Ausgabe 
5.1.1940
 
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Jagdflieger gestellt und nach kurzer Verfolgung abgefchossen. ehe es über die deutsch-belgische Grenze hin entkommen konnte. Das zertrümmerte Ilugzeug liegt in Grenznahe auf belgischem Gebiet.

Rücksichtslose Neutralitätsverletzung englischer Flieger.

Berlin, 4. Jan. (DNB.) Eine neuerliche Neu- tralitatsoerletzung durch die britische Luftwaffe ist am 3. Januar 1940 zu verzeichnen.

Ein Flugzeug vom Typ Blenheim, das kurz nach 9 Uhr in deutsches Gebiet einflog, kam unbestreitbar aus dem nördlichen Teil Luxemburgs und versuchte bei Aachen über belgisches Hoheitsgebiet zurückzufliegen. Diese Absicht kam allerdings nicht zur Durchführung, da der Brite kurz vor Erreichen der Grenze von einem deutschen Jagdflieger gestellt und nach kurzer Verfolgung noch über deutschem Hoheitsgebiet abgeschossen wurde. Die Trümmer des britischen Flugzeuges stürzten auf belgisches Gebiet in unmittelbarer Grenznahe nieder. In dem Bestreben, auf m ö g - lichst kurzemund sicherem Wege deutsches Gebiet zu erreichen und wieder verlassen zu können, glauben sich gerade die britischen Flieger unbedenk­lich jede Neutralitätsverletzung leisten zu können, wofür auch dieser Brite den Beweis er­brachte.

Was hat Frankreich in Osteuropa vor?

Brüssel, 5. Jan. (Europapreß.) Was hat Frankreich in Osteuropa vor? Man kann die Frage aus mehr ats einem Grunde stellen. Mit auffälliger Offenheit hat man in den letzten Tagen in der Pariser Presse von militärischen Möglich­keiten gesprochen, die sich aus das Gebiet der Sowjetunion beziehen. Man hat sich mit den russischen Petroleumoorkommen im Kaukasus beschäftigt. Gleichzeitig hat man mitgeteilt, daß die militärischen Vorbereitungen zur Ver­stärkung der Orient-Armee, die ihre Ba­sis in Syrien hat, nicht nachgelassen haben. Frank­reich und England haben außerdem mit der Tür­kei weitgehende Vereinbarungen über ein gemein­sames Oberkommando unter General Weygand ge­troffen. Man kann in all diesen Dingen wohl nur den Versuch einer Herausforderung Ruß­lands sehen, da Frankreich und England aus guten Gründen sich zunächst wohl nicht entschließen werden, chre Beziehungen zu Moskau abzubrechen. Sie wollen offenbar den ersten Schritt in dieser Beziehung Rußland überlassen. Immerhin scheint man in Paris Angst vor der eigenen Courage be­kommen zu haben. Am Mittwoch noch entwickelten zwei Pariser Blätter, der ,Zour" und derFi­garo", kühne Pläne für eine Aktion im Kaukasus und einen finnischen Anariff auf Leningrad. Am Donnerstag wird von allen kein Wort mehr ge­sprochen und dort, wo man sich zu weit vorwagt, wie etwa imJour", hat dre Zensur kräftige Streichungen vorgenommen.

Oie LIGA. und der Krieg.

Eine Ansprache Roosevelts vor dem Bundesparlament.

