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Erfolgreiche bewaffnete Aufklärung gegen England.

Britische Kanal-Inseln besetzt. - Zahlreiche englische Flugzeuge abgeschoffen.

die Engländer bis zur Aufhebung des Sklaven­handels am Anfang des 19. Jahrhunderts nur einige Stationen für die Sammlung und den Export von Sklaven. Als es mit diesem handel zu Ende war, dachte man in London stark daran, alle diese klima- tisch mörderischen Plätze aufzugeben. Erst das Palmöl ergab wieder einen großen Handelswert, und durch das Chinin wurde die Küste für Europäer bewohnbar.

Die große imperiale Planung kam erst durch Männer wie Joseph Chamberlain und Cecil Rhodes. Charles Dilkes Wort aus den 60er Jah­ren:Die Welt wird reihend schnell englisch!" sollte nun in die Politik umgesetzt werden. Bei der Teilung Afrikas, die nach der Durchquerung des Erdteils durch Stanley, 1877, in Fluß kam, sicherte sich Eng­land den Löwenanteil. Der Griff nach Aegypten und dem Subyn und der Raubkrieg gegen die Buren wegen des Goldes von Johannesburg waren durch­ausimperial" gedacht.

Die rasche Vermehrung und das wachsende Selbst­gefühl der weißen Kolonialbevölkerung in Kanada, Südafrika, Australien und Neuseeland, dazu das wirtschaftliche Aufblühen dieser Gebiete infolge ihrer natürlichen Reichtümer, führte zur planmäßigen Konstruktion des Imperiums als eines Bundes von Mutterland und Dominien, nach dem Prinzip, daß es sich um keine Kolonien mehr, sondern umfreie und gleichberechtigte Nationen" handle. Man hatte aus dem Abfall der amerikanischen Kolonien ge­lernt! Eine natürliche Folge war die Tendenz auf gegenseitige handelspolitische Bevorzugung.

Deutschlands Hineinwachsen in die Weltwirtschaft und damit in die Weltpolitik, seine Kriegsflotte und sein wachsender Anteil am Welthandel trieben Eng­land zur Teilnahme am Weltkrieg. Da war Plan dabei! Für England war es ein imperialer Krieg zur Beseitigung derdeutschen Gefahr", und im Sinn dieser Planung schien kein englischer Krieg erfolgreicher geendet zu haben als dieser. Sicher haben die Engländer nichts weniger erwartet, als daß schon nach 25 Jahren das durch Versailles ge­knebelte Deutschland von neuem einen angemessenen Lebensraum zu fordern imstande sein würde. Unbe­schränkter Lebensraum gebührt nach englischer An­schauung nur dem eignen Imperium.

War die deutsche Gefahr für das englische Welt­reich 1914 vermeintlich nicht zu ertragen, so ging im Jahre 1939 das deutsche Verlangen, den eigenen Lebensbedürfnissen Raum zu schaffen, erst recht gegen Englandsimperiale" Planung. Diesmal aber wird dem Anspruch Englands, die Welt nur nach feinem Gutdünken einzurichten, durch das unter genialer Führung erstarkte Reich eine Grenze gesetzt.

Englands Lage in amerikanischem Urteil.

N e u y o r k, 3. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der Militärsachverständige derNew Jork Post", Pratt, schreibt, daß sich Englands Stellung seit einer Woche sowohl aus politischen als auch aus militärischen Gründen erheblich verschlechtert habe. So müsse England in militärischer Hinsicht die Ka- n a l i n s e l n aufs Verlustkonto buchen. Aber auch vom politischen Standpunkt aus sei der Verlust dieser Inseln ein empfindlicher Schlag für die englische Volksstimmung, ganz abgesehen davon, daß Deutsch­land mit ihnen in den Besitz völlig neuer Stützpunkte gelangt sei.

