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Fluß- und Grabenrändern des Jägers Beute.

In der zweiten Hälfte des Monats sehen meist die Waldjagden ein. Sie gelten vor altem dem Hafen, der dann, wenn draußen Ernte und Aus­saat im Gange sind und das Feld wimmelt von Menschen, gern in das ruhigere Holz rückt. Es kommt die Zeit, wo Hörnerklang, Hündelaut und Büchsen­knall sich zu einer Musik vereinigen, die die Jagd im Herbst immer wieder kennzeichnet.

Auch der Fuchs kommt dabei vor die Schützen. Schade darum, wenn er zu früh geschossen wird. Denn in wenigen Wochen, wenn es erst wieder kälter geworden ist, trägt er einen vollwertigen Balg, wäh­rend dieser im Oktober nochgrün" zu sein pflegt.

Der Tisch des D a ch s e s ist reich gedeckt. Die Folge davon ist eine mächtige Schicht vonWeiß", die Schmalzmann sich für den Winter zulegte. Nun ist die rechte Zeit zum Graben da.

Bunt und vielseitig ist der Jagdkalender im Oktober, groß sind die Weidmannsfreuden, die der Monat verspricht. Daß darüber die Hege nicht vergessen werden darf, ist dem wirklichen Weidmann eine Selbstverständlichkeit. Neben richtigem Abschuß be­steht sie vor allem in der Vorsorge für den Winter.

Aus »er Stadt Gießen. Steuerzahlung als Miet zur Kriegsfinanzierung.

Schwarz oder Weiß.

In einem deutschen wissenschaftlichen Institut wurde vor einigen Jahren folgender Versuch vor­genommen. Man fütterte 83 Natten mit Weiß­brot und andere 83 Ratten mit Roggenbrot, worauf sich herausstellte, daß dieWeißbrotratten" es nur auf eine durchschnittliche Lebensfrist von 79,9 Tagen brachten^ wogegen dieRoggenbrot­ratten" im Mittelwert 129,7 Tage lebten. Dann kamen Mäuse an die Reihe, und auch auf sie wirkte das Schwarzbrotessen lebensverlängernd ein, sogar noch auffallender, denn während dieWeißbrot- mäuse" im Mittel 52,4 Tage lebten, wurden die Roggenbrotmäuse" 135 Tage alt. Die höchste Le­bensdauer der Weißbrotesser betrug 167 Tage, aber die von 8 Schwarzbrotverzehrern 320 Tage. Das erklärte sich ganz einfach damit, daß die Tiere, tue ausschließlich Weißbrot fraßen, viel anfälliger ge­gen Krankheiten waren als die Versuchstiere, denen man Schwarzbrot verabreicht hatte. Allerdings wurden dieweißen" Tiere dicker als die Roggen­brotesser, aber dadurch wurde ihre Lebenskraft keineswegs gefördert, da nicht eines von ihnen die hohe Lebensgrenze derSchwarzbrotmäuse" er­reichte. Die Gewichtszunahme durch Weißbrotessen stimmt auch so ziemlich auf den Menschen, denn vom Schwarzbrotgenuß wird man nicht dick, da die ver­dauungsfördernde Wirkung des dunklen Brotes überflüssigem Fettansatz schon von vornherein vor­beugt. ä

Nun besteht zwischen dem Körper des Nagetiers und dem des Menschen freilich ein großer Unter­schied, aber daß Rogaenbrotgenuß auch auf den Menschen in mehrfacher Hinsicht anders einwirkt als weißes Brot, ist ebenfalls längst bewiesen. Be­gründen läßt sich diese Tatsache vor allem wohl da­mit, daß das Roggenbrot mehr Eiweiß enthält als das Weißbrot. Das im Roggenbrot verbackene Mehl führt dem Körper durch seinen Kleiegehalt aber nicht nur mehr Eiweiß und wertvolle Mineralsalze, son­dern auch bis zu 7,07 v. H. Reinasche zu, woraus hervorgeht, daß der Mensch, wenn er dunkles Brot ißt, damit wirklich ein gutes Teil von lebenswichti­gen Nährstoffen zu sich nimmt. Denn auch an Vita­minen ist Schwarzbrot reicher als weißes Brot, da es die Vitamine A, B und C enthält, Wogegen den hellen Brotsorten Vitamin C überhaupt fehlt.