Washington, 4. Januar. (DNB.) Anläßlich der Eröffnung der Tagung des Bundesparlaments hielt Roosevelt eine Ansprache. Er sprach dabei die Erwartung aus, daß die Vereinigten Staaten nicht militärisch in diesen Krieg verwickelt würden, schon um einmal an einem Frieden mitwirken zu können, der gleichzeitig der ame­rikanischen Nation helfe. Roosevelt machte sodann Ausführungen über die Gefahren, die den klei­nen Nationen für chre Unabhängigkeit drohten und sprach von den Wirkungen auch für Amerika, wenn der Welthandel von einer Nation oder einer Gruppe von Nationen kontrolliert werde; Hinweise, die in Deutschland beförderen Sinn gewinnen angesichts der britischen Seeräuber- Methoden, der englischen Versuche zur Ausweitung des Krieges und dem Bestreben, kleine Nationen zum Vorspann englischer Herrschattsinteressen zu machen. Aehnlich müssen die Ausführungen Roose­velts wirken, die er zur Verurteilung der Er­oberungsmethoden des 17. und 18. Jahrhunderts gemacht hat; zu dieser Zeit wurde bekanntlich die von Daladier von neuem propagierte Politik Richelieus zur Aufteilung Deutschlands betrieben. Roosevelt wandte sich zum Schluß gegen verstrickende Bündnisse mit fremden Nationen, betonte aber gleich­zeitig, daß sich die Vereinigten Staaten für den Fall r ü st e n müßten, ihre eigene Sicher­heit und Freiheit zu verteidigen und ver­langte zu diesem Zweck weitere Erhöhung der Vud- getposten für Armee und Marine. Roosevelt schlägt in seinem Haushalt insgesamt die Ausgabe von 8424 Millionen Dollar vor (675 Millionen weniger als im vorigen Jahr), und veranschlagt eine Ein­nahme von 5548 Millionen Dollar (382 Millionen mehr als im laufenden Haushaltsjahr, das Ende Juni 1940 schließt). Dadurch ergibt sich ein D e f i - z i t von 2176 Millionen gegenüber 3933 Millionen im Vorjahr. Alle Ausgaben außer den st ungen sind gegen das Vorjahr herab- gesetzt worben, um das Defizit zu vermindern, das trotzdem Ende Juni 1941 44 938 Millionen Dollar erreichen wird. Zusätzliche Steuern zur Ein­kommensteuer beantragte Roosevelt für die Landes- vertei>digungsausgaben, die 300 Millionen Dollar höher sind als im laufenden HaüShaltsjahr; außer- dem befinden sich weitere Wehrmacht saus gaben im Haushalt für Arbeitsbeschaffung.

Die Botschaft Roosevelts an den Kongreß trägt den Stempel jener sehr zweckbewußten, nur schein­baren Unklarheit, wie sie sich ja schon in der ganz eindeutigen Behandlung der Neutralitätsfrage ober in der Unterstellung amerikanischer Handels- schift« unter eine fremde Flagge ausdrückt. Die Rede bringt zahlreiche kritische Bemerkungen, ver­meidet aber peinlich den Anschein, als könne eine von ihnen auch nur im enfterntesten für England oder Frankreich gelten. Um so mehr kritische Bemer­kungen sind dafür io formuliert, daß man di« nicht direkt in Worte getteioeten Spitzen gegen die auto­ritären Staaten ohne weiteres herausfühlt. Die kaum getarnte Parteinahme, die sich in dieser Hal­tung ausspricht, wird noch dadurch verstärkt, daß der Präsident auch bei dieser Gelegenheit wieder deutlich Front gegen diejenige amerikanische Rich­tung macht, die Amerika unter allen Umständen aus den Konflikten Europas herauszuhaltcn wünscht.

Es ist deutlich genug, wenn der Präsident in diesem Zusammenhang so tut, als wolle er den Ver­fechtern der amerikanischen Isolierung entgeaen- fommen, wenn er die Hoffnung ausspricht, daß

Wettpolitik an der Jahreswende.

Unsere Ausländskorrespondenten berichten.

Jugoslawien im Zehre 1939.

Von unserem s.-Korreipondenien.

Belgrad, im Dezember 1939.

Zwei politische Ereignisse von höchster Wich­tigkeit für die weiter« Entwicklung des jugoslawi­schen Staates und der drei stamm-esverwandten Völ­ker, der Serben, Kroaten und Slowenen be­herrschen das Bild von Jugoslawien im Jahre 1939: innenpolitisch die Verständigung mit den Kroaten, außenpolitisch die Neutralität.

