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ttr.285 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag. 2. DezemberMO

Landesfremdenverkehrsverband Rhein-Min im Dienste unserer Soldaten.

Seit dem Sommer leuchtet Venus als Mor­genstern am Osthimmel mit unvergleichlichem Glanz. Wohl jeder, der vor Tagesanbruch sich zu seiner Arbeitsstätte begibt, wird auf den fast un­wirklich Hellen Morgenstern aufmerksam werden, der reichlich zwei Stunden vor Sonnenaufgang über dem südöstlichen Horizont erscheint. Nur wenig unterhalb der Venus finden wir den jetzt recht un­scheinbaren Mars. Viel Heller ist der etwas tiefer stehende Merkur, der in der ersten Dezember­woche bei klarer Luft eine Stunde vor Sonnenauf­gang bebobachtet werden kann. Ein Fernglas, mit dem wir den südöstlichen Horizont mustern, er­leichtert uns das Aufsinden dieses in der Regel nur schwierig zu beobachtenden Planeten. Obwohl Merkur die Kapella an Helligkeit übertrifft, ist er mit freiem Auge nicht leicht zu finden, da bei sei­nem niedrigen Stand sein Licht beim Durchgang durch die Erdatmosphäre sehr geschwächt wird. Man wird daher Merkur nur an einem völlig klaren Morgen auffinden können.

Am Abendhimmel fesselt den Sternfreund nach wir vor das Plünetenpaar Jupiter und Sa­turn, das bei Beginn der Dunkelheit hoch im Osten steht. Beide Planeten haben den Gipfel ihrer Helligkeit im November überschritten und werden, wenn auch nur langsam, schwächer. Saturn hat etwa Wegahelligkeit, Jupiter ist reichlich achtmal heller. Bei der günstigen Stellung des Planeten Jupiter ist es nicht schwer, in einem lichtstarken Fernglas die vier großen Monde zu beobachten, die neben der gelben Planetenscheibe als feine Lichtpunkte erscheinen. Jupiter und Saturn gehen Anfang Dezember um 5, Ende des Monats um 3 Uhr Ortszeit unter.

Der abendliche Fixsternhimmel entfaltet im De­zember seine ganze Pracht. Wenn wir gegen 21 Uhr Ortszeit (etwa 22 Uhr Sommerzeit) ins Freie treten, sehen wir im Osten die glanzvollen Winter­sternbilder emporsteigen. Voran schreitet der Stier mit den beiden Sternhaufen der Hyaden und Ple- jaden, die auch Siebengestirn oder Henne mit Küchlein genannt werden. Dem Stier folgt der Orion, unstreitig das schönste aller Sternbilder, das an Größe und Geschlossenheit von keinem er­reicht wird. Der Orion bildet ein lang gestrecktes auirechtstehendes Viereck, in dessen Mitte drei gleich helle in gleichem Abstand auf einer schrägen gera­den Linie angeordnete Sterne stehen: der Gür-

Merkur, Mrs und Venus am Mrgenhiinmel

Sternschau im Dezember.

Von Or. Erwin Koffinna.

tonte ein Redner, der Landesfremdenverkehrsver­band Rhein-Main bereits eine Art Heimatrecht bei den Soldaten erworben, zumal er mit diesen 23er- anstaltungen eine Gemeinschaftsarbeit leiste, die in ihrem Wert und in ihren tiefen, weichin reichenden Auswirkungen gar nicht hoch genug veranschlagt werden kann. Der Organisator dieser Veranstaltun­gen durch den Landesfremdenverkehrsverband Rhein- Main und dessen Leiter, Oberbürgermeister Rit­ter, sowie dem Geschäftsführer Jahn wurde von allen Berichtern herzlicher Dank für dieses Werk und dessen vortreffliche Ausgestaltung ausgesprochen.

