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Englands vergebliches Werben um Gowjetrußland

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Geheim!

Zcht sollte Rußland der Handlanger Englands sein

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Aus der Dokumentensammlung des Auswärtigen Amtes im neuen deutschen Weißbuch bringen wir heute als letztes der ersten 16 Dokumente das Doku­ment 14 zur Veröffentlichung.

* Der sozialistische Abgeordnete Dalton be­hauptete in einer Unterhausrede vom 1. April, daß zwischen dem 19. und 31. März keine Verbindung zwischen dem Sowjetbotschafter und dem britischen Außenminister bestanden habe. (Es folgt ein Zitat.)

Dokument 14.

Bericht des polnischen Botschafters in London, Grafen Edward Raczynski, an den polnischen Außenminister in Warschau vom 26. April 1939. London, 26. April 1939.

Rumänien, Jugoslawien und Spanien auszählte. Gleichzeitig jedoch betonte Cadogan die Schwierig­keiten, die die britische Regierung habe; sie wolle eine abschlägige Antwort nicht in einer Weise geben, die verärgern könnte.

Dieser Standpunkt wurde auch Minister G a - f e n c u mitgeteill. In seinen hiesigen UntearZun­gen vergewisserte er sich, daß die britische Re­gierung eine engere Annäherung an die Sowjets meide. Der rumänische Außen­minister brachte mir gegenüber die Ansicht zum Ausdruck, daß die jetzigen englisch-sowjetischen Un­terredungen ohne konkretes Ergebnis bleiben könnten.

Churchills Knegsvorbereitung.i

Daher bemüht sich die britische Politik, die allzu deutliche antideutsche Akzente noch meidet, einer allzu unmittelbaren Bindung an die Sowjets aus­zuweichen. Jedoch kann die weitere Entwicklung der internationalen Lage in eine Richtung gehen, dis die Einhaltung dieser Linie unmöglich macht.

Daher treffen die inzwischen laufenden Verhand­lungen auf viele Hindernisse. Eine zusätzlich Schwie­rigkeit ist die Haltung der Opposition und eines ge­wissen Teiles der konservativen Partei mit Chur­chill an der Spitze, die sich deutlich auf ein^n Kreieg vorbereiten und in den Sowjets einen Staat mit großen Re­serven und potentiellen militärischen Kräften sehen. Die Schwierigkeiten mit der Opposition können noch mehr mit den Angriffen wachsen, die der Entschluß ü6er die Militärdienst- Pflicht hervorrief. Denn die Regierung wird in Be­tracht ziehen und sich möglicherweise Argumenten entgegenstellen müssen, daß eineAllianz" oder ein« andere Form der Verbindung mit Rußland eine so drastische Beschlußfassung hatte verhindern können. Edward Raczynski,

Botschafter der Republik Polens

Botschaft Der Republik Polen in London.

AB/ME-No. l/SE-Sow/191.

An den

polens Botschafter in Washington berichtet, wie Bullitt den haß schürte.

Von den polnischen Geheimdokumenten, die nach der Veröffentlichung des deutschen Weißbuches jetzt in allen diplomatischen Kreisen der Welt mit gespannter Aufmerksamkeit und Erregung studiert werden, hat dieser Bericht des früheren polnischen Botschafters in Washington, Graf Potocki, vom 16. Januar 1939 den stärksten Widerhall gefunden. Er zeichnet nämlich besonders klar mit neuen Einzelheiten die verhöngnisvolle Rolle der amerikanischen Diplomatie, im besonderen die kriegstreiberische Arbeit des USA.-Botschafters in Paris« Bullitt. (Scherl-Bilderdiensi-M.)

Rasche Gewinnung der mssischen ÄrbeiL"

Ich kann jedoch sofort sagen, daß die Re- wortete, besprach er ausführlicher die Verhältnisse gierung S. M. sich vollkommen über die Be-1 zu Rußland:

Das Echo in aller Wett.

