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Hilfskriegsschif 5100 BRT.,

dazu 26 (Sperrballons und einen Fesselballon. Eine Zerstörergruppe hat bis 14. Juni ben 101. Abschuß, eine Jagdgruppe bis 11. Ium den 50. 21b-- chuß erzielt. v e

Durch die Kriegsmarine wurden an Hilfskreuzern, anderen Hilfskriegs-, Transport- und Handelsfchif- en versenkt: HilfskreuzerCarinthia 23 000 BRT HilfskreuzerScotstown" 17 000 BRT., TruppentransporterDrama" 21 000 BRT., Ma­rinetankerDilpioneer" 9100 BRT., ein Trans­porter 14 000 BRT., einen Hilfskreuzer 9 000 BRT., außerdem wurden von unseren U-Booten an Han- belsschiffsraum seit Mitte Mai über 400 000 BRT. versenkt, insge amt 493 100 BRT.

Die Luftwaffe vernichtete seit dem 5. Ium: Em Hilfskrieasschif und einen Zerstörer mit zusammen 5100 BRT., oroie 40 Handelsschiffe mit 299 000

zu vernichten unb hierdurch die Wirkung unserer Luftwaffe auf die zur Räumung Dünkirchens ein­gesetzte feindliche Transportflotte durch Nachtan­griffe zu steigern und zu ergänzen. Am 6. Juni konnte die von unserer Marine-Artillerie übernom­mene Küstenverteidigung bereis den ersten Erfolg mit der Versenkung eines britischen Schnellbootes melden. M i n e n s u ch st r e i t k r ä f t e säuberten die Hafeneinfahrten und Schiffahrtswege an der er­oberten Küste von Minen. Schon am 8. Juni war es möglich, der neutralen Schiffahrt das Auslaufen aus holländischen, belgischen und nordfranzösischen nach deutschen, dänischen, schwedischen und ben übri­gen Ostseehäfen zu gestatten. Unsere U o o t e waren während dieser Zeit vor den britischen In­seln und der französischen Küste mit beträchtlichem Erfolg tätig.

BRT. Beschädigt wurden drei Kreuzer, ein Zer­störer und 25 Handelsschiffe.

Ueber diese gewaltigen feindlichen Verluste hin­aus sind durch die Bestimmungen des Wafterstttll- standsvertrages auch die noch verbliebenen Reste der französischen Wehrmacht für den weiteren Ver­laus des Krieges ausgeschaltet.

Nur noch ein Feind: England.

Nach diesem gewaltigsten Sieg der deutschen Ge­schichte über den als stärkste Landmacht der Welt angesehenen Gegner des Großdeutschen Reiches, der ebenso geschickt wie tapfer gekämpft hat, gibt es keine Alliierten mehr. Es bleibt nur noch ein Feind:

England.

Die Gründe für den Sieg.

Revolutionäre Dynamik

und nationalsozialistische Führung.