Allerdings muß dunkles Brot stets genügend ausgebacken fein und die normaleGare" und Sauer" aufweisen, zugleich muß auch die Back­fähigkeit des Mehls berücksichtigt werden. Wenn aber dunkles Brot beweist, daß der Bäcker sein Handwerk verstand, so mundet es jedem gesunden Menschen, und zwar gerade, weil sich der leicht säuerliche Geschmack meistens auch der Zukost gut anpaßt. Den Sättigungswert des Brotes kann man durch Rösten erhöhen, weil die durch die Hitze ge­bildete Kruste länger im Magen bleibt als die weiche Krume. Daß sich'aber auch beim Brotessen eines nicht für alle schickt, versteht sich von selbst. Denn während dunkles Brot, das sogenannte Vollkorn­brot, für den ftraff arbeitenden Gesunden eine kraft­spendende Nahrung bedeutet, kann sich der darm- sckchmche oder ältere Mensch mit dem besten Millen nichthineinessen" und wird deshalb den helleren Brotsorten den Vorzug geben.

Das Brot hat im Laus der Zeit manche Wand­lungen mitgemacht, aber Brot ist Brot geblieben, ob es nun vor 5000 Jahren in Form flacher, runder, zolldicker Fladen unter der heißen Asche gebacken wurde oder in einer modernen Bäckerei hergestellt wird, wo sich seine Bestandteile auf dem laufenden Band in den Brotlaib verwandeln. Das Fladenbrot der Pfahlbauern, ungesäuert und nur aus grob mit demKornquetscher" vermahlenem Mehl, Salz und Wasser, bestehend, mag freilich eine mehr handfeste als schmackhafte Kost gewesen sein. Bei den alt­germanischen Volksstämmen lag das Brotbacken ausschließlich in den Händen Der Hausfrauen und Mägde, wenn auch der Herr des Hauses derBrot- wart" genannt wurde. Aber vom frühen Mittel- alter ab wurde das Brotbereiten zum Handwerk der Männer und gehört deshalb auch zu unseren ältesten Handwerkszweigen. In Mainz befand sich schon im Jahr 870 eine Bäckerei, und daß die Deut­schen das Backen gut verstanden, läßt eine Schrift aus dem Jahr 1000 erkennen, in der bereits sechzehn Brotarten genannt werden.M. A. v. L.

Von dem Vorsteher des Finanzamtes Gießen wird uns geschrieben:

Im Gegensatz zum Weltkrieg 1914 ist die Finan­zierung des gegenwärtigen Krieges zu einem be­trächtlichen Teil durch Steuern erfolgt. Das Steuer­aufkommen hat sich von 1933 bis jetzt vervierfacht und ist von rund 6 auf 24 Milliarden in die Höhe gegangen. Wenn schon nach nationalsozialistischer Auffassungrichtige und p ü n k t l i ch e S t e u e r- zahlung eine vordringliche Staats­bürgerpflicht und ihre Vernachlässigung ein chweres Vergehen gegen die Allgemeinheit ist, so muß dieser Satz im Kriege doppelt gelten. Denn jede Steuerzahlung ist ein Beitrag zur Krieas- inanzierung und ein Versicherungsbeitrag für Le­ben und Existenz jedes einzelnen und seiner Fa­milie. v

Immer wieder muß aber festgestellt werden, daß diese Erkenntnis noch keineswegs s o Allgemeingut ist, wie es notwendig ist. Immer wieder glauben Volksgenossen, bei der kleinsten Störung in ihren Verhältnissen sofort die Steuerzahlung einstellen zu können. Es muß immer wieder festgestellt werden, daß Geschäftsleute Me Steuerzahlung an die letzte Stelle rücken, daß also versucht wird, jede Stockung in den Eingängen sofort der Allgemeinheit aufzu­bürden durch Einstellung der Steuerzahlung, wah­rend alle privaten Verpflichtungen pünktlich erfüllt werden.

