Nr. 129 Zweites Statt
Gießener Anzeiger (General-Anzetgrr für Oberhesien)
Montag. 3 Juni 1940
Aus -er Stadt Gießen.
Die punktfreffer sind im Anmarsch.
Die warme Jahreszeit mit ihrem Sonnenschein bringt allerhand Insekten und andere Kleintiere zu froher Lebendigkeit, die zwar den Vögeln willkommen sind, der Hausfrau aber mancherlei Sorgen bereiten. Weiß sie doch ein Lied von den vielen kleinen, meist geflügelten Störenfrieden zu singen, die auch im bestgeordneten und saubersten Haushalt anzutreffen sind. Der Kampf gegen diese Schädlinge, die den Wollstoffen, Pelzen usw. nachstellen, ist heute mehr denn je geboten. Wir können es uns nicht leisten, daß die jährlich in Haushaltungen und Lagern verursachten Verluste durch Motten in die Hunderttausende gehen. Diele Werte können z. B. schon von einer einzigen Motte vernichtet werden! Sie ist in einem Jahr die Stammutter von vier Generationen mit insgesamt 500 000 Raupen, die alle zusammen 48,9 Kilo Wollmaterial vernichten können; also beinahe einen Zentner Wolle hat dieses Tier auf seinem Gewissen.
Direkt schädlich sind nur die Raupen. Sie fressen sich durch Stoffe und Pelze und verursachen so die vielgefürchteten kleinen und großen Mottenlöcher. Im Sommer begegnet uns wohl die fliegende Motte, das Männchen, und das mit seiner geringen Flugkraft nicht weit über den Boden hinauskommende Weibchen. Diese fliegenden Motten richten selbst keinen Schaden an, sie sorgen jedoch für die gefährlichen Raupen.
Den verlustreichen Folgen durch diese Schädlinge rechtzeitig vorzubeugen, ist es jetzt höchste Zeit. Beim Großreinemachen, bei der Durchsicht der alten Wintersachen, bei dem Umhängen und Umräumen läßt sich so etwas am leichtesten miterledigen. Die Schränke, die der Aufbewahrung der noch brauchbaren warmen Kleidungs- und Wäschebestände Lienen sollen, werden besonders sorgfältig gereinigt ,und ausgeschwefelt und dann die Kleidungsgegenstände ebenfalls in gereinigtem Zustande darin untergebracht; denn Reinlichkeit ist die erste Schutzmaßnahme gegen Motten. Besondere Obacht ist auf die Pelze zu geben, die am besten unter völligem Luftabschluß übersommert werden. Es ist ratsam, alle drei bis vier Wochen die Sachen aus den Schränken herauszunehmen und tüchtig, aber vorsichtig zu klopfen. Einige Bündel Wermut oder Waldmeister mit in den Schrank gehängt, tun gute Dienste. Kleinere Wollsachen verschließen wir am besten „mottensicher" in Truhen und Kisten. In den Drogerien kaufen wir Mottenpulver und streuen es zwischen die einzelnen Sachen. Wertvolle Gegenstände wickelt man in Zeitungspapier, denn gerade das bedruckte Papier ist den Motten sehr unangenehm. Bei der Reinigung der Wintersachen sei besonders an die Taschen und etwaigen Flecke erinnert; diese Stellen sind Leckerbissen für die Mottenraupen.
Um Polstermöbel, Teppiche und Matratzen vor den Motten von vornherein zu schützen, verschließt man den Raum gut und verbrennt in ihm einige Schwefelfäden. Erst nach Stunden wird der Raum gelüftet. Die Schwefeldämpfe greifen die Sachen nicht an; die Mühe ist klein, der Erfolg groß. Man wiederholt diese Arbeit alle vier Wochen in der Zeit von Mai bis September. Man kann natürlich auch Teppiche und Polstermöbel in Reinigungsanstalten behandeln lassen.
Die Hausfrau bedenke, daß die vorsorgliche Schadenverhütung dem eigenen Haushalt nur wenig Mühe und Geld kostet, daß dagegen der nicht ver- Ihinderte Schaden ihr und der Gesamcheit große Verluste bringt. M. L.
