Wie Cassel genommen wurde.
(DK.) Wenn einmal die Geschichte dieses Krieges geschrieben wird, dann wird auf einem besonderen Ruhmesblatt der Bericht von dem Heldenkampf um die Stadt Cassel zu finden sein. Mit der gleichen Heftigkeit, mit der in manchen Jahrhunderten bereits um dieses Bergstädtchen gekämpft worden ist, standen sich die deutschen und die englisch-französischen Truppen in mehrtägigem Ringen gegenüber. Gespickt mit Waffen, besetzt gehalten von Truppen, deren zäher Widerstand unsere ganze Anerkennung findet, hat auch Cassel den deutschen Vormarsch nicht aufhalten können. Dort, wo dem Marschall Foch vom französischen Volk zur Erinnerung an den großen Krieg ein Reiterdenkmal gesetzt worden ist, rollen deutsche Marschkolonnen nun schon seit Stunden vorüber.
Nachdem die Einkesselung der englisch-französischen Armeen und der noch nicht entwaffneten belgischen Kräfte vollendet war, wurden starke Panzerverbände dazu angesetzt, von Süden nach Norden e i n e n K e i l hineinzutreiben. Auf unserem Marschweg lag Cassel. Niemand ahnte etwas von oer Verteidigungsstärke dieser kleinen Stadt, die von ' einem hohen Berg weit in die französisch-belgische Landschaft hinausragt. In den Akten eines englischen Offiziers fanden wir eine Mitteilung, daß Cassel, wie schon einmal im Weltkriege, wiederum Sitz des französisch-englischen Hauptquartiers war. Diese Tatsache allein ließ schon auf eine starke Befestigung schließen. Der darauf angesetzte Panzer- und Jnfanterieangriff stieß auf eine starke Abwehrfront.
Der Kommandeur unserer Panzerdivision ent- schloß sich daher, um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden, den Ort e i n z u s ch l i e ß e n und durch das Gros der Truppen den Vormarsch fortzusetzen. Auf diese Weise mutzte der Gegner gezwungen werden, sich eines Tages vor den Toren feiner Befestigung zum Kampf zu stellen, denn mit jeder Stunde mußte sich der M u n i t i o n s m a n g e l mehr und mehr bemerkbar machen. Der stundenlange Kampf mit der deutschen Artillerie und den an allen Seiten immer wieder erneut vorfühlenden Spähtrupps unserer Panzer sowie die ständige Abwehr deutscher Luftangriffe hatten den Gegner zweifellos fchon in seinen Munitionsbeständen und seiner moralischen Kampfkraft geschwächt.
Die Stunde Der Entscheidung für die Besatzung von Cassel kam in dem Augenblick, als deutsche Panzer die letzte Ausfallstraße abschnitten. Umschlossen von einem eisernen Ring, früher oder später zum Ergeben verurteilt, befahl der Kommandant von Cassel, gegen Norden einen Ausbruchsversuch zu machen. Diesen letzten Verzweiflungsstoß fing eine Panzerkampfgruppe auf. Die Verwirrung in den Reihen der Gegner war groß, als sie sahen, daß ihr Versuch gescheitert war. Sie wuchs, als mit aller Wucht der deutsche Gegenangrif f über sie hereinbrach. 50 Kampfwagen wurden abgeschossen, 3500 Gefangene fielen in deutsche Hand, 700 Tote bedeckten die Kampfstätte.
Unter Schonung deutscher Kräfte wurde Cassel und seine Besatzung, die tagelang mutigen Widerstand geleistet hatte, in unsere Hand gebracht. Noch schwelten die Rauchschwaden über der Bergstadt, noch züngelten die Flammen in den Abendhimmel, da brausten wir nach Cassel hinein. Infanterie, Panzerabwehr, Pioniere und Artillerie hatten die Besatzung gebildet. Um uns wehte der Geruch verbrannter Leichen. Es war ein riesig großes Trümmerfeld. Auf dem Marktplatz war eine Batterie aufgefahren: sie wurden zerschmettert. Aus jedem Hause starrten Maschinengewehrläufe, aus jedem Scheunentor feuerten feindliche Geschütze. Jedes Haus ein Bunker. In den Gärten Soldatengrab neben Soldatengrab. Hier war da« englische Hauptquartier. Von hier aus lenkte schon einmal Marschall Foch die Schlacht am Kemmel und bei Poern. Eine Tafel, die davon kündet, daß diese Stadt nie wieder ein fremder Soldat betreten werde, ist ein Wunschtraum geblieben. Deutsche Kolonnen rollen nach Cassel hinein, vorbei an dem Denkmal des Marschalls, den sie den „Gott der Armeen" genannt haben. Kurt Mittelmann.