Nach den Wahlen vom 11. Dezember 1938 zeigte sich, daß die kroatische Frage ein Lebens- Problem des jugoslawischen Staates geworden war und deshalb schleunigst geregelt werden mußte. Der Pyrrhussieg der Regierung Stojadinowiftch bei diesen Wahlen bewies, daß die von ihr vorgefchla- gene Methode derstarken Hand" gegen die Kroaten auch bei den Serben und Slowenen auf heftigsten Widerstand stoßen würde. Deshalb mußte eine freundschaftliche Verständigung mit dem kroa­tischen Volt gejuckt werden. Stojadinowiftch war wegen seiner bisherigen Haltung den Kroaten gegenüber dazu ungeignet, darum mußte er am 4. Februar 1939 zurücktreten, und am 6. Februar bildete der jetzige Ministerpräsident Zwetkowiftch eine neue Regierung mit der ausdrücklichen Auf­gabe, eine Verständigung mit den Kroaten zu- standezub ringen.

Nach Dechandlungen, die mit wechselndem Glück fast sechs Monate dauerten, wurde am 26. August, am Vorabend des neuen europäischen Krieges, zwischen der Regierung, die im Auftrag des Regent­schaftsrates handelte, und Dr. Vladimir Matschet, dem beglaubigten Führer des kroatischen Volkes, eine Verständigung unterzeichnet, durch die der größte Teil der seit Begründung des jugoslawischen Staates erhobenen kroatischen Wünsche verwirklicht und die meisten Grunde der kroatischen Unzufrieden­heit beseitigt worden sind. Ministerpräsident Z w et- ko w i t s ch bildete eine neue Regierung der natio­nalen Verständigung, in die auch Dr. Matschet ein­trat, die kroatischen Provinzen des jugoslawischen Staates wurden zu einem Bundesstaat innerhalb von Jugoslawien vereinigt, welcher den Namen Banat (ein kroatischer Ausdruck, der etwa mit Großfürstentum übersetzt werden könnte) Kroatien trägt. In der weiteren Entwicklung müßten nun auch die slowenischen und serbischen Gebiete von Jugoslawien zu Bundesstaaten vereinigt werden. Dieser Prozeß ruft selbstverständlich verschiedene Schwierigkeiten und Konflikte hervor, die zweifel­

los der jugoslawischen Politik im nächsten Kalender­jahr das Gepräge geben werden.

Außenpolitisch setzte Jugoslawien auch nn Jahre 1939 seine traditionelle Politik der Freundschaft mit allen Nachbarn, insbesondere den großen Nachbar­mächten Deutschland und Italien, weiter fort. Die innenpolitischen Aenderungen konnten diese Grundsätze der jugoslawischen Politik m mner Weise beeinflussen. So wurden auch mit Deutschland im Laufe des Jahres verschiedene wirtschaftliche Verhandlungen finanzieller Sachverständiger in Belgrad, im Monat November eine Verenwarung über die Liquidierung der j u g o s l a w i -> Ich-N Borkriegsschuld-n erzielt. Aus einer Konferenz der ständigen Regierungskommilftonen im September und Oktober in Belgrad wurde der Handelsverkehr zwischen Deutschland und Jugo­slawien den neuen, durch den Krieg 6erDorgerufe­nen Verhältnissen angepaßt. In ähnlicher Weise regelte Jugoslawien auch feine Handelsbeziehungen zu Italien, Griechenland, Ungarn und auch anderen Staaten unter Berücksichtigung der Knegsverhalt- nisse. . .. o. .

