Zement mit 151,25 (150,25) und Aschaffenburger Zellstoff mit 107 (105,50), dagegen Scheideanstatt mit 236 (237) zur Notiz. Metallge- sellschaft waren unv. 130,50 und blieben von der wieder 6prozentigen Dividendenerklärung zunächst
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7. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Das kann ich nicht beurteilen", antwortete Zi- billa sofort kühler, „machen Sie bas mit Ihrem Bruder aus." Da der Perser schwieg, fuhr er noch einmal fort: „Warum liegt Ihnen denn so viel an dem Kasten? Ich kann Ihnen im Vertrauen sagen, allzuviel war nicht damit los. Ludwig Carlotti, der ihn gekauft hat, wird mir später kaum Dank wissen. Er war indische Arbeit, aber nicht sehr alt und ohne sonderlichen Äunftroert. Das sagte mir Carlotti. Natürlich erst nach dem Kauf. Vorher hätte ich nicht darauf gehört. Vorher redet man immer so etwas, um den Preis zu drücken."
Er grinste.
Seine linke Gesichtshälfte, die schiefe, lachte nicht richtig mit. Sehr häßlich sah er aus, wie ein Affe, der mit einer Nuß in der Dackentasche eine Fratze zieht, fand Ali Aftab, und der Vergleich war nicht schlecht.
„Es ist nicht desweaen", sagte er. „Der Buddha ist ein altes Familienerbstück. Sie kennen den Glauben oder Aberglauben, der sich an solche Dinge knüpft. Er soll den Aftabs Glück bringen. Ich muß ihn- wieder haben."
Zibilla, im Grunde ein beschränkter, plumper Mensch, sagte neugierig: „Sie sind wohl Buddhist? Beten Sie zu dem Bronzebuddha?"
„Man hat sicherlich zu ihm gebetet", sagte der Perser, „wir nicht, unsere Familie gehört dem Islam an. Aber in Indien betet man zu diesen Bronzefiguren. Sie bekommen einen Ehrenplatz auf einem kleinen Altar im besten Zimmer und wenn man zu ihm spricht, zu dem Buddha, klappt man die Türen des Kästchens auf und kniet nieder."
„Interessant, interessant", sagte Zibilla kopfschüttelnd. „Andere Länder, andere Sitten. Werden Sie nun womöglich von dem Inder verfolgt, dem Sie den Buddha abgenommen haben?"
„Unsinn", sagte der Perser gereizt. ,Zch habe keinem Menschen die Statue weggenommen. Ich sagte Ihnen, sie befindet sich seit Jahrzehnten in unterer Familie. Sie ist ein Andenken, wie Sie
hier in Europa ein alles Bild oder eine Vase auf» bewahren, in die schon ihre Großmutter Blumen getan hat. Mein Vater hat den Buddha einmal geschenkt bekommen. Es ist sehr unrecht, daß mein Bruder Husain den Kasten mit der Figur Ihnen verkaufte.
„Verkauft. Sehen Sie, Herr Aftab, da sprechen Sie es einmal selber aus. Verkauft ist verkauft. Ich kann auch nicht zu Herrn Carlotti hingehen und sagen: geben Sie mir den Buddha wieder heraus."
,„Sie können das nicht?"
„Nein. Ich will Ihnen ehrlich sagen, ich habe es versucht. Telephonisch. Er hat mich ausgelacht."
„Ich zahle Ihnen mehr, als Sie bekommen haben."
„Damit war zu rechnen, gewiß; aber es nützt leider nichts. Ich sagte Ihnen ja, ich habe Carlotti angerufen, aber er denkt nicht daran, die Figur zurückzugeben."
„Aber was nützt sie ihm?"
„Er ist Sammler und Liebhaber solcher Dinge. Möglich, daß er sie nach einiger Zett auch roeiter« verkauft, wenn er sich daran über gesehen hat Aber im Augenblick will er sie noch behalten."
