Ausgabe 
2.7.1940
 
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Iit.154 Smettes Blati Metzen» Anzeig« Itzmeral-Anzelger für GderheA») Dienstag, 2. Zuli 1940

Aus der Stadt Gießen.

Zuli, die Zeit der Fülle.

333. Jahresfeier der

Ludwigs-Universität Gießen.

Die Sonne hat ihren höchsten Stand überschrit­ten, das frische Grün und die berauschende Blüten­pracht, mit der noch der Juni das Äuge erfreute, weichen allmählich ernsteren und satteren Tönen. Die Felder werden gelb, die Aehren neigen sich unter der Last der Körner, Obst und Wein werden von der Sonne reif gekocht, der Garten schenkt uns Kirschen und Himbeeren und eine reiche Blu- menprucht, die der des Juni nicht nachsteht. Wie die Jahreszeiten sich immer die Hand reichen, so trägt auch der Juli mit dem Ausklang der Heuernte und mit. späten Erdbeeren noch den letzten Stempel des Frühsommers, während am Ende dieses Mo­nats, am 23., schon die Hundstage, die eigentliche Hochsommerzeit, beginnen, die für die zeitlich fort­geschrittensten Gegenden unseres Vaterlandes schon den Beginn der Ernte bringen, während für die weiten landwirtschaftlichen Gebiete des deutschen Ostens erst der August der eigentliche Erntemonat ist.

In der freien Natur tritt die Blumenfülle gegen die des Vormonats zurück. Wohl leuchten aus den Feldern hier und da blaue Kornblumen und roter Mohn, an Rainen und Grabenrändern blühen weiße Margueriten und zartblaue Glockenblumen, in den .Wäldern entfaltet der Fingerhut seine rote giftige Pracht, weiß leuchten die Blütenstände der Schaf­garbe, die früher in devVolksmedizin eine wichtige Rolle spielte und es zum Teil sogar heute noch tut, daneben der ihr so ähnliche aber giftige Schierling. Doch unter der dichten Fülle des sommerlichen Laub­werks treten die Blumen doch mehr oder weniger zurück. In den Gärten dagegen hat menschliche Kunst es verstanden, uns den ganzen Sommer über eine ununterbrochene Pracht zu bescheren, die ge­rade im Juli einen Höhepunkt erreicht, denn die im­mer mehr verlängerte Blütendauer vieler Arten vereinigt auch hier typische Frühsommerpflanzen mit solchen, die eigentlich schon den Herbst ankunden. So ist das vielerlei Blau des Ritterspornes noch nicht ganz vergangen, wenn schon die leuchtende Fülle des Phlox erwacht, den wir in allen Farben­schattierungen, vom reinen Weiß über zartes Rosa und Lachsfarbe bis zum brennendsten Rot und tief­sten Orange besitzen. Auch die Rose, die alte Köni­gin des deutschen Gartens, blüht noch in voller Schönheit; gerade die edelsten Sorten erfreuen uns fast den ganzen Sommer über, bis ttef in den Herbst hinein. Für kräftige Farben im Juligarten sorgen auch Löwenmäulchen und Kapuzinerkresse, Ringel­blumen und Zinnien, Gladiolen und Sommerastern, die unscheinbaren Reseden und Heliothrop erfüllen die Luft mit ihrem würzigen Duft. Sonnenblumen und Malven sind typische Schönheiten des Baüern- gartens, aber mancher Kenner holt sie sich auch in seinen Staütgarten. Die gelb blühenden Stauden, Rudbeckia und Helenium, ebenso die Formen- und Farbenfülle der Dahlien, wirken schon herbstlich, aber trotzdem sind wir ihnen nicht böse, wenn sie schon im Juli unsere Gärten verschönen.

Auch in der Tierwelt vollzieht sich im Juli der Uebergang vom Frühsommer zum eigentlichen Hoch­sommer. Am auffallendsten ist die Veränderung bei den Vögeln, wo nun viele Stimmen verstummt sind. Nur die Amseln und Finken lassen sich in den Morgen- und Abendstunden noch unermüdlich hö­ren. Den meisten gefiederten Sängern nimmt aber jetzt die Sorge für den Nachwuchs Zeit und Lust zum Singen.'Beständig verlangen die hungrig auf- gesperrten Schnäbel der Jungen nach neuer Nah­rung, dazu kommt auch bald der Flugunterricht und bei vielen Vögeln die Mauser, die die Singfreudig­keit mindert. Daß es trotzdem nicht stiller in der Natur wird, dafür sorgen die Grillen und Heu­schrecken und die Frösche, deren schrilles Konzert so untrennbar zu einem warmen Sommerabend gebärt. . _ .