Der Derbandsleiter, Oberbürgermeister Ritter, sprach am Schlüsse allen Vortragenden und dem Geschäftsführer seinen herzlichen Dank und seine be­sondere Anerkennung für ihre Tätigkeit im Dienste unserer Soldaten aus und wies dabei auch darauf hin, daß diese Betreuungsarbeit des Landesfremden­verkehrsverbandes Rhein-Main die regste Anteil­nahme und starke Förderung des Gauleiters Reichs- statthalter Sprenger finde, der auch hier, wie bei den übrigen Arbeiten des Verbandes, in groß­zügiger Weife seinen Hilfe angedeihen lasse. Unseren Soldaten werde mit dieser Arbeit ein schöner Dienst geleistet, der in dem Bewußtsein erfolge und ausge­nommen werde, daß damit für Volk und Vaterland immer aufs neue Krä te mobil und stark werden, die allezeit bereit sind, ich für unser herrliches deut- sches Volk und unser chönes Vaterland im Geiste des Führers einzusetzen und damit unserem Führer bei seinem Kampf um die Schaffung eines großen und wahrhaft freien Großdeutfchen Vaterlandes und einer neuen europäischen Ordnung behilflich zu sein.

tel des Orion. Unter dem Gürtel formen dicht aneinander gereihte Sternchen das senkrecht her- abhängende Schwert des Orion, in welchem wir an klaren, mondlosen Abenden den Orionnebel als hellen Lichtfleck mit freiem Auge wahrnehmen können. Wie die spektroskopische Untersuchung lehrt, ist der Orionnebel ein leuchtender Gasnebel von ungeheurer Ausdehnung. Etwa zehn Jahre benötigt der Lichtstrahl, um den aus unvorstellbar dünn verteilter Materie bestehenden Nebel zu durch­brechen.

Als einziges Sternbiw weist der Orwn zwei Sterne erster Größe auf: Beteiaeuze links oben, von ausgesprochen roter Farbe, und R i gel, rechts unten, blauweiß strahlend, lieber dein Orion zieht die Milchstraße durch die Stern­bilder Zwillinge, Fuhrmann und Perseus zur Kas­siopeia im Zentt, um sich von hier zum Schwan und Adler nach Nordwesten zu senken. An ihrem rechten Rande funkelt die helle, blauweiße W e g a. Südlich der Milchstraße finden wir die Sternbilder Andromeda, Widoer, Pegasus und Wasserman, tie­fer im Süden die ausgedehnten, aber nur aus schwachen Sternen bestehenden Bilder Eridanus, Walfisch und Fische.

Heber dem südlichen Horizont erscheint gegen 22 Uhr Ortszeit Sirius, der hellste aller Fixsterne und Hauptstern des Großen Hundes, während Pro- kyon im Kleinen Hund bereits früher heraufgekom­men ist.

Am Nordhimmel steigt der Himmelswagen im Großen Bären aus seiner tiefsten Stellung all­mählich empor, wobei die Deichsel rückwärts, also schräg nach unten gerichtet ist. Die Verlängerung der Verbindungslinie der beiden Hinterräder des Großen Wagens nach oben führt zum Polarstern, an dem der Kleine Wagen gleichsam hängt.

Am 22. Dezember 0.55 Uhr MEZ. erreicht die Sonne auf chrer Jahresbahn den südlichsten Punkt, um sich dann wieder nach Norden zu wen­den. Mit der Sonnenwende beginnt astronomisch der Winter. Zur Zeit der kürzesten Tage steigt die Sonne in Mitteldeutschland mittags nur etwa 15 Grad über den Horizont.

Der Mond zeigt im Dezember folgende Licht­gestalten: erstes Viertel am 6., Vollmond am 14., letztes Viertel am 22., Neumond am 28. Dezember.

Der Leiter des Landesfremdenverkehrsverbandes : Rhein-Main, Oberbürgermeister Ritter, Gießen, hotte am gestrigen Sonntag die Mitarbeiter des Verbandes auf dem Gebiete der Wehrmacht- und Lazarettbetreuung zu einer Tagung im Hotel Schütz in Gießen berufen. Der Zweck der Tagung bestand darin, durch einen Rückblick auf die Ergebnisse der bisherigen Betreuungsarbeit den Marschweg für die weitere Tätigkeit vorzubereiten und neue An­regungen zum weiteren Ausbau dieses Dienstes für unsere Soldaten zu gewinnen.

