Dornotizen.
Tageskalender für INonlag.
Gießener Dortragsring: 19.15 Uhr in der Neuen Aula der Universität Vortrag des Kriegsberichterstatters Herbert D o l ck über „33 000 km Kriegs- abenteuer in Asien". — Gloria-Palast. Seltersweg: „Das Herz der Königin". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Falschmünzer".
Gießener Vorlragsrlng.
Im Rahmen des Gießener Dortragsringes wird auf Einladung der Volksbildungsstätte Gießen, des Goethe-Bundes und der Kulturellen Vereinigung am heutigen Montag der Kriegsberichterstatter Herbert D o l ck über das Thema „33 000 Kilometer Kriegsabenteuer in Asien" sprechen. Herbert Dolck ist 25 Jahre lang durch drei Erdteile gewandert, hat als Gegenspieler des Obersten Lawrence einen großen und schweren Kampf für Deutschland um das Oel, das flüssige Gold der Welt, das Lebenselexier der modernen Technik, geführt, ist für fein Volk rn die Zuchthäuser gegangen, hat in Sieg oder Niederlage nie Kraft und Mut zum Weiterkämpfen verloren, hat nach dem schmachvollen Ende des Weltkrieges sich in die Front der Kämpfer für ein neues Deutschland eingereiht und hat jetzt wieder im Polenfeldzug und an der Westfront sich freiwillig als Flieger dem Vaterland zur Verfügung gestellt.
Ortszeit für den 3. Dezember.
Sonnenaufgang 9.16 Uhr, Sonnenuntergang 17.12 Uhr. — Mondaufgang 12.21 Uhr, Monduntergang 21,52 Uhr.
Große Kundgebungen der Partei.
Am Samstag und am gestrigen Sonntag fanden in vielen Orten des Kreises Wetterau, in Stadt und Land, große Kundgebungen der Partei statt, die sämtlich unter dem Thema „Mit unseren Fahnen ist der Sieg" standen. Neben dem Kreisleiter Backhaus und zahlreichen weiteren führenden Männern der Partei und ihrer Gliederungen aus dem Kreise Wetterau selbst sprachen noch viele hervorragende Redner aus dem Gaugebiet, dabei vor allem Mitarbeiter der Gauleitung, Kreisleiter und Führer von Gliederungen. Tausende von Volksgenossen füllten die Säle und folgten den begeisternden Worten der Redner mit starker innerer Anteilnahme und lebhafter Zustimmung. In den Reden wurde der gewaltigen Leistungen unserer herrlichen Wehrmacht unter ihrem genialen Feldherrn und Obersten Befehlshaber Adolf Hitler gedacht, fern« ner die großen Zusammenhänge der politischen Probleme geschildert und dabei insbesondere das Treiben der plutokratischen Kriegsverbrecher in England und ihrer Helfershelfer gebührend gekennzeichnet. Demgegenüber wurden das große Friedenswerk und der unermüdliche soziale Aufbauwille des nationalsozialistischen Deutschland unter seinem Führer Adolf Hitler geschildert, zugleich auch der festen Entschlossenheit des ganzen Volkes zur Durchkämp- fung des Krieges bis zum endgültigen deutschen Sieg Ausdruck gegeben. In diesem Zusammenhanae wurde erneut festgestellt, daß alle Feinde des Groß- deutschen Reiches mit der Niederringung zu rechnen haben, die sich dem berechtigten Lebenswillen und Den gerechtfertigten, Ansprüchen des großdeutschen Volkes entgegenstellen. In allen Kundgebungen fanden die Redner freudige Zustimmung, die zugleich als neue Bekundung des festen Willens aller Volks- genossen zum opferfreudigen Durchhalten bis zum Endsieg und darüber hinaus in unverbrüchlicher Treue zu unserm Führer zu betrachten ist.
Gute Unterhaltung für unsere Verwundeten.