Politisch trachtete Jugoslawien m erster Lime, seine Beziehungen zu Ungarn freund schäft - lich auszugestalten, nachdem seine Beziehungen zu allen anderen Nachbarn schon seit Jahren aus Grundlagen aufrichtigster Freundschaft aufgebaut sind. Diese Bemühungen Jugoslawiens fanden vmtes Verständnis in Ungarn. Die gesamt« außenpolittsche Tätigkeit in den letzten fünf Jahren führte logisch zur Erklärung der jugoslawischen Neutralität im gegenwärtigen europäischen Konflikt, die am 4. September erfolgte. In den drei Monaten der Neutralität hat Jugoslawien schon viel« Schwierig, ketten überwinden müssen. Hier wird immer wie­der festg^stellt, daß eine der Sonderbarkeiten des heutigen Krieges sei, daß er bie Neutralen in mancher Hinsicht härter trifft als Ae Kneg- führenden. Die Neutralität kostet viel Geld. Das Wirtschaftsleben stockt, die Preise steigen, Knapp­heit zeigt sich an allen Ecken und Enden. Dazu kommen auch die Schwierigkeit en des Schiffsverkehrs als Folge der Blockade. Wenn auch die Blockade im Mittelmeer und an der Adria nicht so scharfe Formen angenommen hat, wie in den Nord- und Westmeeren, stellt sie den­noch einen harten Schlag für den Außenhandel Ju­goslawiens dar. Die Neutralität ist kein reines Vergnügen, sondern eine schwere Pflicht, die Jugo­slawien gewissenhaft und willig erfüllt, in _ber Ueberzeugung, wie es in der amtlichen Neutralitäts­erklärung heißt, nicht nurfeinen eigenen Inter­essen zu dienen, sondern auch der Wiederherstellung des Friedens zwischen den Nationen."

Wachsender Raum, wachsende Ausgaben

für Ungarn.

Don unserem f.-Korrespondenien

Aeußerungen über di« Hand^sventräge, Me Sr- beitslosigkeit und di« innere Einigkeit. Das Matt bemerkt, der Präsident und feine Mitarbeiter hatten ieben Jahre lang jedes Mittel dazu benutzt, um die innere Uneinigkeit zu erhöhen. Dl« repuMkani- scheDetroit Free Preß' steht in den Erklärungen des Präsidenten das Eingeständnis, daß die Regie­rung entweder unfähig fei, den Willen der amen- kamschen Nation durchzuführen, oder dem Gebot der Nation nicht gehorchen wolle.

Eisenbahnattentat in Frankreich

verhütet.

Genf, 5. Jan. (Europapreß.) Nach einer Mel- düng desJntransigeant" ist auf der Strecke Lyon Teil ein Eifenbahnattentat nur durch einen Zufall verhütet worden. Wie die Lyoner Pr^ vinzprefse durchblicken läßt, hatten es bie bisher noch unbekannten Attentäter wahrscheinlich auf Mili­tär- oder Munitionszüge abgesehen. Wie groß das verhütete Eisenbahnunglück gewesen war«, zeige die Menge der ausgefundenen Explosivstoff«. Man habe einen großen Kasten mit Dynamit gefun­den, der genügt hätte, um mehrere Züge in die Luft zu sprengen. Die französische Provinzpresse wie der Jntransigeant" schweigen sich über die polizeilichen Maßnahmen und deren Erfolg aus, so daß anzu­nehmen ist, daß es sich um eine Kundgebung von ranzösischen Kriegsgegnern gehandelt haben dürfte.

Starker Rückgang

des schweizerischen Fremdenverkehrs.

Genf, 4. Januar. (Europapreß.) Wie amtlich be­kanntgegeben wird, betrug die Zahl der Ankünfte in schweizerischen Hotels und Pensionen im Sommer 1939 1554000 und die der Uebernachtungen 6609000. Mit diesen Zahlen istderTiefpunktdesJah- res 1936 unterschritten. Die Zahl der In- landsgäste hat sich gegenüber dem Vorjahre um 89 000, d. h. um 9 v. H. vermindert; bei den Uebernachtungen belief sich die Verringerung auf 524 000 oder 12 v. H. Noch stärker war der Ausfall an Auslandsgästen. Hier wurden 271000 Meldungen weniger abgegeben (30 v. H.) bei einer gleichzeitigen Verringerung der Uebernachtungen um 1 142 000 ober 29 v. H. gegenüber bem Vorjahr. Im September betrug ber Ausfall an Auslandsgästen 87 v. H. bei einem Absinken der Zahl der Uebernachtungen um 61 v. H. im Vergleich zum September 1938.

Kleine politische Nachrichten.

Am Mittwochmorgen trafen 956Wolhynien- Deutsche, die bisher in Lodsch untergebracht waren, in Rummelsburg (Pommern) ein, wo sie vorerst in den wohlvorbereiteten Hallen ber Be­ratungsstellen für Einwanderer bleiben werden.

