Ausgabe 
3.10.1940
 
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da war der Mittelpunkt der (jeweils bekannten) Welt, der Mittelpunkt der wirtschaftlich und mili­tärisch, meist auch der kulturell stärksten Kräfte. Wer auch in neuerer Zeit über das meiste Gold ver­fügte, war der Weltbankier und konnte die Preise festsetzen, um dabei ohne viel Arbeit die größten Gewinne einzustreichen. Gold sicherte die Leitung der großen Weltvermögen, der Monopolgesellschaf­ten, die Festsetzung der Preise für Kupfer und alle wichtigen Metalle, Gold suchte den Besitz der ergiebigsten Erdölquellen, Gold lenkte die Diplo­maten der meisten Staaten der Welt und verfügte so über Krieg und Frieden. Jrn Dienste des Goldes wurden ganze Völker geknechtet und um Millionen Volksgenossen geschwächt (durch Hungersnöte z. B. in Indien und Irland), im Dienste der politischen Pläne der Goldbesitzer, die aber immergeschäft­liche" Ziele hatten, wurden Könige und Minister gemeuchelt, wurde die Welt dauernd in Unruhe ye° galten, weil friedliche Zeiten die Machenschaften tue« er meist jüdischen Blutsauger weniger begünstigen.

Und nun rauchen die Trümmer Londons, dessen Geschäftsviertel durch Jahrhunderte das Herz der Welt bildete. Freilich hatte die englisch gelenkte Welt etwa seit dem Beginn dieses Jahrhunderts schon z w e i Herzen, zwei Mittelpunkte der Macht, zwei Verwaltungszentren^: in London und in Neuyork. Man kann sogar annehmen, daß London von Amerika sehr viel abhängiger gewesen ist. als erkennbar wurde. In Amerika wollte man das so wissen, und ein Zeichen dafür ist u. a., daß Eng­land sich nach 1918, solange es ein Wiedererstarken Deutschlands nicht in Rechnung zu ziehen brauchte, durchaus auf einen Entscheidungskampf gegen die Vereinigten Staaten einrichtete, bis es erkennen mußte, daß diese doch die Stärkeren waren, zu denen nun bald die letzten Plutokraten, durch die Macht des Goldes Herrschenden, ihre letzte Zuflucht nehmen werden. Mit ihnen flieht aus Europa der Irrglaube an die Allmacht des Goldes. Als Edel­metall und Zahlungsmittel der Goldländer wird es natürlich seine Bedeutung auch im internationalen Handelsverkehr noch behalten, aber, wie erst kürz­lich von einem Vertreter der deutschen Regierung festgestellt wurde, nicht mehr alsWertgrundlaae für die Währung", wie es seither überall außerhalb Deutschlands in den letzten Jahren der Fall war. Auch im alten Reick mußte die deutsche Währung durch einen Goldbestand von 40 v. H. der ausge- aebenen Anweisungen gesichert sein. Adolf Hitler hat auch auf diesem Gebiet der Well und zunächst Europa seine Anschauung aufgenötigt, nach der in dem neuen Wirtschaftssystem nicht das Kapi­tal, nicht das Geld, also das Gold, die Grund­lage aller Wirtschaft und allen Kredites mehr bil­det, sondern die Arbeitskraft, die Lei­stungsfähigkeit und schließlich die Arb e its- lei ft u n g eines Volkes in seiner Gesamtheit selbst. An die Stelle des kalten und die Herzen kalt machenden Goldes tritt der Mensch und seine leben­dige Kraft mit den Beweisen seiner Leistungsfähig­keit, die das größte Vertrauen werben und ver­dienen.

