dauernswerten Monne flog beim Holzschneiden ein großes Stück Holz mit solcher Wucht an den Kovf, d-aß er einen schlveren Schädel- basisbruch erlitt und von der Bereitschaft Gießen des Deutschen Roten Kreuzes nach Gießen in die Chirurgische Klinik verbracht werden mußte. Dort erwies sich eine sofortige Operation als notwendig.
Landkreis (fließen
! Großen-Linden, 2. Dez. Nach ISmonati» ger Ruhepanse unternahm der Zweigoerein „H ü t t e n b e rg" vom VHC. am Festrigen Sonntag eine Wanderung, die rege Beteiligung aufwies. Der Weg führte vom Bahnhof Großen-Lin- den über Leihgestern durch den Wald der Lindener Mark. Besonders genußreiß wurde die Wanderung
durch die wertvollen Erläuterungen, die der Wan- dersührer in heimatkundlicher, geschichtlicher und botanischer Hinsicht gab. Der Nachmittagskaffee wurde auf dem Schiffenberg eingenommen, wo man den LHC.-Zweibverein ..Gießen" schon antraf. 3m Abendsonnenscheln fand die Wanderung, die allen Wanderfreunden in angenehmer Erinnerung bleiben wird, ihr Ende.
Schweinemarkt in Alsfeld.
*Alsfeld, 2. Dezember. Auf dem heutigen Schweinemarkt standen 76 Ferkel zum Berkaus. Es kosteten 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 22 bis 28 RM.. 8 bis 10 Wochen alte 28 bis 35 RM. pro Stück. Bei flottem Handel wurde der Markt geräumt.
Feuerwehrtagung in Gießen.
Am Sonntag hatte Kreisfeuerwehrführer Bouffier im Auftrage des Feuerwehrdezernenten beim Landratsamt Gießen. Regierungsrat Dr. Fuhr, die Führer der Freiwilligen und der Pflicht-Feuerwehren des Landkreises Gießen zu einer Dienstbesprechung nach Gießen eingeladen, die im großen Saale des „Burghof" ftattfand. Neben den Wehr- führern und den Kassenoerwaltern der Feuerwehren aus den 83 Landgemeinden hatten sich auch zahlreiche Bürgermeister vom Lande und Vertreter der Feuerwehren in Gießen zu der Tagung eingefunden.
Nach Begrüßungsworten des Kreisfeuerwehrführers Bouffier, der dabei auch der im Kriege gefallenen Kameraden gedachte, ferner an die großen Aufgaben des Kriegsjahres 1940 erinnerte, sprach Regierungsrat Dr. Fuhr zu den Feuerwehrfüh- rem und den Gästen. Er behandelte u. a. die Beziehungen zwischen den Werkscharen einerseits und den Freiwilligen und Pflicht-Feuerwehren anderseits. gab Aufklärung über die Frage der Mitgliedschaft in einer dieser Organisationen und beseitigte dabei die bisher an manchen Stellen noch bestehenden Zweifel. Weiterhin machte er mit einer Reihe von Anordnungen bekannt, die sich auf Feuerschutzmaßnahmen bei Fliegerangriffen beziehen und in weitestgehendem Maße die Sicherung der Bevölkerung und des Besitzes zum Ziele haben. Er beschäftigte sich sodann mit organisatorischen Fragen, u. a. der jederzeitigen Einsatzbereitschaft der Bezirksmotorspritzen, des Ersatzes von Perdienstausfällen von Feuerwehrmännern durch längeren Einsatz zur Brandbekämpfung und schließlich mit
den Notwendigkeiten einer guten Zusammenarbeit der Wehren mit der Partei und ihren Gliederungen.
Kreisfeuerwehnührer Bouffier berichtete anschließend über die jüngste Dienstbesprechung der Kreisfeuerwehrführer in Frankfurt. än jener Besprechung wurde die Notwendigkeit, für jede Gemeinde eine Motorspritze anzuschaffen, vom grundsätzlichen Standpunkt aus betont; man ist sich allerdings auch darüber klar, daß dies erst nach und nach geschehen kann. Daß der Landkreis Gießen die Motorspritzen in seinem Bereich auf acht Bezirke verteilte, hat sich als fehr vorteilhaft erwiesen. Zahlreiche Gemeinden beabsichtigen jetzt selbst noch Motorspritzen anzuschaffen. 3m übrigen gab der Redner den Feuerwehrsührem eine Reihe weiterer wichtiger Hinweise für die Ausrüstung uni) Steigerung der Schlagfertigkeit der Wehren.
