da war der Mittelpunkt der (jeweils bekannten) Welt, der Mittelpunkt der wirtschaftlich und militärisch, meist auch der kulturell stärksten Kräfte. Wer auch in neuerer Zeit über das meiste Gold verfügte, war der Weltbankier und konnte die Preise festsetzen, um dabei ohne viel Arbeit die größten Gewinne einzustreichen. Gold sicherte die Leitung der großen Weltvermögen, der Monopolgesellschaften, die Festsetzung der Preise für Kupfer und alle wichtigen Metalle, Gold suchte den Besitz der ergiebigsten Erdölquellen, Gold lenkte die Diplomaten der meisten Staaten der Welt und verfügte so über Krieg und Frieden. Jrn Dienste des Goldes wurden ganze Völker geknechtet und um Millionen Volksgenossen geschwächt (durch Hungersnöte z. B. in Indien und Irland), im Dienste der politischen Pläne der Goldbesitzer, die aber immer „geschäftliche" Ziele hatten, wurden Könige und Minister gemeuchelt, wurde die Welt dauernd in Unruhe ye° galten, weil friedliche Zeiten die Machenschaften tue« er meist jüdischen Blutsauger weniger begünstigen.
Und nun rauchen die Trümmer Londons, dessen Geschäftsviertel durch Jahrhunderte das Herz der Welt bildete. Freilich hatte die englisch gelenkte Welt etwa seit dem Beginn dieses Jahrhunderts schon z w e i Herzen, zwei Mittelpunkte der Macht, zwei Verwaltungszentren^: in London und in Neuyork. Man kann sogar annehmen, daß London von Amerika sehr viel abhängiger gewesen ist. als erkennbar wurde. In Amerika wollte man das so wissen, und ein Zeichen dafür ist u. a., daß England sich nach 1918, solange es ein Wiedererstarken Deutschlands nicht in Rechnung zu ziehen brauchte, durchaus auf einen Entscheidungskampf gegen die Vereinigten Staaten einrichtete, bis es erkennen mußte, daß diese doch die Stärkeren waren, zu denen nun bald die letzten Plutokraten, durch die Macht des Goldes Herrschenden, ihre letzte Zuflucht nehmen werden. Mit ihnen flieht aus Europa der Irrglaube an die Allmacht des Goldes. Als Edelmetall und Zahlungsmittel der Goldländer wird es natürlich seine Bedeutung auch im internationalen Handelsverkehr noch behalten, aber, wie erst kürzlich von einem Vertreter der deutschen Regierung festgestellt wurde, nicht mehr als „Wertgrundlaae für die Währung", wie es seither überall außerhalb Deutschlands in den letzten Jahren der Fall war. Auch im alten Reick mußte die deutsche Währung durch einen Goldbestand von 40 v. H. der ausge- aebenen Anweisungen gesichert sein. Adolf Hitler hat auch auf diesem Gebiet der Well und zunächst Europa seine Anschauung aufgenötigt, nach der in dem neuen Wirtschaftssystem nicht das Kapital, nicht das Geld, also das Gold, die Grundlage aller Wirtschaft und allen Kredites mehr bildet, sondern die Arbeitskraft, die Leistungsfähigkeit und schließlich die Arb e its- lei ft u n g eines Volkes in seiner Gesamtheit selbst. An die Stelle des kalten und die Herzen kalt machenden Goldes tritt der Mensch und seine lebendige Kraft mit den Beweisen seiner Leistungsfähigkeit, die das größte Vertrauen werben und verdienen.
