zeugführer tut bereits wieder Dienst bei seiner Stoffel. Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generalfeldmarschall Göring, hat beide Ueberlebenden für ihr unerschrockenes Handeln mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse ausgezeichnet.
Oer zweite Messetag.
Bereits ansehnliche Exportaufträge.
Leipzig, 4. März. (DNB.) Am zweiten Messetag überstieg an fast allen Wirtschaftszweigen die Nachfrage die Erwartungen. Auch das Ausland trat befriedigend in das Geschäft ein, so Holland, die skandinavischen Länder, der Südosten und Italien. Es sind bereits recht ansehnliche Exportaufträge zustande gekommen. Auf der Textil- und Bekleidungsmesse war die Nachfrage in bewirtschafteten Artikeln außerordentlich stark. Beliebt sind Geschenkartikel. Auch auf der Porzellan-Messe war das Geschäft lebhaft. Auf der Reichsmöbelmesse herrschte sehr reger Betrieb. Die Schweiz erteilte Probebestellungen Die Hersteller von Lederwaren und Reiseartikeln berichten über ein gutes Messegeschäft. Austauschstoffe finden reges Interesse. Die Messe in Eisen- und Stahlwaren war zeitweise überfüllt. Hier waren Holländer und Einkäufer aus dem Balkan Interessenten. Das Kunsthandwerk ist angenehm überrascht. In Papier- und Schreibwaren entwickelte sich ein umfangreiches Geschäft. Auf der Mustkinstrumenten-Messe besteht lebhafte Nachfrage. In Spielwaren überstieg die Nachfrage ebenfalls die Erwartungen. Große Aufträge in modischem Schuhwerk erteilten Belgien, Holland, Jugoslawien, Ungarn und Rumänien.
Vitamin-E Aktion für Schulkinder.
Um den Gefahren eines Vitamin-E-Mangels ent- aegenzutreten, wie er sich für unsere Jugendlichen im Frühjahr leicht ergibt, wenn die Versorgung mit Gemüse auf Schwierigkeiten stößt, soll wäh- rend der Kriegszeit eine umfangreiche Vitamin-E- Aktion für die Schuljugend einsetzen. In Betracht kommt dabei in erster Linie die g r o ß st ä d t i s ch e Schuljugend, die besonders unter einem Mangel an natürlichen Vitamin-E-Trägern zu leiden hat, sowie Kinder aus den Gegenden, die erfahrungsgemäß in dieser Beziehung schlecht versorgt sind. Das Vitamin C soll dabei in Form von schmackhaften Tabletten gegeben werden, und zwar für die 12- und 13jährigen aller Volks-, Mittel- und höheren Schulen in den Monaten März bis Mai täglich eine Tablette, für die 10- und 11- jährigen in der zweiten Hälfte April bis Ende Mai, in der gleichen Menge. Der Einkauf der Tabletten erfolgt durch die Reichsarbeitsgemeinschaft „Mutter und Kind" aus Mitteln, die der Staat, die Sozialversicherung und die NSV. zur Verfügung stellen. Es wird auch möglich sein, auch diejenigen Erwachsenen ausreichend mit Vita- min-E°Tabletten zu versehen, die auf Grund schwerer Arbeit, besonders gefährdeter Gegend oder individueller Gefährdung einer solchen Zufuhr bedür- fen, vor allem die Heranwachsende Jugend in Betrieben.
Zum Muttertag wieder Ehrenkreuze.
Der Reichsminister des Innern hat angeordnet, daß die Verleihung von Ehrenkreuzen der Deutschen Mutter künftig nur noch am Muttertag, dem dritten Sonntag im Monat Mai, erfolgen wird. Der Minister ersucht ihm rechtzeitig zu berichten, wieviel Ehrenkreuze in den betreffenden Bezirken überhaupt noch zu vergeben sind und ob es möglich ist, daß am Muttertag 1940 bereits allen Müttern das Ehrenkreuz ausgehändigt werden kann, die die Anwartschaft bereits am. 21. Mai 1939 besessen haben. Die Bearbeitung aller bisher noch nicht erledigten Anträge soll mit größter Beschleunigung erfolgen.
