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Der Untergang derLaneasin'a".

Unser Bild ist eine dramatische Aufnahme von dem Untergang des britischen Truppentransporters und HilfskreuzersLancastria", der im Atlantik von deutschen Seestreitkräften torpediert wurde. Man sieht aus dem Wasser die Köpfe der schwimmenden Soldaten und Besatzungsmitglieder. (Associated-Preß-M.)

DentschesLl-BootversenkteS^SOIBRT

Flugplätze, Hafen- und Rüstungsanlagen erneut wirksam bombardiert. Der Feind verlor 62 Flugzeuge.

poleonische Wort äussprach, daß jeder Soldat den Marschallstab im Tornister trage. Das war damals nicht wörtlich zu nehmen. Denn es war ja einst nor­mal für einen Soldaten gar nicht denkbar, diesen Weg zu beschreiten. Das alles hat sich heute ge­fingert bis nach oben hinauf. (Stürmischer Beifall.) Denn ernst der höchste Orden nur einem Offizier «geben werden konnte, dann kann ihn heute ein Hapferer Unteroffizier oder Mann genau so tragen!

Es ist eine Wett von Vorurteilen eingerissen worden, eine Welt von Vorurteilen und, glau­ben Sie mir, es wird im Laufe der Jahrzehnte immer schöner werden, in diesem Staate zu leben. Immer großer werden die Aufgaben, und an ihnen werden wir unser Volk immer mehr zueinander erziehen, in eine immer en­gere und innigere Gemeinschaft verwandeln. And wenn da noch einige unter feinen Um­ständen wollen, dann werden wir ihnen einmal ein Ehrenbegräbnis geben. Das find die letzten Repräsentanten eines vergangenen Zeitalters, und insofern vielleicht noch interessant. Aber die Zukunft gehört den jungen Völkern, die diese Frage lösen. Wir haben diese Lösungen in Angriff genommen und wer­den sie durchführen.

Das Winterhilfswerk ist hier eine gewaltige Gemeinschaftskundgebung derHeimüt angesichts der gewaltigsten Kundgebungen dec Ge­meinschaft unserer Front. Denn so wie dort ein Riesenkörper wohlorganisiert seine Pflicht erfüllt, so steht auch hier diese Heimat und ist zu glei­chen Lei st ungen bereit und gewillt zu je­dem Opfer, das dieser Kampf um Sein oder Nicht­sein, um unsere Zukunft uns auferlegt. Wenn ich daher nun noch einmal all denen danke, die im er­sten Kriegswinterhilfswerk gegeben haben und sonst als Helfer mittätig waren, dann bitte ich Sie zu­gleich alle: Erfüllen Sie nun im zweiten Kriegs­winterhilfswerk erneut Ihre Aufgabe, die einen als freiwillige Helfer und die anderen als freiwillige Geber! Sorgen Sie auch dafür, daß auch dieses Werk erneut der Welt gegenüber eine Demon­stration unseres unlösbaren Gemein­schaftssinns wird, damit sie endlich erkennen möge, daß die Spekulation auf den General der Revolution eine Idiotie ist, und daß an der Stelle dieses Generals ein anderer General steht: Der General der gemeinsamen Pflichter­füllung! (Tosender Beifall.) Es ist der Geist un­serer Volksgemenschaft, der uns alles ertragen und unser Volk' stark sein läßt für alle Auseinander­setzungen und Entscheidungen der Zukunft!

Auch damit hilft jeder einzelne dann, den Willen unserer Feinde zu brechen, indem er ih­nen solche Illusionen raubt und seinen Teil bei­trägt ;y der Ausbreitung der richtigen Erkennt­nis über unser Volk. Je mehr die andere Welt sieht, daß dieses große Volk eine einzige Ge­meinschaft ist, um fo mehr wird sie elnfehen, wie aussichtslos ihr Beginnen fein muh.

Menschen, die getrennt voneinander ihre Wege gehen, könnten sie brechen, 85 Millionen aber, die einen Willen haben, einen Entschluß und zu einer Tat bereit sind, bricht keine Macht der Welt!