Bei den meisten Säugetieren ist der Juli eine gute Zeit, in der die Jungen schon ziemlich selb­ständig sind und die Sorgen für den Winter noch fern liegen. Für den Jäger bringt der Monat die vollen Freuden der Pirschzeit auf den Rehbock, des­sen Brunft schon Ende Juli beginnt und der den größten Teil des Monats über schon sehr lebhaft ist. .Ebenso ist für die Fischerei der Juli einer der besten Monate. So ist der Juli in der ganzen Na­tur eine Zeit der Fülle.______________________C. K-

In der festlich geschmückten Neuen Aula beging die Ludwigs-Universität Gießen am gestrigen Mon­tagmittag in traditioneller Form ihre 333. Jahres­eier. Zu der Feierstunde waren an der Spitze der Ehrengäste Staatssekretär Reiner als Vertreter des Gauleiters und Reichsstatthalters, Kreisleiter Backhaus als Hoheitsträger der Partei im Kreise Wetterau, Ehrensenator Oberbürgermeister Rit­ter als Vertreter der Universitätsstadt Gießen, fer­ner Vertreter des Staates, der Wehrmacht und anderer Behörden, Ehrensenatoren und zahlreiche Freunde der Universität erschienen.

Nach dem Einzug des Senats und des Lehr­körpers bei dem der Rektor, der Prorektor und die Dekane zum erstenmale in dem neuen Ornat, dessen Grundfarbe braun ist, mit braunem Barett, er- chienen sowie dem Einmarsch der Fahnengruppe leitete

E>e. Magnifizenz her Rektor Professor Ör. meb. H. W. Kranz

die Feierstunde mit einer? Ansprache ein, in der er zunächst Staatssekretär Reiner und die Vertreter von Partei, Staat und Wehrmacht, ferner zum ersten Male die unter seinem Rektorat ernannten neuen Ehrensenatoren der Universität, Oberbürger­meister Ritter, Gießen, und Fabrikant Arthur Pfeiffer, Wetzlar, besonders willkommen hieß. Er erinnerte sodann daran, daß die Universität Gie­ßen im Jahre 1607 von dem Landgrafen Ludwig V. von Hessen gegründet, in demselben Jahre feierlich eingeweiht und mit vier Fakultäten eröffnet wor­den war. Die Universität Gießen ist somit so betonte der Rektor eine der ältesten Universi­täten Deutschlands; von den im 16. und 17. Jahr­hundert durch Stiftungen von Landesfürsten ent­standenen 17 deutschen Universitäten bestehen heute außer Gießen nur noch Königsberg, Jena, Mar­burg, Würzburg und Kiel.

Diele wissenschaftliche Zweige und Institute er­fuhren hier ihre Erstgründung in Deutschland und ihre Entwicklung. Schon im Jahre 1768 bestand ein Bergkollegium, im Jahre 1777 erfolgte die Erst­gründung einer deutschen ökonomischen Fakultät durch Schlettstein. Unsere Veterinärmedizinische Fa­kultät ist die älteste in Deutschland. Auch die Forst­wissenschaft war in Gießen schon sehr frühzeitig vertreten. Ein besonders reiches geisttges Leben hat sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Gießen entwickelt. Der Vater Goethes war im Jahre 1798 in Gießen zum Dr. jur. promoviert. Aber auch Goethe selbst hatte enge Beziehungen zu unserer Universitätsstadt. Der Gießener Physiologe und Anatom Milbrand hat Goethes natur­wissenschaftliche Verdienste bereits vor den meisten seiner Fachgenossen erkannt und anerkannt. Wie­land, Klopstock, Matthias Claudius sind gern in Gießen eingekehrt. Blücher verlebte auf seinem Zuge zum Rhein einen Kommers mit den Gieße­

ner Studenten, auf dem er den berühmtenTrink- spruch hieltGut deutsch oder an Galgen!"