Oie Zuständigkeit der Strafgerichte.
Die Zuständigkeit sämtlicher Strafgerichte und insbesondere auch der Sondergerichte ist jetzt neu geregelt. Die Strafgewalt des Amtsrichters wird auf Strafen vis zwei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Gefängnis oder Festungshaft begrenzt, sie erstreckt sich ferner nicht auf die Sicherungsverwahrung und die Entmannung. Die S t r a f k a m - mer und die übrigen Strafgerichte können unbeschränkt alle Strafen und Sicherungsmaßnahmen verhängen. Ein neuer Rechtsbehelf wird mit der Nichtigkeitsbeschwerde eingeführt, die der Oberreichsanwalt gegen rechtskräftige Urteile des
Amtsrichters, der Strafkammer und der Sonder- gerichte binnen einem Jahr nach Eintritt der Rechtskraft erheben kann, wenn das Urteil wegen eines Nechtsfehlers ungerecht ist.- Diese Regelung ist nötig geworden, weil jetzt der Schwerpunkt unserer Strafrechtspflege auf den Sonder Gerichten ruht, deren Urteile sofortrcchtsträftig wer- den. In Ausnahmefällen wird eine Nachprüfung solcher rechtskräftiger Urteile ermöglicht.
Oer Landschullehrer.
Zu der reichseinheitlichen Besoldung der Dolksschullehrer fotzt Ministerialdirigent Dr. Frank vom Reichserziehungsministerium, das neue Gesetz erfülle drei Forderungen: Vorsorge für die Landschule und die Volksschule im Grenzgebiet, Schaffung von Aufstiegsmöglichkeiten nach dem Leistungsprinzip und Besserstellung der jüngeren Jahrgänge der Lehrerschaft. Der Lehrer an der einklassigen ländlichen Schule solle Kulturträger und Reprä- sentant des nationalsozialistischen Staates sein, ebenso der Erste Lehrer an der zweiklassigen Schule. Deshalb erhielten die alleinstehenden Lehrer und die Ersten Lehrer an Volksschulen mit zwei Schulstellen besondere Zulagen, eine widerrufliche, nichtruhegestaltsfähige von 200 RM. nach fünfjäh. riger Dienstzeit und 300 RM. nach lOjähriger sowie eine ruhegehaltsfähige und unwiderrufliche von 300 RM. nach 15jähriger Dienstzeit. Dies solle zur Wiedergewinnung einer bodenständigen und seßhaften Lehrerschaft auf dem Lande beitragen. Bedeutung und Tragweite der neuen reichsgesetzlichen Regelung seien unverkennbar angesichts der Tatsache, daß im alten Reichsgebiet 1938 von 50 438 Volksschulen 20 115 einstufig und 10 381 zweistufig waren. In den neuen Reichsgauen ständen die ländlichen Volksschulen bei weitem im Vordergründe. Eine besondere Zulage könne ferner den Volksschullehrern gewährt werden, denen in Orten mit mindestens 20prozentiger nationaler Minderheit besondere Aufgaben der Volkstumspflege im Lehramt zufallen. Diese widerrufliche und nichtruhegehaltsfähige Zulage gehe bis zu 300 RM. jährlich, sie werde meist Landlehrern im Grenzgebiet zugute kommen. Als Verbesserungen nach dem Leistungsprinzip sei in Aussicht genommen, Lehrer, die an die den Volksschulen angegliederten Aufbauzüge für dauernd überwiesen sind, bei der reichseinheitlichen Neuordnung der Mittelschullehrerbesoldung den Mittelschullehrern gleichzustellen.
Schutz fea schönen Woldes.