Es sind danach nicht nur die Versönlickkeiten in den Plutokratien Europas und ihre Methoden der Aussaugung anderer Völker, die jetzt niedergerungen werden, sondern auch die Thesen einer Weltanschau­ung, die der unsrigen entgegengesetzt ist und ihre Entfaltung hemmen müßte. Solange die -materia­listische Anschauung in Europa Einfluß hätte, würde die Befreiung des Reiches und der anderen euro­päischen Völker nicht vollständig gelungen sein. Gewiß bleibt es dabei, daß der Nationalsozialismus keine Exportware" ist, wie der Führer einmal sagte, aber wir wissen ja, daß es zwischen Wirt­schaftssystemen, die im Wettbewerb stehen, nur zwei Möglichkeiten gibt und geben kann: Angleichung und Verständigung oder Kampf bis zur Entschei­dung. Die Kraft des deutschen Volkes, die in den Sieaen unserer Wehrmacht zum beweiskräftigen Ausdruck gebracht worden ist, wird dafür sorgen, daß in Europa jedenfalls der politische Friede und dann auch der Wirtschaftsfriede hergestellt und er­halten wird. Das schließt durchaus nicht jeden friedlichen Wettbewerb zwischen den Völkern aus. Im Gegenteil, er soll auf allen Gebieten, die dem Frieden und der Kultur dienen, erst recht einsetzen, wenn nun eine Zeit kommt, in Der sich jeder, ohne eine Störung befürchten zu müssen, größeren Zielen widmen kann ... nun, wenn der Götze Gold nach jahrhundertelanger Gewaltherrschaft von seinem gleißenden Throne gestoßen worden ist. Denn so sagte der Führer einmal:Das nationalsozialistische Deutschland hat keinen anderen Wunsch, als den Wettlauf der europäischen Völker wieder aus die Gebiete hinzulenken, auf denen sie der ganzen Menschheit in der edelsten Rivalllät jene unerhör­ten Güter der Zivilisation, der Kultur und Kunst gegeben haben, die das Bild der Welt heute be­reichern und verschönern. Rudolf Friedemann.

Das System der Staatsräte in Norwegen.

Oslo, 2. Okt. (Europapreh.) Im Verordnungs­blatt für die besetzten norwegischen Gebiete verkündet der Reichskommissar am 1. Oktober die Verordnung über die eingesetzten Staatsräte. Aus ihr geht hervor, daß den Staatsräten für ihre Ministerien weit­gehende Machtbefugnisse, aber gleichzeitig auch weit­gehende Verantwortung zufallen. Sie können neuen Vorschriften durch Verordnung Gesetzeskraft ver­leihen und fMinen auch Beamte ernennen. Sie sind dem Reichskommissar verantwortlich. Die Unabhän­gigkeit der Gerichte wird nicht berührt. Das Begnadi­gungsrecht steht dem Staatsrat für die Justiz zu.

Die norwegische Presse kommentiert diese Ver­ordnung lebhaft.Morgenbladet" schreibt:Wir sind bisher an eine liberale Regierungsweise gewöhnt gewesen in der Art, daß alle wichtigen Entscheidungen immer wieder hinausgeschoben, ja sogar um Jahre verzögert wurden. Das soll jetzt anders werden. Unter stärkster politischer Verantwortung werden die neuen Staatsräte Entscheidungen selbst von größter Wichtigkeit schnell treffen können, Vorschriften und selbst Gesetze, die sich hindernd in den Weg stellen, können sie aus eigener Machtvollkommenheit beseitigen."Tidens Tegn" schreibt:Durch diese Neuordnung ist die Grundlage für einen verord­nungsfähigen Staatsapparat geschaffen worden, der im besonderen mit der heutigen Zeit und den aus ihr entspringenden großen Aufgaben zu arbeiten im- stände ist."Aftenposten" schreibt:Die Neurege­lung wird geeignet sein, den eingesetzten Staats­räten die Handlungsfreiheit und Machtvollkommen­heit zu sichern, die für eine schnelle und gründliche Lösung der gewaltigen Aufgaben nötig ist, die sich uns bieten."

Der kommissarische Staatsrat Axel Stang kün­digte die Einführung einer norwegischen Arbeits, Dienstpflicht für das kommende Jahr an. Der Arbeitsdienst habe neben der zu leistenden Arbeit die doppelte Aufgabe, Stadt und Land zu ver­binden. Als erstes Arbeitsvorhaben werde im Früh­

jahr die Anpflanzung von Wald in Angriff genommen werden, eine Arbeit, die sonst wegen Mangels an Arbeitskräften nicht vorgenommen wer­den könne.

Or. Lest aus Norwegen zurück.

Oslo, 2. Oktober. (Europapreß.) Unter Füh­rung von Generalmajor Tittel besichtigte Reichs­organisationsleiter Dr. Ley die Kampfstätten des 9. April in der Umgebung von Bergen und ließ sich persönliche Erlebnisse vieler Soldaten, die an den Kämpfen teilgenommen hatten, berichten. Bei einem kameradschaftlichen Beisammensein sprach Dr. Ley dem Gebietskommissar von Bergen und seinen Mitarbeitern über die zivilen Wiederauf­bauarbeiten im Abschnitt Bergen seine Anerkennung aus und reifte über Oslo wieder nach Deutschland zurück.