Oberbürgermeister Ritter brachte seinen Mit- arbeitern auf diesem Gebiete und den Gästen der Tagung zunächst seinen herzlichen Gruß dar, wobei er mit warmen Worten der Anerkennung die bis­herige Tätigkeit der bei der Wehrmacht- und Laza- rettbetreuung im Auftrage des Landesfremdenver­kehrsverbandes Rhein-Main tätigen Männer zum Ausdruck brachte und betonte, daß auch durch diese notwendige und wichtige ArbeU an der Verbindung zwischen Der Heimat und unfern Soldaten ein we­sentlicher Beitrag zur Erringung des endgültigen Sieges geleistet werde. Unter Hinweis auf den wunderbaren Geist und die hervorragende Haltung unserer Soldaten und des ganzen Volkes betonte Oberbürgermeister Ritter, es lohne sich, auch bei dieser Arbeit alle Kräfte einzusetzen im Dienst für unser Volk und Vaterland. Die Vorträge der Red­ner des Landesfremdenverkehrsverbandes hätten unseren Soldaten in den Standorten und in den Lazaretten immer ein besonderes Erleben gebracht und damit den Geist der opferfreudigen Einsatzbe- reitschast immer mehr gestärkt. Es sei notwendig, auf diesem Wege mU aller Tatkraft weiter zu arbeiten. *

Geschäftsführer Jahn vom Landesfremdenver­kehrsverband Rhein-Main teilte anschließend in einem kurzen Rückblick auf die bisherige Betreu­ungsarbeit mU, daß von Ende Februar bis zum 30. November 1940 in der Wehrmacht- und Laza­rettbetreuung des Verbandes insgesamt 423 Vor­träge vor nahezu 65 000 Soldaten in den verschie­densten Standorten und in zahlreichen Lazaretten gehalten wurden. Die Vorträge fanden nicht nur im engeren Heimatgebiet Hessen-Nassau statt, son­dern sie wurden den Soldaten weit über das Gau­gebiet hinaus bis in den Bereich der Mosel, der Eifel, der Pfalz und der Saar geboten. Die Kom­mandeure bzw. die Chefärzte hätten in zahlreichen Briefen an den Landesfremdenverkehrsverband ihre Anerkennung und den Dank der Truppe bzw. der Lazarettinsasien für die vielseitigen und ausgezeich­neten Vorträge zum Ausdruck gebracht, die Soldaten selbst, die meist mit ihren Offizieren bzw. in den Lazaretten mit den Aerzten und den Schwestern den Vortragsveranstaltungen beiwohnten, hätten be­reits an Ort und Stelle ihre Dankbarkeit für die Vortragenden und den Verband eindrucksvoll be­kundet. Der Landesfremdenverkehrsverband Rhein- Main habe dafür gesorgt, daß bei den Vorträgen stets eine große Zahl von guten Lichtbildern gezeigt werden konnte, die für die Vorträge der Redner eine sehr wertvolle Bereicherung waren. Die Trup­pen bzw. die Lazarette hätten die Redner des Ver­bandes überall mU großer Gastfreundschaft aufge­nommen und seien ihnen bei den technischen Ein­richtungen für die Vortragsabende bereitwillig zur Hand "gegangen. Mit Recht konnte der Bericht­erstatter auf Grund der bisherigen Erfahrungen hervorheben, daß der Landesfremdenverkehrsver- band Rhein-Main die bisherige Arbeit der Mehr- macht- und Lazarettbetteuung als einen vollen Er­folg ansehen kann.

Anschließend berichteten die einzelnen Mitarbeiter über ihre Erfahrungen und ihre Schlußfolgerungen bei der bisherigen Vortragstätigkeit. Es sprachen hierzu Oberstudiendirektor Philipps, Friedberg, der alsUnkel Kuneroad" durch feine Heimatdich­tungen und feine vberhestische Volkstumsarbeit weit­hin bekannt geworden ist, Lehrer Spang aus Mainz, Lehrer Grebe aus Frankfurt a. M., Kunst­zeichner Wissenbach, Frankfurt a. M., Studien­rat Dr. Schwing aus Weilburg, Studienrat Dr.