Die Rede des Führers wurde immer wieder von stürmischem Beifall und lebhaften Zustimmsungs- kundgebungen der den Sportpalast bis auf den letz­ten Platz 'füllenden Menge unterbrochen. Als der Führer geendet hatte, bereitete die Menge ihm eine Ovation, die selbst diese Stätte großartiger Kund­gebungen bislang noch nicht so gewaltitz erlebt, hatte.

Oer Führer überreichte den drei Feldmarschällen »er Luftwaffe die Marschal s be..

Berlin. 4. Sept (DBB.) Der.Aührcr und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht überreichte am Mittwoch in feinem Arbeitszimmer in der Reuen Reichskanzlei in Anwesenheit des Reichsmarschalls den Feldmarschällen der Luftwaffe, Generalfeldmar­schall Milch, Generalfeldmarschall Sperrte und Ge- neratfeldmarschall Kesselring, die Marschallstäbe als Insignien des ihnen am 19. Juli vor dem Deutschen Reichstag verliehenen Marschallranges. In einer

Der Wehrmachtsberichl vom Mittwoch.

Berlin, 4. Sept. (DRB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Lin Unterseeboot unter Führung von Oberleut­nant zur See Lndraß hat auf einer Unterneh­mung insgesamt sechs bewaffnete feind­liche Handelsschiffe mit 51 507 BRT. ver­senkt, darunter den bereits gemeldeten Hilfs­kreuzerDun vegan Castle".

Am 3. 9. griffen unsere Fliegerverbände, von feuern Flugplätze in Südengland an und belegten hallen und Derftanlagen wirksam mit Bomben, die zu mehreren Bränden führten. Bei den Vorstößen gegen die britischen Inseln entwickel­ten sich wiederum L u f t k ä m p f e, die für unsere Jäger sehr erfolgreich verliefen. Kampsfliegerver­bände warfen in der Rächt Bomben auf britische Hafen- und Rüstungsanlagen sowie auf Flugplätze. In Liverpool, Avonmouth, Bristol, Portland, Poole, Rochester und Middlesborough entstanden ausge­dehnte Brände. Das Auslegen von Luft­

kurzen Ansprache würdigte der Führer die Ver­dienste der drei Marschälle der Luftwaffe, die als enge Mitarbeiter des Reichsmarschalls hervorragen­den Anteil an den großen Erfolgen der deutschen Luftwaffe haben. Der Führer legte zugleich die Ver­pflichtungen dar, die ihnen der Marschallrang gegen­über Volk und Reich auferlegt.

Die Schweizer Neutralität.

Unzulängliche Verteidigung gegen britische Grenzverletzungen. *

Berlin, 5. Sept. (DNB.) Es mehren sich in letzter Zeit die Fälle, in denen die Piloten der Royal Air Force das Hoheitsgebiet der neu­tralen Schweiz überfliegen, um ihre Bombenlast über Wohnvierteln und Spitälern Norditaliens abwerfen zu können. Sie Ke­

rn in en vor den britischen Häfen nahm seinen Fortgang.

Britische Flugzeiwe flogen in der Rächt in das Reichsgebiet ein uno versuchten u.a. die Reichs- hauptstadt anzugreifen. Rur einzelnen Flug­zeugen gelang es, Groß-Berlin zu überfliegen. Bom­ben wurden hierbei im Stadtgebiet nicht geworfen. In der Mark Brandenburg sowie an einigen ande­ren Orten des Reiches fielen vereinzelt Bomben, ohne nennenswerten Schaden anzurichten.

Der Feind oerlorgeftern62 Flugzeuge, davon wurden 46 Flugzeuge in den Luftkämpfen des Tages und ein Flugzeug während der Rächt durch Flak-Artillerie abgefchofsen, ferner 15 Flug­zeuge am Boden vernichtet, 10 eigene Flugzeuge werden vermißt.

Italienischer Wehrmachtsberichl.