„Wieviel Geld haben Sie für den Buddha bekommen?"
„Wie können Sie mich, einen Geschäftsmann, das fragen!" Zibilla war ehrlich entrüstet. Sein Gesicht drückte es unzweideutig aus.
„Sie haben Husain fünfzig Mark gegeben. Also werden Sie hundert genommen haben von dem Herrn Carlotti. Gehen Sie, fragen Sie ihn, ob er den Buddha für zweihundert zurückgibt."
Zibillas Muttermal schwoll an. Er witterte ein Geschäft. ,Hch habe ja schon zweihundert Mark bekommen", sagte er flüsternd. Er log. Aber dem Perser schien das gleichgüllig zu sein. „Also gut", sagte er, „zweihundert Mark und noch fünfzig Mark für den Rückkauf, aber beschaffen Sie mir den Buddha wieder."
„Wollen Sie das Geld hierlassen?" fragte Zibilla fachlich. „Auslegen möchte ich es nämlich nicht, es gibt so sonderbare Fälle in unserer Branche." Es blieb unklar, worauf er anspielte, es war auch dem Perser unklar, woraus' er an spielte, es war auch dem Perser nicht wichtig. Ali Aftab zog fünf Füns- zigmarkscheine aus der Brieftasche und legte sie Zibilla auf den Tisch. „Quittieren Sie."
Gern, aber nur den Betrag. Ob ich den Buddha dafür bekomme, ist fraulich."
Der Perser stand auf; er wuchs zu einer für Antek Zibilla immerhin imposanten Größe. In seinen Äugen brannte ein Feuer, das den anderen
einschüchterte. ,Hch weiß ja nicht, ob der Herr Carlotti den Buddha abgibt", meinte er kleinlauter. Ich will, ihn noch einmal anrufen. Warten Sie." Er nahm den Hörer vom Telephon und wählte. Seine Stimme bog sich vor Unterwürfigkeit. „Ach, hier spricht Antek Zibilla, habe ich die Ehre, mit der gnädigen Frau zu reden? Ja, natürlich, erraten. Den Herrn Gemahl wollte ich. Nicht da, schade. Gegen Abend gewiß, danke vielmals, gnädige Frau." Er hängte ab. „Nicht int Hause", sagte er. „Abends erst. Wollen Sie morgen nochmal vorbeikommen oder mich anrufen?"
„Nein", sagte der Perser, „es muß heute erledigt werden. Wir gehen heute abend zu Ludwig Carlotti"
„Heute abend? Nach Geschäftsschluß? Hören Sie, mir scheint, Sie verfügen da einfach über mich ..."
Ali Aftab unterbrach ihn. „Es soll Ihr Schaden nicht fein", verhieß er.
Antek Zibilla nickte. ,/Dann natürlich", sagte er. „Lassen Sie uns nicht zu früh hingehen. So nach dem Abendessen. Ich rufe vorher Carlotti an und bitte, daß er uns erwartet und empfängt. Paßt es Ihnen so um neun Uhr?"
„Es paßt mir", sagte der Perser. Zibilla berührte vertraulich des anderen Arm. „Sagen Sie, Herr Aftab, wo wir das Geschäft nun doch auf jeden Fall zusammen machen: um was geht es Ihnen? Was ist mit dem Buddha los? Hat er ein Geheimfach? Suchen Sie etwas Spezielles?"
Der Perser erblaßte. Das dunkle Braun seiner Haut wurde fahlgelb. „Was reden Sie da für Unfug", sagte er abweisend und ihm fiel etwas ein. „Sie sagten doch, Sie haben den Kasten mit dem Buddha in Händen gehabt, haben ihn geputzt und aufgefrischt. Da wäre Ihnen doch so etwas ausgefallen?" Sein Blick versuchte auf dem Gesicht des anderen zu lesen; er sah ihn scharf an; aber er hatte keinen Erfolg.