Diesen beispiellosen Sieg der deutschen Waffen hat die Welt mit Bewunderung, mit Erstaunen oder mit Schrecken, se nach ihrer Einstellung, ver- folgt. Allen gemeinsam aber ist die Frage, wie der­artige Erfolge und noch dazu in solch kurzer Zeit zu erklären sind. Wenn bie ehemaligen Alliierten die Gründe in der zahlenmäßigen deutschen Ueber- legenheit zu sehen glauben, so entspricht das nicht der historischen Wahrheit; wohl war bie deut s ch e Luftwaffe zahlenmäßig wesen t l i ch st ar - ker als die der Alliierten. Das deutsche West- Heer aber trat am 10. Mai zunächst mit einer ge­ringeren Anzahl Divisionen zum Angriff an, als ihr an französischen, 'englischen, belgischen und hollän­dischen gegenüberstanden. Die Operationen im Westen begannen auch nicht, wie in Polen, aus einer strategisch günstigen Ausgangsstellung heraus; im Frontalangriff gegen stärkste Be­festigungen, meist hinter Flüssen und Kanälen gelegen, mußten die deutschen Truppen einen Durch- bruch erzwingen, der erst die Voraussetzung für die Umfassung und Vernichtung des Feindes schuf und den Einsatz weiterer Divisionen ermöglichte. Die Gründe für die deutschen Erfolge liegen tiefer; sie sind darin zu suchen, wo Deutschlands Feinde unsere Schwäche zu sehen glaubten, in der revo­lutionären Dynamik des Dritten Rei­ch e s und seiner nationalsozialistischen Führung. Sie hat bas beste neuzeitliche Kampfinstrument mit einer straffen und einheitlichen obersten Führung geschaffen, sie hat die Synthese zwischen nüchtern abwägender und sorgfältigster Vorbereitung mit der großen Kühnheit in der Anlage und Führung der Operationen gefunden, sie hat die zu allen Zeiten berühmten Leistungen des deutschen Soldaten in einem Ausmaß gesteigert, wie es nicht mehr mit der Erfüllung einer vaterländischen Pflicht, sondern einer, das ganze geeinte Volk tragenden und be­wegenden Idee erklärt werden kann.

Ein Ruhmesblatt wird für alle Zeiten der vorbildliche persönliche Einsatz aller militärischen Führer des Heeres und der Luftwaffe bis zu den untersten Dienst­graden sein. 3m Lrdkamps in vorderster Linie und an der Spitze ihrer Verbände in der Lust rissen sie ihre Truppen und ihre Geschwader vorwärts und nutzten kühn, wendig und ent- schlutzsreudig jede Lage aus, ohne zu zaudern oder auf Befehle zu warten.

An der Spitze feines Armeekorps starb der kommandierende General, Generalleutnant Ritter von Speck, den Heldentod. Gleich ihm liehen in der Zeil vom 5. bis 25.3uni 16 822 tapfere Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der drei Wehrmachlsteile ihr Leben für Führer, Volk und Reich, 9921 Offi­ziere, Unteroffiziere und Mannschaften werden vermiht. Von ihnen wird ein Teil ebenfalls den Heldentod gestorben fein. 68 511 Offiziere, Unter­offiziere und Mannschaften wurden verwundet.

Geringe deutsche Verluste.

* Menn irgend etwas geeignet ist, die Leistun­gen der deutschen Wehrmacht in noch höherem Lichte erscheinen zu lassen, so sind es diese, für den einzelnen bitter und schmerzlich empfunde­nen, für das ganze deutsche Volk aber fast un­glaubwürdig geringen Verluste, mit denen der Sieg über Frankreich errungen wurde. Sie be­tragen vom lO.Mai biszum Daffen- st i l l st a n d nach den bisherigen Feststellungen: gefallen: 27 074 vermiht: 18 384

verwundet: 111 034

insgesamt: 156 492

Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften.

Die Schlacht an der westlichen Alpenfront

Tagesbefehl des Duce an den Kronprinzen von Italien.

Rom, 2. Juli. (DNB.) Der Duce hat als Oberbefehlshaber aller Truppen an ben Kron­prinzen, der die Gruppe ber Armeen der Westfront befehligt, folgendes Telegramm ge­richtet:

Königliche Hoheit! Nach meiner Rückkehr nach Nom möchte ich Ihnen meine offene Aner­kennung für die Disziplin, die Haltung unb bie Moral ber von Ihnen befehligten Truppen zum Ausdruck bringen. Die Divisionen unb Abteilungen, über bie ich bie Parade abnahm, finb, wie man ohne Uebertreibung sagen kann, in einer glän­zenden Verfassung.