Eine Verfügung der Reichsforstverwaltung geht davon aus, daß immer wieder über Störungen des Landschaftsbildes durch waldwirtschaftliche Maßnahmen, durch plötzliche und unvermittelte Eingriffe in die Waldbestände, vor allem auch über Fälmng alter, malerischer Bäume und Baumgrup- pen Klage geführt wird. Gewiß bleibe nationalwirtschaftlich wichtigste Aufgabe der Waldwirtschaft, für die Bedarfsdeckung an Holz zu sorgen. Es sei ober zu verlangen, daß bei den Maßnahmen der forstlichen Betriebsführung auf die Landschastspflege und -geftaltung unbedingt die gebührende Rücksicht genommen werde. In manchen Fällen werde auch den volks- und landeskulturellen Rücksichten der Vorrang vor den wirtschaftlichen Forderungen einzuräumen sein, besonders dort, wo in der Nähe von vielbesuchten Ausflugsplätzen, stark benutzter Fahr- und Wanderwege oder an besonderen Geländepunkten die Erhaltung des Wald- und Landschafts bi ldes im Vordergrund steht.
Neue Papier-Einsvarungsmaimahmen
Die Reichsstelle für Papier- und Derpackungs- wesen hat neue Anordnungen erlassen. Künftig wird sich der gesamte Bestörden- und der Geschäftsschrift- verkehr, einschließlich der Vordrucke, nahezu nur noch a u f Papier holzhaltiger Quali- t ä t abwickeln. Außerdem ist für kurze Mitteilungen und Rechnungsvordrucke die Verwendung halber Bogen (Din A 5) ausdrücklich oorgefchrieben. Es ist jedoch dafür Sorge getragen worden, daß für besonders wichtige und länger auf zubewahrende Schriftstücke bessere Papiere zur Verfügung stehen. Bücher und sonstige Gegenstände des Buchhandels werden grundsätzlich nur noch unter Verwendung holzartiger Papiere hergestellt werden. Ausnahmen sind vorgesehen. Ebenso sind im Verpackungswesen entsprechende Vorschriften erlassen worden; so ist die Gepflogenheit, für vorverpackte Mühlenfabrikate sowie für bereits beim Erzeuger einzeln verpackte Körperpflegemittel, Putzmittel und ähnliches hochwertige Kartonpackungen zu verwenden, unterbunden worden.
Aus aller Welt.
„Preußische Komödie" In Darmstadt uraufgeführt.
In Anwesenheit des Gauleiters und Reichsstatt- Halters Sprenger fand im Hessischen Landestheater die Uraufführung der „Preußischen Komödie" von Hans Rehberg statt. Das Werk, das uns in die Zeit des Werdens des preußischen Staates vom Großen Kurfürsten über Friedrich I. bis zum Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. führt und das von großen vaterländischen Gedanken getragen ist, wurde zu einem vollen Erfolg für den Dichter, der in dem Generalintendanten des Landestheaters, Franz E ver th, einen Spielleiter und Bühnengestalter von Format gefunden hatte, der gleichzeitig persönlich die drei genannten Preußenkönige meisterlich charakterisierte.
Karl Muck gestorben.
Der berühmte Dirigent Dr. Karl M u ck ist in Stuttgart im 81. Lebensjahr sanft entschlafen. Mit ihm ist einer der großen Wagner-Dirigenten dahinge- gegan-gen, der von 1901 bis 1930 in Bayreuth wirkte, wo er sämtliche Aufführungen des „Par- sival" leitete. Der Berliner Oper gehörte Muck von 1892 bis 1912 an, er wurde zusammen mit Richard Strauß 1908 zum Generalmusikdirektor ernannt. Als Ehrengast der Staatsoper dirigierte Karl Muck noch einmal im April 1926 den „Ring des Nibelungen". Nach dem Weltkrieg leitete Dr. Muck von 1922 bis 1933 die Hamburger Philharmonischen Konzerte.
NSV.-Beauslragter von polen ermordet.
Wie die NSK. meldet, wurde am 23. Februar 1940 der NSD.-Beauftragte von Zeran (Generalgouvernement Polen) Reinhold Marielke in seiner Wohnung von polnischen Banditen überfallen. Die bisher unbekannten Täter bearbeiteten ihr wehrloses Opfer und seine Ehefrau derart mit Messern, daß die Ehefrau Marielkes sofort starb, während Marielke selbst nach drei Tagen in einem Warschauer Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Marielke, der sich als Volksdeutscher sofort dem Aufbauwerk des Führers zur Verfügung gestellt hatte, und neben dem Amt des NSV.-Beaufttag- ten auch das des Bürgermeisters von Lipinowo
ausübte, erfreute sich auch der größten Achtung bet den polnischen Bewohnern seines Heimatortes.
