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Zusammenarbeit im Oonauraum.

Oie Pflichten der deutschen Lugend.

Ein Appell des Generalfeldmarschalls Göring.

Reichsernährungsminister D a r r 4 hat sich nach Budapest begeben, wo er im Sinne und in Aus­wirkung der -freundschaftlichen Beziehungen, die zwi­schen Deut ch l a n d und Ungarn bestehen, mit den zuständiaen Stellen, besonders aber mit dem ungarischen Landwirtschaftsminister Verhandlungen ausgenommen hat. Das wäre an sich ein normales Ereignis, aber es wird in diesem Falle unterstrichen dadurch, daß zu gleicher Zeit in Budapest sowohl der jugoslawische, als auch der runzä- nische Ackerbauminister anwesend sind. Die Ver­handlungen werden dadurch in einen sehr weiten Rahmen gestellt, was noch dadurch gesteigert wird, daß die vier Länder nicht nur benachbart sind, son­dern einen Großwirtschaftsraum dar- stcllen, der von der Natur gegeben und entwickelt ist.

Jugoslawien, Rumänien und Ungarn sind zwar Agrarländer, aber sie haben damit begonnen, sich auch industriell durchzuorganisieren, wobei Deutsch­land wertvolle Dienste geleistet hat und weiter leisten wird. In diesem Mitteleuropa, das nicht ein­geengt und nicht abaeschnürt werden kann, sind die Voraussetzungen dafür gegeben, sich gegensei­tig zu ergänzen, ohne daß die Unabhängig­keit und Selbständigkeit irgend eines Landes dabei in Frage gestellt wird. Entscheidend ist hier, daß sowohl die nachbarliche Lage als auch die wirt­schaftliche Struktur einen Dauerzustand bebauten, so daß es kein Ersatz ist, wenn geographisch und verkehrstechnisch fernliegende Länder, wie England und Frankreich, sich zur Zeit abmühen, auf dem Balkan und im Donauraum als Käufer aufzutre­ten. Damit ist nicht weit zu kommen, um so we­niger, als die Balkanstaaten ebenso wie Ungarn von einem starken Selbstbewußtsein erfüllt ^ind, das sich nicht damit zufrieden gibt, eine sehr proble­matische Konjunktur, wie sie die Westdemokratien bieten, einmal auszunutzen.

Tatsache ist jedenfalls, daß, seitdem Deutschland nach der Machtergreifung die wirtschafllichen und politischen Beziehungen zu den Balkanstaaten auf eine gesunde Grundlage gestellt hat,, die Auswir­kung wirtschaftlich und sozial, finanziell und poli- tisch für alle Teilnehmer von Vorteil gewesen ist. Auch daran kann nicht vorbeigegangen werden, daß der Balkan und der Donauraum wirtschaftlich und finanziell nicht mehr von der Genfer Liga mit ihren plutokratischen Einpeitschern konsultiert zu werden brauchen. Großdeutschland ist für die Agrarländer hn Südosten ein Mächtgebiet von einem Umfang und einer Kaufkraft, für das sich schon geopolitisch kein Ersatz finden läßt.

In dem Raum Mitteleuropa gibt es keine un­überwindlichen Gegensätze, wie sie die Versailler Vertrüge künstlich geschaffen haben. Mit Hilfe dieser Gegensätze hatten die Westdemokratien versucht, sich so etwas wie eine Vorherrschaft aits machtpolitischen Gründen über die Balkanstaaten zu sichern. Das Feilbieten einer Garantie, die nicht gebraucht, die auch nicht wirksam gemacht werden kann, war noch so etwas wie ein ferner Nachhall der Ver­sailler und Genfer Epoche. Daß sich auf dem Bal­kan kein Staat und keine Regierung nach dieser Epoche zurücksehnt, geht daraus hervor, daß alle Balkanstaaten fest entschlossen sind, unter allen Umständen neutral zu bleiben. Das können auch die .Käufe" der Westdemokratien nicht mehr verhindern, zumal die im Rahmen ihrer wirt­schafllichen Struktur hochentwickelten Balkan- und. Donauländer nicht nur Käufe, sondern auch eine geregelte Produktion, sowie geregelte Absatz- und Tauschmärkte gebrauchen. ss.

