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syo. Jahrgang Nr. 55

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Dienstag, 5. März 1940

Eichener Anzeiger

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vrühlsche UniversttStrdnlckerei R. Lange General-Anzeiger für Oberhessen Stehen, Zchulstratze 7-9

Der italienische Protest in London.

Englands Maßnahmen gegen den deutschen Kohlenexport stören die englisch-italienischen Beziehungen.

deutung zukomme, die sie in dem im Jahre 1914 ausgebrochenen Konflikt nicht gehabt hätten.Sun- day Times" veröffentlichte eine Meldung aus Neu- york, nach der selb ft in den Vereinigten Staaten die Erregung gegen die englischen Blockademaßnahmen bedenklich zu wachsen beginne. Auch die japanische Presse mahnt zu aufmerk­samer Überwachung der Art, in welcher von den europäischen Westmächten der Wirtschaftskrieg im Fernen Osten geführt wird.

Oer Wehrmachtsbericht

Berlin, 4.März. (MB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Zwischen Saar und Pfälzer Wald wurden durch einen Spähtrupp sieben, an einer anderen Stelle zwei französische Gefangene eingebracht.

Die deutsche Luftwaffe setzte in der Rächt vom 2. zum 3.3. ihre Lrkundungstätigkeit an der englischen Ostküste und über Oslfrankreich fort. Einzelne Feindflugzeuge flogen in großer höhe von der Deutschen Bucht her nach Ilordwestdeutschland ein. Dabei überflog ein englisches Flugzeug die deutsch-dänische Grenze.

Ein Rat an die Neutralen.

Großadmiral Raeder über die deutsche Seekriegführung.

Berlin, 4. März. (DNB.) Der Oberbefehls­haber der Kriegsmarine, Großadmiral Dr. h. c. Raeder, gewährte einem Vertreter der National Broadcasting Company, Neuyork, eine Unterredung. Er wies darauf hin, daß England mit der Erweite­rung seiner Banngutliste den Krieg gegen die deut­sche Zivilbevölkerung begonnen habe. Da ein Krieg nur auf Gegenseitigkeit geführt werden könne, habe Deutschland das Recht und seinem eige­nen Volk gegenüber auch die Pflicht, mit gleich­artigen Mitteln gegen England vorzugehen. Die von Deutschland getroffenen militärischen Maß­nahmen verfolgten keinen anderen Zweck, als den Transport derselben Waren nach England zu ver­hindern, die England nicht nach Deutschland ge­langen lassen wolle. Deutschland stelle alle zu mili­tärischen Zwecken bestimmten Fahrzeuge in die Kriegsmarine ein, mache sie also offiziell zu Hilfs­kriegsschiffen, die die Kriegsflagge führten und deren Besatzungen Angehörige der Kriegsmarine, also Soldaten seien, England dagegen benütze zivile Fahrzeuge und Seeleute, ohne sie zu Bestandteilen der Kriegsmarine zu machen. Sie leisteten unter der Handelsflagge reine Kriegs­arbeit. Das deutsche Rechtsempfinden erblicke hierin eine echt englische Heuchelei, wenn England sich nach dem Verlust solcher Fahrzeuge beklage, Deutschland habe harmlose zivile Fahrzeuge ange­griffen.

Großadmiral Raeder behandelte dann die Ge­fahren, die neutralen Handelsschiffen drohen, wenn sie sich kriegsmäßig verhalten. Hierzu gehöre auch das Fahren im Konvoi.

Vier deutsche Zager gegen zwölf Moräne

Rom, 4. März. (DNB.)Agenzia Stefani" ver­öffentlicht die italienische Protestnote an England. In ihr heißt es: Die faschistische Regierung bezieht sich auf die Mitteilung der britischen Regierung, wo­nach jedes Schiff, das mit einer LadungKohlen deutschen Ursprungs nach dem 1. März den Hafen, an dem es diese Kohlen an Bord genommen hat, verläßt, Kontrollmahnah men unterliegt. Angesichts dieser Maßnahme, die die italienischen Interessen schwer schädigt, erneuert die faschistische Regierung in der entschiedensten Form die Proteste und die Vorbehalte, die sie bereits hinsichtlich der Prinzipien äußerte, die die Maßnahmen der eng­lischen Regierung bezüglich des Wirtschaftskrieges bestimmen und die Art und Weise ihrer Anwendung gegenüber den nichtkriegführenden Staaten.