Rom, 4. Sept. (DRB.) Der italienische Wehr- machlsbericht vom Mittwoch hat folgenden Wort­laut: Rormale Aufklärungstätigkeit der vorgeschobenen Abteilungen aus allen Fronten.

nutzen Schweizer Hoheitsgebiet zum Einflug nach Oberitalien und kehren auf dem gleichen Wege wie­der zurück. Seit langem hat man in der Schweiz offiziell aus der Art der Flugzeuge sowie aus ihrer Anflugsrichtung den Schluß gezogen, daß es sich nur um englische Maschinen handeln kann. Diese Erkenntnis gab der schweizerischen Regierung nach langem Zögern Veranlassung, in London gegen derartige wiederholte Neutralitätsbrüche Protest zu erheben. Die englische Regierung sagte zu, die Grenzverletzungen nachprüfen zu wollen und der britischen Luftwaffe Weisung zu erteilen,jedrnög- liche Schritte zu unternehmen, um eine Ueberflie- gung der Schweiz zu vermeiden". Bei diesem schwei- zerifchen Protest ist es ebenso geblieben wie bei dem englischen Versprechen. Auf diplomatischem Wege geschah seither nichts mehr.

Auf die Dauer wird sich weder die Reichs­regierung, noch die italienische Re-

Die Heimat im ersten Kriegsjahr.

Schnaps ist Schnaps... und D i e n st i ft Dien st. Dieses alte bewährte Kraftwort gebrauchte der Reichsmarschall Göring einmal vor etwa vier Jahren, also zu der Zeit, als er das Reichskom­missariat für den Vierjahresplan übernahm. Und da- bei sind wir auch schon mitten im Thema. Auch da­mals mußten alle Kräfte angestrengt werden, ein großes Ziel war zu erreichen: ein Höchstmaß wirt­schaftlicher Selbstgenügsamkeit aus eigener Kraft. Das Beispiel des Weltkrieges war eine Warnung. Aber es liegt nun einmal in der menschlichen Na­tur, daß gerade große Ziele, die jenseits des täg­lichen Horizontes liegen, die eine völlige Erfassung aller seelischen und körperlichen Kräfte erfordern, auch auf Zweifel. Bedenken, Rücksichten aller Art stoßen. In solchen Augenblicken ist ein Kraftwort ein wahrer Gottessegen. Genau so hat auch der Führer beim Spatenstich für die erste Autobahn ein ganz kurzes Stichwort gegeben:N u n fan­get an!"

Und es wurde angefangen. Das ist zuerst ein­mal die Hauptsache. Und jenes alte WortSchnaps ist Schnaps und Dienst ist Dienst" appelliert a n den guten Willen, macht klar, daß auch noch Raum bleibt für einen derben Scherz oder einen harmlosen Jux, uitzd rückt eben darum das eigent­liche Ziel in den Bereich des Anschaulichen und Ge­genständlichen. Wenn wir heute an den ersten Spa­tenstich bei den Reichsautobahnen oder an die Ver­kündung des Vierjahresplanes zurückdenken, sind wir alle sehr befriedigt, möchten das vollbrachte Werk um keinen Preis der Welt missen und sehen selbst eine gelegentliche persönliche Aufregung heute mit der geruhsamen Ueberlegenheit des klug ge­wordenen Zeitgenossen an.

In dieser Stimmung können wir nun auch ein­mal Revue passieren lassen, was wir in der Heimat seit einem Jahre Krieg erlebt haben. Wir alle haben damals zunächst an die Verwandten und Bekannten gedacht, die unter die Fahnen gerufen wurden. Auf uns lastete noch die Er­innerung an die großen Opfer des Weltkrieges. Ein ungeheures Staunen ging durch das deutsche Volk, als der Führer am 6. Oktober 1939 die Zahl der Toten und Verwundeten des Polenfeldzuges be­kanntgab. Alle Erwartungen waren unterboten. Wir haben um so schmerzlicher den Verlust jedes Menschen empfunden, der in unserem persönlichen Umkreis den Blutzoll seinem Vaterland entrichtet hat. Aber wir haben doch aufgeatmet. Und wer et­was weiter dachte und sich einen Reim auf die Dinge zu machen suchte, wurde wohl inne, daß die unerhörte Bewegung, die Adolf Hitler in die in­nere und die äußere Politik hineingetragen hatte, nun doch auf militärischem Gebiet zum durchschla­genen Prinzip gemacht worden war: mit einem Riesenerfolg. Alle großen Feldherren haben schnelle Feldzüge geführt, von Friedrich dem Großen stammt der Satz, daß der Grenadier den Sieg, in den Beinen trägt. Und Napoleon war oer Schöpfer der modernen Aufmarschstrategie. Aber zu dieser wundervollen Größe und Feinheit ist bas, Bewe­gungsprinzip in der Kriegsgeschichte doch erst 1939/ 40 entwickelt worden.