Eisenbahnabkommen zwischen Deutschland und der Sowjetunion.

Berlin, 2. Oktober. (DNB.) Im September haben in Berlin Verhandlungen zwischen dem Reichsverkehrsministerium und dem Volkskommissa­riat der Sowjetunion für Verkehrswesen über den Abschluß endgültiger Eisenbahnvereinbarungen statt­gefunden. Im Dezember 1939 war ein provisori­sches Eisenbahnabkommen abgeschlossen worden. Zweck der diesmaligen Verhandlungen war es, an die Stelle dieses Provisoriums auf Grund der in­zwischen gemachten Erfahrungen nunmehr ein end­gültiges Abkommen über den gegenseitigen Eisen­

bahnverkehr zu setzen. Die Verhandlungen sind auch diesmal in freundschaftlichem Geist geführt worden und haben eine volle Einigung ergeben. Die Unterzeichnung der Vereinbarungen durch Reichs­bahndirektionspräsident Dr. Holtz und den Direk­tor für internationalen Verkehr Nisowuew hat in Berlin stattgefunden. Am 1. Oktober tritt ein Abkommen über den Eisenbahngüter­verkehr in Kraft. Ueber einen neuen deutsch- sowjetischen Gütertarif ist Einvernehmen bereits erzielt. Ferner ist ein Abkommen über den Verkehr auf den Grenzübergangsbahnhöfen ver­einbart worden. Es sind dies Deutfch-Krottingen, Laugszargen, Eydtkau, Profiten, Malkinia, Plate- row, Breft-Litowsk und Peremyschl. Demnächst ist mit der Eröffnung weiterer Grenzübergänge zu rechnen. Endlich sind Vereinbarungen über den Personenverkehr getroffen worden. Am 6. Oktober wird ein direkter Personen-, Expreßgut- und Gepäckverkehr über zwei Wege ausgenom­men: BerlinWarschauBjelostokMinskMos­kau und BerlinKönigsbergInsterburgTilsit RadviliskisDünaburgBigossowoMoskau. Die erste Strecke führt über den Grenzübergang Mal­kiniaCzyzew, die zweite über LaugszargenTau- roggen. Die neuen Vereinbarungen beruhen auf der bewährten Grundlage der Vereinbarungen vom Dezember 1939, nach denen im Jahre 1940 bereits Millionen von Tonnen befördert worden sind. Sie sehen eine Reihe von Verbesserungen vor und wer­den zweifellos auch in Zukunft eine befriedigende Verkehrsabwicklung sicherstellen.

Sie -euischm Luftangriffe legen Londons Verkehr lahm.

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Wie man in London zugeben muß, haben die pausenlosen Vergeltungsangriffe der deutschen Luftwaffe auf kriegswichtige Ziele der britischen Hauptstadt auch den Verkehr nahezu lahmgelegt. Unser Bild zeigt einen Londoner Autobus, der auf seiner Fahrt durch die Londoner City von einem deutschen Luft­angriff überrascht wurde. (Associated-Preß-M.)

Sechs neue Lustangriffe am Mittwoch

Stockholm, 2. Okt. (Europapreß.) Bis Mitt­wochabend hatte London sechs neue deutsche Luftangriffe. Ein normales Arbeitsleben war damit während des ganzen Vormittags unmöglich, zumal die meisten Arbeiter und Angestellten zu spät an ihren Arbeitsplätzen erschienen, weil sie in den Unterständen festgehalten wurden. Während des zweiten Angriffs soll sich über einer südöst­lichen Vorstadt eine Luftschlacht entwickelt haben. In der City konnten die in den Kellern und sonstigen Unterständen Eingeschlossenen ganz deut­lich die Explosion fallender Bomben und das Ab­wehrfeuer der Flak hören. Zur gleichen Zeit er­schienen deutsche Maschinen über der Südküste und griffen verschiedene Städte mehrmals an. Aehnliche Aktionen wurden sogar gegen die Westküste von Wales vorgetragen, wo nach einer Meldung des Rundfunks Brände entstanden. Insgesamt sind fünf­zehn Londoner Stadtteile bezw. Vororte in den Be­reich der Aktion einbezogen worden. Der Abwurf von Bomben aller Art wird vom britische Nach­

