Schaffen glückhafte, lehenserfüllende Befriedigung zu gewinnen.
Die Leitung der Schwesternschaft liegt in der Hand der Oberin. Ihr steht der Vorsitzende zur Seite, mit dem sie sich in die Aufgaben der Führung und Vertretung der Schwesternschaft nach außen und nach innen teilt. Ein Verwaltungsrat, aus Männern und Frauen gebildet, steht der Oberin und dem Vorsitzenoen zu fachlicher Beratung zur Verfügung. Die Oberin ist es, die der Schwestern- schäft das Gepräge gibt. An ihre Dersönlichkeit und Führereigenschaft werden deshalb yohe Anforderungen gestellt. Von ihr hängt es ab, ob die aus allen Schichten des Volkes sich rekrutierenden Schwestern zu starken Persönlichkeiten geformt werden, die in jeder, auch der schwersten Probe bestehen.
Don jeder Schwester ist die gemeinsame Ehre der Schwesternschait zu wahren und das Schild des Roten Kreuzes rein zu halten. Das Mutterhaus soll eine Gemeinschaft gesunder, froher unb tätiger Menschen bilden, die bewußt an der Neugestaltung Deutschlands durch Adolf Hitler teilnehmen. Es ist eine Keimzelle und Pflegestätte nationalsozialisti« scheu Wollens und Glaubens. Das Mutterhaus ist der eigentliche Mittelpunkt der Erziehung uich Aus. biDung für die jungen Schwestern. Für die Auswahl des Nachwuchses, die Aus- und Fortbildung hat die Schwesternvorschrist des Deutschen Roten; Kreuzes und das Krankenprlegegefetz vom 28. September 1938 eine neue einhettliche Grundlage geschaffen.
Der Schwestern beruf erfordert starke und frohe, sich immer wieder erneuernde Kraft, aus der die Fähigkeit wächst, den Kranken helfen und Kraft abgeben zu können. Die unerschöpfliche Quelle solcher Kraft ist die Gemeinschaft. Deshalb ist das Mutterhaus als Zusammenschluß der Schwestern zur Pflege des Gemeinschaftslebens eine Form des höchsten Wertes für die Berufserfüllung. Das Mutterhaus gibt feinen Schwestern aber auch fachlich die Voraussetzungen der besten Ausbildung und des befriedigenden Schaffens, macht die Schwestern frei von der Sorge um das tägliche Leben und stellt sie sicher für die Zeiten der Krankheit, die Arbeitsun- fähigkeit und des Alters. Das Mutterhaus als Pflegestätte des Gemeinschaftslebens ist auch eine unvergleichliche Schulung für die große Zahl der Mädchen, die nur vorübergehend diesen Beruf ergreifen und später eine Che schließen. Mit dieser Schulung gibt das Deutsche Rote Kreuz dem deut- schen Volke Tausende von Frauen und Muttem, die damit die vollkommenste Vorbereitung für ihre Lebensaufgabe, die Familie, erhalten.
Auch die ausgeschiedenen und noch ausscheidenden DRK.-Schwestern, die heiraten oder einen anderen Beruf ergreifen, bleiben in fester Verbindung mit ihrem Mutterhaus als Bereitschaftsschwestern. Sie haben in regelmäßigen Zeitabständen eine mehrwöchige praktische Uebungszeit abzulegen, soweit ihre FamilienverhäÜnisse dies irgend gestatten. Auch Reserveschwestern, die in ein öffentlich rechtliches Beamten- oder Angestelltenverhältnis treten, und Hilfsschwestern bleiben dem Mutterhaus ver- Kunden. Das Tätigkeitsfeld jeder Schwesternschaft erstteckt sich über eine Pielzahl von Arbeitsstätten. Außer den eigenen Anstalten und Einrichtungen des Deutschen Roten Kreuzes sind auch ttemde Arbeitsfelder, wie grundsätzlich alle Wehrmachtlazarette und Fliegerhorste, die meisten Universitätskliniken, größere, mittlere und kleinere gemeindliche Krankenhäuser und Heilstätten, Krankenanstalten der Knappschaften und der Invaliden- und Krankenversicherung mit DRK.-Schwestern besetzt.
Rezepte.
Wintergemüsesuppe: 30 Gramm Fett, 1 kleine Zwiebel, 1 große Möhre, etwas Peter- silienwurzel, Sellerie, Lauch, 50 Gramm Mehl, Master oder Brühe, Kräuter (frisch oder getrocknet), etwas Milch.