Großfeuer in einem Bukowina- Z tädtchen.
Ein Brand von riesigen Ausmaßen suchte das Bukowina-Städtchen D o r o h o i heim. Begünstigt von einem starken Wind, hatte das Feuer, das in einem Kaffeehaus ausgebrochen war, in wenigen Minuten über zwanzig Häuser erfaßt. Als einige in einer Schenke aufgestapelte Fässer mit Benzin und Alkohol explodierten, entstand eine Panik. Der Schaden beträgt acht bis neun Millionen Lei.
Jn Japan eine Eisenbahn in den Fluß gestürzt.
In der nordjapanischen Provinz P a m a g a t a stürzte ein vollbesetzter Personenzug von einer durch Schneelawinen beschädigten Eisenbahnbrücke in einen 25 Meter tiefer gelegenen Fluß. Der Zug hat bei dem Aufprall auf dem zugefrorenen Fluß Feuer gefangen und ist v o l l st ä n d i g verbrannt. Man befürchtet, daß sämtliche 13 0 Passagiere getötet ober schwer verletzt wurden.
Dammbruch in Bolivien.
In Bolivien ist ein Staudamm des Flusses Rocha gebrochen. Die Wassermassen stürzten zu Tal und zerstörten einen Teil der Stadt Cochabamba. Neun Personen sind ertrunken, vierzehn werden vermißt. Etwa dreihundert sind obdachlos geworden.
Ein neuer Komet.
Der Assistent Dr. K u l i n am Budapester Universitäts-Observatorium hat einen neuen Kometen entdeckt, dessen Stellung und Bewegung während des Monats Januar in mehrfachen photographischen Aufnahmen genau ermittelt werden konnte. Der Komet, der nach Dr. K u I i n benannt wurde, hat eine Umlaufzeit um die Sonne von fünfeinhalb Jahren, steht augenblicklich im Sternbild des Krebses und hat eine Helligkeit von maximal derjenigen eines Sternes 15. Größe. Die astronomische Zentrale in Berlin, die internationaler Hebung gemäß zuerst von der Entdeckung verständigt würde, hat die übrigen Sternwarten von dieser ersten Kometen- Entdeckung des Jahres 1940 benachrichtigt.
Oie Hussen umzinaeln Wiborg.
Moskau, 4. März. (DNB.) Auf der karelischen Landenge haben die Sowjettruppen die Umzinglung der Stadt Viiburi (Wiborg) fort- gesetzt und die im Norden der Stadt gelegene Meierei Saarela besetzt. Dabei fielen den Russen vier Kanonen in die Hände. Weiter wird die Eroberung der Insel Tuppuanvaari gemeldet, wo die Russen sechs befestigte finnische Stützpunkte eingenommen haben.
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Nach dem finnischen Heeresbericht vom 3. März dauert der russische Druck im westlichen Teil der karelischen Landenge an. Die finnischen Truppen haben sich stellenweise planmäßig in ihre neuen Stellungen zurückgezogen. Im östlichen Teil der karelischen Landenge und nordostwärts des Ladogasees sowie bei Kollaanjoki und Aittojoki herrscht Kampftätigkeit. Russische Angriffe konnten hier wie auch in Richtung auf Kuhmo aufgehalten werden. Von der Salla-Gegend wird lebhafte Feuergefechts- tätigfeit gemeldet.
Kleine politische Nachrichten.
Der Führer empfing den zur Zeit in Berlin weilenden schwedischen Forscher Dr. Sven von H e d i n.
Amtlich wird in London mitgeteilt, daß der bewaffnete Dampfer „D o m a l a" (8441 Brt.) der British India Stearnship am 2. März im Kanal von drei Bomben eines deutschen Flugzeuges getroffen worden ist. Auf dem Mittelschiff brach Feuer aus. Von 48 Engländern werden 20 und von 253 Indern 88 vermißt. Man befürchtet, daß sie ums Leben gekommen sind.