Das Oberkommando der Wehrmacht ließ durch die NSG. „Kraft durch Freude" den Verwundeten in den Gießener Lazaretten durch mehrere Veranstaltungen wieder gute Unterhaltung bereiten. Bei einer Vorführung des Films „Streit um den Knaben Io" und der Wochenschau erlebten die Besucher einige frohe Stunden. In zwei Vorträgen vor den Verwundeten machte im Auftrage des Landesfrem- denverkehrsverbandes Rhein-Main, Lehrer Spang aus Mainz mit den Schönheiten Rheinhessens, des Rheingaues und des Maingebietes, sowie mit dem bodenständigen Volkstum und dem geistigen Leben in diesem Teile unserer engen Heimat bekannt. Zahlreiche gute Lichtbilder bereicherten den dankbar aufgenommenen interessanten Vortrag. Am gestrigen Sonntag bereitete der Gesangverein „Frohsinn" Lang-Göns unter Leitung seines Chormeisters, Musiklehrer Blaß, den Insassen der Lazarette mit einem Gesangskonzert einen besonderen
Genuß. Zum Vortrag kamen Lieder von Th. Kör- ner, S. »reu, F. Silcher, I. Heim, Gebhard, Haydn und Jüngst. Das vortreffliche Stimmaterial des Sängerchors ließ die Kompositionen in bester Weife zu Gehör kommen und veranlaßte die Hörer zu dankbarem Beifall. Ferner erfreute gestern die Klavierschule von Frau Schlesier-Altmann die Verwundeten mit einem Konzert ihrer Schüler, bei dem u. a. Werke von Mozart, Chopin, Schubert ausgezeichnet zum Vortrag kommen. Die Zuhörer gaben auch hier ihrer Dankbarkeit durch lebhaften Bei fall Ausdruck. Vertreter der NSKOV. und der NSG. ,Kraft durch Freude" wohnten den Veranstaltungen bei.
Jahresversammlung der Gießener Hausbesitzer.
Nach zweijähriger Pause, die durch die Erfüllung großer Aufgaben und die Zeitumstände bedingt war, hielt der Haus- und Grundbesitzerverein Gie- ßen am gestrigen Sonntag im „Kühlen Grund" eine Jahreshauptversammlung ab, in der die Jahresberichte für 1988 und 1939 vorgelegt wurden.
Nach Begrüßung durch Vereinsleiter Adolf Schmidt wurden durch Den Rechner, Stadtbauinspektor Heinrich Matheis, die Jahresrechnungen für 1938 und 1939 oorgelegt. Nach der Neuordnung im Verein waren durch Ausschlüsse und Sterbefälle eine Abnahme der Mitgliederzahl zu verzeichnen, die aber durch Neuaufnahmen ausge- glichen werden konnte. Anschließend wurden auch die Bilanzen vorgetragen. Nach den Berichten der Revisoren wurden dem Rechner und dem Vorstand einstimmig Entlastung ausgesprochen.
Vereinsleiter Adolf Schmidt stellte fest, daß der Verein eine wirtschaftliche Belastungsprobe zu bestehen hatte, in der er sich bewährte. In dem vom Vereinsleiter vorgetragenen Geschäftsbericht wurde auf die Notwendigkeit der Hausbesitzerorganisation hingewiesen, die schon daraus ersichtlich ist, daß der Haus- und Grundbesitz im Altreich etwa ein Drittel des Dolksvermögens umfaßt. Durch feine Arbeit konnte der Reichsverband in erheblichem Maße auf dem Wege eines wirtschaftlichen Ausgleichs an der Schaffung der Hausgemeinschaften mitwirken. Die Aufgaben der Hausbesitzerorganisation werden in dem Maße steigen, in dem der Hausbau nach dem siegreichen Frieden in Angriff genommen wird. Auf die Verhältnisse im Gießener Verein übergehend stellte der Dereinsleiter fest, daß die Arbeit erfolgreich gewesen ist. In vielen Fällen konnte dem Hausbesitzer zu feinem Recht verhalfen und durch verständnisvolle Zusammenarbeit mit den Mietern ein friedliches Nebeneinander gefördert werden. Die vom Verein eingerichtete Sprechstunde hat sowohl durch Hausbesitzer, als auch durch die Mieter eine starke Inanspruchnahme gefunden. 1938 konnten in 1013 Fällen Auskünfte erteilt werden, davon in 162 an Mieter, und 1939 blieben diese Zahlen auf etwa der gleichen Höhe, während die Anfragen aus Mieterkreisen sich verdoppelten. In überwiegendem Maße bezogen sich die Auskünfte auf Fragen des Luftschutzes, wobei wiederum in erster Linie die Kostenfragen angeschnitten wurden. Gerade zu dieser Frage gab der Vereinsleiter Mitteilungen des Verbandspräsidenten bekannt, in denen auf einen neuen Gesetzesentwurf hingewiefen wird. Wie der Vereinsleiter ausführte, konnte durch den Verein in entscheidenden Fragen eine entsprechende Klärung herbeigeführt werden, durch die in vielen Fällen der Hausgemeinschaft ein guter Dienst erwiesen wurde.