Die Menschen kamen gar nicht mehr richtig mit.

gierung mit einem derartigen inaktiven Verhal­ten des Schweizerischen Bundesrates einver­standen erklären können. Weder ein einmaliger lahmer Protest in London noch ein hin und wie­der abgefeuertes Flakgeschütz können die ernsten Absichten glaubhaft machen, daß man gewillt ist, seine Neutralität mit allen Mitteln zu verteidigen. Es ist noch nicht allzu lange her, daß die Schweiz von ihrer ausgezeichneten Luftwaffe Gebrauch machte und fremde Flugzeuge bei unberechtigtem Ueberfliegen ihrer Grenze durch ihre Messerschmitt- Jäger ab schoß oder zur Landung zwang. Es soll der Schweiz nicht vorgeschlagen werden, welcher Mittel sie sich zur Aufrechterhaltung und Sicherung ihrer Neutralität bedienen kann. Es muß hingegen feftgestellt werden, daß sich die Schweiz im Vergleich zu früheren Beispielen in bezug auf diese neuen englischen Neutralitätsbrüche ü e i w ei­te m n o ch n i ch t a l l e r ihrer Verteidigungsmittel bedient hat. Zur Wahrung dieser absoluten Neu­tralität der Schweiz darf man sicherlich erwarten, daß auch ihre Jagdflieger in Zukunft star­ten werden, zumal keineswegs alle Ein- und Aus­flüge der englischen Maschinen ausschließlich'-in stock­dunkler Nacht erfolgt sind.

eilen..

Die Kapellen in den großen Kaffeehäusern? Im Lärm schwatzender Menschen blüht plötzlich eine ge­tragene, schwere, tiefe Melodie auf. Nie schließt sie qang der Primas, das Gesicht inbrünstig über fein Instrument geneigt, macht immer noch ein paar

Schnörkel an die letzte Note einer Phrase, als wollte er das Schweben des Tones ganz auskosten. Plötzlich ein Schnellerwerden, immer schneller, noch schneller, der Primas reißt die Geige hoch, der Bogen federt über die Saiten, und nun wirbeln und jagen sich die Töne wie toll: Ezardas. Ezardas auf einem Dorf in der sonnigen Pußta, schwere Füße stampfen im Takt der Baßgeige, rote Röcke fliegen über Hellen Strümpfen. Und man sinkt spät, berauscht von Musik und schwarzem Kaffee, ins Bett.

Leichtgläubigkeit.

Kaum aber saßen wir wieder am Tisch, tranken und lachten, als die Fenster klirrten, ein Hochzeits- marsch an dem Wirtshaus vorbeiklang, dem Bahn­hof zuftrebte, und dort verhallte.

Keiner der Gäste wägte es, sich vom Stuhl zu erheben. Wir schwiegen. Als keine Fröhlichkeit mehr am Stammtisch aufsproß, verabschiedeten wir uns, und jeder ging heim.

Am nächsten Morgen las ich in der Zeitung, daß der Provisor der Hirschenapotheke sich in einer Weinspelunke um Mitternacht erschossen hatte.

Im Bahnhofswirtshaus wurde viele Monate nach diesemVorfall" noch gestritten, obder Peter" den Stammtischgästen sichangezeigt" hätte, oder ob, was Unbeteiligte meinten, die Ohren Berausch­ter den Hochzeitsmarsch vernommen hätten.

An einem Abend nach Weihnacht kehrte ich wie­der in dem Wirtshaus an der Bahnhofstraße ein. Ich hatte die Stammtisch-Gesellschaft einige Wochen nicht besucht. Seelenfroh war ich nun, wieder einen Abend bei Gelächter und Geplauder verbringen zu dürfen.

Ich fragte nachbem Peter".

Der hat jetzt wen, kommt nimmer", hieß es da. Die Gunst der Stammtischleute schien dem jungen Apotheker entzogen worden zu sein. Ich war miß­gestimmt. Ohne ,chen Peter" wollte ich mich auch nicht mehr den Biertrinkern und Kartenspielern preisgeben. Oft hebt je ein einziger in der Gesell­schaft die Waage der Fröhlichkeit, hält das Züny- iein der Waage in der Mitte, deren Schalen die Götter mit Geschenken füllten.