Rach den Berichten aus den neutralen und nichtkriegführenden Ländern ist das Echo auf die im deutschen Weißbuch veröffentlichten polnischen Dokumente nach wie vor sehr lebhaft. In allen Pressestimmen jener Länder wkrd klar und unmißverständlich hervorgehoben, daß mit die­sen Dokumenten den Kriegshetzern in England und Frankreich und ihren amerikanischen Helfern die Maske vom Gesicht gerissen wurde. Ebenso wird betont, daß die Echtheit der Doku' mente völlig außer Frage stehe. Zugleich wird dii

gewürdigt würden. , v m

Aus d?e Frage der Opposition, ob der Pre­mier oie Versicherung geben könne, daß es zwi- schen Großbritannien und der Sowjetunion keine ideologischen Hindernisse gebe, antwortete Herr Chamberlain:Yes, I have no hesitation in giving that assurance." In der Debatte am 3. April wird die russische. Frage erneut von der Opposition angeschnitten. Der Premier wird dadurch veranlaßt, während seiner Rede fol­gende Erklärung abzugeben:

dem Wege einer einseitigen Erklärung der Sowjet­regierung erfolgen, die feststellen würde, daß im Falle eines deutschen Angriffs auf Polen oder Ru­mänien Rußland im voraus seine Haltung zu einem derartigen Konflikt feststellen würde. Die Gegen­vorschläge der Sowjets aber, die zu einem politi­schen Vertrag der gegenseitigen Hilfeleistung zu ge­langen wünschen sei es in zweiseitiger englisch- russischer Form bei entsprechender Anpassung des französisch-russischen Vertrages, sei es in der Form eines Vertrages zwischen England, Frankreich und Rußland, könnte, wie Cagodan erklärt, England nicht annehmen und auch Frankreich wolle das nicht. Cadogan berief sich dabei auf wesentliche Rück­sichten, wie auf die Reaktion, die das in anderen Länder Hervorrufe, wobei er unter diesen Polen,

,Hch komme jetzt auf Rußland zu sprechen. Ich möchte 4m Namen der Regierung in die­ser Frage eine möglichst klare Aufklärung geben. Ich muß mit der Feststellung beginnen, daß auf unserer Seite nicht im ge­ring st en der Wunsch besteht, Ruß­land auszu schließen oder sich der rusfi- schen Hilfe für den Frieden zu entäußern. Schon gleich vom Beginn unserer neuen Poli­tik an strebten wir nach einer raschen Ge­winnung der russischen Mitarbeit. Gleich nach der Einnahme der Tschecho-Slo- wakei durch Deutschland wandten wir uns an die russische Regierung mit der Bitte, sich der Diermächteerklärung anzuschließen. Die russische Regierung antwortete sogleich, daß sie sich da­mit einverstanden erkläre, an der Viermächte­erklärung teilzunehmen, wenn nur Frankreich und Polen diesen Vorschlag annehmen wür­den. Wir kommen jetzt zu einem delikaten Punkt, denn, wie dem Hause bekannt ist, ließ sich dieses Projekt leider nicht verwirklichen, und wir waren gezwungen, eine andere Me­thode einzuschlagen, obwohl wir noch denselben Zweck verfolgten.

Dann trat R i?ß l a n d mit dem Vorschlag einer Konferenz der Mächte hervor. Die Einwendungen der britischen Regierung er­gaben sich nicht aus der Tatsache, daß der Vor­schlag von russischer Seite ausging: Ihre Stel­lungnahme hierzu erfolgte vielmehr auf Grund einer Einstellung aus rein praktischen Mo­tiven ... Es ging darum, die rascheste und am meisten Erfolg versprechende Methode zur Erlangung eines Einverständnisses unter den interessierten Staaten zu finden. Bei der Ein­berufung solch einer Konferenz würden sich viele Schwierigkeiten ergeben, aber zweifellos würden wir uns bemühen, sie zu überwinden, wenn wir der Ueberzeugung wären, daß dies die beste Methode darstellt ... Die letzten Er­eignisse in Europa im März und April muß­ten notwendigerweise in einer Reihe von Län-

