Nr. '5t) Zweites Blatt
Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Dienstag, 4. Mi 1940
Aus der Stadt Gießen.
O Welt, voll Glanz und Sonnenschein!
Die schönsten und reichsten Tage des Jahres erleben mir jetzt im Rosenmonat Juni. Der Wald steht in seinem grünen Kleid. Der Hollunder blüht. Ueberall leuchtet und glänzt es. Die Aehren haben sich geöffnet und lassen an zarten, graugrünen Fäden ihre unscheinbaren Blüten im Morgenwind wie kleine Fähnchen wehen. In zierlichen Säckchen enthalten die Bljjten viel Blütenstaub, und wenn der Mittagswind über die Halme fährt, dann erhebt sich, oft eine große Wolke von Blumenstaub. Das Getreide braucht keine Bienen und Hummeln, nur Wind.
Halme neigen sich zu Halmen. Wie ein Raunen, ein leises Flüstern geht es durch das ganze Feld. Es ist ein herrlicher Anblick, das wogende Kornfeld! Auf und ab, Welle folgt auf Welle, das ist ein Schaukeln und Wiegen wie bei einem See. Der zarte Duft der Blüten umweht uns. Hier und da leuchten blaue Kornblumen und feuriger Mohn auf. Im Schutz der Halme können sie blühen und gedeihen.
Und überall singt es in Wald und Feld, denn die Zeit der Liebe, in der die Vögel singen, ist noch da. Der Kuckuck ruft, der Sperling zwilcht, aber die Finken, die Drosseln und die Amseln erfreuen uns am meisten mit ihren Liedern. Und wer am Wasser wohnt, hat jetzt jeden Abend ein köstliches Frosch-Konzert, denn auch für diese Tiere ist nun die Zeit der Liebe gekommen.
Das Jnsektenvolk strömt in Scharen herbei. Es summt und brummt wie eine ferne Orgel. Wer kennt alle Käfer und Schmetterlinge? Wie sie sich wiegen im Sonnenschein, unsere Sommervögel! Die Tagfalter in ihrer schimmernden Pracht!
Aus dem vielstimmigen Orchester der Insekten hören wir immer wieder schrille Geigentöne heraus. Das sind die Heuschrecken. Wir müssen schon geschickt sein, um diese kleinen Turner fangen zu können, denn sie vollführen Sprünge von unglaublicher Höhe. Dann fitzen sie da und streichen mit der einen Flügeldecke über die andere. Das ist ihre Musik, ihre Äbensfreude. Aber auch die Grillen gehören zu den Musikanten. In alten Häusern sitzen sie gern als „Heimchen" in der Küche, in irgend einem Löchlein, und lassen in den lauen Juninächten ihre Zirptone hören.
Die Wiesen sind ein schöner, bunter Teppich, auf dem die Natur alle Farben auf das dunkle Grün der Gräser getupft hat, und am Morgen blitzt und funkelt es uns entgegen. Das ist der Morgentau, der wie Diamanten glänzt und leuchtet. In ihm brechen sich die ersten Sonnenstrahlen in allen Regenbogenfarben. Wie köstlich ist eine solche Morgenwiese im Juni!
Und erst der Garten. Welche Blumenpracht! Ueber allen aber die Königin der Blumen, die Rose. Schon am Waldrand strömte uns der Duft der wilden Heckenrosen entgegen. Hier aber in den Gärten stehen sie in allen Formen und Farben. Sie sind immer schön, schon als Knospe, wenn die zarten, rot angehauchten Blütenblättchen heroordrängen wollen aus dem grünen Kleid des Kelches.
Wir nähern uns der Höhe des Jahres. Mit heiterem Gemüt und frohem Herzen wollen wir diese tage voll Glanz und Sonnenschein genießen. Der Rosenmond ist wie ein goldenes Füllhorn. Ueber- quellendes Leben ist gekommen. H.
Tageskalender für Dienstag.
Wehrwissenschaftlicher Vortrag der Ludwigs-Uni- rerfität: 20 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut, Ludwigstraße 34, Professor Dr. Koch über „Der Mensch im Flugzeug". — Gloria-Palast, Seltersweg: »Robinson"; 14.45 Uhr: Wochenschau-Sondervorstellung „Das deutsche Schwert schreibt Geschichte". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Es war eine rau-
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Halbzeit des Lebens.