Das feingeschnittene Suppengemüse dünstet man mit Fett an, gibt das Mehl hinzu, dann das Master oder Brühe und läßt alles gar kochen, streicht durch ein Sieb, gibt die Milch dazu und schmeckt mit Salz und Kräutern ab.
Kartoffelspeise: 1 Kilo Kartoffeln, 50 Gramm Fett oder Margarine, 1 Eßlöffel Tomatenmark, etwas Speck, 4 Eßlöffel Milch, 1 Ei oder 2 Teelöffel Milei, 1 große feingeschnittene Zwiebel, Salz.
Fett zergehen lasten, die gekochten und in Scheiben geschnittenen Kartoffeln, Zwiebel und den in kleine Würfel geschnittenen Speck anbraten lassen. Das Ei oder Milei verrührt man mit Milch, Salz und Tomatenmark, gießt es über die Kartoffeln und läßt es noch kurze Zett zugedeckt durchziehen.
Quargzitronencreme: 375 GrammQuarg wird durch ein Sieb gestrichen und mit einem einfachen Pudding (abgekühtt), der kräftig mit Zitronensaft- und Schale abgeschmeckt ist, langsam verrührt.
Grünkenn auflauf: 200 Gramm Grünkern-
schrot, 3/< Liter Brühe, 20 Gramm Fett, 1 gedämpfte Zwiebel, Kräuter, etwas Tomatenmark, Salz, 1 Ei oder 2 Teelöffel Milei.
Man kocht den Grünkern zu einem dicken Brei. Wenn abgekühlt gibt man die übrigen Zutaten dazu. Das Eiweiß ober Mil ei wird zu Schnee geschlagen und zum Schluß untergemischt. Das Ganze gibt man dann in eine gefettete Auflausform und backt es ungefähr 1 Stunde.
Züricher Eintopf: In Würfel geschnittenes Schweinefleisch wird angebraten. Dann gießt man Wasser dazu und gibt Möhren, in grobe Streifen geschnittenen Wirsing und feingeschnittene Zwiebel hinzu. Wenn das Gemüse fast gar ist, gibt man in grobe Würfel geschnittene Kartoffeln hinem, kocht alles gar und schmeckt Mit Salz und etwas Knoblauch ab.
Wenn wir unseren Kindern Mrchen erzählen!
Die Märchen enthalten mehr Weisheit als die ganze Philosophie.
(H. St. Chamberlain.)
„Mit einem Märchen kann ich alles erreichen!"' Die Wahrheit dieses Ausspruches kann wohl jede Mutter einmal in einer bestimmten Altersperiode ihres Kindes bestätigen. Um ein Märchen zu hören, geht Dieter artig zu Bett, Renate läßt sich sogar ohne Geschrei kämmen, Hans-Günther zappelt bei Tisch nicht mehr mit dem Stuhl und Ellen ißt artig die Suppe auf, die sie doch so gar nicht mag.
Wie ist diese Zaubermacht, die das Märchen auf die Kinder ausübt, zu erklären? Man hat immer wieder festgestellt, daß die Welt des Märchens in S besonderem Maße der Welt des Kindes, feinen
gkeiten und seinem Aufnahmevermögen ent- j spricht, weil die Märchen die Phantasie des Kindes — eine seiner frühesten und am stärksten entwickelten geistigen Gaben — anregen und beflügeln.
Und da sich fast ausnahmslos alle Kinder mit einer so nimmermüden Begeisterung dem Märchenerzählen erschließen, darf man folgern, daß es Märchen zu allen Zeiten gegeben hat und geben wird. Den Ursprung der Märchen und Sagen führt man bis auf die Germanen zurück, ja, man kann sogar Spuren bis in das urinoogermanische Altertum zurückverfolgen — ein Beweis, wie groß die Kräfte des Märchens sind, daß es Jahrtausende überdauert hat.
Solche Kräfte zu nutzen, ist notwendig, besonders dann, wenn sichtbar wird, daß sie — wie Märchen und Sagen — nur wertvoller und sogar angenehmer Natur sind. Und darüber hinaus ruft nicht nur das Anhören der Märchen solch unbeschreibliches Kinder- glück hervor, sondern auch Märchen erzählen macht Freude.