Neue Ritterkreuze.
Berlin, 3. Juni. (DNB.). Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine, Großadmiral h. c. Raeder, das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verliehen an: Kapitänleutnant (Jng.) Erich Grundmann, Flottilleningeniieur einer Räumbootflottille, Stabsobersteuermann Arthur Godenau, Kommandant eines Minenräumbootes, und Stabsobersteuermann Karl Rixe ter, Kommandant eines Minenräumbootes.
Kapitänleutnant (Jng.) Gr und mann hat am 9. April 1940 unter vollem eigenen Einsatz mit einem kleinen Stoßtrupp und Teilen der Besatzung eines Räumbootes den norwegischen Marinestützpunkt Horten im Oslo-Fjord genommen. Seinem energischen und schnellen Handeln ist es zu verdanken, daß sich die überlegene norwegische Be- satzuna ergab. Stabsobersteuermann Godenau hat als Kommandant eines Räumbootes am 9. 4. 1940 im schweren feindlichen Feuer durch persönlichen Schneid mit seinem Boot die Landung ta dem Marinestützpunkt Horten am Oslo-Fjord durch- geführt und im Verein mit Kapitänleutnant Grunb- mann die Ueberrumpelung eines norwegischen Stützpunktes möglich gemacht und damit wefenttich zum Gelingen des Unternehmens beigetragen. Stabsobersteuermann Rixeter hat als Kommandant einesRäumbootes bei Bolaerne im Oslo-Fjord ein feindliches U-Dovt durch Wasserbomben zum Auftauchen gezwungen, das U-Boot geentert und die Besatzung gefangen genommen. Vorher hat der Stabsobersteuermann Rixeter unter schwerem Feuer die auf seinem Boot eingeschifsten Truppen gelandet.
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Erich Grundmann, der Sohn eines Feuer- ' werksleutnants, wurde 1906 in Kiel geboren und
trat 1926 als Heizer in die Kriegsmarine ein. 1932 wurde der Oberheizer-Gefreite Grundmann als Kadett und Jngenieuroffiziersanwärter übernommen. Nach der Offiziersausbildung erfolgte die Beförderung zum Leutnant (Jng.). Dom l.Juli 1938 bis Februar 1940 war er Wachingenieur auf dem Panzerschiff „Admiral Scheer". Nach der Beförderung zum Kapitänleutnant (Jng.) wurde Grundmann Flottilleningenieur einer Räumbootflottille. — Arthur Godenau wurde 1903 in Netzort bei Bromberg als Sohn eines Buchhalters geboren. Nach Erlernung eines Handwerks trat Godenau 1925 in die Kriegsmarine ein. Seine zwölfjährige Seefahrtszeit ließ ihn auf Torpedobooten und vornehmlich kleineren Fahrzeugen umfangreiche seemännische Erfahrung erwerben. — Karl Rixeter wurde 1906 in Merchweiler geboren. Sein Vater war Oberlehrer. Nach Eintritt in der Kriegsmarine 1925 fand Rixeter vornehmlich auf kleineren Schiffen Verwendung. Dor seiner Kommandierung als Kommandant eines Räumbootes fuhr Rixeter drei Jahre als U-Bootsteuermann.
Oie Keichsstudentenführung im Kriege
Der Reichsstudentenführer Dr. Scheel hat bisher fein Amt neben den ihm vom Reichsführer ff
übertragenen Aufgaben im deutschen Westen weitergeführt. Da er nun die Genehmigung erhalten hat, zum Dienst bei der Wehrmacht einrücken zu dürfen, wird das Amt des Reichsstudentenführers wäh.'nd
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der Dauer des Krieges in kurzfristigem Wechsel durch bevollmächtigte Vertreter geführt. Mit Genehmigung des Stellvertreters des Führers und des Reichserziehungsministers hat der Reichs- ftudentenführer den Amtsleiter der Reichsstudentenführung Dr. Fritz K u b a ch als bevollmächtigten Vertreter im Kriege eingesetzt.
