Spitze Kreisletter Backhaus und Kreisfrauen- fchaftsletterin W r e d e, sowie die zahlreich erschienenen Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamtem der Wehrmacht und ihre Gefolgschaft begrüben. Die Rednerin streifte mit kurzen Worten die vielseitige Tätigkeit des DRK. und schloß ihre Ausführungen mit einem Sieg-Heil auf den Schirmherrn des DRK., unseren Führer Adolf Hitler. Humorvoll gehaltene Darbietungen, die die Arbeit in der Wehr- machtsuntertunfk und die sportliche Betätigung der Helferinnen vor Augen führten, wechselten mit einem Schnittertanz der Jüngsten in oberhessischer Tracht und einer Ordensüberreichung an die aus- bildenden Aerzte. Die verbindenden' Worte sprach Schauspieler Seitz, der auch m den Pausen die Zuhörer mit fein pointierten Gedichten in ober- hessischer Mundart erfreute. Nach einem gemeinsam gesungenen Lied dankte der Kreisleiter im Namen der Partei dem Deutschen Roten Kreuz für die große und aufopferungsvolle Arbeit und sprach im Namen der Gäste seinen Dank für den wohlgelun- aenen Nachmittag aus, der so recht geeignet war, oas Band zwischen Partei, Wehrmacht und DRK. immer enger zu gestalten.
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** Kriegsauszeichnung. Der Oberfunker Willi O r t m ü l l e r aus Gießen, An der Kläranlage wohnhaft, der bet einer Nachrichtenabteilung die Kämpfe in Frankreich mitmachte, wurde für Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.
** B H C. Gießen. Ein prächtiger Wandertag war am Sonntag dem DAT. Gießen anläßlich seiner diesjährigen letzten Vereinswanderung be- schieden. Der Weg führte am Schwanenteich vorbei zum Philosophenwald. Von dort ging- es am „Stolzen Morgen" entlang über die Feldwege beim Gießener Wasserbehälter, zur Mittagsrast nach Annerod, wo man sich im behaglich durchwärmten Rgume' eine Zeitlang der Ruhe hingab. Der wei- . tere Weg führte zunächst an den Hängen der Hohen Warte her, später der Markierung „Rund um Gießen" nach, auf meist stillen Waldschneisen über den Anneberg zur Kaffeestation auf den Schiffen- berg. Nach ausgiebiger Erholungspause wurde der Heimweg angetreten, auf dem man noch das im» vosante Schauspiel des Sonnenuntergangs bewundern konnte.
Strafkammer Gießen.
Georg Schreier in Bochum halle sich wegen Betrugs im Rückfall zu verantworten. Er war de- schuldigt, er habe sich in den Jahren 1939 und 1940 unter dem Versprechen, Möbel und Einrichtungsgegenstände zu beschaffen, von vier Möbelhändlern in Friedberg und in Gießen zusammen etwa 11000 RM. geben lassen. Die Möbel hat er niemals geliefert, er wollte sie nicht liefern, und er war auch dazu nicht in der Lage. Er behielt das Geld (die Vorkasse) für sich und verjubelte es. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde der Angeklagte wegen Betrugs im wiederholten Rückfall tn sieben Fällen zu einer Gesamtzuchthaus., strafe von zwei Jahren und Geldstrafen von zusammen 8000 RM. verurteilt. Die Geldstrafen sind durch die Untersuchungshaft abgegol» len. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm auf die Dauer von drei Jahren aberkannt. Stras- erschwerend wirkten die einschlägigen Vorstrasen, strafmildernd war das Geständnis.
In nichtöffentlicher Sitzung wurde gegen B. B. in Ostenbach a. M. wegen Sittlichkeitsverbrechen verhandelt. Er war beschuldigt, im August in Lau
terbach mit einer Person unter 14 Jahren un» züchtige Handlungen vorgenommen >zu haben. Der Angeklagte wurde wegen Sittlichkeitsoerbrechen in zwei Fällen zu einer Gesamtgefängnis- sträfevonzehnMonaten unter Anrechnung von drei Monaten Untersuchungshaft verurteilt. Der Schutz des § 51II StrGB. wurde dem Angeklagten zugebilligt.