Allerdings ist es nicht allen Müttern gegeben, aus dem Schatz chrer Kindheitserinnerungen Märchen und Sagen zum Erzählen sozusagen „aus dem Aermel zu schütteln". Märchen erzählen ist nämlich eine Kunst, die gepflegt sein will, und wer feine Aufgabe ernst nimmt, muß wohl schon manchmal eine Stunde opfern, um sich darauf vorzubereiten. Wenn nun eine Mutter ab"r nicht so pbantasiebeoabt ist und auch nicht die Kunst des Erzählens beherrscht, soll sie ruhig zum Buch greifen und die Märchen lieber vorlesen. Das schützt übrigens auch vor einem Fehler (so nennen es wenigstens die Kinder), der schöpferischen Menschen leicht unterläuft: das Märchen von der Goldmarie, das sich das Kind immer und immer wieder wünscht, fedesrnal auf eine andere Weise zu erzählen. Da kann es dann geschehen, daß Bübchen völlig verstört über diese „Entstellung" ist und die Mutter verbessert:: „Aber Mutti, gestern hast du mir doch erzählt, daß die Pechmarie eine Schürze angehabt hat."
Diese Genauigkeit beim Zuhören, die fast etwas unbequem werden könnte, beweist, wie stark sich die Kinder mit den Gestalten des Märchens identifizieren und wie sie alles Tun und Treiben der Märchengestalten in ihr eigenes kleines Leben übernehmen. Daß sie ein und dasselbe Märchen täglich wiederhören wollen, ist die echt kindliche Veranla
gung, sich etwas ganz zu eigen zu machen. Da heißt es also für die Mutter: niemals ungeduldig werden. Dafür ist ja auch der Mutter mit der Vielzahl der Märchen und Sagen — man denke nur an den großen Schatz von Gebrüder Grimms Kinder- und Hausmärchen — ein Erziehungsinstrument_ in die Hand gegeben, auf dem sie in allen gewünschten Tonarten spielen kann. Die Kraft der Märchen liegt ja in den handelnden Personen, die fast immer die gleichen Charakteranlagen aufweisen und die es auf diese Weise vermögen, die Kinder zum Entzücken I ober zum Abscheu hinzureißen. Der Prinz und die Hexe, der Bettler und der Bauer, sie alle zeigen klar auf, was gut und böse ist, und sie handeln so, wie das Kind jetzt oder später einmal handeln muß. So kann die Mutter, dem Kinde ganz unbewußt, in ihm die Kräfte wecken, daß es ohne zu wägen, alles Gute und Edle erkennt und sich danach richtet, und alles Böse ablehnt.
Und mit ein wenig Geschick läßt sich sicherlich das Passende, gerade für die Erziehung notwendige Märchen auswählen. Gibt es eine anschaulichere Warnung, wie man es nicht machen darf als Grimms Märchen vom Großvater und Enkel? Da wird der alte Mann vom Sohn und Schwiegertochter von Tisch gewiesen, weil seine zitternden Hönde das Essen verschüttet haben. Es ist ein herrliches Märchen, besonders dann, wenn Dieter gerade am Tag vorher in aller Öffentlichkeit verkündet hat, daß Oma infolge ihres Alters einen Teller hat fallen lassen.
Märchen erzählen hat aber auch noch eine andere Bedeutung. Genau so, wie sich die Erwachsenen an der Sprache der Klassiker bilden, so ist das Märchen die erste Möglichkeit für die sprachliche Erziehung an unfern Kindern. Und die einzelnen Sätze eines Märchens prägen sich bekanntlich sehr eindrucksvoll den kleinen Gehirnen ein und vervollständigen damit den kindlichen Sprachschatz. Wenn man darüber hinaus dann noch die Kinder anregt, die gehörten Märchen den kleineren Geschwistern wiederzuerzählen, so sind die Erziehungsmöglichkeiten beim Geschichtenerzählen in geradezu idealer Weise ausgenutzt.
Lisa Peck.
Vergeht die hungernden Vöael nicht!