X)arr6 bei Horthy.

Budapest, 3. April. (DNB.) 3m Laufe des Mittwoch wurde Reichsminister' Darrs vom Reicksverweser von Horthy in Privataudienz empfangen. Nach einem Besuch beim ungarischen Ministerpräsidenten Graf Paul T e l e k i hatte Reichsminister Darrs im Beisein des ungarischen Ackerbauministers eine vorläufige erste Unterhal­tung mit dem Mittwoch hier eingetroffenen jugo­slawischen Ackerbauminister Tschubrilowitsch. Donnerstag besucht Reichsminister Darrs im Bei­sein des Reichsverwesers von Horthy die un­garische landwirtschaftliche Ausstellung.

Der Empfang des Reichsernährungsministers und Reichsbauernführers Darrs durch das Staatsober­haupt des befreundeten Ungarn unterstreicht die engen freundschaftlichen Beziehun­gen zwischen den beiden Ländern, die sich auch wirtschaftlich auf das glücklichste ergänzen.

Berlin, 3. April. (DNB.) 3m Rahmen der Aktion für die geistige Betreuung der HI., die Reichsleiter Rosenberg im Auftrage des Minister­rates für die Reichsverteidigung durchführt, sprach am Mittwochfrüh Generalfeldmarschall Göring zur deutschen Fugend.

3n packenden und mitreißenden Worten schilderte er den Jungen und Mädeln die welthistorische Größe dieser Zeit und die Pflichten, die der deutschen Fugend in dem entscheidenden Befreiungskampf un­seres Volkes erwachsen. Er erinnerte an das wechsel­volle Schicksal Deutschlands in den letzten Fahr­zehnten, an den ruhmreichen Heldenkampf im Welt­krieg und den schmachvollen Sturz in tiefste Not und bitterstes Elend im Jahre 1918 und schließlich an die kühne Tat des Führers, der durch die natio­nalsozialistische Bewegung die Volksgemeinschaft geschmiedet und ein Reich der Größe, Kraft und Herrlichkeit geschaffen hat.

Jehl gilt es, dieses Derk des Führers gegen den Haß und den vernichlnngswillen der Feinde nach außen zu verteidigen und für alle Zukunft zu sichern.

In gläubiger Zuversicht und mit unerschütter­lichem Siegeswillen ist das deutsche Volk in diesen Kampf eingetreten. Die Feinde wissen jetzt was es heißt, Deutschland anzugreifen. Der beispiellose Siegeszug in Polen und die Erfolge gegen Frankreich und England zeigen, wie hart die deutsche Wehrmacht zu Luft, zu Lande und zu Wasier zuschlägt.

Der Generalfeldmarschall wandte sich dann vor allem den Aufgaben zu, die die Jugend erfüllen muß, um zu ihrem Teil zu dem großen Schick­salskampf des deutschen Volkes beizutraaen. Lebens­lust und Lebensfreude sind Vorrechte der Jugend; diese Vorrechte soll und will ihr niemand nehmen.

Der Ernst der Zeit aber erfordert auch von ihr Disziplin und nattonalsozialistische Haltung.

Jeder soll zuerst seine Pflicht klar erkennen und sie mit Eifer dort erfüllen, wo Volk und Vaterland sie fordern.

In Friedenszeiten hat die Jugend dem Führer Treue und Gehorsam, Kameradschaft und Opferbe­reitschaft, Anstand und Tapferkeit gelobt. Diese

Tugenden muß sie jetzt bewähren, nicht allem in der Uniform, im Dienst der HI., sondern auch im All­tag, in Schule und Elternhaus, Beruf und Betrieb. Dabei soll die Jugend auch Achtung vor der Lei­stung bezeugen. Da es meistens die älteren sind, die schon etwas geleistet haben, wird von der Jugend Achtung vor dem Alter verlangt. Auch die Verdunkelung zum Schutze der Heimat darf nicht dazu führen, daß junge deutsche Men­schen verwahrlosen und schlechten Trieben nack- geben. Jeder, ob Junge oder Mädel, soll sich so verhalten, daß er stets vor den Führer treten kann und sich nicht zu schämen braucht.