Quentin aus Dillenburg und Studienassessor Dx. Roth aus Friedberg, die als Abgesandte des Lan- desfremdenverkehrsverbandes Rhein-Main die viel- eitige Betreuunasarbeit durchführten. Sie sprachen ich mit großer Befriedigung über ihre Erfahrungen )ei dieser Tätigkeit aus; vor allem rühmten sie die reudige Aufnahmebereitschaft Der Soldaten, sowohl bei der Truppe in den Standorten, als auch in den Lazaretten, ferner die gute Aufnahme, die sie bei den Einheiten gefunden haben und Die herzliche An­erkennung, die von den Kommandeuren, den Ofsi- zieren, den Aerzten und den Soldaten nicht nur dem jeweiligen Redner, sondern auch dem Landes- remdenverkehrsverband Rhein-Main als Deranlas- er und Organisator der Dortragsveranstaltungen mrgebracht wurde. In eindrucksvollen Worten hoben sie weiter hervor, wie stark durch diese Tätigkeit die Verbundenheit zwischen den Soldaten und der Hei­mat gefördert und vertieft wird, wie immer wieder die Dankbarkeit der Soldaten für diese Darbietungen in packender Weise zutage tritt, wie sehr sich zahlreiche Männer auch persönlich in ihrem tiefen Heimatemp­finden angesprochen fühlen, kurzum, wie groß und verheißungsvoll der Widerhall aus den Herzen der Betreuten dem Verband und seinen Rednern ent­gegenklingt. Durch dieses Wirken habe sich, so be-

Aus der Stadt Gießen.

Dezember.

Der letzte Monat des Jahres ist der dunkelste und mnensernste. Es ist nicht nur die Zeit, in Die der irzeste Tag und die längste Nacht fällt, sondern ür etwa drei Wochen um die Sonnwende herum heint die Sonne fast am gleichen Punkt des Hori- »ntes aufzugehen, also beinahe stillzustehen. Kein Zunder, daß für die frühen Menschen unseres örhlühen germanischen Klimas diese Wochen des Mterlichen Sonnenstillstandes eine unheimliche (eit waren, erfüllt von Dämonen und Geistern, as vegetabile und animalische Leben hat sich auf ünen äußersten Tiefpunkt zurückgezogen, es be­endet sich In einem Zustand der Schwäche, in dem z dem Weben und Treiben des Hebersinnlichen r.d)t mehr genügend Widerstand bietet und darum isAndere" überall in das Leben des Menschen nbricht. In dem Tosen der Winterstürme, wenn n schwarzer Nacht die Wipfel der unermeßlichen Zälder ächzten und krachend brachen, dichte Wol- lEnscharen über den Himmel stürmten, fühlte Der rumänische Mensch seinen höchsten Gott Wodan Hilf seinem achtsüßigen Schimmel Sleipnir mit dem tilDen Heer der abgeschiedenen und ungeborenen Seelen durch die Lüste brausen. Wehe Dem Sterb- Lchen, den sie draußen antrafen! Er kehrte Dieb jkicht nie wieder oder vielleicht nur mit verstörten Sinnen zu seiner Hütte zurück. Enger Denn je langten sich Daher Die Menschen in diesen Nächten rn das schützende Herdfeuer zusammen, zur Ab­kehr der Dämonen wurde auch Lärmzauber geübt.

Tief wurzelt diese natürliche Bangigkeit in der eit der größten Dunkelheit und der Schwächung s Lebens in Den Seelen Der Menschen. Die Vor- rllungen, mit Denen unsere Vorfahren diese dunk- n Nächte bevölkerten, haben sich durch Die Jahr­hunderte erhalten, ja selbst heute, bei uns Menschen ener völlig anderen Seelenlage, geistern in allerlei jermummungen noch Nachfahren der alten Götter- ind Dämonengestalten herum. In den Dörfern 1>orDdeutschlands trabt in Den heiligenZwöls- | »ächten", zwischen Dem 21. Dezember unD Dem 2. Ja- : tuar, DerSchimmelreiter" durch Die Gassen, oft legteitet vomKlapperbock", dem heiligen Tier I tonars. In den Gebirgstälern Tirols tost in den klöpflesnächten", den Nächten vor den drei heili- en Donnerstagen Der Advenlszeit, Der vermummte mzug der jungen Burschen lärmend von Dorf zu orf, von Hof zu Hof. Keine furchterregenden Schreckgestalten sind es mehr, sondern übermütige junge Burschen, die sich selbst und denen, die sie be» ichen, Anlaß zu Scherz und Ausgelassenheit geben. |>eute gehören alle diese Gestalten, einschließlich

