die
Pflanzenschutzämter diese Arbeit übernommen.
Jeldpoftsendungen an Soldaten in holländischen Krankenhäusern.
Feldpostbriefsendungen an verwundete deutsche Soldaten in holländischen Krankenhäusern werden von sogleich an zur Beförderung durch die Post zugelassen. Feldpostpäckchen, sowie Feldpost- und Zahlungsanweisungen dürfen dagegen bis zur Aufhebung der bestehenden Sperre nicht abgesandt werden. In der Anschrift muß außer der genauen Bezeichnung des Empfängers (Dienstgrad, Name, Ort und Krankenhaus) der Leitvermerk „über Kleve 2" angegeben werden, z. B.: An den Soldaten Fritz Hoffmann, Utrecht, Krankenhaus, über Kleve 2.
Letzte Frist für Antrag auf Verwundetenabzeichen.
Das Amt für Kriegsopfer der NSDAP, macht die Soldaten des Weltkrieges darauf aufmerksam, daß die Frist für Anträge auf Verleihung des Verwundetenabzeichens und Anträge auf Umtausch des früheren verliehenen gegen Verleihung des zu- stehenden Verwundetenabzeichens mit dem 30. Juni 1940 abläutt. Nur für diejenigen Kameraden, die auf Grund der Rückkehr des Gebietes der bisherigen freien Stadt Danzig antragsberechtigt sind, läuft die Frist bis zum 31. Dezember 1940. Die Fristen müssen unbedingt eiligchalten werden, d. h. bis zu den erwähnten Tagen müssen die Anträge beim zuständigen Versorgungsamt eingegangen sein.
Erweiterung der Speisekarte in den Gaststätten
Der Leiter der Wirtschattsgruppe Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe yat im Einvernehmen mit den beteiligten Dienststellen eine Erweiterung der Speisekarte in den Lokalen zugelassen. Sie ist bedingt durch den Umstand, daß zur Zeit Fnsch- aemüse und Salate in größeren Mengen zur Verfügung stehen. Die Höchstzahl der zugelassenen Gerichte beträgt bis zum 30. August 1940 für Gemüsegerichte vier, statt bisher zwei, für Salatarten drei, statt bisher zwei. Weiter dürfen ohne zeitliche Beschränkung die Fischgerichte auf zwei von bisher einem erhöht werden.
Lehrwanderung in den Äergwerkswald.
Eine hochinteressante Lehrwanderung führten gestern die Arbeitsgemeinschaften „Biologie" und „Ernährung aus dem Walde" unter bewährter Führung von Professor Dr. Funk in den Bergwerkswald aus. Wer kennt den Färberginster und seine Heilwirkung, wer die heilkräftige Tollkirsche in blütenlosem Zustand? Wer ist mit der Heilwir- fung des Ackerschachtelhalms, des echten Ehren- prestes vertraut? Wer beroch schon die Wurzel des gemeinen Pastinaks, der durch Anbau eine zuckerhaltige Wurzel als feines Gemüse liefert? Wer bestimmte den Namen des (Ge-)Ruchgrases schon mit Hilfe des Riechorganes und den der Blutwurz mit eigenen Auaen? Wer sah schon „Moosblüten" und kennt die Art und Weise der Vermehrung? Wem sind Entstehungsarten der Blattgallen bekannt und verschiedene, durch tierische oder pilzliche Lebewesen verursachte Blattkrankheiten bewußt zu Gesicht gekommen? Wer kennt Namen einzelner Waldgräser und Teichpflanzen? Wer warf schon einen forschenden Blick in die Versuchsfelder oes gewesenen Forstinstituts mit Kiefern verschiedener Heimatländer? Wer beobachtete schon die schlimmen Folgen von Sonnenbrand an Fichten und die verheerende Wirkung des Blasenrostpilzes an Weymutskiefern? Wer kennt Total- oder Teil-Symbiosen unter Pflanzen? Wem sind Standort, Namen und Aussehen völlig oder teilweise geschützter Pflanzen unserer Heimat geläufig? Für dies und noch viel mehr samt den belangreichen wissenschaftlichen Ausführungen wurde Professor Dr. Funk herzlicher Dank zuteil.