Im Hinblick auf die in Kraft befindlichen inter­nationalen Normen ist die heute geübte Praxis offenbar rechtswidrig. Denn diese Praxis führt dazu, den ganzen Seehandel der nichtkrieg- führenden Staaten einer oft beleidigenden Kontrolle zu unterwerfen, indem man von ihnen eine be­schwerliche Dokumentierung verlangt, die nicht mit Lern normalen Geschäftsgeheimnis des Handels vereinbar ist und das Abweichen der Schiffe von ihrem Kurs mit oft auf Wochen ausgedehnten Aufenthalt in den Kontrollhäfen zur Norm erhebt und so der Entwicklung des Handels schweren Schad en zu fügt mit dem Ergebnis, die Einfuhren der nichtkriegführenden Staaten lahmzulegen, was unmittelbare und sofortige Rückwirkungen auf die Industrie und die Beschäftigung der Arbeiter hat. Die Beschlagnahme der Postsäcke auf hoher See und die Kontrolle der Brieffendungen, auch wenn diese von Italienern an Italiener gerichtet sind, stellt eine flagrante Verletzung d e s Post- geheimnisses dar, das die XL Haager Kon­vention von 1907 ausdrücklich hat garantieren wollen.

Gänzlich unvereinbar mit den grundlegenden Prinzipien des internationalen Rechtes ist aber vor allem der von der englischen Regierung gefaßte Entschluß, die aus Deutschland auf dem Seewege nach Italien gelangenden K o h l e n i m p o r t e einer Kontrolle zu unterziehen, um so mehr, als die britische Regierung weiß, daß diese Kohle für das Leben und die Arbeit des italienischen Volkes eine un­bedingte Notwendigkeit darstellt. Diese Maßnahme ist geeignet, die wirtschaftlichen und politischen Be­ziehungen zwischen Italien und Großbritannien wie sie in dem Abkommen vom 16. April 1938 vereinbart wurden zu stören und zu be­einträchtigen.

Die Auffassung in Rom.

Rom, 5. März (Curopapreß.) In einem Teil des Auslandes scheint man den italienischen Pro­test gegen London dahin auszulegen, daß die Mei­nungsverschiedenheiten allein schon durch ein Ent­gegenkommen Englands in der Frage der italieni­schen Kohlentransporte aus Deutschland behoben werden könnten. Dieser Auffassung tritt man in maßgebenden römischen Kreisen scharf entgegen. In der Protestnote werde das verwickelte Problem der Wirtschaftsblockade Englands gegen Deutschland und der Methoden, mit denen sie durch geführt werde, in der Gesamtheit aufgeworfen. Das Dokument sei so geartet, daß es alle Staaten inter­essiere, die sich infolge der Verschärfung der Blockade zur See in eine besonders schwierige Lage versetzt sähen.