Der Kreiskassenoerwalter. Obertruppführer Rohrbach (Lollar), behandelte hierauf eine Reihe von Fragen der Kassenführung und der Behandlung der Voranschläge.
Kreisfeuerwehrführer Bouffier teilte in seinen abschließenden Mitteilungen mit, es solle durch Verhandlungen versucht werden, die alten Reseroefeuer- wehrmänner von der Zahlung von Bntkägen für das Amt für Freiwillige Feuerwehren in Berlin zu befreien; ob dieser Versuch gelingen werde, lasse sich heute aber noch nicht sagen. Weiter bemerkte er, es bestehe die Absicht, nach dem Kriege die in manchen Gemeinden jetzt noch vorhandenen Pflicht- Feuerwehren in Freiwillige Wehren umzuwandeln. Schließlich gab er noch eine Reihe von wichtigen Hinweisen für interne Ausgaben der Feuerwehren.
3f£. Marburg — 1900 Gießen 3:2
Die Blau-Weißen waren am Sonntag wieder einmal gezwungen, in letzter Minute Ersatz herbei- zuschaffen. Und da auch noch ein Spieler durch Krankheit ausfiel, war es nicht die rosigste Stimmung, mit der die Fahrt nach Marburg angetreten wurde. Trotzdem hat der Spielverlauf gezeigt, daß wenn ein Wille vorhanden ist, auch ansprechende Leistungen zustande kommen können.
Nach dem Ablauf von zehn Spielminuten sah es allerdings noch nicht danach aus, denn zu dieser Zeit führten die Marburger bereits 2:0. Eine Um- stellung bewirkte jedoch, daß de/ Tatendrang der Gastgeber schnell eingedämmt wurde. Das Spiel gestaltete sich ausgeglichen, und hüben wie drüben erwuchsen die gleichen Erfolgsmöglichkeiten. Eine hiervon nutzte Koch in der 25. Minute zum ersten Gegentreffer aus. Hierdi^ch bekam das Spiel erst die richtige Farbe, denn die Anteilnahme der Zuschauer, die — man war erstaunt — sich lebhaft für 1900 einsetzten, bewies dies wohl am besten.
Nach dem Wechsel sah man dasselbe Bild. Schnell wechselte das Geschehen auf dem Svielfeld, und wenn die Marburger dank der spielerischen Fähig- ketten von Rüppel (Sport Kassel), Koch und Rost, die den Gießener Sportlern ja bekannt sind, teilweise einige Vorteile im Strafraum hatten, so waren es doch die Blau-Weißen, die zu Torerfolgen kamen. Bei einem Gedränge war es Kraft, der in der ihm eigenen Art das Leder in die kurze Ecke bugsierte. Das war zu viel für Marburg. Scherer (Ockershausen), bisher in der Verteidigung, unterstützte jetzt den Sturm, fodaß die Gastgeber eine teilweise Ueberlegenheit erlangten. Zu Erfol- gen wollte und wollte es aber nicht kommen, da Jäger in der Verteidigung den ganzen gegnerischen
Jnnensturm blockierte, wobei er vom Mittelläufer Theiß wirksam unterstützt wurde. Dabei verging die Zeit, und die Uhr zeigte bereits die 89. Minute an. Nun konnte Carstens gegen Rüppel nur noch durch Ecke klären. Und gerade hierbei vollzog sich das Verhügnis für die Blau-Weißen. Von Rüppel selbst ausgeführt, senkte sich das Leder kurz- vor der Torlinie nieder und landete im Netz, womit der Sieg der Marburger zustande kam.
Marburg mit Rüppel, Koch. Rost, Scherer und zwei weiteren Gauligaspielern besaß die besseren Einzelspieler, die jedoch gegen die mit -ungeheurem Eifer spielenden Blau-Weißeh in der Ausstellung Schmitz, Jäger. Römer, Carstens, Theis, Schmitz, Stieler, Schellhaas, Kraft, Koch, Garth einen schweren Stand hatten, zumal sich Jäger, Kraft und Theis von ihrer besten Seite zeigten. Die Leitung lag bei Post (Wieseck) in besten Händen. 05 Weülar — Steinberg 6:2 (4:0).