Das kann selbstverständlich am wenigsten un Kriege geduldet werden. Werden andere Verpflich­tungen erfüllt, dann muß natürlich die Steuerzah­lung vordringlich geleistet werden. Es kann selbst­verständlich dem Steuerpflichtigen auch zugemutet werden, Kredit für Steuerzahlungen in Anspruch zu nehmen, genau so, wie er ihn für andere Ver­pflichtungen in Anspruch nimmt. Stundung von Steuern kann daher nur in Ausncchmefällen ge­währt werden. Handelt es sich um Steuern für Einkommen und Umsatz aus dem vorigen Jahr, dann muß erst recht diese Zahlung geleistet werden,

denn sie war vorauszusehen und der Steuervflich- tige ist auf die Zahlungspflicht ausdrücklich hinge­wiesen worden. Haben sich die Verhältnisse wesent- lief) geändert und verschlechtert, dann kann eine Her­absetzung der Vorauszahlung beantragt werden. Stundungen und Vorauszahlungen müssen aber auch r e ch t z e i t i g, d. h. vor Fälligkeit, beantragt werden.

Zur Erzwingung der pünktlichen Steuerzahlung ist von der Reichsregierung ein Steuersäumnisgesetz erlassen worden. Es wird ein Säumniszuschlag bei nicht pünktlicher Steuerzahlung erhoben. Der Zu­schlag tarnt, da er sich nach der Höhe des Betrages richtet, ziemlich beträchtlich sein. Entgegen der weit­verbreiteten Auffassung ist irgend ein V er sch ul- d en nicht Voraussetzung für die Erhebung des Säumniszuschlages, lediglich die Tatsache der nicht pünktlichen Steuerzahlung löst den Säutnnis- zuschlaa aus. Die Angabe also und auch der Nach­weis, oaß ein Verschulden nicht vorliegt, ist kein Anlaß zum Erlaß des Säumniszuschlages. Bei sonst immer pünktlichen Steuerzahlungen ist das Fi­nanzamt ermächtigt, einmal von der Erhebung des Säumniszuschlages abzusehen, dann aber kann nicht mehr davon abgesehen werden. Ausdrücklich ist festgelegt, daß, wenn Stundung erst nach Ein­tritt der Fälligkeit beantragt wird, selbst wenn sie bewilligt wird, der Säumniszuschlag verwirkt bleibt. Es kann daher nur dringend geraten werden, die Steuerzahlung nicht auf den letzten Termin zu verschieben, wobei immerhin Verzögerungen möglich sind, sondern schon vor dem letzten Termin zu bezahlen, den Banken auch nicht den letzten Termin als Zahlungstermin anzugeben, sondern einige Tage früher.

Auf die Erleichterungen des bargeldlosen Ver­kehrs, des Dauerauftrags an Banken, Sparkassen usw. zur Steuerzahlung, insbesondere aus das Ab­buchungsverfahren, wird hingewiesen. Die Geld­institute geben darüber bereitwilligst Auskunft.

Oie Jagd im Oktober.

Der Herbst, die Hauptjagdzeit des Jahres, hat begonnen. Das Jungwild ist schußreif geworden, die Felder sind leer, der Wald beginnt im Mittags- sonnenschein in bunten Farben zu leuchten, es ist die Zeit gekommen, von der ein Jägerdichter sang: O könnt' es Herbst im ganzen Jahre bleiben, das mär' es, was mein Herz begehrt!"