Die Italiener und die Ausländer müssen wis­sen, dah in den Tagen vom 21., 22., 23. und 24. Juni eine Schlacht abrollte, die unter dem Kamen Schlacht an der westlichen Alpenfront in die Geschichte eingehen wird, eine Schlacht, die auf über 200 Kilo­meter Länge und in einer höhe zwischen 2000 und 3000 Meter inmitten ununter­brochener Schnee st ürme vor sich ging. Die Italiener und die Ausländer müssen wissen, dah vom Kleinen St. Bernhard bis zum Roja- fluh das er sie Verteidigungssystem der Maginotlinie der Alpen unter dem Ansturm der italienischen Infanterie zu- s a m m e n g e b r o ch e n ist, die die dortige Stellung in einer Tiefe zwischen 8 und 32 Kilo­meter durchstieß.

Die Italiener unb bie Ausländer müssen wissen, daß die Franzosen, die sich in den Höhlen e In­ge n i ft e t hatten unb über Geschütze feder Art ver­fügten, bis zuletzt hartnäckigen W i d e r ft a n d geleistet haben, das heißt bis zum Waffenstillstand und sogar noch einige Stunden später, da sie unter anderem vollkommen im Dunkel darüber gelaßen worden waren, was im übrigen Frankreich geschehen war.

Die Italiener unb die Ausländer müssen wissen, daß sogar die Franzosen gegenüber der Zähigkeit, dem Elan und der Todesverachtung der italienischen Infanterie und Artillerie sprachlos waren.

Die Italiener und die Ausländer müssen wissen, daß der Kampf hart und mutig war. Tausende von Soldaten, die außer Gefecht gesetzt wurden, be­zeugen dies. Gemäß den Grundsätzen des Regimes werden die Listen der Gefallenen veröffentlicht wer- den. Was die Verwundeten anbelangt, die ich in den Lazaretten besucht habe, so kann ich sagen, daß man schwerlich in der Welt eine andere Rasse finden kann, die ihre schweren Verletzungen mit so viel Ruhe und Gelassenheit erträgt.

Königliche Hoheit! Nach Abschluß meiner Besicht tigung halte ich es für angebracht, daß diese Tat­sachen, die bereits der Geschichte angehören und den Ruhm des italienischen Heeres noch erhöhen, ein­deutig bargelegt werden. Das Vaterland kann auf feine in 20 Jahren Faschismus im Geist wie im Kampf gestählten Söhne in Waffen stolz fein."

England in Erwartung des deutschen Angriffs.

Stockholm, 2- Juli. (Europapreß.) Nachdem das englische Innenministerium am Montag die Einspannung ber' gesamten englischen Bevölkerung in bie aktiven und passiven Berteidigungsorgani- ationen angefünbigt hatte, ermahnt am Dienstag das Ernährungsministerium alle englischen Haus­frauen, ab sofort ihre V o r r a t s e i n k ä u f e wöchentlich und nicht mehr täglich zu machen. Die Regierung befürchtet einen Zusammenbruch des Verkehrswesens 'bei Beginn des deut­schen Angriffs, der nach Ansicht des ehemaligen Ministerpräsidenten Chamberlain und des parla­mentarischen Unterftaatsfefretärs im Jnformations- minifterium, Haräld Nicolfon,st ü n d l i ch über uns hereinbrechen kann".

Diese Maßnahmen unb Mahnungen laufen paral­lel zu den Vorgängen im gesamten englischen K ü - st e n g e b i e t, die darauf abzielen, aus England eine einzige Festung" zu machen. Das Schlagwort von berFeftung England" soll, seitdem Chamberlain es vor etwa drei Wochen prägte, nun verwirklicht werden. Berichte über geheimnisvolle Vorgänge an sämtlichen englischen Küsten lassen darauf schließen, daß man in England alles tut, um den Verteidigungsstand des Landes soweit als möglich äu erhöhen. Die militärische Leitung des Landes hat Maßnahmen ergriffen, um an allen nur brauchbaren strategischen Punkten ein zusam­menhängendes Verteidigungssystem zu schaffen. Grundsätzlich ist jeder Küstenstreifen militärisches Gebiet, ohne daß die besonderen Maß­nahmen der De ff entlief)? eit bekanntgegeben werden.

Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen ist tzs in Lon­don offenes Geheimnis, baß man nicht nur die Be­völkerung zu einem ausgesprochenen Guerilla-Krieg erziehen möchte, sondern daß auch in Zukunft jeder Kraftwagen, der harmlos am Wegrande steht, mili­tärische Bedeutung hat. Ueberall werden Weg­sperren errichtet, Tank fall en gebaut, Stein- Hürden über die Straße gestellt, Bäume gefällt, Eisenpfähle in die Erde gerammt und alte Kraft­wagen, die mit Steinen gefüllt finb, angefahren, um einen feindlichen Vormarsch aufhalten zu kön­nen. Diele Straßen wurden ausgerissen, um beto­

nierten Tankhindernissen, Maschinengewehrstellungen und Beobachterposten Platz zu machen. Wer an die­sen Stellen vorbeigeht, muß seinen Ausweis vor- aeigen, weil man verhindern will, daß im Aus­lände auch nur die geringste Kleinigkeit darüber be­kannt wird, was in der dreißig Kilometer breiten Ausnahmezone an den englischen Küsten und an vielen anderen Stellen des Landes vor sich geht.

Der Londoner Vertreter der Madrider Zeitung ABC" berichtet, daß man in ben Straßen Londons zahlreiche Soldaten aus Australien unb Kanada bemerkt. Das Reifen auf ben Landstraßen sei für den Wegeunkundigen so gut wie unmöglich, da überall die Straßenschilder und Kilometersteine ent­fernt worden seien. In ben Straßengräben fei au­ßerdem Material aller Art angehäuft, darunter die erstaunlichsten Dinge wie z. B. Kulissen von ganzen Landhäusern, durch bie ber Angrei­fer irregeführt werden soll. Auf der Landstraße stän­den alle paar Schritte bewaffnete Zivilisten und Militärposten, bie die Ausweise verlangten, so daß das Reisen im Kraftwagen ungeheuer verzögert werde. In allen größeren Städten, mit London an der Spitze, sind die Grenzen der Bewegungsfreiheit für Ausländer enger gezogen worden. So wurde am Montag die Schwedin I. E. Theorin von einem Londoner Gericht zu einer hohen Geldstrafe ver­urteilt, weil sie nach Mitternacht auf ber Straße angetroffen wurde. Sie hatte übersehen, daß in England keine Ausländer mehr nach Mit­ternacht das Haus verlassen dürfen.

Das KopenhagenerFaedrelandet" spricht von ei­ner Vorbereitung des Schlußkampfes, über den England sich keine Illusionen zu machen vrauche. England müsse sich auf das Schlimmste ge­faßt machen. Neutrale Beobachter bezeichneten England als einenkochenden Vulkan", wo uralte Traditionen auf eine geradezu revolutionäre Weise außer Kraft gesetzt würden. Die übertriebenen Ver­sicherungen der Siegesgewißheit der englischen Staatsmänner bienten nur dazu, ber deprimierten Stimmung in der Bevölkerung wieder -auf die Beine zu helfen.

Demgegenüber betrugen unsere Verluste i m Weltkrieg: Im Jahre 1914 im Westen: 638 000 Mann, darunter 85 000 Gefallene,

beim Angriff auf Verdun im Jahre 1916: 310 000 Mann, darunter 41000 Gefallene,

in der Somme-Schlacht 1916: 417 000 Mann, darunter 58 000 Gefallene,

in .der großen Schlacht in Frankreich vom 21 März bis 10. April 1918 240 000 Mann, darunter 35 000 Gefallene.

Schwere Einbußen des Feindes.