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Stabschef Lutze versammelte in den Räumen des Sturmbannes I der SA.-Standarte Feldherrnhalle in Güterfelde eine große Zahl Offiziersanwärter, die aus der SA. hervorgegangen sind und zur Zeit ihre abschließende Ausbildung erhalten. An der Kundgebung nahmen auch Offiziere der Wehrmacht und SA.-Fuhrer teil. I
Durch eine Verordnung des Ministerrates für die Reichsverteidigung wird der Reichsminister der Finanzen ermächtigt, Garantien zur Förderung des Wirtschaftslebens und zur Durchführung von Maßnahmen zur Festigung deutschen Dolkstumes zu übernehmen.
Der jugoslawische Handelsminister Andres traf auf Einladung des Reichswirtschaftsministers, von der Eröffnung der Leipziger Messe kommend, in der Reichshauptstadt ein.
Am 27. 2. 1940 ist die Vermarkung der deutsch-sowjetischen Grenze in der Gesamtausdehnung von etwa 1500 Kilometer beendet worden. Im ganzen wurden 2820 Grenzpfähle errichtet. Auch die Vermessungsarbeiten an der neuen Grenze sind im wesentlichen durchgeführt.
Im Zuge der Bestrebungen Mir Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen den deutschen und den japanischen akademischen Jungmannschaften erhielt der Reichsstudentenführer eine Einladung der japanischen Regierung zu einem Besuch Japans. Er bestimmte zu seiner Vertretung den ^apanbe auf trag- ten der Reichsstudentenführung, Karl Zahl, ferner Dr. (Haffen von der Universität Heidelberg und Dr. U f f e n o r d e.
Wer den engen Zusammenhang zwischen Zähnen und Körper kennt, der weitz, wie wichtig die Zahnpflege für die Gesundheit ist.
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Mm Wolke MMste.
Roman non fjorjl Bkrnatl).
(Nachdruck verboten.)
Ein kurzer, aber heftiger Gewitterregen war über die Stadt hinweggevraust
Der Doktor stand in feinem peinlich weißen Mantel am Fenster des Sprechzimmers. Er drückte die Stirn gegen das Glas und stützte sich mit den Händen gegen den Rahmen. Die Lindenreihen, erfrischt uno verjüngt, als hätten sie ihre herzförmigen Blätter erst in der letzten Nacht entfaltet, spiegelten ihre tropfenden Laubschirme in der blankgewasche- nen Schwärze des Asphalts so deutlich wider, als würfen sie ihr Bild in die dunklen Fluten eines träge dahinströmenden Kanals. Wenn der Doktor den Blick über ihre Kronen hinaushob, sah er von feiner Hohe im dritten Stockwerk weit über die niedrigeren gegenüberliegenden Dächer hinweg. Er sah den Himmel und die Wolken und die kühn gespannte schieferblaue Kuppel einer Kirche. Es war ein helles, wirklich ideal gelegenes Arbeitszimmer. Von den Geräuschen der Straße drang bis zu ihm kaum ein Laut herauf.
Leider hatte Dr. Menzel allzuviel Zeit, sich mit diesen Vorzügen seines Sprechzimmers zu beschäftigen. Der Operationsstuhl in der Nähe des Fensters, verstellbar drehvar, schwenkbar, ein Marterwerkzeug allerersten Ranges, sah mit feinen grünen, harten Lederpolstern noch so völlig unberührt aus, daß kein Mensch ihm die Bösewichteigenschaften ernsthaft glaubte, mit denen er sich so heftig brüstete. Der Jnstrurnentenschrank zwischen den beiden Fenstern, aus blinkendem Glas, schneeweißer Emaille und strahlender Sauberkett zusammengefügt, war so neu, als sei er vor einer Viertelstunde aus einer Wattekiste gepackt worden.