Im Hochwildrevier ist die Brunft des Rotwil­des noch im Gange. In kalter Nacht dringt das Röhren der Hirsche an des Jägers Ohr, der auf den alten Abschußhirsch oder auf den starken Hirsch weid- werkt, der sein Hegelohn werden soll.

Auch das Damwild ist m seine hohe Zeit ge­treten, und der Weidmann hofft auf den starken Schaufler als das Zeichen von Dianas Gunst.

Bis zur Monatsmitte darf auch der R e h b o ck noch besagt werden, der nun bald wieder sein leuch­tend rotes Kleid mit dem grauen des Winters ver­tauscht.

Neben dem männlichen Wild hat auch das weib­liche Wild nebst Kälbern und Kitzen der genannten Wildarten Schußzeit. Den auferlegten Abschuß zu erfüllen, muß unter den heutigen Verhältnissen im Interesse der Ernährung, wie der Wildschadensver­hütung Pflicht sein. Nach den Grundsätzen der Jagd- ausübung im Zeichen des Reichsjagdgesetzes muß auch dabei der Auslesegedanke maßgebend sein: Er­haltung und Förderung des Starken, Ausmerze des Schwachen. Wenn dieser Gedanke nur beim männ­lichen Wild befolgt, aber beim weiblichen vernach­lässigt würde, dann könnte das Endziel nie erreicht werden, ein an Wildbret und Kopfschmuck in gleicher Weise starkes Wild heranzuziehen. Daß diese Auslese beim weiblichen Wild wesentlich schwerer ist und größere Revierkenntnisse erfordert, dürfte unbestritten "fein. Deswegen sollte dieser Abschuß gerade nur von den besten Jägern durchgeführt werden und nicht als zweitrangig gelten.

Wenn die Kartoffeln reif sind, die Eicheln und Bucheckern fallen, bann hat das Schwarzwild gute Zeit, es wird feist.

Gleich ihm kann das Muffelwild beiderlei

Geschlechtes während des Gilbhardt besagt werden, das ja in einigen oberhessischen Revieren auch Stand­wild geworden-ist.

Die Hühnerjagd ist noch im Gange, aller­dings nur bis zur Monatsmitte. Durch diese wesent­liche Verkürzung der Jagdzeit auf vier Wochen wird die beste Gewähr dafür gegeben sein, daß die Ver­luste des letzten Winters bald wieder ausgeglichen werden. Eine Voraussetzung dafür wird allerdings auch fein, was der Revierinhaber unternimmt, um den Besatz durch den Winter zu bringen. Hier ist zei­tige Vorsorge unbedingtes Gebot!

Beim Fasan ist der Oktober der Hauptjagd­monat, in dem in den großen Fasanenrevieren die großen Jagden ftattfinben. Seine Bejagung muß vor allem auch unter dem Gesichtswinkel betrachtet wer­ben, baß ber Fasan berufen ist, bas Feldhuhn zu ersetzen, falls dessen Rückgang offenbar im Zusam­menhang mit der Maschinenkultur so anhält. Der Fasan als Hecken- und Holzbrüter ist dieser Gefahr lange nicht so ausgesetzt. Die Ansätze zu besseren Fasanenbeständen sind bei uns vielfach vorhanden; nun gilt es, durch vorsichtige Bejagung unter weit­gehender Hennenschonung darauf weiterzubauen. Da der Fasan nach dem Grundsatz lebt, daß dort seine Heimat ist, wo es ihm gut geht, ist rechtzeitige uyd ausreichende Winterpflege eine Voraussetzung für den Erfolg.

Der Zug der Enten ist im Gange, die Mauser ist beendigt, die Breitschnäbel tragen ihr Pracht­gewand, so wie sie der Jäger gern am Galgen sieht. Noch ist alles Wasser offen, so daß ihre Bejagung an Teichen, Flüssen, Bächen und Gräben in gleicher Weise erfolgen kann.

Auch die Ringeltauben sind noch da und fallen vor allem dort gern ein, wo Eicheln ober Buch­eckern reifen.