Aus der engeren Heimat.
Oachstuhlbrand.
* Assenheim (Kreis Friedberg), 4. Dezember. Auf dem Grundstück der hiesigen Mühle brach am gestrigen Dienstag gegen 18 Uhr in einem Wirtschaftsgebäude, das der Lagerung von Heu und Holz dient, im Dachgeschoß Feuer aus. Die sofortige Brandbekämpfung durch die Bewohner des Grundstücks sowie das rasche Eingreifen der Feuerwehr hatten zur Folge, daß die Flammen a u f ihren Herd beschränkt werden konnten. Le- diglich der D a ch st u h l und einigeFuderHeu sind dem Brande zum Opfer gefallen. Der M ü tz- len b e t r i e b selbst wurde in keiner Weise von dem Feuer berührt und ist nach wie vor unge- stört im Gange. Die Ursache des Brandes ist noch unbekannt; die Ermittlungen sind im Gange.
Schweinemarkt in Vuhbach.
♦ Butzbach, 3. Dezember. Auf dem heutigen Schweinemartt waren 72 Ferkel und Läuferschweine aufgetrieben. Es kosteten bis sechs Wochen alte Ferkel bis 24 RM., sechs bis acht Wochen alte 24 bis 27 RM., acht bis dreizehn Wochen alte 27
Die Lagd ie
In der Feldflur wird es ruhiger, die bäuerlichen Arbeiten kommen zum Abschluß, und der Hase fühlt sich wieder sicher und heimisch in seiner Sasse im alten Gras von Grabenrändern und Rainen, oder im tieischolligen Sturzacker. Denn Mümmel- mann steht zur Zelt im Mittelpunkt des jägerischen Interesses. Leider haben die Pessimisten bezüglich der zu erwartenden Hasenstrecken über die Optimisten gesiegt. Der mehrjährigen Periode schlechter Hasenjayre schließt sich das Jagdjahr 1940 würdig an. Daß dabei auch die Auswirkungen des Winters 1939/40 eine Rolle spielen, versteht, sich von selbst. Da nun einmal Junghasen immer das Vorhandensein von alten Hasen zur Voraussetzung haben und Erdschollen sich nicht in Hasen zu verwandeln pflegen, muß bei der Jagdausübung darauf Bedacht genommen werden, daß ein ausreichender Besatz übrig bleibt. Es hat sich noch immer bewährt, wenn alljährlich ein bestimmter Revierteil unbejagt blieb, und Standtreiben sind der Bestandserhaltung förderlicher als ausschließliche Kesseltreiben. Es wird sich übrigens auch auswirken, daß in diesem Jahre ausnahmsweise die Hasenjagd schon mit dem 31. Dezember endigt.
In den Waldrevieren geht daneben der Abschuß von Schalenwild weiter. Wo es geht, erfolgt der Abschuß als Einzelabschuß auf Ansitz oder Pürsch, weil nur bann die Gewähr, für richtiges Ansprechen gegeben ist und damit die erste Voraussetzung für einen wirklichen -Wahlabschuß erfüllt wurde. Oft aber werden in Hochwildrevieren ble Gelände- und Waldverhältnisse zu Drückjagden zwingen. Im Rehrevier sind sie das untauglichste Mittel, was am besten durch die vielen Fehlab-
bis 31 RM., Läuferschweine bis 36 RM. pro Stück. Der Handel war flott, der Markt wurde geräumt
tanötreie (ßießen
Z Steinbach, 4. Dez. Morgen kann Frau Marie Becker, geb. Hahn, Witwe des früheren Strahenwärters Hubertus Becker, in guter Gesundheit ihren 8 0. Geburtstag feiern. Unsere herzlichen Glückwünsche.