7!S -Trauenschast/Frauenwerk.
In allernächster Zeit findet ein Säuglingskurs im Mütterdienst des Deutschen Frauenwerkes statt, und zwar von 15.30 bis 18 Uhr. Anmeldungen bitte Frankfurter Straße 1, Kreisgeschäftsstelle.
prüft die Lustschuhräume.
Mängel sofort abstellen. — Einige wertvolle Hinweise.
Der Feind hat bereits offene Städte und die Zivilbevölkerung in brutalster Weise mit Bomben beworfen. Sicherheit und Schutz gegen solche Angriffe bietet der Luftschutzraum! Jeder überzeuge sich von der Bereitschaft seines Luftschutzraumes und nehme umgehend etwa notwendige Verbesserungen vor. Hierbei beachte man folgendes:
1. $ a t der Luftschutzraum einen Notausgang?,
Außer dem Eingang zum Luftschutzraum muß mindestens ein Notausgana (durch Nachbarkeller, andere Kellereingänge usw.) oder ein Notausstieg (durch ein Kellerfenster usw. — Fenstergitter beseitigen!) vorhanden sein.
2. Ist er splittersicher?
Die Splitterschutzvorrichtungen vor den Fenstern oder Außentüren zum Luftschutzraum müssen ausreichend dick sein. Bretter oder Kistendeckel genügen nicht! Folgende Mindeststärken sind notwendig:
Dicke etwa:
Anschütten und Feststampfen von Erde 1,00 m
Kisten mit festgestampfter Erde 0,75 m
Sandsackpackungen 0,50 m
Steinpackungen 0,50 m
Rundhölzer 0,40 m
Holzbalken 0,30 m
Kies und Schotter zwischen Holzwänden 0,25 m
Die Splitterschutzvorrichtungen müssen über die Oeffnung seitlich und oberhalb möglichst weit hinausragen. (Etwa halb soviel als die Splitterschutzvorrichtung dick ist.) Wo Splitterschutz an Fenstern inzwischen entfernt worden ist, muß er umgehend wieder angebracht werden!
3. Ist der Luftschutzraum gassicher?
Die notwendige Gassicherheit des Luftschutzraumes kann schon durch einfachste Maßnahmen erreicht werden. Ein Vorhang vor Türen oder Fenstern, der die Oeffnung nach allen Seiten überdeckt, und der vor Türen auch auf dem Fußboden aufliegen muß, bildet schon ein gassicheres Gaspolster.
4. Ist die Luftschutzraumdecke abgesteift?
Wo eine Deckenabsteifung bisher unterlassen worden ist, hole jeder nach, was mit vorhandenen Mitteln zu machen ist. Es hat sich immer wieder gezeigt, daß behelfsmäßige Absteifungen auszuführen waren, wenn Haus und Grundstück auf verwendbare Baustoffe durchstöbert wurden (z. B. lose Ziegel für Unterstützungspfeiler aus Trockenmauerwerk, Kant- oder Rundholzstämme usw.). Aus den Brettern von Verschlügen lassen sich durch Zusammennageln und Umdrahten behelfsmäßige Unterstützungsstiele und -balken herstellen.
5. I st d i e Inneneinrichtung vollständig?
Bei der inneren Einrichtung der Luftschutzräume ist auf ausreichende Sitzgelegenheit und einen Notabort zu achten. Eine Notbeleuchtung ist auf jeden Fall bereitzuhalten, auch wenn elektrisches Licht vorhanden ist. Auch Werkzeuge gehören zur ständigen inneren Einrichtung.
Je sorgfältiger die Luftschutzräume hergerichtet werden, um so größer ist die Sicherheit für die Insassen. Jeder Hauseigentümer prüfe daher umgehend seinen Luftschutzraum und sorge mit allem Nachdruck für die schnellste Abstellung etwa vorhandener Mängel!
Monatsappelle -er alten Soldaten.
„Oie deutsche Artillerie im Weltkriege."