Von Jo Hanns Rösler.
Die erste Halbzeit deines Lebens ist abgepfiffen, haft du den Pfiff, gehört, Freund? Er hält deinen Schritt nach vorwärts auf, läßt dich zur Seite treten, gibt dir ein paar Minuten Zeit zum Verschnaufen und zum Nachdenken, wie alles in der ersten Halbzeit deines Lebens kam, jeder Sieg und jede Niederlage. Und noch eine Minute, dich auf iie zweite Halbzeit deines Lebens vorzubereiten.
Du bist ein Mensch wie alle Menschen. Nichts zeichnet dich aus, du hast deinen Beruf, dein Heim, deine Familie. Du haft Nachbarn, Freunde und Feinde. Du bist deinen Weg geradeaus gegangen, mit Gleichmut, in der großen Marschkolonne, doch plötzlich stockt dein Schritt. Wie weit noch? Wie lange noch? Du bist ja schon so lange gegangen, du kommst ja schon von so weit her, das halbe Leben ist vorbei. War alles so, wie du es dir als Lind geträumt, als Jüngling vorgenommen hast?
Deine Ehe, Freund, ist eine gute Ehe. Du gibst deiner Frau den Zehnten, sonntags gehst du mit iir spazieren, ihr geht nebeneinander her, die Worte fließen langsam vom Mund, es ist wenig in euch, ttas gesagt werden muß. Euer Tag hat vierund- zvanzig Stunden und jede Stunde hat ihre ehrlichen sechzig Minuten. Aber damals, als du dein Nädchen zum ersten Mal sahst, als du mit ihr Jim ersten Mal allein warst, da war eine Stunde tiine sechzig Minuten, da verflog die Zeit, da konnten Lippen nicht nachkommen, alle die Worte aus- ^sprechen, die das Herz überfluten ließen. Es ist nid) immer dieselbe Frau, die an deiner Seite acht, es ist noch immer dieselbe Hand, die dich einst lirbkoste, es ist immer noch dasselbe Herz, für das dll einst lieber sterben wolltest, als es zu verlie- rin. Denk an die Berge, die du im Ueberschwang btr Liebe versetztest, denk an dein Leid, das dir die Sehnsucht brachte, jetzt ist sie dein, immer dein mb jeder Tag mit ihr hat vierundzwanzig Stun- ! dm. Jetzt sprich die Worte aus, die damals im h-rzen zurückgeblieben sind, jetzt erfülle die Stun- bm, die damals zu schnell verrannen. Denn immer kurzer wird die Zeit, wo ihr zusammen seid, ihr *)ibt euch ja noch so viel zu sagen — ihr zwei Denschen, die ihr unter Millionen Menschen nur e'-ch habt!
Iti Deine Kinder, Freund, wachsen gesund auf gutem ?oöen heran. Du sorgst für sie, sie sind sauber gekleidet, ihr Teller ist nahrhaft gefüllt. Du tadelst ii-, wenn sie ungezogen sind, du lobst sie, wenn li brav waren. Und so lernten sie gehen, sprechen, k-nn rechnen und schreiben, jetzt schon sich zu verlegen und in eine Gemeinschaft einzufügen. Dein
Stolz auf sie ist groß, aber wie klein ist —- wenn du es recht betrachtest — der Beutel Freuden, den du dir mit ihnen gesammelt hast! Wäre es nicht schöner gewesen, damals in der Stube sitzen zu bleiben, als sie ihre ersten Gehversuche machten, mit ausgestreckten Aermchen und hell krähend, statt mit Freunden zur Kegelpartie zu fahren? Möchtest du heute nicht gern die nieendenwollenden Fragen „Warum, Papa?" und „Wieso, Papa?" der Kleinen beantworten, wenn dein sechzehnjähriger Junge, schon ein wenig verschlossen, sich schweigend an den Mittagstisch setzt? Jetzt fragst du ihn, aber er hat schon gelernt, zu schweigen. Seine Gedanken kreisen schon um Dinge, die dir fremd sind, du studierst in seinem Gesicht viel länger, als du einst gebraucht hättest, das ganze kleine Herz zu erforschen. Hier war die Zeit als dein großer Gegenspieler schneller, sei du in der zweiten Halbzeit deines Lebens gewandter. Denn die Kinder wachsen heran und was sie einst an Zärtlichkeit und Liebe und Vertrauen mit hilflosen Händen überreich verschenkten, mußt du dir später schwer erkämpfen. Aber noch ist es Zeit, noch sind Kinder im Haus, noch liegt ein letztes Kind in der Wiege, noch kannst du deick Herz mit Freude an ihnen zum Ueberfluß füllen, daß es für die kalten Tage des einsamen Alters reicht.
