tonfilmvorführungen steht der Film „Wenn wir alle Engel wären" zur Verfügung.
„^eichsbahn-Kümeradschaststverk."
Namensänderung des Eisenbahnervereins.
Der Eisenbahnerverein Gießen hielt am Sonntag im „Burghof" eine ordentliche Mitaliederoersamm- lung ab, die in erster Linie der Annahme einer neuen Satzung diente.
Der Vereinsführer, Reichsbahn«Obersekretär Reusch, erstattete zunächst den Jahresbericht. Dabei gedachte er der im letzten Jahr verstorbenen Mitglieder und erinnerte an das im abgelaufenen Jahr mit einer schlichten Feier begangene Jubiläum des 40iährigen Bestehens des Eisenbahnvereins, der einer der ältesten im Bereich der Reichsbahndirektion ist und dessen Arbeit stets Anerkennung gefun« den hat. Durch die sehr gute Zusammenarbeit mit der Kreisamtsleitung Wetterau der NSV. konnten im abgelaufenen Jahr 103 Anträge auf Heilbehandlung und Erholungsurlaub bearbeitet werden. Durch die Bezirksfürsorge wurden für die Mitglieder 10 674 RM. aufgewandt, von denen die Bezirksfürsorge allein 6470 RM., das sind etwa 60 v. H., aufbrachte. Außer Unterstützungen an bedürftige Kameraden wurden Gesundheitsbehandlung und Er- holungsaufentbalte gewährt. Für die Bekämpfung der Tuberkulose und für die Heilbehandlung wurden je 3000 RM. aufgewandt. Weiterhin wurden für Erfrischung der Berufskameraden in den Sommertagen etwa 35 000 Flaschen Selterswasser beschafft. Die Mitgliederzahl hat sich von 1661 auf 1940 erhöht. Zum Schlüsse des Berichtes wurde der Kameraden an der Front gedacht.
Nach Kenntnisnahme des Geschäftsberichts wurde die neue Satzung angenommen, nach der eine Aen- derung des Namens erfolgt, und zwar heißt der Verein in Zukunft „Reichsbahn-Kameradschaftswerk", um dadurch fein Hauptbeftreben, die zusätzliche Betriebsfürsorge, richtiger zum Aus- Drucf zu bringen. Durch die neue Satzung wird auch die Dereinsführung vereinfacht. Der Leiter des Ka- meradfchaftswerkes bestimmt seine Mitarbeiter. Aus diesem Grunde wurde dem bisherigen Vorstand für seine jahrelange, mühevolle Arbeit der Dank der Mitglieder ausgesprochen. Die Leitung des Kameradschaftswerkes bleibt weiterhin in den Händen des Kameraden R e u f ch.
** E i n Siebzigjähriger. Am heutigen Mittwoch, 3. Avril, kann der Schmiedemeister Ludwig Vogt, Löwengaffe 20, feinen 70. Geburtstag feiern. (Wir beglückwünschen herzlich!)
** D i e Gießener Schwäne auf dem Frühjahrsausflug. Seit einigen Tagen ziehen, im Gefühle voller Freiheit, die Gießener Schwäne auf der Wasserfläche der in der Heuchelheimer Gemarkung liegenden Kiesgruben majestätisch ihre Kreiie.
** Verkehrssünder. Die Polizei hatte in der Zeit vom 15. bis 21. März 1940 wieder gegen eine stattliche Anzahl Verkehrssünder vorzugehen. Kraftfahrer mußten in 5 Fällen zur Anzeige gebracht und in 9 Fällen gebührenpflichtig verwarnt werden. Groß ist die Zahl der in Strafe genommenen sonstigen Fahrzeugführer: 12 wurden angezeigt, und 12 gebührenpflichtig verwarnt. Selbst- verständlich fehlen auch die Radfahrer in dieser Statistik nicht. In 18 Fällen mußte eine gebührenpflichtige Verwarnung erfolgen. Außerdem wurden 9 Fußgänger gebührenpflichtig verwarnt.
**StädtischeBücherei. Im März sind 2556 Bände ausaeliehen worden. Davon kamen auf Literaturgeschichte 2, Zeitschriften 44, Gedichte und Dramen 37, Erzählenoe Literatur 1382, Jugendschriften 511, Länder, und Völkerkunde 146, Kulturgeschichte 4, Geschickte und Biographien 265, Kunstgeschichte 9, Naturwissenschaft und Technologie 77, Heer- und Seewesen 47, Haus- und Landwirtschaft 5, Religion und Philosophie 3, Staatswissenschaft 24 Bände.