cf L i ch, 3. Dez. Gestern nachmittag hielt in dem Gefolgschaftsraum der Brauerei Jhring-Melchior Korvettenkapitän Chorus vor den Gefolgschaften der Brauerei und der Maschinenfabrik Gg. Schieferstein einen Filmvortrag über „Die deutsche Marine". Nach einleitenden Begrüßungsworten des Betriebsführers Hans Jhring ging Korvettenkapitän Chorus zunächst auf den Zweck solcher Vorträge ein, den breiteren Volksschichten einen Einblick in das Leben unserer Kriegsmarine zu geben, die weiterhin auch den Flotten- und Welt- geltungsgedanken in unserem Volke stärken sollen. Es sei dann eine ganz natürliche Folge, daß die deutsche Jugend auch bei der Marine dienen wolle, von der Tirpltz einmal gesagt habe, daß sie der Schmelztiegel des deutschen Volkes sei. Anschließend liefen mehrere Tonfilme. Als erster „Husaren der See", der mit den Aufgaben unserer Torpedoboote vertraut machte, sodann „Seefahrt und Wissenschaft", der in der Hauptsache einen Einblick in die Tätigkeit des Vermessungsschiffes „Meteor" gab, schließlich der gegenwärtig sehr aktuelle Film „U-Boote am Feind", der mit dem gefahrvollen, ober auch heroischen Einsatz der U-Boot-Waffe bekannt machte. Lange anhaltender Beifall dankte dem Redner für seine interessanten Ausführungen.
i Dezember.
schüsse (Böcke, Bockkitze, starke, führende Ricken) bewiesen wird, die man dabei immer wieder feststellen muß.
Schwarzwild hat seine „hok/e Zeit", denn die Rauschzelt ist im Gange. Wo es im Laufe des Sommers und Herbstes zu Schaden ging, wird fehnlichst nun Schnee zum Spüren und Kreisen erwartet. Es ist Pflicht des Jägers, jede Gelegenheit zum Bestätigen von Sauen zu benutzen, um einem gerade in Kriegszeiten besonders unerwünschten Wildschaden nach Möglichkeit vorzubeugen.
Unter dem noch schußbaren Nutzwild stellen wir den Fasan voran, dessen Hähne ein Treiben immer beleben oder der einer Stöberjagd mit gutem Hund in Hecken und Schilf immer einen besonderen Reiz verleiht
Waldschnepfen sind noch auf dem Durch- zug und Sumpfschnepfen wurmen in nassen Wiesen und am Bachrande.
Die großen Flüge der Ringeltauben sind, weil Mast fehlte, verschwunden, aber immer noch trifft man Tauben an.
Reizvoller ist die Jagd auf Wasserwild. Je mehr der Frost sich ausbreitet, umso stärker drängen die Enten nach Süden und Westen. Wenn dann vielleicht auch die schilfumsäumten stehenden Wasser unserer Teiche und Seen zugefroren sind, versprechen Ansitz und Pirsch am vereisten Fluß oft Weidmannshell.
Auch W i l d g ä n s e finden sick hier und fallen auf Wiesen und Saaten zur Aesung ein.
Der Balg des R a u b w i l d e s ist nun vollwertig. Des Fuchs jägers große Zeit ist da. Es gibt wenig
Wild, das so verschiedenartig besagt werden kan, wie gerade Reineke, und das deswegen, abgesehen von dem Wert des Balges, jagdlich so viel Freude bereitet Mag er im lauten Treiben oder im stillei, Drücken auf dem alten Paß anlaufen, mag er vor dem schuldigen Erdhund springen oder durch Maufepfiff und Hasenklage sich betören lassen, mag er zum Luderplatz schnüren oder im Schwanenhals sein Räuberleben enden: immer bereitet er — je nach Geschmack — dem Jäger mehr oder weniger große Freude.
Auch unsere Edelpelzträger, die Marder, sind dem Jäger freiaeaeben, und Iltis und Herme- l i n lohnen auch Den Fang.
Der Dachs trägt eine gute Schwarte, und fein Fett ist zu vielseitiger Verwendung begehrt.
