Ausgabe 
4.1.1940
 
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Dr. Waldemar Penkert in Düsseldorf als Mit­glied des Grubenvorstandes gewählt.

Löschungen wurden bei der Firma Fuld & C o. in Gieren, bei der Firma Rundfunk« und Elektro- Haus Dipl.-Ina. August Kunzemüller, Gießen, und bei der Firma Markus Rosenthal, Gie­ßen, vorgenommen.

OieNeichsbank am Iahresu<iimo^l9Z9

Berlin, 3. Jan. (DRB.) Rach dem Ausweis der Deutschen Reichsbank vom 30. Dezember 1939 stellte sich die Anlage der Bank in Wech- selnund Schecks, Lombards undWert- papieren auf 12 619 Millionen Reichsmark. Im einzelnen betragen die Bestände an Wechseln und Schecks sowie an Reichsschatzwechseln 11392 Mil­lionen Reichsmark, an Lombardforderungen 30 Mil­lionen Reichsmark, an deckungsfähigen Wertpapie­ren 804 Millionen Reichsmark und an sonstigen Wertpapieren 393 Millionen Reichsmark. Der Deckungsbestand an Gold und Devisen beträgt 78 Millionen Reichsmark. Die Bestände der Reichsbank an Rentenbankscheinen werden mit 115 Millionen Reichsmark, diejenigen an Scheidemünzen mit 350 Millionen Reichsmark und die sonstigen Aktiva mit 2033 Millionen Reichsmark ausgewiesen. Der Umlauf a n Reichsbanknoten stellt sich auf 11 798 Mil­lionen Reichsmark. Die fremden Gelder be­tragen 2018 Millionen Reichsmark.

Oie Lebenshaltungskosten im Dezember.

Berlin, 3. Januar. <DNB.) Die Reichs- k e n n z i f f e r für die Lebenshaltungskosten stellt sich für den Durchschnitt des Monats Dezember 1939 auf 126,4 (1913/14 --- 100). Sie hat gegen­über dem Dormonat (126,1) um 0,2 v. 5). ange - zogen. Im einzelnen erhöhte sich die Indexziffer für Ernährung von 122,2 auf 122,8 (+ 0,5 ü $).) Hierin kommt neben der jahreszeitlich bedingten Heraufsetzung der Preise für Gemüse, Obst und Kar­toffeln zum Teil auch noch die schon Mitte Novem­ber eingetretene jahreszeitliche Erhöhung der Preise für Eier zum Ausdruck. Die Kennziffer für Be­kleidung hat von 134,1 auf 134,4 (+ 0,2 v. H.) und die Kennziffer fürVerschiedenes" von 142,1 auf 142,2 (+ 0,1 v. H.) angezogen. Die Kenn- Ziffern für Heizung und Beleuchtung (125,4) sowie für Wohnung (121,2) sind gleich ge­blieben.

Gießener Schlachtviehmarkt.

Auf dem gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungsmarkt) in der Viehversteige­rungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 37 dis 45,5 Rpf., Bullen 37 bis 43,5, Kühe 18 bis 44,5, Färsen 37,5 bis 44,5, Kälber 35 bis 65, Hämmel 20 bis 40 Rpf. je Pfund Lebendgewicht. Für Schweine wurden je Kilogramm Lebendgewicht fol­gende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,09 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,09 RM., b2 (120 bis 134,5 kg) 1,09 RM., c (100 bis 119,5 kg) 1,07 RM., d (unter 100 kg) 1,01 RM., ek (unter 80 kg) ,97 RM., gl (fette Specksouen) 1,09 RM., i (Alt­schneider) 1,09 RM., g2 (andere Sauen) und h (Eber) 1,01 RM. Marktverlauf: alles ausverkauft.

Nhein-Mainifche Börse.

Tendenz sehr fest.

Frankfurt a. M., 3. Januar. Die Börse ver­kehrte allgemein in sehr fester Haltung. Die Er­mäßigung des Privatdiskontsatzes regte an, außer­dem wurden die Ausführungen des Reichswirt­schaftsministers über die Notwendigkeit des Kriegs­sparens stark beachtet. Der Anlagetermin machte sich heute in verstärktem Umfange fühlbar, während von Publikumsseite kaum Abgaben erfolgten. Ledig- lich die Banken vermochten ihre in früherer Zen übernommenen Bestände weiter zu vermindern.