richtendienst bestätigt, wobei man hinzufügt, daß die südwestlichen unD östlichen Vorstadtgebiete b e - sonders heftig bombardiert worden sind In diesenVorstadtgebieten" liegen zahlreiche Flug­plätze, Munitionsdepots, Ballonsperren und Flak­stellungen. Es hat sich in der Nacht zum Mittwoch erwiesen, daß das System der sogenannten Luft­beobachter durchaus nicht als unbedingt zu­verlässig betrachtet werden kann. Diese Beobachter haben gemäß den von Churchill vorgeschlagenen Luftschutzwarnvorschriften die Aufgabe, von dem Dache eines kriegswichtigen Unternehmens aus die Belegschaft dieser Betriebe erst dann in die Schutz­räume zu schicken, wenn ein direkter Angriff bevorsteht. Man will auf diese Weise möglichst wenig Arbeitsstunden verlieren. Der Londoner Rundfunk mußte am Mittwochabend jedoch mittei- len, daß in einem Londoner Vorort ein Beobach­ter gar nicht mehr Zeit genug hatte, um Alarm zu schlagen. Denn er wurde von einer Bombe überrascht und getötet, während die Bombe selbst durch das Dach des Werkes schlug, in dem sie Schäden anrichtete, über die der Rundfunk nicht spricht.

Englands Verluste an Schiffen und Flugzeugen.

Rom, 2. Okt. (DNB.)Trckuna" befaßt sich mit den von England zugegebenen Verlusten von 160 000 BRT. Schiffsraum in einer Woche, die vor­wiegend auf die deutschen U-Boote zurückzuführen sind. Man müsse dabei bedenken, daß darin nicht die Verluste enthalten seien, die der englischen Han­delsmarine durch Aufläufen von Schiften auf Mi­nen und durch die ununterbrochenen Angriffe deut­scher Flugzeuge auf Geleitzüge usw. entstanden seien. Wenn man darüber hinaus aber noch be­denke, daß eine versenkte BRT. mindestens 2000Kilo verlorenerWaren darstelle und daß man den Verlust von einer BRT. sogar auf 10 Tonnen ansetzen könne, wenn man berück- sichtige, daß das Schiff wäre es nicht versenkt worden noch weitere Waren hätte heranb ringen können, wenn man weiter bedenke, daß die großen Warenlager durch die deutschen Bombardements zerstört worden seien, so könne man erkennen, w t e wirksam die von Deutschland und Italien ver­kündete Blockade und wie tragisch Englands Lage sei.

Die Mitteilung der Zeitschrift der englischen Luft­waffeAeroplane", wonach die englische Luftwaffe in den Luftkämpsen durchschnittlich 32 Ma­schinen täglich, also insgesamt 896 verloren habe, beziehe sich auf den gleichen Zeitabschnitt, für den man deutscherseits einen Gesamtverlust der Engländer von 1134 Flugzeugen angab.Der Unter­schied von 238 Maschinen erkläre sich leicht aus der Tatsache, daß in der Zahl nicht jene Maschinen ent­halten seien, die auf ihren Bombenflügen über deutschem Boden oder über dem Aerrn elkanal von der deutschen Kriegsmarine abgeschossen worden feien. Es sei interessant festzustellen, wie man durch Die englischen Eingeständnisse nur eines einzigen Tages sehen könne, auf welcher Seite die Wahr­heit sei.

USA.-Deltkriegsianks für Kanada.

Neuyork, 1. Okt. (Europapreß.) WieNew Dort Herald Tribüne" berichtet, soll in den näch­

sten Tagen die Auslieferung einer größeren An­zahl von Weltkriegstanks aus den Beständen der 08^.-Armee, die bereits seit ^919 aus­rangiert sind und keinerlei kriegsmäßige Be­deutung mehr haben, an Kanada erfolgen. Es handle sich um 6-Tonnen-Tanks, die Kanada z u Ausbildungszwecken verwenden will. 100 Derartige Tanks befinden sich bereits in gebrauchs­fertigem Zustand und stehen zur llebergabe an Kanada bereit. /

EinAusschuß zur Verteidigung Amerikas" in USA.