Oie Beisetzung Werner v.Heidenstams.
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Auf seinem Gutshof Oevranlid am Vätter-See wurde Schwedens Nationaldichter Werner v. Heiden st am feierlich zur letzten Ruhe beigesetzt. Der Bruder und der Sohn des schwedischen Königs, 'die Führer des schwedischen Geisteslebens und viele junge Menschen, Pfadfinder und Bauernmädchen, gaben dem Dichter das letzte Geleit. Der Stellvertreter des Führers Reichsminister Rudolf Heß, hatte ebenfalls am Grabe einen Kranz niederlegen lassen. — Unser Bild zeigt Prinz Eugen bei seine Grabrede. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
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Am 20. Juni 1940 beginnen wir mit dem Unterricht in unserer neuerrichteten
Musikschule für Jugend und Volk
Unterrichtet wird in:
Klavier, Streich- und Blasinstrumenten wöchentlich eine Stunde f (8 Schüler darin vereinigt) bei einer Gebühr von: für Jugendliche bis 20 Jahre RM. 4.— monatlich, für Erwachsene RM. 5.— monatlich, zuzüglich Hörerkarte für 12 Monate gültig RM. 0.50.
Blockflöte, Handharmonika, Piano - Akkordeon, Laute, Gitarre, Mandoline wöchentlich eine Stunde (bis höchstens 6 Schüler vereinigt) bei einer Gebühr von RM. 2.— monatlich, für Jugendliche und Erwachsene, zuzüglich Hörerkarte für 12 Monate gültig RM. 0.50.
Außerdem beginnen:
Kurse für rhythmische Erziehung
Dieselben umfassen:
Allgemeine Körperbildung, Atemgynyiastik, Schulung der totalen Bewegung, Musik und Bewegung, alte Tanzformen, Volkstanz, Übung der musikalischen Grundfunktionen, Ausbildung des musikalischen Hörens, der musikalischen Erfindung und Gestaltung, Bewegung nach Musik, Improvisation zur Bewegung und freies Spiel.
Die Gebührensätze betragen monatlich bei 4 Stunden: für Kinder von 8—9 Jahren RM. 1.—, für Jugendliche von 10—20 Jahren RM. 2.—, für Erwachsene RM. 8 —, zuzügl. Hörerkarte für 12 Monate gültig RM.0.50.
Alle Kurse und Unterrichte finden unter Leitung von staatlich geprüften Lehrkräften statt. Anmeldung und nähere Auskunft in der Kartenverkaufsstelle Gießen, Seltersweg 60, sowie bei allen Einheiten der Hitler-Jugend und in den Schulen.
Sprechstunden des Leiters der Schule: Donnerstags von 17 bis 18.30 Uhr in der Karten Verkaufsstelle, Gießen, Selters weg 60 e
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Mit „Kratt durch Freude" ins Theater
Für die diesjährige Sommerspielzeit im Stadttheater Gießen wurde ein
Theater-Sommerring.
festgelegt. — Derselbe umfaßt 5 Vorstellungen und zwar nur Neuinszenierungen. Bisher sind vorgesehen:
„Zwei im Busch“, Lustspiel von Axel Jvers
„Trockenkursus“, Lustspiel von Kurt Bortfeldt und „Heimat4*, Schauspiel von Hermann Sudermann.
Die Kartenausgabe erfolgt im Rollsystem, für das nur gute Plätze bereitstehen. Seiten- und Rückplätze im 2. Rang sind nicht einbegriffen. Jeder Volksgenosse wird daher stets zu einem guten Platz kommen.
Der Ringbeitrag einschließlich der Einschreibegebühr und der Altersversorgung für Bühnenangehörige beträgt nur RM. 5.50. — Anmeldungen in der Kartenverkaufsstelle, Gießen, Seltersweg 60, erbeten.
Die Deutsche Arbeitsfront NSG. „Kratt durch Freude“
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Bekanntmachung.
Infolge Ausführung dringender Betriebsarbeiten wird der Strayenbahnverkehr auf der Strecke Marktplatz—Seltersweg—Bahnhof gesperrt.
Gießen, den 3. Juni 1940. 2663A
Stadtwerke Gießen. — Abt. Straßenbahn.
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