Noch ernster sei für England derZufammen - bruch des französischen Widerstands­gei st e s i n d e n K o l o n i e n. Den französischen Hetzern in London sei es nicht geglückt, die franzö­sischen Generale Nogues und Mittelhauser zur Fortsetzung des Kampfes zu bewegen. Das habe zur Folge, daß England die französischen Afrikahäfen nicht mehr benutzen könne. Damit sei auch die Aufrechterhaltung einer wirk­samen Blockade von Gibraltar aus praktisch unmöglich. Gibraltar sei zudem jetzt fast wehrlos Luftangriffen ausgesetzt und verliere somit auch an Wert als Flottenstützpunkt. Rückwirkungen dieser neuen Lage in Gibraltar blieben natürlich auch für die britischen Kriegsschiffe und Flugzeuge i m

Ser Wehrmachtsbericht vom Dienstag.

Aührerhaupkquartier. 2.Juli. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Am 30. Juni bzw. 1. Juli wurden die briti- schen Kanalinseln Jersey und G u e r n f e y im Handstreich durch Teile der Luftwaffe genom­men und anschließend durch Stoßtrupps der Kriegs­marine und nachfolgende Abteilungen des Heeres beseht, hierbei schoß ein deutsches Aufklärungs­flugzeug zwei britische Kampfflugzeuge vom Muster Bristol-Blenheim im Luftkampf ab.

Im Zuge der bewaffneten Aufklärung über dem Kanal wurde am Nachmittag des 1. Juli ein bri­tisches Küstenwachschiff ostwärts Tor­quay angegriffen und in Brand geworfen. Lin weiterer erfolgreicher Angriff richtete sich gegen

(PK.) Es war am Tage vor dem Beginn der Waffenstillstandsverhandlunaen. Die Straßen Frank­reichs lagen noch unter Wolken des dicken Stau­bes, den unsere in der Verfolgung vorwärtshetzen- den Heeressäulen überall aufwirvelten. Durch den kühnen Einsatz und schnellen Zugriff der Voraus­abteilungen war die Zertrümmerung der gegne­rischen Armee in unserem Abschnitt bis zur Auf- lösuna vorangetrieben. So waren in schneidigem Draufgängertum alle Wege offen.

In gewaltigem Wettlauf mit dem Gegner hatte die Vorausabteilung unserer Division den geo­graphischen Mittelpunkt Frankreichs, Bourges, bereits hinter sich gelassen und war bis zum' Laufe der Cher vorgestoßen, als noch in später Stunde die Meldung einlief, daß sich verwundete deutsche Flieger in der noch etwa 20 Kilo­meter entfernten Stadt Lignieresin Gefangen- schäft befänden. Durch einen motorisierten Späh­trupp war bereits festgestellt, daß die Stadt eine feindliche Besatzung aufwies. Ein breiter, unbekannter und nicht gesäuberter Streifen lag zwischen den vordersten deutschen Feldposten von Lignieres. Die Nacht war nahe. Trotz allem gab es bei den Männern der Vorausabteilung nur einen Willen:Die gefangenen Kameraden müs­sen heraus und zwar heute noch!"

Mit Genehmigung des Kommandeurs setzte sich ein Sonderkommando gegen 21 Uhr in Marsch. Es erreichte die Stadtgrenze noch bei Helligkeit und ohne besondere Zwischenfälle. Hier aber wimmelte es von bewaffneten Kolonialtruppen, meistens Negern. Aber auch weiße Poilus waren zu sehen. Auf den Bürgersteigen stand die Zivilbevölkerung. Alles war starr und schaute in maßloser Verblüffung auf die unerwartet auftauchen­den Deutschen. Ein Uniformierter, der sich später als Stadtdiener entpuppte, wurde rasch geschnappt. Er führte den vordersten deutschen Kraftwagen, in dem sich ein Arzt, ein Pionier-Leutnant und ein

NahenOsten nicht aus. Auch diese befänden sich daher in Schwierigkeiten. Kurzum, die englische Kontrolle an beiden Enden des Mittelmeers sei schwer erschüttert und werde, wenn es zu heftigen Angriffen komme, sogar völlig zu­sammenbrechen.

den Hafen von Wick in Nordschotlland. In der Nacht zum 2. Juli griffen unsere Kampfflug­zeuge wiederum Hafenanlagen am B ri ft o l - K a - n a l an. Brände und Explosionen wurden beobachtet.