Neuyork, 2. Okt. (Europapreß.) Hier wurde ein Ausschuß zur Verteidigung Amerikas" gegründet, der als Gegenstück zu dem interventionistisiyenAus­schuß zur Verteidigung Amerikas durch Unter­stützung der Alliierten" die öffentliche Meinung und den Kongreß davon überzeugen will, daß Amerika verteidigt und gestärkt werden könne, nur wenn es aus jedem Krieg in Europa und Asien herausaehalten werde. Die führenden Män­ner des Ausschusses sind Genera! R. Wood, Gene­ral Dawes, Henry Ford, McCarter, Präsident der Publicity Service Cy, und Kapitän Richenbacker, Militärkritiker der Zeitungen der Hearstgruppe. Der Ausschuß hat Drei Grundsätze aufgestellt: 1. Alle Kräfte auf Die Vorbereitung der Verteidigung zu konzentrieren; 2. sich aus Dem europäischen Krieg herauszuhalten: 3. Unterstützung für England nicht über DieCash-and-Carry"-Klausel hinaus. Das Programm des Ausschusses bejaht enftchieden die Machtentfaltung Amerikas in den kontinentalen Grenzen.

Präsident Roosevelt empfing am Dienstag die in Washington weilenden Armeechefs der füd amerikanischen Republiken unter Führung des O8^..-Generalftabschefs George Marshall. Dor Pressevertretern erklärte Roofe- velt nach einem Empfang Des Washingtoner fran-

Siimmungs-Bluff.

Von unterer Berliner Schnstleftung.

Die Erfahrung, daß England unter Der Anleitung Churchills um so größere Siege in Die Wett hinaus- brüllt, je empfindlicher seine Niederlagen sind, be­stätigt sich gerade jetzt durch einen neuen Trick. In London hofft man freilich, daß die übrige Welt ihn weder als Trick noch als alt erkennen wird. Es handelt sich darum, daß die gesamte publizistische Maschinerie in England durch eine Offensive ge­spielter Zuversichtlichkeit auf höchste Tourenzahlen gebracht wird. Dazu gehört die reklamehafte Ankün­digung neuer Waffen in London. Dieses System Der Versprechungen ist jetzt im großen Stil ausge­baut roorDen. Die englische Öffentlichkeit wird über­schwemmt mit Ankündigungen beispielsweise folgen­den Inhaltes: die neuesten Bomber sind ,>in Vorbe­reitung" völlig neue Vertei di gungsmaß nahmen für London werdenin ein bis Drei Monaten" wirksam roerDen England werde stärkere Flug- Maschinen haben als Göring die Deutschen hätten sich auf Serienbau festgelegt, während England völlig neue Typen entwickelt habe große Liefe­rungen aus Amerika sind angekündigt Deutsch­land hat den Fehler gemacht, daß es alle seine Mo­delle schon eingesetzt hat im September hat es für England drei kritische Tage gegeben; sie sind aber durch ,chen englischen Sieg" überwunden wor­den und überhaupt, es ist Daraus geradezu eine Katastrophe für Deutschland entstanden. In dieser Tonart geht es durch die ganze englische Presse, durch den Rundfunk, durch die englische Auslands­sendung, durch alle Kabel, soweit sie heute noch Dem englischen Reuter-Büro zur Verfügung stehen.

Wir ziehen aus diesem ganzen plötzlichen Aufge­bot englischen Reklamegeschreies kurz und sachlich zwei Folgerungen. Erstens muß Der Abschluß Des Dreimächtepaktes Den Engländern angesichts ihrer schweren diplomatischen Niederlage so völlig das Konzept verdorben haben, daß sie sich keinen an­deren Rat wissen, als eine publizistische Cntlastungs- osfensive. Zweitens müssen diese dreieinhalb Wochen deutser Vergeltunasangriffe England nicht nur mili­tärisch und technisch, sondern auch sttmmungsmäßig so schwer getroffen haben, daß Die Regierung es für unerläßlich hält, Dem Lande einen amtlichen Optimismus vorzutäuschen, um Dem Volk wieDer einmal das müde Rückgrat zu steifen. Man darf nicht vergessen, welche zerfressende Wirkung es auf die Dvlksstimmung hat, wenn eine 8-Millionen° Stadt wie London seit nun bald vier Wochen keine einzige ruhige Nacht im Bett verbringen darf und dafür fast nur noch den Aufenthalt in überwiegend unzureichenden Luftschutzkellern, ja für Hundert- tausende fangar nur auf kalten zugigen Untergrund­bahnhöfen kennt, von den rund 100 000 Obdach­losen ganz zu schweigen. Es handelt sich also um einen groß angelegten Stimmungsbluff Der militä­risch ebenso wie Diplomatisch unterliegenden Regie­rung Churchill. Bluff aber ist ein englisches Wort. Es bedeutet Täuschung!

zöstschen Botschafters, ein Problem Der Befestigung Der französischen Insel Martinique sei ihm un­bekannt. Die Vereinigten Staaten beabsichtigten nicht, Befestigungsanlagen auf Martinique vor zu­bereiten.