daher die Maßnahmen, die sich in den vergangenen Jahren bewährt haben, beibehalten. Eine Aenderung und Ausgestaltung erfährt die Kartoffelkäferbekämpfung nur insofern, als zu dem zur Feststellung des Schädlings veranstalteten Suchdienst bei Bedarf auch andere Personen als die Kartoffelanbauer herangezogen werden können. Diese Maßnahme hat sich als notwendig erwiesen, um die stark mit Arbeit überhäuften Kartoffelanbauer zu entlasten. Die eigentliche Bekämpfung wird vom Kartoffelkäferabwehrdienst in der bisherigen Weise durchgeführt; jedoch haben in den stärker vom Kartoffelkäfer bedrohten westlichen Gebieten
Kriminalpolizei Gießen im neuen Heim
Infolge des umfangreicher gewordenen Aufgabenkreises der Polizei hat sich mehr und mehr im Hause unserer Gießener Polizeidirektion eine immer stärker fühlbare Raumnot herausgestellt, die im Interesse der reibungslosen Erledigung aller Dienstgeschäfte eine Lösung finden mußte. Diese Lösung ist nun dadurch erreicht worden, daß die Kriminalpolizei, die für ihre Aufgaben ziemlich viel Raum in Anspruch nimmt, aus dem Hause verlegt wird. Der Umzug der Kriminalpolizei ist heute im Gange.
Die Kriminalpolizei Gießen hat in Zukunft ihre Diensträume im Hause Kirchstraße 11 (Ecke Pfarrgarten), einem Hause, das dem Staat gehört und nun für die Zwecke der Kriminalpolizei hergerichtet worden ist. Im ersten und zweiten Stockwerk dieses Hauses sind zwei Wohnungen freigemacht und völlig neu hergerichtet worden. Dadurch stehen insgesamt in diesen beiden Stockwerken der Kriminal- polizei 16 Räume zur Verfügung. Die Zimmer sind durchweg in einem hellen, freundlichen Grün gehalten. Die Fußböden wurden neu gestrichen. Das neue Heim, das damit die Kriminalpolizei bezieht, macht einen sehr freundlichen Eindruck und bietet für die Beamten der Kriminalpolizei Arbeitsplätze,
die den Anforderungen unserer Zeit Rechnung tragen.
Im ersten Stockwerk befinden sich das Zimmer für den Leiter des Amtes, Kriminalkommissar Schönefeld, ferner für das Betrugsdezernat, das Dezernat für Sittlichkeitsdelikte, für Verkehrsunfälle, für die Kriminalwache und die Steckbriefkartei, für das Archiv und für die Abteilung Diebstahl und Funddiebstahl. Im zweiten Stockwerk sind die Abteilungen Fahndungsdienst, Einbruch und Brand, Erkennungsdienst, Strafkartei usw. untergebracht. Ferner ist im zweiten Stockwerk ein Raum als Photoatelier eingerichtet und im Zusammenhang damit eine Dunkelkammer geschaffen worden. In diesem Stockwerk befindet sich außerdem ein Zimmer für den Stellvertretenden Leiter des Amtes.
Die enge Verbindung mit der Polizeidirektion bleibt auch weiterhin gewahrt. Eigene Fernsprechleitungen verbinden Kriminalpolizei und Polizeidirektion. Die Funkstation bleibt weiterhin auf dem Gelände der Polizeidirektion.
Der Dienst der Kriminalpolizei in den neuen Räumen wird schon im Laufe des morgigen Tages ausgenommen werden können.
Wresveksammlung der Vaugeiwssenschast 1894
Am Samstagabend hielt die Gemeinnützige Baugenossenschaft 1894 im „Burghof" ihre Jahresversammlung ab, die als wesentlichstes Merkmal zu erkennen gab, daß Vorstand und Auftichtsrat der Genossenschaft mit allem Derantwortungsbewuhtsein und mit aller Sorgfalt für die gemeinnützigen Interessen, denen die Genossenschaft dient, tätig sind.
Verwaltungsdirektor Martin als Vorsitzender des Aufsichtsrats eröffnete die Versammlung mit herzlichen Worten der Begrüßung und stellte die ordnungsgemäße Einberufung der Versammlung fest.