Amtsgericht Gießen
Der A. B. in Gießen hatte wegen fahrlässiger Körperverletzung einen Strafbefehl über zwei Wochen Gefängnis erhalten. Mit einem Lieferauto fuhr er am 5. Oktober v. I. in der Frankfurter Straße in Richtung Stadt mit zu hoher Geschwindigkeit und unter Außerachtlassung der erforderlichen Aufrnerk- samkeit. Das Haltezeichen eines Polizeibeamten, der eine Autokontrolle durchführen wollte, hat der Angeklagte nicht beachtet und den Beamten anqefah- ren, wodurch dieser schwer verletzt wurde. Gegen den Strafbefehl legte der Angeklagte Einspruch ein. Durch die Beweisaufnahme wurde er überführt. Der Anklagevertreter beantragte die gleiche Strafe wie
im Strafbefehl. Der Angeklagte wurde der fahr- lässigen Körperverletzung schuldig erkannt und zu einer Geldstrafe von einhundert Reichsmark, ersatzweise 10 Tage Gefängnis verurteilt. Da der Angeklagte nachweislich noch nie einen Autounfall gehabt hat, wurde eine Geldstrafe als aus- reichende Sühne erachtet.
Der R. Sch. in Massenheim hatte sich wegen Urkundenfälschung zu verantworten. Er hatte auf der Steuerkarte in der Rubrik „Zahl der Kinder" das Wort „keine" durch die Zahl „1" ersetzt, um da- durch eine Steuerminderung zu erreichen, die aber nicht eingetreten ist. Aus seiner ersten Ehe mit einer Jüdin ist ein Kind vorhanden, für das er unterhaltspflichtig ist. Er glaubte sich daher zur Aende- rung der Steuerkarte berechtigt. Der Anklagevertreter beantragte eine Gefängnisstrafe von vier Monaten. Der Angeklagte wurde wegen einfacher Urkundenfälschung zu einer Gefängnisstrafe von sechs Wochen, die durch die Unter- sfuchungshaft als verbüßt gilt, verurteilt.
Strafkammer Gießen.
Der O. K. in Gießen-Wiefeck hatte wegen fahrlässiger Körperverletzung und Vergehen gegen das Reichsstraßenoerkehrsgesetz eine Gefängnisstrafe von drei Monaten und eine Geldstrafe von 75,— RM. erhalten. Er hatte am 24. September v. I. beim Befahren der Möferstraße in Gießen-Wiefeck mit feinem Motorrad durch sein Verhalten den So- ziusfahrer R. geschädigt, indem er mit dem Fahr
zeug gegen einen Steinhaufen fuhr, wodurch R. vom Sitz geschleudert wurde und einen Schädelbruch erlitt; K. hatte unter erheblicher Wirkung geistiger Getränke am Verkehr teilgenommen und ein Fahr- zeug der Klasse I geführt, ohne vorschriftsmäßigen Führerschein zu besitzen. Gegen den Strafbefehl legte der Angeklagte Einspruch ein. In der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht am 9. Februar 1939 wurde er zu Geldstrafen von 100,— RM. und 5,— RM. verurteilt. Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Der Anklagevertreter beantragte eine Gefängnis st rafe von zwei Monaten und eine Geld st rafe do n 50,— RM. Diesem Antrag entsprechend wurde der Angeklagte verurteilt. Straferschwerend wurde das grob-fahrlässige Handeln des Angeklagten, strafmildernd der Umstand, daß er einschlägig nicht vorbestraft ist, berücksichtigt.
Der H. M. in Nieder-Breidenbach war von der Strafkammer Gießen am 3. Mai 1935 wegen Urkundenfälschung zu einer Gefängnisstrafe von zehn Tagen verurteilt worden. Die Strafe hat der An- aeklagte auch verbüßt. Es wurde ihm zur Last gelegt, in einer bereits unterschriebenen Quittung einen Zusatz gemacht zu haben. Der Angeklagte behauptet demgegenüber, den Zusatz habe er vorher gemacht. Das Urteil der Strafkammer wurde im Wiederaufnahmeverfahren angefochten. Der Angeklagte wurde dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend, in der gestrigen Verhandlung mangels Beweises freigesprochen.