Liegt eine Schneedecke über Feld und Flur, dann wird dadurch den Vögeln die Möglichkeit zur Nahrungssuche und Nahrungsaufnahme genommen. Wir muffen den gefiederten Sängern, die uns im Winter treu geblieben find, fo gut als es in unserer Macht steht, diese Möglichkeit bieten. Die Vögel ind uns die Sommermonate hindurch wirtliche Hel- er, denn sie vernichten Unmengen von Obstbaum- chädlingen, wie die Maden des Apfelwicklers, Blattlaus- und Frofffpannereier ufw., und es wäre unDemünftig, ihre Hilfe gering zu achten. Darum füttert die Vögel, vor allem die nützlichen Vögel, fo die Meifen, mit Hanffamen. Sonnenblumenkemen ufw. Die Futterplätze müssen vor der Bedeckung mit Schnee und auch vor Katzen geschützt fein. Also nochmals: Füttert die nützlichen Vögel!
Aus -er Sia-t Gießen.
Sas Nastüchlein.
Seit einem halben Jahrtausend kennt man bas Taschentuch, doch erst spät ging man von dem Brauche ab, es als Zierat in der Hand oder auf dem Gesangbuch zu tragen, wobei es fast ganz aus Spitzen bestand, also für alle Herkünste aus der Nase durchlässig gewesen sein würde. Heute ist das Taschentuch ein fo selbstverständliches hygienisches Zubehör, daß es auch auf der Kleiderkarte als ein Punkt für Frauen, zwei Punkte für Männer zu feinem Rechte kommt.
Auch das Taschentuch hat zwei Seiten. Einerseits befreit es uns im Zustande der Verschnupfung aus peinlicher Verlegenheit, anderseits bildet es nach einigem Gebrauch eine Gefahrenquelle für unsere Umgebung, sofern wir es nicht richtig verwenden. In ihm sammeln sich die Bakterien, die oft genug selbst in „gesunden" Tagen auf den Schleimhäuten von Nase und Rachen leben, trocfnen ein und werden beim Herausziehen und Entfalten des „Nas- tüchleins" umher gewirbelt, andern zum Schaden. Unter ihnen sind oft genug neben den Erregern harmloser Krankheiten auch die der Tuberkulose, der Lungenentzündung, der gefährlichen Grippe, der Hirnhautentzündung usw. Im dunklen Grunde der Tasche bleiben diese Keime sehr lange lebensfähig. Darum soll jeder mit seinem Taschentuch vorsichttg, d. h. unter Rücksichtnahme auf seine Mitmenschen umgehen.
Schon nach jedesmaligem Gebrauch des Tuches soll dieses so zusammengelegt werden, daß die Feuchtigkeit in der Mitte des geknüllten Tuches bleibt unb sich nicht auf das Futter der Tasche übertragen farm. Beim Herausziehen aus der Tasche möge man das Tuch nicht etwa in aller Öffentlichkeit weit entfalten und womöglich als wehende Föhne schwingen oder gleich einem Staubtuch ausstäuben. Auch sollte man das Ausspeien ins Taschentuch vermeiden.
Die Gütergemeinschaft am Taschentuch bei Mutter und Kind ist höchst verwerflich und ein Schlag ins Antlitz der mütterlichen Fürsorge, sind doch kleine Kinder gegen Ansteckung besonders empfindlich. Eines der strengsten Gebote der Gesundheitslehre ist, daß Mutter und Pflegerin ihr eigenes Taschentuch nicht dazu verwenden dürfen, dem Kind Mund und Nase zu reinigen.
Gelegentlich sieht man einen verliebten jungen Mann vor dem Stelldichein seinen Stiefeln den letzten Hochglanz geben durch Abstäuben, wozu natürlich das Taschentuch rasch zur Hand ist. Oder ein Kavalier stäubt feiner Angebeteten mit feinem Nas- tüchlein die Bank ab, darauf sie sich setzen soll. An gewissen Orten auch beobachtet man Reinlichkeitsfanatiker, die nach dem Abspülen ihrer Hände diese mit dem Schnupftuch abtrocfnen, weil der Gastwirt ein Handtuch aufzuhängen vergessen hat, oder das vorhandene schon vor Nässe tropft oder von Schmutz starrt. All diese mißbräuchliche Benutzung des Taschentuches ist verwerflich, weil für uns und die Allgemeinheit gesundheitsschädlich.
Vornoti,en.
Tageskalender für Donnerstag.
Stadttheater: Geschlossene Vorstellung für KdF. „Zigeunerbaron". — Gloria-Palast, Seltersw"g: „Der singende Tenor". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Gewehr über".
BOM.-ttntergau 116 Gießen.
BDM.-Verkgruppe 4a/116, Werkschar.