Und habet war es doch nun schon fast ein halbes Jahr her, seit unten an der Haustür das Schlld „Dr. med. dent Wolfgang Menzel. Sprechstunden von 10—12 und 3—6 Uhr", befestigt worden war. In diesem langen halben Jahr hatte der junge Arzt die Zähne seiner ganzen Verwandtschaft in Ordnung gebracht und Tante Angelikas Lob eingeheimst, daß er „eine wunderbar leichte und sichere Hand" habe —
aber über den engen Kreis heldenmütiger Freunde und Verwandten war der Ruf feiner bedeutenden Fähigkeiten kaum hinausgedrungen.
Die kleine eilige Uhr über dem großen Waschbecken schlug sechs. Der Doktor warf einen letzten Blick über die Dächer, hinter denen die schwarze, gelb umsäumte Wolkenwand zuckend versank, und drehte sich seufzend vom Fenster weg. Warten, warten, warten ... Die unangenehmste Beschäftigung für einen Mann von achtundzwanzig Jahren, der vor Tatendurst fieberte — und außerdem seinen Namen quer unter einige Papierchen gesetzt hatte, eben um seinen Tätigkeitsdrang als selbständiger Mann in einer modern eingerichteten Praxis frönen zu können.
„Es ist trostlos!" stellte der Doktor laut fest und begann den weißen Mantel aufzuknöpfen.
In diesem Augenblick schrillte die Flurglocke.
Seine Hände unterbrachen ihre Beschäftigung, und sein Gesicht nahm unwillkürlich einen gespannt lauschenden Ausdruck an, obwohl dazu kein eigentlicher Grund vorlag. Die beiden Räume, in denen er praktizierte, Das Sprechzimmer und ein kleiner Warteraum, gehörten nämlich zu der Privatwohnung eines Großkaufmanns; er hatte sie als Untermieter bezogen.
Der Doktor horte, wie das Mädchen öffnete, das gegen ein geringes Entgelt auch feine Patienten einließ und anmeldete, und bann — feine Finger schloffen den Mantel in fieberhafter Eile wieder zu — eine Frauenstimme: Ob Doktor Menzel zu sprechen fei?, Schritte über den Flur, das Klappen der Wartezimmertür und die Meldung des Mäd- chens: „Herr Doktor, eine Dame!"
„Danke!"
Unb jetzt ruhig atmen, und ein Weilchen warten und ein wenig mit Papieren rascheln und quer über das dunkelgrüne Linoleum zum Waschbecken und tüchtig plätschern ... Jawohl, immer so tun, als ob man mächtig zu tun habe. Das schafft Achtung und Vertrauen!
Dr. Menzel öffnete die Tür des Wartezimmers. „Ah, der letzte Patient!" sagte er erleichtert. „Bitte, treten Sie ein!"
Die Patientin stand neben dem Tisch mit den illustrierten Zeitschriften. Der Doktor achtete sorgfältig darauf, daß bei ihm immer die neuesten Nummern lagen.
Sein Blick glitt flüchtig über die Erscheinung der Besucherin. Was er wahrnahm, war eine schlanke Gestalt, schmale Fesseln über grauen Wilbleber- schuhen, ein blasses, erregtes Gesicht in der Umrahmung dunkelblonder Haare und große Augen von einer Farbe, die zu bestimmen weder in seinen Gepflogenheiten noch in seinen Absichten lag.
Sie hatte den hellgrauen Regenmantel noch nicht abgelegt und sah den Doktor mit einem forschenden unb fast ängstlichen Ausbruck an, her ihm in feiner Eigenschaft als Zahnarzt roeber bei Männern noch bei Frauen fremb war.
„Bitte!" wieberholte er mit einer einlabenben Hanbbewegung und einem freundlichen Lächeln. Es klang wie: Nur keine Angst! Hier ist bisher noch jeder vergnügter herausgegangen, als er hergekommen ist! Und er fügte hinzu: „Bitte, legen Sie den Mantel im Wartezimmer ab! Neben der Tür find die Haken. Darf ich Ihnen behilflich fein?"
Die junge Frau kam zögernd näher. An einem Stuhl hielt sie an unb schloß bie Hanb fest um bie Lehne. „Einen Augenblick noch, Herr Doktor!" bat sie mit kleiner Stimme, wätzrenb ihre Wangen sich flüchtig röteten. „Ich habe unerträgliche Schmerzen, feit zwei Tagen — unb ich habe in ber letzten Nacht fein Auge zugemacht ..."