In der Aussprache wurde auf die neuen Bestimmungen hinsichtlich der Anschaffung der Handdruckspritzen, u. a. auch auf solche über die Verteilung der Kosten bei Neuanlagen elektrischer Anlagen, Badeeinrichtungen usw. hingewiesen und auf eine Reihe wichtiger Fragen für den Hausbesitzer eingegangen.
Schnelle Sühne.
Der schwere Derkehrsunsall am Abend des 8. November auf der Landstraße Gießen—Rodheim a. d. Bieber, bei dem durch den Zusammenstoß eines Lastautos mit dem. radfahrenden 16 Jahre alten Lehrling Karl Michel aus Rodheim a. d. Bieber dieser tödlich verunglückte, hat eine schnelle Sühne gesunden. Als Schuldiger wurde der 46 Jahre alte Pyilipp W a l d s ch m i d t aus Krumbach, der mit einem nur mangelhaft beleuchteten Lastauto — von dessen Scheinwerfern nur einer brannte, was Wald- schmidt nach feinem eigenen Geständnis während der Fahrt bereits gewußt hat und dennoch nichts zur Behebung des Schadens tat, sondern die Fahrt
unbekümmert unternahm — losfuhr und damit in schwerster Weise gegen die elementarsten Grundsätze der Derkehrsdisziplin verstieß, vom Kleinen Schöffengericht in Wetzlar wegen fahrlässiger Tötung und Uebertrc * - der Straßenverkehrsordnung zu 7 SDlonfl1 ängnis verurteilt.
tflmbtrti* Gieße«.
z Albach, 2. Dez. Heute feiert unser Volks- genoffe Christian Schäfer in guter Gesundheit seinen 7 0. Geburtstag. Unsere herzlichen Glück- wünsche dem Jubilar.
ui-gebniffe der Bezirksklasse.
Dehlar 05 — Dahenborn-Steinberg 62 DfL. Marburg — 1900 3:2 vfD.-Reichsbahn — Naunheim 42.
Das Ergebnis Bissenberg — Busgfolms liegt noch nicht vor. Die Luftwaffe trat gegen Sportfreunde Wetzlar nicht an. Neber die Wertung des Spieles dürfte noch zu entscheiden fein.
Wetzlar 05 führte schon nach zehn Minuten 2:0 und konnte bis Halbheit zwei weitere Tore erzielen. In der zweiten Hülste schossen beide Mannschaften je zwei Tore. Wetzlar verließ als verdienter Sieger das Feld.
Obwohl die 1900er mit starkem Ersatz antraten, boten sie kämpferisch eine große Leistung. Fast mit dem Schlußpifff wurden iie geschlagen
Die DfB.-Reichsbahn oewiesen ihre ansteigende Form durch einen eindeutigen Sieg.
Naunheim 4:2 geschlagen.
Das Spiel auf dem Waldsportplatz hat in seiner spielerischen Abwicklung das gehalten, was man von ihm erwartet hatte. Trotz des harten Bodens, der die Ballkontrolle ungeheuer erschwerte, sah man besonders von Naunheim einen gutangelegten Spielaufbau. Allerdings vermißte man bei Den Naun- heirnern den unbedingten Siegeswillen, ohne den ein Verbandsspiel so leicht nicht gewonnen werden kann. Gerade der Naunheimer Sturm ließ manche Wünsche offen, denn bei einem schnellen Erfaßen gegebener Möglichkeiten wäre die Gießener Hintermannschaft zu überwinden aewesen. Die Gießener Mannschaft war in ihren Angriffen immer gefährlicher als ihr Gegner. Besonders Kramer und Hofmann verstanden es, die Verteidigung der Naunheimer unter Druck zu setzen. In Den Läuferreihen hatten beide Mannschaften ihren besten Mannschafts- teiL Die Gießener Verteidigung, sonst die Stütze der Mannschaft, hatte in Fleischhauer zusammen mit dem Halblinken ihren schwächsten Teil. Die beiden Torleute waren ballsicher, und besonders Rohm mußte Schnitzer seiner Vorleute öfter ausgleichen. In bet Hintermannschaft der Naunheimer ergab sich bas gleiche Bild. Der besondere Reiz des Spieles lag in ben ungemein feffelnben Strafraumszenen.