Im 19. Jahrhundert hatte Gießen einen beson­deren Aufschwung genommen, und zwar war es damals ein ganz Großer auf dem Gebiet der klas­sischen Philologie, Friedrich Gottfried Welcker, der hier als erster in Deutschland Professor für griechische Literatur und Archäologie wurde. Seine größte Heit aber hat Gießen wohl mit Justus Lie- b i g erlebt, da es durch ihn und mit ihm zu Welt­ruf gelangte. Fast alle Ärbeiten, die seinen noch heute unverblaßten Weltruhm begründen, sind in der Zeit seines Gießener Wirkens entstanden. So wurde die Universität Gießen die Geburtsstätte der heutigen Chemie und der Ausgangspunkt der mo­dernen Naturwissenschaften überhaupt. Sie war da­mals nicht nur die hervorragendste Zentrale der organischen Chemie, sondern sie ist mit Liebig auch die Geburtsstätte der größten Industrie Deutsch­lands, nämlich der chemischen geworden. Unter den bedeutenden Männern, die von hier ihren Ausgang nahmen, möchte ich als Vertreter der naturwissen­schaftlichen Forscher und als einen der hervor­ragendsten Gießener Gelehrten noch den großen Gießener Physiker Wilhelm Konrad Röntgen nennen, dessen besondere Anhänglichkeit an Gießen dadurch zum Ausdruck gekommen ist, daß er ferne und. seiner Frau Asche in der Grabstätte seiner Eltern in Gießen beisetzen ließ.

Unter den Ehrendoktoren der Universität steht der Name Bismarcks an erster Stelle. Unsere alte Universität kann sich mit einer Tradition voller Ehre und wissenschaftlichen Ruhmes würdig an die Seite jeder anderen deutschen Universität stellen. In den Jahrhunderten großer geistiger Ausein­andersetzungen hat sie immer wieder wertvollste Beiträge zur Entwicklung Deutschlands geliefert.

Jrn vergangenen Arbeitsjahr verloren wir durch Tod den emerit. o. Prof. Geh. Kirchenrat Dr. Dr. phil., Dr. jur. h. c. Gustav Krüger; den emerit. o. Prof. Dr. Hermann Kraeme r; den Amtsgehilfen Karl M a h n k o p p; den o. Prof. Dr. Hermann Reinhold, gestorben als Hauptmann und Batl.-Kommandeur; den Assistenten am phys. Institut Stud.-Assessor Dr. Wernssr Lotz, ge­fallen im Westen; den Gehilfen des Botanischen Institutes Theo Buch, gefallen im Westen. In dieses Gedenken an unsere Toten des vergangenen Jahres schließen wir ein die Toten der Bewegung, sowie die 323 im Weltkrieg gefallenen Professoren, Dozenten, Studenten und Beamten der Universität und alle unsere tapferen Feldgrauen, die im jetzigen Freiheitskrieg die Wegbereiter für Großdeutschland wurden und ihre Treue mit dem Tode besiegelten. Ihr Opfer war nicht umsonst. Sie werden weiter leben in uns und in denen, die nach uns kommen. Im Dienste an unserer deutschen Volksgemeinschaft wollen wir ihnen unseren Dank abstatten.

Ich verkünde nunmehr die Ergebnisse der für das Jahr 1939/40 ausgeschriebenen akademischen Preis-

Oben: Rektor und Pro­rektor an der Spitze des Lehrkörpers beim Ver­lassen der Aula; links der Rektor Professor Dr. med. Kranz, rechts der Prorektor Professor Dr. K l u t e. Nebenstehend: Se. Magnifizenz der Rek­tor Professor Dr. med. H. W. Kranz (in der Mitte stehend), das Schluß­wort mit dem Gedenken an den Führer sprechend. (Aufnahmen [2]: Inge Enke.)