Im Anschluß daran erstattete der Vorsitzende des Vorstands, Heinrich Schneider, den Geschäftsbericht über das Geschäftsjahr 1939, der in umfassender Form die Arbeit der Geossenschaft würdigte und erkennen ließ, in welchem Ausmaß sie der Gemeinschaft dient. Der Geschäftsbericht wurde bereits im „Gießener Anzeiger" Nr. 122 vym 25.Z26. Mai ausführlich gewürdigt. Der Bericht wurde von der Versammlung mit Genugtuung ausgenommen.
Sodann gab Vorstandsmitglied Werner eine Reihe Erläuterungen zum Jahresabschluß und ermöglichte der Versammlung einen Einblick in die finanziellen Verhältnisse der Genossenschaft. Aus diesen Erläuterungen, wie auch aus der anschließend bekanntgegebenen Gewinn- und Verlustrechnung ging hervor, daß sich die Genossenschaft aus gesunder wirtschaftlicher Basis bewegt und mit aller Zukunftsfreudigkeit weiterarbeiten kann.
Verwaltungsdirektor Martin dankte den Berichterstattern und erstattete dann den Bericht des Auftichtsrates. Zehn Sitzungen wurden gemeinsam
mit dem Vorstand abgehalten, 1 Sitzung fand durch den Aufsichtsrat allein statt. Die Zusammenarbeit zwischen dem Vorstand und dem Aufsichtsrat sei harmonisch und völlig reibungslos gewesen. Zwei Kassenprüfungen ergaben keinerlei Anstände. Die Genossenschaft habe eine weitere erfreuliche Entwicklung verzeichnen können.
Anschließend erstattete Verwaltungsdirektor Martin den Bericht über die gesetzliche Prüfung. Daraus ging hervor, daß die Gesamtlage der Genossenschaft günstig ist und keinerlei Anlaß zu Bedenken bietet. Vorstand und Aufsichtsrat seien den Anforderungen vollauf gerecht geworden. Die Rentabilität und die wirtschaftliche Lage der Genossenschaft seien gut, die Liquidität sei gesichert, die Zahlungsbereitschaft ebenfalls gut. Der Bericht wurde von den Mitgliedern ebenfalls mit Befriedigung zur Kenntnis genommen.
Die Bilanz zum 31. Dezember 1939, die auf beiden Seiten mit 2 274 707,52 RM. abschließt, wie auch die Gewinn- und Verlustrechnung, die auf beiden Seiten je 175 323,11 RM. verzeichnet, wurden von der Versammlung genehmigt. Die vom Vorstand vorgeschlagene Form der Verteilung des Reingewinns wurde ebenfalls gutgeheißen. In einmütigem Beschluß wurden sooann Vorstand und Aufsichtsrat entlastet und ihnen der Dank für die im Dienste der Genossenschaft geleistete Arbeit aus- gesprochen.
Nachoem die satzungsgemäß ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder Deibel und L a u n f p a ch einstimmig wiedergewählt worden waren, fand die Versammlung mit dem Gruß an den Führer ihren Abschluß.
Sechs Kämpfe um die deutsche Fußballmeisterschaft.
Auch am ersten Juni-Sonntag gas es sechs Endrundenspiele um die deutsche Fußballmeisterschaft und einige von ihnen waren auf die Tabellengestaltung von großem Einfluß. In der süddeutschen Gruppe (Gruppe 4) schlug der 1. F C. Nürnberg die Stuttgarter Kickers mit 1:0(0:0), während gleichezitig in Frankfurt der SV. W a ld - Hof gegen die Kickers Offenbach mit 2:1 (1:1) die Oberhand behielt. Dadurch ist die Lage wieder sehr offen geworden. Die Stuttgarter führen zwar noch, aber nach Verlustpunkten gerechnet steht der Nürnberger „Club" am günstigsten. Große Aussichten auf die Gruppenmeisterscyaft können aber auch die Waldhöfer geltend machen, die aus drei Auswärtsspielen immerhin drei Punkte heimgebracht haben und nun dreimal hintereinander zu Hause spielen können.