Aus der engeren Heimat.
Landkreis Gießen.
# Mainzlar, 2. April. Am Montagfrüh vor Beginn der Arbeit fand im Schlosser-Aufenthalts- raum der Didier-Werke die feierliche Einführung der neuen Lehrlinge in die Betriebsgemeinschaft statt. Nach einer kurzen Ansprache des stellvertretenden Betriebssührers Dr. Thiel erfolgte die Begrüßung durch den Betriebs- führer und den Betriebsobmann. Hieran schloß sick die feierliche Verpflichtung, die durch Meister Re eh erfolgte.
* Großen-Buseck, 1. April Im Anschluß an eine Wanderung hielt der DHC.-Zw eigne re in „Buseckertal" in Alten-Buseck bei Mitglied Johanna Schmidt seine Versammlung ab. Nach der Begrüßung erstattete der Dereinsfüh- rer, VHC.-Bruder Lud. Jung (Großen-Buseck), den Jahresbericht, dem zu entnehmen war, daß regelmäßige Wanderungen auch in der Kriegszeit bei reger Beteiligung durchgeführt wurden. Die von VHC.-Schwester Joh. Schmidt in poetischer Form aufgezählten Wanderungen (vorgetragen von Brigitte Schmidt) fanden freudige Aufnahme. Nach dem Bericht des Rechners decken die Einnahmen die Ausgaben. Dem WHW. wurde eine Spende überwiesen. Auch in diesem Jahr konnten fünf Wanderauszeichnungen verliehen werden. Es erhielten Auszeichnungen Vereinsführer L. Jung und Fräulein Schmidt zum 6., Frau Hahn zum 5. und die Jugendlichen Inge Schmidt und Reinhold Hahn zum 1. Male. Die Jahresberichte aus den ersten Jahren des Bestehens des Zweigvereins kamen durch den Dereinsführer zur Verlesung und weckten manche schöne Erinnerungen an frohe Stunden in der engeren und weiteren Heimat.
<£ Leihgestern, 1. April. Die hiesige Krie- gerkameradschaft hielt ihren Monatsappell am Sonntagnachmittag bei Kamerad Arnold im „Löwen" ab. Nach Ehruna des im letzten Monat verstorbenen Kameraden begrüßte der Kameradschaftsführer die Kameraden, besonders den Unter» abfchnittsführer Kamerad P o st. Hierauf dankte er den Kameraden für ihre am Tage der Wehrmacht so erfolgreiche Sammeltätigkeit, gab die Eingänge bekannt und teilte mit, daß den im Felde stehenden Kameraden zu Ostern ein weiteres Liebes- gabenpafet Rauchwaren übersandt wurde. Anschließend überreichte im Auftrage des Kreiskriegerfüh- rers Kamerad P o ft das Kyffhäuferehreßzeicken I. Klaffe dem Kameraden Wilhelm Häuser III. Mit dem Kysfhäuserehrenzeichen II. Klasse zeichnete er aus die Kameraden Johannes Krämer, Karl Arnold I., Georg Arnold II., Karl Faber II., Georg Dem X., Georg Waldschmidt und Wilhelm Diehl. Den Dank für die Ausgezeichneten sprach der Ehrenvorsitzende Häuser aus. Die über 40 Jahre der Kameradschaft angehörenden Kameraden Heinrich Christian Pfeffer und Karl Pauli I I. erhielten je ein geschmackvoll einge-
rahmtes, mit Widmung versehenes Hindendurg- bild nebst einem Schreiben des Bundesführers und der Ehrennadel für 40jährige Mitgliedschaft durch den Kameradschaftsführer überreicht. Desgleichen erhielt die Ehrennadel für 25jährige Mitgliedschaft der Kamerad Karl Ott. Nach dem Hinweis auf den 125. Geburtstag des Altreichskanzlers Fürst Bismarck wurde der Appell in irer üblichen Weise geschloffen.