Trotzdem zeigten die Kurse am Aktienmarkt vielfach Kurssprünge um mehrere Prozent, wäh­rend die durchschnittlichen Steigerungen etwa 1 bis 2 v. H. betrugen. Stark gesucht wurden insbesondere Scheideanstalt, in denen aber jegliches Angebot fehlte; die Taxe lautete auf 242 bis 245 (234). JG.-Farben zogen bei größerem Umsatz 2 v. H. an auf 168,50, ferner Goldschmidt 1,50 v. H. auf 151,25

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CARL DUNCKER VERLAG BERLIN W 35

13. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Oh, danke sehr." Das Lächeln des Glücks über dieses Abenteuer, über das Schiff, blüht auf ihrem Gesicht. Der Mann lacht zurück, und seine Augen folgen ihr, als er der nächsten Reisenden hilft. Anne spürt es und freut sich darüber. Sie wirbett im Strom der Menschen weiter, durch teppichbelegte Gänge, über breite Treppen, wo auf jedem Absatz Palmen und blühende Pflanzen stehen. Wie schön ist es hier! Herrlich die Blumen, das viele blinkende Messing, die weißen, schnurgeraden Gänge.

Vor dem Speisesaal, der noch geschlossen ist, ver­abschiedet sich der Begleiter von Anne. Er reicht ihr Mantel und Koffer. Er nimmt die Mütze ab und jetzt, da sie vor ihm steht, sieht sie, daß er noch grö­ßer ist als sie. Er hat einen kantigen Schätel, breite Schultern. Das Gesicht ist zu unregelmäßig, um schön zu sein, aber es ist mehr als das, ein inter­essantes, kluges Gesicht.Ich hoffe, wir werden uns wiedersehen", sagt er. Er macht eine Verbeugung und nennt seinen Namen, den sie nicht versteht. Er setzt hinzu:Ich freue mich darauf, Sie nachher noch irgendwo zu treffen, ich werde so lange suchen, bis ich Sie finde, das kann so schwer nicht sein."

Anne spürt, wie ihr Röte ins Gesicht steigt. Ihr fällt plötzlich die Geheimrätin Schönemann ein. Lie­ber Himmel, sie hat an die alte Dame überhaupt nicht mehr gedacht und sagt hastig:Ja, hoffentlich treffen wir uns, das wäre nett."

Anne findet ihre Kabine bald. Sie braucht nur einmal zu fragen. Sie fragt eine Frau, die im blütenweißen Kittel dasteht und alle Fremden an- sieht, die vorübergehen Es ist die Stewardeß, Frau Rhoder, und Frau Rhoder sagt:Kommen Sie mit, liebes Kind. Bitte, dies ist Ihre Kabine. Wenn Sie zweimal klingeln, komme ich. Ich helfe Ihnen gern. Sie können sich jederzeit an mich wenden. Wenn Sie ein Seewasserbad wollen, sagen Sie es mir. Ich bringe Ihnen auch, wenn Sie mögen, in der Frühe das Frühstück ans Bett."

Und nun ist Anne also in ihrem kleinen Reich, es ist gar nicht so klein, sie kann getrost zwei lange Schritte machen, alles in allem eine gemütliche Kammer für zwei Personen, doch Anne bewohnt sie allem. Klarissa wollte nicht, daß Anne Gesellschaft

und Metallgesellschast zusammen 1 v. H. auf 131 (130). Rege Umsätze vollzogen sich ferner in Mon­tanwerten: Verein. Stahl 106,25 (104,75), Rhein­stahl 139 (137), Mannesmann 111,90 (110,25), Hoesch 111,65 (109,50) und Buderus 100 (98). Von Elektroaktien sind besonders Felten mit 150,25 (146) und AEG. mit 126,75 (125,50) zu erwähnen.

Auch am Rentenmarkt herrschte durchweg Nachftage. Im Vordergrund blieben Pfandbriefe, Kommunal-Obligattonen und verschiedene Schatzan­weisungen. Mangels Materials wurden Pfandbriefe vielfach gestrichen oder repartiert. Fest lagen auch Liqui-Pfandbriefe, besonders Rheinische mit 101,75 (101). Industrie-Obligationen waren durchweg 0,25 bis 0,50 v. H. höher, nur 4,50 v. H. Main-Kraft n. P. 95 (96,50). Stadtanleihen zogen ebenfalls meist um 0,25 bis 0,50 v. H. an. Von Auslosungs­anleihen blieben Reichsaltbesitz mit 139,25 behauptet, Mannheimer Altbesitz 138 (137,25), aber Dekosama I und II 142 bzw. 161,75 (142,40 tarn. 162). Reichs­bahn-VA. gewannen 0,50 v. H. auf 124,65.