Ueber die Verluste des Feindes im Jahre 1940 fehlen Anhaltspunkte. Fest steht, daß allein an franzüfifchen Gefange­nen über 1 900 000, darunter fünf Oberbefehls­haber von französischen Armeen und rund 29 000 Offiziere eingebracht wurden. Seit dem 5. Juni fiel über die bisherige Beute hinaus die gesamte Bewaffnung undAusrüstung von etwa 55 weiteren französischen Divisionen in deutsche Hand, nicht gerech­net die Bewaffnung und Ausrüstung der Magi­notlinie und der übrigen französischen Vefesti- gütigen. Unter der Beute befindet sich zudem fast die gesamte schwere und schwerste Artillerie Frankreichs sowie unübersehbare Mengen son­stiger Bewaffnung, Ausrüstung und Vorräte. Die feindliche Luftwaffe verlor seit dem . Juni:

in Luftkämpfen 383 Flugzeuge

durch Flakbeschuß 155 Flugzeuge

am Boden zerstört 239 Flugzeuge

fraglich ob durch Flak

ober im Luftkampf 15 Flugzeuge

insgesamt: 792 Flugzeuge

Will England Hongkong aufgeben'!

Der britische Admiralstab auf dem Weg nach Gingapore.

Stockholm, 2. Juli. (Europapreß.) Stockhol­mer Blätter verzeichnen amerikanische Meldungen aus Schanghai, daß der britische Admiral­stab in Hongkong mit Admiral Noble an der Spitze am Montag Hongkong verlassen habe, um sich nach Singapur zu begeben. Gleichzeitig sollen Einheiten der fernöstlichen Flotte Großbritanniens den Auftrag erhalten haben, Sin­gapur anzulaufen. Aus dieser Uebersiedlung des bri­tischen Admiralstabes von Hongkong nach dem 2500 Kilometer südwestlich entfernten Singapur ergibt sich bie Tatsache, daß mit der praktisch vollzogenen Aufgabe Hongkongs bie Nordspitze des stra­tegischen Dreiecks HongkongSingapurPort Dar­win (Nordaustralien) abgebrochen ist, Von diesem Dreieck, mit dem die Engländer den südlichen Pazi­fik zu beherrschen gedachten, sind nur noch bie bei­den rund 3000 Kilometer voneinander entfernten Stützpunkte SingapurPort Darwin übriggeblie­ben, eine empfindliche Einbuße der britischen Macht­stellung im Fernen Osten.

Singapur in erhöhtem Verteidigungszustand.

Schanghai, 2.Juli. (Europapreß.) Die An­lage zusätzlicher Verteidigungswerke auf Singa­pur, auf der Insel Penang und über bie ganze malaiische Halbinsel ist beschleunigt in Angriff ge­nommen worden. Zahlreiche Hindernisse werden an ber Südküste ber Halbinsel sowie auf Singapur angelegt. Einzelheiten über biefe Derteidigungsvor- bereitungen sind nicht zu erfahren. Es steht aber

fest, daß Befehle ergingen, bie britische Verteibi- gung nicht nur auf Singapur, sondern auf der gan­zen malaiischen Halbinsel in Kriegsbereitschaft zu setzen.

Die Räumung Hongkongs hat begonnen.

Rom, 2. Juli. (Eurooapreß.) Wie aus Schang­hai gemeldet wird, hat bie Räumung Hong­kongs von Frauen und Kindern am 1. Juli begonnen. Auf Befehl des Gouverneurs sind bereits viele Hunderte von englischen Fami­lien abtransportiert worden. Da die Behörden er­klären, die Lage werde von Stunde zu Stunde kritischer, hat der Generalkonsul der Vereinigten Staaten bie amerikanischen Staatsange­hörigen benachrichtigt, daß er den Dampfer President Coolidge", der auf der Fahrt nach Ma­nila war und nach Hongkong zurückberufen wurde, bereichalte, um im Notfall die amerikanischen Frauen und Kinder abzubefördern. Die beiden amerikanischen KriegsschiffeAskville" und,^Lulsa" haben Befehl erhalten, bei dem Abtransport mitzu­wirken, falls sich dies als notwendig erweisen sollte. Im Gegensatz zu der sich ständig steigernden Ner­vosität der Briten in Hongkong steht die Haltung der japanischen K o l o n i e, von der noch keine Frau unb kein Kind ab gereift sind. Das japanische Generalkonsulat versicherte der japa­nischen Kolonie, daß kein Anlaß sei, die Situation für gefährdet anzusehen. Dementsprechend gehen