In der Gruppe 3 fanden diesmal keine Spiele
statt; hier steigt am kommenden Sonntag auf neutralem Gelände in Leipzig der erste Kampf zwischen Schalke 04 und Fortuna. Düsseldorf.
In der Gruppe 2 hat sich nichts verändert, da die beiden Spiele des Sonntags unentschieden endeten. Dresdner SC. und Tvd. Eimsbüttel trennten sich nach beiderseits mäßigen Leistungen torlos, ein Ergebnis, das als ein Erfolg für die Hamburger angesehen werden muß. Auch in Halle gab es keinen Sieger: 1. SV. Jena und VfL. Osnabrück trennten sich 2:2 (0:1).
In der Gruppe 1 ist in der Abteilung B die Entscheidung zu Gunsten von Rapid Wien gefallen. Die Ostmärker erzielten zwar in Bismarckhütte gegen den Schlesienmeister V/R. Glei- w i tz nur ein 2:2 (0:0), aber dieser eine Punkt genügte ihnen zum Abteilungssieg, In Abteilung A ist Union Oberschöneweide durch ein 3:1 (0:1) gegen den V f L. Stettin dem Ziel wieder etwas nähergekommen, aber noch steht den Berlinern der schwere Kampf in Königsberg bevor.
Keine Spur von Hauck.
Roman von Charlotte Kaufmann.
6. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Ich erinnere mich. Und da wirst du also am elften nach Hamburg fahren?"
„Nein. Ich hatte mir gedacht, daß du das ebensogut, wenn nicht besser, kannst. Es ist auch gut, wenn du mit den Leuten rasch in Fühlung kommst. Jürgens gehört zwar zur Konkurrenz, aber wir haben uns schon manchesmal gegenseitig ausgeholfen."
„Natürlich kann ich das machen. Am elften. Das hat noch eine Woche Zeit."
„Du kannst mit dem Auto fahren. Das ist bequemer als die Bah'i. Und ... wenn du willst, kannst du Jngeborg mitnehmen. Ich glaube kaum, daß du mehr als ein Mittagessen mit den Herren einnehmen mußt. Ihr könnt dann am Abend irgendwo hingehen. Das Mädel schwärmt von Hamburg."
Joachim nickte, lieber das Werkgelände heulte eine Sirene und ließ die Fenster fingen. Schichtwechsel. Er nahm einen Briefbeschwerer auf und drehte ihn in den Händen. Die Zeichnung, die Darunter gelegen hatte, rollte sich zu einem dünnen Rohr zusammen. Jngeborg, dachte er.
„Gehst du schon nach Hause?" fragte Andreas Kett.
„Nein, ich habe noch zu tun."
„Komm aber nicht zu spät." Der Vater ging und Joachim setzte sich wieder an feinen Tisch. Die Sekretärin kam und brachte den Brief an C. Andrs & Co. Frey kam nochmals und fragte etwas. Siep- mann aus der Kalkulationsabteilung brachte Berichte. Es dauerte noch eine Weile, bis Joachim feinen Schreibtisch schloß und die Werft verließ.
Er schritt über die holperige, mit Kopfsteinpflaster belegte Werkstraße und bog dann in die Güldener Straße ein, die in den Hafen und den Anlegeponton der Fähre mündete. Die Uhr auf dem Fahrkartenhäuschen der Fährgesellschaft zeigte fast sieben Uhr. Er fühlte in feiner Tasche nach der Abonnementskarte Dann legte die Fähre schwerfällig, quietschend und umständlich an. Der Ponton schaukelte, und das Fallgitter öffnete sich.
Es dauerte fünf Minuten, bis bas Zeichen zur Abfahrt gegeben wurde. Ein paar Nachzügler
kamen noch die Straße heruntergerannt, und großmütig wartete der Schiffer hoch droben auf ber Brücke, die Hand am Ruber. Dann ein Klingelzeichen, und die Schraube brehte das Wasser wirbelnd an Die Oberfläche.