In der zweiten Börsenstunde ließ die Nachfrage und das Geschäft nach, die Haltung blieb aber un­vermindert fest und zum Teil konnten sich die Kurse noch etwas erhöhen. AEG. auf 127,13 nach 126,75, Gesfürel auf 146,50 nach 146, Mannesmann auf 112,25 nach 111,90, Verein. Stahl auf 106,50 nach 106,25, Salzdetfurth auf 187 nach 186 und AG. für Verkehr auf 123,50 nach 123. JG.-Farben jedoch 0,13 v. H. ermäßigt auf 168,40. Die erst später notierten Papiere zeigten durchschnittliche Erhöhun­gen von 1 bis 2v. H., z. T. auch bis 3 v. H.

Auch der Freiverkehr war etwas reger und fest. Dingler 78 Geld (77), Rastatter Waggon 44 Geld (43,50), Elsäss.-Bad. Wolle 94,50 bis 96,50 (93,50 bis 95,50) und Growag 85 Geld (84). Tages­geld weiter ermäßigt auf 2 (2,25) v. H.

Frankfurter Gekreidebörje.

Frankfurt a. M., 3. Jan. Es notierten (Ge­treide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in RM.: Weizen W9 205 (im Dezember 203), W 11

207 (205), W 12 208 (206), W 13 209 (207), W 16

212 (210), W 18 214 (212), W 19 216 (214), W 20

218 (216); Roggen R 11 191 (189), R 12 192 (190), R 14 194 (192), R 15 195 (193), R16 197 (195),

R 17 198 (196), R 18 199 (197), R 19 201 (199)

Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preis­gebiete. Futtergerste und Futterhafer gestrichen. Weizenmehl Type 812 W 13 bis W 20 einfchl. Kreis Alzey 29,45 (29,35), W 20 Kreis Worms 29,80 (29,70); do. Type 630 W 13 bis W 20 einschl. Kreis Alzey 30,60 (30,50), W 20 Kreis Worms 30,95 (30,85); do. Type 1600 W13 bis W 20 einfchl. Kreis Alzey 22,45 (22,35), W 20 Kreis Worms 22,95 (22,85); Roggenmehl Type 997 R 12 22,45, R 15 22,80, R 16 22,95, R18 23,30, R 19 23,50 alles zuzüglich 0,50 RM. Frachtausgleich. Weizen- futtermehl W 19 13,60. Weizenvollkleie W 19 11,60, Weizenkleie W 13 10,75, W 16 10,90, W 18 11,00, W19 11,10, W20 11,20 Mühlenfestpreis ab Muh- lenftation. Roggenfuttermehl R18 12,90. Roggen­vollkleie R 18 10,90, Roggenkleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 16 10,25, R 18 10,40, R 19 10,50 Mühlen­festpreis ab Mühlenstation. Treber. Wiesenheu, handelsüblich 5,20 bis 5,40, do. gut, gesund, trocken 6,00 bis 6,40; Ackerheu, gut, gesund, trocken 7,00 bis 7,20; Kleeheu, handelsüblich 7,00 bis 7,60, do. gut, gesund, trocken 7,60 bis 8,00; Luzerneheu, han­delsüblich 7,60 bis 8,00, do. gut, gesund, trocken 8,20 bis 8,60; Weizenstroh, bindfadengepreßt ober gebündelt 2,60 bis 2 80, Roggenstroh, do. 2,80 bis 3,00, Hafer- und Gerstestroh, do. 2,50 bis 2,70 Er­zeugerpreis ab Erzeuger-Verladestation.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 4. Jan. Der erste Schlacht­viehmarkt im neuen Jahre war gut beschickt und hatte lebhaftes Geschäft. Es wurde alles zugeteilt. Es kosteten etwa: Ochsen 37,50 bis 46,50 RM., Bullen 35,50 bis 44,50, Kühe 18 bis 44,50, Färsen 28 bis 45,50, Kälber 30 bis 65, Hämmel 32 bis 50, Schafe 25 bis 44, Schweine 49,50 bis 55,50 RM.

9 Jt.Sport

Schisportmöglichkeit im hohen Vogelsberg.