Ein« neue Etappe entstand in dem Augenblick, als nach einer gewissen Stagnation und Desorien­tierung in der Zeit nach der Krise und nachdem man zu der Ueberzeugung gelangt war, die Politik derEntspannung" mit Deutschland habe keine Aussicht auf schnelle Verwirklichung wie es schei­nen konnte, als Herr Chamberlain von seinem letzten Besuch beim Reichskanzler zurückkehrte^und verkünden konnte, er habepeace in our time" er­langt, die britische Regierung größere Initiative zu zeigen begann und sich einen günstigeren Boden für mögliche Dechandlungen mit Deutschland vorbe­reitete, worauf man fast bis zum Augenblick des Ausbruchs der Märzkrise rechnete. Die Gesten gegenüber Rußland haben damals eher den Cha­rakter einer Kundgebung als wirklicher politischer Schachzüge (z. B. der demonstrative Besuch des Pre- miers Chamberlain in der Sowjetbotschaft), dennoch soll die Einbeziehung Moskaus in die Route des Ministers Hudson der Ausdruck eines nicht nur wirtschaftlichen Interesses an Rußland sein. Aller­dings ändert sich die grundsätzliche Einstellung nicht sehr: korrekte, wenn auch keineswegs herzliche Be­ziehungen und der Wille, sie auf derselben Tem­peratur zu halten. Die Opposition zwar, die die Schaffung einerantiaggressiven" Front derdemo­kratischen^ Staaten verlangt, wünscht eine größere Annäherung an Rußland; derartige Tendenzen sind sogar bei einigen Mitgliedern der konser­vativen Partei vorhanden, die einen Ent­scheidungskampf mit Deutschland wün­schen (Churchill, Duff-Coover). Jedoch unterstützt die Mehrheit der. Partei diese Anschau­ungen nicht. a

Aach der tschechischen Mrzkrise.

Die tschechische Märzkrise schafft eine neue Lage. Die sowjetischen Vorschläge, eine Kon­ferenz der interessierten oder von der weiteren deut­schen Aggressionbedrohten" Staaten einzuberufen, können sich nicht behaupten. Ebenfalls fällt aus den bekannten Gründen der englische Vorschlag einer gemeinsamen Erklärung der Vier-Mächte weg. In diesem Zeitabschnitt nehmen die beiden Regierungen verhältnismäßig häufig Fühlung miteinander, wenn jedoch die britische Regierung ihre Versuche einer Beeinflussung aufgibt und sich entschließt, Polen die Garantie zu geben, dann wird diese Verbindung abgebrochen und damit große Un­zufriedenheit der Sowjets hervorgerufen. Der hie­sige Botschafter gibt allen zu verstehen, daß er en Scart gehalten werde, und beklagt sich vor den Vertretern der Opposition über diese Behandlung*. Zwei Stunden vor der Abgabe der bekannten Er­klärung des Premiers vom- 31. März wurde Bot­schafter M a i s k i über ihren Inhalt unterrichtet.

Die Erklärung, die von der Opposition bejahend

nen den Premierminister, eine Erklärung über Polen abzugeben. Bevor diese aber abgegeben wurde, wurde der russische Botschafter von ihrem Inhalt informiert. Der Botschafter sagt« am 31. März dem Staatssekretär, daß die russische Politik neuerdings von Herrn Sta- lin als eine Politik der Hilfeleistung gegen die Aggression für diejenigen, welche für ihre eigene Unabhängigkeit kämpfen, umschrieben worden sei. Der Staatssekretär hat diese Defi- nition so entgegengenommen, wie sie jeder von uns, welcher nach einem Maximum an Hilfe aller nur möglichen Seiten strebt, entgegen­genommen haben würde. Das Haus kann sich aus diesen Worten überzeugen, daß die Grund­sätze, derer die Regierung seiner Königlichen Majestät sich bei ihrer Erklärung in der pol­nischen Frage bediente, genau dieselben waren wie die Grundsätze der Erklärung von Herrn Stalin. Es scheint uns, daß diese Grundsätze von der russischen Regierung nicht falsch ver­standen werden können und ich möchte, daß das Haus versteht, daß, obwohl bei Problemen dieser Art schwieriger ist, als es zu sein scheint, mit einer größeren Anzahl voA Staaten zu verhandeln, die Vorwürfe, daß wir es ver­meiden wollten, Rußland in das System, das wir gerade als System des Friedens im Gegen­satz zur Aggression aufbauen wollen, einzube­ziehen, ungerechtfertigt sind ... Wenn wir die Gefahr, in der sich augenblicklich freie Staaten in der Welt befinden, berücksichtigen, wären wir dumm, wenn wir uns nicht klar darüber sein würden, wo die Quellen der Hilfe liegen und sie nicht benutzen würden."