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Nierenleiden

Ich war jahrelang mit einem Nieren-* leiden behaftet, hörte dann von der Heilquelle Karlssprudel. Der Erfolg war 100 °|oig. Ich habe seit 1935 keiner­lei Beschwerd. mehr gehabt. W. Röhl,

Wirtschaftsber., Rostock, Rich.-Wagnerstr. 17. 4. 2. 38. 20 grofje Flaschen RM 12 60. SO grobe Flaschen RM 25. Fracht hin und zurüd< frag1 der Brunnen Heilquelle Karlssprudel, Biskirchen A.

aufgaben. Es kommt nur eine kleine Zahl von Preisen zur Verteilung, da der größte Teil der Stu­dierenden ihre begonnenen Arbeiten infolge Einbe­rufung zum Heeresdienst nicht fertigstellen konn­ten. Für die Erlangung des Diezpreises 1940 wurde von der Phil. Fakultät I das Thema gestellt: Das Erleben von Oertlichkeit und Zeitgeschehen im Zusammenhang des Romanbildes in Guy de Pour- talesLa peche miraculeuse. Den vollen Preis erhielt für feine Arbeit der Studienreferendar Her^ mann Reidt, Heuchelheim, zur Zeit im Felde. Von der Phil. Fakultät II wurde aus dem Gebiete der Physik das Thema gestelltEs ist eine Methode zur Erzeugung und Dickenmessung von festen Schichten auszuarbeiten, deren Dicke den Wellenlängenbereich des sichtbaren Lichtes nicht überschreitet". Den Preis erhielt Walter Dörr, cand. phys. aus Gie­ßen. Die Pflegschaft der Osann-Beulwitz-Stiftung hat folgende Preise zuerkanrch 1. Dr. Walter Gtzeb, Assistenzarzt und ---Untersturmführer, einen vollen Preis für die Lösung der Preisauf- gabe:Die Papillarkörper der menschlichen Haut". 2. Studienreferendar Georg Heinz O 11 e r b e i rt einen vollen Preis für die Bearbeitung der Preis­aufgabe:Die Kompositlon der Schrift des alten Cato über den Landbau". Als Rektor beglück­wünsche ich Sie im Namen der gesamten Universität als Preisträger.

Wenn wir heute in Gedanken den Weg zurück­gehen, den unsere alte ehrwürdige Alma mater durch über 11 Generationen gegangen ist, so wollen wir auch daran denken, daß die ersten Jahrzehnte ihres Bestehens in die Ausgangszeit schwerster welt­anschaulicher Konflikte freien. Deutschland blutete damals im Dreißigjährigen Kriege aus und war völlig erschöpft. Es verlor feine Vormachtstellung im Westen und wurde vom Weltmeer abgeschlossen. Seine Reichshoheit wurde vernichtet und seine Rasse-

Der Fuchs von Glenarvon."

Ein Tobis-Film vom Frciheitskampf der Iren.

Seitdem die Briten Irland im Jahre 1171 er­obert haben, haben sie ihre Herrschaft auf der ,-,Grünen Insel" nur durch skrupellosesten Terror behaupten können. Länger als sieben Jahrhunderte hindurch hat das irische Volk, in Rasse, Geistesart und Temperament, in sozialer Struktur und religiö­ser Ueberzeugung grundverschieden von seinen Unter­drückern, nicht einen Augenblick aufgehört, für seine Freiheit zu kämpfen, mit all den Waffen, die einem durch brutale Wirtschastsmethoden in seinem Volks- bestand dezimierten, im natürlichen Reichtum seines Landes zerrütteten, durch Kriegsrecht und militä­rische Besetzung niedergehaltenen Volke übrig blei­ben: mit den Waffen der Verschwörung, der Ge­heimbünde, der blutigen Aufstände und schließlich der offenen Revolution in einem Augenblick, wo England durch die Sorgen des Weltkrieges in feiner Handlungsfreiheit gebunden war. Vom Aufruhr der Ostertage des Jahres 1916, so hart er niederge­schlagen wurde und so schwere Opfer er kostete, datiert die Befreiung Irlands, denn die Empörung, die die Schreckensherrschaft der britischen Sol­dateska namentlich bei den Millionen Iren Ame­rikas, Südafrikas und Australiens auslöste, zwang die britische Politik zum Einlenken. Seitdem haben die Iren zäh und kompromißlos Schritt für Schritt ihre Unabhängigkeit errungen, .so daß Irland heute in dem Schicksalskampf des britischen Welt­reichs neutral beiseite steht, freilich als der weit Schwächere in steter Gefahr, von den Briten erneut mißbraucht zu werden.