Setzt Euren Ehrgeiz darein, so schloß der Gene­ralfeldmarschall seine aufrüttelnde Ansprache, der großen deutschen Volksgemeinschaft zu dienen, wo Ihr könnt. Wenn Ihr die von mir gekennzeichnete nattonalsozialistische Haltung bewahrt, die ich mit allem Ernst von Euch fordern muß, bann werdet Ihr das Vertrauen rechtfertigen, das der Führer in feine Jugend setzt. Dann erfüllt Ihr den Eid, den Ihr ihm geleistet habt.

Vergeßt niemals, daß Ihr es seid, die d e r» einst diesen Staat und dieses Reich tragen sollt, das unser Führer geschaffen hat und das mit Gut und Blut schwer errungen und erkämpft worden ist.

Erinnert Euch stets daran, daß Ihr die Fackel der Idee weitertragen sollt, in alle Zukunft hinein: Die Idee des Vationalsozialismus, die Idee der Volksgemeinschaft, die Idee Groh- deutschlands.

Nach dem Willen des Führers sollt Ihr dereinst die Träger deutscher Größe, deutscher Ehre und deutscher Freiheit werden und sein."

Die Ansprache des Generalfeldmarschalls wurde mit großem Jubel ausgenommen. Die in stolzer Freude im Festsaal des Reichsluftfahrtministeriums zum Appell vor dem Generalfeldmarschall angetre­tene Berliner Flieger-HI. folgte mit Spannung und jugendlicher Begeisterung den Worten des Feldmarschalls, der ihr aus gläubigem und hoff­nungsstarkem Herzen in seiner offenen und gera­den Art den Weg zu einsatzbereiter Pflichterfüllung in dieser großen und schweren Zeit wies.

Umgruppierung im englischen Kabinett.

Churchill macht von seinen Ellenbogen noch mehr Gebrauch.

Amsterdam, 4. April. (DNB.) Im Zuge der von Chamberlain mit großem Wortschwall verkün­detenBlockadeverschärfung" hat man es in Lon­don für nötig befunden, wieder einmal eine U m - gruppierung des sogenannten K r i e g s k a bi« netts vorzunehmen. Es soll offenbar der Anschein einer größeren Aktivität damit erweckt werden. Gleichzeitig will man sich einiger Kabinettsmitglie­der entledigen, die dem Oberkriegshetzer Chur­chill in seinem Streben nach völlig unbeschränk­tem Einfluß im Wege standen.

Das Kriegskabinett wird durch den Rück­tritt des Ministers für Koordination der Verteidi­gung Lord Chatfield von neun auf acht Mit­glieder herabgesetzt. Dafür übernimmt Churchill als©eniorminifter" der drei Waffengattungen (Marine, Heer, Luftwaffe) den Vorsitz über einen Ausschuß der Minister der drei Wehrmachtsteile, der in regelmäßigen Sitzungen mit den Chefs der Generalstäbe zusammentreten wird, um dem Kriegs­kabinett Vorschläge betreffend die allgemeine Krieg­führung zu unterbreiten. Gleichzeitig bleibt Chur­chill E r ft e r Lord der Admiralität, während zum Luftfahrtminister der bisherige Lordsiegelbe­wahrer Sir Samuel Hoare ernannt wurde.

Der bisherige Luftfahrtminister Kingsley Wood wurde seinersetts Lordsiegelbewahrer und gleichzeitig Präsident eines Ausschusses für Innenpolitik, dem alle inneren Angelegenheiten unterstehen, und der Vorschläge zur Einbringung von Gesetzen zu prüfen hat. Er führt auch den Vorsitz im Ausschuß für Er­nährungspolitik, dem auch die Landwirtschaft unter­geordnet ist.

Morrison ist sowohl als Ernährungsminister als auch als Kanzler für das Herzogtum Lancaster zurückgetreten und wurde Generalpostmeister. Tryon, der diesen Posten bisher verwaltete, er­hielt die Lordwürde und wurde Kanzler des Her­

zogtums Lancaster. Ernährungsminister wurde Lord W o o l t o n.

Der erste Kommissar für die öffentlichen Arbeiten Ramsbotham wurde Präsident des Erziehungs- ausschusies, während der bisherige Präsident dieses Ausschusses Earl de la Warr Erttc. Kommissar für öffentliche Arbeiten wurde.