St. Nikolaus, der am Vorabend des 6. Dezember Sack und Rute die Kinder besucht, in Der Oft» rk begleitet von Dem zottigen, kettenrasselnden impus, zum Brauchtum Der Vorweihnachtszeit, Advent, und sie sind schon heimlich überstrahlt i dem großen Leuchten, das diesen dunkelsten >nat des Jahres zu unserem hellsten macht. Die iere Helligkeit zwar, die sonst, zum mindesten in i Städten, die Abende der Adventszeit in Tag kehrt, mit strahlenden Schaufenstern und blen- iD erleuchteten Straßen, fehlt in diesem Jahr, wie sie im vorigen Jahr schon fehlte. Aber um deutlicher wird uns bewußt, was wir über dem 13en geräuschvollen und glänzendem Adventsbe- b her Geschäftswelt in früheren Jahren fast ver­lassen konnten, daß nicht dieser äußere Glanz das Licht unserer Jahreszeit ausmacht.

Der stille und innige Schein, Der von dem be» jheidenen Kerzlein im Adventskranz oder Advents- täumchen in unzähligen deutschen Familien aus- eht, wird auch in diesem Jahr erstrahlen. Er wird ie ganze Adventszeit erleuchten, die schon erfüllt t von Tannenduft, von Kindergesang und von egenfeitigen liebevollen Heimlichkeiten, und er wird on Woche zu Woche um ein Kerstein heller wer- en, bis er endlich verschlungen wird von dem strah- rnden Glanz des Lichterbaumes. Mag die Zeit auch och so düster sein. Den dunklen Dezembernächten die ewokmte äußere Erhellung fehlen, mag Gefahr und ob drohen, Sorge um geliebte Angehörige unser ferz umfangen halten, den Hoffnungsstrahl des ldventslichtes und Das Leuchten der Weihnachts- tnne kann keine Finsternis auslöschen. C. K.

Gießener Gtadiiheater.

Weihnachtsmärchen:Rotkäppchen".

Es war einmal eine kleine süße Dirne, Die hatte jedermann lieb, Der sie nur ansah, am allerliebsten über ihre Großmutter, Die wußte gar nicht, was sie olles Dem KinDe geben sollte ..." So fängt es an br den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, und wenn man es liest oder vorlesen H5rt, sollte man gar nicht meinen, daß man dies olles auch auf dem Theater lebendig machen und scheu kann. Hermann S t e 11 e r hat es aber doch firtiggebradji, er hat das Ganze in drei Bilder g-teilt und ein Vorspiel und ein Nachspiel dazu ^schrieben, die sich wie ein Rahmen um das eigent­liche Spiel legen. Die Märchentante Frau Bärbel lieft dem kranken Lieschen am Weihnachtsabend be Geschichte vor, und dem kleinen Mädchen er- sheint alles, was imRotkäppchen" geschieht, und noch manches mehr wie im Traum.

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Ehe Rotkäppchen von feiner Mutter mit Kuchen inb Wein zur kranken Großmutter geschickt wird inb sich auf den Weg macht mit feinem Körbchen, ßbt es im Dorf eine Kirchweih mit Tanz und ollerhanb lustiger Kurzweil, damit man auch etwas axm Lachen hat, ehe es ernst wird im dunklen Bald, wo der böse Wolf fein Hnwesen treibt. Vor­erst stiften der Polizist Bumsel und der lustige llafius im Dorf allerlei Unfug, essen Rotkäppchens Kutter den Kuchenteig aus der Schüssel und wollen tfrim Marienkäfer Fridolin Siebenpunkt und seiner Traut Fridoline Sonnenkälbchen, die sich gerade Zs ihrer Hochzett rüsten, ganz vergeblich Das Fliegen lltmen.

Die Hochzett findet hernach im Wälde statt, und ez ist ein großes Fest mit Tanz, an dem sich Fttegen- i plze, Blumen, Käfer und Schmetterlinge beteiligen, j aach klitzekleine Heinzelmänner und die Tiere des Daldes. Die Hochzeitskutsche ist eine Nußschale, Die Bin zwei lebendigen Mäusen gezogen wird, und i Totkäppchen darf sich hineinfetzen und wird davvn- j gefahren.