Zur Murgeschichte des englischen Weltreichs.

Äon £)r. Paul Rohrbach.

Die Engländer lieben es zu sagen, ihr Weltreich ei bas Ergebnis vollendeter Plan­losigkeit. Das ist in einem Sinne falsch, im andern richtig. Bis zu den Napoleonischen Kriegen kann in der Tat von einer imperialen Planung nicht die Rede sein. Die beiden wertvollsten Stücke des englischen Kolonialbesitzes waren gegen Ende des 18.Jahrhunderts Nordamerika unb In­dien. Die nordamerikanischen Kolonien waren entstanden durch die Niederlassung mißvergnügter Untertanen des Königs von England, die sich einen Platz auf der Erde juchten, wo fie in ihrer Art von Religionsübungen nicht behindert wurden. Von Planung war ba in der Tat nicht die Rede. Im übrigen schien es, als ob bie Franzosen in Nordamerika viel größere Chancen haben würden als die Engländer, denn das ganze Hinterland der englischen Besitzungen, Kanada und das Mississippi- Gebiet, gehörten Frankreich. Kanada ging den Fran­zosen im siebenjährigen Krieg verloren, und Loui- iana verkaufte Napoleon an die Vereinigten Stau­en. Als die 13 kolonialen Gemeinwesen an der atlantischen Küste von England ab fielen (1783), zählten sie etwa 2 Millionen Einwohner, und ber Handel mit ihnen brachte dem Mutterlande enormen Gewinn, weil kein Fabrikat drüben hergestellt wer­den durfte. Die Kolonisten lieferten Rohstoffe und hatten Fertigwaren aus den englischen Fabriken zu beziehen. Die kurzsichtige Steuerpolitik des eng­lischen Parläments, durch die sie zum Abfall ge­trieben wurden, war so planlos wie möglich.

Indien war, nachdem die Franzosen, anfangs ehr ernsthafte Wettbewerber, sich, gleichfalls im iebenjährigen Kriege, hatten hinausdrängen lassen, n der Hauptsache ein Objekt für einfache, brutale Ausplünderung. Die Gewinner waren die Aktionäre ber Englisch-Ostindifchen Compagnie, deren Vertre­ter noch gar nicht lange vorher demütig am Hofe des Großmoguls in Delhi um Handelserlaubnis hatten bitten müssen. Staatliche Planung kam in die indische Politik erst, als die ungeheure Vermeh­rung des englischen Volkseinkommens infolge des Verbots ber einheimischen indischen Manufakturen und des daraus folgenden enormen Imports eng­lischer Baumwollwaren nach Indien deutlich wurde. Die Ausplünderung unb später die rücksichtslose wirtschaftliche Ausbeutung Indiens haben den Grund zum englischen Reichtum gelegt. Außerdem haben im Lauf der Jahre Hunderttausende von englischen Beamten und Offiziere während ihrer indischen Dienstzeit ein sehr hohes Einkommen und später ebenso hohe Pensionen auf Kosten Indiens bezogen unb in England verbraucht. Ein planmäßiger Schritt war nach dem Ende der Napoleonischen Kriege die Annexion des Kaplandes, das bis dahin hollän­disch gewesen war, als Station auf dem Wege nach Indien.