Es sind danach nicht nur die Versönlickkeiten in den Plutokratien Europas und ihre Methoden der Aussaugung anderer Völker, die jetzt niedergerungen werden, sondern auch die Thesen einer Weltanschauung, die der unsrigen entgegengesetzt ist und ihre Entfaltung hemmen müßte. Solange die -materialistische Anschauung in Europa Einfluß hätte, würde die Befreiung des Reiches und der anderen europäischen Völker nicht vollständig gelungen sein. Gewiß bleibt es dabei, daß der Nationalsozialismus „keine Exportware" ist, wie der Führer einmal sagte, aber wir wissen ja, daß es zwischen Wirtschaftssystemen, die im Wettbewerb stehen, nur zwei Möglichkeiten gibt und geben kann: Angleichung und Verständigung oder Kampf bis zur Entscheidung. Die Kraft des deutschen Volkes, die in den Sieaen unserer Wehrmacht zum beweiskräftigen Ausdruck gebracht worden ist, wird dafür sorgen, daß in Europa jedenfalls der politische Friede und dann auch der Wirtschaftsfriede hergestellt und erhalten wird. Das schließt durchaus nicht jeden friedlichen Wettbewerb zwischen den Völkern aus. Im Gegenteil, er soll auf allen Gebieten, die dem Frieden und der Kultur dienen, erst recht einsetzen, wenn nun eine Zeit kommt, in Der sich jeder, ohne eine Störung befürchten zu müssen, größeren Zielen widmen kann ... nun, wenn der Götze Gold nach jahrhundertelanger Gewaltherrschaft von seinem gleißenden Throne gestoßen worden ist. Denn so sagte der Führer einmal: „Das nationalsozialistische Deutschland hat keinen anderen Wunsch, als den Wettlauf der europäischen Völker wieder aus die Gebiete hinzulenken, auf denen sie der ganzen Menschheit in der edelsten Rivalllät jene unerhörten Güter der Zivilisation, der Kultur und Kunst gegeben haben, die das Bild der Welt heute bereichern und verschönern. Rudolf Friedemann.
Das System der Staatsräte in Norwegen.
Oslo, 2. Okt. (Europapreh.) Im Verordnungsblatt für die besetzten norwegischen Gebiete verkündet der Reichskommissar am 1. Oktober die Verordnung über die eingesetzten Staatsräte. Aus ihr geht hervor, daß den Staatsräten für ihre Ministerien weitgehende Machtbefugnisse, aber gleichzeitig auch weitgehende Verantwortung zufallen. Sie können neuen Vorschriften durch Verordnung Gesetzeskraft verleihen und fMinen auch Beamte ernennen. Sie sind dem Reichskommissar verantwortlich. Die Unabhängigkeit der Gerichte wird nicht berührt. Das Begnadigungsrecht steht dem Staatsrat für die Justiz zu.
Die norwegische Presse kommentiert diese Verordnung lebhaft. „Morgenbladet" schreibt: „Wir sind bisher an eine liberale Regierungsweise gewöhnt gewesen in der Art, daß alle wichtigen Entscheidungen immer wieder hinausgeschoben, ja sogar um Jahre verzögert wurden. Das soll jetzt anders werden. Unter stärkster politischer Verantwortung werden die neuen Staatsräte Entscheidungen selbst von größter Wichtigkeit schnell treffen können, Vorschriften und selbst Gesetze, die sich hindernd in den Weg stellen, können sie aus eigener Machtvollkommenheit beseitigen." — „Tidens Tegn" schreibt: „Durch diese Neuordnung ist die Grundlage für einen verordnungsfähigen Staatsapparat geschaffen worden, der im besonderen mit der heutigen Zeit und den aus ihr entspringenden großen Aufgaben zu arbeiten im- stände ist." — „Aftenposten" schreibt: „Die Neuregelung wird geeignet sein, den eingesetzten Staatsräten die Handlungsfreiheit und Machtvollkommenheit zu sichern, die für eine schnelle und gründliche Lösung der gewaltigen Aufgaben nötig ist, die sich uns bieten."
Der kommissarische Staatsrat Axel Stang kündigte die Einführung einer norwegischen Arbeits, Dienstpflicht für das kommende Jahr an. Der Arbeitsdienst habe neben der zu leistenden Arbeit die doppelte Aufgabe, Stadt und Land zu verbinden. Als erstes Arbeitsvorhaben werde im Früh
jahr die Anpflanzung von Wald in Angriff genommen werden, eine Arbeit, die sonst wegen Mangels an Arbeitskräften nicht vorgenommen werden könne.
Or. Lest aus Norwegen zurück.
Oslo, 2. Oktober. (Europapreß.) Unter Führung von Generalmajor Tittel besichtigte Reichsorganisationsleiter Dr. Ley die Kampfstätten des 9. April in der Umgebung von Bergen und ließ sich persönliche Erlebnisse vieler Soldaten, die an den Kämpfen teilgenommen hatten, berichten. Bei einem kameradschaftlichen Beisammensein sprach Dr. Ley dem Gebietskommissar von Bergen und seinen Mitarbeitern über die zivilen Wiederaufbauarbeiten im Abschnitt Bergen seine Anerkennung aus und reifte über Oslo wieder nach Deutschland zurück.