Tevere" zieht einen Vergleich zwischen dem ge­genwärtigen Verhalten Englands gegenüber Italien und jenem beim Ausbruch des Weltkrieges. Die tele­graphische Anweisung, die Churchill damals dem Kommandanten der Mittelmeer-Flotte gegeben habe, die italienische Neutralität streng zu achten und allen englischen Kriegsschiffen zu ver­bieten, sich auf weniger als sechs Meilen den ita­lienischen Küsten zu nähern, habe klar gezeigt, als wie unheilvoll jeder mögliche Zwischenfall für die damalige Sache Englands von Churchill beurteilt worden sei. Ob Churchill noch immer überzeugt sein mag, daß der kleinste Zwischenfall mit Italien un­heilvoll sein könne, um diese Frage zu beantworten, müßte man wissen, welchen Unterschied Churchill zwischen dem heutigen und dem damaligen Augen­blick sehe. Die Geschichte registriere heute eine Kraft, die im Jahre 1914 nicht bestanden habe, das sei das faschistische Imperium mit seinen uneinschränkbaren Notwendigkeiten und seinen unwiderruflichen Vor­haben. Der jüngste törichte Versuch Englands gegen Italien habe auch sein Gutes, da er die größtmög­liche Ausnutzung der Landtransporte beschleunige, auf die sich im übrigen der italienische Handelsverkehr aus wirtschaftlichen, politischen und militärischen Gründen bereits automatisch ausgerich­tet hätte. Bereits vor zehn Jahren seien über die östlichen nördlichen Pässe also die westlichen nach Frankreich ausgenommen 8 600000 Tonnen ein­geführt worden, so daß man bei einer planmäßigen Steigerung der Transporte bequem auf eine zwei- bis dreifache Leistung kommen könne, die auch im Kriegsfälle gesichert' fei.

Starker Eindruck in London.

Rom, 4. März. (Europapreß.) Daß der Ein­druck, den die energische italienische Protestnote in London ausgelöst hat, tiefgehend ist, geht aus dem Bericht des Londoner Korrespondenten derTri- buna^ hervor. Man beginne in London zu ver­stehen, daß dieRechte" der Kriegführenden schließ­lich von dem mehr ober weniger sich fühlbar machenden Widerstand der Neutralen ab­hängig bleiben, denen in diesem Kriege eine Be-

(P.K.) Feindliche Flugzeuge im Anflug! Zwei, drei, nein zehn, zwölf schwarze Pünktchen heben sich vom hellen Mittagshimmel ab. Unten hat die französische Flak, die die deutschen Jäger von der Grenze ab aufs Korn nahm, das Schießen ein­gestellt. Jetzt sind die deutschen Jäger inzwischen sind es vier Maschinen, am Feind.

Und nun zeigt sich, wem der französische Angriff gilt- Vor sich her treiben die zwölf Moräne einen deutschen Fernaufklärer! Die Jäger wen­den in engster Kurve und jagen ihre Garben aus Kanonen und Maschinengewehren zwischen das Rudel. Im Augenblick lassen die zwölf von dem Fernaufklärer ab und stieben wild durcheinander.

Der Führer der deutschen Jagdgruppe hat einen Franzosen vor sich bekommen, der nicht mehr recht­zeitig abdrehen kann. Aus 60 Meter Entfernung trifft ihn der erste Feuerstoß. Die Moräne kippt nach unten ab. Kein Fallschirm öffnet sich, nur Augen­blicke sind es, bis die Maschine am Boden zerschellt.

........ (PK.) Wir sind in F o r b a ch. Durch die aufgebrochenen Mauern eines halb zer­schossenen Hauses blicken wir zum Feind. Ein son­nenklarer Nachmittag. Weit schaut man in Feindes­land. Hier und dort haut die Artillerie em. Hoch oben in der Luft fliegen Jäger und eine große Aufklärermaschine.

Gerade will mir ein Jnfanterieleutnant einen markanten französischen Befestigungspunkt zeigen, als wir plötzlich vor uns eine brennende Maschine im Gleitflug niedergehen sehen. (Eine deutsche Maschine? Ein Aufklärer? Zwischen den französischen Bunkern muß sie not­gelandet sein. Etwa 4 bis 5 Kilometer vor uns. Mit Bestimmtheit will mein Nebenmann das Flug­zeug als deutsche Maschine erkannt haben. Jetzt schlagen Stichflammen auf! Entweder beim Auf­schlag explodiert oder von der Besatzung in Brand gesteckt ... Wir warten. Ein Vorstoß bis zur Auf- jchlagstelle kann nicht unternommen werden.

Deutsche Jagdflugzeuge stießen bei Grenzüber­wachung in Gegend Diedenhosen auf französische Jagdflugzeuge. Ls kam zu einem L u f t k a m p f zwischen vier Messerschmitt-Flugzeugen und zwölf Moräne-Flugzeugen. Nachdem ein französi- schesFlugzeugabgefchoffen war, entzogen sich die Franzosen trotz ihrer dreifachen Ueberlegen- heit dem weiteren Kampf.