Deine Nachbarschaft, Freund, achtet dich und findet dich umgänglich, du hast mit keinem einen Streit, man setzt sich gern mit dir an einen Tisch und weiß, wenn du aufgestanden bist, kein böses Wort über dich zu sagen. Manch einer hat sogar ein gutes Wort über dich im Herzen, denn du hast ihm einmal geholfen, als er in Not war. Aber er sagt es nicht. Es würde auch untergehen in den Bitternissen, wo du nicht halfst. Nicht etwa mit Geld, von dem du glaubtest, es reiche kaum für dein eigenes nacktes Leben, trotzdem Geld die Kraft besitzt, sich zu dehnen und zu strecken, wenn du von 'ihm einen Teil für die Not des Nächsten nimmst. Aber Hilfe ist nicht allein von deiner Tasche abhängig. Nimm den Verzweifelten mit heim in den Frieden deines Hauses, geh mit ihm ein paar Schritte, wo er sich allein zu gehen fürchtet, laß ihn dort nicht im Stich, wo er über eine Grube, die er nicht sah oder die man ihm heimtückisch schaufelte, strauchelte. Vergiß nie, daß jeder Mensch du selbst bist. Es gibt kein Unrecht, das begangen wurde, und das man nicht wieder gutmachen kann. Darum nütze die wenigen Minuten, die vor der letzten Halbzeit deines Lebens liegen, gut zu machen, was schlecht war. Und wenn du jetzt wieder auf dos Spielfeld des Lebens hinaustrittst und deinen dir zugewiesenen Platz zwischen den Mitspielern eingenommen hast, dann steh deinen Mann und vergiß nie, wie kurz die Zeit ist, die dir noch zum vollendeten Leben zur Verfügung steht.
„Ein Robinson."
Der Film
der Bavaria-Fanck-Chile-Expedition.
Der neue Film, der seit gestern im Gloria-Palast gezeigt wird, trägt zwar in einigen Grundzügen den Charakter des Abenteurer-Filmes, ist aber doch weit mehr, als eben nur ein Abenteurer-Film. Er ist, insgesamt gesehen, eine neue Form, er bringt die Verquickung des Abenteuers des einzelnen mit dem Hohelied der Kameradschaft, er ist Ausdruck der vaterländischen Treue, ist ein lebendiges Stück Geschichte und zugleich ein Kulturfilm von außerordentlichen Graden. Der ungewöhnliche Film ist dc^ Ergebnis der Bavaria-Fanck-Chile-Expedition.
Vor dem geistigen und leiblichen Auge ersteht die Erinnerung an den heroischen Kampf des deutschen Ostasien-Geschwade'rs, das im Jahre 1914 bei den Falklandsinseln gegen eine englische Uebermacht kämpfte upb ehrenvoll unterlag. Rur das Schiff „Dresden" konnte sich bamalfrjber feindlichen Uebermacht entziehen, um bann cwer doch bei der Insel Juan Fernandez, in chilenischen Hoheitsgewässern, von den Engländern gestellt und, entgegen dem Völkerrecht, angegriffen zu werden. Der Kommandant befiehlt die Versenkung des Schiffes. Die Mannschaft kehrt nach langer und abenteuerlicher Fahrt nach Deutschland zurück, sie wird aber (No- vember 1918) schlecht empfangen. Der Obermatrose Carl Ohlsen, um den es in der Folge im Besonderen geht, glaubt, daß für ihn in der Heimat kein Platz mehr sei. Er kehrt nach der Insel Juan Fernandez zurück, dahin, wo die versenkte „Dresden" liegt, und führt das Leben eines Robinsons, ganz so, wie sein Vorgänger, der schottische Matrose Alexander Selkirk, der unsterbliche „Robinson Crusoe". Ein Jahrzehnt vergeht! Mehr und mehr erkennt Carl Ohlsen, daß seine Existenz, die Existenz um seiner selbst willen, des tieferen Sinnes entbehrt. Er will zurück in die Gemeinschaft der Menschen, vielleicht sogar, wenn es für ihn einen Weg gibt, in die Gemeinschaft der Kameraden. Und dann erlebt er es, daß der neue Panzerkreuzer „Dresden" an feiner Insel anlegt. Aber er bemerkt es zu spät, kann sich nicht mehr bemerkbar machen und das Schiff fährt ohne ihn wieder ab. In abenteuerlicher Fahrt, in strapaziösen Märschen durchquert er Patagonien, um das Schiff vielleicht auf der anderen Seite des Kontinents zu erreichen und — er erreicht es auch. Ueberglücklich steht er bann wieder in Reih und Glied der jüngeren Kameraden auf der neuen „Dresden".