Im Verlaufe der Angriffe britischer Flugzeuge in der Nacht zum 2. Juli auf Nord- und Westdeutsch­land wurden u. a. auch auf kiel Bomben gewor­fen, richteten aber nur geringen Sachschaden an. Einige Zivilpersonen wurden getötet. Im ganzen wurden fünf feindliche Flugzeuge durch Flak-Artil­lerie abgeschossen, außerdem bei dem nächtlichen An­griff auf kiel zwei weitere feindliche Flugzeuge durch Flak-Artillerie der Kriegsmarine. Drei eigene Flugzeuge werden vermißt.

Die Zahl der am 30. Juni und am 1. Juli im Luftkampf abgeschossenen feindlichen Flugzeuge er­höht sich gegenüber der bisher angegebenen um 5 auf 23.

Sanitätsfeldwebel der Panzerjäger befanden, zum Hotel de Ville. Dichtauf folgte ein Opel-Blitz, ge­spickt mit einem schweren Maschinengewehr und elf Mann Besatzung. Dahinter fuhr als provisorischer Sanitätskraftwagen ein weiterer Opel-Plitz, der die Verwundeten aufnehmen sollte.

Der Maire empfing den späten Besuch reser­viert, aber höflich. Er wurde noch höflicher, als ihm der deutsche Arzt in französischer Sprache erklärte, daß er gekommen sei, die im Hospital be­findlichen deutschen Verwundeten ab­zuholen und dabei keinerlei Behinderung oder gar Widerstand erwarte. Gelassen setzte er hinzu:Falls unser Kommando mit den gefangenen Deutschen nicht innerhalb von zwei Stunden wieder an der deutschen Linie an gelangt ist, wird Ihre Stadt durch Flieger und Artillerie dem Erdboden gleichge­macht!"

Dieser Wink genügte, um den Maire zur schleu­nigen Befolgung aller ihm aufgetragenen Befehle zu veranlassen. Kein feindlicher Soldat hob die Waffe. Ein Führer wurde gestellt, die deutschen Wa­gen geleitete man auf dem schnellsten Wege zum Lazarett, in dem die Deutschen mit vielen verwun­deten Franzosen und Negern zusammen lagen.

Jubelndes Winken der bereits am Fenster stehen­den leichtverwundeten Flieger begrüßte die feld­grauen Kameraden, als sie am Portal vorfuhren. Im Sturmschritt eilten diese die Treppen hinauf, rissen die Tür zum Krankensaal auf.Heil Hitler!" donnerte es hinein.Heil Hitler!" kam es in unbe­schreiblicher Freude zurück von den Männern, die nun schon fünf Wochen in d er Gefangen­schaft lagen. Es waren Angehörige eines Kampf­geschwaders, die nun von deutschen Soldaten in die Freiheit zurückgeführt wurden. Schleunigst wurden alle in dem Opel-Blitz sachgemäß untergebracht, vor allem auch der Schwerverwundete, der einen Knie-

I gelenkschuß hatte. A. Schmid.

Die Beratungen der Waffenstillstandskommission.

Wiesbaden, 2. Juli. (DNB.) Die Beratungen der deutschen Waffenstillstandskommission in Wies­baden nahmen am 2. Juli ihren Fortgang. Zur Erörterung stand unter anderem die Frage der

Demobilmachung der französischen Armee.

Erfolgreiche Tätigkeit der italienischen Luftwaffe.

Rom, 2. Juli. (DNB.) Der llalienische Wehr- machlsberichl vom Dienstag hat folgenden Wort­laut:

Das Hauptquartier der Wehrmacht gibt bekannt: An der Lyrenalka-Grenze haben unsere Flugzeuge trotz der ungünstigen Witterungsverhält­nisse Aktionen gegen feindliche Panzerwagen mit Bomben und anderen Sprengkörpern durchgeführt, wobei einige in Brand gesetzt bzw. beschädigt wor­den find. Zwei unserer Flugzeuge sind nicht zurück­gekehrt.