Aber das Bier mundete mir, ich blieb, lieber die Fensterscheiben rannten draußen die Schlänglein der Regentropfen. Die Uhr zeigte die Stunde der Mitternacht. Ich hatteden Peter" vergessen.

In jener Zeit kam es häufig vor, daß durch die Bahnhofstraße bei Tage bäuerliche Hochzeits-Gesell­schaften geführt wurden. Sie »wurden von Musi­kanten zum Bahnhof geleitet, die den Hochzeits- marfch aus vollen Backen bliesen.

Alle horchten wir erschrocken auf, als durch die Regenstille der Mitternacht das helle Geschmetter der Hochzeitsbläser erklang. Wer ließ sich jetzt um Mitternacht zur Bahn begleiten? Wir liefen an das schon geschlossene Wirtshaustor, öffneten. Nur der Regen sprang mit klingenden Schuhen über das Pflaster der Straße. Kein Laut eines Homes, kein Laut einer Trompete! Wir lachten jetzt über unsere

über seinen Dächern Glanz und Rauch der großen Städte, rechts Buda, das alte Ofen, mit unzähligen Lichtpünktchen bis hoch auf den Blocksberg hi nauf - kletternd ein zauberhaftes Bild, das man einmal und immer wieder sieht. Aus den großen Hotels am Kai weht Musik, und mgn spürt Atem und Pulsschlag einer Millionenstadt.

Der helle Tag berichtigt das Bkld etwas. Die ungarische Hauptstadt, oder genauer: ihr neuer Teil, Pest, ist abseits vom Strom von der Gleichförmig­keit vieler mitteleuropäischer Großstädte, und ihre repräsentativen Gebäude sind fast alle in dem pomphaften Mischstil der letzten Jahrzehnte des ver­gangenen Jahrhunderts errichtet, der nicht mehr Ausoruck heutigen Lebensgefühls ist. Reizvoller für den Fremden, wenn auch nicht so großstädtisch, so europäisch, ist das Bild, das Ofen bietet. Enge, winkelige Gaffen, kaum ein Haus, über dessen niedrigem Erdgeschoß sich ein oder gar mehrere Stockwerke erheben, kleine verschwiegene Höfe, dicht­belaubte Bäume darin. Frauen in grellen roten Röcken, Krüge auf den weißen Kopftüchern, klap­pern vorbei. Die hellen Mauern leuchten in der Sonne, und man fühlt, daß hier i^r Balkan be­ginnt.

Und doch erhebt sich nicht weit von diesen schma­len Gäßchen hoch über dem Gewirr der niedrigen Häuser das Regierungsviertel mit der Hofburg als Mittelpunkt. Mittaas wird die Burgwache feierlich abgelöst, ein Schauspiel, zu dem sich an den Sonn­tagen die Budapester in hellen Scharen einfinden. Blechmusik schmettert irgendwoher, die Wachmann­schaft auf dem Burgplatz, Büschel grüner Federn über den braungebrannten Gesichtern, tritt vor der Rampe des Wachlokals an. Die Musik kommt näher, schwenkt vor der Wache ab, hinter ihr die ablösende Mannschaft reiht sich der Rampe gegenüber auf. Griffe klappen, in feierlichem Stechschritt kommen die beiden Fahnenträger aufeinander zu, die Fahne wird der Ablösung übergeben.

Hinterher gibt es im Hof der Burg Platzkonzert. Die Mädchen, in hellen Kleidern, tänzeln mit, bis die Musiker ihre Instrumente zusammenpacken und es Zeit wird, zum sonntäglichen Paprikagulyas zu

Oer Hochzeitsmarsch.

Von Richard Billmger.

Oft ging ich von meinem Heimatdorf in die Stadt Passau. Botengänger brauchen für diesen Weg drei Stunden. Bettelleute und Stromer wohl mehr. Tä­ler und Bühel bezwingen erst die Straße, bis sie die Stadt Passau sehen lassen.