Im Mittelpunkt des Monatsappells der Artilleri- sten-Kameradschaft 1895 Gießen am Samstagabend im Kameradschaftsheim „Hessischer Hof" stand ein bedeutsamer Vortrag, der den zahlreich erschienenen Kameraden vielseitige interessante Erinnerungen an die Zeit ihres Einsatzes im Weltkriege brachte.
Vorher gedachte Kameradschaftsführer Müller mit herzlichen Worten des Dankes und der kameradschaftlichen Verbundenheit der vor dem Feinde stehenden deutschen Soldaten und ihrer ruhmreichen Taten an allen Fronten, insbesondere in der jüngsten Zeit im Westen. Die gewaltigen Schläge unserer Wehrmacht gegen die Feinde würden gerade von den Soldaten des Krieges 1914/18 mit besonderer Freude empfunden, denn diese deutschen Siege seien zum großen Teil auf den gleichen Schlachtfeldern erkämpft worden, auf denen auch sie selbst, die heutigen „Alten", damals siegreich gegen Frankreich und England gefochten hätten. Er erinnerte dann die Kameraden an ihre große Aufgabe in der Heimat, jeder an seiner Stelle und unter Einsatz aller Kräfte stets alles beizutragen zur Stärkung unserer Front und zur Erringung eines vollen deutschen Sieges, um damit als treue Gefolgsmänner des Führers und Obersten Befehlshabers Adolf Hitler ihre Pflicht zu erfüllen. Anschließend übermittelte der Kameradschaftsführer die in den letzten Wochen eingegangenen Grüße von Kameraden, die auch jetzt wieder in der Wehrmacht Dienst für Volk und Vaterland leisten. Einige Mitteilungen aus den Arbeitsgebieten des Sozial- warts, des Propagandawesens und des Schießdien- stes bildeten den Abschluß der geschäftlichen Angelegenheiten.
Hierauf hielt Kamerad Oberstudiendirektor A n -
gelber ger einen etwa Inständigen, in hohem Maße fesselnden Vortrag über „Die deutsche Artillerie im Weltkriege". Er machte seine mit größter Spannung lauschenden Zuhörer zunächst mit der artilleristischen Ausrüstung unseres Heeres bei Ausbruch des Weltkrieges im August 1914 bekannt und schilderte dann in aufschlußreicher Weise die verschiedenen Wandlungen, Neuerungen und zahlenmäßige Ausdehnung unseres Artilleriematerials im Verlaufe der Kriegsjahre bis 1918. Dabei fanden auch die durch die Kampf- verhältniffe jener Jahre bedingten, teils im Feld improvisierten, teils daheim in den Waffenschmieden planmäßig konstruierten und gebauten neuen Geschütztypen, wie Fliegerabwehrkanonen, schwerste Steilfeuer- und Flachfeuergeschütze, Mörser usw., eine ausführliche Schilderung, wobei der Vortragende viel Neues zur Kenntnis der Kameraden brachte. Auch über die Ausdehnung der Reichweiten der verschiedenen Kaliber machte der Vortragende sehr interessante Mitteilungen, aus deney die gewaltige Steigerung der artilleristischen Neuerungen im Laufe jenes Krieges erkennbar wurde. Ferner schilderte er die starke Wirkung unserer Artillerie an allen Fronten, und er konnte in diesem Zusammenhang, als äußeren Maßstab der Wirkungskraft, Zahlen über die abgefeuerten Geschosse anführen, die in vielfache Millionen Stück gehen und deren Kosten sich insgesamt auf 16 Milliarden Mark beliefen. In feiner Gesamtheit bildete der Vortrag einen überaus lehrreichen Beitrag zur Unterrichtung der Kameraden über ein Thema, das ihnen als Artilleristen besonders naheliegt. Der Vortrag wurde denn auch verdientermaßen mit lebhaftem Beifall ausgenommen.
Im weiteren Verlauf des Abends machte Kamerad Büxler, der als Beamter des Reichsnähr
Tiere feiern Hochzeit.
Von Or. A Grüntzig.