Zum fälligen Meisterschaftsspiel empfing der Sportverein 05 Wetzlar die 1. Mannschaft des FC. „Teutonia" WatzenbormSteinberA. Die Mannschaft der Platzbesitzer, der in diesem Spiele alles gelang, bot eine ausgezeichnete Leistung und gewann verdient, allerdings etwas zu hoch. Während die Gäste ihren erkrankten rechten SBerteibiger Schmandt ersetzen mußten, hatten die Platzdesitzer erstmals wieder einige neue Gastspieler zur Stelle.
Wetzlar wählt zuerst mit der Sonne im Rücken. Bereits in der 10. Minute schießt Mühlhäuser unhaltbar zum 1. Treffer ein. Dann ist Watzenborn- Steinberg etwas im Feldspiel überlegen. Eiiz Flankenball des Rechtsaußen Brücke! kzommt zur Mitte, Schmitt ist zur Stelle, und von der Strafraumgrenze aus schießt er, doch sein Schuß trifft nur die Quer« latte und springt von da ins Aus. Dann folgen
forgungswoche kann eine Gewährung für die Be- schaftung der Bedarfsmenge nicht übernommen werden;' es müßen demzufolge hartnäckige Volksgenossen unter Umständen damit rechnen, daß sie trotz des abgegebenen Quarkbezugscheines in der 4. Bersorgungswoche keinen Quart erhalten.
** Gebt W e i h n a ch t s s e n d u n g e n frühzeitig zur Po st! Denkt daran, daß außer den Weihnachtspaketen und Feldpostpäckchen auch die übrige Weihnachtspost für unsere Sotaaten bis 15. Dezember aufgegeben werden muß. Soll die Sendung nicht vor dem Fest geöffnet werden, so vermerkt man daraus: „Erst Weihnachten öffnen!"
*♦ Städtische Bücherei. Im November sind 2151 Bände ausgeliehen worden. Von diesen Bänden tarnen auf: Literaturgeschichte 2, Zeitschriften 23, Gedichte und Dramen 9, Erzählende Literatur 1268, Jugendschriften 415, Länder- und Völkerkunde 96, Kulturgeschichte 5, Geschichte und Biographien 169, Kunstgeschichte 15, Naturwissenschaft und Technologie 57, Heer- und Seewesen 39, Hausund Landwirtschaft 4, Gesundheitslehre 4, Religion und Philosophie 6, Staatswissenschaft 40 Bände.
Gießener Wochenmarktpreife.
* Gießen, 3. Dez. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,80 RM.. Matte 30 Rps., Käse, das Stück 6 bis 10, ausländische Eier 11 'bis 12, Kartoffeln, XA kg4, 5 kg 40, Wirsing, % kg 7 bis 8. Rotkraut 8, gelbe Rüben 7, rote Rüben 6, Unterkohlrabi 5, Grünkohl 6 bis 8, Rosenkohl 18 bis 27, Zwiebeln 12, Meerrettich 30, Schwarzwurzeln 15, Aepfel 15 bis 35, Blumenkohl, das Stück 10 bis 40, Salat 10, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 5 bis 8, Lauch 3 bis 5, Sellerie 5 bis 30, Rettich 5 bis 25, Weißkraut, % kg 5 Rpf.
Aus der engeren Heimat.
Altbürgermeister Fuhr in Lich t-
§ Lich. 2. Dez. In den Abendstunden des Sonntag starb nach längerem schweren Leiden Altbürger- meister Heinr.ch Adam Fuhr. Er war der letzte ehrenamtliche Bürgermeister unserer Stadt, die nach seinem freiwilligen Rücktritt in Bürgermeister Völker aus Friedberg den ersten Berufsbürgermeister wählte.