Wie wir auf Anfrage hören, besteht im hohen Vogelsberg Schisportmöglichkeit. Die Schiwett- kämpfe, die am kommenden Sonntag am Hoherods- kopf durchgeführt werden sollen, werden also ge­startet werden können.

Wieder Herber-Baier!

Kampf um den Meistertitel.

Das erste Zusammentreffen zwischen den Welt­meistern und Olympiasiegern Herber-Baier (Berlin) und den Geschwistern P a u s i n (Wien) in dem jahrelangenKampf um den Zehntelpunkt" in der Heimatstadt der Pausin hatte dort eine unge­heure Spannung hervorgerufen. Aber wieder er­füllte die deutsche Meisterschaft im Paarlaufen am Mittwochabend in der Überfüllten Wiener Engel­mann-Arena nicht die Erwartungen der Ostmärker. Auch diesmal setzten sich die Titelverteidiger Maxi Herber und Ernst Baier erfolgreich durch und be­haupteten mit dem ersten Platz den Meistertitel vor den Geschwistern Pausin und dem zweiten Berliner Paar Koch-Noack.

Fußball der Gauliga Hessen.

In der hessischen Fußball-Gauklasse sind diesmal beide Spitzenreiter spielfrei, so daß die Verfolger Gelegenheit haben, etwas Boden autzumachen. In der Süd- Gruppe darf man Borussia Fulda, wenn nicht gerade alle Soldaten fehlen, gegen Dunlop Hanau in Front erwarten, und der TSV. 1860 Hanau müßte sich eigentlich der Elf von Kewa Wachenbuchen überlegen zeigen.

In der Gruppe Nord beansprucht der Kasseler Lokalkampf zwischen Kurhessen und Spielverein das Hauptinteresse. Die Kurhessen haben bisher aus drei Spielen erst einen Punkt nach Hause gebracht, während der Spielverein erst einen ein gebüßt hat

und mit dem Gaumeister SC. 03 relativ auf gleicher Höhe steht. Der Spielverein ist Favorit in diesem Kamps! Der BE. Sport Kassel hat Hessen Bad Hersseld zu Gast. Die Hersselder haben nur dann eine gute Chance, wenn sie, wie vor acht Tagen, mit ihren Soldaten antreten können.

Vier Fußball-Großkämpfe um den Tschammerpokal.

Im Fußball stehen am ersten Wochenende des neuen Jahres die Spiele um den Tschammerpokal im Vordergrund der Ereignisse. SV. Waldhof gegen Hamburger SV. in Mannheim, 1. FC. Nürnberg gegen Fortuna Düsseldorf in Nürnberg, Wacker Wien Neumeyer Nürnberg in Wien und Blau- weiß Berlin Rapid Wien in Berlin kämpfen um den Eintritt in die Vorschlußrunde. Die besten Aus­sichten, sie zu erreichen, scheinen Waldhof, Nürnberg und die beiden Wiener Mannschaften zu haben.

Großes Wintersport-Programm.

Im Wintersport des Wochenendes sind es wie­der die Schi-Veranstaltungen, die im Vordergrund der Ereignisse stehen. In den Alpen und den süd­deutschen Gebirgen sind das Springen auf der Kochelbergschanze in Garmisch-Partenkirchen am Samstag und der Torlauf des SC. Garmisch am Sonntag, der Sprunglauf auf der Herwartschanze in Königsbronn (Württ.), die badische 40-km-Staf- felme ist erschuft auf dem Schauinsland und die frän­kischen Meisterschaften in Oed und Etzelwang her­vorzuheben. In der Ostmark, im Sudetenland und den mitteldeutschen Gebirgen werden natürlich eben­falls zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt. Zu erwähnen sind der Sudeten-Befreiungslauf der SA.- Gruppe Sudeten von der Heufuder-Baude nach Harrachsdorf, bei dem rund 100 Mannschaften am Start sein werden, und das internationale Schi­springen auf der Martin-Mutschmann-Schanze in Oberwiesenthal. Im Eissport wurden die zum

7. Januar vorgesehenen Spiele um die deutsche Eis* Hockeymeisterschaft verschoben.

Ningiänderkampf Dänemark-Deutschland.