Australien war ursprünglich Verbrecherkolo­nie. Das Land war herrenlos und wurde von nie­manden begehrt. Den Weizenbau haben deutsche Einwanderer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhun-. derts eingeführt. In den fünfziger Jahren wurde Gold gefunden und erst dadurch kam eine stärkere englische Einwanderung in Fluß. Dann merkte man, daß durch artesische Bohrungen die Trockensteppen jenseits des östlichen Randgebirges in Schafweiden verwandelt werden konnten, und bie australische Wolle gewann einen beherrschenden Platz auf dem Weltmarkt. Aehnlich ging es in Kanada, wo es in den achtziger Jahren eine Art Offenbarung war, daß auf dem Prärieboden zwischen ben Großen Seen und dem Felsengebirge Weizen gedieh. Dar­aufhin wurde die kanadische Pazifikbahn gebaut, die Einwandererzahl wuchs von Jahr zu Jahr. Kanada wurde ein großes Weizen- und schließlich auch ein Industrieland.

An der w e st a f r i k a n i s ch e n Küste besaßen

alle Japaner ihren Geschäften wie gewöhnlich nach. Weitere Nachrichten aus Hongkong besagen, daß die japanischen Truppen in voller Kriegs­ausrüstung in knapp 150 Meter Entfer­nung von der Grenze der englischen Kolo­nie Stellung bezogen haben.

Das Echo in Japan.

Tokio, 2. Juli. (DNB.) Die jüngsten ^Vorgänge in Hongkong unb bie Rückkehr deramen- konischen Flotte nach Hawai finden in der japanischen Presse große Beachtung. Die Unruhe in Hongkong, so erklärtTokio Asahi Schimbun", sei lediglich Durch den von ber dortigen englischen Ver­waltung verhängten Ausnahmezustand her­vorgerufen. Nun versuchten die Engländer, durch eine übertriebene Propaganda hinsichtlich Hongkongs Amerikas Aufmerksamkeit auf die Lage in Ostasien zu lenken. Die Rückkehr der USA.- Flotte nach Hawai sei wohl damit in engen Zusammenhang zu bringen. Die Vereinigten Staa­ten könnten selbstverständlich auch bie Flotte von Hawai nach den Philippinen beordern, aber seitdem Japan auf Grund feiner neuen Politik ben Süd westpazifik als Glied Ostasiens betrachte, sei es auf mehr ober weniger große Rei­bungen mit den USA. vorbereitet. Japan messe der englisch-amerikanischen Zusammenarbeit große Bedeutung bei.Tokio Nitschi Nitschi" meint, baß die Rückkehr ber USA.-Flotte nach Ha­wai nur dazu biene, auf Japan einen Druck auszuüben. Die Flottenstationierung in Hawai, so stellt ,Jomiuri Schimbun" fest, könne Japan nicht veranlassen, seine Politik zu ändern. Die Ameri­kaner täuschten sich. Seitdem die Vereinigten Staa­ten den Handelsvertrag mit Japan kündigten, habe die Weltlage eine entscheidende Verände­rung erfahren.

Indien will über sein Schicksal selbst bestimmen.

Rom, 2. Juli. (Stefani.) Eine Unterredung zwi­schen Gandhi unb dem englischen Vizekönig ver­lief ergebnislos, da ber Vizekönig über sein früheres Versprechen, Indien nach Beendigung des Krieges den Dominionstatus zu gewähren, auch diesmal nicht hinausging. Gandhi antwortete, dieses Ver­sprechen müsse von den Indern zurückgewiesen wer­den. Indien habe ein Recht darauf, ohne fremde Einmischung seine eigene Verfassung zu bestimmen. Das führende Mitglied des indischen Nationalkon­gresses, Sudhas Chandra Bose, wurde auf Grund bes von den Engländern eingeführten sogenannten indischenVerteidigungsgesetzes" verhaftet. Bose war Präsident des indischen Kongresses und hat stets besonders scharf gegen bie englische Willkürherrschaft in Indien Stellung genommen.