Eisenbahnabkommen zwischen Deutschland und der Sowjetunion.
Berlin, 2. Oktober. (DNB.) Im September haben in Berlin Verhandlungen zwischen dem Reichsverkehrsministerium und dem Volkskommissariat der Sowjetunion für Verkehrswesen über den Abschluß endgültiger Eisenbahnvereinbarungen stattgefunden. Im Dezember 1939 war ein provisorisches Eisenbahnabkommen abgeschlossen worden. Zweck der diesmaligen Verhandlungen war es, an die Stelle dieses Provisoriums auf Grund der inzwischen gemachten Erfahrungen nunmehr ein endgültiges Abkommen über den gegenseitigen Eisen
bahnverkehr zu setzen. Die Verhandlungen sind auch diesmal in freundschaftlichem Geist geführt worden und haben eine volle Einigung ergeben. Die Unterzeichnung der Vereinbarungen durch Reichsbahndirektionspräsident Dr. Holtz und den Direktor für internationalen Verkehr Nisowuew — hat in Berlin stattgefunden. Am 1. Oktober tritt ein Abkommen über den Eisenbahngüterverkehr in Kraft. Ueber einen neuen deutsch- sowjetischen Gütertarif ist Einvernehmen bereits erzielt. Ferner ist ein Abkommen über den Verkehr auf den Grenzübergangsbahnhöfen vereinbart worden. Es sind dies Deutfch-Krottingen, Laugszargen, Eydtkau, Profiten, Malkinia, Plate- row, Breft-Litowsk und Peremyschl. Demnächst ist mit der Eröffnung weiterer Grenzübergänge zu rechnen. Endlich sind Vereinbarungen über den Personenverkehr getroffen worden. Am 6. Oktober wird ein direkter Personen-, Expreßgut- und Gepäckverkehr über zwei Wege ausgenommen: Berlin—Warschau—Bjelostok—Minsk—Moskau und Berlin—Königsberg—Insterburg—Tilsit— Radviliskis—Dünaburg—Bigossowo—Moskau. Die erste Strecke führt über den Grenzübergang Malkinia—Czyzew, die zweite über Laugszargen—Tau- roggen. Die neuen Vereinbarungen beruhen auf der bewährten Grundlage der Vereinbarungen vom Dezember 1939, nach denen im Jahre 1940 bereits Millionen von Tonnen befördert worden sind. Sie sehen eine Reihe von Verbesserungen vor und werden zweifellos auch in Zukunft eine befriedigende Verkehrsabwicklung sicherstellen.
Sie -euischm Luftangriffe legen Londons Verkehr lahm.
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Wie man in London zugeben muß, haben die pausenlosen Vergeltungsangriffe der deutschen Luftwaffe auf kriegswichtige Ziele der britischen Hauptstadt auch den Verkehr nahezu lahmgelegt. — Unser Bild zeigt einen Londoner Autobus, der auf seiner Fahrt durch die Londoner City von einem deutschen Luftangriff überrascht wurde. — (Associated-Preß-M.)