Die deutschen Ringer beginnen das neue Jahr gleich mit einem Länderkampf, mit der neunten Be­gegnung mit Dänemark in Kopenhagen. Von den acht deutsch-dänischen Begegnungen, die bisher aus- getragen wurden, endeten fünf mit deutschen Sie­gen und dreimal hatten die Dänen das bessere Ende. In den drei letzten Kämpfen in Köln, Nyköbing und Hof gab es glatte deutsche Siege und es ist anzu­nehmen, daß die deutsche Staffel, die in der Be­setzung Pulheim, Schmitz, Nettesheim (alle Köln), Schäfer (Ludwigshafen), Schweickert (Berlin) Leich­ter (Frankfurt a. M.) und Liebern (Dortmund) in Kopenhagen auf die Matte gehen wird, einen neuen Erfolg erzielen kann.

Nächste Spiele

der Handball-Gauklaffe.

Das System der einfachen Runde hat gewiß auch feine Nachteile. Unter anderem wird es so fein, daß die siegende Mannschaft nur knapp in Front liegt, und daß vielleicht sogar Entscheidungsspiele notwen­dig sind. Das beweist sehr deutlich der augenblickliche Stand der Tabelle. Alle Mannschaften liegen fast mit gleicher Punktzahl zusammen, obwohl immerhin schon einige Spiele abgewickelt sind. An diesem Er* gebnis wird sich auch in Zukunst kaum etwas ändern, zumal in bezug auf die Spielstärke der einzelnen Gegner ebenfalls keinerlei Unterschiede bestehen. Für den ersten Sonntag im neuen Jahr sind gepaart:

Tv. Lützellinden Tv. Hochelheim.

Mtv. Gießen Tv. Münchholzhausen.

Tv. Katzenfurt Tv. Garbenheim.

Die neu zusammengestellte Mannschaft des Tv< Lützellinden hat sich bisher ausgezeichnet geschlagen, obwohl sie zum größten Teil aus jugendlichen Kräf­ten zusammengestellt ist. Aber auch Hochelheim zählt, nach den letzten Ergebnissen zu urteilen, zu den besten Einheiten der Staffel. Gerade deshalb darf man auf das Zusammentreffen der beiden Gegner gespannt sein. Wesentliche Unterschiede bestehen nicht. Sieger wird werden, wer über die größere Durchschlagskraft und das bessere Zusammenspiel verfügt.

Man sollte annehmen, daß es dem Mtv. diesmal gelingt, fein erstes Spiel zu gewinnen. Denn die Gäste sind bisher noch nicht in Erscheinung getreten. Ihr einziges Spiel haben sie hoch verloren. Das soll aber keineswegs heißen, daß die Gießener leichtes Spiel haben. Es ist bekanntlich schon zweimal vor­gekommen, daß Mannschaften unterschätzt wurden, und daß es nachher zu bitteren Niederlagen kam.

Garbenheim hat in Katzenfurt noch nicht geroon* nen. Die Mannschaft ist zu sehr Formschwankungen unterworfen und wird durch diesen Mangel sicherlich noch manche Niederlage hinnehmen müssen. Wenn sie sich allerdings anstrengt, kann man annehmen, daß sie Katzenfurt selbst auf eigenem Platze das Nach, sehen gibt.

Neue Dienstgrade bei den Freiwilligen Feuerwehren.

Im Zuge der Neuordnung des deutschen Feuer­löschwesens sind bei den Freiwilligen Feuerwehren, die als technische Hilfspolizei zum Korps der deutschen Polizei gehören, neue Dienstgradbe^ Zeichnungen eingeführt worden. Danach gibt es bei den Freiwilligen Feuerwehren die Dienstgrade: An­wärter, Truppmann, Obertruppmann, Haupttrupp­mann, Truppführer, Obertruppführer, Haupttrupp­führer, Zugführer, Oberzugführer, Hauptzugführer (dem Range eines Hauptmannes entsprechend), Kreisführer (dem Range eines Majors entsprechend), Bezirksführer (dem Range eines Oberstleutnants entsprechend), Abschnittsinspekteur (dem Range eines Obersten entsprechend). Die neuen Dienstgrade sind einheitlich für das ganze Reich und tre­ten an Stelle der bisher in den einzelnen Ländern voneinander abweichenden Dienstgradbezeichnungen.

hat, die sie nicht kennt. So ist Klarissa. Man muß darüber lachen. Herrgott, man ist ja kein Kind mehr, aber man kann auch ein bißchen gerührt sein. Es ist alles da, was in solch Zimmer gehört. Ein gro­ßer Waschttsch, ein Toilettentisch und Betten aus blitzendem Metall, lieber den Nachttischen hängen Wasserflaschen in Scharnieren, man kann sie hin und her schwenken, wenn man will, und so, gerade so geht es, wenn hoher Seegang ist. Anne ist plötzlich voll Eifer. Sie läuft hierhin und dahin, sie untersucht alles. Sie denkt, daß sie nun bald das Meer sehen wird, haushohe Wellen, welche Aussichten!