Der Film schildert diese Handlung in klarer Folae- richtigkeit. In den Bildern gibt es keine Kulisse. Immer ist eine grandiose Natur Schauplatz und Rahmen. Den Obermatrosen Ohlsen stellt Herbert Böhme dar, der das Idealbild eines aufrechten,
Keine Angst vor dem Betrieb.
Ein Wort an berufslose Krauen und Mädchen.
Es gibt kaum eine deutsche Frau oder ein deutsches Mädchen, die in diesen Tagen schwersten Kampfes um das Leben und die Freiheit Deutschlands nicht von dem Willen erfüllt wären, durch ihre Mitarbeit zum deutschen Sieg beizutragen. Seit Ausbruch des Krieges haben sich unzählige Frauen aus freiem Entschluß in das Heer der „Inneren Front" eingereiht. Sie wußten, daß ihre Hände gebraucht werden, und fragten nicht lange, an welchem Platz man sie einsetzep würde. So sind Tausende von ihnen aus jetzt nicht lebenswichtigen Berufen umgeschult worden für kriegswichtige Arbeiten, und Tausende traten überhaupt zum erstenmal in die Berufsarbeit ein.
Noch aber gibt es eine gewisse Anzahl berufsloser Frauen und junger Mädchen, die abseits stehen. Viele von ihnen mag bisher vielleicht nur Scheu vor dem Ungewohnten und Neuen abgehalten haben, ihre Pflicht in der Berufsarbeit zu tun. Diesen Zaahaften und Aengstlichen rufen wir zu: „Keine Ängst vor dem Betrieb!" Da spukt das Wort „Pulverfabrik" heute lebhaft in den Reihen der Nicht-Berufstätigen. Wie ein moderner Rüftungsdetrieb in Wahrheit aussieht, wie Arbeit und Arbeitsbedingungen sind, wie die Menschen, denen dex Betrieb schon lange zur zweiten Heimat würde, das wissen diese Außenstehenden nicht, und deshalb machen sie sich oft die seltsamsten Vorstellungen.
Seit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus haben die beauftragten Stellen unab- läfsia daran gearbeitet, daß aus der einstigen „Fabrik^ der moderne schöne Betrieb wurde. Im nationalsozialistischen Deutschland ist die Arbeit nicht nur „erträglich", sondern gern und stolz erfüllte Pflicht. So wurde die Forderung „Schönheit der Arbeit" in allen Betrieben, und ganz besonders in den Großbetrieben, verwirklicht. Sie umfaßt nicht nur die würdige und gesundheitserhaltende Gestaltung des Arbeitsplatzes an sichy nicht nur die Anlage von Betriebssportplätzen und Grünflächen, sondern auch die persönliche Betreuung von werktätigen Menschen.' Diese erfahren durch das enge Zusammenwirken aller Beauftragten eine grotz- zügiae soziale Betreuung, die sich gerade auch auf die schaffenden Frauen erstreckt.