Unsere Luftwaffe hat einen großen feindlichen Geleitzug im südöstlichen Wittelmeer über­rascht und wiederholt und mit großem Erfolg mit Bomben belegt.

In O st - A f r i k a hat unsere Luftwaffe die Hafen­anlagen und Depots von Berbers wirksam mit Bomben belegt Feindliche Flugzeuge haben 2Haf- f a ua zu bombardieren versucht. Das rechtzeittge Eingreifen unserer Jagdflugzeuge, die zwei feind­liche Flugzeuge abgeschoffen haben, und unsere 2Na- rine-Flakgeschühe, die ein Flugzeug in Flammen zum Absturz brachten, haben den Feind zum Rück­zug gezwungen.

Feindliche Flugzeuge haben Augusta zu bom­bardieren versucht. Durch wirksame Abwehr unse­rer Marine-Flakgeschütze wurde der Angriff ver­eitelt Lin feindliches Flugzeug wurde abgeschossen. Der Schaden ist unbedeutend. Bei der Zivilbevölke­rung gab es drei verwundete.

Ausländskorrespondent ausgewiesen.

Berlin, 2. Juli. (DNB.) Der Berliner Korre­spondent derNeuen Zürcher Z e i t u n g", Dr. Car ätsch, wurde aus Deutschland ausgewiesen wegen oes Versuches, durch Verbreitung von Lügen

Ihre Angehörige« im Felde werden sich ganz bestimmt freuen, wenn Sie ihnen gelegentlich ein Sepso - Tupfröhrchen schicken. Dieses handliche und bruchsicher ver­packte Fläschchen, das sich bequem mitführen läßt, enthält Sepso-Tinktur, das seit 1927 ärztlich er­probte und bewährte Mittel zur Desinfektion und Wundversorgung. Das Sepso-Tupfröhrchen, das Sie in allen Apotheken und Drogerien zn RM.,49 erhalten, eignet sich besonders zur Desinfektion von kleinen Wunden und Pickeln, zur Verhütung von Entzündungen sowie zur Anwendung bei Insektenstichen.

die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland zu vergiften. Die Ausweisung erfolgte im Inter­esse der Schweiz selb st, deren Presse durch eine derartige Lügenhetze, die, wenn sie weiter ge­duldet würde, die Existenz des eigenen Landes gefährdet.

planlose nächtliche Bombenwürfe.

Berlin, 2. Juli. (DNB.) Wie planlos britische Flieger ihre Angriffe auf deutsches Reichsgebiet durchführen, beweist die Tatsache, daß sie in der Nacht vorn 2 8. zum 2 9. Juni wiederum ver­schiedene deutsche Ortschaften bombardierten, ohne dabei irgendwelche militärische Ziele zu treffen. Dagegen wurden fünf Häuser durch drei Sprengbomben beschädigt und eine Person leicht verletzt, ferner eine Scheune durch eine Sprengbombe zerstört. Drei Bomben fielen a u f Weinberge und richteten dort geringfügigen Sachschaden an. Eine dieser Bomben explodierte erst nach sieben Stunden.

Sicherster Schutz der Luftschutzkeller.

Berlin, 2. Juli. (DNB.) Wie notwendig es ist, daß die Zivilbevölkerung bei Fliegeralarm im ei-

Schneidige Tat deutscher Sanitäter.

Verwundete Flieger aus der Gefangenschaft befreit.

Afrikanischer Buschkrieg an der Maas.

Don Alsons Freiherrn von Ezibulka.

Der bekannte ostmärkische Dichter, dessen RomanDer Kerzelmacher von St. Stephan" bei seinem Abdruck in den Gießener Fami­lienblättern lebhafte Anteilnahme gefunden hat, sendet uns folgenden fesselnden Bericht von seinen Erlebnissen als Oberleutnant im Feldzug in Frankreich.