Von den Raubvögeln haben neben Habicht und Sperber auch Mäuse- und Rauhfußbus, färb Schußzeit. Es fei d es besonders deswegen betont, weil durch einen Teil der Presse kürzlich eine kurze Betrachtung lief, die darin gipfelte, dog der Mäusebussard durch das (bereits im Februar 1936 außer Kraft getretene) Reichsvogelschutzgesetz geschützt und fein Abschuß strafbar fei. Solche Artz auptung en sind geeiget, Irrtümer und Unannehmlichkeiten hervorzurufen. Beide Bussarde unt-rstehen, w e alle Raubvögel, «dem Reichsjagdgesetz. Fakt alle Raubvögel sind ganzjährig geschützt, aber nicht die Bussarde, die eine im Jagdschein genau verzeichnete Schußzeit vom 1. September bis zum 31. Mprz haben. Der naturliebenbe unb naturbeobachtende Jäger weiß ganz genau, baß bas Gewölle des Bu'- sarbs viele Mäusereste enthält unb daß bleuer Bussard ein wichtiger Helfer im Kampf gegen die kleinen Nager ist. Er kennt aber auch ganz genau bit* jemgen Bussarbe, bi« in der Nähe ber Hühner, unb Fasanenfütterungen auf irgend einem Ast auf. gebäumt lauern unb biefe Fütterungen geradem blockieren, um ihre Besucher zu dezimieren. Dich Wegelagerer beseitigen zu können, ist die Absicht ber Schußzeit. Es werben jetzt brei Jahre, ba schlug in wochenlangem Lauern an ber meist vereisten Lahn ein starker, heller Bussard nicht nur täglich Rohr, und Teichhühner sow'e Fasanen, Hühner unb Enten, sondern auch an 30 Haushühner von einem benachbarten Hof. Daß solchen „Spezialisten" das Handwerk gelegt werden kann, ist ber Wille des Gesetzgebers.
Der Winter 1939/40 fetzte bereits im Dezembe« in aller Schärfe ein. Ich erlebte ihn in einem Teil Deutschlands, wo man aus klimatischen Gründen Winterfütterung kaum kannte. Die Folgen mären danach. Die Jäger wurden völlig überragt, Vorbereitungen waren nicht getroffen, die Transport- verhältniffe schwierig, das Wild in größter Not. Ich vergesie das Bild eines Rehes nicht, bas auf einsamer Walbstraße meinen Derpflegungsfahrzeugeni folgte, die vom Futterempfang kamen unb ab tmä zu etwas Heu verloren hatten. Mit solchen lieber- raschungen müssen m:r immer rechnen, so sehr mit sie uns auch nicht wünschen. Drum müsien nun un- bebi’naf bie Fütterungen so beschickt werden, daß bas W'ld sie kennt. Es muß wissen, baß sich Dort etwas finden laßt, es muß angekirrt fein. Dann Ht es leicht, bas Rehwild an Raufen unb Krippen zu bringen, wenn es einmal fein muß, dem Halen auf Daß den Tisch zu decken, bas Huhn in Kaff und Heublumen gleich dem Fasan scharren unb picken M sehen. Wer erst anfänat zu raten, wenn be^ts Taten geschehen sein müssen, kommt allemal zu spät. Aber Lust unb Liebe gehören dazu und kennzeichnen erst den Jäger gegenüber bem Schießer. „Del Faule kann's freilich nicht!" fugte Altmeister Hegt- walb. Hubertus.
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Roman von fjelnj Lorenz-Lambrecht
9. Fortsetzung. (Nachbruck verboten.)
Jetzt ist feine Gruppe bran. Noch brei Namen, dann muß er vortreten. Die Gestalt ist noch immer da. Es ist keine Täuschung. Auf keinen Fall! Er könnte das Gesicht malen. Er könnte es photographieren, und er würde darauf schwören, auf Dem Film wurde zwischen dem Kapitän und dem Saulen- helligen Thea erscheinen. Jawohl, der Säulenheilige ist halb verdeckt von ihr. Sie sieht ihn an, sie lächelt das scheue Lächeln, das er so gut kennt. Es ist Theas Lächeln, ganz gewiß. Und doch ist etwas fremd an ihr. Wenn er nur wüßte was?!