Die Walbschnepfe ist auf dem Zug und läßt sich beim Buschieren vor dem Hund oder auch im Treiben besagen.

Auch ihre kleineren Verwandten, die Sumpf- s ch n e p f e n, werden in nassen Wiesen und an

@ Nierenleiden

Ich war jahrelang mit einem Nieren­leiden behaftet, hörte dann von der Heilquelle Karlssprudel. Der Erfolg war 100°/0ig.lch habe seit 1935 keiner­lei Beschwerd. mehr gehabt. W. Röhl, Wirtschaftsber., Rostock, Rich. Wagner-Str. 17. 4.2.38. 25 große Flaschen RM. 14.-, 50 große Flaecnen RM. 24.-, dazu Pfand. Lieferung frei Haus. Heilquelle Karlssprudel, Biskirchen 267A Wer jetzt bereits seine Fütterungen für bas Feber» wilb anlegt, mit etwas Kaff beschickt und immer in Ordnung hält, braucht keine Angst zu haben, daß bei raschem Wintereinbruch sein Wild nahrungsuchend herumirrt. Fütterungen für Schalenwild lassen sich jetzt besser bauen als später, und das Wild gewöhnt sich an dieNeuerscheinungen" in der Nähe feiner Einstände und Wechsel.

In Gestalt von Kastanien und Eicheln kommen alljährlich große Mengen von wertvollen Futter­mitteln zu. Was im Walde fällt, kommt ja meist dem Wild zugute. Anders mit den Früchten von Straßen- und Parkbäumen, für deren Sammeln der Jäger unbedingt besorgt fein sollte. Sie stellen ein wert­volles Winterfutter dar, ohne sonst die Ernährungs­wirtschaft zu belasten. Hubertus.

Dornotizen.

Tageskalender für Donnerstag.

NSG.Kraft durch Freude": 19.30 bis 22 Uhr im StadtheaterPaganini". Gloria-Palast, Selters- weg:Achtung! Feind hört mit!". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Falstaff in Wien".

Sladtlhealer Gießen.

Am heutigen Dienstag findet eine Aufführung vonPaganini", Operette von Franz Lehar, als geschloffene Vorstellung für KdF., 16er Ring, 1. Vor­stellung, statt.

Ortszeit für den 4. Oktober.

Sonnenaufgang: 7.31 Uhr, Sonnenu.ntergan.gr 18.55 Uhr; Mondaufgang: 11.15 Uhr, Mondunter­gang: 20.36 Uhr.

Don der Kreisleitung Wetterau.

Kreispropagandaleiter Rahner, der seit Fe­bruar 1939 als Kreispropagandaleiter-bei der Kreis­leitung Wetterau in Gießen tätig war, ist ab 1. Oktober zur Dienstleistung im Gau Danzig-W est- preuhen berufen worden. Er übernimmt dort das Amt des Kreisgeschäftsführers der NSDAP, in Karthaus. Die Dienstgeschäfte des Kreispropaganda­leiters bei der Kreisleitung Wetterau werden bis zur Berufung eines neuen Kreispropagandaleiters von dem Hauptstellenleiter für aktive Propaganda, Kadel, in Gießen wahrgenommen. In einer schlichten Ad-schied sfei er für Pg. Rahner würdigte Kreisleiter Backhaus die Verdienste des Schei­denden im Kreise Wetterau mit warmen Worten der Anerkennung, wobei er betonte, daß Pg. Rah­ner sich während seiner Tätigkeit in Oberhessen als vorbildlicher Mitarbeiter und Parteigenosse mit ausgezeichneten charakterlichen Anlagen bewährt habe. Ortsgruppenleiter Thomas widmete dem scheidenden Angehörigen der Ortsgruppe Gießen- Nord herzliche Abschiedsworte.

Hilfert gibt einen zischenden Laut von sich und beißt knirschend auf feinen Pfeifenstiel, den er kalt zwischen den Zähnen hält:Der Schädling!"