Sechs neue Lustangriffe am Mittwoch
Stockholm, 2. Okt. (Europapreß.) Bis Mittwochabend hatte London sechs neue deutsche Luftangriffe. Ein normales Arbeitsleben war damit während des ganzen Vormittags unmöglich, zumal die meisten Arbeiter und Angestellten zu spät an ihren Arbeitsplätzen erschienen, weil sie in den Unterständen festgehalten wurden. Während des zweiten Angriffs soll sich über einer südöstlichen Vorstadt eine Luftschlacht entwickelt haben. In der City konnten die in den Kellern und sonstigen Unterständen Eingeschlossenen ganz deutlich die Explosion fallender Bomben und das Abwehrfeuer der Flak hören. Zur gleichen Zeit erschienen deutsche Maschinen über der Südküste und griffen verschiedene Städte mehrmals an. Aehnliche Aktionen wurden sogar gegen die Westküste von Wales vorgetragen, wo nach einer Meldung des Rundfunks Brände entstanden. Insgesamt sind fünfzehn Londoner Stadtteile bezw. Vororte in den Bereich der Aktion einbezogen worden. Der Abwurf von Bomben aller Art wird vom britische Nach
richtendienst bestätigt, wobei man hinzufügt, daß die südwestlichen unD östlichen Vorstadtgebiete b e - sonders heftig bombardiert worden sind In diesen „Vorstadtgebieten" liegen zahlreiche Flugplätze, Munitionsdepots, Ballonsperren und Flakstellungen. Es hat sich in der Nacht zum Mittwoch erwiesen, daß das System der sogenannten Luftbeobachter durchaus nicht als unbedingt zuverlässig betrachtet werden kann. Diese Beobachter haben gemäß den von Churchill vorgeschlagenen Luftschutzwarnvorschriften die Aufgabe, von dem Dache eines kriegswichtigen Unternehmens aus die Belegschaft dieser Betriebe erst dann in die Schutzräume zu schicken, wenn ein direkter Angriff bevorsteht. Man will auf diese Weise möglichst wenig Arbeitsstunden verlieren. Der Londoner Rundfunk mußte am Mittwochabend jedoch mittei- len, daß in einem Londoner Vorort ein Beobachter gar nicht mehr Zeit genug hatte, um Alarm zu schlagen. Denn er wurde von einer Bombe überrascht und getötet, während die Bombe selbst durch das Dach des Werkes schlug, in dem sie Schäden anrichtete, über die der Rundfunk nicht spricht.
Englands Verluste an Schiffen und Flugzeugen.
Rom, 2. Okt. (DNB.) „Trckuna" befaßt sich mit den von England zugegebenen Verlusten von 160 000 BRT. Schiffsraum in einer Woche, die vorwiegend auf die deutschen U-Boote zurückzuführen sind. Man müsse dabei bedenken, daß darin nicht die Verluste enthalten seien, die der englischen Handelsmarine durch Aufläufen von Schiften auf Minen und durch die ununterbrochenen Angriffe deutscher Flugzeuge auf Geleitzüge usw. entstanden seien. Wenn man darüber hinaus aber noch bedenke, daß eine versenkte BRT. mindestens 2000Kilo verlorenerWaren darstelle und daß man den Verlust von einer BRT. sogar auf 10 Tonnen ansetzen könne, wenn man berück- sichtige, daß das Schiff — wäre es nicht versenkt worden — noch weitere Waren hätte heranb ringen können, wenn man weiter bedenke, daß die großen Warenlager durch die deutschen Bombardements zerstört worden seien, so könne man erkennen, w t e wirksam die von Deutschland und Italien verkündete Blockade und wie tragisch Englands Lage sei.
Die Mitteilung der Zeitschrift der englischen Luftwaffe „Aeroplane", wonach die englische Luftwaffe in den Luftkämpsen durchschnittlich 32 Maschinen täglich, also insgesamt 896 verloren habe, beziehe sich auf den gleichen Zeitabschnitt, für den man deutscherseits einen Gesamtverlust der Engländer von 1134 Flugzeugen angab.Der Unterschied von 238 Maschinen erkläre sich leicht aus der Tatsache, daß in der Zahl nicht jene Maschinen enthalten seien, die auf ihren Bombenflügen über deutschem Boden oder über dem Aerrn elkanal von der deutschen Kriegsmarine abgeschossen worden feien. Es sei interessant festzustellen, wie man durch Die englischen Eingeständnisse nur eines einzigen Tages sehen könne, auf welcher Seite die Wahrheit sei.
USA.-Deltkriegsianks für Kanada.
Neuyork, 1. Okt. (Europapreß.) Wie „New Dort Herald Tribüne" berichtet, soll in den näch
sten Tagen die Auslieferung einer größeren Anzahl von Weltkriegstanks aus den Beständen der 08^.-Armee, die bereits seit ^919 ausrangiert sind und keinerlei kriegsmäßige Bedeutung mehr haben, an Kanada erfolgen. Es handle sich um 6-Tonnen-Tanks, die Kanada z u Ausbildungszwecken verwenden will. 100 Derartige Tanks befinden sich bereits in gebrauchsfertigem Zustand und stehen zur llebergabe an Kanada bereit. /
Ein „Ausschuß zur Verteidigung Amerikas" in USA.