Die schönen, von goldenen Sonnenlichtern durch­funkelten und blauen Schatten gezeichneten, über flache Hügelwellen weit hinwogenden Laubwälder im Mündungsdreieck der Maas und Chiers mit dem afrikanischen Buschwald zu vergleichen, wäre im Frieden niemand eingefallen. Und doch hat sie d'er Krieg dazu gemacht.

Am linken Flügel unseres Abschnittes hat der kämpferisch und technisch mustergültige Angriff un­serer Infanteristen und Pioniere den brav und mannhaft sich wehrenden Gegner von der ent­scheidenden Höhe 311, aus dem Dorfe Vi11y und aus der hervorragend und wahrhaft unbezwing­bar angelegten und bis zum letzten Mann gehal­tenen Werkgruppe 505 und ihren acht Pan­zerkuppeln geworfen. Rechts ist der Feind, von einer nach Süden durchstoßenden Panzerdivision schon im Rücken bedroht, nach überhasteter Räu­mung kampflos vor unseren Regimentern gewichen und hat unseren Truppen gewaltige und wichtige Beute an Waffen, Ausrüstung und aufschlußreichen Befehlen überlassen. In der Mitte unseres Vor­rückens aber hielt er mit verbissener Zähigkeit und Erbitterung, mit aller verschlagener, überraschungs­reicher und wendiger Kampfweise und anerkennens­werter soldatischer Haltung, die gerade der fran­zösischen Verteidigung eigen find.

Die schier undurchdringlichen Wälder zwi­schen Maas und Chiers, die sich im Süd- westen an die liebliche Bauernlandschaft der Maas­ufer lehnen, links bis an die heiß umstrittene Höhe 311 und nahe an Dilly heranrauschen, sind hier sein Rückhalt. Sttlle, unberührte Wälder noch vor wenigen Tagen, um die der Zauber deutscher und französischer Märchenwelt wob, auch sie verklärter Auskläng germanischen Dämonen- und Natur- glaubens, den die französischen Contes des wes nicht minder wiederspiegeln als die deutschen Mär- chen: wie ja das Beste französischen Wesens und deutscher Art eines Ursprungs sind und ein und derselben in grauer Vorzeit rauschenden Quelle ent­strömten. Verträumte Wälder voll Wipfelsausens und Waldesruhe, Wälder, in denen noch der Atem

Gottes rauscht, die so beseelte Namen tragen wie Bois de Bianchampagne ober Wald der Sieben Quellen; Wälder aber auch, die noch wachsen wie her Herrgott sie schuf, mit allem verfilzten Dickicht, Buschwerk und Unterholz, und nicht wie der Mensch sie wollte und pflanzte, mit Bäumen, die ausge­richtet stehen wie Grenadiere zur Parade, mit allen Künsten der Durchforstung, mit Schneisen und Schlägen, mit Schonungen und Lichtungen, was wohl alles den Wald erst nutzbar und ertragreich macht, ihm aber alle Heimlichkeit und alle Sttlle, alles Kühle und Dunkel, alles Dämonische und und Märchenhafte nimmt, das feines Wesens tief­ster Zauber ist.

Dieses Ursprüngliche und Urwaldhafte, Dämo­nische und Unheimliche aber machte diese Forste an der Maas, darin die Sonne, hundertfach ge­brochen durch das Laubwerk der Wipfel, kaum noch den Moosteppich des Waldbodens erreicht, zu einem Wald ohne Gnade, als es die Kampfhand­lungen mit sich brachten, daß wir in ihn eindran­gen, weil der Feind sich in ihm noch mit starken Kräften hielt. Aber nicht nur gnadenlos wurde der Wald wie jede Landschaft, die zum Kampffeld eines modernen Krieges wird. Durch die Fechtweise des Feindes, durch die Truppen, mit denen er ihn zu halten suchte, weil er unseren Durchbruch durch die Maginot-Linie nicht wahr haben wollte, durch die algerischen Schützen und unbarmherzig und teuf­lisch kämpfenden Neger, die Frankreich, von neuem wie so oft schon, eine Todsünde gegen das Abend­land begehend, auch in diesem Kriege zum Kampfe gegen Weiße aufrief, wurde der Märchenwald zum afrikanischen Busch.