<£ Rüddingshausen, 1. April. Die Krie - gerkameradschaft hielt bei Kamerad Theiß den Generalappell ab. Kamerad Kaberlah begrüßte die Teilnehmer. Eine besondere Freude wurde der Kameradschaft zuteil, als der Kreisschieß- wart Hanf aus Gießen erschien, der im Verlauf des Abends den Schießbericht erstattete. Daraus ging hervor, daß der Kreisschießwart mit dem Schleßbetrieb der Kameradschaft sehr zufrieden ist. Mit 85,4 v.H. der Kameraden trat die Kameradschaft zum Wettkampf an. Die Beschaffung eines neuen Gewehrs hatte sich gelohnt, denn es konnten der Kreismeistertitel der Klassen A und B errungen werden. Mit 665 Ringen von 720 möglichen hielten die Kameraden Ldg. Olmotz, Paulus, Kornmann und Koch die Spitze der Klasse A, während die Kameraden Peter, Pfeiff, Kaberlah und Reitz die Meisterschaft der Klasse B mit 426 von 480 möglichen Ringen erreichten. Mclilerschütze der A-Klasse war Ldg. Olmotz (168 Ringe), Meisterschütze der Klasse B Wilh. Peter mit 114 Ringen. Die fleißigen Schützen wurden mit dem bronzenen Aermelabzeichen ausgezeichnet. Damit erhält die Kameradschaft auch die beiden Wanderpreise der Gau- und Kreiskriegerführung. Weiter wurden noch 8 Kameraden mit der bronzenen Ehrennadel vom Kameraden Hanf ausgezeichnet.
00 Eberstadt, 2. Avril. Die hiesige Vieh. Versicherungsgesellschaft hielt im Gast- Haus „zum Adler", ihre Generalversammlung ab. Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden Heinrich Gört ach XI. gab der Rechner Heinrich W>ech- m a n n den Kassenbericht bekannt. Der Bericht verzeichnete einen Ueberschuß. An die Versicherungsnehmer wurden an Entschädigungen 1445 RM. für Gefallenes ober notgeschlachtetes Vieh bezahlt. Die 'erztekosten betrugen 524 RM. Der Kassenbericht wurde gutgeheißen und der Vorstand entlastet.
4= ß au t e r, 2. April. Dieser Tage wurde dem Poststelleninhaber Peter A f f III. das ihm vom Führer verliehene goldene Treudienst- ehrenz eichen durch Oberpostsekretär Zinn überreicht.
Kreis Bübingen.
—.— Schotten, 1. April. Das Hotel „Hessisches Haus" (seither von K. Hufnagel bewirtschaftet) ist durch Kauf an Willi Bender Eheleute (Sohn des Clubwirts Bender, Hoherodsckopf) übergegangen. — Am vergangenen Samstag fand auf dem Hohe- rodskopf die traditionelle Bismarck-Feier
statt, zu der viele DHC.er und und sonstige Gaste aus fern und nah erschienen waren. Nach einleiten- den Klängen der Musik hielt Oberreallehrer Buß (Schotten) die Festansprache, die mit dem Sieg-Heil auf den Führer schloß. — Das Staatl. Gesundheits- amt führt hier Säuglingsberatungsstunden und Untersuchungen auf Rachitis durch.
G. A.-Gport.
Hingführerbesprechuna des Ji<3n£.
Unter Leitung des Ringführers des NSRL. Franz Sauer fand am Samstag im „Bayerischen. Hof" eine Besprechung der Vereinsvertreter der dem NSRL. angeschlossenen Organisationen statt. Im Mittelpunkt der Sitzung standen die Bespre- chungen über die Sportgemeinschaften. Ringführer Sauer nahm die Oesfnung der Olympiaglocken vor und sprach über die neue Anordnung für den Sportgroschen, der jetzt bei jeder sportlichen, tarne« radschaftlichen und werbenden Zusammenkunft in bestimmter Höhe zu erheben ist. Der Ringführer nahm einen nicht vorschriftsmäßig eingereichten Antrag auf Unterstützung aus der „Sporthilfe" zum Anlaß, auf die bestehenden Vorschriften hinzuwei- sen. Nach Besprechung neuer organisatorischer Fragen wurde auf die Notwendigkeit der Annahme der neuen Einheitssatzung des NSRL. hingewiesen, die eine Abänderung des Namens „Verein" in „Ge- meinschaft" und der Bezeichnung Vereinsführer in Gemeinschaftsleiter vorsieht und durch die einige neue Regelungen getroffen werden. Nach der neuen Satzung wird auch der Vereinsführer bzw. Gemein* schaftsleiter nicht mehr gewählt, sondern auf Vorschlag der Mitglieder bestimmt.