Am Fußende der Betten sind Kleiderschränke. Anne entscheidet sich dafür, daß sie das Bett unter dem Bullauge nehmen wird. Sie kann hier machen, was sie will! Sie kann flöten Tatütata, kann das warme und das kalte Wasser ins Becken sprudeln lassen, sich selbst in einen der dunkelroten Rohrsessel werfen und die Beine lang von sich strecken. Sie ist hier zu Hause, schön.

Gleich darauf schafft der Steward das große Ge­päck hinein. Nun packt Anne aus. Sie flötet, singt dazwischen und packt aus. Draußen rennen und rufen die Menschen, das ganze Schiff ist voll Leben und Bewegung und Anne kramt und räumt. Sie rutschelt mit Papier, belegt beide Schränke mit den vielen Kleidern und Mänteln, die Kläre für sie an- geschafft hat, stellt die Schuhe darunter, spielt ein bißchen mit der Schwimmweste, die sie findet und neugierig ansteht. Als letztes kommt die Zahnbürste in eines der Gläser am Waschtisch und das Buch wird aufs Nachtschränkchen gelegt. Armes Buch, es stand wohl schon lange zwischen vielen anderen Büchern, auf verstaubtem Regal. Anne nimmt es wieder in die Hand. Sie schlägt es auf und sieht erstaunt auf dem inneren Deckel, aber, das ist ja gar nicht ihr Buch, ein fremder Name ist einge­schrieben. Hach, der Zöllner, hat die beiden Bücher vertauscht.

Neugierig lieft Anne:Christian Schwertfeger." Ein langer Name, eigentlich ein schöner Name, mal sehen, wie er schreibt. Die Buchstaben sind ohne Schwung und ohne Schnörkel, aber hart und klar. Anne prüft den Namenszug, sie nimmt das wichtig und dentt:Die Schrift ist wie sein Kopf, sicher­lich ein harter Kopf, nicht gut mit ihm Kirschen essen. Aber ja, Klarissa schreibt auch so. Liebste, einzige Klarissa! Und es fällt Anne ein, daß ihr Urgroßvattr und ihr Vater, Christian gerufen wur- den. Don dem Urahnen hängt ein Bild im Zimmer, der hatte auch solch kantigen, schweren Bauernkopf auf den breiten Schultern, er wurde wegen seiner Stärke derBär vom Birkenhof" genannt. Von ihrem Vater hingegen hat sie noch nie ein Bild

gesehen. Klarissa liebt ihren Bruder nicht, daher gibt es wohl kein Bild von ihm. Auf was für Ge­danken doch der Mensch durch einen fremden Schriftzug kommen kann!

Anne denkt, daß sie dem Herrn Schwertfeger morgen sein Buch zurückgeben muß. Ob sie ihn noch heute sieht? Ach was, et kriegt ts erst morgen. Doch nun wird es Zeit, daß sie sich zurechtmacht und den Besuch bei Klarissas Freundin vornimmt, der ihr ein bißchen schwer auf der Seele liegt. Es sind nicht alle alten Damen so wie Karisfa, lei­der.

Sie kämmt und wäscht sich. Die helle Seidenbluse ist von der Fahrt zerdrückt, soll sie eine andere überziehen? Ach bewahre, die Jacke her und da, das blaue Mützchen: Kläre hat gesagt, daß es schief übers rechte Auge gezogen werden muß. So? Anne finöet eigentlich, daß es frech aussieht. Also lieber gerade und brav. Nein, Kläre hat recht, doch schief.

Die Geheimrätin ist nicht zu sprechen. Gerade als Anne an ihre Kabinentür klopfen will, hält eine Stewardeß sie hiervon ab. Die Dame hätte sich niederlegen müssen und läßt sich entschuldigen, sie könne im Augenblick niemanden empfangen, sagt die Frau.