Wahrhaftig, ein böses Gehörn ist das! Hoch, dünn, hell, ohne Enden, ganz eng gestellt, wie zwei Speere: die typische Waffe einesMörders". Aber nicht das allein ist es, daß er die anderen ge­fährdet. Er gefährdet auch die Raffe, auch die, die später kommen. Er vererbt die schlechte Gehörn­anlage weiter.

Auffordernd brummt Hilfert. Dennoch zögert mein Bruder, die Büchse an den Kopf zu nehmen. Es ist schon schummerig, ist die Zeft, in der der starke alte Bock kommen muß. Soll man hier mit Schuß und Schweiß die Gegend beunruhigen und den Heim, lichen vielleicht für immer vergrämen? Und doch, es muß sein. Hege geht über die Knochensammlung an der Wandj

Der Schadbock zieht langsam weiter auf die Wiese heraus in Richtung auf die beiden geringen Böcke!

Hämisch und bösartig leuchtet sein Gehörn gegen den dunklen Hintergrund des Waldes.

Jetzt steht er breit. Das Blatt ist frei. Langsam, geräuschlos hebt sich neben mir die Büchse. Der Finger am Abzug zieht leise an, verhält einen Augenblick am Druckpunkt, biegt sich dann weiter krumm. Donnernd haut der scharfe Knall in den stillen Abend.

Der Bock liegt im Feuer. Alle Rehe sind flüchttg zu Holze geprescht. Aber unter der Birke im schma­len Schattenband des Wechsels,uvas ist das? Wie eine Erscheinung steht es da hohes, starkge- perltes Gehörn, dessen weiße Enden breit ausein- anderstehend über den Lauschern leuchten. Eisgran das Gesicht darunter, das auf die Wiese hinaus gewandt ist. Statuenhaft, einer Sage entronnen.

Und dann nichts mehr. Wie hingezaubert und weggewischt ohne Laut, ohne Knacken. Der Alte! Der starke, heimliche Bock, der Weise im Revier.

Er hatte gerade jetzt Zeit, wartete klug, bis alle Rehe draußen waren, und wollte dann, wenn kei­nes ein Zeichen der Gefahr gab, selbst heraustreten mit seiner kostbaren, königlichen Krone.

Nun wird er wohl wochenlang den Wechsel un­ter der Birke meiden. Denn von da, wo ber Schäd­ling in Hahnenfuß und Gelbklee liegt, wird noch lange die Witterung von Schweiß und Tod alles Wild in der Umgegend vergrämen. Die Ricken werden vielleicht schon übermorgen vertraut an derselben Stelle äsen. Der alte, erfahrene Bock mit der starken Krone aber nicht.

geheftet. Der Verfolger ist stärker an Wildpret, hat vollkommen verfärbt und trägt auf dem Kopf sein helles, hohes Gestänge, Sechsergehörn.Dünn in den Stangen und schlechte Rosen", murmelt Hilfert hinter uns fast unhörbar.Ich kenn ihn, er is noch jung."

Sehr ernschaft ist der Kampf der beiden noch nicht. Siescherzen". Wenn sie eine wesentliche Rolle im Besitz von Frauen mttspielen würden, wäre es anders. So aber wollen diese Primaner nur ihre mächtigen Kräfte und ihren unerhörten Mut ein wenig vor dem schönen Geschlecht sehen lassen. (Wenn ein starker Bock in der Nähe wäre, ließen sie diese Tänze hübsch bleiben!) Die hustende Ricke zieht eine Weile sachlich herüber. Die Kitz- Mutter dreht gelangweilt ihren Kopf zur Seite und beginnt wieder zu äsen.