Alle Mädel der Werkschar treten ab 7. Januar 1940 wieder jeden Sonnatg morgen um 8.30 Uhr am Moeserheim an.
rlS-GenleiliWsk M Stuft M Steuöe
Abteilung Sporfamt
Heute, Donnerstag, den 4.1., in der Schillerschule fröhliche Gymnastikstunde. Beginn 20.30 Uhr. 38D
Elisabeth und ihre Väter.
23on Friedrich Iretia.
Konny, Heini, Fred, Berti und Max waren junge Menschen von knapp 21 Jahren. Jeder hatte einen anderen Beruf, aber eins einigte sie: Die Freude am Fliegen! — Ihr Lehrer war der 34jährige Flug- zeug-Jngenieur Georg Dankwarch. In feinem Häuschen am Flugplatz fanden sie Unterkunft, wenn jie, rote sie es seit drei Jahren zu tun pflegten, ihre Ferien der Fliegerei wdmeten.
Dankwarch hatte seine gleichaltrige Frau schon mtt zwanzig Jahren geheiratet. Sie besaßen ein 13jähriges, zierliches, kleines blondes Mädchen Lisa- beth, das die fünf Flugfreunde wie große Brüder verwöhnten. Für jeden der Fünf waren diese Fsrien- wochen im Freien, in der Luft oder im Garten des kleinen Hauses seligste Zett der Jugend. Sie spielten mit dem Kinde und verehrten die Mutter, eine schöne, gehaltene Frau, die mit jeder Bewegung etwas wie Glanz und Glück ausstrahlte.
Aber dann in einem Jahre folgten zwei schwarze Tage hart aufeinander. Die Fünf erfuhren durch einen Brief Georg Dankwarths, daß die schöne Frau durch die Grippe dahingerafft sei, und sofort eilten sie zu ihrem lieben Freunde und Lehrer, um ihm äu helfen, der Toten die letzte Ehre zu erweisen. Aber als sie ankamen, war der zweite Streich des Schicksals schon geschehen. Georg Dankwarch hatte ein von ihm neu konstruiertes Flugzeug ausprobieren wollen, denn er hatte, wie sie von seinem Werkmeister hörten geäußert: „Nur Arbeit und Erfolg können mich über diesen Schlag hinweg- bringen!" Und dort droben in der Luft, da hatten vielleicht die letzten schweren achtundvierzig Stunden an ihm ihre Wirkung getan. Jedenfalls hatte er beim Niedergehen Bäume gestreift, war abgestürzt. Dos Flugzeug war wenig beschädigt. Keiner konnte begreifen, warum der Tod zugegriffen hatte.
Die fünf Freunde betraten das ihnen so liebgewordene Haus und sahen das Kind verstört im Garten stehen. Als das kleine Mädchen die guten großen Brüder sah, fing sie herzerbrechend an zu meinen. Jeder nahm sie in die Arme und tröjtete sie. und schnell war ein Uebereinkommen getroffen. Da die zeitlichen Güter Georg Dankwarths nicht groß waren, erklärte jeder der jungen Leute sich bereit, etwas für die Erziehung des kleinen Mädchens beizusteuern, das alsbald in eine freundliche Pension gegeben wurde. Alle halbe Jahre kamen die Freunde zusammen, um gemeinsam die Berichte der Pensionsmutter des Kindes durchzugehen. Sie erhielten auch Briefe von ihrer kleinen Pflegetochter und Bilder, die da zeigten, daß das Mädchen wuchs und die Schönheit der Mutter geerbt hatte.
Bei einer Weihnachtszusammenkunft wurden sie sich ohne viel Worte darüber klar, daß jeder die
Hoffnung hegte, einmal dieses Kind ganz für sich zu gewinnen. Der Punsch hatte die Lippen gelöst. Das Geständnis war — keiner wußte recht wie — gemacht worden, und nun sahen sie einander an.
Max erklärte: ,Ha, wenn das so ist, dann müssen wir etwas tun, damit wir wirklich Freunde bleiben und keiner den anderen übervorteilt. Wir wollen uns das Wort geben, unsere kleine Lisabeth nicht mehr persönlich zu besuchen, und wenn sie dann 18 Jahre all ist, sich von der Schule sreigeschwom- men hat, dann laden wir sie gemeinsam ein, und dann kann sie ja entscheiden, wen sie von uns mag!"