Schwarze Tiere nannte der hier führende Regi­mentskommandeur diese afrikanischen Wilden. Es liegt in diesen Worten weniger Verurteilung als Wesensbezeichnung. Es sind damit alle Hemmung^ lose Wildheit und Blutgier, alle Tücke, aber auch alle Nahrhaftigkeit und alle noch nicht abgetoteten Urinftinfte der Naturvölker gekennzeichnet, deren sich diese Schwarzen im Kampfe bedienen. Der afri­kanische Neger ist lautlos wie eine Raubkatze, schnellfüßig wie eine Antilope, er hört und sieht weit besser und schärfer als der Weiße. Und wie dem erfahrenen Jäger sogar der Geruchssinn dient und er in den von der Spätsommerhitze flimmernden Kartoffeläckern, so der Wind ihm entgegensteht, die eingefallene Kitt Hühner in ihrer Deckung schon wittert, ehe der Hund noch vorsteht, so ist es wahr-

scheinlich, daß der Schwarze aus der afrikanischen Wildnis die Nähe eines Feindes, vor allem eines Weißen nicht anders roitfert wie das Wild den Löwen.

Diese Naturkräfte bekam unsere brave Infan­terie zu spüren, als sie erst mit einzelnen Späh­trupps, dann mit ganzen Kompanien den Kalb zu säubern begann. Schon für den einsamen Spa­ziergänger, den naturbegeifterten Waldläufer, für den Holzknecht Bois de Hache, Wald der Axt, heißt hier ein Forstteil ist der dem Hochwald vorgelagerte oder in ihn eingebettete Buschwald, ja der Haupiwald selber kaum durchstreifbar. Ein einziges schmales Waldsträßlein durchzieht ihn. Wege, außer wenige Jagbfteige, gibt es kaum. Diese Unwegsamkeit zu erhöhen, haben die Schwar­zen noch durch abgesägte, als Verhacke dienende Baumkronen und gefällte Waldriesen, durch täu­schende Schußschneisen Sperren und Hinterhalte gelegt, die jeder anderen Infanterie als der des Reichs die Vernichtung bringen würden. Im Ge­hölz, unter Busch und Strauchwerk, haben Frank­reichs schwarze Krieger, unsichtbar für jeden noch so spähenden Angreifer, ihre Schützenlöcher und MG.-Nester eingebaut und getarnt, aus denen sie mit Gewehr, MG. und Maschinenpistole oft erst auf zehn, ja fünf Schritte ein vernichtendes Feuer er­öffnen. Und auch wirkliche Nester haben sie. Nester aus Zweigen, Laub und Mvvs hoch in den Baum­wipfeln, darin sie horsten und von wo sie uner­kennbar selbst durch Feldstecher, tief in den Busch- wald hineinspähen, jedes leise Rühren des Lau­bes, jedes Schwanken eines Zweigleins erkennen und jeden, auch nur für den ^ruchteil einer Sekunde sich hebenden Stahlhelm mit ihrem Hagel begrüßen. Oder sie lenken durch Zeichen oder Feld­telephon das Feuer der Granatwerfer auf den an- schleichenden Feind, deren Geschosse lautlos heran- fliegen, ehe man den Abschuß hört, mit bösem, gif­tigen Krachen bersten, kaum einen Trichter, kei­nen Einschlagqualm erzeugen, so daß man oft nicht einmal die Richtung zu erkennen vermag, aus der ein solcher Granatwerfer tückischer Nachkomme der Minenwerfer des Weltkriegs, überhaupt schießt.