Die römische Presse berichtet aus Moskau, baß der englische Botschafter abgereift sei. Fer­ner werde die Abreise auch des französischen Botschafters angekündigt. Dieser werde einen Urlaub von nicht begrenzter Dauer antreten.

Besiedlung des Warthegaues mit Handwerkern.

Ungarn trat ins Jahr 1939 ein als Nutznießer feiner folgerichtig aufrechterhaltenen Freund­schaft zu den Achfenmächten Deutsch- land und Italien. Noch ganz jung war die Vergrößerung um 12 400 Quadratkilometer mit über ebner Million Einwohner, die ihm durch den Wie­ner deutsch-italienischen Schiedsspruch vorn 2. No­vember 1938 zuerkannt morgen waren. Doch weiter zeigte sich die wohlwollende Politik Deuftchlands, als es Ungarn ermöglicht wurde, in den März- tagen 1939, während des völligen Zerfalls der Tfchecho-Slowakei, bie Karpatho-Ukraine zu besetzen, abermals 12 000 Quadratkilometer mit 600 000 Menschen zu gewinnen und damit an sei­ner Nordgrenze die Gebietsfolgen des Trianon- Vertrages zu beseitigen.

Diese Rückgliederung arvßer Gebiet«, die immer­hin 20 Jahr« lang fremde Herrschaftsformen erlebt hatten, stellte Ungarn im ablaufenden Jahr vor ge­waltige Derwaltunas- und Mrftchaftsaufgaben. Ein« soziale und wirtschaftliche Reformpolitik gro­ßen Stils wurde eingeleitet, von ber über bie Gren­zen des Landes hinaus am meisten Beachtung das sogenannte Bodenreformgesetz fand, das den Landhunger von Kleinbauern und Landarbei­tern befriedigen und den altbevorrechtigten adligen Großgrundbesitz zurückdrängen will. Ebenso traten die Minderheiten-Fragen mit neuer Wucht in den Vordergrund. Die nicht bestrittene Resorm- bedürftigkeit vieler Einrichtungen gab natürlich den Nährboden ab für radikale Strömungen, die schnelle und roeitgreifenbe Fortschritte fordern. Sie fanden im Juni - Wahlkampf zum ungarischen Abge- ordnetenhaus und im Einzug von 49 Abgeordneten der rechtsradikalen Pfeilkreuzlergruppen ins Par­lament ihren Niederschlag.

Ministerpräsident Graf Teleki, der am 16. Fe­bruar 1939 an die Spitze der ungarischen Regie­rung trat, schuf sich andererseits in der Regierungs­parteiUngarisches Leben" sein innerpolitisches Machtinstrument. Sein« erste gesetzgeberische Tat war, im Reichstag das vom Volk schon lange er­wartete Judengese tz *ur Annahme zu brin­gen, das den überaus starten Einfluß dieser Rasse auf das ungarische Kultur- und Wirftchaftsleben ein dämmen soll.

Am Jahresende steht bie Regierung Teleki vor der enftcheibungsschweren Aufgabe, das Land durch

die Auswirkungen des derzeitigen Krieges durchzu- fteuern, die auch auf den zentralen Donaustaat viel­fach ausstrahlen. Dank dem raschen Sieg der deut­schen Waffen in Polen und dank manchen Akten des Friedenswillens der Südosfttaaten, zu denen auch Ungarn beitrug (durch die Zurückziehung sei­ner im September zunächst an ber rumänischen Grenze aufmarschierten Truppen), ist es gelungen, das Land von unmittelbaren Kriegsrisiken fernzu- halten.Ungarn droht von selten der an feinen Grenzen liegenden Parteien keine Gefahr", so er­klärte Außenminister Graf C s a k y.Anderer­seits", fuhr er fort, ,chat es Ungarn für überflüssig erachtet, eine Neutralitätserklärung aozugeben". Es wünscht auch keinenBalkanblock , ber neuerdings den$tatus quo, d. h. den Fortbestand der jetzigen Grenz- und Minderheiten-Verhältnisse, wenn auch nur auf Zeit, garantieren soll«, selbst wenn ein sol­cher Block im Gewände einer Friedens- ober Sinti» kriegsversicheruna anempfohlen wird. Dagegen möchte Ungarn die nachbarlichen Spannungen, vor allem mit ^Rumänien, im Weg« direkter Ver­handlungen und Abkommen bereinigen."