Und da jeder die Hoffnung hatte, Lisabeth hätte ihn von allen Fünfen am liebsten, wurde der Pakt geschlossen. — Die nächsten drei Jahre vergingen. Jeder der Fünf arbeitete härter, damit Klein-Lisa- bet!) ein schönes Heim fände. Und endlich kam jener Weihnachtstag, wo in einem Sälchen des kleinen alten Gasthauses die fünf Männer beisammen faßen und Lisabeth erwarteten.
Die Tür tat sich auf und vor ihnen stand hoch- gewachsen, rank, schlank das blonde Mädchen mit den tiefen grauen Augen. Das Haar auf dem Kopf gemahnte an einen goldenen Helm. Jedem der Fünf schlug das Herz heftiger. Sie aber lief unbekümmert auf sie zu und rief: „Guten Abend, meine lieben Papas! Wie schön, daß ich euch endlich wie- dersehe! Warum hat denn ferner von euch mich besucht?"
Die Fünf schauten sich an. Max, der Wortführer, bat Elisabeth, Platz zu nehmen. Das Essen wurde aufgetragen, der Wein eingeschenkt. Lisabeth mußte das Despräch im Gang halten. Eine ihrer ersten Fragen lautete: „Warum habt Ihr mich eigentlich nicht am Bahnhof abgeholt?"
„Ach", sagte Max, „auf dem Bahnhof ist es doch reichlich ungemütlich!"
„Ja", erwiderte Elisabeth, „wenn man so allein anfommt!" Aber schon war sie über diese Frage hinwegHeglitten und wollte nun wissen, ob die Fünf noch miteinander flögen. Darauf erhielt Jie lahme Antworten: soviel Zeit könne doch nicht erüorigt wer- den, und die Ferien des einen paßten nicht zusammen mit denen der anderen.
„Ach", seufzte das Mädchen, „ich hatte gedacht, Ihr könntet gar nicht anders, Ihr müßtet jedes Jahr zusammen sein!" — Und jeder der Fünf merkte Elisabeths Enttäuschung.
Die Tafel war beendet. Sie gingen in ein anderes Zimmer, wo der Christbaum hergerichtet war, und Lisabeth wurde ganz rot vor Freude über die vielen Geschenke.
Einer nach dem andern ging zu Max und mahnte ihn leise: „Du mußt jetzt dem Mädchen sagen, wie es mit uns steht!"
Da aber rief Lisabeth freudig: „O, meine lieben Papas, ich muß jetzt jedem von euch einen Kuß
geben! So ein schönes Weihnachten habe ich noch nie, seit ich in der Pension war, wieder erlebt!" Und plötzlich fiel sie jedem der Fünf um den Hals und gab ihm einen herzlichen Kuß.
Die fünf Männer schauten jetzt beinahe verzweifelt einander an. Keiner fühlte sich bevorzugt. Max räusperte sich.
Da rief Elisabeth: „Nun will ich euch ein Geständnis machen! Ich habe mich vor acht Tagen verlobt! Natürlich ist er auch Flieger, in der Armee! Wollt Ihr ihn sehen?" — Und sie öffn-te ihr Handtäschchen und zog das Bild eines hübschen jungen Fliegeroffiziers hervor. Sie reichte es Max zuerst. Der biß sich die Lippen und sagte: „Gott sei Dank, daß es wenigstens ein Flieger ist!"
Die andern stellten sich hinter Max und schauten chm über die Schultern. Sie waren alle enttäuscht und doch irgendwie erleichtert. Jeder hatte seinen schweren Brocken herunter geschluckt und machte ein ernsthaftes Gesicht. Es war sehr still im Zimmer. Nur die Kerzen des Christbaumes knisterten.
Elisabeth trat zurück. Sie schaute mit großen Augen auf die Männer, die alle noch auf die Photographie starrten, die jetzt unter dem Christbaum lag, und zweifelhafte Mienen machten.
„Stehe Papas", ries sie, „seid Ihr denn nicht einverstanden? Er ist so ein guter Junge! Ihr müßt chn euch selbst ansehen!"
Die fünf Papas schauten sich um, sahen das schöne Mädchen, das ihnen nun ganz ferngerürft war, denn es war nicht mehr die kleine Lisabeth, sondern eine reife, sehnsüchtige Frau.
Max nahm das Wort: ,Lch glaube, es ist das Beste, was geschehen konnte!"