Spielverlauf: Auch heute fällt auf, baß die VfB.- Reichsbahner sofort im Bilde. Mit ihrem steilen Spiel können sie immer wieder durchkommen, ohne jedoch' vorerst zu Erfolgen zu kommen. Als ein Naunheimer Hand im Strafraum machte, schießt Kramer mit unheimlicher Wucht den Ball ins Netz. Nachdem die Naunhe mer ein paar Angriffe der Gießener abwehren können, sind sie plötzlich da. Der Ball wandert von links nach rechts und kommt von dort zu dem freistehenden Halblinken, der zum
Ausgleich einschieht Mehrere gutgemeinte Schüsse von Kramer gehen daneben. Die Naunheimer sind nicht glücklicher. Als Hofmann sich auf dem linken Flügel durchsetzt und schräg auf das Tor schießt, übertritt der Naunheimer Verleid ger den Ball, ben Heß endgültig eindrücken kann. Daran ändert sich bis zur Halbzeit nichts mehr. Nach Wiederbeginn haben die VfBer bange Minuten zu überstehen. Der Ball kommt einfach nicht aus dem Strafraum heraus. Als Fleischhauer eine Kerze tritt, erfaßt der Rechtsaußen sofort die Gelegenheit und flankt zu dem Halblinken, der mit einem wuchtigen Schuß den Boll durch die Beine des Gießener Torhüters einschießt. Man hat das Gefühl, daß das nächste Tor die Entscheidung des Kampfes bringen wird. Im Auf und Ab des Spieles dreht der Naunheimer Torhüter sich mit dem Ball auf der Torlinie um sich selbst. Do, Tor wird jedoch nicht gegeben. Zwei mißglückte Rückzieher des rechten Verteidigers geben dem Gießener Tormann Gelegenheit, durch Fußabwehr glücklich zu klären. Als Hofmann zwei Geaner umspielt, fällt das entscheidende Tor, wobei Die Ball- aufnahme in Abseitsstellung erfolgt. Ein weiterer Durchbruch und der Naunheimer Verteidiger bringt ben Ball nicht weg. Heß, der herbeieilt, kann dadurch das vierte Tor erzielen. Der Sieg bedeutet für Naunheim ben Verluste der Tabellenführung.
Kurze Gportnotizen.
Italienund Ungarn stauben sich am Sonn, tag in Genua im Fußballänderspiel gegenüber. Das Treffen endete 1:1, nachdem Italien zur Paust 1:0 geführt hatte. Torschützen waren Trevisan (I.) und Bodola (U.).
Mannheims Eishockeyspieler landete» am Sonntag auf der Kölner Eisbahn einen hohen Sieg gegen die einheimische Mannschaft. Sie gewannen mit 13:0 (4:0, 3:0, 6:0) Toren, wobei Demmer und Feistritzer die erfolgreichsten Torschützen waren.
Deutschlands Amateurboxer wurden in Mailand im 9. Länderkampf gegen Italien knapp mit 7:9 Punkten besiegt. Siege für Deutschland errangen nur Pepper (Dortmund) und ten Host (Oldenburg), während sich Graaf (Berlin), Nürnberg (Berlin) und Baumgarten (Hamburg) mit Unentschieden begnügen mußten. Geschlagen wurden Obermauer (Köln), Bogershausen (Hannover) und Räschke (Hamburg).
Münchens Gewichtheber gewannen am Samstagabend in Wien ben Städtekampf gegen Wien knapp mit 1957.5 zu 1955,0 kg. Eine überragende Leistung vollbrachte Schwergewichts-Weltmeister Manger (M.) im beidarmigen Drücken mit 140 kg.
Dresdner EL Mamnierpokal-Lieger.