Der Abgeordnete Dalton unterbrach hier Si­mon und fragte, ob die Regierung die Möglichkeit berücksichtige, gemeinsam mit Frankreich und Ruß­land eine definitive Militärallian^ vor- zuschlagen. Sir John antwortete nicht direkt auf diese Frage, sondern er erklärte, daß man bri- tifcherseits gegenüber einem solchen Vorschlag keine prinzipiellen Bedenken habe:

Diese Fragen sind nicht so einfach, wie es wohl scheinen kann Es scheint mir nicht, daß wir trotz Rußlands großer Macht unsere ganzen Anstrengungen ausschließlich auf diesen Staat konzentrieren können. Wir müsstn daran denken, daß auch noch anders Stachen exi­stieren, für die eine Gefahr näher liegt als für Rußland. Obwohl ich aber nicht sagen kann, ob ein Vorschlag dieser Art gemacht worden ist, kann ich dem Hause versichern, daß die Regie­rung einem solchen Vorschlag gegenüber keine prinzipiellen Einwendungen zu machen hat." Inzwischen finden in London^und Moskau wei­tere Verhandlungen statt über den Anteil und die Rolle Rußlands in dem entstehenden neuen Kräfte­verhältnis in Europa.

England wollte sich aber nicht binden. Zweifellos wünscht England, daß Rußland an diesem Kräfteverhältnis teilnehme, will jedoch keine formale oder engere Bindung. Aus den mir von dem ständigen Unterstaatssekretär im Foreign Office, Cadogan, gegebenen Erläuterungen geht her­vor, daß England und Frankreich sich darauf beschränken wollen, von« Ruß­land «ine Erklärung, «5 werde im Kriegsfälle

Ich habe nicht die Absicht, heute diejenigen Regierungen zu nennen, mit denen wir gegen­wärtig oder in nächster Zukunft über die Si­tuation beraten wollen. Ich muß jedoch die Sowjetunion erwähnen, da ich mir darüber klar bin, daß die U. d. S. S. R. immer in den Gedanken der Oppositionsmitglieder vorhanden ist und daß diese noch argwöhnen, sog. ideolo­gische Verschiedenheiten könnten uns in dem trennen, was sonst im Interesse beider Länder märe. Ich werde mich nicht bemühen, auch nur einen Augenblick zu behaupten, derartige ideo­logische Unterschiede bestünden nicht; sie ver­bleiben unverändert. Aber, unser Standpunkt ist, wie ich das schon in meiner Antwort auf eine Frage am vergangenen Freitag gesagt habe, der, daß ideologische Verschie­denheiten, ganz gleich welcher Art, keinen Einfluß auf solche Ange- t heitenhaben können. Das, was uns gegenwärtig angeht, ist die Erhaltung unserer Unabhängigkeit. Wenn ich aber von unserer Unabhängigkeit spreche, so meine ich nicht nur die Unabhängigkeit unseres Landes, sondern auch die anderer Staaten, welche von einer Aggression bedroht werden könnten. Aus die- dem Grunde begrüßen wir auch ohne Rücksicht auf die inneren Regierungsformen die Mit» arbeit eines jeden Staates, nicht, weil wir eine Aggression bezwecken, sondern weil wir uns ihr entgegenstellen wollen."