Der parlamentarische und Finanzsekretär bei der Admiralität Shakespeare ist Minister für den Ueberseehanbel geworden. Seinen Posten übernahm der Finanzsekretär im Kriegsministerium Sir Vik­tor W a r r e n b e r. Der parlamentarische Sekretär beim Jnformattonsministerium Sir Edward Grigg wurde Finanzsekretär beim Kriegsministerium. Sir Samuel Hoare erhielt als Luftfahrtminister die Unterstützung von Lord R i v e r d a l e, der als Vizevorsitzender des Luftversorgungsrates die Flug­zeugherstellung zu überwachen hat.

Diese personellen Veränderungen in der ersten Garnitur der englischen Kriegshetzer tragen viel zu deutlich den Stempel demokratischen Parlaments­theaters, als daß man ihnen irgendeine ernsthafte Bedeutung beimessen könnte. Durch derlei durchsich­tige Schiebungen versucht man jetzt in England unruhig gewordene Gemüter zu beschwichtigen und der englischen Oeffentlichkeit im Zuge der mehrfach verkündetengesteigerten Aktivität" Sand in die Augen zu streuen. Das und nichts anderes bedeuten diesePersonaloeränderungen".

Einigermaßen belustigt wird man nur den neuen Aufstieg Churchills vom Kriegshetzer zum Ober­kriegshetzer zur Kenntnis nehmen. Der skrupellose Lügner lW. C. hat es glatt verstanden, den bisheri­gen Luftfahrtminister Kingsley Wood kaltzustellen, obwohl Churchills Waffe, die Marine, bestimmt nicht mehrErfolge" aufzuweisen hat als die Luft­waffe. Aber im Schwindeln war WC. dem Luft­

fahrtminister Kingsley Wood um einige Nasen­längen voraus. In typisch plutokrattscher Manier hat es W. C. verstanden, durch Skrupellosigkeit ge­genüber seinen eigenen Leuten, durch Verlogenheit und ausgiebigen Gebrauch seiner stabilen Ellenbogen einige neue fette Pfründe zu ergattern. Die eng. fischen Kriegshetzer und ihre plutokrattschen Hinter- männer werden in der gleichen Weise wie bisher den Krieg gegen das sozialistische Deutschland und das sich bereits in seinen Konturen deutlich abzeich­nende neue Europa betreiben, nur vielleicht noch krupelloser und lügenhafter. Das deutscheBolk wird auch hierauf die richtige Antwort wissen.

Heynauds neue Europakarte.

Der Photograph ist schuld!

Genf, 4. April. (DNB. Funkspruch.) Im weite­ren Verlaufe der Affäre derneuen Europa- Landkart e", die von der französischen Zeitschrift Illustration" am 30. März veröffentlicht wurde, hat sich das französische Außen- ministerium endlich nach langem Schweigen veranlaßt gesehen, eine im wahrsten Sinne des Wortes an den Haaren herbeigezogene Mitteilung herauszugeben. In dieser Verlautbarung wird in Ermangelung einer beffeten Ausrede der Versuch gemacht, dem Fotografen die Schuld an die­ser für die Kriegstreiber so peinlichen Aufdeckung ihrer Pläne zurNeuordnung Europas" in die Schuhe zu schieben. U. a. heißt es: Ganz zu Un. recht habe man sich in gewissen ausländischen Zei- tungen über die Grenzziehung aufregen wollen, die auf einer anläßlich des Besuches Sumner Welles in Paris im Büro des Finanzministers hängenden Landkarte verzeichnet zu sein schien. Das Aussehen der Karte auf der fraglichen Fotografie rühre ein. zig und allein von derFantasie" des Fotografen her, der darum bemüht gewesen sei, seinem Hin­tergrund etwas Relief (!) zu geben.