Ihrem Wohlergehen dient die fürsorgliche Arbeit der Sozialen Petriebsarbeiterin und der Betriebsfrauenwalterinnen, dient die kameradschaftliche Hilfstätigkeit der Werkfrauengruppen. Erwerbstätige Mütter bringen ihre Kinder in den Betriebskindergarten (Kindertagesstätten), wo sie vorbildlich beaufsichtigt werden; die Gemeinschaftsverpflegung in den Werkkantinen, billig und bekömmlich, löst die für die Berufstätigen schwierige Ernährungsfrage. Vom Betrieb bereitgestellte und regelmäßig gereinigte Schutzkleidung beugt Unfällen vor und hilft Kleider sparen. 2)ej Betriebssport verschafft den notwendigen Ausgleich zur Werkarbeit. Alle diese Einrichtungen entsprechen dem national« sozialistischen G Bunds atz, daß der Mensch das Wich- tigfte im Betrieb sei. Ein in den letzten Jahren stark ausgebauter Mutterschutz sorgt dafür, daß die erwerbstätigen 'Mütter gesund und widerstandsfähig bleiben und so ihrer Dvppelaufgabe gewachsen sind.'
Selbst über den Betrieb hinaus erstreckt sich die Betreuung der schaffenden Frauen: geregelte Freizeit sichert die notwendigen Stunden zur Entfpan- nuna und Erholung, die Nachbarschaftshilfe im Deutschen Frauenwerk, von freiwilligen Helferinnen durchgeführt, nimmt den berufstätigen Hausfrauen einen erheblichen Teil ihrer häuslichen Pflichten ab (Kinderbetreuung, Wäscheflicken, Erledigung von Einkäufen usw.). Eine Reihe derartiger Einrichtungen könnte noch aufgezahlt werden, die alle das
eine Ziel haben, den schaffenden Frauen die werktägliche Arbeit so zu gestalten, daß sie nicht zur Ueberlastung wird.
„Aller Anfang ist schwer" — und darum besonders vor dem Anfang, vor der ersten Zeit in der völlig ungewohnten Umgebung, haben viele der bisher Berufslosen eine begreifliche Furcht. Was geschieht denn eigentlich mit den „Neuen" in einem Betrieb, also mit den Frauen und Mädchen, die überhaupt noch keine oder eine gänzlich anders geartete Erwerbstätigkeit ausübten? Sie werden zunächst angelernt bzw. umgeschult. In jedem Falle wird vorerst die körperliche Leistungsfähigkeit durch eine gründliche ärztliche Untersuchung festgestellt,
Am gestriaen Montagnachmittag konnte der Direktor des Botanischen Instituts unserer Universität, Professor Dr. Küster, im Hörsaal des Instituts den Kreisleiter Backhaus und die Gefolgschaft der Kreisleitung, sowie eine stattliche Anzahl von Angehörigen der Gliederungen der Bewe- S(NS.° Frauenschaft, Deutsche Arbeitsfront, .) begrüßen. Die Besucher wollten in einer gemeinsamen Führung den Botanischen Garten unter fachmännischer Leitung kennenlernen und außerdem einiges über die Heilkräuter erfahren, die demnächst auch in unserer engeren Heimat in einer großen Aktion gesammelt werden sollen.
Professor Dr. Küster dankte zunächst für den Besuch und gab dann einen Ueberblick über die Arbeitsgebiete des Botanischen Instituts. Er wies darauf hin, daß gerade das Botanische Institut eines der populärsten Institute unserer Universität sei. Das komme daher, daß sich von Pflanzen und Blumen jedermann angesprochen fühle, und geMe werde von vielen Gießenern ein Spaziergang durch den Botanischen Garten gemacht. Der Redner erläuterte dann die Arbeit des Instituts und betonte, daß das Schwergewicht der Arbeit auf dem U n - terricht und der Forschung liege. Es gelte, wissenschaftliche Erkenntnisse weiterzugeben an alle diejenigen, die ihrer bedürften. Mit Unterrichtsmitteln sei das Institut ausreichend versorgt. Der Garten biete eine schier unerschöpfliche Fülle Anschauungsmaterial. Weitere Hilfsmittel von nicht zu unterschätzender Bedeutung stellten die optischen Geräte dar, die insbesondere von der Firma Leitz in' Wetzlar dem Institut zur Verfügung gestellt seien.