„Sie hätten nicht so lange warten sollen! Wir finb wirklich nur halb so schlimm wie unser Ruf."
„Ich habe keine Furcht, Herr Doktor."
„So?" sagte er unb lächelte.
„Ich habe kein Gelb!" sagte sie plötzlich laut unb fest. „Unb ich fcljc auch keine Möglichkeit, in absehbarer Zeit soviel zu oerbienen, baß ich Ihre Rechnung begleichen kann."
Der Doktor schloß für ben Bruchteil einer Sekunbe bie Augen; er schwankte leicht vornüber. Sein Gesicht sah so grimmig aus, als verbeuge er sich vor einem furchtbaren Schicksal, ober als verbisse er mit aller Kraft ben Ausbruch eines riesigen Gelächters.
„Legen Sie, bitte, ab unb treten Sie ein!" sagte ber Doktor zum brittenmal.
Er trat mit ein paar raschen Schritten zu ber jungen Frau hin unb half ihr aus bem Mantel. Er hängte ihn selber an ben Haken. Den wenigen Patienten, bie biesen Raum bisher betreten hatten, war diese Aufmerksamkeit nicht zuteil geworben ... Der Doktor ließ seiner Patientin ben Vortritt ins Sprechzimmer und schloß hinter ihr die Tür. Er ging zu dem
kleinen Tisch, auf dem seine Kartothek stand, winkte die junge Frau mit einer höflichen Bewegung näher heran, zog ein Formblatt aus dem Behälter und griff nach feinem Halter, um den Eintrag zu machen.
Zunächst setzte er unter die Rubriken „Privat" und „Kasse" zwei kräftige Striche. Dann blickte er schräg auf. „Ihr Name, wenn ich bitten darf?"
„Renate Naumann."
Die Goldfeder lief über das Papier. „Beruf?"
„Ich bin Kunstgewerblerin."
Der Doktor unterdrückte noch rechtzeitig ein Aha, das ihm auf der Zunge geschwebt hatte. Weshalb überhaupt aha? dachte er und ärgerte sich über sich selbst. Was für eine Veranlassung lag zu dieser dummen und gedankenlosen Bemerkung vor? Wäre es ihm etwa eingefallen, aha zu sagen oder zu denken, wenn sie eine junge Zahnärztin gewesen wäre. „Und noch die Adresse, Fräulein Naumann!" Er hatte vor dem „Fräulein" flüchtig auf ihre Hand geschielt.
„Dorotheenstraße sechzehn, Atelier."
„Danke!" Dr. Menzel erhob sich. Er deutete auf ben Operationsstuhl unb bat seine Patientin, hort Platz zu nehmen. „Wo fehlt es benn?" fragte er, wahrenb er seine Hänbe unter bem Wasserstrahl kräftig mit ber Bürste bearbeitete.
„Meiner Meinung nach ist es ber obere Schneibe- zahn", antwortete sie ein wenig kläglich, „jebenfalls ging es ba oben mit ben Schmerzen an; aber seit gestern tut es überall weh."
Der Doktor hängte bas Frottiertuch über bie Glasstange, bie an ber Seite bes Porzellanbeckens befeftigt war. Er ging zu bem Jnstrurnentenschrank hinüber unb zog die Glasplatte heraus, auf ber feine Zahnspiegel, ber Größe nach georbnet, in blinfenber Reihe lagen. „Spricht ber Sünder auf Katt ober Warm an?" fragte er, währenb er ben Spiegel mit einem Leberläppchen polierte.
„Aus Kalt ganz befonbers."
„Jawohl!" sagte der Doktor, als wäre ihm mit dieser Antwort schon ein tüchtiges Stück weiter- geholfen. Und bann: „Setzen Sie sich, bitte, ganz bequem hin!" ” °
Sie nickte, mit einem mißtrauischen Blick auf bas Instrument in seiner Hanb, unb legte ben Kops fest in bas Nackenpolster.
(Fortsetzung folgt)