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Aber bann wird es ernst, es wird sehr spannend inb gefährlich, wenn der Wolf im Gebüsch auf­bucht und das Rotkäppchen in feiner Unschuld und

Ahnungslosigkeit sich ins Grüne macht, um Blu- menstraußchen zu pflücken. Ja, und dann ist es so weit, und manche Kinder waren im Zweifel, ob sie hingucken sollten ober lieber Die Augen zumachen, als die Großmutter, die arme, alte, gebrechliche Frau in ihrer Einsamkeit sich ahnungslos und ver­trauend in ihr Bett legt und auf das Enkelchen wartet, während aber statt dessen der Wolf er­scheint und auch sogleich den Schlüsiel auf der Fen­sterbank findet. Es ist ein wahrer Segen, baß es dann alles sehr schnell geht, und als hinterher auch noch das Rotkäppchen auf einen Haps verschlungen ist, und der Wolf sich so recht vollgefressen mit Großmutters Häubchen in Großmutters Bett legt, da sind alle Kinder gewiß, daß den schlimmen Jse- grimm ja nun die wohlverdiente Strafe ereilen wird; wir haben alle merklich aufgeatmet, als das vollgefressene Untier in den Brunnen geworfen wurde. Na, und dann kam ja das fünfte und letzte Bild, und da wurde es denn ganz feierlich, als Der Christbaum angesteckt wurde und das atte schöne WeihnachtsliebD du fröhliche" ertönte.

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Der gute Onkel D 0 lck hatte, wie alle Jahre um die Weihnachtszeit, auch Diesmal dasRotkäppchen" mit vieler Sorgfalt, Liebe und Mühe eingeübt. Ru­dolf Loh machte die Musik dazu, und Herr L ö f f - l e r versteht sich ja darauf, wie man weiß, recht schöne und farbenfrohe Bilder aufzubauen: die ge­mütliche Weihnachtsstube der Frau Bärbel, ein lustiges Kirmesdörfchen, einen wilden Wald und Großmutters Häuschen mit dem Brunnen davor. Irmgard T r ö m e l hatte die mancherlei Tänze eingeübt, die zwischendrin getanzt wurden, und außer denen, d'e wir schon genannt haben, war der Reigen der hessischen Bauernkinder besonders hübsch anzusehen. Auch Herr K 0 n e n , der für die Beleuch- ttma sorgte, unh Herr Enbrich, ber die vielerlei Kostüme beschafft batte, muffen mit einem Lob be­dacht werden, weil sie sich um das Weihnachts­märchen sehr verdient gemacht hoben.

Es wurde auch sehr schön gespielt. Anneliese Garbe war das Rotkäppchen, zuerst eine große Puppe, hernach lebendig und vergnügt und sehr er­schrocken wie aus dem Märchenbuch. Gustav Brunn war Jsegrimm, ein böser, überaus natür­licher Wolf mit einem schrecklichen Rachen und

einem buschigen Schwanz; man konnte sich fürchten, wenn man ihn sah. Herr Geiger als der Polizist und Herr L 0 w i tz als der luftige Blasius erfüllten Dorf und Wald mit vielem Spaß und Gelächter und gefielen allen Kindern gut. Hella Henzky war die freundliche Märchentante und die alte, gebrechliche Großmutter, Herr Hans Bernd Müller ein grasgrüner Jäger. Das Marienkäfer­brautpaar waren Isabella Theresia Richter und Valeska Lange, Hilde Kneip Rotkäppchens Mutter, Waltraud G 0 e 11 k e eine Glockenblume, und Irene Dotier das kleine Lieschen. Sie alle und auch das kleine Getier und mindere Märchen­volk zeigten sich mtt Eifer bei der Sache.

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Das Theater war am ersten. Nachmittag von vielen kleinen Leuten sehr besucht. Sie spendeten dankbaren Herzens vielen Beifall und gingen be­friedigt nach Hause. Hans Thyriot

Oberhessischer Kunstverein.

Weihnachts-Ausstellung oberhessischer Künstler.