Ein deutsches Heinkel-Ausklarungsslugzeug mußte nach einem Luftkampf mit drei französischen Jägern in der Gegend von Wetz, in dessen Verlauf beide Motoren aussehten, mitten in der französischen Feslungslinie notlanden. Die Besatzung ver­brannte ihr Flugzeug. Zwei Mann, von denen einer einen schweren Oberschenkelschuß erhallen hatte, schlugen sich durch die französischen Linien bis in die deutsche Stellung durch.

ll-Boot meldet Versenkung von 36000 Bruttoregistertonnen.

Berlin. 4. März. (DBB.» Lin U-Bool meldet nach Rückkehr von Fernfahrt die Versenkung von 36 000 Brt.

Die einzelnen Schiffe übertrügen den bewaffneten Widerstand gegen die prisenrechtliche Untersuchung auf die geleitenden Kriegsschiffe. Der deutsche Standpunkt sei: Wer Waffenhilfe in Anspruch nimmt, muß Waffeneinsatz gewärtigen!

Im Küstenoarfeld eines kriegführenden Landes fei naturgemäß damit zu rechnen, daß von beiden Seiten mit Einsatz aller neuzeitlichen Kampfmittel gekämpft werde. Dies gelte besonders für die Seegebiete vor der englischen Küste, zumal die brittsche Admiralität die neutralen Han­delsschiffe zum Befahren minenverseuch­ter Gebiete zwinge und durch den Mißbrauch neutraler Flaggen sowie durch die Verwendung von Handelsschiffen zu Kriegszwecken die Unterscheidung von feindlichen und neutralen Handelsschiffen nahe­zu unmöglich mache. Das Verbot des Präsidenten Roosevelt für die amerikanische Schiffahrt, die ge­fährlichen Zonen um England zu befahren, ist der beste Beweis gegen das von England geübte Ver­fahren, das die 91 eutraten zum Befahren dieser Gebiete zwingt, ohne in der Lage zu sein, ihre Sicherheit zu gewährleisten. Deutschland kann allen Neutralen nur raten, die Politik des Präsidenten nachzuahmen. In bewußter Unterstützung der Ab­sichten der Vereinigten Staaten, die Deutschland respektiert, wird die deutsche Kriegsmarine nach Möglichkeit anstreben, Schisse der USA. grundsätz­lich zu schonen wo es auch immer sei. Ich hoffe, daß diese eindeutige Stellungnahme von unserer Seite so verstanden wird, wie sie gemeint ist: als vorbehaltlos und aufrichtig.

Keiner der übrigen hat mehr Lust, sich mit den deutschen Jägern einzulassen; in kurzer Zeit sind die vier deutschen Jäger Herren des Luftraumes über Diedenhofen, das friedlich und still unten in der Sonne liegt. Wenige Minuten später sind die Jäger wieder über der Grenze.

Schon am Vortage konnte die Jagdgruppe fünf Luftkämpfe buchen, bei denen die Franzosen den Kürzeren gezogen hatten, lieber St. Avold erwischte sie eine Moräne, bei Völklingen trafen acht Jäger auf zehn Moräne, von denen drei nach wirksamen Beschuß mit Trudelbewegungen nach unten ver­schwanden. Südostwärts Diedenhofens hätten es drei Franzosen verstanden, deutsche Jäger über die Grenze zu ziehen. Eine Mureaux stürzte nach den ersten Angriffen flatternd unach unten. Es muß doch ein beklemmendes Gefühl fein für die Fran­zosen, über ihrem eigenen Gebiet eine Schlappe nach der anderen zu erleiden, obwohl sie zumeist in der Ueberzahl waren. Hans Herbert Hirsch.