Bezirksführer Stein sprach dann über dis Durchführung der Sportgemeinschaften, durch die die noch daheim verbliebenen Mitglieder mehrerer Vereine zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen werden, damit die Uebungsarbeit fortgesetzt, dis Turn- bzw. Sportwartefrage geklärt. Die Turnhallen zweckentsprechend belebt und der Eifer der Sportler bzw. der Turner angeregt werden. Gleich* zeitig soll eine bessere Werbung für die Leibesübungen einsetzen.
Im Verlaufe der Besprechungen ergab es sich, daß z. B. zwischen den beiden Turnvereinen von 1846 und dem Mtv. auf turnerischem Gebiet eine solche Zusammenarbeit schon lange Zeit besteht. Auch in den anderen Sportarten, wie z. B. bei den Ruderern, wird eine Zusammenarbeit gepflegt. Die Ruderer werden versuchen, nach Gießen wieder eine Regatta zu bekommen. Am Himmelfahrtstage findet für alle dem NSRL. angeschlossenen Vereine eine Sternwanderung nach dem Greifenstein statt, die mit einer Kundgebung für den NSRL. verbunden fein wird. Die Ausgestaltung der Veranstaltung übernimmt der Westerwaldverein Herborn.
Um die Handball-
HZ -Bannmeifterschast.
Im Rahmen der im Bereich des Bannes 88 zur Durchführung kommenden Spiele um die HI.« Bannmeisterschaft wurde als erstes der geplanten Turniere eine Veranstaltung der Staffel A in Hochelheim abgewickelt. An Stelle der ursprünglich vorgesehenen 6 Mannschaften waren 4 zur Stelle, und zwar Lützellinden, Hörnsheim, Hochelheim und Dornholzhausen.
Staffelsieger wurde nach einer Reihe spannender Kämpfe die Mannschaft des Tv. Lützellinden, die sich wider Erwarten verhältnismäßig leicht an die Spitze setzte und sie ohne Verlustpunkte auch beibehielt. Der Endstand zeigte folgendes Bild:
1. Tv. Lützellinden.
2. Tv. Dornholzhausen.
3. Tv. Hochelheim.
4. Tv. Hörnsheim.
Hörnsheim, das trotz feinem letzten Platz mit eine der besten Mannschaften war, verlor alle Treffen nur ganz knapp. Eine Enttäuschung bereitete eigentlich nur Hochelheim seinen Anhängern. Dornholzhausen spielte reichlich verkrampft und kam selten an seine sonstigen Leistungen heran. Nur Lützellinden konnte gefallen, so daß der Staffelsieg danach auch vollkommen verdient war.
„klick und der Goldschatz" heihk der neue Boman von Friedrich Schnack, mit dessen Abdruck wir in der heutigen Bummer der Gießener Famillenblätler beginnen.
ißoWwitlDolfeffötrlW.
Roman von horst MM.
23. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Er trat zögernd näher, murmelte etwas von „Nicht stören wollen", „zufälligem Hereinschauen", einem „kleinen Schnäpschen", beugte sich über ihre Hand und gewahrte dabei deutlich, daß Mr. Parker, ganz im Gegensatz zu Renate, genau so drein- schaute, als ob er ihn, den Doktor, zu allen Teufeln wünsche.
Der Doktor hörte Renates Frage, ob er allein sei und ob er nicht an ihrem Tisch Platz nehmen wolle, und Parkers unverhohlenes Mißvergnügen erweckte seinen Trotz. Nun gerade!
Renate deutete mit einer vorstellenden Bewegung auf del^'Engländer hin: „Ich glaube, ich habe Ihnen schon von Mister Parker erzählt, Herr Doktor ..."
Es war ihm, als ob sie noch etwas hinzuiügen wolle. Eine kleine Pause der Verlegenheit entstand! dann wandte sie sich an Parker, und indem sie auf den Doktor wies, sagte sie: „Das ist Doktor Menzel, Allan — ich weiß nicht, ob ich seinen Namen schon einmal erwähnt habe ..."
Parker schüttelte den Kopf. Er verbeugte sich kühl, reichte dem Doktor drucklos die Hand und rückte einen Stuhl für ihn zurecht: „Bitte, setzen Sie sich! Wir trinken einen Mosel — darf ich Ihnen ein Glas kommen lassen?" Er starrte plötzlich überrascht. .Hallo!" fuhr er unsicher fort. „Wir kennen uns doch schon ... Nur — woher eigentlich, bitte?"