Der Frühling rft für viele unserer heimischen Tiere die Paarungszeit. Die Wissenschaft ist nun aus theoretischen und praktischen Gründen sehr daran interessiert, sich über die verschiedenen Arten imb Formen der „Tierehe" zu unterrichten. Ti.er- ehe sagten wir — ja -gibt es denn auch bei den Tieren etwas, das wenigstens einigermaßen dem Legrifi unserer Ehe entspricht? Diese Frage ist zweifellos zu bejahen: wir finden tatsächlich bei einer ganzen Reihe von Tieren eheähnliche Verhältnisse, ja die neuesten Forschungen bewiesen auf Grund sehr sorgfältiger und mühseliger Einzelbeobachtungen sogar die interessante Tatsache, daß wir fast alle Eigenarten unserer menschlichen Ehe Tuch bei den Tieren antrefien!
So gibt es in der Frühlingszeit bei einigen Tieren — es handelt sich in erster Linie um Vögel — eine uns recht überraschend anmutende Einrichtung, die man mit vollem Recht als „Tanzstunde" bezeichnen kann. Zu bestimmten Zeiten versammeln sich nämlich die jungen Tiere beider Geschlechter uni) führen miteinander und allein die seltsamsten Tänze auf. Manchmal scheint ein besonders geschicktes Tier sogar die Rolle des „Tanzlehrers" oder Bortänzers zu übernehmen. Man hat das hauptsächlich bei Kranichen, gewissen Felsenhühnern und ballen schon sehr yäufig beobachtet. Aber nicht nur die Tanzstunde, auch „Verlobungen" und Brautzeit gibt es im Tierreich. Beispielsweise leben die sogenannten Laubenvögei. in Australien und Neuguinea oft monatelang nebeneinander und beobachten sich. Das Männchen tanzt und singt vor 'einer kunstvoll gebauten Laube oder auf einem Spielplatz, den es jeden Morgen sauber fegt und rrit frischen Blättern eines bestimmten Baumes — die silberglänzende Unter feite immer nach oben — belegt, und so geht das monatelang, bis es endlich ton seiner Angebeteten erhört wird. Auch von den Termiten sind in letzter Zeit solche lange Ver- bbungs= oder „Brautzeiten" bekannt geworden 2>iefe Insekten führen zwei und zwei gepaart oft Iinge „Spaziergänge" aus, bis sie endlich gemein« fim ihr Haus bauen und Hochzeit feiern.
Recht verschieden ist die Art, w i e man im Tierreich den anderen Gatten dazu bewegt, „die Harw zum Bunde zu reichen". Die einen versuchen es mit ^raft und Schönheit" — denken wir etwa an un« jiren heimischen Hirsch —, andere mit Reichtum ind G^anz, so die vielen Tiere, die ein besonderes Hochzeitskleid anlegen, wieder andere mit Musik über Leuchtorganen, mit schön gebauten Nestern und
Wohnungen. Manche sind allerdings rücksichtsloser und rauben den anderen oder treiben ihn mit Gewalt in ihr Nest oder Heim. Sogar „A m a z o - n e n" gibt es in dieser Gruppe, die recht unglimpflich mit dem armen Mann verfahren und ihn meist schon nach der Flitterzeit mit Stumpf und Stiel verspeisen. So gehen verschiedene Spinnen mit ihrem wesentlich kleineren Ehegesponst um, aber auch bei manchen Fischen weiß der Aguarium- liebhaber, daß er das Männchen gleich nach der Paarung in „Schutzhaft" nehmen muß. Das „Liebesständchen" kennen wir ja alle von den Singvögeln — und vom Kater! „Asiatisches Herrentum" wieder zeigt die Winterkrabbe; beim Männchen ist die eine Schere riesig entwickelt, um das Weibchen mit sanfter Gewalt „heranzuwinken".