Heinrich Adam Fuhr entstammt einem alten Licher Handwerkergeschlecht, das seinen Stammbaum über 400 Jahre zurück verfolgen kann. Er erlernte, wie feine Vorfahren, das Schneiderhandwerk, arbeitete mehrere Jahre in großen Städten, -um schließlich Anfang der 90er Jahre als junger Meister in das Geschäft seines Vaters einzutreten, das später auf ihn überging. Als der Weltkrieg ausbrach und Stadtrechner Ludwig Häuser ins Feld rückte, übertrug die Behörde Fuhr die Führung des Amtes eines Stadtrechners, das er bis zum Kriegsende mit großem Geschick und m.t Ge- wissenhafti-gkeit ausübte. Die bei der Führung dieses Amtes gewonnenen Erfahrungen, feine Weitsicht in gemeindlichen Angelegenheiten und nicht zuletzt seine allseits geschätzte Persönlichkeit trugen dazu bei, daß er im Jahre 1919 mit über 1400 Stimmen einstimmig zum Bürgermeister der Stadt Lich gewählt wurde. Er führte dieses verantwortungsvolle Amt in den schwersten Zeiten unseres Vaterlandes, in den Jnflationsjahren. Nach seinem freiwilligen Rücktritt wollte man auf ferne Mitarbeit nicht verzichten und ernannte ihn zum Rechner der Orts- und Landkrankenkasfe des Bezirks Lich. Sein Beruf führte ihn öfters in die umliegenden Dörfer, und hier, wie in der Stadt, erwarb er sich, der bis in fein Alter hinein mit einem köstlichen Humor au&geftattet mar, die Liebe feiner Mitbürger und die Anerkennung der Behörde, bis er im Jahre 1934 nach Erreichung der Altersgrenze in dm Ruhestand versetzt wurde. Bis« zum letzten Jahr war er sehr rüstig, und selbst im Alter von 73 Jahren noch nahm er bis in kühle Herbsttage hinein sein tägliches Bad im Albacher See. Sein einziger Sohn, der Studienrat und Dozent an der Universität Gießen, Dr. Fuhr, starb vor einem Jahr an den Folgen einer Blinddarmentzündung. Don diesem Schicksalsschlag hat sich der alte Herr nicht mehr erholt. Er starb im Alter von 74 Jahren. Das Andenken an ihn wird hier und in der Umgegend in hohen Ehren fortleben.
An her Kreissäge schwer verunglückt.
* Steinheim bei Hungen, 3. Dez. Bei Arbeiten an der Krektzsäge verunglückte am gestrigen Montagnachmittag der 46 Jahre alte Landwirt Wilhelm Stoll von hier schwer. Dem de-
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Nomcm von fjelnj üormz-Lamvrechl
8.Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Viktor dreht sich ebenfalls herum: „Was sagst du?"
„Die Tür dort", Solterbeck nickt schwach nach der Tür hin. „Ich möchte wissen ..." Er-bricht ab und sagt in verändertem Ton: „Tolle Hitze, das! Ich zieh mich zurück. Kommst du mit hinunter?"
Sie gehen am Schutthaufen vorbei und lassen den Lärm hinter sich. Im überbauten Torweg liegen Kantine und Latrine einander freundschaftlich gegenüber. Beim Mestizen, der die Kantine und die Küche gepachtet hat, steht der Händler und Photograph Damiani. Auch der Zitteraal steht dabei und einige Gefangene, die offenbar eine erregende Nachricht erhalten haben. Sie wird gleich den beiden Kameraden mitgeteiU: „Neue Gefangene sollen an- kommen. Damiani will es von Regionalkommandanten, dem nächsten Vorgesetzten Kapitän Pesque- dous, erfahren haben. Damiani ist immer ganz gut informiert. Durch feine Beziehungen zum „Regional" hat er auch das Verkaufs- und Photographierrecht im Lager erhalten. Vermutlich verdiene auch der Regional bei dem Geschäft eine kleine Stange Geld, munkeln böse Zungen.
Damianis offiziöse Nachricht putscht vorübergehend den trägen Gefangenentrott etwas auf. Die meisten ärgern sich über den in Aussicht stehenden Zuwachs. Sie ärgern sich, weil sie sich ärgern wollen. Wo sollen denn Überhaupt die Neuen untergebracht werden? Man hocke doch ohnehin schon auseinander wie die Heringe und nehme sich gegenseitig die Luft weg.
Damiani hat Solterbeck mit der Grazie eines Tanzmeisters begrüßt, die bei dem kleinen Männchen mit dem hochgewölbten Rücken, der riesigen Nase und dem napoleonischen Knebelbart grotesk genug wirkt. Er ist ein gerissener kleiner Hanswurst mit seinem breitrandigen Kalabreser, den weiten Hosen und der gepunkteten flatternden Künstlerkrawatte.
nBuon giorno, generalissimo miol“ ruft er pa
thetisch. „Bon jour mon Chevalier sans peur et sans reproche bon jour!“
Solterbeck, der nur das allernotwendigste Französisch spricht, klopft ihm mit unbeschreiblichem Grinsen auf den runden Buckel: „How do you do, alter Seeräuber, alter Raubritter, altes Stinktier!"