An Pflanzen gebe es, so fuhr der Redner fort, eine unendliche Anzahl, und es wäre falsch, zu glauben, daß es einen Botaniker gebe, der sie alle kenne. Nicht die Pflanzen, sondern die Pflanze fei das Objekt der Forschung. Bei weitem stehe, wie der Laie oftmals glaube, nicht alles in Büchern, was es von der Pflanze zu wissen gebe. Das Beste komme erst, das Beste liege noch vor der forschenden Wissenschaft.
Die Botanik sei hi hohem Maße dne angewandte Wissenschaft. Sie diene in unmittelbarer Form dem praktischen Leben. Was essen wir? Mit was kleiden wir uns? Solche elementare Fragen werden von der botanischen Wissenschaft beantwortet. Die reine Forschung aber frage: wo ist etwas Neues? Die reine Forschung sei nicht nach dem Nutzen aus« gerichtet, sondern erstrebe bas Erkennen aus Erkenntnisdrang. Dieser Erkenntnisdrang dürfe nicht unterbunden werden. Was heute noch ohne praktischen Zweck erscheine, könne morgen praktische Bedeutung haben. Ein Satz, der kürzlich auf einer Tagung der Botaniker in Berlin geprägt
denn es wird keine Arbeitsleistung verlangt, die nicht dem körperlichen Leistungsvermögen entspräche. Anlernuna und Umschulung liegen in den Händen betriebserfahrener Beauftragter, ihnen zur Seite stehen dabei die Vertrauensfrauen »des Betriebes: die Soziale Betriebsarbeiterin, die Betriebs- frauenmalterin und die Mitglieder der Werkftauen- gruppe. Sie helfen dem Betriebsneuling, sich in die Arbeit und die Betriebsgemeinschaft einzuleben, zu ihnen darf jede einzelne mit ihren persönlichen Sorgen und Anliegen kommen.
Einer für alle — alle für einen!, so heißt die Losung in den Betrieben, und keine der neuen Ar- beitrEamerabinnen braucht sich verlassen zu fühlen, die den Willen mitbringt, sich in die Gemeinschaft einzufügen in dem Bewußtsein, daß ihrer Hände Arbeit genau so mitentscherdend ist für bas Gelingen bes beutschen Kampfes, wie der Einsatz unserer tapferen deutschen Wehrmacht.
worden sei, besage, daß „b i e Wissenschaft von heute die Wirtschaft von morgen fei". Die Richtung, in der sich die Forschung bewege, könne sehr vielfältig sein. Gegenwärtig stehe die Dererbungswissenschaft, die jüngste Wissenschaft, im Vordergrund. Die experimentelle Vererbungswissenschaft sei zwar erst 40 Jahre alt, sie habe sich aber mit geradezu explosiver Gewalt entwickelt und erstaunliche Ergebnisse gezeitigt; aber noch vermöge kein Mensch die Tiefen auszuloten, die sich gerade auf dem Gebiete der Vererbungswissenschaft ergäben. Das Gießener Botanische Institut habe sich im Rahmen der vielen Aufgaben der Botanik der Zellenlehre zugewandt.
In der Forschung sei der Wissenschaftler bemüht, eine Frage nach der anderen au lösen. Ein Ende in dieser Arbeit gebe es nicht! Je weiter die Wissen-
Magensäure
Ich bitte um erneute Zusendung von 50 groß. Füllung. Ihres Karlssprudels, der mir bei Magenübersäuerung sehr gute Dienste geleistet hat, so daß ich die Kur fortset). möchte. Dr. J. Werner,
Oberstud.-Dir., Olbernhau, Freiberg.Str.7. 31.8.37, 20 grobe Flaschen RM 12.60, 50 grolle Flaschen RM 25. —. Fracht hin und wrüdc trägt der Brunnen. Heilquelle Karlssprudel, Biskirdien A.
schäft vordringe, um so mehr erweiterten sich die Perspektiven. Aber die Wissenschaft werde um dieser Tatsachen willen nicht trostlos, sondern so, wie Kant aus der Unfaßbarkeit des Himmels Trost und Kraft gefunden habe, suche und finde auch der Wissenschaftler in seinen Forschungsergebnissen immer neue Kraft und neuen Trost. Immer weiterreichende Erkenntnis führe zu Bescheidenheit und verhindere Selbstüberschätzung.
Der lebendige und begeisternde Vortrag wurde von den Zuhörern mit stärkster Aufmerksamkeit verfolgt.