Neuyork, 2. Okt. (Europapreß.) Hier wurde ein „Ausschuß zur Verteidigung Amerikas" gegründet, der als Gegenstück zu dem interventionistisiyen „Ausschuß zur Verteidigung Amerikas durch Unterstützung der Alliierten" die öffentliche Meinung und den Kongreß davon überzeugen will, daß Amerika verteidigt und gestärkt werden könne, nur wenn es aus jedem Krieg in Europa und Asien herausaehalten werde. Die führenden Männer des Ausschusses sind Genera! R. Wood, General Dawes, Henry Ford, McCarter, Präsident der Publicity Service Cy, und Kapitän Richenbacker, Militärkritiker der Zeitungen der Hearstgruppe. Der Ausschuß hat Drei Grundsätze aufgestellt: 1. Alle Kräfte auf Die Vorbereitung der Verteidigung zu konzentrieren; 2. sich aus Dem europäischen Krieg herauszuhalten: 3. Unterstützung für England nicht über Die „Cash-and-Carry"-Klausel hinaus. Das Programm des Ausschusses bejaht enftchieden die Machtentfaltung Amerikas in den kontinentalen Grenzen.
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Präsident Roosevelt empfing am Dienstag die in Washington weilenden Armeechefs der füd amerikanischen Republiken unter Führung des O8^..-Generalftabschefs George Marshall. — Dor Pressevertretern erklärte Roofe- velt nach einem Empfang Des Washingtoner fran-
Siimmungs-Bluff.
Von unterer Berliner Schnstleftung.
Die Erfahrung, daß England unter Der Anleitung Churchills um so größere Siege in Die Wett hinaus- brüllt, je empfindlicher seine Niederlagen sind, bestätigt sich gerade jetzt durch einen neuen Trick. In London hofft man freilich, daß die übrige Welt ihn weder als Trick noch als alt erkennen wird. Es handelt sich darum, daß die gesamte publizistische Maschinerie in England durch eine Offensive gespielter Zuversichtlichkeit auf höchste Tourenzahlen gebracht wird. Dazu gehört die reklamehafte Ankündigung neuer Waffen in London. Dieses System Der Versprechungen ist jetzt im großen Stil ausgebaut roorDen. Die englische Öffentlichkeit wird überschwemmt mit Ankündigungen beispielsweise folgenden Inhaltes: die neuesten Bomber sind ,>in Vorbereitung" — völlig neue Vertei di gungsmaß nahmen für London werden „in ein bis Drei Monaten" wirksam roerDen — England werde stärkere Flug- Maschinen haben als Göring — die Deutschen hätten sich auf Serienbau festgelegt, während England völlig neue Typen entwickelt habe — große Lieferungen aus Amerika sind angekündigt — Deutschland hat den Fehler gemacht, daß es alle seine Modelle schon eingesetzt hat — im September hat es für England drei kritische Tage gegeben; sie sind aber durch ,chen englischen Sieg" überwunden worden und überhaupt, es ist Daraus geradezu eine Katastrophe für Deutschland entstanden. In dieser Tonart geht es durch die ganze englische Presse, durch den Rundfunk, durch die englische Auslandssendung, durch alle Kabel, soweit sie heute noch Dem englischen Reuter-Büro zur Verfügung stehen.
Wir ziehen aus diesem ganzen plötzlichen Aufgebot englischen Reklamegeschreies kurz und sachlich zwei Folgerungen. Erstens muß Der Abschluß Des Dreimächtepaktes Den Engländern angesichts ihrer schweren diplomatischen Niederlage so völlig das Konzept verdorben haben, daß sie sich keinen anderen Rat wissen, als eine publizistische Cntlastungs- osfensive. Zweitens müssen diese dreieinhalb Wochen deutser Vergeltunasangriffe England nicht nur militärisch und technisch, sondern auch sttmmungsmäßig so schwer getroffen haben, daß Die Regierung es für unerläßlich hält, Dem Lande einen amtlichen Optimismus vorzutäuschen, um Dem Volk wieDer einmal das müde Rückgrat zu steifen. Man darf nicht vergessen, welche zerfressende Wirkung es auf die Dvlksstimmung hat, wenn eine 8-Millionen° Stadt wie London seit nun bald vier Wochen keine einzige ruhige Nacht im Bett verbringen darf und dafür fast nur noch den Aufenthalt in überwiegend unzureichenden Luftschutzkellern, ja für Hundert- tausende fangar nur auf kalten zugigen Untergrundbahnhöfen kennt, von den rund 100 000 Obdachlosen ganz zu schweigen. Es handelt sich also um einen groß angelegten Stimmungsbluff Der militärisch ebenso wie Diplomatisch unterliegenden Regierung Churchill. Bluff aber ist ein englisches Wort. Es bedeutet — Täuschung!
zöstschen Botschafters, ein Problem Der Befestigung Der französischen Insel Martinique sei ihm unbekannt. Die Vereinigten Staaten beabsichtigten nicht, Befestigungsanlagen auf Martinique vor zubereiten.