Eine Episode aus der dem Einlenken Englands vorausgegangenen Phase letzten erbitterten unter­irdischen Kampfes der Iren gegen ihre Unterdrücker hat M. W. K i m mi ch in seinem Film:Der Fuchs von Glenarvon" nach einem Drehbuch von Rolf Neumeister und Hans Bertram packend ge­staltet. Der Film ist deshalb überzeugend, weil er nicht bei den Äußerlichkeiten einer erregenden Handlung stehen bleibt, sondern versucht, die Wur­zeln dieses in sieben hundertjährigern Kampf genähr­ten Hasses in der so grundverschiedenen Geistesart beider Völker bloßzulegen. Hinter den Kulissen einer

von Briten und Iren zusammenführenden frostiger Höflichkeit beherrschten Geselligkeit auf den Land­sitzen des irischen Adels tobt um so fanatischer der Kampf, der eines Tages von jedem klare Entschei­dungen fordert. So scheitert auch das undurchsichtige Spiel, das der britische Friedensrichter von Glenar­von zwischen trifdjen Patrioten und britischer Be­satzung treibt, schließlich an der Härte dieses Ent- greder-Oder. Nur die Liebe zu seiner irischen Frau wirft ein etwas milderes Licht auf diesen tückischen Charakter, dem Verschlagenheit und Hinterlist die Mittel sind, seinen maßlosen Ehrgeiz und Geltungs­drang zu befriedigen, ja dem selbst seine Frau im Grunde nur ein Objekt ist, das er gekauft hat, um es zu besitzen und in dem gefährlichen Spiel zwi­schen Iren und Briten skrupellos einsetzt. Als seine großspurige Lebensweise ihn in wirtschaftliche Kata­strophe zu führen droht, machen ihn gewissenloser Versicherungsbetrug und heimtückischer Mord zum ge­meinen Verbrecher, der auf der Flucht vor der Rache der von ihm an die Briten verratenen irischen Pa­trioten den Tod im irischen Moor findet. Ferdinand Marian spielt diesenFuchs von Glenarvon" mit jener klugen Zurückhaltung und Beherrschtheit, die diesem dunklen Ehrenmann die Glaubwürdigkeit lassen. Neben ihm vertreten das Britentum Paul Otto und eine Reihe weiterer scharf geprägter Typen von kaltherziger Entschlossenheit bis zu blind­wütender Brutalität.

Die irische Frau des Friedensrichters gehört als Patriotin dem Geheimbund derBändermänner" an, mit Wissen ihres Mannes, der sie als Spitzel mißbraucht. Erst die Liebe zu einem aus der Ver­bannung heimgekehrten irischen Aristokraten öffnet ihr die Augen für das falsche Spiel ihres Mannes, den sie nach hartem innerem Kampf dem Fehme- gericht derBändermänner" preisgibt. Es ist nicht nur die aparte Erscheinung Olga Tschechowas, die dieser irischen Patriotin das große Format gibt, sondern vielmehr die Sicherheit, mit der sie wie auch ihr Partner Carl Ludwig Diehl das schwer- müttg-schwärmerische Air des Iren treffen, das der Film in großartigen Massenszenen, deren Seele sehr würdig und nobel Friedrich Kayßler ist, unge­mein packend herausarbeitet. Der näck)tliche Trauer­zug bei loderndem Fackelschein durch das gespen­stische Moor, der inbrünstige Gesang des irischen Gottesdienstes, jäh unterbrochen von den peitschen­den Gewehrschüssen britischer Soldateska, dcr düstere

Emst des Fehmegerichts, das sind Szenen von gro­ßem Eindruck, der noch verstärkt wird durch die Musik Otto Konrads, die das Mystisch-Gläubige des irischen Volkscharakters uns^befonders nahe­bringt. Da zudem auch kleinere Rollen mit Schau­spielern von Rang wie Albert Florath, Lucie Höflich, Elisabeth Flickenschildt, Frida Richard u. a. geschickt besetzt sind, ist dieser Film vom Freiheitskampf des irischen Volkes von großer künstlerischer Geschlossenheit. Dr. Fr. W. Lange.

Das Glück wohnt nebenan."