Seinerseits bestätigt Lord Halifax am glei­chen Tage im Oberhaus folgendes^

Die Konsultationen werden weiterhin ge­führt und ich bin nicht imstande, mich gegen­wärtig über sie endgültig auszusprechen.

beuhmg des Standpunktes der Sowjet- regierung klar ist und auf gute B e - Ziehungen zu dieser Regierung Wert legt. Ich kann jedoch nicht die Tat­sache vergessen, daß die Beziehungen gewisser Staaten zu Rußland durch spezielle Bedingun­gen kompliziert sind, obwohl ich das Haus ver­sichern darf, daß, was die Regierung S. M. angeht, diese Schwierigkeiten nicht bestehen."

Die Ereignisse in Albanien rufen die Notwen­digkeit hervor, das Parlament während der Ferien­zeit auf einen Tag, und zwar ahi 13. April, ein« zuberufen. Der Premier eröffnet die Debatte, in der er nach Darlegung der internationalen Lage von dem Beschluß Mitteilung macht, Rumänien und Griechenland eine Garantie zu er­teilen. Er erwähnt die russische Stellungnahme jedoch nicht. Erst gegen Ende der Rede, als von feiten der Opposition Rufe laut wurden:What about Russia?" gibt er seiner Hoffnung Ausdruck, ,chaß die Tatsache,, daß er Rußland nicht er­wähnt habe, von der Opposttion nicht etwa als Beweis dafür aufgefaßt werde, Großbritannien unterhielte keine engen Beziehungen zu den Vertretern dieses Landes. Man habe ein« sehr schwierige Ausgabe zu erfüllen. Man müsse nicht nur das berücksichtigen, was man selbst wünsche, sondern auch das, was die anderen Partner tun wollen. (We have to consider not only what we wish, but what other people also are willing to do.)" Diese Worte können sowohl auf die polnischen und rumäni­schen Vorbehalte, wie auf den Standpunkt Ruß-

1 dern Unruhe Hervorrufen, und zwar deswegen, weil sie ihre Unabhängigkeit für bedroht hielten und weil dieses sich ungewöhnuch rasch ent­wickeln könne. Es kann sich nämlich dabei nur um Tage oder Stunden handeln. Um sich dieser Gefahr zu widersetzen, nicht hinter dem Rücken Sowjetrußlands bzw. in der Absicht von dessen Hilfeleistung keinen Gebrauch zu machen, son­dern weil wir Fragen gegenüberstanden, die keinen Aufschub erduldeten und weil wir im vollen Einverständnis mit der französischen Re­gierung handelten, fühlten wir uns verpflichtet, alles dazu zu tun, um das Vertrauen wieder- herzuftellen, deshalb aaben wir die Versiche­rung ab. die dem Haust schon bekannt ist. Wir nahmen nämlich gegenüber den Staaten, deren Unabhängigkeit durch ihre jeweilige Gefähr­dung bedroht war oder bedroht sein konnte, besondere Verpflichtungen auf uns. Während dieser Verhandlungen blieben wir in engem Kontakt mit der russischen Regierung. Am 29. März teilten wir dem russischen Botschafter mit, daß es uns nicht zweckmäßig zu fein scheine, den Gedanken einer Erklärung der vier Mächte weiter aufrechtzuerhalten und daß wir deshalb auf eine ander« Linie des Vorgehens übergegangen seien. Der russische Botschafter wurde über die allgemeinen Umriffe dieser neuen Methode informiert, die wir uns überlegt hatten, und die dazu führte, daß wir gemeinsam mit Frankreich Pole,-, und Rumä­nien Garantien gaben. Der russische Botschafter erkannte an, daß dies eine revo­lutionäre Umänderung in der britischen Politik darstelle und daß es in hohem Maße zur Auf­rechterhaltung des Vertrauens in anderen Län­dern beitrage. Während der Unterredungen wurde ihm offen zu verstehen gegeben, daß wir keinesweas die Absicht hätten, eine Hilfeleistung der russischen Regierung auszuschließen, wenn diese nur bereit sei, sie in möglichst zweckent-. sprechender und effektiver Weise zu erteilen. .