England und die Luden.
Neue Versprechungen
im Stil der Balfour-Deklaration.
Neuyork, 2. Oktober. (DNB.) Wie die „New Port Post" meldet, hat die britische Regierung dem amerikanischen Judentum konkrete Versprechungen für den Fall eines britischen Sieges gemacht. Die Erklärung, die vor dem American Jewish Kongreß verlesen wurde, soll der Minister ohne Geschäftsbereich im britischen Kriegskabinett und ehemalige englische Arbeiter-Vertteter Greenwood, abgegeben haben, indem er die zuversichtliche Hoffnung ausdrückte, daß ein britischer Sieg eine neue Weltordnung bringen werde, in der das „Gewissen der zivilisierten Menschheit verlangen wird, daß das dem jüdischen Volk in so vielen Ländern angetane Unrecht wiedergutgemacht wird." New York Post nennt die Botschaft Der britischen Regierung die erste öffentliche Erklärung Englands zur Judenfrage seit Kriegsausbruch. Im Weltkrieg versprach Die Deklaration des damaligen englischen Außenministers Lord Balfour dem internattonalen Judentum Die Schäftung eines jüdischen Nationalstaates Palästina, obwohl den arabischen Stämmen gegenüber vertraulich entgegengesetzte Versicherungen abgegeben worden waren.
Der britische Rundfunk gedachte des jüdischen Neujahrsfestes und wies darauf hin, daß in allen Synagogen des Empires Gottesdienste gehalten würden. In einer Botschaft des Oberrabiners Dr. Hertz heißt es, Die JuDen kämpften gegenwärtig „mit Großbritannien zusammen gegen die Gewaltherrschaft der heidnischen Naziführer!". Die Freiheit der Welt steht auf dem Spiel. Die Juden seien die ersten Opfer der Nazityrannei geworden, es fei Das Ziel Der Deutschen, Die Juden überhaupt aus Europa zu vertreiben. Die Juden aber würden in ihren Gebeten besonders des englischen Könis und der britischen Bevölkerung gedenken. — Daß England und das Judentum Zusammenhalten wie Pech und Schwefel, war schon längst bekannt. Und daß die Juden an ihrem Neujahrstage in ihren Gebeten des Königs von Judäa, Georg VI., gedenken, ist doch wohl eine Selbstverständlichkeit!
Gegen den offiziellen Optimismus
„England mutz sich selber helfen."
Stockholm, 2. Okt. (Europapreß.) Gegen die Optimisten, d-ie als Ergebnis des deutsch-italienifch- japanischen Paktes die aktive Unterstützung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion für England erhoffen, muß sich nun selbst Lord Beaverbrooks „Daily Expreß" wenden. Das Blatt schreibt: „Schon schnalzen die Optimisten Die Zunge. Sie krähen, daß Der Pakt sowohl Rußland wie Amerika unter die Arme greifen werde. Glaubt ihnen nicht, Denn die Erwärmung, welche sie bieten, ist wie ein Spitzenschal im Winterwind. Amerika gibt uns jetzt alle die Hilfe, die es geben kann. Und Rußland mißtraut England bis 3um Letzten. Es ist freundlich mit Deutschland und stellt England zurück, weil es den klaren Glauben hat, daß Deutschland den Krieg gewinnen wird. England muß sich selbst helfen."
Der Abgeordnete Lewis S i l k i n , Der als Mitglied Der ßabour Party Den Londoner Wahlkreis Peckham vertritt, wendet sich im News Chronicle Dagegen, daß Dem Parlament keine Gelegenheit geboten werde, zu den wichtigsten Fragen der Politik und Kriegführung Stellung zu nehmen. Während Der Parlamentsferien würden Entscheidungen von welterschütternder Bedeutung gefaßt. „Warum wird