Inn, Donau, das Flüßchen Jlz münden hier in­einander. Passau war durch Jahrhunderte nur Bi­schöfen unterständig. Inzucht und Guldenehen schu­fen hier, so sagte man, Hexen und Häßliche.

Peter Wellig stand der alten Hirschapotheke als Provisor vor. Ich lernte ihn in einer Stammtisch- Gesellschaft kennen, die sich in einem Wirtshaus an der Bahnhofstraße jeden Abend traf.Der Peter" hieß der Apotheker in aller Munde. Er ließ sich das Scherzwort gefallen und war erstaunt, verwirrt, grüßte man ihn bei seinem richtigen Taufnamen. Allen fehlte etwas, warder Peter", der aus dem Rheinlande flammte, nicht in der Stammtisch-Ge­sellschaft erschienen.

Und der Peter versäumte kaum einen der Abende. Alle durften ihren Uebermut an ihm entladen. Man durfte ihnaufziehen", Liebschaften ihm andichten, ihn mit geheimnisvollen Beziehungen zu Haus- Hexen und Stadtnixen wie mit goldenen Gespinsten beschenken.

An einem Nooemberabend führte michder

Budapest - Hauptstadt des größeren Ungarns.

Von Joachim Lange.

Sie werden staunen, wie gut ich ungarisch spreche!" sagte der blutjunge deutsche Student zu der blutjungen deutschen Studentin, die er auf einer Umversitätsrrise in Budapest kennengelernt hatte. Die beiden hatten nachmittags auf der von der Do­nau umspülten Margareteninselgejaust" und war­teten nun auf die Straßenbahn.

Die Wahrheit zu sagen (aber die hatte er der Kameradin nicht gesagt): in der Tasche trug der blutjunge Student einen Sprachführer, ein hand- lrches Ding mit Redewendungen für alle Lebens­lagen. Gewissenhaft hatte er sich alles Wichtige eingeprägt von dieser wohl vertracktesten euro­päischen Sprache und konnte sogar die Zahlen von 1 bis 100 und von 100 bis 1 herunterschnurren. Und wasZweimal Baroßplatz bitte!" heißt, wußte er auch. Dort, am Ostbahnhof, lag das Hotel der Reisegesellschaft.

Der Schaffner kam.Kettö Varotzter kerem! näselte der Student möglichst lässig. Der Kmnera- din Augen weiteten sich bewundernd. Doch der Schaffner machte ein Gesicht, als hätte er Botoku- disch gehört. Dann ging ein freundliches Lächeln über seine Züge.Einfach oder Umsteiger? fragte er in bestem Deutsch. .,. . . ~

Den Sprachführer legte ich daraufyin in den Koffer. Denn man kommt überall in Budapest mit Deutsch durch.

Nicht mit der Bahn mit dem Wiener Donau- dampfer muß man nach Ungarns Hauptstad4 fah­ren, wenn man schon beim Eintreffen das Stadt­bild in seiner ganzen Schönheit sehen will. Zwölf Stunden dauert die Fahrt und sie fuhrt, nachdem das Schiff Prehburg hinter sich gelassen hat, durch die gerade in ihrer grünen Eintönigkeit und Ein­samkeit reizvolle ungarisch-slowakische Grenzland­schaft. Erft kurz vor Budapest, wenn der Strom den scharfen Knick von Ost nach Süd macht, dran­gen sich mächtige Felsmassive an die Ufer.

Die Ankunft in der Abenddämmerung bleibt un­vergeßlich: breit fließt der Strom, die Lebensader des Südoftens, dahin, silbern furchen die kleinen .schnellen Lokaldampfer, diePropeller", durch die Wellen, und von Ufer zu Ufer fpannen sich die fünf mächtigen Brücken. Links Pest, der neuere Teil,

Peter" in eine alte Herberge, in der Schiffsleute und Matrosen verkehrten. Die Kellnerin, die ge- schmuggellen Griechenwein ausschenkte, fand der Rheinländer aller Verehrung seines Herzens wür­dig. Auf Peters Antlitz saß die Glut einer Ver­zauberung. Ich erschrak. Ich kannte die Dämonen dieser Stadt. Ich scherzte mit der Kellnerin. Ich I wollte das Weib kleinmachen,den Peter" vor diesem Leuteweib retten. i