Dabei strengen die zwei Krieger sich gewaltig an. Sie halten die Köpfe schräg, plätzen nut den Vor­derläufen auf dem Boden, daß die Grasfetzen nur so nach hinten fliegen, legen giftig die Gehörne an und beöräuen sich gegenseitig mit ihren üppigen Gehörnen. Dann richten sie sich steil auf den Hinter - läufen auf. Sie fallen aber nicht gegeneinander, vermeiden vorsorglich den Anprall und lehnen erst, als sie wieder auf allen Vieren stehen, die Gehörne behutsam aneinander.

Plötzlich rennt der Sechserbock den Kleinen von der Seite an. Der aber witscht gewandt zur Linken aus und bietet immer nur seine Spießen dar. Schließlich jagen sie sich rundum. In rasenden Krei­sen geht die Hatz durch das hohe Gras.

Die Kitze werden von dem luftigen Treiben ange­steckt. Sie rennen, so schnell sie können, in winzigen Kurven umeinander herum. Eine Weile läßt die Alte sie gewähren. Dann mahnt sie ganz leise und tief. Einmal nur. Sofort gehorchen die Kleinen und sind wieder sittsam rechts und links dicht an ihren Hinterläufen.

Tief drinnen im Wald tönt das ängstliche Fiepen einer Ricke. Blattzeit! Es kommt näher, bleibt mit Rascheln und Knacken am Rand der Lichtung stehen, verliert sich dann wieder im Erlenbestand.

Die beiden Böcke haben sich beruhigt. Zwanzig Gänge voneinander entfernt äsen sie friedlich in dem hohen Gras. Nur ihre Rücken sind zu sehen und die helleuchtenden Spiegel.

Plötzlich werfen alle Rehe auf. Kein Kopf bleibt mehr unten. Wir haben nichts gehört dennoch steht auf dem Wechsel unter der Birke lautlos erschienen, heimlich wie ein Albtraum ein Bock. Er äugt über die Wiese, zieht bann langsam auf die beiden Bäckchen zu.

ORebe auf her Lichtung.

Von Angela von Bnhen.

Lange schon, bevor die Jagd auf den Rehbock aufgeht, Haden junge Augen ooer scharfe Prismen­gläser die Waldkanten, den Rand des Roggenfeldes oder die stillen Wiesen abgesucht. Aber als der er­sehnte Tag endlich da ist, weiß niemand etwas, außer dem alten Förster Hilfert, dessen grau- ftoppeliges Gesicht vergnügt in die Breite geht, als er meinen Bruder beiseitezieht:Ick weit ein'n!"

Der Weg führt die schönste Strecke, die es auf dieser schonen Erde geben kann, einen schmalen,^ schlichten Gehsteig entlang, der zwischen zwei Ge­treidefeldern hindurchführt. Links silbern schim­mernde Wintergerste, die in anmutsvollen Wellen ihre langen Grannen unter den streichelnden Hän­den des Abendwindes neigt. Rechts die lilafarbene Pracht des hohen Roggens, an dessen festen, glatten Aehren in leichtem Schellengehänge die länglichen Blütenfasern flattern.

Wir kommen zum Wald. Ein Fasanenhahn mel­det ärgerlich und rennt die Schneise entlang. Er trägt noch die zwei kleinen, kecken Federröhrchen der Balzzett am Kopf, die ihm das Aussehen eines Teuselchens geben. Ein paar Kaninchen flitzen be­hend von rechts nach links in die Fichtendickung, alle von derselben Seite her, als hätte man sie bei einem Familientag gestört. x

Das Rudel Hirsche ist wieder hiergewesen und hat die jungen Buchen und Eichen schmählich verbissen. Aesung genug jetzt, aber gerade der frische Blatt­ausschlag scheint ihnen so lecker. Grimmig pafft Hilfert seinen knisternden Tabak und betrachtet seine beschädigten, grünen Schützlinge. Die Schneise führt auf die Wiese, mit einem kleinen, stillen Bach in der Mitte, an dessen blauen Himmelsblick einige Erlen vor Jahren ihr Herz verloren haben. Sie schlugen bei ihm Wurzel, und je älter ihre Liebe, desto stärker wurden otamm und Blattwuchs. Nun können sie schon ihre Hände schützend über das Bächlein breiten. Sie protzen damit, und das be­scheidene Wässerlein behält auch mit nachsichtigem Lächeln die Tatsache für sich, daß die forschen Recken ihre Nahrung einzig und allein aus dem Bächlein holten.