Zibilla schüttelte den Kopf. „Nichts ist mir auf- gefallen", meinte er, „drum frage ich Sie ja gerade."
Ali Aftabs Gesicht bekam wieder etwas Farbe, das dunkle natürliche Braun kehrte zurück. „Sie fragen überhaupt zuviel, Herr Zibilla , sagte er wenig höflich. Aber Zibilla steckte das ein. Mit dem Mann, das spürte er, war noch ein gutes Geschäft zu machen. Der hätte ihn noch ganz anders behandeln dürfen, und er würde lächelnd gekatzebuckelt haben. Denn Stolz ist Stolz, und Geschäft ist Geschäft. Man durfte das nicht durcheinanderbrinaen.
Er machte Herrn Ali Aftab die Tür auf und grüßte verbindlich. „Also auf heute abend", sagte er. Der Perser nickte und verließ ihn.
Henriette Carlotti leerte ihr Glas Portwein. Julia schob ihr lächelnd die Karaffe näher zu. „Darf ich?"
,Laß nur, danke, das mache ich ganz allein. Henriette Carlotti schenkte sich ein. Ihre Zungenspitze feuchtete genießerisch die Unterlippe an. Nicht, daß sie sich auf ihre alten Taae das Trinken angewöhnt hätte. Sie trank gern, aber nicht übermäßig. Dies war auch erst das zweite Glas. Immerhin hob sich ihre (Stimmung.
Sie lachte, strich eine der grauen Locken, die sie nicht färben ließ, hinter das Ohr zurück und sagte, anscheinend fuhr sie in einer Erzählung aus ihrer Jugend fort: „Er hatte in feinem Leben bei Frauen immer Glück gehabt. Er galt als schöner Mann, und er rechnete mit diesem Eindruck, als er mir tief in die Augen sah und sagte: .Fräulein von Angerstein, ich liebe Sie/ Das war eine Kühnheit. Wir sagten uns Sie; unsere Bekanntschaft hatte sich bis dahin auf einige Walzer beim Hausball beschränkt." Sie trank. Der Portwein lief in Tropfen ölig am Glasrand nach innen zurück.
Julia nickte ihr zu. „Aber du liebtest ihn bereits, und sicher hat er das gewußt ober geahnt."
„Ja", stimmte Frau Henriette zu, „wir liebten uns. Es war aber nie vorher ein Wort davon gesprochen worden. Wir verlobten uns noch am selben Abend. Ich habe meine Wahl nie zu bereuen gehabt. Er war mir Zeit meines Lebens ein guter Mann, wahrhaftig." Irgendwoher stieg ihr eine Rührung in die Kehle. Sie mußte hüsteln. Julia klopfte chr den Rücken.
Als sich die Tür unerwartet öffnete und Ludwig Carlotti eintrat, erschraken beide Frauen ein bißchen.
„Mein Gott", sagte die Mutter, „du hast wohl Gummisohlen unter den Schuhen? Wir haben dich nicht gehört."
Er lachte. „Das kann manchmal für den Hinzukommenden peinlich sein, glaube ich. Sicherlich habt ihr von mir gesprochen und auf mich gescholten."
Seine Mutter sah ihn an. Wenn man die beiden so nebeneinander sah, war die Familienähnlichkeit unverkennbar. Aber es war merkwürdig, ein Fremder hätte Mutter und Sohn hier für das Ehepaar gehalten und Julia, wenn nicht für die Tochter, so doch für eine jüngere Verwandte ober Bekannte. Man mußte zugeben, Ludwig Carlotti hatte sich für seine vierzig Jahre schlecht geyalten, er sah bebeutenb älter aus. Seine Mutter sagte: „Hast du ein schlechtes Gewissen?"
Er lachte immer noch; sie sollte ihm seine gute Laune heute nicht Derberben. „Du erziehst, glaube ich, noch an mir herum unb gibst Ermahnungen, Mutter, wenn ich fünfzig geworben bin?"
Eortsetzung [olgtj