Fragt man nach den Formen der Ehe im Tierreich, so zeigt sich auch hier eine überraschend große Mannigfaltigkeit, wie sie beim Menschen kaum anders zu finden rft. Vielleicht die merkwürdigste Übereinstimmung dieser Art besteht darin, daß wir auch bei Tieren Kinderehen finden, die in Indien bis vor kurzem sehr häufig waren. Freilich sind es nicht wie bei den Indern besorgte oder rechnende Eltern, die dazu raten, sondern die Tiere entscheiden sich von selbst barn. So schließen sich gewisse Krebse, die Zeit ihres Lebens in freiwilliger Gefangenschaft in Korallen, Muscheln und Kieselschwämmen leben, schon als junge unreife Tiere paarweise ein. Die Ehe des zivilisierten Menschen, die Einehe, findet man unter den höher entwickelten Tieren recht häufig, allerdings relativ selten bei den Säugetieren, dagegen fit sie geradezu der Normalzustand bei den Vögeln, wo sich ja selbst unser Sperling zur „Monogamie" bekennt. Bei manchen Tieren ist freilich diese Einehe nur eine „Saison ehe"; nach einiger Zeit trennen sich die Gatten wieder. So fit es beispielsweise bei den Füchsen und Wölfen, die das Zusammenleben der Eltern aufgeben, wenn die Jungen groß geworden sind und der Eltern nicht mehr bedürfen.
Bei weitaus den meisten Tieren wirbt das Männchen um das Weibchen, und diesem kommt eine gewisse Sprödigkeit und Scheu zu. Doch trifft man auch andere Verhältnisse — sozusagen sehr amerikanische — im Tierreich an. So berichtet der berühmte Jnsektenforscher Professor Fabre von einer Käserart, bei der das Weibchen sich das Männchen aus mehreren „Konkurrenten" auswählt. Auch bei der fogenannten Totenuhr, einer Käferart, die in alten Holzmöbeln lebt,
ist das Weibchen bei der Gattenwahl der eigentlich aktive Teil. Was nun die für den Menschen so wichtige Frage der Wohnungseinrichtung betrifft, so finden wir in der Einehe der Tiere genau so wie bei uns Hütten und Paläste, Weekendhäuschen und Notwohnungen in so großer Mannigfaltigkeit, daß wir mit ihrer Auszählung Bände fütten müßten. Es sei also nur die Tatsache her ausgegriffen, daß man auch im Tierreich in bezug auf die Schlafzimmer geteilter Meinung ist. Die meisten Tiere schwärmen für gemeinsames Wohnen, doch findet man auch getrennte Schlaf räume, die dann durch kunstvolle Gänge miteinander verbunden sind. So verhalten sich beispielsweise gewisse Wasserspinnen, die unter Wasser ein kunstvolles Nest bauen, und gewisse Papageienarten.
Bei den meisten Säugetieren ist nicht die Einehe, sondern die Vielehe üblich. Beim Menschen unterscheiden wir die Polygamie — ein Mann, mehrere Frauen — und Polyandrie, bei der eine Frau mehrere Männer hat. Sie kommt namentlich in den Ländern mit ausgesprochenem Frauen- mangel vor, besonders bei den Eskimos, ferner bei den Tibetanern und in einigen Gegenden Indiens Beide Formen treffen wir nun auch bei den Tieren wieder. Am häufigsten ist die Polygamie — wir kennen sie alle vom Hühnerharem des Hahns, aber auch bei den Affen und anderen Säugetieren ist sie üblich. Die Polyandrie, also das Gegenteil der Polygamie, treffen wir bei den Ameisen (bei denen zu einer Königin mehrere Könige gehören, beim Gelbrandkäfer, merkwürdigerweise auch bei unseren biederen Karpfen und beim Kuckuck, dessen „Ehesitten" sich ja auch bei der Kinderaufzucht — die dieser Vogel bekanntlich anderen überläßt — als recht „tag'7 erweisen.
Zeitschriften.