Ringsum Wald. Die Wiese ist eingebettet. Drü­ben, gegenüber dem Dornbusch, hinter dem wir Deckung genommen haben, steht eine einzelne, leuch­tende Dirke am Rand des Hochholzes. Ihr Laub ist noch frisch und hell. Sie schlenkert sach" damit im leisen Windhauch. Hilfert weist mit dem Pfeifenstiel

hertzber:Da unten is der Rehwechsel." Man kann es sehen, von da aus führt ein kleiner, niedergetre­tener Pfad wie ein Band in die hohe Wiese. Dann verliert er sich im vielfältigen Kraut.

Dies Blumenmeer ist der schützende, hohe Urwald für all das Jungzeug: Hase und Karnickel, Jung­fasanen und das Gesperr junger Rebhühner, das eben erst aus dem Ei gefallen ist. Das alles wuselt darin herum, hat seine Gänge, seine Plätzchen, schläft, frißt, säugt! Und ist doch nur als harmlos flache Wiese anzusehen! Am Tage aber spannt der Bussard den räuberischen Flugbogen seiner Schwin­gen über dieser Waldlichtung aus und äugt nach Fang für seine hungrige Brut im hohen Buchen­horst.

Es wird still ringsum. Die kurze Pause zwischen Tages- und Nachtgeschehen. Die Frosche singen nur verträumt in den Brüchen. Aus dem Nachbardorf tönt das letzte Wagenrattern vor Feierabend. Fern schlägt ein Hund an. Der Ruf der Eule unterbricht den Sang der Nachtigall und hallt im Gehölz wider.

Da tritt das erste Reh aus eine Ricke. Noch nicht ganz rot verfärbt, noch ein wenig wintergrau im Haar. Sie nimmt Wind, äst dann sofort ver­traut. Ab und an hustet sie. Drüben unter der Birke wird es von neuem lebendig. Auf dem Wechsel tritt ein Reh aus. Wieder eine Ricke. Diese aber ist schon ganz rot. Und hinter ihr bewegen sich die Gräser. Ein Kitz, nein, zwei Kitze stolpern eifrig hinter der Mutter her. Sie haben noch kleine weiße Flecken längs des Rückgrats. Sie sehen aus wie kleine zierliche Ziegen aus einem Kinderbilderbuch, nur in braun. Die Ricke sichert lange, die Lauscher steil aufgerichtet, den schwarzglänzenden Windfang hocherhoben. Auch zu unserem Dornbusch äugt sie herüber, aber die Deckung ist zu gut. Zufrieden be­ginnt sie zu äsen. Sofort folgen die Kitze ihrem Bei­spiel und wagen sich sogar ein paar Schritte abseits.

Ein Reh schreckt tief und anhaltend in der Dickung. Sofort sind die zwei rechts und links an den Wei­chen der Mutter, nehmenTuchfühlung" mit den kleinen Köpfen und machen jede Wendung des mütterlichen Körpers mit. Die Alte sichert lange, wird aber nicht flüchtig. Dann wendet sie den Kopf zur Birke und äugt aufmerksam rückwärts.

Sie hat recht, da kommt jemand. Und zwar ganz anders, als der Komment zum Austritt auf eine frische, freie Waldwiese unter dem Rehwild lautet. Vorweg stürmt in' voller Fahrt ein kleiner, stäm­miger Spießbock, und hinterher braust etwas Rotes. Plötzlich bleiben Flüchtling und Verfolger bockstill stehen, die Köpfe tief gesenkt, die Lichter verdreht und weißleuchtend von unten her auf den Gegner