Diese bem kommenden Jahr gestellten außenpoli­tischen Ziele können nur langsam reifen. Die Ab­wehr der wirtschaftlick"" Kriegsfolgen erfordert rasche Eingriffe von «stunde zu SNmde Die Er­nährungslage ist zwar im großen und ganzen aus eigener Erzeugung gesichert. Dagegen bereitet die Rohstoffbeschaffung für die industrielle Produktion ernste Sorgen. Dor allem droht der ungarischen Ausfuhr nach Staaten, die nicht au dem Landwege erreicht werden können, infolge der englisch-französischen Blockade-Seeräuberei schwer« Einbuße. Ungarn verfügt, abgesehen von den Donau-Motorschiffen, die zwischen Budapest und der Levante verkehren, über ein« zwar kleine, aber mit Selbstgefühl unterhaltene Hochseehandelsflotte, die zum Teil entweder zur Untätigkeit verurteilt ober den alliierten Zwangsmaßnahmen ausgeliefert ist. Da mit bem Exporterlös ein großer Teil der ohnehin beeinträchtigten Rohstoffeinfuhr bezahlt werden muß, versteht man, daß Graf Csaky in sei­ner Novemberrebe zur Außenpolitik erklärte, Ungarn werde sich einer Kontrolle nicht unterwerfen, die auf Kosten seiner Selbständigkeit oder seines natio­nalen Selbstbewußfteins ausgeübt würde.

Amerikanicht militärisch" in den Krieg hineingezogen werden würde. In dieser einschrän­kenden Klausel ist bereits der Anspruch enthalten, den Vereinigten Staaten im übrigen freie Hand zu sichern, beispielsweise zu Gunsten ihrer Hochfinanz und ihrer Rüstungsindustrie. In das gleiche Kapitel gehört auch der Anspruch Roosevelts, daß Amerika später einmal bei etwaigen Frie - bensverhanblungen ein gewichtiges Wort mitzureden haben soll, selbstverständlich zu Gunsten der kriegsschuldigen Staaten Westeuropas.

Man wird es vor allem in London dem ameri­kanischen Präsidenten auch sehr danken, daß er solche aktuellen Probleme wie die Gefahren für die Un­abhängigkeit ber neutralen Staaten ober bie Frage ber Kontrolle des Welthanbels ober bie Eroberungs- methoben früherer Jahrhunberte ober bie Gewalt- anroenbung im internationalen Verkehr stets fo be­handelt, als hätten England und Frankreich mit allen diesen Dingen nid)t das geringste zu tun. Wenn, wie der Präsident meint, Gewaltanwendung als Ursache dieses Krieges anzusehen ist, bann würben wir ihm znstimmen, sofern er bie Aufhetzung Polens zum Kriege durch England gegen Deutschland und die

planmäßige Vorbereitung dieses Krieges durch Eng­land und Frankreich seit ber Münchner Konferenz im Auge hätte. Da im übrigen bie Kongrehbotschaft Roosevelts sich ausschließlich mit außenpolitischen Problemen befaßt, so wird wiederum das Bestreben deutlich, die Aufmerksamkeit ber amerikanischen Oeftentlichkeit möglichst wenig zu einer Beschäfti­gung mit innerpolitischen Problemen Amerikas im Zusammenhang mit ben Präsibentenwahlen in biefem Jahre kommen zu lassen.