Die starken italienischen Presseangriffe der letz­ten Tage gegen diese aufschlußreiche Landkarte, die über die wirklichen Kriegsziele kaum noch einen Zweifel zulassen dürste, werden von vielen französischen Blättern unterschlagen. In be- stimmten diplomatischen Kreisen der französischen Hauptstadt herrscht betretenes Schweigen und erhebliches Erstaunen über die Tat­sache, daß die sonst als äußerst streng bekannte fron« zösische Zensur, die jedes Photo vor der Freigabe zehnmal umdreht und peinlich untersucht, die ebenso aufschlußreiche wie peinliche Veröffentlichung nicht verhindert hat. Gleichzeitig wird auf die neuen Einberufungen in Italien hingewiesen und auf die Vorbereitung der zivilen Mobil­machung selbst der Frauen und Kinder.

Die holländischen Blätter befassen sich mit der berüchtigten Europakarte, die im Ar­beitszimmer R e y n a u d s hing. Die Zeitungen wei- fen insbesondere auf die starke Empörung hm, tue die durch diese Karte eindeutig erwiesenen Absichten der plutokratischen Kriegstreiber bezüglich derNew aufteilung Europas" in Italien ausgelöst haben.

Unser Geburtstagsgeschenk für den Führer.

Seit Beginn des Vierjahresplanes wurden alle Maßnahmen zur Metallerfparnis und zur Umstel­lung auf deutsche Werkstoffe getroffen, ebenso wurde selbstverständlich für eine ausreichende Vorratslage gesorgt, so daß auch darin keine Gefahr für Deutsch­land auf diesem Gebiet bestände, wenn die Ein­kreisung und die Unterbindung der Metallzufuhr wirklich gelungen märe.

Die verfügbare Metallreserve kann jedoch gar nicht groß genug sein. In Kriegszeiten sind Kupfer und Zinn in der Hand des Arbeiters besser als in den Wohnungen und auf Gebäudeteilen. Wir wollen diesmal sofort zu Beginn des Krieges mit der Er- faffung aller Metallreserven beginnen. Das national­sozialistische Deutschland ist Garant dafür, daß kein Kilo abgegebenes Metall in falsche Hände gerät. Große Stapel von Gegenständen aus Kupfer, Mes­sing, Bronze, Blei, Zinn, Nickel und Nöu-Silber sind in den einzelnen Sammelstellen unseres Gaues be­reits zusammengekommen. Allein wenn jeder noch­mals zu Haus nachsieht, wird er vielleicht doch noch das eine oder andere finden. Wir alle wollen doch dazu beitragen, daß die Metallspende des deutschen Volkes wirklich zu einem würdigen Geschenk für unseren Führer wird.

Gießener Gtadttheater.

Lessing:Emilia Galotti".

MitEmilia Galottt" wünschte Lessing ein prak­tisches Beispiel zu geben für die Anwendung der Grundsätze, die er in seinerHamburgischen Dra­maturgie" für ein deutsches Nationaldrama auf- gestellt hatte. Während bisher der Gegensatz von Laster und Tugend dem Drama den Charakter einer moralischen Abhandlung gegeben hatte, forderte Les­sing vom Drama, daß es Mitleid erregen müsse und Furcht vor einem ähnlichen Schicksal, die dann eine Reinigung bewirke von den Leidenschaften, die das Drama herausstellte. Die Menschen in Lessings Emilia Galottt" sind nicht frei, sie stehen im Zwie- spalt zwischen Wollen und Handeln. Der Prinz ist kein von Grund auf bösartiger Tyrann, der skrupel­los von seiner Macht Gebrauch macht. Er ist ein feiner, hochgebildeter Aesthet, der die Frauen, die seine Leidenschaft begehrt, nicht in hemmungsloser Despotenlaune brutal an sich reißt, sondern dessen bezaubernde Persönlichkeit so verschieden gearteten Frauen wie der Gräfin Orsina und der Emilia gleichermaßen gefährlich wird. Seine Schuld liegt in der Zügellosigkeit, mit der er, der nicht gelernt hat, sich jemals einen Wunsch zu versagen, der Ver­suchung erliegt, seinem bösen Geist Marinelli Plein­pouvoir zu geben, obwohl seine innere Stimme ihm sagt, daß es schweres Unrecht ist, was hier zwar hinter feinem Rücken, aber zur Förderung seiner Absichten geschieht. Emilia schildert Lessing als ein reines und edles Mädchen, in dem aber weder strenge Erziehung noch fromme Andachtsübungen das sinnlich heiße Blut zu befchwichttgen vermocht haben. Dunkel ahnt Emilia deshalb, daß sie in der schwülen Atmosphäre des Hofes von Guastalla den verführerischen Lockunaen des Prinzen nicht werde widerstehen können und fordert daher den Tod von der Hand des Vaters. Und dieser Vater, der sitten­strenge Odoardo, ein Mann derrauhen Tugend" und erklärter Feind des leichtlebigen prinzlichen Regimes, hat im ersten leidenschaftlichen Aufbrausen seiner Empörung den Dolch, den ihm die Orsina zu­gesteckt hat, dem Prinzen zugedacht. Doch er bezähmt sich.Dies Leben ist alles, was die Lasterhaften haben", jagt Emilia, und sie trifft der Dolch des