Im Lichtspielhaus Bahnhofstraße geht für wenige Tage ein Film über die Leinwand, der von der hei­teren Seite zu nehmen ist. In lichten Farben und mit nur wenigen Schattenpartien wird das Glück zweier Wiener Mädel geschildert, die sich als Schnei­derinnen mit ihrer Hände fleißigen Arbeit durch das Leben schlagen und da dabei die Begegnung mit einigen Mannsleuten nicht ausbleiben kann auch zu ihrem Glück kommen. Bei einer der beiden sieht dieses Glück ziemlich handfest aus, denn sie heiratet einen Metzgermeister, bei der anderen trägt es einen etwas zerbrechlicheren Charakter, denn ein Künstler ist der Partner. Für sie gilt es also, erst einige Klippen zu umschiffen, bis ihr Schifflein in den Hafen fährt. Da das Ganze die Wiener Vorstadt zum Schauplatz hat, war die Regie unter Hubert Marischka darauf aus, in weichen und wiene­rischen Tönen zu malen. Nur da, wo der Lebens­kreis der beiden jungen Schneiderinnen die Sphäre der mondänen Welt streift, weht eine etwas kühlere Luft.

-Für die Darstellung wurde eine Reihe ausgezeich­neter Darsteller aufgeboten, Maria A n d e r g a st und Olly H o l z m a n n tragen die Hauptrollen und bringen viel Charme auf die Leinwand. Die Part­ner der beiden sind Wolf Albach-Retty und Hans Marr, beide auf ihre Weise und mit Er­folg bemüht, gute Figur zu machen. Ralph Arthur Roberts hat Gelegenheit, sich in der Rolle des eifersüchtigen Ehemannes ,yu gefallen. Hilde Hilde­brand, seine Frau auf Ädwegen, erscheint als mondäne Dame augenfällig blaß, vornehm und ohne Wärme. Grethe Weiser, ihre Freundin, sieht sich wieder einmal in einer wortreichen Rolle. Man fühlt sich eine Stunde lang gut unterhalten.

H. L. Neuner.

Büchertisch.

Gerhard Venzmer: Erbmasse und Krankheit. Mit 50 Abbildungen. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. Kartoniert 2,80 RM. Dr. Venzmer weist auf die Symptome der wichtigen Erbkrankheiten hin und schildert deren Verlauf an Hand von ausführlichen Krankengeschichten. Er er­örtert die Methoden und Maßnahmen, mit denen die neuzeitliche Heilkunde oft auch schwere Krank­heitserscheinung heilen oder bessern kann, und schärft das Verantwortungsbewußtsein, indem er mit aller Eindringlichkeit darauf hinweist, daß auch solche Erkrankungen, die beim einzelnen verdeckt auf­treten oder geheilt werden konnten, vererbt werden. Dazu schildert er die biologischen Grundlagen und stofflichen Vorgänge des Vererbungsgeschehens. Allen die großen Gefahren vor Augen zu fuhren, die Gleichgültigkeit ober Leichtsinn für das Volksganze mit sich bringen, ist die^ Aufgabe dieses Buches.

Christian Diederich Hahn: Bauern« Weisheit unterm Mikrophon, Landbuch für Stadtleute. Preis in Ganzleinen geb. RM. 6,80. (Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O.) Dies Buch führt den Städter, der das Landleben meist nur noch aus der Perspektive des Feriengastes kennt, mitten in die tausend Fragen und Probleme des bäuerlichen Daseins hinein und erschließt ihm eine Welt voller Wunder und' Geheimnisse. Hier sieht und begreift er, wie unendlich vielseitig und verantwortungsvoll die Arbeit des Bauern für die Gesamtheit des Volkes ist; hier wird er auch ver­stehen, daß sie gewiß nicht weniger Erfahrung und Ueberlegung voraussetzt als die städtischen Berufe, über die er im allgemeinen ja viel besser unter­richtet ist. Dies Buch greift in die Geheimfächer vieler Spezialwissenschaften hinein, feien es Tier­psychologie oder Pflanzenkunde, Wirtschaftswissen­schaft oder Betriebsstatistik, Chemie und Technik, Bodenforschung und Wetterkunde, Kultur und Vor­geschichte, Brauchtumsforschung und Bevölkerungs­politik und zeigt in einer fesselnden, an lieber« raschungen reichen Darstellung die eigenwilligen Mächte des Himmels und der (Erbe, der Tiere und der Pflanzen, die das Leben des Bauern regieren. Es lehrt uns uralte und neuzeitlicheBauernweis­heit" verstehen als das Wissen vom Urgrund allen Lebens.