Zwei Stunden sind bereits vorbei. Das Schicksal der Besatzung scheint besiegelt zu sein. Da! Dort! Zwei Gestalten kommen angewetzt. Sie ver­schwinden jetzt im Hohlweg, drücken sich an der Waldecke vorbei, laufen in Richtung auf Forbach. Jetzt tauchen sie wieder auf. Ein Blick durch das Fernglas. Zwei Flieger in ihrer Kombination. Wir pirschen uns entgegen. Wirklich es sind der Flugzeugführer und der Beobachter des deutschen Aufklärers. Der Beobachter hat einen Steckschuß im Oberschenkel, aber trotzdem hat er den Lauf auf Leben und Tod durchgehalten. Wir heben ihn über die Hindernisse und tragen ihn ins nächste Haus.

Stoßweise erzählt der Flugzeugführer, ein Unter­offizier, von diesem dramatischen Flug.Auftrag: Aufklärung über einem bestimmten Gebiet. Fast alle Objekte waren bereits abgeflogen und fotografiert, als in der Gegend von Metz in etwa 8200 Meter Höhe drei französische JägerMo­räne" ankamen. Wir wehren uns mit allen

OerGchußvorEnglandsBug

England hat stimmungsmäßig und sachlich eins Schlacht verloren!" So wird knapp und klar in einem bekannten Blatt des neutralen Auslandes gegenüber dem deutschen Heeresbericht über die ersten sechs Monate Krieg festgestellt. Die englische Regie­rung hat auf diesen Bericht gar nicht schnell genug antworten können. Sie schickte dazu ihren Schatz­kanzler, Sir John S i m o n , an das Rundfunkmikro­phon, kaum, daß der deutsche Tatsachenbericht mit seinen nüchternen Zahlen bekanntgeworden war.

Die Regierung Chamberlain hätte sich sagen müssen, daß sie mit dieser kopflosen Ueberstürzung und mit der armseligen Inhaltslosigkeit ihrer Ent­gegnung den durchschlagenden Eindruck des deutschen Wehrmachtsberichtes nur noch unterstrich. Sie hat schon sechs Monate vorher Tag für Tag den schweren Fehler gemacht, Papiererfolg auf Papiererfolg zu veröffentlichen. Diesem ganzen Lügensystem, dem dis übrige Welt mit zunehmender Skepsis begegnete, stand nun plötzlich die sehr knappe, sehr zurückhal» tende Aufzählung der Tatsachen des Oberkommandos der deutschen Wehrmacht gegenüber. Was hätte für die englische Regierung nach dieser Veröffentlichung näher liegen müssen, als den deutschen Bericht Satz für Satz, Tatsache für Tatsache, Zahl für Zahl zu widerlegen und darüber hinaus ihm mit der! gleichen Präzision die sechsmonatigen(Erfolge" der englischen Kriegführung gegenüberzustellen! Nichts davon ist geschehen, nicht eine einzige Zahl, nicht eine einzige Tatsache konnte der als Sprecher vor­geschickte englische Schatzkanzler widerlegen, ja auch nur anzweifeln! Mit ein paar allgemeinen Redens-, arten ist deutschen Wehrmachtsberichten ja nun wirklich nicht beizukommen. Nichts ist für die Kampf läge im allgemeinen und für die Lage der Regierung Chamberlain-Churchill bezeichnender als dieser völlig resignierte Verzicht auf jede sachliche Antwort.

Inzwischen haben der deutsche Wehrmachtsbericht einerseits und der genannte englische Verzicht ander­seits im ganzen neutralen Auslande so stark ge­wirkt, daß man in Landon wahrscheinlich sich mit den einschlägigen Ministerien zusammensetzen und Stichworte für die Presse ausgebeif wird, die sich dem Wehrmachtsbericht gegenüber bisher völlig hilflos gezeigt hat. Eine solche nachträgliche Zu­sammenstopp elung von Antwortsversuchen würde der dritte schwere Fehler sein, den die Regierung Chamberlain machen könnte. Wir verweisen dabet auf zwei auffallende Tatsachen, die keines kammen- iiörenden Wortes bedürfen. Erstens ist Herr Duff Cooper von feiner bekanntlich recht unerquicklichen! Propagandareise nach Amerika mit der Erkenntnis zurückgekehrt, daß mit der Propaganda für Eng­lands Krieg allein heute kein Staat mehr zu machen ist. Und zweitens verlangt das Pariser Blatt Ordre" im Ton des völlig verärgerten lieber» druffes,'daß man mit der Methode der Lügendem richte über militärische und zivile Dinge endlich aufhören muß". Diese Forderung unmittelbar nach der Veröffentlichung des deutschen Wehrmachtsbe­richtes über die ersten sechs Monate Krieg und nach der hilflosen Antwort der Regierung Chamberlain spricht Bände.