Vaters, weil für Menschen wie diese beiden die Tugend höher steht als das Leben.

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Unter dem ersten Eindruck des Stückes schrieb der junge Goethe Mitte Juli 1772 an Herder:Die ,Emilia Galottt ist auch nur gedacht, und nicht einmal Zufall ober Kaprice spinnen irgend drein. Mit Halbweg Menschenoerstand kann man das Warum von jeder Szene, von jedem Wort, möcht' ich sagen, auffinden. Drum bin ich dem Stück nicht aut, so ein Meisterstück es sonst ist." Und Friedrich Schlegel sah inEmilia Galottt" ein gutes Exempel der dramatischen Algebra, ein in Schweiß und Pein produziertes Stück des reinen Verstandes". Diese Empfindungen, die das kühl und haarscharf Durchdachte, klug Gesponnene und allzu Absichtsvolle heraushörten und die warme, ursprüngliche Natür­lichkeit, die mehr aus dem Herzen als aus dem Ver­stand die Kraft zu tragischer Gestaltung schöpft, ver­mißten, wecken auch in uns heute eher ein Gefühl des Bedrücktseins, als daß sie uns erheben. Sie wen­den unser Interesse, wie es keineswegs in Lessings Absicht gelegen hat, von der rein menschlichen zur politischen Seite des Stückes. Das Schicksal der Vir- ginia, deren Tod von der Hand des Vaters der Auftakt zum Sturz der Patrizierherrschaft im alten Rom geworden war, wurde im Zeitalter des Ab­solutismus zum Symbol des Kampfes, den das Bürgertum um feine Würde gegen fürstliche An­maßung führte. Freilich hat Lessing, der herzoglich braunschweigische Hofbibliothekar, alle Anspielungen peinlich vermieden, die etwa den Gedanken an diese ober jene naheliegenbe zeitgemäße Parallele auf­kommen lassen könnten. Daß ihm bies auch vollauf gelungen ist, bafür ist der beste Beweis, baßEmilia Galottt" zur Feier bes Geburtstages ber Herzogin 1772 zum erstenmal aufgeführt würbe. Doch trotzdem spürt man in ber italienischen Kulisse bie beklem- menbe Luft ber Kleinstaaterei bes bLutschen Absolu­tismus, wenn auch erst zwölf Jahre später S ch i l - l e r in seinerLuise Millerin" an einem sehr ähn­lichen Stoff bie gewissenlose Tyrannei kleiner beut» scher Despoten unveryüllt an ben Pranger stellen konnte.

Die Schwierigkeiten einer Aufführung der ,/Emilia Galottt" dürfen nicht unterschätzt werden