Das sechste Tschammerpokal-Endspiel führte am Sonntag im Berliner Olympiastadion vor runb 50 OOO Fußballsreunden den Pokalverteidiger 1. FC. Nürnberg mit dem Dresdner SC. zusammen. Die Dresdner Hegten in der verlängerten Spielzeit mit 2:1 (1:1) Toren und holten sich damit zum ersten Male den Preis des Reichssportführers.
Unter Leitung von Schiedsrichter Alois P e n n i g (Mannheim) nahmen folgende Spieler den Kampf auf:
1. FC. Nürnberg: Köhl; villmann, Uebelein; Luber, Kennemann, Carolin; Gußner, Eiberger, Friedel, Pfänder, Kund.
Dresdner SC.: Kreß; Mller, Hempel; Pohl, Dzur, Schubert; Bocze-k, Schaffer, Machate, Schon, Carstens.
Mit dem Dresdner SC. hat die zweifellos an diesem Tag bessere Elf den Sieg davonaetragen. Die Dresdner spielten schnell und hart, ließen in kräfte- sparender Weise den Ball laufen und setzten betont stark ihre schnellen Flügelstürmer ein. Dieses steile, zielstrebige Spiel hatte den Erfolg für sich. Der Pokalverteidiger Stüniberg zeigte sein bekanntes sauberes Flachspiel, das das Auge entzückte, aber
große Anforderungen an die Kräfte der Spieler stellte. Auffallend war die Langsamkeit des Nürnberger Spiels. Ohne Fehler spielte die DSC.-Ab- wehr, vor allem Kreß und Miller waren in großer Form. Die Läufer zerstörten geschickt und He« ßen den Nürnberger Sturm nur selten bis in den Strafraum kommen. Der Angriff der Sachsen spielte in der ersten Hälfte ganz ausgezeichnet, später fiel der rechte Flügel etwas ab. Schon war der große Regisseur, Machate der gefährliche Torschütze, und Carstens war der Mann der guten Flanken, Alles in allem: eine feine Gesamtleistung des DSC., besten Elf keinen schwachen Punkt hatte. Beim „Club" war Torhüter Köhl oft sehr unsicher, und wiederholt ftanb ihm das Glück zur Seite. Bill- mann und alle drei Läufer waren in der Abwehr hervorragend, und auch der ungleichmäßig spielend« Uebelein erwies sich wiederholt als Retter in Höch fter Not. Im Angriff, der in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel zur Geltung kam, taten sich Guß- ner und Eiberger hervor. Die linke Flanke war schwächer, auch von Friedel hatte man mehr erwartet. Seine beste Zeit hatte der Club in der ersten Hälfte, später sah man von ihm nur in der Abwehr eine große Leistung.
Zer Mchkling aus Korsika
Nomon von klein; Lorenz-Lambrecht
7. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Neben ihn an die Mauer lehnt sich jetzt ein anderer: Jürk Solterbeck.
„Heiß, langweilig, öde", sagte er munter.
Viktor schweigt. Solterbeck blinzelt über das Meer hin.
Nach einer Weile nickt er' träge in die Weite: „Da drüben liegt Genua. Da wohnt die ehrenwerte Signora Maria Ansaldi, geborene Solterbeck aus Hamburg. Na, ja. Die jüngste Schwester von meinem alten Herrn. Mit Ansaldi haben wir im Frieden groß zusammengearbeitet. Hat eine Menge netter Schiffe. Könnte eins davon rüberschicken. Aber jetzt ist die Bande ja mit uns auf Kriegsfuß. Panzerplatten und Kanonen baut er auch, der Andreas Anfaldi. Mit feinem Bruder zusammen. Wir wären dort besser aufgehoben als hier."
Viktor hort unachtsam zu. Nach eine Pause fragt er: „Sag mal, wieso hast du mich gestern eigentlich Schicktkieker genannt?"
„Wie? Ach so. Tjä, da hast du ja man solch dösige Glubschaugen gemacht."
„Merkwürdiges Wort. Schichtkieker. Was bedeutet es?"
„Och, nichts Besonderes. Ich glaube, so nennt man ja wohl bei uns diese Dösköppe, die das zweite Gesicht haben. Hat aber man mit dir nix zu tun, nb. Kam mir eben nur so bei. Hör lieber mal: Wie stehst du nun eigentlich zu meiner Flucht?"
„Versteifst du dick emschaft darauf?"