Am Sonntagvormittag wurde die Weihnachts­ausstellung oberhessischer Künstler im Foyer des Stadttheaters eröffnet. Sie Dauert bis zum 24. De­zember und umfaßt Oelgemälde, Graphik unD Pla­stik; in Der Zusammensetzung überwiegt, wie fast immer, Die Malerei weitaus. Die Zahl Der Aus- fteüenDen ist Diesmal verhältnismäßig begrenzt; man hat, wie uns mitgeteüt würbe, eine scharfe Auslese unter Den zur Wahl stehenben Arbeiten getroffen. Daß Die Lichtverhältnisse im Theater- foyer wenig günstig sind, wurde schon bei früherer Gelegenheit bemerkt; man muß diese durch die Zeitverhältnisse bedingte Beeinträchtigung in Kauf nehmen, und wir dürfen uns freuen, daß über­haupt eine Möglichkeit geschaffen wurde, die schon ttaditionell gewordene Weihnachtsausstellung auch in diesem Jahre zu verwirklichen.

Im einzelnen: F. Döring greift mit dem Pflügenden Bauern" ein altes, aber nie veralten­des Motiv wieder auf; eine gesunde, bodenständige Malerei von schlichter Wirklichkeit. G e 11 f u s , Bad-Nauheim, hier seit Jahxen bekannt, darf als der Humorist und Idylliker dieser Ausstellung

gelten; feine Figurengruppen (Dpa",Atte Be­kannte" undAntiquitäten") werden Auge und Gemüt manches Besuchers erfreuen. Hagenauer, Gießen, wird in feinen Bildern (Sonnenblumen", Schiffenbergertal") immer einfacher und klarer in Farben und Formen, kräftig, fest, auf das Wesent­liche zielend; auch ein paar markante Studienblät­ter sind hier zu nennen; ein eigenartiges Motiv, man könnte an Klinger denken, ist derBerg­friede". Großhaus, Lützellinden, zeigt neben einer heimatlich vertrauten Ansicht der Badenburg u. a. ein schönes, klar ausgearbettetes Porttätblatt. Don Klingelhöf er, Großen-Linden, sei außer einer stillen Vorfrühlingslandschaft ein herzhaftes Blumenstück mit Pfingstrosen genannt Auch Kröll, Gießen, ist recht vielseitig mit noch unbekannten Arbeiten vertreten; neben den Landschaften von Ortenberg und Bad Orb bringt DerFischerjunge", ein Böcklin-Motiv, einen neuen Klang in das seit­her gewohnte Blld. Von Frornmann, Gießen, sieht man eine zeitnahe Soldaten-Gruppe Jame« raben" und eine sanfte, feingliedrig aufgebaute Mosellandschaft.

Der Kunstgewerbler Küchel, Gießen, zeigt Dies­mal einige zarte, zeichnerisch lebhaft bewegte Stu­dienblätter. L i rn p e r t, Gedern, greift in der wuch­tigen Architektur von Runkel an Der Lahn ein im­mer roieDer anziehendes, malerisches Motiv auf. Rix, Gießen, zeigt einen beschaulich stillen Gie­ßener Altstadtwinkel mit der Stadtkirche im Hin­tergründe. Schippet, Gießen, bringt zwei liebe- voll und sehr sorgfältig ausgeführte Stilleben, Astern" undStilles Eck". V i e h m a n n , Klein- Linden, ist mit einigen guten, neuen Arbeiten zur Stelle; er hat sich, wie etwa das schone, kräftig ge­malte Sonnenblumenbild oder berWachhabenbe Soldat" erweisen, in seiner Malerei erfreulich ent- nudelt. Wölfinger, Harheim, bringt eine große, trocken gemalte FigurengruppeDr. Goebbels und Gauleiter Sprenger", sehr lebenbig in der Kompo­sition und in der Porträtähnlichkeit der Gesichter. Die Plastik wird diesmal allein von Bourcarde vertreten: mit den beiden Bildnissen seiner Tochter Lore und Hanne; beide Stücke, Rundplastik und Relief, wirken fein, liebevoll durchgeformt und kind­lich beseelt. Es ist zu wünschen, daß Die Weih­nachtsausstellung sich eines regen Besuches erfreuen und auch die erwarteten Verkaussergebnisie zeitigen wird. Hans Thyriot