„Leutnant Gienant!"
Er muß Hier rufen. Er muß zwei Schritt« vortreten. Sein Körper steht wie angenagelt, er hat sich im Nu mit Schweiß bedeckt.
Die Erscheinung ...l Thea ...! Noch immer, noch immer ...
Eine Bewegung entsteht um ihn. Der Kapitän und feine Suite sehen ihn erstaunt, mißbilligend, befremdet an.
Der Kamerad neben ihm gibt ihm einen auffordernden Stoß: „Los doch, Mensch!"
Er reißt sich aufammen. Er öffnet den Mund. Taumelt ^wei Schritte vor. Und murmelt: „Beate!"
Die Erscheinung verschwindet.
Er hört, wie Peddinghusen bem Äapitän in flüssigem Französisch eine Erklärung für Gienants sonderbares Verhalten gibt. Der Kamerad habe sich noch nicht ganz von seinem gestrigen Fieberanfall erholt.
„Ah oui, c’est ga“, dem alten Pesquedou fällt setzt ein, daß Gienant gestern abend nicht beim Appell war und nickt ihm ermunternd zu.
Aber Viktor weiß, daß er vollkommen gesund ist. Er weiß bestimmt, daß in ber Luke zwischen dem Kavitän und dem Sergeanten Thea gestanden hat, und daß er, als er oortrat, den Namen Beate ausgesprochen hat.
Beate? Beate — was hat bas zu bedeuten? Wie in aller Wett kommt er nur auf diesen Namen?
Viktor Gienant ist keineswegs krank. Er ist so gesund und normal, wie ein junger Mensch fein
kann, der anschließend an einen beklagenswerten, aber durchaus nicht ungewöhnlichen Schiffbruch in eine mehrjährige Gefangenschaft gerät. Der gestrige Fieberanfall nach ber Impfung war natürlich, bie Gefolgschaft des Traumes nichts Außergewöhnliches.
Die heutige Erscheinung beim Abendappell, bei Hellem Tageslicht, ist etwas Außergewöhnliches und Unnatürliches. Selbstverständlich ist Gienant sofort geneigt, sie für eine Folge seines gestrigen Fiebers und Traumes zu nehmen.
Wenn Viktor jetzt den Kameraden erzählen würde, baß er mit eigenen Augen einen leibhaftigen Mensch, n gesehen hatte, ber vor einem Augenblick noch nicht vorhanden war, einen Menschen, keinen Geist, keine Halluzination, denn wie hätte sonst der Säulenheilige zur Hälfte von ihr verdeckt sein können! — sie hätten ihn weidlich ausgelacht. Und wenn er erst eingestanden hätte, baß es ein Mädchen, ein junges Mädchen war — des Spottens und der Anzüglichkeiten wäre kein Ende mehr gewesen. Der Spott wäre ihm bis ans Ende ber Gefangenschaft nachgelaufen. Wahrhaftig, derartiges behielt man am besten für sich.
Zum Glück hatte niemand von feinem sonder- baren Verhalten ein großes Aufheben gemacht. Die meisten Gefangenen sind ja noch junge und leicht dahlnbenkenbe Kriegssoldaten, die sich zu allerletzt mit ber Lösung seelischer Probleme abgeben. Es wurden ein paar Witze über seine „Dösigkeit" ge» macht, als sie nach bem Appell den Hof verließen, das war alles. Daß er einen Namen vor sich hin- gemurmeti hat, ist auch dem nächsten Nachbarn entgangen. Nur Dr. Golling betrachtete chn mit einem prüfenden Blick, doch sagte' er nichts.