„Ob, das denk ich doch wohl, Jung."
„Das ist mir nämlich neu an dir. Du hast doch sonst immer nur die andern ausgekocht."
„Nee, das habe ich nu eben nicy. Nur über ihre Pläne hab ich lachen müssen. Die waren all 'ne großer Schiet. Abgesehen von der einen Sacke in Belle Jsle, wo das Unterseeboot kommen sollte. Das hatte Hand und Fuß. Leider ist das ja dann auch aufgeflogen, weil zu viele darum gewußt haben. Die andern Fluchtpläne waren nicht einen Schuß Pulver wert.
„Warum nicht?"
„Zu pedantisch, mein Jung", antwortet Solterbeck lakonisch. Er erklärt: „Hingen von tausend Kleinigkeiten ab. Waren auf die Sekunde eingestellt. Manchmal gelingt ein überraschender Handstreich eher als die präzisest vorbereitete Schlacht. Weitz ich zwar nich, weil ich noch nie bei einer Schlacht anwesend war, muß aber was dran fein. Man mutz amerikanisch vorgehen."
„Amerikanisch?"
„Jawohl, so aus dem Handgelenk. Großzügig und sportsmäßig, und ein bißchen frech. Das heißt nun nicht, daß man nichts vorbereiten soll. Man muß eine große Linie einhalten und wissen, was man will. Meine große Linie ist der spanische Dampfer, der eines Tages da unten im Hafen liegen wird."
,^)m. Don hier oben bis zum Dampfer ist noch ein verdammt kniffliger Weg."
„Damiani und Dollars!" orakett Solterbeck.
„Du willst ihn bestechen?"
„Bestechen is nun man ein büschen dickes Wort dafür. Wer ich habe die Ehre, Damianis Wertschätzung zu genießen." Solterbeck grinst. „Neulich hat er mich gefragt, so im Spaß zunächst, ob man es denn in der Gefangenschaft so ganz ohne eine lütte Seern aushalten könne, na, und so weiter. Eine Anspielung, daß er es möglich machen könne, mich bei Nacht und Nebel von hier oben zu einem nüblichen kleinen Trott in Bastia zu bugsieren. Bei nötigem Kleingeld, versteht sich. Ich besitze nocy zweihundertundmnfzig Dollars, in Gold. Die habe ich trotz aller Revisionen noch immer gerettet Damit läßt sich 'ne Maste ausrichten."
„Damiani ist zu gut bekannt mit dem Regional- fommanbanten. Er könnte leicht ein doppeltes Spiel treiben, mein Lieber."
„Dann ist es eben ein anderer, lieber all das habe ich noch nicht so ernschaft nachgedacht Das ergibt sich, wenn es soweit ist Zunächst hat mir meine Schwester nur mitgeteilt, daß es dadurch möglich ist, so einen kleinen spanischen Dampfer in Bastia anlaufen zu lasten. Helge ist ein verlässiges Mädel. Wenn die etwas in die Hand nimmt, kann ich mich drauf verlassen. Mein alter Herr ist mit der.Geschichte einverstanden, schreibt sie. Wir haben in Barcelona einen Vertreter, der die Sache deichseln könnte. Er wird einen spanischen Käptn mit Geld und guten Worten dazu bringen, auf feinem Kurs durchs Mittelmeer unter irgendeinem Volwano
Bastia anzulaufen. Ich werde von meiner Schwester den genauen Termin rechtzeitig mitgeteilt bekommen."
„Eine langwierige Angelegenheit", fchaltete Viktor ein. Er ist noch nicht besonders interessiert.
„Och, wir haben ja man Zeit. Wenn es m diesem Jahr nicht mehr ist, so ist es im nächsten Jahr."
„3m nächsten Jahr ist der Krieg zu Ende."
„Denkste! Dann um jo besser, bann brauchen wir den Spanier nicht mehr. Aber jedenfalls ist meine Idee etwas, womit wir uns diesen sturen Aufenthalt ein büschen verkürzen können. Hoffnung, Freude und so."
„Die Hauptsache bei allen Fluchtversuchen", meint Viktor etwas spöttisch. „Das große, ernsthaft betriebene Unterhaltungsspiel des Prisonnier de Guerre, das, soweit mir bekannt ist, noch nie glücklich ausgegangen ist."