— Ulrich Chriftoffels Aufsatz „Klassizismus" eröffnet das Juniheft der Monatsschrift „D i e Kun st" (Verlag F. Bruckmann, München). — Es fit dies der Kunftftil, der uns geistig und zeitlich am nächsten steht. An Hand der Werke eines Thor- ipalbfen, Canova, David, Ingres, Schick gibt der Verfasser ein abgerundetes Bild über Stil und Epoche. Zu seinem 60. Geburtstag würdigt Werner Doede den niederrheinischen Maler Max Clären- bach. Joses Limburg berichtet über Reliefkunst, auch ein Vorläufer unserer Photographie hinsichtlich der Darstellung menschlicher Köpfe, vor allem im Altertum und Renaissance. „Johannes Boehland als Zeichner vor der Natur" von Fritz Hellwag beschließt den ersten Teil des Heftes. Das im zweiten Teil abgebildete Wohnhaus in Göppingen, von Architekt Ernst Döbler, hat zur Aufgabe, das Wohnprogramm eines gepflegten Wohnstils gu be
standes kürzlich eine Dienstreise in das Gebiet des neuen Warthegaues im Osten bis nach Litzmann- stadt unternommen hatte, mancherlei interessante Mitteilungen über seine Eindrücke und Erlebnisse bei diesem Buch im Neuland für unsere große Ostsiedlung, wobei er als Landwirtschaftsfachmann natürlich die landwirtschaftlichen Gesichtspunkte in den Vordergrund rückte. Auch diese fesselnde Schilderung begegnete starkem Interesse der Kameraden und wurde mit dankbarem Beifall belohnt.
Außer den beiden interessanten Vorträgen füllte noch gute kameradschaftliche Unterhaltung die Stunden des Monatsappells aus.
Kameradschaft £.=3.<Reqtll 6 Gießen.
Die Kameradschaft Landw.-Jnf.-Regt. 116 hielt am Samstag bei Kamerad Ruhl, Bahnhofstraße, ihren Kameradschaftsabend ab. Kameradschaftsführer Rudolf Schneider streifte in seiner Begrüßungsansprache die Frontereignisse und erinnerte daran, wie unser siegreiches Heer so manche Stadt eroberte, um die auch wir im Weltkrieg kämpften. Er hob die grauenhafte Behandlung der Kriegsgefangenen durch die Feindmächte hervor, die diesmal noch schlimmer sei als im Weltkrieg. Alsdann gab der
Nierenleiden
Ich war jahrelang mit einem Nieren-
II leiden behaftet, hörte dann von der
JLVlJjj Heilquelle Karlssprudel. Der Erfolg war 100°|oig. Ich habe seit 1935keiner- lei Beschwerd. mehr gehabt. W. Röhl, Wirtschaftsber., Rostock, Rich.-Wagnerstr. 17. 4. 2. 38.
20 grofje Flaschen RM 12 60, 50 grobe Flaschen RM 25.—. Fracht hin und zurück trag'der Brunnen Heilquelle Karlssprudel, Biskirchen A.
Kameradschaftsführer die Eingänge des Reichskriegerbundes bekannt und brachte in der Hauptsache das Schieß- und Fechtwefen zur Aussprache. Einige Briefe von Frontkameraden kamen zur Verlesung. Hierauf überreichte der Kameradschaftsführer dem bereits in der Generalversammlung zum Ehrenvorsitzenden ernannten Kameraden Wilhelm Bopf unter Hervorhebung seiner großen Verdienste um die Kameradschaft die Ehrenurkunde und drückte chm nochmals den Dank deri Kameradschaft für die langjährige Arbeit und für die der Kameradschaft gehaltene Treue aus. Nach der Dankansprache des Ehrenvorsitzenden Wilhelm B o p f schloß der Kameradschaftsführer Rudolf Schneider den Kameradschaftsabend im Gedenken an den Mann, der die Waffen zu unserem siegreichen Kampfe schmiedete, mit einem dreifachen Sieg-Heil auf unseren Führer Adolf Hitler.
Tageskalender für Montag.
Volkstümlicher Vortrag der Ludwigs-Universität: 20.15 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut, Lud- wigstraße 34, Professor Fischer über „Indiens Stellung im Britischen Weltreich I". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Robinson"; 14.45 Uhr: Wochenschau-Sondervorstellung „Das deutsche Schwert schreibt Geschichte". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Meine Tante, deine Tante".