Erst als die zwei primitiven Petroleumhängelampen gelöscht sind und Viktor in seinem Bett liegt, vermag er ruhiger' über den seltsamen Fall nachzudenken. Er prüft sich gewissenhaft, ob es sich am Ende nicht doch um eine Sinnestäuschung gehandelt haben könne. Er rekonstruiert die Begebenheit noch einmal in allen Einzelheiten. Er war vollkommen ruhig beim Appell, nicht das ge- ringfügigfte Nervenzucken, nicht bie kleinste Unruhe kündigte ihm an, daß sich etwas Außergewöhnliches ereignen würde. Er stand da und ließ gelangweilt und geduldig wie stets den Appell über sich ergehen. Er sah teilnahmslos auf den Seraeanten und dachte ganz nebenbei, daß der Name „Säulenheiliger" gut zu ihm passe. Da war ganz unversehens in Der Luke zwischen jenem und dem Kapitän das Mädchen
erschienen. Zwei, brei, vielleicht auch fünf Sekunden hat sie bageftanben und ihn angelächelt aus hellem, lebendigem Gesicht. Bis ihm der Kamerad zur Linken einen derben Stoß gab, der ihn vor- wärtstaumeln ließ — da mar sie wie weggewischt. Er ist überzeugt: Wäre er in den paar Sekunden rasch auf sie zugegangen, hätte er ihren Kopf zwischen die Hände genommen, er hätte seine Körperlichkeit spüren müssen.
Deutlich sieht er bas Gesicht wieder vor sich. Es war ganz ohne Zweifel Thea. Und doa» patte sie etwas Fremdes an sich. Sicher war Daran Die Kleidung schuld, fällt ihm jetzt ein. Sie trug ein Kostüm, wie er es nicht an ihr kannte. Wie er es überhaupt nickt an einer Dame kannte. Ein taubengraues Reisekostüm, eine kurze eng anschließende Jacke mit einem Herrenrevers und einem engen Rock, ber knapp bis zu den Fesseln reichte. Eine merkwürdige Mode, die er noch nie gesehen bat. Sollte sich die Mode draußen inzwischen so sehr verändert haben? Aber nein, nach Den Zeitschriften, die sie sich halten Dürfen, tragen die Damen noch Immer lange, weite und etwas glockenförmig geschnittene Röcke, und die Kostümjacken reichen bis zu den Knien. Uebrigens« entsprach auch nicht der Hut seiner Erscheinung der heutigen Mode. Er war ein grüner, kleiner, fest sitzender Filzhut, während man augenblicklich Hüte von enormem Umfang trägt und zu einem Reisekostüm höchstens eine auf dem Hinterkopf sitzende kleine Toque oder eine Art runden Herrenstrohhut — Anisplätzchen, wie man sie bezeichnend nannte —, der mit einer Hutnadel und einem Schleier auf bem üppig gebauschten Haar festgehatten wird. Richtig: auch eine andere Frisur muß sie gehabt haben. Die Thea von 1914 trug das Haar wie fast alle Damen ä la Kronprinzessin Cecilie. Auf einer solchen Frisur wäre ber Filzhut ber Thea von heute ganz unmöglich gewesen.
Merkwürdig. Sehr merkwürdig! Viktor muß In sich hineinlächeln — und das ist ein Zeichen dafür, daß ihn die Erscheinung nachträglich weniger erschüttert- als mit einem heiteren Erstaunen erfüllt. Ich habe da bie alte Thea in einer ganz neuen Auslage gesehen. Ein Vogel Phönix — neu geboren! Allerliebst sah sie aus. Und die Kleidung kam mir so wenig fremdartig vor, daß es mir zuerst gar nicht auffiel. Es paßte alles zu ihr, sie hatte Stil unb machte einen überaus erfreulichen Eindruck.
Plötzlich fällt Ihm ein Umffanb ein, der ihn erneut mit Verwunderung erfüllt. Er will darin sogar einen Schlüssel zur Lösung des Rätsels Men:: Er erinnert sich, daß bei seinem gestrigen Iraum die Thea, die er zum Schluß sah, eine ander« war als jene zu Anfang. Unb dunkel, ganz bunte.I fällt ihm ein, daß er in diesem lebhaften Traum etwas Besonderes unb, wie ihm scheint, etwas sehr Treffendes über diesen Umstand gedacht hat. War war. es doch nur? Was hat er da nur gebucht!! Thea ... sie sieht jetzt aus wie ... wie ...3a richtig, nun hat er es wieder: Sie sieht aus, als ofi sie ihre eigene gleichaltrige Tochter wäre. Ja, das scheint ihm sogar Den Nagel auf den Kopf zu treffen. Begründen kann er es allerdings nicht.