England und die Luden.

Neue Versprechungen

im Stil der Balfour-Deklaration.

Neuyork, 2. Oktober. (DNB.) Wie dieNew Port Post" meldet, hat die britische Regierung dem amerikanischen Judentum konkrete Versprechungen für den Fall eines britischen Sieges gemacht. Die Erklärung, die vor dem American Jewish Kongreß verlesen wurde, soll der Minister ohne Geschäftsbe­reich im britischen Kriegskabinett und ehemalige englische Arbeiter-Vertteter Greenwood, abge­geben haben, indem er die zuversichtliche Hoffnung ausdrückte, daß ein britischer Sieg eine neue Weltordnung bringen werde, in der dasGe­wissen der zivilisierten Menschheit verlangen wird, daß das dem jüdischen Volk in so vielen Ländern angetane Unrecht wiedergutgemacht wird." New York Post nennt die Botschaft Der britischen Regierung die erste öffentliche Erklärung Englands zur Judenfrage seit Kriegsausbruch. Im Weltkrieg versprach Die Deklaration des damaligen englischen Außenministers Lord Balfour dem internattona­len Judentum Die Schäftung eines jüdischen Natio­nalstaates Palästina, obwohl den arabischen Stäm­men gegenüber vertraulich entgegengesetzte Versicherungen abgegeben worden waren.

Der britische Rundfunk gedachte des jüdischen Neujahrsfestes und wies darauf hin, daß in allen Synagogen des Empires Gottesdienste gehal­ten würden. In einer Botschaft des Oberrabiners Dr. Hertz heißt es, Die JuDen kämpften gegenwärtig mit Großbritannien zusammen gegen die Gewaltherrschaft der heidnischen Naziführer!". Die Freiheit der Welt steht auf dem Spiel. Die Ju­den seien die ersten Opfer der Nazityrannei gewor­den, es fei Das Ziel Der Deutschen, Die Juden über­haupt aus Europa zu vertreiben. Die Juden aber würden in ihren Gebeten besonders des englischen Könis und der britischen Bevölkerung gedenken. Daß England und das Judentum Zusammenhalten wie Pech und Schwefel, war schon längst bekannt. Und daß die Juden an ihrem Neujahrstage in ihren Gebeten des Königs von Judäa, Georg VI., gedenken, ist doch wohl eine Selbstverständlichkeit!

Gegen den offiziellen Optimismus

England mutz sich selber helfen."

Stockholm, 2. Okt. (Europapreß.) Gegen die Optimisten, d-ie als Ergebnis des deutsch-italienifch- japanischen Paktes die aktive Unterstützung der Vereinigten Staaten und der Sowjet­union für England erhoffen, muß sich nun selbst Lord BeaverbrooksDaily Expreß" wenden. Das Blatt schreibt:Schon schnalzen die Optimisten Die Zunge. Sie krähen, daß Der Pakt sowohl Ruß­land wie Amerika unter die Arme greifen werde. Glaubt ihnen nicht, Denn die Erwärmung, welche sie bieten, ist wie ein Spitzenschal im Winter­wind. Amerika gibt uns jetzt alle die Hilfe, die es geben kann. Und Rußland mißtraut England bis 3um Letzten. Es ist freundlich mit Deutschland und stellt England zurück, weil es den klaren Glauben hat, daß Deutschland den Krieg gewinnen wird. England muß sich selbst helfen."

Der Abgeordnete Lewis S i l k i n , Der als Mit­glied Der ßabour Party Den Londoner Wahlkreis Peckham vertritt, wendet sich im News Chronicle Dagegen, daß Dem Parlament keine Gelegenheit geboten werde, zu den wichtigsten Fragen der Poli­tik und Kriegführung Stellung zu nehmen. Während Der Parlamentsferien würden Entscheidungen von welterschütternder Bedeutung gefaßt.Warum wird