Renate machte große Augen.
Und der Doktor, ein völlig unbegabter Lügner, den in diesem Augenblick nur ein ganz kaltblütiges und entschlossenes Auftreten hätte retten können, stammelte ein lahmes und halb fragendes „Unmöglich!"
„Aber selbstverständlich!" rief Varker. „Besinnen Sie sich doch! Es ist allerdings zehn Tage her, aber Sie haben mich doch damals aus der Dorotheen- straße--" Er wandte sich an Renate:, .Jawohl,
Renate! Damals, als ich Sie zum erstenmal heim- begleitet hatte und den Rückweg zu Fuß machte, damals hat Herr Doktor Montzell--"
„Menzel, Menzel!" verbesserte der Doktor.
„— — Doktor Menzel mir in der Dorotheen- straße den Heimweg gezeigt, mich sogar ein Stück geführt und sich dann am Tor — Siegestor, nicht wahr? — von mir verabschiedet!"
„Wirklich?" stotterte der Doktor. „Das waren Sie? Was für ein merkwürdiger Zufall!" Er versuchte ein Lachen, aber es mißglückte kläglich und klang, als wenn ein Kind im zweiten Schuljahr aus einem Lesebuchstück vorliest: Hahaha ... „Ja, ich habe damals einen kleinen Nachtspaziergang durch den Englischen Garten gemacht ... Wissen Sie: Lange gearbeitet, zuviel geraucht — da hat man dann das Bedürfnis nach frischer Luft und ein wenig Bewegung ... Ja, und dabei bin ich wohl irgendwo in jener Gegend gelandet. Und dort — also dort hat sich dann unser Zusammentreffen durch einen merkwürdigen Zufall ergeben ..." Er schüttelte, ehrlich verwundert, den &opf, „Es ist zu sonderbar, wie der Zufall manchmal spielt! lieber« Haupt: Zufälle ..." Er trachtete, mit „Ueberhaupt: Zufälle!^ ein dankbares Thema anzufchlagen, mit dem sich eine ganze Gesellschaft ohne weiteres einen ganzen Abend lang äußerst anregend unterhalten könnte, aber er fand sich leider ein wenig zu spät aus seiner Verlegenheit heraus und beging überdies den Fehler, die Zufälligkeit feiner Begegnung mit Parker zu stark zu betonen.
Parker entsann sich jenes Vorfalls und der ziemlich rüpelhaftes Abschiedsvorstellung, die der Doktor damals gegeben hatte, viel zu deutlich, um nicht sofort die inneren Beziehungen zwischen diesem groben Wesen und dem „Zufall" in Zusammenhang zu bringen, der den Doktor damals in die Doro- theenftrahe geleitet hatte. Ohne seinen Scharftinn besonders anzustrengen, witterte er in diesem Herrn Menzel und dessen Abendspaziergängen einen wiedererstandenen ioggenburg.
Renate ihrerseits sah einen Vorhang fallen. Die Veränderung im Wesen des Doktors, die sie zu spüren bekommen hatte, und der merkwürdige und damals so unerklärliche Wechsel aus anfänglicher Wärme in Zurückhaltung und polternde Verlegenheit erschien ihr auf einmal in neuer Beleuchtung. Sie brauchte nicht nachzurechnen — dazu waren die Ereignisse noch zu jung; sie wußte ganz sicher, daß dieser Umschwung in seinem Verhalten ihr gegenüber genau an jenem Tage eingesetzt hatte,
der seinem angeblichen Nacktspaziergang im Englischen. Garten und seiner zufälligen Begegnung mit Parker gefolgt war ...
Der Oberkellner näherte sich dem Tisch und fragte den Doktor nach seinen Wünschen. Parker wiederholte seine Frage, ob er ein drittes Glas hinstellen lassen dürfe.
Aber der Doktor schien auf Mosel nicht besonders erpicht zu sein und bat, ihm zu gestatten, daß er einen Gin nähme.