Anne denkt: ,Um so besser.' Sie ist jung und ganz ohne Mitleid. Frau Geheimrat Schönemann ist ihr gleichgültiger wie das kleine Messingschild da an der weißen Wand. Ihre Begeisterung gehört jetzt einzig und allein dem Schiff. Mit weiten Schritten geht sie durch die Gänge, über die weichen Teppiche, über die Treppen. Sie summt leise durch die Zähne, und ihr Summen heißt:Mein Schiff ist ein wun­derbares Schiff, ein Palast ist es, ein Schloß ist es und alles miteinander."

Auf dem Promenadendeck lehnt sie am Fenster und schaut in die Weite. Zwar kann sie das Meer noch nicht sehen, aber anders als der Volker See ist selbst hier das Wasser schon, obwohl das Land so nah ist. Das Wasser ist ölig und wie durchglüht von den vielfältigen Farben des Sonnenuntergangs. Bunt ist das Wasser und grün das Land. Dunkle Flecke sind die Häuser tm Abendschein. In der Ferne ist ein Leuchtturm zu sehen, und über alles ist eine große Stille gebreitet, die um so merkwür­diger scheint, als hinter und neben Anne das Lachen, Sprechen und Schreien kein Ende nehmen will. Unruhe ist hier und Hast, wie auf dem Bre­mer Hauptbahnhos. Doch sonderbar, nicht der Tumult hier ist unwahrscheinlich, sondern die Sttlle draußen.

Mit lauttosen Flügelschlägen umkreisen Möwen das Schiff. Ihre Schwingen sind groß, ihr Flug ist wie Musik.

Neben Anne stehen zwei junge Menschen, die sich heftig und pausenlos unterhalten. Zuerst haben sie nur geflüstert, jetzt sprechen sie lauter miteinander. Es interessiert Anne Nicht sehr, was sie sagen, als der Umstand, daß man hier nirgends unbelauscht ist. Wenn sie daheim über die Aecker schreit, hört den Schrei kaum einer. Wenn man hier aber nur ein wenig hinhört, kann man sogar das Tuscheln verstehen. Es dauert gar nicht lange, da weiß Anne, daß das Mädchen Margot und der Mann Willem heißen. Sie scheinen sich in ihrer Zusammengehöriy» feit einig zu sein, nicht aber ihre Familien. Die beiden sprechen schnell; sie fangen jetzt an sich selbst zu bekämpfen und merken es gar Nicht.Du hättest deine Großmutter nicht mitbringen dürfen, was soll daraus werden? Es ist deine Schuld, wenn sich alles gegen uns wendet."

Rede keinen Unsinn, Willem, Großmutter hat doch diese Reise für mich bezahlt. Denkst du, so was kann ich mir vom Bilderoerkauf leisten? Wozu brauchen wir deine Familie? Wir brauchen sie nicht, ich pfeife auf die ganze Sippe."

Weil du mit dem Kopf durch die Wand willst, aber ich muß so gut mit meiner, wie du mit deiner Großmutter rechnen."

Also schön, sollen sich die alten Damen oertragen. Aber wenn du unsere Zukunft davon abhängig machst, tust du mir leib, Willem."

Er seufzt. Der Mann seufzt und das Mädchen Margot hat Augen, die vor Aerger fast schwarz sind. Es sind wilde, unbeherrschte Augen. Ihr Ge­sicht ist schmal und wirkt durch die Haare, die kna­benhaft und wirr um den Kopf hängen, noch schmä­ler. Mit einer eckigen und ruckartigen Bewegung wirft sie ihre Haare in den Nacken.

Wenn Anne den Kopf zur Seite wendet, sieht sie dem Mädchen in das erregte Gesicht. Dom Mann weiß sie nicht, wie er aussieht, oder doch, etwas rundlich ist er. Ein runder Kopf sitzt auf runden Schultern, seine Sprache ist schleppend. Sicher ist das Mädchen Margot die aktivere von beiden. Ist das nun wichtig? Für Anne nicht. Es ist für Anne ganz gleichgültig, ob sich die Großmütter dieser beiden vertragen werden ober nicht. Sie muß sich daran ge­wöhnen, daß alles, was auf diesem Schiff geschieht, solange es für andere Menschen angeht, auch nur für diese wichtig ist. Auf dem Birkenhof Ist das nicht so. Wenn Irene Waitz eifersüchtig ist, hat das auch mit ihr, mit Anne, zu tun, und wenn Marie weint, dann haben ihre Tränen einen Grund, der auch sie berührt. Merkwürdige Welt hier ein Schiff und eine merkwürdige Welt.

(Fortsetzung folgt.)