Damiani zieht ihn auf die Seite und zaubert im Handumdrehen aus seinem Handköfferchen eine Anzahl dunkelblauer Wollsweater, von denen er sogleich einen feinem Ritter ohne Furcht und Tadel andrehen will.
„Alter Waschbär", grinst Solterbeck, „dest defen- du! Das ist Zivil, das darfst du nicht verkaufen!" , „Oh lälä, cfefendu! Pfffühhh —!" pfeift Damiani wegwerfend mit verdrehten Augen.« „Nix dgfenduf Nix Zivil. Blanchissage — Wäsche das, vous com- prenez?"
Solterbeck kauft ihm einen ©meuter ab und bezahlt ihn viel zu hoch. Er hat Ursache, sich den Händler warm zu halten.
„Uebrigens" bemerkt er zu Viktor, als er mit diesem weiter nach dem Jnnenhof zugeht, „übrigens tut ein solcher Sweater bei einer Flucht ganz ausgezeichnete Dienste. Diese Dinger da werden von den Matrosen auf den Schiffen getragen, sie sind praktisch und unauffällig. Besser als jede Joppe."
Auf dem Hof riecht es aus der Küchentür heraus nach gekochten Kartoffeln. Die Gefangenen vermeiden es, in das Küchengewölbe hineinzufehen. Die es am Anfang taten, verloren für einige Zett den Appetit. Da standen der Mefttze, der Zitteraal und der Affenmensch am Kessel, fischten mit ihren schmutzigen, gichtigen Fingern die Fleischbrocken her» aus und warfen sie auf Ne Platten, die nachher ins Kasino kamen. Man sah besser nicht in die Küche.
Offenbar hat man die häßlichsten Individuen der ganzen Insel zusammengesucht, um sie unter Leitung des Mestizen, eines halbmeißen, wollköpfigen und pockennarbigen Ungeheuers als Küchenpersonal auf der Zitadelle zu beschäfttgen. Da man ihre Namen nicht kannte, so belegte man sie mit Spitznamen, die zu ihrem Aeußeren paßten und manch- mal drastisch genug waren. Der widerwärtigste war der Zitteraal, ein Bastard von großer Häßlichkeit. Obwohl hageldürr, zitterten seine Glieder ständig wie Gallert, als ob die Gelenke mit Gummistrippen miteinander verbunden wären. Der Affenmensch hatte den wildesten Haarwuchs am ganzen
sichtbaren Körper (er ließ davon meist sehr viel sehen), und an entsetzlich langen Armen hingen Pranken, mit denen er sich an den Fußsohlen kitzeln tonnte, ohne sich allzu sehr zu bücken. Alle diese Burschen waren als Abnormitäten reif für ein Wanderpanoptikum.
Da es Essenszeit ist, gehen Solterbeck und Viktor gleich ins Kasino neben der Küche. Es liegt drei Stufen unter der Erde, ein muffiger, ewig feuchter Raum, mit einem vergitterten, holzverblendeten Fenster nach dem Meer zu und einer Hintertür in die Latrine. Stubenweise sitzt man auf langen Bänken an plumpen Holztischen, um den ewig gleichen Fraß hinabzuschlingen. Zähes Fleisch — Pferd ober Hammel —, süße erfrorene Kartoffeln in der Schale ober faulen Reis.
Beim Essen heute gibt es wieder eine kleine bedeutsame Neuigkeit. Bork hat vorhin seine Geige an den Eisenstangen seines Stubenfensters zerschlagen. Bork ist ein stämmiger junger Pionierleutnant, bei besten klobigen Händen man sich wundert, wie behutsam und leicht sie den Geigenbogen führen können. Er stand auf dem Sims, hört man einen erzählen, und starrte wie behext nach einer der beiden Huldinnen, die sich häufig und im verführerischsten Negligs an einem ber Fenster des Miethauses gegenüber der Zitadelle zeigten — herausfordernd und höhnisch zugleich.
„Dann hat Bork seine Geiae geholt und die Circe damit angeschmachtet ...
„Kitsch!" murmelt Solterbeck zwischen den Zähnen.
„Dann hat sie chm eine Nase gedreht ..." „Bravo!"
„Dann hat er auf einmal den Rappel gekriegt und seine Geige an den Eisenstäben zerschlagen."
„Rindviech!" erbost sich Solterbeck. „Die blöden Ziegen sind doch Luft für uns. Lust! Lust! Wie alles, was außerhalb der Zitadelle liegt."