Joachim liebte diesen schmalen, langgestreckten Hafen. Er liebte bas User, das ansteigenbe von Gulden, das flache, auf dem sich die Straßen der Stadt breit machten. Er liebte Sie Werft mit den Stahlgerüsten und lauten Geräuschen. Er liebte selbst bas schmutzige Hafenwasser und die Bananenschalen, die in den schillernden OelfleckeN schwammen wie blühende Seerosen.
Er war schon in Der Holstenstraße, als ihm plötzlich wieder einfiel, daß er in gut acht Tagen nach Hamburg fahren sollte. Mit Jngeborg!
Nein, er hatte gar keine Lust, mit ihr nach Hamburg zu fahren. Es war ihm unangenehm, zu sehen, wie sie sich bemühte, ihm zu gefallen.
Jäh erinnerte er sich, daß er vor Wochen einem Mädchen versprochen hatte, sie nach Hamburg mit» zunehmen, wenn sich die Gelegenheit bieten sollte. Frau Sibylle Hauck hieß sie wohl. Sie hatte ihn aus dem Wasser gezogen.
Er blieb mitten auf der Straße stehen, so erschrocken war er. Tatsächlich, er hatte sein Versprechen vollkommen vergessen. Es war sonst nicht seine Art, ein Versprechen zu vergessen.
Er wurde von den Vorübergehenden angestoßen, und mechanisch schritten seine Füße weiter. Natürlich, er wollte sie ja einmal in die Oper führen, oder in ein Konzert. Sicher dachte sie inzwischen, er wäre einer von denen, die viel versprachen, wenn der Tag lang war.
Nun, er würde Sibylle Hauck mitnehmen, das war gleich eine Gelegenheit, und dann würde er auch sehen, ob er sie in Hamburg nicht an eine Kunsthandlung empfehlen konnte. Er kannte doch Geiger in der Mönckebergstraße. Man sollte nichts schuldig bleiben im Leden, und jedes Ding war seines Lohnes wert. Sie hatte sich angestrengt damals, um ihn aufs Trockene zu holen.
Das Erschrecken ebbte wieder ab, und eilig stieg Joachim in die eben haltend Straßenbahn, um rasch nach Hause zu kommen.
„Sie mögen es glauben oder nicht, Frau Hauck, aber es ist mir immer eine große Ehre, wenn ich mal zu Ihnen raus kann mit einem Brief."
„Na, na, Krischan, es ist doch allerhand Weg für Sie."
„Macht nichts, macht gar nichts, Frau Hauck. Den Weg bis nach Stein laufe ich ja alle läge. Warum soll ich da nicht auch mal ein bißchen weiter gehen bis zu Ihnen. Hoffentlich hat es sich diesmal gelohnt. Ein Eilbrief! Den müssen Sie nun aber auch rasch lesen."
Der Postbote von Teek, der in dem kleinen Vorraum von Sibylles Haus stand und eben durstig den letzten Reit aus dem Schnapsglas über die Zunge gleiten ließ, schmunzelte zutraulich.
Durch das schmale Fenster schien die Sonne aelb und warm, so daß die Kognakflasche, dieses sorgsam behütete Gut für alle besonder en Fälle, zitternde Kringel auf das Fensterfims zeichnete.
Sibylle nickte zu dem zutraulichen Lächeln des Briefträgers. ,Za, ja, prird gleich besorgt." Sie hielt Den soeben erhaltenen Brief mit Dem rosa Etikett ,/Durd) Eilboten" in Den auf dem Rücken verschränkten Händen, während sie zusah, wie Krischan den Inhalt des Glases zwischen seine breiten Lippen goß. Sie sah sein lächelndes Gesicht. Dann war er endlich gegangen.
Ein Eilbrief!
Es war selten, daß die Post in ihr einsames Haus kam, sehr selten, obgleich sie jeden Tag darauf wartete. Seit drei Jahren wär eine geradezu zehrende Unruhe in ihr, immer wieder zwang es ihre Augen, den Weg hinauszuschauen, auf dem Krischan kommen mußte, wenn ...
Ein Eilbrief.
Immer, wenn Krischan kam, wenn sie seine Gestalt austauchen sah, droben auf der Höhe, bei Den LehmwänDen von Stein, dicht hinter Stöttens schmalem Kartoffelacker, dann dachte sie an Detlef.
Ein Brief von Detlef.