„Ja", sttmmten die andern bei, „es ist das Beste!"
„Und nun wollen wir Champagner trinken", rief Max, „und wollen dabei deiner lieben Mutter und deines lieben Vaters gedenken!"
Da traten Tränen in die Augen Elisabeths. „Wie gut Ihr doch seid, Ihr Papas!" Und wieder nahm sie einen jeden in die Arme und gab ihm einen Kuh.
Die Fünf aber schauten sich an, und nun war es, als ob sie einer schweren Gefahr entgangen waren, nämlich der Gefahr, einander um dieses schönen Mädchens feind zu werden! Und noch einmal bekräftigten sie: „Ja, so ist es das Beste!"
Seiffcbriften.
— Die Pracht farbiger Sternbildkarten ist für die meisten ein verschlossenes und kaum gekanntes Gebiet. Ein Sammler solcher Karten und ©loben, Dr. E. Katinszky, führt die Leser des Januarheftes von Velhagen & Klasings Monatsheften m diese überraschend phantasievolle Welt ein und läßt seine Abhandlung mit einer Anzahl bunter Bilder aus seiner Sammlung begleiten. Ein Zweiter gilt dem Maler Georg (sichert Mt bisher
unbekannten Bildnissen ist der Auffatz von Professor Dr. Stephan Ley „Beethoven als Hausfreund in einer Wiener Familie" ausgestattet. An erzählenden Beiträgen bringt das Heft den Anfang des neuen Romans von Kurt Kluge, den Verfasser des ,^Herrn Kortüm". Daneben stehen eine Novelle ans dem Kriege „Die Gottesmühle" von Claus Back und eine Erzählung aus den Kolonien „Die Erscheinung" von Hermann Eris Buffe. An sonstigen Beiträgen bringt das auch mit Kunstbeilagen ge- schmückte Heft das Ergebnis des Preisausschreibens „Wer kennt unsere Künstler?" und des mit einem Preis von 1000 RM. ausgestatteten Novettenpreis» ausschreibens der Hefte.
Ein Kind irrt durch die Wälder Arizonas.
In den Bergwäldern von Winslow im nördlichen Arizona (USA.) begab sich der kleine siebenjährig^ Bruce Crozier mit seinem Vater auf einen Pirsch- Fang. Der kleine Junge saß hinter dem Vater im Sattel, verlor aber offenbar infolge Uebermüdung das Gleichgewicht und fiel vom Pferde, ohne daß der Vater etwas davon merkte. Das Kind verirrte sich in dem dichten Gebüsch, und obwohl der Vater stundenlang herumsuchte, mußte er schließlich doch unverrichteter Sache nach Hause zurückkehren, um der Mutter die traurige Nachricht vom Verschwinden des Söhnchens zu bringen. Sofort am nächsten Tage machten sich Suchmannschaften auf den Weg. Tagelang durchstreifen sie vergeblich die ganze Gegend, bis endlich am 6. läge der kleine Bruce, den man schon verlorengegeben hatte, gefunden wurde. Das Kind saß entkräftet in einer Felsenhöhle, zum Skelett abgemagert und vor allen Dingen so verdurstet, daß man ihm sofort Flüssigkeit in dis Jabern infizieren mußte, um es am Leben zu er- halten. Der kleine Bruce erzählte, nachdem er sich erholt hatte, daß er versucht habe, sich auf den (Spuren des Vaters nach Hause zurückzufinden. Nachts flüchtete er sich in Vertiefungen zwischen oen Felsen, um sich gegen empfindliche Kälte zu schützen. Zu essen fand er ab und zu eine Handvoll Pinienkerne, und ein einziges Mal fand er auch em wenig Wasser in einer Pfütze zum Trinken. Oester begegneten ihm Hirschkälber, niemals aber die gefürchteten Bären, die es ja in jener Gegend noch sehr zahlreich gibt. Vor den Tieren des Waldes hatte der Kleine jedoch keine Angst, er dacht« aar nicht daran,.daß sie ihm etwas tun könnten. Am letzten Tage war er schon so schwach, daß et seinen Zufluchtsort nicht mehr verlassen konnte, aber er raffte sich noch einmal auf zum Schreien, als eine der Hilfsmannschaften, die sich durch Flintenschüsse und Rufe bemerkbar machte, nicht weit von ihm vorbeikarm