Parker beugte sich vor; er drehte den Kopf mit einer raschen Bewegung zum Doktor hin: „Mosel —? Eigentlich haben Sie recht: Das ist kein Getränk für den heutigen Abend! Aber Sie werden e$ mir nicht abschlagen, mit uns eine Flasche Sekt Zu trinken? Der Anlaß ist wirklich einen guten Tropfen wert. Also, Herr Ober, die beste Marke, bitte, die Sie führen!" Und mit einer halben Drehung zu Renate hin, die ein wenig blaß geworden war und mit gefrorenen Lippen lächelte: „Ich bin in einer zu glücklichen Stimmung, um noch länger schweigen zu können, Renate! Und ist es nicht ein hübscher Zufall und ein gutes Vorzeichen, daß ein Freund an unserer kleinen Feier teilnehmen und uns die ersten Glückwünsche aussprechen kann? Und nach dieser Einleitung, Herr Doktor, werden Sie ja nicht mehr zu raten brauchen, woraus wir heute anstoßen wollen, nicht wahr? "
Der Doktor suchte eine Ablage für seine Zigarette — seine Hand mit dem glühenden Licht« Pünktchen zuckte eckig über den Tisch; er übersah den Aschenbecher, der dicht vor ihm stand. Für einen Augenblick sah er etwas ängstlich aus, lauschend und besorgt wie ein Mechaniker, der ein Triebwerk behorcht. Und bann bemerkte er, ohne eigentlich hinzuschauen, daß beide ihn' beobachteten: Parker gespannt und überlegen, mit einem ölig glitzernden Wohlwollen, und Renate versteckt und scheinbar damit beschäftigt, ein Zündholz zu zerknicken ... Mit einer kleinen Anstrengung zog er die Lippen auseinander und entblößte die Zähne; die freudige Grimasse gelang ihm nicht einmal schlecht. „Allerdings — das ist allerdings eine lieber- raschuna, eine ganz besondere Uederraschung! Und, ganz offen gestanden, ich bin ein wenig ratlos, wem man zuerst gratulieren soll: Ihnen, Mister Parker, zu einer so bejaubernrben Eroberung in so kurzer Zeit, oder--"
Renate unterbrach ihn. Sie hob die Hände: „Um Himmels willen, Herr Doktor, keine Festrede!"
Es sollte scherzhaft klingen, aber dem Doktor entging der erstickende Unterton nicht, und er mußte sich beherrschen, um die Bemerkung zu unterdrücken, daß sie eigentlich weniger glücklich aussähe, als ein so bedeutungsvoller Tag es erfordere.
Der Oberkellner entkorkte den Champagner, der leise zischend in die Gläser schoß.
Der Doktor hob feinen Kelch. „Keine Rede?" äußerte er bedauernd, als werde er an der Entfaltung feiner Talente verhindert. „Ja, dann bleibt mir nichts übrig, als dieses Glas auf Ihre Zukunft zu leeren!" Er schwenkte den. Kelch gegen Renate und machte ein Gesicht, als ströme er vor lauter Herzlichkeit über; dabei gelang es ihm, weder Renate noch Parker anzusehen.
Sie leerten ihre Gläser, und der Kellner, der sich zurückgezogen hatte, eilte diensteifrig herbei, um sie von neuem zu füllen. Er stellte die geleerte Flasche zur Seite und sah Parker fragend an.
„Nein, bitte nicht mehr, Allan 1" bat Renate mit einer kleinen abwehrenden Bewegung. „Ich trinke noch gern dieses Glas. Aber dann —?" Sie preßte die Fingerspitzen leicht gegen die Schläfen.
„Kopfschmerzen —?" rief der Doktor und klopfte seine Taschen nach Tabletten ab, als schleppe er für gewöhnlich eine kleine Hausapotheke mit sich herum.
Sie nickte, mit dem Versuch, ein tapferes Lächeln ZU zeigen: „Oh, es ist nicht so schlimm! Eine gute Weile halte ich es noch aus ..."
Parker beugte sich zu ihr hinüber, und der Doktor hatte das Gefühl, der Engländer werde ihre Hand, die sie auf den Tisch hatte sinken lassen, umschließen. Er drückte seine Zigarette aus, umständlich und sorgfältig, als rauche er in der Nähe eines Pulverlagers.
Aber Renate zog ihre Hand zurück. Zufällig -^? Absichtlich —?
„Darf ich eine Drofchke bestellen, Renate?" fragte Parker besorgt.
„Nein, Allan, wirklich nicht! So eilig ist das nicht. Vielleicht später, wenn wir unsere Gläser ausgetrunken haben ..."
(Fortsetzung folgt.)