Sie drehte den schmalen Briefumschlag in den Händen. Es war eine fremde Schrift. Er war nicht von Detlef. Sie nahm den Brief mit in das Arbeitszimmer. Auf der Staffelei stand eine Skizze. Das Plakat für Martens. Zwei gegen den Wind anlaufende Mädchengestalten in flatternden Kleidern, mit wehenden Haaren, Die gelb waren. Martens hatte es so gewünscht.
Sie drehte den Brief in Den HänDen. Er trug keinen Absender. Sie riß Den Umschlag auf.
„Sehr verehrte gnädige Frau! Sie werden
Fußball um die Kriegsmeisterschast.
Zwei Spiele, zwei erwartete Ergebnisse.
Am gestrigen Sonntag waren in Den Kämpfen um die Bezirksmeisterschaft zwei Spiele zu befreiten, die unsere heimischen Mannschaften (1900 und Watzenborn-Steinberg) auf den Plätzen des Gegners sah. Die Blau-Weißen (mit einer sehr jungen Mannschaft) sicherten sich in Ehringshausen einen knappen Sieg von 1:2 Toren und konnten sich damit einen Mittelplatz in der Tabelle erhalten. Die „Teutonen", die in einem entscheidenden Gang um die Meisterschaft standen, konnten sich gegen die Wetzlarer Sportfreunde ebenfalls behaupten und mit 1:2 Toren Sieger bleiben. Den Teutonen Dürfte nun der Endsieg nicht mehr zu nehmen fein.
Sportfreunde Wetzlar I — Watzenborn-Steinberg I 1:2 (0:2).
Zum vorletzten Kriegsmeisterschastsspiel mußte die 1. Mannschaft von „Teutonia" Watzenborn- Steinberg in Wetzlar antreten. Die Gäste, als aussichtsreichste Mannschaft auf den Titel des Kriegsmeisters, waren sich der Wichtigkeit dieses Spieles bewußt. Ein einziger Punkt trennte beide Meisterschaftsanwärter (Steinberg und Wetzlar), und bei einem Spielgewinn der „Sportfreunde" Über die Watzenborn-Steinberger wäre Der „Sportverein 05* Kriegsmeister gewesen. Die „Sportfreunde", die zu diesem Spiel alles aufgeboten hatten, verfugten über nicht weniger als neun Gastspieler.
Zu Beginn des Spieles stellte sich eine leichte Feldüberlegenheit Der Platzmannschaft heraus. Möbs dirigierte Den Sturm, spielte seine Leute frei und setzte Den Halbrechten Staude sowie den hervorragenden Mittelstürmer (aus Wien) immer wieder ein. Doch an Der stabilen Läuferreihe Der „Tew tonen" blieben alle Angriffe hängen. Auch Die Verteidigung mit Schmandt und Fett war schlagsicher. Nach 15 Minuten spielten die Gäste unbefangener, und ein Angriff wurde durch Harnisch zum ersten Tor eingeschossen, dem aber Schiedsrichter Witter die Anerkennung versagte. Kur^e Zeit später gingen Dann aber die „Teutonen" durch Verwandlung eines Handelfmeters durch Fett in Führung. Nachdem Mobs zum Strafftoß, der von Burger gehalten wurde, ansetzte, und auf Der Gegenseite auf Verbesserung des Refultats gedrängt wurde, ging manche Chance unausgenützt vorüber. Kurz vor Halbzeit hieß es 2:0 für Watzenborn-Steinberg, und zwar durch einen wunderbaren Schuß des Halblinken Karl Häuser von der Strafraumgrenze aus.
Die zweite Halbzeit stand im Zeichen zweier guter Hintermannschaften. So kam Wetzlars gefährlicher Einzelkönnersturm kaum zum Zuge. Die zweite Spielhälfte blieb torlos. Lediglich in den wenigen Derlängerungsminuten kam die Platzmannschaft zum Ehrentreffer durch den Rechtsaußen.
Schulung im Kinderturnen durch den NSAt.