Man war in London im besten Zuge, Deutsch­land auf dem Papier umzubringen. Man vernich­tete fortgesetzt deutsche U-Boote, andauernd sollten englische Flieger über den wichtigsten deutschen Städten sein usw. In diese alberne Komödie hin­ein platzte der deutsche Wehrmachtsbericht wie ein Schuß vor den englischen Bug. Es ist nitch der erste Nervenschock, den die Regierung Chamberlain in diesem Kriege erleidet. Und es wird, wie die Wir­kung des deutschen Berichtes im Auslande zeigt, ganz gewiß nicht der letzte sein.

MGs. Beim dritten Anflug haben sie anscheinend den Bordmonteur und den Funker getroffen. Ich rufe mehrmals nach hinten durch, aber niemand meldet sich mehr. Auch den linken Motor hat es dabei erwischt. Nur der Beobachter kann noch nach vorn schießen. Nach hinten sind wir ungeschützt. Ueberall prasselt es in die Maschine hinein. (Ein MG.-Schuß geht ins Armaturenbrett und knallt mir irgendeinen Teil ins Gesicht. Nun scheint's den Kameraden neben mir gepackt zu haben. Er ist ge­troffen.Durchhalten", schreie ich ihm zu.

3000 Meter Höhe verloren. Auch der rechte Mo­tor tut es nicht mehr, schweigt. Schaffen wir es irrt Gleitflug bis zu den deutschen Linien? Vielleicht! Tiefer geht es. I ch m u ß l a n d e n. Das Fahrwerk muß drin bleiben. Es müßte mit der Hand heraus­gekurbelt werden. Der Beobachter verwundet das schaffe ich allein nicht. Also Bauchlandung. Mitten hinein in die französischen Bunker. Noch immer hängt ein Jäger hinter uns und schießt!

Wir sind unten wie, das weiß ich selber nicht mehr. Heraus aus der Kiste! Noch schießt der französische Jäger auf uns. Nach rückwärts schaue ich zu den beiden Kameraden. Leblos hängen sie zwischen den Seilen. Sie sind tot. Maschine und Hilfsmaterial vernichten! Zwei Brand­bomben und das Flugzeug brennt.

Nun heißt es türmen. Von überall her erhalten wir schon Beschuß. Mit MG.s und Gewehren kommen die Franzosen aus ihren Bunkern und schießen wie verrückt. In Kombination und in Pelz­stiefeln geht's los. 150 Meter hinter uns find dis Verfolger. Sprung auf Marsch, Marsch! Mit zu­sammengebissenen Zähnen hält der verwundete Ka­merad aus.

Hinter einem Gebüsch halten wir Kriegsrat. AuS dem Flugzeug heraus haben wir bereits Saar­brücken gesehen, dort muß also Forbach liegen. Weiter! Links und rechts hauen die MG.-Schüsse in den Dreck und pfeifen uns die Gewehrkugeln um die Ohren. An Feldstellungen geht's vorbei. Der Franzose scheint hier ausgezogen zu sein. Im Zickzack geht es um eine Waldecke, immer die Pistole in der Hand. Genau auf Forbach zu, stießen auf Euch!"

Der verwundete Bordfunker befindet sich ohne Lebensgefahr wohl betreut im Lazarett. Der Flug,

Zwischen französischen Bunkern noigelandei.