Die sich damals ergebenden Umstände zwan-

lands Bezug haben.

Erst als Sir John Simon auf die zahlreichen, ihm während der Debatte gestellten Fragen ant-

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auf genommen wurde, regte allerdings sofort zu der Frage nach der Rolle an, di« man den Sowjets zu- zuerkennen beabsichttge. Der Ministerpräsr- d e n t antwortet darauf:

Die Regierung halte mit verschiedenen an­deren Mächten Konsultationen ab, u. a. natür­lich auch mit der Sowjetregierung. Lord Hali­fax habe heute früh den sowjettschen Botschafter empfangen und mit ihm «ine eingehende Dis­kussion über dieses Thema gehabt. Es gäbe keinen Zweifel darüber, daß die Prinzipien, auf Grund derer man gegenwärtig handle, von

eine wohlwollende Haltung einnehmen, zu erlangen, um sich so Transit, Zugang zu den Roh- usw. zu sichern. Das könnte z. B. auf einer einseitigen Erklärung der Sowjet-

Herrn Minister für Auswärtigettn^Ie^ueiten Politischer Bericht Nr. 10/3

Englisch-sowjetische Beziehungen.

Die Ereignisse der letzten Wochen haben ein In- teresse für die Beziehungen zwischen Großbri­tannien und der Sowjetunion auf die Tagesordnung gesetzt. Daher scheint es zweckmäßig, ihre Entwicklung in den vergangenen Monaten zu schildern und Aeußerungen der Leiter der britischen Politik darüber, die gewöhnlich unter dem Druck aggresiver Fragen der Opposition gemacht wur­den, zusammenzustellen.

In den letzten Jahren wünscht« di« britische Re­gierung, obwohl sie keine Sympathie für das Sow­jetregime hegte, korrekte Beziehungen zur Sowjet- reaierunq zu unterhalten, wobei sie jedoch jede engere Verbindung mied. Als 1938 Minister Eden Moskau besuchte, stellt« das damals heraus- gegebene Kommunique fest, daßin keiner grund­sätzlichen Frage der internationalen Politik ein Widerspruch zwischen den Interessen «der britischen und den der Sowjetregierung besteht."

London mochte Rußland nicht.

Als Herr Chamberlain an die Macht kam, der zum Unterschied von seinem Vorgänger seinen eigenen Standpunkt zur Außenpolitik hatte und nach einer Verständigung der vier Westmächte strebte, wurde nicht nur eine 'stärkere Bindung an die Sowjets unmöglich, sondern man sah auch un­willig auf die allzu weitgehende p r o s o w j e - tische Politik der französischen Re- gierung. Diese grundsätzliche Haltung wurde selbst in den Tagen der tschecho-slowakischen Sep­temberkrise nicht geändert. Wochenlang unterhielt die englische Regierung keine Verbindung mit dem Sowjetbotschafter, ja dieser war sogar im September meist abwesend von London. Um so größere Verwunderung erregte daher dann die bis heute noch nicht ganz geklärte Angelegenheit dem Kommuniques des Foreign Office vorn 26. «Sep­tember abends, in dem es hieß, daß, wenn Frank­reich wetzen feiner Verpflichtungen in Mitteleuropa in einen Krieg verwickelt würde, es a n feiner Seite Großbritannien und Rußland fände. Nach diesem unverhofften ^ervorspringen", das eher aus einer Stimmung des Augenblicks als aus einem überlegten und vereinbarten Plan her­vorging, wurden die Beziehungen kühler die sowjetische Kritik an derMünchener" Politik und die Erwartung der Engländer, der deutsche Aus­dehnungsdrang werde sich nach Osten richten. Die britische Presse widmete damals demukrainischen Problem" viel Raum und ließ durchblicken, daß die- ses Gebiet nicht in der Sphäre der britischen Le- bensinteressen liege. Sogar die Aeußerungen von Regierungsvertretern hielten sich auf dieser Linie.