Das Scheinleben der Gefangenen tieft sich mit mattem Pulsfchlag weiter durch den Tag. Viktor liegt am Nachmittag auf der Bastion in der Sonne. Seine Gedanken sind weit fort, überm Meer, über den Bergen, in der ehemaligen Garnison am Rhein, bei Thea Jmmenhoff, bei den alten Kameraden, beim alten Regiment.
Um sieben Uhr ist das Abendessen, danach ber Appell. Alles ist wie jeden Tag. Die Gefangenen
hintereinander zwei Eckbälle für die Gäste, die ebenfalls nichts einbringen. Eine weitere Gelegenheit zum Ausgleich ist gegeben, als Arnold den Ball über den Torhüter hinweghebt, aber etwas zu start, so baß ber Ball unmittelbar hinter ber Querlatte aus dem Netz landet. Dann setzt Zidorn die Außenstürmer roieber ein, ber Ball kommt zu Möbs, ber hervorragend täuscht und bas Leber zum 2. Erfolg einlenkt. Die- Teutonen versuchen immer wieder, das Resultat zu verbessern, doch hart stemmt sich ihnen die Verteidigung Wetzlars entgegen. Dann kommt Wetzlar zum 3. Erfolg. Aus klarer Abseitsstellung nimmt ber gefährliche Links- außen Robe einen Ball auf, und als ber Schiebs- richter nicht pfeift, läuft er noch einige Schritts, und ungemein scharf sitzt der Ball im Netz. Auch ber 4. Treffer kommt auf bas Konto dieses Spielers.
Nach ber Pause sind die Gäste meist im Angriff, boch Wetzlar verteidigt stark. Möbs und Mühlhäuser, die beiden Halbstürmer, sind überall. Sie helfen in ber Verteidigung aus, bauen das Spiel auf und tauchen auch vor dem gegnerischen Tor auf. Dann hält Wetzlars Torhüter hintereinander scharfe Schüsse von Harnisch, Schmitt und Arnold. Endlich kann Arnold auf 4:1 verkürzen. Dann werben Schmitt und Harnisch kurz hintereinanber im Strafraum hart zu Fall gebracht, doch Schiri Best läßt weiterspielen. Jetzt kommt Wetzlar zur 1. Ecke. Blech tritt den Ball, und Möbs lenkt ihn mit dem Kopfe in die äußerste oberste Torecke zum 5. Erfolg ein. Der 6. Treffer rührt ebenfalls aus einem Eckball her. Wieder wirb er von rechts schön vor bas Tor gegeben, der Torhüter ber Teutonen wird von einem Wetzlarer Stürmer bebrängt und lenkt den Ball ins eigene Tor. Dann drücken aber die Gäste bis zum Schluß, und sieben Minute vor Spielende bleibt es Arnold Vorbehalten, bas Endresultat von 6:2 herzustellen. Wetzlar gewann dieses Spiel verdient und nimmt nunmehr wieder die Tabellen» spitze ein.
Oer Hardballsonntag.
Es gab auch diesmal wieder eine Reihe von Ueberraschungen, d. h. Ergebnisse, die für viele unerwartet kommen. Wer hätte beispielsweise angenommen, daß der Mtv. Gießen gegen. Katzenfurt verhältnismäßig leicht gewinnen würde, wer hätte an eine Niederlage von Garbenheim in Kirch-Göns gedacht, ober wer hätte erwartet, baß Hörnsheim knapp gegen Dornholzhausen und Hochelheim gegen Lützellinden gewinnen würden. Nachstehend die Ergebnisse:
Tv. Lützellinden — Tv. Hochelheim 7:9 (3:6) Tv. Hörnsheim — Tv. Dornholzhausen 11:10 (6:2) INtv Gießen — Tv. katzenfurt 9:3 (4:2) Tv. Kirch Göns — Tv. Garbenheim 12:10.
Ein Spiel, wie man es nicht gern sieht, das aber weder etwas mit einem Lokalkampf, noch mit einem Treffen der Pflichtrunde zu tun hat, lieferten sich Lützellinden und Hochelheim. Die Platzbesitzer gingen derart ins Zeug, daß nur ganz selten ein wirklich einwandfreies Spiel zu sehen war Nicht zuletzt deshalb zogen sie den kürzeren.