Im Anschluß daran führte Prof. Dr. Küster seine Gäste durch den Garten, erläuterte in kurzen Zügen die Anlage und das System des Gartens, wies auf Schönheiten der Gartenlandfchaft und auf Besonderheiten in der Pflanzenwelt hin, die im Botanischen Garten überreich anzutreffen sind.
Nach diesem Rundgang versammelte der Assistent Dr. Heidt die Teilnehmer im großen Gewächshaus und hielt hier einen kurzen Vortrag über die heimischen Heilkräuter und deren Bedeutung für die Volksgesundheit. Er wies darauf hin, daß gerade in den nächsten Wochen und Monaten eine intensive Sammeltätigkeit entfaltet werden solle, um zu vermeiden, daß für Heilkräuter Millionen
Der Aufgabenbereich des Volanischen Wiluis.
Kreisleitung besucht den Botanischen Garten.-Heilkräuter sammeln sehr wichtig!
ehrlichen deutschen Seemannes zeichnet. Auch als Robinson fügt er sich glücklich in seine Rolle und läßt in mancher Geste, in manchem Selbstgespräch ober im Gespräch mit seinem Papagei die eigenartige geistige Haltung des abgründig einsamen Menschen zum Ausdruck kommen. Neben ihm wären Claus Clausen als fein Freuhd Fritz Groth und W. K. K r ü g e r als der gute Geist der deutschen Matrosen, der alte Pagels, zu nennen. Die übrigen Mitwirkenden treten fast durchweg in der Form der Kameradschaft auf, sodaß das Darstellerische Schwergewicht auf nur wenigen Künstlern liegt. Das kommt dem Film selbst in vieler Hinsicht zugute. Für die Regie zeichnet Dr. Arnold F a n ck verantwortlich. Unerschütterlich wird das hohe Niveau gehalten, das wir an allen Filmen, die bisher unter Fancks Leitung entstanden, kennen.
Der Film ist, wie erwähnt, das Ergebnis einer großen Expedition, von der einige Einzelheiten interessieren dürften. Die Expeditionsteilnehmer legten insgesamt eine Strecke von über 51000 Kilometer zurück, fuhren auf Schonern, Zweimast- feglern, auf chilenischen Staatsdampfern und Kriegsschiffen, fuhren auf Lastwagen und beförderten dabei 250 Kisten Ausrüstungsmaterial, die mit Maultieren und Gauchopferden bis in die unwirtlichsten Gebiete unseres Erdballes gebracht werden mußten. Die Exped-itionsteilnehmer waren völlig auf sich selbst angewiesen, waren allen Unbilden der Witterung, den wochenlangen Regonfällen, byi Stürmen, ber tropischen Hitze unb ber eisigen Kälte ausgesetzt. Ganz ungewöhnliche Arbeit leisteten ba« bei bie Männer an ber Kamera. Bilber von einer unerhörten Schönheit unb Einbrucksgewalt bringt fast jede Szene. Die ganze Wilbheit bes patago» nijchen Hochlandes, bie pittoreske Schönheit bes Feuerlanbes finb im Silbe festgehalten unb immer hat man babei auch Zeit gefunben, ber Tierwelt nachzugehen, sobaß ber Film nicht nur einen Spielfilm von hohen Graben barstellt, sonbern auch eine Mission als Kulturfilm erfüllt. Der Film in seiner Gesamtheit verbient eine rückhaltlose Anerkennung unb bebeutet ein vielseitiges und reiches Erlebnis. H. L. Neuner.
- Zeitschriften.
— Sämtliche Fensterscheiben werden zerstört, wenn bie Fenster bei Luftangriffen nicht geöffnet finb.. Selbst wenn Fliegerbomben in größerer Entfernung einschlagen, genügt ber Luftdruck, um Fenster in der näheren und weiteren Umgebung einzubrücken, lieber bie Maßnahmen, wie man bas Zerstören der Fensterscheiben verhindern kann, berichtet ein Artikel im neuesten Heft ber „Sirene^ Ein Aufsatz behandelt nochmals die Deckenabstei- fung in Luftschutzräumen. Die Rubrik „Wir wissen Rat!" beantwortet wieder eine Anzahl grundsätzlicher Fragen, die für die Oesfentlichkeit von. Interesse sind.