Am Sonntagvormittag führte der Bereichsobmann für Kinderturnen, Kirftein (Kassel) in der Turnhalle der Schillerschule in Gießen einen Lehrgang für Kinderturnen durch, der von 12 Uebungsleitern und Uebungsleiterinnen aus den Vereinen des Bezirks 8 des NS.-Reichsbundes für Leibesübungen und etwa 50 Kindern Der Gießener Turnvereine besucht war.
Bereichsobmann Kirstein verstand es ausgezeichnet, den verschiedenen Gruppen, Kindern unter 6 Jahren (Kleinkinder), solchen von 6 bis 10 Jahren und Den größten von 10 bis 14 Jahren Den Uebungsftoff in einer Form zu bieten, Die alle -begeisterte. Kein Wunder, daß selbst die Kleinsten voll und ganz bei der Sache waren und nicht müde wurden beim Bodenturnen, Den Spielen und Singspielen und beim Klettern an der schräg gestellten Langbank. Die Singspiele und Nachahmungsübungen der 6» bis 10jährigen zeigten schon vollendetere Formen, während die 10 bis 14jährigen in Volkstänzen und Ballübungen nach Musik schwierigeren Stoff schnell auffaßten. Verschiedene Spiele, in neue Form gekleidet, bildeten den Abschluß des Lehrganges, bei dem allen die Zeit zu schnell vorüber- gegangen war.
In Anbetracht der Transportschwierigkeiten war Der Besuch Des Lehrganges gut, doch hätten die nahegelegenen Vereine zahlreicher oertreten fein müssen. H.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr. 16 Ws 17 Uhr Samstagnach- mittags geschlossen.
sicher längst gedacht haben, ich hätte mein gegebenes Versprechen vergessen. — Aber es ist nicht so. Es hat sich nur in den vergangenen Wochen keine Gelegenheit ergeben, es einzulösen. Morgen jedoch fahre ich nach Hamburg, und da würde ich Sie gern mitnehmen. Paßt es Ihnen? Man gibt zwar nichts von Wagner, Den Sie gern hören würden, sondern Puccinis „Tosca". Aber vielleicht macht es Ihnen nichts aus. Ich warte auf jeden Fall morgen vormittag neun Uhr an Den Seegartenbrücken. Sollten Sie Da fein, roürDe ich mich freuen.
Joachim Keit."
Sibylle faltete den Brief wieder zusammen, sorgsam, genau. „Tosca" gaben sie in Hamburg. Es mußte schön sein, wieder Musik zu hören.
Sie sttich eine Strähne ihres dunklen Haares aus der Stirn* Ihr Blick fiel dabei auf das Bild neben Der Tür. Aufziehendes Gewitter über einem Kornfeld. Ein Sommertag fiel ihr ein. Drunten in Mitteldeutschland. Ein gesegneter Sommertag.
Sie liegt plötzlich wieder mitten im Gras und horcht auf das Rauschen des kleinen Baches, das in ihren Ohren singt. Neben ihr liegt Detlef, und sie beide find ganz allein mitten in einer weiten Landschaft, neben hängenden Weidenbüschen.
Sie waren mit dem Rad unterwegs damals. Sommerferien vor dem letzten Semester.
Herrgott, war das Korn voll gestanden, wie gesegnet Die Aehren, und als am Abend Das Gewitter aufzog, wie war Da Das Gelb tief und leuchtend geworden, und wie brennend und feurig der Mohn.
Sie würde ihn nie vergessen, diesen Sommertag, nie die Farben und nie die scharfen Zwitscher- schreie der tieffliegenden Schwalben, nie ihr segelndes Schwirren durch die heiße Abendluft, und nie das Glück, das sie damals empfunden hatte. Nie in ihrem Leben würde sie wieder so glücklich sein wie an jenem Tag ...
„Tosca" gaben sie also morgen in Hamburg. Diese Oper einer großen Liebe. Sie würde natürlich ihr Sutes Kleid anziehen und am besten gleich mit dem lcht-Uhr-Darnpfer von Teek abfahren. Denn mit dem Boot „Wassili" war das so eine Sache. Mu einem anständigen Kleid durfte man sich ihm nicht anoertrauen. Wenn es ihm gerade einfiel, konnte man Teerflecken in den Rock bekommen oder nahe Füße. (Fortsetzung folgt)
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