Dieses Nichterkennenkönnen des Feindes, dieses Nichtwissen, ob er voraus, rechts ober links steht ober gar im Rücken lauert benn auch bie Ge­wehre unb MG. ber Neger unb algerischen Schützen feuern niemals von vom, fonbern immer, einanber flantierenb ober überkreuzenb von ber Seite her biefe mit allen Mitteln ausgebaute Tücke bes Hin­terhalts, bem selbst zurückgelassene getarnte Lausch­mikrophone nicht fehlen, biefe französische Meister­schaft im Walbkampf ist biefes Ringens zwischen Maas unb Chiers härtester Teil. Kein Wunber, baß bie Solbaten bas hocke im Bois de Hache in bas beliebte bayerische Kraftwort verwanbelten.

Nieberbrückenb unb nervenverbrauchenb ist die­ser Kampf schon bei Tag. Verlustreich und gefähr­lich für die angreifenben Kompanien, beren Front keine zusammenhängenbe, fonbern vielfach und wirr gebrochene unb durchbrochene, oft flankierte ober im Rücken bebrohte Linie ist. lobbringenber noch für bie Melber, ohne bie in biefem Walb­kampf jebe Drbnung verlorenginge. Unheimlicher aber noch ist biefes Ringen bei Nacht, bie hier wahrhaft voll Gespenster ist, in ber überall ein Schleichen unb Tappen ist, ein plötzlicher Aufschrei, Anspringen, Stechen ober Würgen, in ber bie weni­gen Jägersteige zu Kriegspfaben afrikanischer Neger werben, in ber kein Unterschieb mehr ist zwischen biefem Kampf an ber Maas unb bem erbarmungs­losen afrikanischen Buschkrieg, ober nur ber, baß bie Waffen hier noch zehnmal furchtbarer, heim­tückischer unb wirksamer finb.

Währenb bie Nacht hinburch ber Bataillonsun» terftanb umtost unb umbonnert ist von den haar­genau sitzenben Einschlägen französischer Fünfzeh. nergranaten, von bem bie Höhe unb ben Anmarsch­weg abtämmenben Zischen unb jaulenben Feuer ber Granatwerfer, rennen bie Neger, bie algerischen Schützen aus bem Dunkel anspringenb, brei-, vier-, ja achtmal in einer Nacht gegen unsere Walbstel- hingen an. Eine Kompanie wirb trotz aller Siche­rungen unb Horchpoften, trotz allen Spähtrupps lautlos unb katzengleich umschlichen unb steht mit einem Male umzingelt in einem löblichen Kreise ber Bajonette unb Messer ber von einem Blut- rausch ergriffenen Milben. Nur kaltblütige, vor- bilbliche Führung, eiserne Disziplin, rasch erwor­bene Kampferfahrung retten bie Eingeschlossenen, bie burch einen kühnen Stoß ben Ring zerbrechen, bie Front wieber Herstellen, ja nach vorwärts tra­gen.

Gut sitzenber zum Trommelfeuer sich fteigenber Mörserbeschuß, ber ben Walb burchrast, burchfaucht, durchfplittert, rollt bann am Morgen vor bem Bataillon her, bas buchstäblich ins eigene Feuer sich stürzenb, in einem alles mitreißenben Schwünge vorstäßt, einen neuen Walbteil sich erkämpft, eine neue Stellung bezieht, im Vergeltungsfeuer hält unb in ber fommenben Nacht abermals gegen im­mer wieber angesetzte Stürme unb UeberfäUe sich nicht nur behauptet, fonbern siegreich vorbringt.

Immer weiter gegen bie Sübspitze bes Walbes wirb ber Feinb zufammengebrängt. Alle Tapfer­keit, alles Geschick, alle Tücke unb Wilbheit ver­mögen auf bie Dauer nichts gegen bas Zusam­menspiel ber beutschen Waffen, gegen 'bie über­legene Führung selbst ber kleinsten Gruppe, gegen ben Willen zum Sieg unb unsere gerechte unb heilige Sache. Der Walb ist unser.