Notizen für den 3. 3unL
Sonnenaufgang: 5.07 Uhr, Sonnenuntergang: 21.39 Uhr. — Mondaufgang: 4.00 Uhr, Mondun- tergang: 18.37 Uhr.
Notizen für den 4. Juni.
Sonnenaufgang: 5.07 Uhr, Sonnenuntergang: 21.40 Uhr. — Mondaufgang: 4.30 Uhr, Monduntergang: 19.41 Uhr.
Zur Kartoffelkäfersuche kann jeder herangezogen werden.
Bei der Bedeutung einer ausreichenden Kartoffel- versorguna für die Ernährung und für den Futter- mittelmarft muß die Bekämpfung des Kartoffelkäfers auch während des Krieges ohne Einschränkung weitergeführt werden. Im allgemeinen werden
friedigen Weiter wird von neuartigen Möbeln der Reiner-KG., Berlin berichtet und Anregungen über Balkon- und Fensterschmuck gegeben. Karl Dops behandelt die Geschichte der deutschen Tapetenindustrie der letzten 100 Jahre. Von gutem Geschmack zeugen Handtaschen der Meisterschule des deutschen Handwerks, Offenbach a. M.
— „Liebe auf den ersten Blick" heißt eine Abhandlung Bernhard Schultze-Naumburgs im Juni- heft von Velhagen & Klasings Monatsheften, die mancherlei Rätsel der Herzen zu deuten geeignet ist. lieber die Frage, in welchem Lebensalter der Mensch das seinem Inneren entsprechende äußere Gepräge empfängt, schreibt Professor von Hollander. Die Frage der Altersweitsichtigkeit behandelt der Kieler Professor Leopold Heine. Der Heidelberger Professor Willy Andreas behandelt „Die Diplomatie des Wiener Kongresses". Eine geschichtliche und geographische Kuriosität, das ringsum von schweizerischem Gebiet umschlossene kleine Büsingen, beschreibt Professor Albrecht Penck. Andere Aufsätze des Heftes behandeln „Kopenhagen und Gibraltar" als Zeugnisse englischer Neutralitätsbrüche, Neuerscheinungen der Literatur und des Theaters sowie die großen politischen und kriegerischen Ereignisse der jüngsten Zeit. Neben dem neuen Roman von Ulrich Sander „Sturm in der Düne" veröffentlicht das Heft Novellen von Heinrich Luhmann und Frida Nettelbeck. Auch mit Kunstbeilagen ist das Juniheft reich ausgestattet.
— „Soldaten zeichnen und dichten", so heißt eine Veröffentlichung im Juniheft der „neuen l i n i e", Zeichnungen und Gedichte von Soldaten, die draußen in einsamen Stunden ihre Gedanken und Erinnerungen, Wünsche und Erlebnisse in künstlerischer Form ausgedrückt haben. Schöne und interessante Reiterbilder von der Front zeigen, wie die Kavallerie am Feind — trotz der weitgehenden Motorisierung — große Aufgaben zu erfüllen hat. — Das Hinfcheiden von Wilhelm Dörpfeld, dem berühmten Altertums-Forscher, hat wiederum den Blick auf die Weltgeltung der deutschen archäologischen Wissenschaft gelenkt, „die neue linie" stellt ihren Lesern im gleichen Heft die bedeutendsten Vertreter dieser Wissenschaft vor und gab den vielen Aufnahmen, die während des VI. archäologischen Kongresses in Berlin entstanden sind, kurze Biographien mit. Der Landschafts-Aufsatz „Die Slowaken und ihr Land" bringt schöne Aufnahmen von slowakischen Bauern und Volkstrachten, in denen der ganze sommerliche Zauber dieser südöstlichen Landschaft lebt. Die vierte Novelle aus dem Erzähler-Wettbewerb „Die Fahrt nach Pomona" und zwei farbiae Kunstdruck-Tafeln, darunter ein reizvolles unbekanntes Mädchen-Porträt der Romantikerzeit, beschließen das reichhaltige Heft. (Verlag Otta Beyer, Leipzig.)