Die preffe zur Roosevelt-Rede-

Neuyork, 4. Januar. (DNB.) Die Rede des Präsidenten Roosevelt findet in der amerikanischen Press« eine geteilte Aufnahme. Bei den Kommentaren der Zeitungen zeigt sich ein« scharf« Trennung slinie zwischen den Aeußerungen der demokrattschen Blätter und denen der republikani- scheu Opposition. Die republikanischeNew York Herold Tribüne" bezeichnet bie Rebe als einen schönenRauchschleier", ben Roosevelt be­nutzt habe, um seine innen politischen Mißerfolge xu verdecken und zerpflückt dann jchonungsloH feine

Nachbem der Einsatz baltendeutscher Handwerker zum Abschluß gelangt ist, hat der Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums im Osten nunmehr Richtlinien für die Ansiedlung reich-- deutscher Handwerker in den wiedergewonnenen Ostgebieten festgelegt. Für die Ansiedlung kommen in erster Linie Handwerker in Frage, die rassisch und p o l i t i s ch die Gewähr dafür bieten, daß sie zur Festigung des deutschen Volkstums im Osten berufen sind. Selbstverständlich werden nur fach­lich e r ft 11 a f f t g e Kräfte Berücksichtigung fin­den. Zur Durchführung der Ansiedlung hat das Amt Handwerk in der Reichsleitung der NSDAP, in Zu­sammenarbeit mit dem FachamtDas Deutsche Handwerk" in der DAF. die Dienststellen der NSDAP, in den Gauen, Kreisen und Ortsgruppen beauftragt, bie Auswahl ber geeigneten Hand­werker vorzunehmen. Hunderte von reichsdeuftchen Handwerkern haben sich bereits gemeldet, so daß schon in den nächsten Tagen die ersten Gruppen reichsdeutscher Handwerker zur Ansiedlung ge­langen werden. Anträge von Bewerbern für die Ansiedlung in ben befreiten Gebieten kön­nen über bie ©au- und Kreisbiensfttellen des Deut­schen Handwerks in der DAF. an bie Reichsdienst­stelle des Deutschen Hanbwerks weitergeleitet werben.

Zuchthaus

für Abhören ausländischer Sender.

Di« Kammer II des Hanseatischen Sondergerich­tes bestraft« den 52 Jahr« alten Gastwirt Friedrich Rieck aus Hambura wegen fortgesetzten absicht­lichen Abhörens auslaMscher Sender auf Grund ber Verordnung über außerordentliche Rundfunk­maßnahmen vom 1. September 1939 mit drei Jahren Zuchthaus. Der Angeklagte, der in der Hafengegend eine Gastwirtschaft betrieb, in der tagsüber ein starker Verkehr herrscht«, bat; wie er eingestehen mußte, in ben Monaten Sep­tember und Oktober 1939 bis zu feiner Festnahme in seinem Lokal auslänbische Rundfunk­sender abgehört. Durch Zufall will er beim Runbfunkempfang auf den Sender Toulouse gekommen fein, gab sich dessen Lügemnellbungen vereitwillig hin und bemühte sich bann, werte re auslänbische Sender mit seinem alten Emp­fangsgerät zu bekommen. Er machte sich Noti­zen über die Sendezeiten ausländischer Sender, damit erimmer genau im Bildewar. Diese Notizen wurden bei feiner Festnahme in seinem Besitz gefunden. Er hörte bie Meldungen der feind­lichen Lügenpropaganda nicht nur allein, fordern auch in Gegenwart dritter Personen, schaltete aber sofort ab, sobald ein fremder Gast sein Lokal betrat. Er war sich also der Straf­barkeit feines Tuns vollkommen b e mußt. Nach ber Auffassung bes Sonbergerichtes, bie auf ber Beweisaufnahme fußt, handelt es sich bei dem Treiben des Angeklagten um ein ganz systematisches Abhören ausländischer Sender, so day man von einem ganz schweren Fall -eines solchen Verbrechens gegen ben Geist ber Volksgemeinschaft sprechen kann. Es besteht auch ber dringende Verdacht, daß der Angeklagte das Gehörte weiterverbreitet hat; aber ein schlüssiger Nachweis ließ sich in dieser Hinsicht nicht führen, fo daß feine Verurteilung aus § 2 ber Verordnung wegen vorsätzlichen Weiterverbrei- tens nicht erfolgen konnte. Aber ba^, was der An­geklagte nachgewiefenermaßen getan, war schon schwer und verwerflich genug, um bie Zuchthaus­strafe zu rechtfertigen-