„Tjä, ein büschen Glück gehört natürlich auch dazu", meint Solterbeck. „Das setze ich voraus."
Sie schweigen wieder. Dann wiederholt Solterbeck seine Frage, ob Gienant mitmachen wolle. Er fügt hinzu: „Wenn die andern davon hören, werben sie sich natürlich darum reißen. Aber man kann nicht alle mitnehmen. In Gruppenkolonne können wir natürlich nicht ausbüchsen. Und einzelne mit- nehmen, das wäre unkameradschafllich gegen die andern."
„Und warum willst du mich mitnehmen?"
„Naheliegend genug: Wir waren von Anfang an beisammen. Wir kennen uns und — tjä, ein büschen Luftveränderung täte dir ja man nachgerade ganz gut, meine ich. Ich nehme an, daß dir mein Vor- schlag auch aus einem ganz bestimmten Grund willkommen ist." Er zögert, setzt bann hinzu: „Du willst doch um jeden Preis mentgftens noch ein Endchen vom Krieg mitmachen?"
Viktor lacht bitter. Solterbeck kennt natürlich den Grund, der ihn nach Amerika getrieben hat, und er kennt auch fein Bestreben, im Krieg feine Ehre wiederherzustellen.
Er sagt: „Es ist mir schon einmal ein Strich durch die Rechnung gemacht worden. Ich fürchte, daß, wenn ich dein Begleiter bin, das Glück ausbleibt, das du zu deiner Flucht für nötig hältst."
„Nun fei mal friedlich. Jetzt redest du wieder wie eine mißverstandene Jungfer. Schon, ich will heute nicht weiter in dich bringen, Mir scheint, du hast
dich von deiner gestrigen Kinderkrankhett noch nicht ganz erholt. Aber du wirst es dir noch überlegen/
Unmittelbar hinter ihnen hebt jetzt ein Lärm an, der nach Musik klingt und auch Musik fein soll.
„Die Schrammelkapelle!" grinst Sollerbeck mit erhabenem Spott.
Viktor verzieht schmerzlich das Gesicht.
Die Schrammelkapelle hat sich aus fanatischen Kunstbeflissenen zusammengefunden, um eine Musik auszuüben, die der Kunst jenseits des Stacheldrahtes und wahrscheinlich auch der, die den Ausübenden selbst im Herzen sitzt, grimmigen Hohn spricht, eine Höllenmusik, ein unsinniges Klangchaos, dem Zorn gefesselter Rachegeister entsprungen. Die lächerlichsten Kinderinstrumente werden habet bearbeitet Das Zimbal find zwei alte Blechdeckel, der Schel« lenbaum eine Stange mit alten Konservendosen, die große Pauke eine Holzkiste, deren Weichen mit einem lappenumwickelten Kochlöffel malträtiert werden. Aus dem „Kasino", wo die Kapelle zuerst „übte", hat man sie schleunigst auf den entlegensten Platz der Bastion verwiesen.
Solterbeck lehnt gegen die Mauer und sieht tiefsinnig nach den Enthusiasten hin. Da ist, wo der Weg von der Zitadelle auf die Bastion mündet, ein Schutthaufen. Darauf wächst ein krüppeliger Feigenbaum, dessen Blätter schon fahl geworden sind. Hinter dem Schutthaufen ist ein vertiefter viereckiger Platz; auf drei Seiten von Mauern umgeben, sieht er aus wie ein ausgebranntes Zimmer, aus dessen Boden schon üppiges Unkraut heraus- wuchert. Hier toben sich die Musikanten aus. Sie spielen einen Marsch, nach dessen Klängen jeder von ihnen schon einmal stolz und seiner freien Männlichkeit bewußt durch seine Garnison mar-
Hinter dem erhöht stehenden Paukenschläger be> findet sich eine Tür. Sie ist in der Mauer, die dis Bastion nach der Straße und dem tiefer gelegenen, ben Gefangenen verbotenen Teil der Bastton ob' schließt. Es ist eine alte, schwere, fest verschlosiene Hvlftüv
„Die Tür ...!" sagt Solterbeck plötzlich vor sich hin, und es wird offenbar, daß sein tiefsinniger Blick gar nicht den Radaubrüdern, sondern eben der Tür galt >
(Fortsetzung folgt)