und deshalb wollen wir es dankbar begrüßen, daß man sich an diese Aufgabe herangewagt hat, und wir wollen gerne feststellen, daß unter der Spiel­leitung von Dr. Hannes Razum eine würdige Aufführung zustanbegekommen ist, wenn auch bie schon zu Beginn mit unheimlicher Spannung gelabene Atmosphäre vielleicht zu allzu großer Hast ver­leitete, und nicht alle Feinheiten des in jedem ein­zelnen Wort sorgfältig berechneten und ausgewoge­nen Dialogs herauskamen. Die beste darstellerische Leistung des Abends war der Marinelli Viktor von Gschmeidlers, ein schuftiger Charakter von Grund auf, der mit überlegener Ironie den Prin­zen leitet, wohin er ihn haben will. Gschmeidler spielte ihn mit einer eisigen Eleganz, einem teuf­lischen Hohn im Blick, dreist und ohne Scheu in der Verachtung jeder Morall Hans Caninenberg war der Prinz, etwas zu lässig, um bie große Lei­denschaft zu Emilia begreiflich zu machen, aber gut in dem verdeckten, scharf pointierten Zusammenspiel mit Marinelli im letzten Akt. Die schwierige Rolle bes Odoardo war Gert Geiger übertragen. Er war anfangs etwas farblos, wuchs aber in dem schweren Seelenkampf des alten Galottt zu erfchüt- ternbet Größe, um freilich bann bei feinem Ab­gang die aufrechte Haltung vermissen zu lassen, bie dem inneren Stolz feiner letzten Worte an Den Prinzen entsprochen hätte. Jngeborg Riehl als Emilia war mit rührenber Anmut das reine, in kaum geahnten Sinnen aufgeschreckte Mädchen, bas bie Furcht, ben Künsten bes Verführers nicht wider­stehen zu können, in ben Dolch bes Vaters treibt. Hilde Heinrich spielte die Gräfin Orsina mit kultivierter Sprache, aber um einige Grabe zu weich. Weniger Wehmut und mehr Bitterkeit braucht ihre Gräfin, um aus der betrogenen Ge­liebten, die bas falsche Spiel bes Prinzen durch­schaut, bie Rasende zu werden, die nach Rache dürstet, und der man den Besitz des Dolches zu- traut. Mtt sicherer Routine setzte sich Rose S t i r l für die dem Glanz höfischen Lebens keineswegs ab­holde Mutter ein. Aus der matten Rolle des selt­sam in feine Träumereien versponnenen Bräuti­gams Appiani wußte auch Hans Geißler nicht mehr herauszuholen, als in ihr liegt. Das Bühnen- bilb Karl Löfflers mit seinen gerafften Drape- rien unterstrich noch das Gefühl des Bedrücktseins,

von dem wir eingangs sprachen. Ein sehr gut besuchtes Haus feierte nach Gebühr mit vielen Her­vorrufen ben Spielleiter und die Darsteller, bie sich für eine große und lohnende Aufgabe mit spür­barem Wollen und schönem Erfolg eingesetzt hatten.

Dr. Fr. W. Lange.

Luther auf dem Postamt.

rZon Max Iungnickel.

Wenn Blicke abnutzen könnten, dann wäre be­stimmt bas Lutherhaus in Wittenberg eines der am meisten abgenutzten Häuser der ganzen Welt. Hier hat er gelebt, ber bis in bie Ewigkeit hinein- sah, der seinen Deutschen bas Wort hinreichte wie einen frischen Brotlaib, und ber keinen Unterschied machte zwischen Gottes kleiner webender Spinne und der großen strahlenden Kunst eines Dombau* meiftfrs. Hier, in Wittenberg, ging sein großes Sternbild klar und deutlich über ben deutschen Him­mel, nachdem er vorher mit Engeln, mit Dresch* flegeln, mit Melodien, Narrenpritschen und mit der Wucht feines Geistes für das Recht ber Deutschen gekämpft hatte. Ünb so hat sich sein Geist gleich' (am in Wittenberg überall eingenistet.

Aber nicht nur die Steine und bie Glocken reden von ihm. Da geht man ins Postamt, um eine Briefmarke für eine Ansichtspostkarte zu kaufen. Und wahrhaftig, auch in diesem modernen Postamt mit seinen Fernsprechern und Telegraphen und In* valibenmarken, auch in diesem Postamt trifft man ihn, den Dr. Martin Luther. Da, im Schalterraum, am klobigen Balken der Decke, steht es, wie für die Ewigkeit hinein geschrieben von einer Riesenhand: Wenn man weit voneinander ist mit dem ßeibe, doch kann man mit Briefen und Schreiben gegen­wärtig sein, ber eine mit dem andern reden und sein Herz anzeigen."

Wie einfach, wie schlicht und wahr. Zeilen, dann eine schöne Weisheit wie ein jubilierender Postillion

Im Herzen ber jungen Frau, die neben mir einen Feldpostbrief adressierte, klang ein Echo davon. Ihr Gesicht war so hell, obgleich sie weit auseinander waren, sie und er.