Unb auch das kann er nicht begründen, warum er nun die beiden Vorgänge, den Traum vor gestern und die Erscheinung von heute, miteinander in Verbindung bringt, als gehörten sie unlösW zusammen. Uebrlgens stimmt auch der Zeitpunv i überein. Gestern t[t er aus seinem Traum auffl* fahren, als unten Der Appell begann.
Das Seltsamste an allem aber Ist: der Name Beate! Wie kommt er in aller Welt dazu, der Namen Beate auszusprechen, Den er höchstens einmal in einem Roman gelesen haben mag? Niemand In seiner Verwandtschaft, niemand unter feinen Bekannten hecht Beate. Sollte ihm Thea einmal von einer Beate erzählt haben? Hat sie eliw Freundin dieses Namens? Hat sie ihm gesagt, dch sie diesen Namen besonders hübsch findet?
Gewiß ist ihm der Name ebenso überraschend an- geflogen gekommen, wie sich die Erscheinung plofc- lich vor ihn hinzauberte. Beides steht mitemanfcef in geheimnisvoller Verbindung. Die Erscheinung üft! zwar Thea gewesen, sie heißt indes Beate.
„Sie heißt Beate ..." murmelte Viktor vor sich hin. Er drückt den Hinterkopf ins Polster, daß dau trockene Seegras darin aufknistert. Mit einem verwunderten Lächeln sinnt er gegen die Decke. Es- nau über ihm läuft das plumpe Brett als Regal an der Wand entlang. Darunter schimmert ein hell-. les Rechteck in Viktors weit aufgeschlagenen Augen. ■ Es ist der Abreißkalender, den er zu Weihnachten! von daheim geschickt bekommen hat. Heute ist dek 28. Oktober.
Ich will mir das Datum einmal merken, bentt Viktor. Der 28. Oktober.
(Fortsetzung folgt)
Qjelees selbst- beceiie/i
Süßmost-veler
Kleintod)ung: 350 g Apfel» oder Xirschmost, 1 Neinbeutel De Deller „Delier-hülfe". 350 g Zucker.
®rofctodjung: 900 g Apfel» oder tiirschmost. 1 Drohbeutel De Deller „DeNer-hülfe", 900 g Zucker.
Die Herstellung erfolgt nach 6er auf den Beuteln gegebenen Anweisung,
mü*
Monen-Svler
Kleintod)ujig; Schale von 4 Zitronen, 300 g (3/10 7) ©affet. Gelee: 300 g (3/io 0 Zttronenfchalwasser, 50 g Zitronensaft, 1 Kleinbeutel De (Detter „(Beiter»tjülfe", 350 g Zucker.
Grobtochunq: Schale von 10 Zitronen, 750 g (3/4 /) Wasser. Gelee: 750 g (3/4 /) Zitronenschalwasser, 125 g (1/8 0 Zitronensaft, 1 Grohbeutel De Detter „Geller-hülfe". 875 g Zucker.
Die gereinigten Zitronenschalen werden mit bem Wasser jum Kochen gebracht, bei geschlossenem Topf und schwacher Hitz» etwa 1/4 Stunde gekocht und danach kalt gestellt. Man gibt di» abgekochten Zitronenschalen auf ein Sieb zum Abtropfen unb ergänzt gegebenenfalls mit Wasser auf die im Rezept angegebene Menge Zitronenschalwasser. Der Zitronensaft wird hi» zugefügt,- die weitere Herstellung erfolgt nach der auf den Beuteln gegebenen Anweisung.
Dr.Qetkef etter-3Kltfe