Demgegenüber war das Hörnsheimer Spiel spannend und interessant vom Beginn an. Während Hörnsheim in ber ersten Halbzeit den Ton angab, sein tatsächliches Können mehr als deutlich unter Beweis stellte, kam D. nach der Pause mehr und mehr auf und zeigte sich — mit Ausnahme schlechter Zusammenarbeit im Sturm — von ber besten Seite. Immerhin ist ber knappe Sieg nicht ganz unverdient.
In Gießen traten beide Gegner stark ersatzgeschwächt an und waren so gegenüber ihren sonstig.'» Leistungen nicht wiederzuerkennen. Immerhin setzten sie sich ein und zeigten bis zum Schluß recht gefällige Leistungen, die bann auch den Sieg ber Männerturner brachten.
Die größte Ueberraschung kam zweifellos in Kirch- Göns zustande. Man hatte allgemein mit einem Erfolg ber Gäste gerechnet, zumal bie Mannschaft gerade in letzter Zeit zu einer ganz ausgezeichneten Form gekommen mar. Diesmal klappte es aber nicht überall, so daß der Sieg der Platzbesitzer, die Verstärkungen herangezogen hatten, oerstänblich wirb.
In der 2 Klasse kam Lang-Göns zu einem hartumkämpften Sieg von 9:7 (4:2) in Atzbach und damit zu dem Sieg in ber Staffel 2. Der Einsatz war beiderseitig sehr groß, und oft lag eine Aenderuna des knappen Sieges in der Luft. Mit etwas Glück konnten die Gäste aber schließlich gewinnen.
Weitere Ergebnisse:
Mtv. Gießen Jgd. — Tv. Holzheim Jgd. 4:4 (2:2) Tv. Dutenhofen Jgd. — To. Atzbach Jgd. 6:5 (4:2).
find in zwei Gliedern angetreten, die Flügel zum Karree umgebogen. Der Kapitän mit dem Dolmetscher und zwei Sergeanten tritt in den Hof, in bie Mitte vor die Gefangenen. Der Kapitän und seine Suite grüßt, die Gefangenen grüßen zurück. Die Höflichkeit wird auf jeden Fall gewahrt.
Die Namen werden von der rechten Flügelgruppe ab verlesen. Ein befangener nach dem andern ruft sein „Hier!", tritt zwei Schritte vor. Schrittweise rückt der Dolmetscher nach rechts.
Gleich wird die Gruppe Peddinghusen an der Reihe sein.
Viktor steht links neben Solterbeck. Vor oierund- zwanzig Stunden stand er da oben am Fenster und sah auf die Mützenteller herab. Heute fühlt er sich wieder ganz in Ordnung. Nein, ihm fehlt nichts.
Gleichgültig sieht er auf den Sergeanten links hinter dem Kapitän. Er hat den Namen „ber Säulenheilige" bekommen. Viktor denkt, daß ber Name gut zu ihm paßt. Sein Gesicht ist stur wie eine Maske, kalt wie aus Stein, mit den schwarzen reglosen Augen und dem schwarzen Dollbart sieht er aus wie ein gefrorener Asket.
Plötzlich zuckt Viktor wie vom Blitz getroffen zu« fammen. Etwas durch nichts Vorbereitetes und Eingeleitetes geschieht. Vor seinen Augen verschwindet der Säulenheilige. Nein, er verschwindet nicht. Seine eine Hälfte ist noch deutlich zu sehen, die andere Hälfte aber wird verdeckt von einer Gestalt, die aus dem Nichts entstanden, die aus dem Boden gewachsen zu fein scheint.
Helf, Gott, jetzt wird er wirklich wahnsinnig. Da steht eine Gestalt, die vor einer Sekunde noch nicht da gestanden hat. Eine Frauengestalt, ein Mädchen. In der Lücke zwischen dem Kapitän und dem Säulenheiligen?
Thea ...’ Ist es wirklich Thea? Ist es denn überhaupt Wirklichkeit? Viktor ist unfähig, sich ZU bewegen, auch nur die Augen zu reiben ober mit ihnen zu zwinkern. Wie in einem Starrkrampf steht er. Aber er ist hellwach unb bei völlig klaren Sinnen. Er hört, während er wie behext auf die Erscheinung starrt, wie der Dolmetscher die Namen verliest, wie die Kameraden, dicht neben ihm schon, ihr Hier rufen.
„Rittmeister Peddinghusen!"
(Fortsetzung folgt.)


